Wenn der Strom ausfällt, droht der Wasserschaden

Der mehrtägige Stromausfall in Berlin zeigt eine bislang wenig beachtete Gefahr für Wohngebäude: Ohne Strom stehen auch Öl-, Gas-Heizungsanlagen und Wärmepumpen still. Bei Frost können Leitungen und technische Anlagen einfrieren.

Auf der VdS-Fachtagung zur Verhütung von Leitungswasserschäden in Köln, machte Marc Grusdas vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) deutlich, warum die Schadenprävention künftig auch die Abhängigkeit der Gebäudetechnik von einer sicheren Stromversorgung berücksichtigen muss.

Berlin: Ein Stromanschlag mit Folgen für die Gebäudetechnik

Anfang Januar 2026 waren nach einem Anschlag auf die Stromversorgung im Südwesten Berlins mehrere Zehntausend Haushalte und Gewerbebetriebe über Tage ohne Elektrizität. Betroffen waren Wohngebiete, in denen moderne Heizungsanlagen und Wärmepumpen ebenso selbstverständlich sind wie eine funktionierende Trinkwasserversorgung.

Was zunächst als Angriff auf die Energieinfrastruktur wahrgenommen wurde, offenbarte zugleich eine andere Gefährdung: Ohne Strom funktioniert in vielen Gebäuden auch die Heizung nicht mehr. Heizungspumpen stehen still, Steuerungen fallen aus, Wärmepumpen können keine Wärme mehr bereitstellen. Selbst Heizsysteme, die ihre Energie aus anderen Quellen beziehen, sind auf elektrische Komponenten angewiesen. Bei länger anhaltenden Minustemperaturen kann das gravierende Folgen haben.

Genau diesen Zusammenhang macht Marc Grusdas vom GDV in seinem Vortrag deutlich. Der Berliner Stromausfall habe vor Augen geführt, welche Auswirkungen eine längerfristige Unterbrechung der Energieversorgung auf Gebäude und deren technische Anlagen haben könne.

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Während des Stromausfalls herrschten winterliche Temperaturen. Gebäude ohne funktionierende Heizung kühlten aus. Damit entstand auch die Gefahr, dass wasserführende Leitungen und Anlagenteile einfrieren. Ein Leitungswasserschaden muss also nicht zwangsläufig mit einem Materialfehler, einer undichten Verbindung oder einer gealterten Rohrleitung beginnen. Sein Auslöser kann weit außerhalb des Gebäudes liegen – beispielsweise in einem großflächigen Ausfall der Stromversorgung.

Besonders gefährdet: Monoblock-Wärmepumpen

Ein besonderes Augenmerk richtete Grusdas auf Monoblock-Wärmepumpen. Bei diesen Anlagen befinden sich wesentliche Komponenten der Wärmepumpe in einer Außeneinheit.

Je nach Anlagenkonzept führen wasserführende Leitungen vom Gebäude zur Außeneinheit. Fällt bei Frost über längere Zeit die Stromversorgung aus, kann die Frostschutzfunktion beeinträchtigt sein. Das Heizungswasser in den außenliegenden Komponenten kann einfrieren. Durch die Ausdehnung des gefrierenden Wassers drohen Schäden an Leitungen, Wärmetauschern und weiteren Bauteilen.

Grusdas berichtete von einzelnen Fällen, in denen Außeneinheiten von Monoblock-Wärmepumpen tatsächlich eingefroren waren. Teilweise konnten die Anlagen nach steigenden Temperaturen und vorsichtigem Auftauen wieder in Betrieb genommen werden. Allerdings besteht grundsätzlich auch das Risiko erheblicher Schäden bis hin zum Totalausfall.

Wie häufig solche Schäden im Zusammenhang mit dem Berliner Stromausfall tatsächlich aufgetreten sind, lässt sich nach Angaben des GDV bislang nicht statistisch beziffern. Der Verband will prüfen, ob sich in den kommenden Auswertungen eine auffällige Häufung entsprechender Schäden erkennen lässt.

Für die Wohnungswirtschaft ist bereits die technische Erkenntnis bedeutsam: Die zunehmende Elektrifizierung der Wärmeversorgung schafft neue Abhängigkeiten. Eine moderne Heizungsanlage kann bei einer länger andauernden Stromunterbrechung selbst zum gefährdeten Bestandteil der Gebäudeinfrastruktur werden.

Schadenverhütung muss beim Stromausfall beginnen

Der Berliner Vorfall wirft deshalb Fragen auf, die über die klassische Leitungswasserschadenverhütung hinausgehen. Wie lange bleibt ein Wohngebäude bei winterlichen Temperaturen ohne Heizung frostfrei? Welche Vorkehrungen schützen wasserführende Außeneinheiten von Wärmepumpen?

Und was müssen Eigentümer, Wohnungsunternehmen und technische Dienstleister unternehmen, wenn die Stromversorgung nicht nach wenigen Stunden, sondern erst nach mehreren Tagen wiederhergestellt wird? Diese Fragen lassen sich nicht allein mit der regelmäßigen Kontrolle von Rohrleitungen beantworten. Sie gehören zunehmend zur technischen Risikovorsorge im Gebäudebestand.

Dazu zählen geeignete Frostschutzkonzepte für Wärmepumpen, klare Handlungsanweisungen der Hersteller, die fachgerechte Planung und Installation sowie organisatorische Notfallmaßnahmen. Auch muss geklärt sein, wer bei einem längeren Stromausfall die Anlagen kontrolliert und gegebenenfalls notwendige Sicherungsmaßnahmen veranlasst.

Grusdas warnte in seinem Vortrag ausdrücklich davor, die Gefahren zu dramatisieren. Der mehrtägige Berliner Stromausfall sei ein außergewöhnliches Ereignis gewesen. Dennoch müsse die Versicherungswirtschaft die daraus erkennbaren Risiken ernst nehmen. Der Fall zeigt, dass die Verhütung von Leitungswasserschäden künftig stärker mit Fragen der Energieversorgung und der technischen Widerstandsfähigkeit von Gebäuden verbunden werden muss.

Eine neue Aufgabe für die Wohnungswirtschaft

Für Wohnungsunternehmen, Gebäudeeigentümer und technische Dienstleister ergeben sich aus dem Vortrag zwei zentrale Erkenntnisse. Zum einen bleibt die klassische Leitungswasserschadenverhütung unverzichtbar. Die hohe Zahl der Schadenfälle und die steigenden Regulierungskosten zeigen, dass Planung, Installation, Wartung und regelmäßige Kontrolle wasserführender Anlagen weiterhin große Bedeutung haben.

Zum anderen müssen Gebäude zunehmend als miteinander verbundene technische Systeme betrachtet werden. Stromversorgung, Wärmeversorgung und wasserführende Installationen sind voneinander abhängig. Fällt ein System aus, kann daraus eine Schadenkette entstehen, die zunächst nicht offensichtlich ist. Gerade mit dem zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen, aber auch bei Öl- und Gasheizungen gewinnt diese Betrachtung an Bedeutung.

Der Stromanschlag in Berlin war ein außergewöhnliches Ereignis. Die daraus erkennbaren technischen Abhängigkeiten sind es nicht.

Die entscheidende Botschaft des Vortrags lautet deshalb: Schadenverhütung bei wasserführenden Leitungen darf nicht erst am Rohr beginnen. Sie muss auch die Bedingungen berücksichtigen, unter denen wasserführende Anlagen sicher betrieben werden können – und was geschieht, wenn diese Bedingungen plötzlich nicht mehr gegeben sind.

Gerd Warda Forum Leitungswasser / Wohnungswirtschaft heute.

Quellen: Vortrag von Marc Grusdas, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV), Berlin, auf der VdS-Fachtagung zur Verhütung von Leitungswasserschäden. Herstellerangaben


Ergänzende Quelle: Meldung vom bwp Bundesverband Wärmepumpe e.V. am 05.01.2026

Hinweis für die vom Stromausfall in Berlin betroffenen Haushalte

Infolge eines Anschlags auf das Berliner Stromnetz ist die Stromversorgung für aktuell gut 25.000 Haushalte noch bis Donnerstag unterbrochen. Der BWP rät den betroffenen Wärmepumpen-Besitzern, sich zeitnah mit ihrem Fachhandwerker in Verbindung zu setzen.

Aktuell stehen alle Heizungsanlagen im betroffenen Gebiet still – egal ob Öl- oder Gasheizungen, Fernwärme oder Wärmepumpen, da Strom in jedem Fall für die Steuerungstechnik, für Umwälzpumpen und weitere technische Bauteile benötigt wird. Diese technischen Bauteile sind, ebenso wie das Rohrnetz, nach Experteneinschätzung unabhängig von der gewählten Heiztechnik bei einem so außergewöhnlich langen Stromausfall anfällig, weswegen technologieübergreifend Störungen auch nach Wiederherstellung der Stromversorgung zu erwarten sind. Betroffene Haushalte sollten sich an das Hinweispapier der SHK-Innung Berlin halten und aktiv den Kontakt zu ihrem Fachpartner suchen.

Grundsätzlich werden mögliche Frosteinwirkungen bei der Entwicklung und Installation von Wärmepumpen berücksichtigt. Um das Schadensrisiko während eines ungeplanten, außergewöhnlich langen Stillstands sowie bei der anschließenden Wiederinbetriebnahme möglichst gering zu halten, ist eine fachmännische Begleitung dennoch sinnvoll. Der Austritt von Kältemittel sowie insbesondere ein Übergang in den Heizkreis werden durch geeignete herstellerseitige Maßnahmen auch bei Stillstand und Vereisung weitestgehend minimiert. Dies ist ein zentraler Bestandteil der Produktentwicklung.


Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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