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Freiraumgestaltung als sozialer Kompass

Wieningerplatz: Die Neugestaltung des Wieningerplatzes von Yewo Landscapes zeigt, wie eine vernachlässigte Fläche zu einer klimaresilienten Parkanlage transformiert werden kann. Auf 4.600 Quadratmeter entstand im Westbahnhofviertel ein inklusiver Freiraum mit erhaltenen Altbäumen, neuen Grünzonen und innovativen Wassermanagementsystemen. Das Angebot umfasst Outdoor- Fitnessgeräte, einen Calisthenics-Bereich, einen renovierten Ballspielplatz sowie Tischtennistische und Hängematten für alle Altersgruppen. Artenvielfalt fördern gezielt gepflanzte Hibiskussträucher und Kornelkirschen, die Vögeln und Insekten urbanen Lebensraum bieten.
Wieningerplatz: Die Neugestaltung des Wieningerplatzes von Yewo Landscapes zeigt, wie eine vernachlässigte Fläche zu einer klimaresilienten Parkanlage transformiert werden kann. Auf 4.600 Quadratmeter entstand im Westbahnhofviertel ein inklusiver Freiraum mit erhaltenen Altbäumen, neuen Grünzonen und innovativen Wassermanagementsystemen. Das Angebot umfasst Outdoor- Fitnessgeräte, einen Calisthenics-Bereich, einen renovierten Ballspielplatz sowie Tischtennistische und Hängematten für alle Altersgruppen. Artenvielfalt fördern gezielt gepflanzte Hibiskussträucher und Kornelkirschen, die Vögeln und Insekten urbanen Lebensraum bieten. Foto: Kurt Hörbst, Tanja Neumayer, PlanSinn - Gerlich

Freiräume sind heute mehr als nur grüne Kulisse – sie entwickeln sich zu dynamischen Sozialräumen, in denen lebendige Nachbarschaften entstehen. Landschaftsarchitekt:innen gestalten hier nicht nur funktionale, sondern auch soziale Netzwerke und entwerfen Begegnungszonen, die vielfältigen Ansprüchen gerecht werden.
— LINDA PEZZEI

„Wenn wir in der Landschaftsarchitektur von Freiraum sprechen, meinen wir nicht nur Grünflächen, sondern erweitern den Begriff um eine soziale Dimension“, erklärt Anna Detzlhofer, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur ÖGLA. „Bei der Freiraumgestaltung in Wohngebieten stehen nicht primär Pflanzen im Mittelpunkt, sondern die Schaffung von Begegnungszonen: Aufenthaltsbereiche, Gemeinschaftsgärten und Spielplätze müssen so angeordnet werden, dass Nutzungskonflikte vermieden und vielfältige Aktivitäten ermöglicht werden.“ Erst auf dieser Grundlage würden klimatische und atmosphärische Qualitäten definiert – hier komme der Bepflanzung entscheidende Bedeutung zu.

Freiräume wie Parks könnten laut Detzlhofer bestehende Quartiere mit neuen Wohngebieten verbinden. Als Beispiel nennt sie das Projekt Neues Landgut: „Der Park wurde noch vor den Wohnbauten fertiggestellt und wird bereits intensiv von Anwohner:innen genutzt. Die spannungsvolle Inszenierung durch den Triangel aus Gösserhalle, Schule und Bücherei im Gemeindebau schafft Identität.“

Wie das konkret aussehen kann, zeigt das aktuelle Wiener Vorzeigeprojekt Rote Emma, das 360 geförderte Mietwohnungen sowie öffentliche Infrastruktur wie Kindergarten, Volkshochschule, Verbrauchermarkt und flexible Gemeinschaftsräume vereint. Die Landschaftsplanung von Carla Lo verbindet Aufenthaltsqualität, soziale Durchmischung und ökologische Verantwortung: Kernkonzepte sind die integrative Freiraumplanung sowie multifunktionale Übergänge wie begrünte Balkone, Dachgärten mit Urban Gardening und gestaltete „Schwellen“ (z. B. zwischen Gemeinschaftsraum und Spielplatz), welche informelle Begegnungen fördern sollen.

„Landschaftsarchitekt: innen sollten im Idealfall von Beginn an im Städtebau integriert sein, um Lage, Größe und Nutzung von Freiräumen klar zu definieren und ein ausgewogenes Netz aus privaten, halböffentlichen und öffentlichen Bereichen zu schaffen“, erklärt Carla Lo. „Multicodierte Freiräume in Form von Flächen, die je nach Tageszeit als Spiel-, Ruhe- oder Versickerungszonen dienen, helfen dabei, die soziale Identifikation im Stadtraum zu stärken.“ Das Gemeinschaftsprojekt von migra und BWS setzt auf weiche Übergänge zwischen Rückzug und Begegnung statt abgegrenzter Zonen.

Die BWS-Vorstände Kerstin Robausch-Löffelmann und Mathias Moser betonen: „Es entsteht ein lebendiges Grätzl mit leistbarem Wohnraum, sozialer Durchmischung und ökologischer Verantwortung.“ Und die migra-Geschäftsführer Smajo Pasalic und Alfred Petritz ergänzen: „Die Landschaftsgestaltung fungiert hier als aktivierende soziale Infrastruktur.“

Eric Meinharter von PlanSinn verfolgt einen
integrierten, partizipativen Ansatz.

Urban Gardening als Instrument

Wie groß das Potenzial von gemeinschaftlich nutzbaren Außenflächen tatsächlich ist, zeigt sich auch in der Biotope City in Wien-Favoriten. „Beim gesamten Projekt steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt – von recyceltem Baumaterial über energiesparende Bauweise bis zu Urban Gardening“, erklärt Paul Steurer, Vorstand der Gesiba. „In zwei unserer Wohnhausanlagen konnten wir Gärten realisieren, die für ganz unterschiedliche Nutzer:innengruppen zugänglich sind. So gibt es Beete am Dachgeschoß, einen Garten im ersten Obergeschoß oder auch Hochbeete für körperlich beeinträchtigte Bewohner:innen.“

Eine weitere, bauteilübergreifende Gartenfläche steht sowohl Mieter:innen als auch Eigentümer: innen zur Verfügung. Begleitet wurde das Projekt zunächst von der Caritas-Stadtteilarbeit mit dem Ziel, Anreize für Dialog, Mitgestaltung und die aktive Aneignung des Wohnumfelds zu schaffen – mit großem Erfolg, wie Steurer berichtet: „Die Möglichkeit zum Gärtnern wird sehr gut angenommen. Die Bewohner:innen organisieren eigenständig Geräte, Pflanzen und Bewässerung. Für die gemeinschaftliche Nutzung stellen wir zusätzlich Gartengeräte bereit.“

Partizipation als Planungsprinzip

Doch wie gelingt es, Freiräume so zu gestalten, dass sie nicht nur funktional sind, sondern auch Identität stiften? Für das Wiener Büro PlanSinn liegt der Schlüssel in einem integrierten, partizipativen Ansatz: „Landschaftsarchitektur ist keine Sozialarbeit, sondern arbeitet im besten Fall eng mit ihr zusammen“, betonen Eric Meinharter und Hannes Posch von PlanSinn. „Partizipative Planung kann soziale Komponenten stärker in den Prozess einbringen und wirkt als vertiefender sozialer Layer im Entwurf.“

Ein Beispiel ist das Forschungsprojekt „Lilagreen“, bei dem in einem Living Lab gemeinsam mit Anwohner: innen Strategien für die Klimawandelanpassung des öffentlichen Raums entwickelt wurden. In mehreren Etappen wurden notwendige Maßnahmen identifiziert, diskutiert und in die Planung integriert. Die Beteiligten agierten dabei als Alltagsexpert:innen, gleichberechtigt mit Fachplaner:innen. Auch im kleineren Maßstab zeigt sich das Potenzial kooperativer Planung: Bei der Neugestaltung des Diodato Parks in Wien-Wieden entstand auf engstem Raum ein vielfältig nutzbarer Grätzlpark – mitgestaltet von Anrainer:innen, Schüler:innen und Planer:innen. Die Ergebnisse eines moderierten Beteiligungsprozesses flossen direkt in den Qualitätenkatalog ein und wurden in der Planung konsequent umgesetzt.

Walter-Kuhn-Park:
Der Walter-Kuhn- Park im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Neues Landgut vereint auf 9.000 Quadratmetern vielfältige Nutzungsbereiche und schafft durch durchdachte Gestaltung eine soziale Verbindungsplattform, die gleichzeitig ökologische Ausgleichsflächen bietet und die Quartiersidentität stärkt. Planung: DnD Landschaftsplanung ZT GmbH, superwien, Land in Sicht, Hannes Batik

Schlüssel zur sozialen Stadt

Für Dominik Scheuch, Yewo Landscapes, ist klar: Zeitgenössische Freiraumgestaltung darf keine Kästchenmentalität verfolgen. Statt klar abgegrenzter Zonen für unterschiedliche Gruppen plädiert er für multicodierte Räume mit sanften Übergängen, die Kommunikation ermöglichen und gleichzeitig Rückzug zulassen. Inklusive Freiräume schaffen Aufenthaltsqualität für alle – mit niederschwelligen Angeboten, differenzierten Teilräumen und Gestaltungselementen wie Pflanzenstreifen oder Wasserspielen als Puffer zwischen lauten und ruhigen Bereichen.

Zugänglichkeit, Flexibilität und Partizipation sind für Scheuch die zentralen Hebel für soziale Integration: stufenlose Wege, mobile Möbel, ausreichend Schatten und Platz für Eigeninitiative – wie etwa Urban Gardening oder spontane Nutzung. Besonders wirksam ist es, vulnerable Gruppen wie Kinder oder ältere Menschen als Maßstab der Planung zu nehmen: „Wer für die Schutzbedürftigsten plant, schafft gute Räume für alle.“

Dass partizipative Prozesse auch zur Identifikation und Quartiersbindung beitragen, zeigt sich in Projekten wie dem Wieningerplatz. Die Nutzer:innen wurden frühzeitig eingebunden – mit positiven Folgen für Akzeptanz, Sicherheit und soziale Vielfalt. Auch Bottom-up-Initiativen, „weiße Flecken“ für spätere Aneignung und Kooperationen mit lokalen Organisationen spielen laut Scheuch eine wachsende Rolle. Letztlich, so Scheuch, geht es darum, öffentliche Räume nicht nur zu gestalten, sondern auch zu ermöglichen – als lebendige Orte des Miteinanders, die den Wandel der Stadt nicht nur abbilden, sondern aktiv mitgestalten.

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Von der realen zur digitalen Öffentlichkeit

Prof. Dr. Sabine Knierbein. Foto: Fotostudio Lehmann, Soest
Prof. Dr. Sabine Knierbein. Foto: Fotostudio Lehmann, Soest

Sabine Knierbein spricht im Interview über das Zusammenwachsen der digitalen und der realen Welt im Bereich des öffentlichen Raums und über die Bedeutung von Gemeinschaft in der Stadt.
— PETER REISCHER

Sie befassen sich mit Stadtkultur und öffentlichem Raum. Wie würden Sie Ihren Forschungsbereich kurz beschreiben?

Viele Menschen würden sagen – das ist Stadtforschung. Ich befasse mich wissenschaftlich mit Stadtentwicklung aus dem Blickwinkel der „urban studies“ (Internationale Urbanistik). Wir analysieren bei der Stadtentwicklung den Zusammenhang zwischen der gelebten und der gebauten Stadt. Ich unterrichte an der Fakultät für Architektur und Raumplanung, also geht es dabei um die gestaltende Disziplin in den Ingenieurwissenschaften. Wir vermitteln hier jedoch auch Ansätze, wie man Raum als menschliche Erfahrung verstehen kann, mit Perspektiven auch aus den Sozial- und Geisteswissenschaften. Also, zusammenfassend geht es um einen interdisziplinären Zugang, um Architekt:innen und Planenden unterschiedliche Raumverständnisse erklären zu können.

Stadtkultur und öffentliche Räume sind sehr weitreichende Gebiete, wie weit fassen Sie diese Begriffe?

Wenn es um Stadtkultur geht, gibt es sehr viele verschiedene Zugänge. Unser Zugang ist der der Alltagskultur, weil das viel mit Stadtleben zu tun hat und sich daraus auch andere Formen der Stadtkultur entwickeln: Hochkultur, Subkultur etc.

Gehen Sie da material- oder kontextbezogen vor?

Wir betrachten das Materielle nicht ohne das Relationale. Also nicht ohne die menschlichen Beziehungen.

Ist der Begriff Öffentlicher Raum mit Gemeinschaft gleichzusetzen?

Wir würden das nicht gleichsetzen, denn Gemeinschaft kann ja auch die Gemeinschaft von einigen bedeuten, versus Gemeinschaft von allen oder vielen. Wir sprechen eher vom öffentlichen Leben als einem separaten Teil des Alltagslebens. Wenn man in die Politikwissenschaft schaut, sprechen wir über die öffentliche Meinungsbildung, die öffentliche Sphäre. In der Urbanistik haben wir einen starken Diskurs über Gemeinschaft – der Begriff ist umstritten, weil sich Gruppierungen oft in Abgrenzung zu anderen Gruppierungen als Gemeinschaft fühlen. Das ist für öffentliche Räume problematisch, weil das Abgrenzen zu In- und Exklusionen von Menschen führen kann.

Was kann oder soll die Architektur und Stadtplanung zur Stadtkultur und Gemeinschaft beitragen?

Da gibt es mehrere Punkte: Die Demokratisierung – wir befassen uns zurzeit sehr stark mit dem Thema der Leerstände in Wien und welche Räume für Kunst und Kultur, also für das öffentliche Gemeinwesen und die Alltagsökonomie eröffnet werden könnten. Es geht aber auch um Inklusivität für alle möglichen Gemeinschaften. Das kann für Menschen, die man heute als neurodivers bezeichnet, sein. Das kann aber auch über sprachliche oder andere Barrieren hinweg gehen. Das Kriterium dafür ist die Offenheit der Räume und der in ihnen möglichen räumlichen Praktiken. Da sind die Erdgeschoßzonen, die Stiegenhäuser oder in den Gründerzeitbauten die Hinterhöfe sehr wichtig als Räume möglicher zivilgesellschaftlicher Aneignung.

Gibt es einen Widerspruch zwischen Kultur, Gemeinschaft und Öffentlichkeit?

Je nachdem, wie man es auslegt. Prinzipiell sehe ich einen gemeinsamen Nenner bei den Begriffen öffentlicher Raum, öffentliches Leben und Stadtkultur, die setzen sich alle mit den unterschiedlichen Formen der Alltagskultur und des Alltagslebens in der Stadt auseinander. Der Begriff „Gemeinschaft“ kann da widerspruchslos integriert werden, wenn man ihn als offenen Begriff sieht. Wenn man ihn als Wertegemeinschaft versteht, die enge Grenzen zieht, kann es Widersprüche geben. Im öffentlichen Raum kann man einen demokratischen Grundkonsens über unterschiedliche eng gefasste Gemeinschaften hinweg ausverhandeln.

Was überwiegt im öffentlichen Raum: Individualisierung oder Gemeinschaft?

Das Schöne an der Stadtentwicklung ist, dass wir diese Prozesse meistens gleichzeitig oder im Ping-Pong miteinander sehen. In den westlichen Gesellschaften zeichnen sich in den öffentlichen Räumen Individualisierungstendenzen ab, ebenso wie Konsumorientierung. Der öffentliche Raum wurde mit der Leipziger Charta (2005 von den EU-Innenminister:innen entwickelt) für Branding und Standortentwicklung sehr ökonomisch vereinnahmt. Die neue Leipziger Charta (2020) ist ein gewisser Pendelschlag in die Gegenrichtung, also eine auf neue Allianzen zwischen Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung – eine Betonung auf Gemeinwohl und Gemeinwesen.

Welche architektonischen Voraussetzungen sind nötig, um bei der Aneignung öffentlicher Räume durch die Zivilgesellschaft eine friedvolle Nutzung zu sichern?

Architektur, Städtebau, Raumplanung und Landschaftsarchitektur spielen da eine große Rolle. Aber sie können nicht alles gewährleisten, der Staat muss auch gewisse Regulierungen schaffen oder aufheben. Man sieht in Stadtentwicklungsgebieten (Sonnwendviertel), dass öffentliche, halbprivate Räume mit Stadtmöblierung zugestellt werden. Das ist nett gemeint, aber „too much“, ein bisschen Alibihandlung, weil man auch die Menschen selbst entscheiden lassen könnte: Was braucht so ein Raum an Möblierung und v. a. wer braucht welche Möblierung? Kollektive Großnarrative (etwa in Klassenunterschieden), die vor 30 Jahren noch Kraft hatten, zerfallen in kleinere, identitätspolitische Zuschreibungen. Somit wird Raumaneignung identitätsstiftender und Teil der Identitätskonstruktion.

Prof. Dr. Sabine Knierbein
leitet den Forschungsbereich für Stadtkultur und öffentlicher Raum an der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien. Sie unterrichtet zudem Internationale Urbanistik.

Gibt es da Wertungen?

Das kann man analytisch betrachten – was bewirkt was? Ein gutes Beispiel ist das Guerillagardening. In Liesing hat man in der Nähe eines alten Gemeindebaus so ein Projekt angedacht, da haben die Menschen eine Unterschriftenaktion dagegen gestartet. Sie hatten Angst, dass da was Neues kommt und vielleicht ihr Bau abgerissen wird. Man sieht, dass solche Initiativen, je nach Bevölkerungsgruppe oder -gemeinschaft ganz unterschiedlich aufgefasst werden können.

Gewalt im öffentlichen Raum, Aneignung durch nicht demokratische Gruppierungen?

Wir haben in unterschiedlichen Gebieten von Wien eine Studie gemacht, um festzustellen, wie der nichtdigitale und der digitale Zugang von Jugendlichen zum öffentlichen Raum ist. Über sozioökonomische und andere Merkmale hinweg. Und dabei festgestellt: Er ist gar nicht so unterschiedlich zwischen wohlsituierten und weniger gut situierten Jugendlichen. Bei der Polarisierung spielt Social Media auch bei der Aneignung öffentlicher Räume eine zentrale Rolle. Bevor man mit dem Finger auf diese Gruppen zeigt, sollte man sich als Stadtentwicklungsverantwortlicher erst anschauen, was beeinflusst diese Gruppen, wie sozialisieren sie sich. Da ist zum Beispiel die toxische Maskulinität, die über die sozialen Medien verbreitet wird, zu erwähnen.

Sind kulturelle und geschichtliche Bildung eine wesentliche Voraussetzung für ein demokratisches Herangehen im Hinblick zur Nutzung öffentlicher Räume?

Diese Frage kann man gar nicht verneinen. Geschichtsbewusstsein ist zwingend notwendig, Geschichte wird heute teils aber anders entdeckt. Jugendliche zum Entdecken kluger Inhalte im Internet anzuleiten, gelingt der älteren Generation nicht, weil die älteren Generationen wenig, bis keine „literacy“ haben, wir sind quasi Analphabet: innen, was neue digitale Nutzungsmuster betrifft. Das ist eine große strukturelle Herausforderung.

Können bauliche Maßnahmen helfen?

Ja, aber ich würde es immer auf Nutzungsprogramme von Bauten erweitern. Wir reden in der Raumplanung und Architektur viel über soziale Infrastrukturen. Das könnten vakante Räume sein, die für gemeinschaftliche Initiativen freigegeben werden, die vielleicht generationenübergreifende Schulungen zur digital literacy betreffen. Unser Zugang zu „Raum“ ist, dass es um gesellschaftliche Produktionsprozesse geht, die aus gesellschaftlichen Schritten und Verhandlungen erwachsen.

Wird das Thema Stadtkultur in der politischen Agenda in Wien vernachlässigt?

Das muss man mit JA beantworten. Die Raumverfügbarkeit für derartige Initiativen ist meist wenig bis gar nicht gegeben. Stadtkultur ist immer ein Bereich der „Software“ von Stadtentwicklung, für die es Ressourcen geben muss (z. B. Referat für Soziokultur) und auch bei der „Hardware“, also beim Bereitstellen von leer stehenden Infrastrukturen gibt es Schwierigkeiten, die den Eigentumsbegriff betreffen.

Wie kann man den Widerspruch zwischen materiellem/realem und digitalem öffentlichen Raum lösen?

Bei der Jugend gibt es diese Trennung nicht (mehr). Das Digitale ist real und das andere ist auch real. Vi(rtual)-Realspaces: Man nennt das vireale öffentliche Räume. Wenn sich junge Menschen außerhalb der Wohnung verabreden, ist der Ort zwar real, aber auch digital anpassbar. Wenn jetzt irgendwas nicht passt, geht die Gruppe einfach woanders hin, wo sie sich verabreden können. Diese neue Mobilität von jugendlichen Gruppen auch über Grätzlgrenzen hinweg hat diese vireale Welt neu ermöglicht, sie bleiben nicht mehr unbedingt allein in ihrem Grätzl.

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Stadt im Werden – zwischen Industrie und alten Pappeln

Reininghaus wächst. Im Vordergrund der Jochen-Rindt-Platz mit den Schwammstadt-Bäumen und dem ruhigeren Quartier 6a, dahinter die Wohntürme beim Reininghauspark. Fotos: Chris Radl, Martin Schönbauer
Reininghaus wächst. Im Vordergrund der Jochen-Rindt-Platz mit den Schwammstadt-Bäumen und dem ruhigeren Quartier 6a, dahinter die Wohntürme beim Reininghauspark. Fotos: Chris Radl, Martin Schönbauer

Noch fehlen wichtige Puzzlesteine, aber es geht voran auf dem Grazer Reininghaus-Areal. Selbst wenn sie von den Wohnhochhäusern in die Mangel genommen wird, ist die alte Tennenmälzerei ein kraftvoller Ort der Begegnung.
— FRANZISKA LEEB

Gerade einmal eine Viertelstunde hat es mit der Straßenbahn vom Hauptbahnhof auf die sonnige Caféterrasse mit Blick auf den Reininghauspark gedauert. Das gut besuchte Bäckerei-Café im „Mirror“ genannten rostbraunen Wohnhochhausensemble ist der einzige Ort, den ich ausfindig machen kann, um mich bei einem doppelten Espresso auf einen Tag im größten Grazer Stadtentwicklungsgebiet einzustimmen.

Gegenüber dem noch unbebauten Baufeld Q2 und zwischen den Wohntürmen „Green Tower“ und „Esplanade 7“ (Architekt Thomas Pucher, Bauträger: Wohnbaugruppe Ennstal) ist die denkmalgeschützte Tennenmälzerei ein kulturelles Zentrum.

Ein Stück weiter ist der schicke Pavillon mit Holzwaben-Dach und verspiegelten Alu-Fronten ein Blickfang an der UNESCO-Esplanade, der zentralen Erschließungsachse des neuen Stadtteils. Erst später stelle ich fest, dass der Nahversorger- Kiosk nicht ausnahmsweise geschlossen ist, sondern neue Betreiber sucht. Immerhin ist auch eine öffentliche Toilette integriert, so steht der fesche Bau bis zur Neuübernahme nicht ganz nutzlos da.

Hier an der Ostseite des Parks befindet sich die Stadtterrasse von Reininghaus. Sie ist Schauplatz des freitäglichen Bauernmarkts, im Acht-Minuten-Takt bleibt die Straßenbahnlinie stehen, kein Autolärm, nur Baulärm im Hintergrund. Die Szenerie ist die eines modernen europäischen Stadtteils und könnte ganz ähnlich auch in Kopenhagen oder Lyon stattfinden. Ich bin überrascht, wie sympathisch sich mir der neue Stadtteil auf den ersten Blick präsentiert, dessen Entwicklung sich eine Zeit lang etwas holprig gestaltet hat.

Stadtteilführung mit ÖWG-Projektentwickler Florian Stadtschreiber

75-jähriges Jubiläum

Die 54 Hektar sind in 20 Baufelder, sogenannte – von Q1 bis Q20 durchnummerierte – Quartiere unterteilt, die von insgesamt 17 Bauträgern bebaut werden. Drei davon entwickelt die ÖWGWohnbau, die an diesem sonnigen Frühlingstag anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens einlädt. Auf den Reininghausgründen stellte sie voriges Jahr das Quartier 6a Süd mit den charakteristischen orangefarbenen Beschattungspaneelen (Architekten KFR) fertig.

Nördlich davon herrscht gerade Baustellengewurl in der Baugrube für das Prestigeprojekt, das Wohnhochhaus direkt am Park, das wie auch die anderen Parkquartiere ein Entwurf von Pentaplan ist. Insgesamt werden es in allen ÖWG-Objekten auf den Reininghausgründen rund 1.000 Wohnungen sein. Seit Herbst 2024 ist man daher auch mit einem Service- Büro für die bereits bestehenden und zukünftigen Bewohner:innen vor Ort.

Die Gewölbe der Tennenmälzerei wurden für neue Nutzungen adaptiert.

Lange Geschichte

Als die ÖWG 1950 gegründet wurde, spielte die aus Westfalen zugewanderte Industriellenfamilie Reininghaus schon beinahe ein Jahrhundert lang eine wichtige Rolle im österreichischen Brauereigewerbe. Auf dem Grazer Steinfeld stellten die Brüder Reininghaus nicht nur Bier, sondern auch Malz, Spiritus, Likör, Essig und Presshefe her. Im Zweiten Weltkrieg war die Brauerei unter die Herrschaft der Nazis geraten. Nach dem Krieg bauten die Nachfahren der Gründer das Unternehmen wieder auf, seit den 1990er-Jahren ist die Marke Reininghaus Teil der Brau Union Österreich AG und das Reininghaus- Areal ein Hoffnungsgebiet der Grazer Stadtentwicklung.

„Ein neuer Stadtteil braucht Zeit, bis er seine DNA entwickelt.“

Florian Stadtschreiber, ÖWG

2005 kauft die Immobilienentwicklungsgesellschaft Asset One das Areal und erstellt fünf Jahre später mit der Stadt Graz den Rahmenplan zur Entwicklung des neuen Stadtteils. Nach dem Rückzug von Asset One und einer Bürger:innenbefragung, die sich 2012 gegen den Ankauf des Areals durch die Stadt Graz aussprach, werden die Reininghausgründe an die verschieden Bauträger verkauft. Und ab 2017 erste Bauprojekte umgesetzt.

Die tim-Mobilitätsstation beim Green Tower, im Hintergrund die Stadlauer Malzfabrik. Fotos: Nikola Milatovic, Martin Schönbauer

Florian Stadtschreiber ist der perfekte Begleiter, um Nachschau zu halten, was seitdem geschehen ist. Er leitet die Projektentwicklung der ÖWG und ist Vorstandsmitglied im Verein Stadtteil Graz Reininghaus. „So ein neuer Stadtteil braucht einige Zeit, bis er seine DNA entwickelt“, weiß er. Der aus dem Eigentümerboard der Bauträger hervorgegangene Reininghaus- Verein unternimmt einiges, um diese DNA jenseits des Gebauten zu entwickeln. Man kooperiert mit Kunstfestivals wie der Diagonale oder Klanglicht, ermöglicht Kunstprojekte und fördert die Entstehung eines lebendigen Stadtteils. 2023 gab es dafür eine Auszeichnung mit dem Kunstsponsoring- Preis Maecenas. „Wir haben uns hier auch manches von der Stadtteilarbeit und den Kulturinitiativen in der Seestadt Aspern abgeschaut“, gibt Florian Stadtschreiber zu.

Pro Quartier gibt es Gemeinschaftsräume, deren Größe in den Bebauungsbestimmungen festgeschrieben ist. Deren ursprünglich quartiersübergreifendes, über eine App geplantes Management ist nicht gelungen; nun kümmert sich jede Hausverwaltung um die Organisation auf der eigenen Liegenschaft, in der Regel mit eigener App und einem Schließsystem. Jedenfalls muss niemand irgendwo hinfahren, um sich den Schlüssel abzuholen und ihn nach dem Kindergeburtstag wieder zurückzubringen.

Reininghauspark: alte Pappeln und Wasserflächen, die an die Eisteiche der Brauerei erinnern

Neue Puzzlesteine

Mit dem Graz östlich und westlich der Mur verhält es sich so ähnlich, wie mit Wien diesseits und jenseits der Donau. Der Grazer Osten hat die pittoreske Altstadt und die Touristenattraktionen, der Westen die Neubaugebiete auf ehemaligen Industrieflächen und gefühlt liegt eine Weltreise dazwischen, in Wahrheit keine zwei Kilometer. Das Reininghaus-Areal soll das Zentrum dieses wachsenden Westens werden. Noch muss man sich in Geduld üben, so richtige Zentrumsstimmung mag trotz charmanter Ecken noch nicht aufkommen, aber es kommt Puzzlestein für Puzzlestein hinzu.

„Schön ist, dass sich viel mehr tut, seitdem die beiden Schulen den Unterrichtsbetrieb im vergangenen Herbst aufgenommen haben“, freut sich Florian Stadtschreiber. Um die Mittagszeit beginnen die Schüler: innen aus Volksschule und AHS (übrigens die erste neugebaute in Graz seit 30 Jahren), über die Alte Poststraße zur Straßenbahn zu strömen. Sie sind auch die ersten Frequenzbringer auf dem noch brachliegenden Baufeld Q2 im Herzen des Areals, indem sie Schlupflöcher im Bauzaun nutzen, um die Direttissima von der Schule zur Haltestelle zu nehmen. Hier sollen die mit 63 und 75 Metern höchsten Türme von Reininghaus entstehen.

Der Gebäudekomplex aus der Feder von Architektur Consult und Coop Himmelb(l)au, Auftraggeber ist die GA Immo aus dem Umfeld von Architektur Consult-Chef Hermann Eisenköck, soll mit Handels- und Büroflächen, Gastronomie, zwei Hotels und einem Kongresszentrum das Stadtteilzentrum von Reininghaus werden. Vorläufig bleibt zur Befriedigung der Konsumlaune – bereits ab zehn vor sieben – nur der Lebensmittelmarkt im von Thomas Pucher geplanten Green Tower der Wohnbaugruppe Ennstal. Im zweiten Stock sorgt seit Jänner das Gesundheitszentrum Reininghaus für die medizinische Primärversorgung im Stadtteil. Gegenüber befindet sich ein tim-Mobilitätsknoten. Das steht für täglich, intelligent, mobil, bekomme ich erklärt, und ist ein Mobilitätsangebot der Holding Graz, in diesem Fall mit e-Carsharing und Lastenrad.

Identität durch Industrie

Im Schatten des Turms behauptet sich die denkmalgeschützte Tennenmälzerei als Kraftort und Begegnungsstätte. Hier wurde ab 1888 das Getreide für die Bierproduktion aufbereitet. Das von den neuen Hochhäusern bedrängte Relikt des alten Reininghaus wurde vom Breathe Earth Collective und Hohensinn architektur saniert und mit wenigen reversiblen Eingriffen minimalinvasiv unter Wiederverwendung von gebrauchten Elementen wie Scheinwerfern aus der alten Vorklinik oder Möbeln aus der Arbeiterkammer in Wien adaptiert.

Im Obergeschoß der beeindruckenden Gewölbestruktur, die von der Stadt Graz angekauft wurde, befinden sich die Räumlichkeiten des Stadtteilbüros und Raum für Initiativen aus der Nachbarschaft. Die Veranstaltungsebene im Erdgeschoß kann kostenpflichtig für Veranstaltungen jedweder Art gebucht werden.

Naturwiesen prägen das grüne Band entlang der Domenico-dell’Allio-Allee.

Central Park

Von anderer Dimension als die alte Malztenne ist die hinter den nördlichen Parkquartieren gelegene Mälzerei der Stadlauer Malzfabrik. Damit ihre Lärm- und Geruchsemissionen die angrenzenden Wohnquartiere nicht beeinträchtigen, haben die Bauträger Maßnahmen zur Beseitigung derselben mitfinanziert. Wie die wenigen erhalten gebliebenen umgenutzten Relikte der Brauerei trägt auch die bestehende Industrie eindeutig zur Stadtteil-Identität bei. Das gilt auch für das in Sichtweite befindliche Stahlwerk Marienhütte, das aus Eisenschrott Betonstahl erzeugt. Ob die Produkte auf den Baustellen nebenan zum Einsatz kommen? Vielleicht. Ganz sicher genutzt wird auf den Reininghausgründen die Prozessabwärme der Marienhütte, die mittels hocheffizienter Wärmepumpen für das Nahwärmenetz nutzbar gemacht wird.

Der von ZwoPK geplante Reininghauspark ist ein Gegenpol zu Industrie und das Grüne Herz des Stadtteils. Aus manchen Blickwinkeln sieht er aus wie eine einzige Wildnis, im Begehen erweist er sich als äußerst weitläufige, gut zonierte, abwechslungsreiche Landschaft mit Angeboten für alle denkbaren Bedürfnisse. Die nördliche Parkseite säumen Wasserflächen, eine Reminiszenz an die Eisteiche der Brauerei. Dass das Grün schon so viel atmosphärische Macht entwickelt, liegt zu einem Gutteil am prächtigen alten Baumbestand, wie den prächtigen Pyramidenpappeln, die riesige grüne Wände bilden oder den alten Eschen und Platanen.

Man kann sich schon jetzt gut ausmalen, dass dies einmal der Central Park von Graz sein wird, wo vieles stattfinden kann, ohne dass sich die Nutzer: innen in die Quere kommen und wo man schnell einmal auch aus der Innenstadt per Bim anreist, um die Weitläufigkeit zu genießen. Entlang der Domenico‐dell’Allio‐Allee, die vom Park Richtung Süden ein grünes Band bildet, sind Naturwiesen angeordnet. Auf den ersten Blick ziemlich versiegelt wirken hingegen auf den ersten Blick die Flächen am Jochen- Rindt-Platz beim Q6. Der Eindruck täuscht, denn hier wurden die Bäume nach dem Schwammstadt- Prinzip verpflanzt und können sich dank des großen Wurzelraums unter dem Stadtpflaster, der mit Steinen und Pflanzenkohle gefüllt ist, gut mit Wasser und Nährstoffen versorgen.

Schaut so aus, als hätten nicht nur die neuen Bäume gute Entwicklungschancen, sondern auch der ganze Stadtteil. Für eine abschließende Beurteilung ist es zu früh, aber es lohnt sich wohl, hin und wieder auf einen Kaffee vorbeizuschauen.

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Pragmatismus und Utopie

Maria Maltschnig, Direktorin Karl-Renner-Institut, Michael Gehbauer, mit den Preisträgerinnen Anne Kockelkorn, Susanne Schindler, Rebekka Hirschberg und Hannes Swoboda, Präsident AzW. Foto: Astrid Knie
Maria Maltschnig, Direktorin Karl-Renner-Institut, Michael Gehbauer, mit den Preisträgerinnen Anne Kockelkorn, Susanne Schindler, Rebekka Hirschberg und Hannes Swoboda, Präsident AzW. Foto: Astrid Knie

Eine Forschungspublikation zum Zürcher Genossenschaftsmodell wurde mit dem Bruno-Kreisky-Preis für sozial-ökologisches Wohnen und Zusammenleben ausgezeichnet.
— MAIK NOVOTNY

Wenn es um sowohl sozial als auch architektonisch innovationsfreudigen Wohnbau geht, ist Zürich mit seiner langen Tradition des genossenschaftlichen Wohnens ein stadtgewordenes Best-Practice-Beispiel. Diese Kontinuität hat auch unter dem hohem Verwertungsdruck der Gegenwart weiterhin Bestand. Die Mieten in Zürich sind in den letzten 25 Jahren um 60 Prozent gestiegen, die Immobilienpreise haben sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt.

Dennoch wurde von Wohngenossenschaften immer wieder experimentelle Architektur für neue Formen des Zusammenlebens jenseits der Kernfamilie realisiert: Cluster von Mikroeinheiten, Live-Work-Apartments und neue Formen des Mietens. Quartiere und Bauten wie Kalkbreite oder das Hunziker-Areal haben breite mediale und fachliche Resonanz erfahren. Die Durchschnittsmiete in Zürcher Genossenschaften liegt rund 40 Prozent unter jener auf dem freien Markt. Begünstigt wird dies nicht zuletzt durch ein Finanzierungsmodell, bei dem Banken faire Kredite vergeben.

Wie genau das Zürcher Modell funktioniert, wie es sich historisch entwickelt hat, welche Rolle wirtschaftliche und architektonische Aspekte dabei spielen, haben die Forscherinnen Anne Kockelkorn, Susanne Schindler und Rebekka Hirschberg in ihrer umfangreichen und fundiert recherchierten Publikation „Cooperative Conditions: A Primer on Architecture, Finance and Regulation in Zurich“ analysiert und dargestellt. Bei einer Festveranstaltung im Architekturzentrum Wien wurde diese Publikation mit dem Bruno-Kreisky-Preis für sozial-ökologisches Wohnen und Zusammenleben 2024 ausgezeichnet, der vom Karl-Renner-Institut in Kooperation mit dem Verein für Wohnbauforschung ausgelobt und zum dritten Mal verliehen wurde.

„Das Werk zeichnet sich durch seine präzise Analyse und praxisorientierte Perspektive aus, die den Leser: innen nicht nur ein tiefgehendes Verständnis für die Herausforderungen und Chancen des kooperativen Wohnens vermittelt, sondern auch konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt“, lobte die Jury. „Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise, wie die Autorinnen architektonische Qualität mit Aspekten von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit in Einklang bringen. Sie liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung kooperativer Wohnformen in Städten und tragen damit entscheidend zur aktuellen Debatte um bezahlbaren Wohnraum und ökologische Verantwortung bei.“

Teil von Staat und Markt

Zu den Faktoren, die das Zürcher Genossenschaftsmodell so erfolgreich machen, zählen laut den Autorinnen das Kontinuum der permanenten Gemeinnützigkeit, die Unterstützung durch gesetzliche Regularien und städtische Liegenschaftspolitik, die Einkommensunabhängigkeit sowie das kooperative Genossenschaftsmodell. Dass ausgerechnet die ordentliche Schweiz mit ihrer basisdemokratischen Tradition solche Experimente hervorbringt, ist laut den Autorinnen kein Zufall. Denn hier finden Pragmatismus und Utopie zusammen. Dieses Wohnbaumodell, so ihr Fazit, existiere nicht außerhalb von Staat und Markt, sondern als Teil von beiden. Die Forschung zeige auch, dass die öffentliche Unterstützung der Genossenschaften der Allgemeinheit viel Geld in Form von Sozialförderungen spart.

Die Frage, inwiefern das komplexe System des gemeinnützigen Wohnbaus in Österreich von Zürich lernen kann, wurde bei der Preisverleihung auf einem abschließenden Podiumsgespräch von den Autorinnen, Michael Gehbauer, zum Zeitpunkt der Auszeichnung noch Obmann des Vereins für Wohnbauforschung, dem Soziologen Nikolaus Dimmel und der Architektin Sabine Pollak diskutiert. Die Antwort blieb offen – doch dass hier ein wertvolles Buch voller hochverdichteter Erkenntnisse und Analysen vorliegt, darüber waren sich alle einig.

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Panorama der Positionen

„Stadt und Natur“ war das Thema der Talkrunde beim diesjährigen Turn-on-Architekturfestival. Foto: Sebastian Pichler
„Stadt und Natur“ war das Thema der Talkrunde beim diesjährigen Turn-on-Architekturfestival. Foto: Sebastian Pichler

Das Turn-on-Architekturfestival bot an drei Tagen ein hochverdichtetes Programm und präsentierte konstruktive Lösungen und Lichtblicke in schwierigen Zeiten.
— MAIK NOVOTNY

Zum mittlerweile 22. Mal fand im Große Sendesaal des ORF RadioKulturhauses das Architekturfestival Turn on statt. Insgesamt 37 Vorträge, ein Festvortrag und eine Talkrunde sorgten an den drei Tagen für ein hochverdichtetes Programm. Der Bogen spannte sich dabei von Wohnbau bis zu Kultur-, Bildungs-, Verwaltungs- und Infrastrukturprojekten.

Beim Format Turn-on-Partner am Donnerstag und Freitag stellten Architekt: innen im Team mit Vertreter:innen der Bauträger oder ausführenden Firmen Best-Practice-Projekte vor. Der Samstag blieb traditionell den Architekt: innen vorbehalten, die dem Publikum sowohl ihre aktuellen Bauten als auch die ihnen zugrunde liegende Haltung präsentierten. Das bewährte Konzept, möglichst heterogene Entwurfsansätze im Rahmen von Turn on am Samstag zu versammeln, wurde auch heuer weiterverfolgt.

Das Leitthema „Chance in der Krise“ bildete 2025 den Rahmen für planerische Lösungen und Lichtblicke in Zeiten politischer Konflikte und bedrohlicher Klimaszenarien. Letztere bildeten auch den Fokus für den Turn-on-Talk mit der Architektin Astrid Staufer, der Landschaftsarchitektin Isolde Rajek und dem Meteorologen und Stadtklimaexperten Simon Tschannett, der sich dem öffentlichen Raum bei steigenden Temperaturen widmete. In ihrem Festvortrag mit dem Titel „Wer macht Stadt? Wer macht Architektur?“ ging die Schweizer Stadtplanerin und langjährige Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf die Bedingungen, Funktionsweisen und Ziele der planenden Zunft von heute und morgen ein.

Den Schwerpunkt bei den internationalen Vorträgen bildete dieses Mal (nach Frankreich und der Schweiz in den Vorjahren) der Nachbar aus Deutschland. Dazu zählten Projekte aus dem experimentellen Wohnbau wie das Wohnregal von FAR frohn & rojas in Berlin, die Adaption von Bestandsbauten wie die Verwandlung eines DDR-Plattenbaus in ein „Einfamilienhaus-Haus“ durch AFEA, sowie das konsequente Weiterbauen am Campus der Firma Trumpf von Barkow Leibinger Architekten. Das Thema „Um- und Weiterbauen“ von Sanierung bis kreislaufwirtschaftsfähigem Re-Use ist heute aus der Architektur nicht wegzudenken und steht seit Jahren auch bei Turn on im Fokus der Praxis. Mehrere Vorträge an allen drei Tagen zeigten interessante und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Vorfertigung von Bauteilen unterschiedlicher Materialität, vom Wohnbau bis zum Gewerbebau.

Wohnbau im Fokus

Auch die gemeinnützigen Bauträger waren als Turn-on-Partner zahlreich vertreten. Die Alpenland präsentierte gemeinsam mit Henke Schreieck Architekten die Spitalsgärten in Baden, die Heimbau mit den Architekten Dorner Matt den urbanen Holzbau in der Reklewskigasse Wien, Migra und Wogem mit Querkraft Architekten den Wohnbau am Nordbahnhof-Areal, die Siedlungsunion mit trans_city Architekten das Haus Süßenbrunner Straße West, und die wbv-gpa mit HNP und gerner gerner Plus den Lebensraum Muthgasse 50.

Gründerin und Festivalleiterin Margit Ulama war auch bei dieser Ausgabe für die kuratorische Leitung und das Programm verantwortlich, eine Neuerung gab es jedoch: Die Organisation übernimmt die 2024 gegründete Turn on GmbH unter Beteiligung von art:phalanx. Die Planungen für die nächste Ausgabe von Turn on im Jahr 2026 laufen bereits.

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Jetzt investieren

Das Studio 3 im Wiener Funkhaus war der Ort des 81. Symposiums – Die Zukunft des Wohnens. Fotos: Oreste Schaller
Das Studio 3 im Wiener Funkhaus war der Ort des 81. Symposiums – Die Zukunft des Wohnens. Fotos: Oreste Schaller

Erst wenige Tage war die neue Regierung im Amt und schon präsentierte das 81. Symposium von WohnenPlus, in Kooperation mit Der Standard, eines der brisantesten Themen: Die Wohnbaukrise und die Suche nach Wegen zu leistbarem Wohnen. Dementsprechend überbucht und gespickt mit hitzigen Debatten verlief der Nachmittag im historischen Studio 3 des RadioKulturhauses.
— GISELA GARY

Viele Ideen, aber keinen Stein der Weisen – fand die Diskussionsrunde mit Michael Gehbauer, Gabriel Felbermayr, Martin Clemens Weber, Daniel Fügenschuh und Amila Širbegović.

Das Architekturjuwel aus den 30er-Jahren, geplant von Clemens Holzmeister, wird zum Hotel und die oberen Stockwerke werden Wohnungen. Doch das 81. Symposium von WohnenPlus, in Kooperation mit Der Standard, fand noch im „alten“ RadioKulturhaus, im Studio 3, statt. Der Andrang zum Symposium war überwältigend, das Thema „Strategien aus der Wohnbaukrise – Wege zu leistbarem Wohnen“ traf offensichtlich den Nerv aller Bauschaffenden. Die Wohnbaukrise in Österreich spitzt sich zu. Nicht nur Bauträger sind auf der Suche nach praktikablen Strategien, um leistbares Wohnen zu ermöglichen.

Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, präsentierte seine Visionen in seiner Keynote: „Die aktuelle Wirtschaftslage ist vor allem für die Bauwirtschaft eine massive Herausforderung, die sehr hohe Inflation wirkt sich natürlich ebenso auf die Wettbewerbsfähigkeit aus. Der prognostizierte rund sechs Milliarden hohe Konsolidierungsbedarf trägt seines dazu bei.“ Felbermayr ist davon überzeugt, dass es durch das Sparpaket ein weiteres Rezessionsjahr geben wird – umso mehr steigt die Bedeutung, den Wohnbau anzukurbeln: „Damit meine ich Anreize, die das Investieren forcieren. Die Situation am Bau verbessert sich langsam. Eine Dämpfung der Baukosten wird jedoch nur mit Deregulierungsmaßnahmen gelingen. Österreich benötigt zudem politische Leitplanken für die Wärmewende.“

Viele Fragen, seine Einschätzungen betreffend, wie auch eine spannende Diskussion folgten. Amila Širbegović, Referat für strategische Projekte und Internationales, MA 50, plädierte für ein Forcieren des geförderten Wohnbaus – als einzige Chance. Michael Gehbauer, Geschäftsführer wbv-gpa, betonte, dass die Finanzierungsfragen im Regierungsprogramm offengeblieben sind – eine große Unsicherheit für Bauträger: „Der Mietpreisdeckel bedeutet, dass der leistbare Wohnbau noch stärker unter Druck kommt.“

„Wir brauchen Anreize, die Investitionen forcieren.“

Gabriel Felbermayr, Direktor Wifo

Ein Stichwort für Martin Clemens Weber, Leiter Stabsstelle Immobilien der Erste Bank Österreich: „Natürlich, man hätte das auch anders regeln können wie z. B. mit einem Bonus-Malus- System, das auf Hauseigentümer:innen sanften Druck ausübt. Aber ab 2028 zwingt die EU-Gebäuderichtlinie alle zum Sanieren – und das wird ohne Geld nicht gelingen.“

Für den Präsidenten der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen, Daniel Fügenschuh, zeigt das Regierungsprogramm kaum Innovationen: „Das 2,5-Hektar-Bodenziel stand bereits im alten Programm – und nichts ist passiert, ebenso der Plan, pro Jahr drei Prozent zu sanieren oder das Thema Baulandmobilisierung.“


Der politischen Debatte stellten sich Josef Muchitsch, Abgeordneter zum Nationalrat, SPÖ, und Gerald Gollenz, Obmann Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder.

„Es ist 5 vor 12“

Einig waren sich Josef Muchitsch und Gerald Gollenz darin, dass es 5 vor 12 ist und nicht mehr viel Zeit ist für rasch wirkende Maßnahmen. Der Mietpreisdeckel stand im Zentrum der politischen Debatte, die Kritikpunkte waren jedoch unterschiedlich. Während Josef Muchitsch diesen für die Mieter: innen positiv findet, räumte er zugleich ein, dass der Föderalismus eine massive Bremse für rasch umgesetzte Bauprojekte ist.

Gerald Gollenz kann an der Mietpreisbremse nichts Gutes für die Wirtschaft finden: „Wir brauchen einen Turbo – der startet jedoch nicht, wenn den Eigentümer:innen Geld entzogen wird. Ebenso brauchen wir dringend Sanierungsmaßnahmen – Eigentümer:innen brauchen eine Plansicherheit und da hilft die Mietenbefristung.“ Beide betonen die dringende Notwendigkeit der Reduktion der Normen. Auch der Wunsch nach einem Bautenministerium wurde geäußert – „jetzt haben wir wenigsten das Thema Wohnen in einem Ministerium angesiedelt“, so Muchitsch. Dazu Gollenz: „Ja, aber es wird immer nur an Schräubchen gedreht und nicht am großen Ganzen.“


Um- vor Neubau

Amila Širbegović versuchte es positiv: „Zumindest ist die Initiative Housingfirst im Regierungsprogramm und auch das Thema Nachhaltigkeit mit den beiden Säulen Ökologie und Soziales. Die Befristung von Mietverträgen auf fünf Jahre hätte ich persönlich gerne draußen gehabt. Für die Sanierung brauchen wir sicher mehr Förderungen, Wohnen muss leistbar bleiben.“ Gehbauer meinte, den Wohnbedarf könne man nur mit dem Neubau lösen – die Sanierung ist sicher der Schlüssel für Nachhaltigkeit und Werterhaltung: „Aber aktuell können wir ja kaum Rücklagen bilden.“

Fügenschuh will lieber um- vor neu bauen. In puncto Ökologie setzt er sich für eine ehrliche, transparente und auf Lebenszyklus ausgerichtete CO₂-Berechnung ein. Aber auch der Leerstand wie auch Ausnahmen für den Bestand, müssen angegangen werden.

Felbermayr will die Leistbarkeit viel breiter sehen: „Inklusive Ökosystem und Finanzierung. Wenn die Nachfrage steigt, sinken die Mieten.“ Eine Idee, wie Österreich zu mehr Angebot kommt, hat er: „Eine Bodenwertsteuer, orientiert am Verkehrswert des Grundstücks, würde eine Senkung der Grunderwerbsteuer ermöglichen.“ Seine Idee führte zu einem Schlagabtausch mit dem Publikum.

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Tischfrage: Welche innovativen Ansätze wären zur Schaffung von mehr leistbarem Wohnraum möglich?

Welche innovativen Ansätze wären zur Schaffung von mehr leistbarem Wohnraum möglich? Fotos: Oreste Schaller
Welche innovativen Ansätze wären zur Schaffung von mehr leistbarem Wohnraum möglich? Fotos: Oreste Schaller

„Handfeste und praktische Ideen! Wichtig wäre eine Wohnbauförderung für Österreich, die Zweckbindung muss rasch kommen. Das Thema leistbares Wohnen muss Vorrang haben – auch vor sämtlichen Bauvorbereitungen wie Umweltverträglichkeitsprüfungen etc.“
— Doris Molnar, Vorstandsdirektorin, Immobilienmanagement und Wohnungsagenden, Gedesag

„Wir müssen einfacher und schneller werden, das gilt auch für die Flächenwidmung und die Baupolizei. Vorschriften müssen reduziert werden – trotz Rechtssicherheit. Die Wohnbaumittel sollten direkt an die Bauträger fließen.“
— Silja Tillner, Architektin, Büro Tillner Willinger

„Die Baulandmobilisierung wie auch raschere und kurze Bauzeiten, auch beim Bestand, sehen wir als effizientestes Mittel für mehr leistbaren Wohnraum. Wir stellen auch das sehr hohe Qualitätsniveau bei den GBV infrage – das ist schon über dem der frei Finanzierten.“
— Wolfgang Kurz, Architekt, Kurz Architekten

„Förderungen forcieren Innovationen – deshalb brauchen wir mehr Unterstützung, differenziert zwischen Neubau und Sanierung. Der Leerstand muss aktiviert werden und der Nachverdichtung Vorrang eingeräumt werden.“
— Alfred Willinger, Architekt, Büro Tillner Willinger

„Wir empfehlen eine Bauordnung für ganz Österreich und eine zweite für die Sanierung. Wir sind für den Stand der Technik – aber nur dort, wo er leistbar ist. Letztendlich: Wir sollten endlich umsetzen, worüber wir seit 30 Jahren sprechen.“
— Markus Riel, Internorm

„Wir fordern einen Bodenfond für alle Bundesländer, ein einheitliches Mietrecht für alle Wohnungen und eine österreichweite Baulandmobilisierung.“
— Kerstin Puch, TU Wien

„Weniger ist mehr – wir müssen stärker auf Vorfertigung setzen, auf Nachverdichtung, Nutzen des Bestands und Aufstocken.“
— Yvonne Otrob, Direktionsleiterin Strabag AG

„Weniger Bürokratie, Normen und rechtliche Vorgaben. Man kann auch einfacher bauen – und einfach wohnen. Wir brauchen ein Sonderwohnbauprogramm.“
— Andreas Dominko, Gewog

„Wir wollen eine sogenannte Fastlane für besonders nachhaltige Projekte, die den Klimaschutz und das Soziale ins Zentrum stellen. Schnellere Bauverfahren senken zugleich die Baukosten – ein Schlüssel für mehr leistbaren Wohnraum.“
— Alexander Pawkowicz, Geschäftsführer Vöpe

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Herausforderungen und Chancen

Rainer Wallner, Obmann-Stellvertreter, Oberwarter gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft; Dekarbonisierungs-Beauftragter GBV. Foto: Andreas Bruckner
Rainer Wallner, Obmann-Stellvertreter, Oberwarter gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft; Dekarbonisierungs-Beauftragter GBV. Foto: Andreas Bruckner

Der Verband der gemeinnützigen Bauträger, GBV, steht hinter den Bemühungen, die Dekarbonisierung bis Ende 2040 zu realisieren. Dazu wurde der Dekarbonisierungs-Ausschuss ins Leben gerufen.

Die EU-Gebäuderichtlinie EPBD ist von den Mitgliedsstaaten bis spätestens Mai 2026 in nationales Recht umzuwandeln, wobei bis 2040 der Ausstieg aus mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizkesseln erfolgen soll. Daraus ergeben sich für uns Herausforderungen und Chancen. Der Zeitdruck sowie das Volumen des umzurüstenden Wohnungsbestands ist die eine Seite. Allein bei der OSG umfasst der Bestand rund 14.000 Wohnungen, welche nachhaltig und kostengünstig auf erneuerbare Energieformen umzustellen sind. Die Bauträger werden ihre Organisationsdiagramme überdenken und adaptieren müssen.

Der Einsatz von spezifischen Softwarelösungen in Verbindung mit KI wird erforderlich werden, um eine nachhaltige und kostengünstige Umrüstungslösung für die unterschiedlichen Gebäudetypen zu finden. Über all diesen Herausforderungen steht der monetäre Aspekt. Die Bewohner:innen der Bestandswohnungen als auch wir Bauträger müssen kalkulieren können, welche Fördermittel zur Verfügung stehen, da eine langfristig angelegte Kalkulation notwendig ist, wir mit gesicherten Werten in die Wohnungs- und Eigentümer: innenversammlungen gehen müssen, um den Bewohner:innen ein nachhaltiges leistbares Umrüstungskonzept anbieten zu können. Das Thema des nachhaltigen leistbaren Wohnens wird einer neuen Definition bedürfen und es wird von allen Seiten eine dezidierte Erklärung und Zusicherung von Fördermitteln geben müssen.

Eine der Chancen wird sein, dass durch die Datenerfassung ein tatsächlicher österreichweiter Gebäudebestand erhoben wird und sich daraus ableitend eventuell neue Zieldefinitionen für einen klimaneutralen Gebäudetyp ergeben könnten.

Eine weitere Chance könnte sein, dass es durch die Umrüstung zu einem Umdenken in der Gesellschaft kommt, da große Gebäudebestandsverwalter: innen vorzeigen können, dass es Zeit ist, auch klimatechnisch an unsere Nachfolgegeneration zu denken.

Prozessbegleiter:innen

Durch die Umrüstung von Heizungsanlagen von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energieformen können die Arbeitsplätze in der Branche vor allem im Bereich des klassischen Neubaus erhalten werden, da die Projekte durch Projektleiter begleitet werden müssen und zusätzlich eventuell noch Moderator: innen, Mediator:innen, Sozialarbeiter: innen usw. den Prozess begleiten werden müssen. Durch die beginnende Umsetzung kann es zu einer positiven Dynamik kommen, da bisher nicht mögliche Energielösungen einen monetären Mehrwert für die Bewohner:innen bringen. Das Thema des Energiehaushalts eines Gebäudes in Verbindung mit lokalen, regionalen und überregionalen Energiegemeinschaften kann einen Booster darstellen, weil das Thema für die Bewohner:innen greifbar wird.

Das hier Angeführte bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Umrüs- Foto: Andreas Bruckner tung von Wohngebäuden, welche mit Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen ausgestattet sind. Weitaus spannender und kostenintensiver sowie technisch und administrativ herausfordernder dürfte es dann werden, wenn das Gebäude gleichzeitig einer umfassenden Sanierung zugeführt wird. Ohne Berücksichtigung der eventuell ab 2027 geltenden OIBRichtlinie 7, „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“, sprechen wir in unserem Unternehmen von Investitionskosten in der Höhe von rund 600 Millionen Euro, welche wir benötigen, um unsere gesamten Bestandsgebäude auf erneuerbare Energieformen umzustellen bzw. parallel dazu oder zeitverzögert eine umfassende Sanierung vorzunehmen.

Die Zielvorgabe der EU-Gebäuderichtlinie EPBD lautet, dass bis 2050 der Gebäudebestand in Nullemissionsgebäude transformiert werden soll. Parallel dazu soll auch der zukünftige Neubau diesem Gebäudetypus entsprechen.

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Gemeinsam schaffen

Das gemeinsame Gartln bringt Menschen unterschiedlicher Alters- und Kulturgruppen zusammen. Fotos: realitylab
Das gemeinsame Gartln bringt Menschen unterschiedlicher Alters- und Kulturgruppen zusammen. Fotos: realitylab

Warum die Gestaltung und Nutzung gemeinschaftlicher Räume entscheidend für lebendige Nachbarschaften ist, hängt von einer Vielzahl an Umständen ab. Der Mensch steht im Zentrum, der Austausch und das kontinuierliche Angebot an eine aktive Teilhabe zählen zu den erforschten Erfolgsfaktoren.
— SOPHIE ANGERHÖFER, realitylab GmbH

Im geförderten Wiener Wohnbau werden Gemeinschaftsräume von Anfang an mitgedacht. Ob als multifunktionaler Raum im Erdgeschoß, Dachterrassen, Gemeinschaftsküchen oder Urban- Gardening-Flächen: Sie sollen Begegnung ermöglichen, Nachbarschaften fördern und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit schaffen. Doch während manche Gemeinschaftsräume und -flächen mit Leben erfüllt werden, verwaisen andere nach wenigen Monaten. Woran liegt das? Wie können diese Räume lebendig werden? Welche Konzepte braucht es dafür?

Diesen Fragen ging das Modul 107 der Freitag-Akademie für Führungskräfte der gemeinnützigen Bauträger mit dem Titel „Gemeinschaftsräume: Belebt oder verwaist?“ nach. Der Vortrag von Petra Hendrich von realitylab GmbH bietet nicht nur Einblicke in die Potenziale solcher Räume, sondern auch konkrete Hinweise, wie diese erfolgreich geplant, verwaltet und genutzt werden können.

Funktionierende Räume brauchen …
… eine gute Planung, die lernt: Räume müssen flexibel sein und sich den Bedürfnissen anpassen können. … Raum für Mitbestimmung: Bewohner:innen tragen mehr Verantwortung, wenn sie in die Organisation und Pflege von Gemeinschaftsräumen und -flächen eingebunden werden. … Organisation und Verwaltung: Eine klare Struktur hilft bei der langfristigen Nutzung. Das Buchungssystem muss auf die Nutzungsmöglichkeiten angepasst sein (Nutzungsregeln und Zugänglichkeit). Klare Rollen helfen bei der Instandhaltung der Räume, z. B. durch transparente Kommunikation der Aufgaben der Hausverwaltung sowie Ansprechpersonen. Dabei soll die Hilfe zur Selbsthilfe gefördert werden. Einfache Zeichen, wie ein verfügbarer Besen, drücken aus: Alle tragen dazu bei, dass der Raum ordentlich bleibt. … Gemeinschaftsbildung: Nur wo soziale Bindung entsteht, lebt auch der Raum. Das erfordert ein Kennenlernen der Räume und Bewohner:innen. Durch eine Begleitung der Nachbarschaft kann die Selbstorganisation von Anfang an aufgebaut und weiterentwickelt werden. … partizipative Planung: Verwaltung und Organisation muss schon in der Planung mitgedacht werden. Eine Gemeinschaft muss wachsen – das braucht Zeit, Ressourcen und Moderation. Digitale Werkzeuge können das Angebot sinnvoll ergänzen.

Funktionen hinterfragen

Als Erstes gilt es zu hinterfragen, ob ein Raum tatsächlich ein Raum der Gemeinschaft sein soll oder vielmehr wohnungserweiternde Funktionen hat, wie ein Ort für die private Feier, als Homeoffice und Lernraum oder als Gästezimmer. Das hängt auch mit den Möglichkeiten der Hausverwaltung zusammen, diese Funktionen in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu regeln.

Soll ein Raum tatsächlich zum Gemeinschaftsraum werden, dann ist er mehr als nur ein physischer Ort. Er ist eine Einladung zur Teilhabe, ein Möglichkeitsraum für Talente, Austausch und Zusammenarbeit. Damit wird er zu einem Ort, der entweder das soziale Gefüge stärkt oder – bei schlechter Umsetzung – zur Konfliktzone oder zum Geisterort verkommt.

Gelebte Nachbarschaft

Da im geförderten Wohnbau die Menschen mehr oder weniger zufällig nebeneinander wohnen und eine Nachbarschaft bilden, bietet es sich an, genau über die gemeinsamen Räume das soziale Netzwerk aufzubauen. Die Einbindung der Nachbarschaft in die Planung, die Organisation oder die Verwaltung unterstützt diese Prozesse. Mitgestaltung schafft Identifikation und reduziert Konfliktpotenzial.

Neben Räumen können auch Freiflächen wie Gemeinschaftshochbeete einen vielversprechender Möglichkeitsraum in Nachbarschaften darstellen. Gemeinschaftlich genutzte Gärten können als physische und symbolische Verankerung gemeinsamer Werte wirken – vom ökologischen Bewusstsein bis zur sozialen Inklusion. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an Organisation, Engagement und Pflege. Alle tragen Verantwortung und lernen von- und miteinander.

Ein belebter Gemeinschaftsraum nützt dem sozialen Gefüge und dem Zusammenhalt in einem Wohnbau.

Pflegen und nutzen

Unter „Gemeinschaffen“ versteht realitylab, dass gemeinschaftliches Handeln Räume schafft. Dabei orientiert sich realitylab an der Commons-Theorie von Elinor Ostrom. Sie zeigt mit ihrer preisgekrönten Arbeit, dass zum nachhaltigen Funktionieren einer Ressource (z. B. Gemeinschaftsräume und -flächen) eine klare Gemeinschaft (z. B eine Hausgemeinschaft) nötig ist, die diese pflegt, nutzt und dafür bestimme, und selbstgesetzte Regeln und Organisationsformen entwickelt.

Gerade beim Beispiel der Urban- Gardening-Flächen zeigt sich, dass diese besonders gut funktionieren. Bei diesen Flächen ist meist klar: Jene, die mitmachen, kümmern sich um die Flächen. Sie bestimmen, wie diese genutzt werden. Die von Gesetzes wegen immer für alle zugänglich zu haltenden Gemeinschaftsflächen sind öfter konfliktreich oder von rücksichtsloser, im schlimmsten Fall zerstörerischer Nutzung betroffen. Es gibt keine oder kaum Möglichkeiten, verbindliche Regeln und Sanktionen zu setzen und so den Kreis der Nutzer:innen auf jene einzuschränken, die sich dem Erhalt der Ressource Gemeinschaftsraum verpflichtet fühlen.

Analog und digital

Digitale Räume spielen zunehmend eine Rolle. Plattformen zur Raumreservierung, Foren für Nachbarschaftsprojekte, wie beunity, oder WhatsApp- Gruppen ergänzen die physischen Treffpunkte und ermöglichen niederschwellige Kommunikation und Organisation. Auch hier gilt – digitale Räume brauchen Nutzungsregeln, die von allen Beteiligten getragen und (weiter) entwickelt werden. Fazit : „Es kann gelingen …“ – Gemeinschaft ist machbar, wenn man sie gestaltet.

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Grüner Ziegel: Eine Wette mit der Zukunft

Johann Marchner ist vom Aufschwung ab 2026 überzeugt. Fotos: Bianca Gadnik, Wienerberger
Green Brick aus Uttendorf in Oberösterreich: Das Werk wurde auf einen Elektroofen und Photovoltaik umgerüstet – das Ergebnis: 30 Prozent weniger Energieverbrauch, 90 Prozent weniger CO₂ im Produktionsprozess. Fotos: Bianca Gadnik, Wienerberger

Vor Kurzem hat Wienerberger seine erste E-Ziegelbrennerei in Betrieb genommen. Der grün gebrannte Porotherm aus Oberösterreich spart 30 Prozent Energie und verursacht 90 Prozent weniger CO². Anlass genug für einen Besuch bei Johann Marchner, Country Managing Director der Wienerberger Österreich GmbH
— WOJCIECH CZAJA

Es gibt kaum eine Materialbranche, in der er nicht schon tätig war: Zement, Beton, Holzbau, Fassadenplatten und Kunststoffverarbeitung. „Und jetzt bin ich wieder in der Grobkeramik gelandet“, sagt Johann Marchner, seit 2020 Country Managing Director der Wienerberger Österreich GmbH. Seine beruflichen Stationen führten den studierten Chemiker zu Unternehmen wie etwa Lafarge, Rehau oder Lasselsberger Ceramics, doch mit der Geschäftsführung am Wienerberg, sagt der 58-Jährige, sei er nun in einem Unternehmen gelandet, das vor mehr als 200 Jahren an genau diesem Standort begonnen hat, Geschichte zu schreiben. Wir treffen ihn im BRICK-Gebäude, Büro im 2. Stock, Blick hinaus auf die grüne Biotope City.

Warum Ziegel?

Weil mich der Baustoff zutiefst fasziniert. Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher brauche ich das Gute von Holz nicht zu erklären. Die emotionalen Gründe liegen auf der Hand. Und dass die Sache gar nicht so simpel ist, weil wir zur Erreichung einer nachhaltigen Holzwirtschaft einen massiven Umbau der österreichischen Wälder brauchen, interessiert die meisten schon gar nicht mehr. Beim Baustoff Ziegel wird es schon etwas komplexer. Und mich reizt es, diese Geschichte zu erzählen.

Wie lautet die Erzählung?

Unsere Basis ist Lehm, ich kann den Rohstoff Ton präzise zuordnen, ich weiß ganz genau, wo jeder Ziegel hergestellt wurde, ich habe eine lückenlose Transparenz von der Rohstoffgewinnung bis zum Verbauen auf der Baustelle, und wir haben genug natürliche Rohstoffquellen, um ganz Österreich mit Ziegelbauwerken zu erfreuen. Doch das Beste ist: In der Lebensdauer waren wir immer schon und sind wir auch heute noch unschlagbar. Ziegelbauten halten eine halbe Ewigkeit. Und sie sind so schön und so vielfältig nutzbar, dass wir sie auch wirklich eine halbe Ewigkeit behalten wollen.

Angenommen, die halbe Ewigkeit ist erreicht: Was passiert mit dem Ziegel, wenn er eines Tages nicht mehr benötigt wird?

Ziegel ist ein hervorragender Kandidat für Kreislaufwirtschaft – sowohl im Re-Use als auch in Recycling. Viele Bauten weltweit werden mit Abbruchziegeln alter Häuser errichtet. Da reicht schon ein Blick auf die nominierten Projekte beim internationalen Brick Award. Und auch im Re-Use spielt der Ziegel eine große Rolle, beispielsweise als Ziegelsplitt in Bodensubstraten oder als Schwammkörper in der Schwammstadt, denn als natürlicher Werkstoff ist Ziegel feuchtigkeitsregulierend und gesundheitlich unbedenklich. Wir schaffen also geschlossene Kreisläufe.

Einer Ihrer Ziegel wird nun als Green Brick im Elektroofen Uttendorf in Oberösterreich gefertigt. Wie darf man sich das vorstellen?

Wir haben den bestehenden Gasofen durch einen industriellen Elektroofen von One Joon ersetzt, der mit Ökostrom und Strom aus unser eigenen PV-Anlage am Dach betrieben wird. Außerdem haben wir in Uttendorf eine verbesserte Tonmischung, klimafreundliche Sägespäne als Zuschlagsstoff, neue Wärmepumpen und sogar tischgroße, selbstfahrende Transportfahrzeuge, sogenannte Automatic Guided Vehicles – sehr lustig und sehr effizient! Das Projekt wurde vom Klimafonds New Energy for Austria (NEFI) gefördert und entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT). Wir haben 30 Millionen Euro in die Hand genommen, um das Werk grün zu machen. Es hat sich gelohnt: Unterm Strich verbrauchen wir 30 Prozent weniger Energie und können im Produktionsprozess rund 90 Prozent CO₂ einsparen.

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Unterscheidet sich der elektrogebrannte Ziegel von einem klassisch, also fossil gebrannten Porotherm?

Nein, in keinster Weise. Das Produkt ist absolut das gleiche. Das war auch von Anfang an das Ziel.

Wurde mit dem Porotherm aus Uttendorf schon gebaut?

Im November 2024 haben wir das Werk eröffnet, seit März ist der Porotherm aus Uttendorf nun lieferfähig. Die ersten Baustellen, die nun mit dem Green Brick arbeiten, sind ein Hotelzubau in Tirol, eine Wohnhausanlage in Braunau im Inn, eine Reihenhausanlage in Nussdorf am Attersee, ein Kindergarten in Krems und ein Einfamilienhaus in Gänserndorf.

Wird Wienerberger nun auch seine anderen Werke umstellen?

Das ist mittelfristig das Ziel. Aber wir sind technologieoffen. Es gibt viele Möglichkeiten der Dekarbonisierung. Ich sage mal so: Das Pilotprojekt ist eröffnet, die Produktion läuft. Ab jetzt ist es eine wirtschaftliche Wette mit der Zukunft, denn leider ist aufgrund der fehlenden Kostenwahrheit Strom immer noch teurer als Gas. Ob sich das ändern soll oder nicht, ist eine Frage, die wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Denn eines ist klar: Die Ökologisierung wird nicht zum Nulltarif passieren. Die Politik ist gefordert.

Wie lauten Ihre Pläne für die Zukunft?

2021 und 2022 waren gute Jahre für den Ziegel. Der Bedarf nach Corona war mit der Sehnsucht nach Hausbau, Homeoffice und Cocooning so hoch, dass wir nicht einmal in der Lage waren, die gesamten Nachfrage abzudecken. Der Ziegel wurde uns regelrecht aus der Hand gerissen! Mit dem Ukraine-Krieg, der Energiekrise und den steigenden Zinsen kam der große Stopp. Die Baupreise sind in die Höhe geschossen. Die Baubranche ist um 50 Prozent eingebrochen. Auch wir als Ziegelhersteller haben diesen Einbruch 1:1 zu spüren bekommen. In vielen Werken mussten wir die Kapazitäten zurücknehmen. Seitdem versuchen wir, auf Sicht zu fahren. Mein Plan für die Zukunft ist: Wir wollen die prekäre Situation wieder verlassen.

Wann wird Ihnen das gelungen?

Ab 2026 werden wir wieder etwas mehr Aufschwung erleben. Aber ich rechne damit, dass wir noch drei Jahre brauchen, bis wir wieder Normalität erreicht haben werden – vorausgesetzt natürlich, dass die Politik es schafft, die Vertrauenskrise, in der wir alle stecken, wieder aufzulösen.

Gibt es ein Projekt, an dem Wienerberger Österreich gerade tüftelt?

Ja. Wien baut gerade die U2, und schon bald wird die violette Verlängerung auch zum Wienerberg weiterführen. Bester Boden, wie wir wissen! Wir wollen den U-Bahn-Aushub zu Ziegeln weiterverarbeiten. Sowohl für uns als auch für die Stadt Wien wäre das ein fantastisches Vorzeigeprojekt für Kreislaufwirtschaft und Urban Mining. Im Sommer werden wir unseren ersten Prototypen präsentieren – einen Wiener Wandziegel aus dem Aushubmaterial der U2.

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