Trinkwasserinstallationen: Warum gute Planung vor Schäden schützt

Leitungswasserschäden vermeiden – aus der Praxis eines Sachverständigen, Teil 1

Von Dr. Georg Scholzen und Gerd Warda

Die Qualität einer Trinkwasserinstallation entscheidet sich lange vor der ersten Rohrverbindung. Bereits bei der Planung werden die Weichen dafür gestellt, ob eine Anlage dauerhaft sicher, hygienisch und schadensfrei betrieben werden kann. Doch die Anforderungen sind komplex: Unterschiedliche Regelwerke, die örtliche Wasserbeschaffenheit, Betriebsdrücke, Temperaturen und die Auswahl geeigneter Werkstoffe müssen aufeinander abgestimmt werden.

Auf der VdS-Fachtagung „Verhütung von Leitungswasserschäden“ am 10. September 2026 in Köln erläuterte Ansgar Borgmann, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Installateur- und Heizungsbauerhandwerk bei der Handwerkskammer Düsseldorf, warum eine sorgfältige Analyse der technischen Anforderungen unverzichtbar ist. Der Unternehmer, der selbst einen Installationsbetrieb mit rund 30 Beschäftigten führt, kennt dabei sowohl die Anforderungen der Regelwerke als auch die Herausforderungen auf den Baustellen.

Trinkwasser ist keine gewöhnliche Handelsware

Seinen Vortrag begann Borgmann mit einem grundsätzlichen Hinweis auf die Bedeutung der Trinkwasserversorgung. Er erinnerte an die europäische Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000, in deren Erwägungsgründen Wasser als ererbtes Gut beschrieben wird, das geschützt und entsprechend behandelt werden muss. Damit lenkte der Sachverständige den Blick zunächst weg von einzelnen Schadensfällen und hin zur gesellschaftlichen Verantwortung für die Trinkwasserqualität.

Deutschland verfüge über eine leistungsfähige Wasserversorgung, die Trinkwasser in hoher Qualität bis zu den Entnahmestellen in Gebäuden bereitstelle. Dahinter stehe eine enorme technische und organisatorische Leistung – nicht zuletzt des Installationshandwerks.

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Borgmann machte deutlich, dass diese Qualität keine Selbstverständlichkeit sei. Die öffentliche Wasserversorgung könne noch so leistungsfähig sein: Wenn das Wasser innerhalb eines Gebäudes durch ungeeignete Materialien, Stagnation oder fehlerhafte Installationen beeinträchtigt werde, sei die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet.

Die Verantwortung für einwandfreies Trinkwasser ende deshalb nicht am Hausanschluss.

Ein komplexes Geflecht technischer Anforderungen

Für die Planung und Ausführung von Trinkwasserinstallationen existiert in Deutschland eine Vielzahl technischer Vorgaben. Borgmann verwies darauf, dass Installationsunternehmen eine ganze Reihe von Regelwerken berücksichtigen müssen, um Anlagen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu errichten. Zu den wesentlichen Grundlagen gehören die Trinkwasserverordnung 2001, die DIN EN 806 mit ihren Anforderungen an Trinkwasserinstallationen sowie die ergänzenden nationalen Normen der DIN 1988.

Hinzu kommen unter anderem die DIN EN 1717 zum Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen durch Rückfließen, einschlägige DVGW-Arbeitsblätter und VDI-Richtlinien. Insgesamt sprach Borgmann von rund zwei Dutzend Regelwerken, die für eine fachgerechte Trinkwasserinstallation relevant sein können. Für die ausführenden Unternehmen stelle dies eine erhebliche Herausforderung dar. Die Anforderungen seien nicht nur umfangreich, sondern müssten im konkreten Anwendungsfall auch richtig miteinander verknüpft werden.

Der Sachverständige berichtete von früheren Bemühungen, unterschiedliche und teilweise doppelte Anforderungen besser aufeinander abzustimmen. Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass technische Regeln für die ausführenden Fachkräfte nachvollziehbar und praktisch umsetzbar bleiben. Entscheidend sei jedoch nicht die Kenntnis einer einzelnen Norm. Eine fachgerechte Trinkwasserinstallation müsse die Gesamtheit, der jeweils einschlägigen allgemein anerkannten Regeln der Technik erfüllen.

Die Wasseranalyse gehört an den Anfang der Planung

Einen besonderen Schwerpunkt setzte Borgmann bei der Analyse der örtlichen Wasserbeschaffenheit. Nach seinen Erfahrungen werde bei der Planung und Ausführung häufig zu wenig beachtet, welche Eigenschaften das vom Wasserversorger bereitgestellte Trinkwasser besitzt.

Dabei können die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Wassers einen erheblichen Einfluss auf die Eignung bestimmter Rohrwerkstoffe haben. Zu den relevanten Parametern gehören unter anderem Wasserhärte, pH-Wert und der Gehalt an organischem Kohlenstoff, der als TOC-Wert bezeichnet wird und für den Korrosionsschutz die Anionen der Neutralsalze..

Gerade bei metallischen Rohrleitungen können solche Eigenschaften das Korrosionsverhalten beeinflussen.

Borgmann empfahl den Installationsunternehmen deshalb, sich grundsätzlich mit den Wasseranalysen ihrer örtlichen Versorgungsunternehmen auseinanderzusetzen. Bei Aufträgen außerhalb des gewohnten Versorgungsgebiets sei dies besonders wichtig. Ein Rohrwerkstoff, der unter bestimmten Wasserbedingungen problemlos eingesetzt werden könne, müsse nicht zwangsläufig für jede andere Wasserbeschaffenheit gleichermaßen geeignet sein. Die Werkstoffauswahl dürfe deshalb nicht allein auf Erfahrungen aus früheren Bauvorhaben beruhen.

Für Wohnungsunternehmen bedeutet dies, dass die Prüfung der örtlichen Wasserbeschaffenheit bereits Bestandteil der Planung sein sollte – insbesondere bei umfangreichen Sanierungen und beim Austausch bestehender Rohrleitungssysteme.

Betriebsdruck und Temperatur beeinflussen die Sicherheit

Neben der Wasserbeschaffenheit sind die hydraulischen und thermischen Betriebsbedingungen zu berücksichtigen. Borgmann nannte insbesondere Betriebsdrücke, Wassertemperaturen und die mechanischen Belastungen der Installation. Rohrleitungen, Armaturen und Verbindungselemente müssen so ausgewählt werden, dass sie den zu erwartenden Belastungen dauerhaft standhalten.

Dies betrifft auch die Ausdehnung des Wassers bei der Erwärmung. Da Wasser praktisch nicht komprimierbar ist, können bei der Erwärmung in geschlossenen Systemabschnitten erhebliche Drucksteigerungen entstehen. Sicherheitsarmaturen und gegebenenfalls geeignete Ausdehnungsgefäße müssen deshalb fachgerecht geplant und eingebaut werden.

Borgmann verwies in diesem Zusammenhang auf Probleme bei Wohnungswasserstationen. Diese werden zunehmend eingesetzt, um Trinkwasser warm dezentral und energieeffizient bereitzustellen. In der Praxis könne es jedoch zu Schwierigkeiten kommen, wenn erforderliche Sicherheitsventile vorzusehen sind, ohne gleichzeitig eine geeignete Möglichkeit zur Ableitung des austretenden Wassers einzuplanen bzw. einplanen zu können. Gerade bei Wohnungswasserstationen in Fluren oder anderen Bereichen ohne Entwässerungsanschluss könne dies erhebliche Probleme verursachen und zu größeren Leitungswasserschäden führen.

Das Beispiel verdeutlicht, dass die Planung einzelner Komponenten immer das gesamte Installationssystem berücksichtigen muss.

Materialkombinationen können Korrosionsschäden begünstigen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verträglichkeit unterschiedlicher Rohrwerkstoffe. Besonders bei Sanierungen treffen häufig neue Materialien auf ältere Installationssysteme. Werden beispielsweise Kupferrohrleitungen mit bestehenden verzinkten Stahlrohren kombiniert, müssen die einschlägigen Anforderungen an die Werkstoffkombination und die Fließrichtung berücksichtigt werden. Andernfalls können Korrosionsprozesse begünstigt werden, die langfristig zu Schäden an den Rohrleitungen und zu Leitungswasserschäden führen.

Borgmann wies darauf hin, dass solche Fehler häufig nicht unmittelbar nach der Installation sichtbar werden. Bis ein Rohrbruch oder eine Undichtigkeit auftritt, können Jahre vergehen.

Für die Wohnungswirtschaft ist dies von besonderer Bedeutung, da in Bestandsgebäuden vielfach Installationen unterschiedlicher Baujahre und Werkstoffe vorhanden sind.

Eine Sanierung sollte deshalb nicht ausschließlich auf den auszutauschenden Rohrabschnitt beschränkt betrachtet werden. Vielmehr müsse geprüft werden, wie sich neue Bauteile in das bestehende System integrieren lassen. Hierbei dürfen dann bei der Sanierung ein möglicher Materialmix durch die Zirkulationsleitungen nicht vergessen werden.

Wer trägt die Verantwortung für die Trinkwasserinstallation?

Eine fachgerechte Planung allein reicht nicht aus, um die Sicherheit der Anlage dauerhaft zu gewährleisten. Borgmann unterschied mehrere Verantwortungsbereiche: den Wasserversorger, den Planer, das ausführende Fachunternehmen und den späteren Betreiber. Der Wasserversorger stellt das Trinkwasser bereit. Planer und Installationsunternehmen müssen dafür sorgen, dass die Gebäudeinstallation den technischen und hygienischen Anforderungen entspricht.

Der Blick in eine Trinkwasserleitung. Quelle: IWW, Mühlheim

Der Betreiber wiederum ist dafür verantwortlich, dass die Anlage bestimmungsgemäß genutzt und auch erforderliche Wartungsmaßnahmen durchgeführt werden. Gerade dieser letzte Punkt werde häufig unterschätzt.

Eine fachgerecht errichtete Anlage könne ihre hygienische Sicherheit verlieren, wenn einzelne Entnahmestellen über längere Zeit nicht genutzt werden oder Wartungsarbeiten unterbleiben. Borgmann machte deutlich, dass die Verantwortung für eine sichere Trinkwasserinstallation deshalb nicht mit der Bauabnahme endet.

Qualifikation ist Voraussetzung für fachgerechte Arbeiten

Auch die Frage, wer an einer Trinkwasserinstallation arbeiten darf, spielte im Vortrag eine wichtige Rolle.

Borgmann verwies auf § 12 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser, kurz AVBWasserV. Danach dürfen die Errichtung einer Kundenanlage und wesentliche Veränderungen grundsätzlich nur durch das Wasserversorgungsunternehmen oder durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Wasserversorgungsunternehmens eingetragenes Installationsunternehmen erfolgen. Diese Regelung soll sicherstellen, dass die Arbeiten von entsprechend qualifizierten Fachbetrieben ausgeführt werden.

Für Wohnungsunternehmen und Hausverwaltungen ergibt sich daraus die Notwendigkeit, bei der Beauftragung von Installationsarbeiten auf die entsprechende Berechtigung des Unternehmens zu achten.

Dies gilt besonders bei größeren Sanierungen, beim Austausch von Leitungsabschnitten und bei wesentlichen Änderungen bestehender Anlagen.

Fazit: Schadensprävention beginnt vor der Montage

Der erste Teil der Fachserie zeigt, dass eine sichere Trinkwasserinstallation weit mehr voraussetzt als handwerklich einwandfreie Rohrverbindungen. Bereits bei der Planung müssen Wasserbeschaffenheit, Werkstoffe, Betriebsbedingungen und technische Regelwerke sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Für Wohnungsunternehmen und Planer liegt darin ein wesentlicher Ansatz zur Schadensprävention. Wer mögliche Risiken frühzeitig erkennt, kann spätere Schäden und kostspielige Nachbesserungen vermeiden.


Ausblick auf Teil 2: Welche Fehler entstehen bei der praktischen Montage? Ansgar Borgmann zeigt anhand konkreter Schadensfälle, warum ungeeignete Werkstoffe, fehlerhafte Pressverbindungen und mangelhafte Rohrbearbeitung erhebliche Folgen haben können.

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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