Der Wärmetauscher wird zum Schadentreiber. Wie das?

Moderne Wohnungsstationen versprechen eine effiziente und hygienische Warmwasserbereitung. Doch ein auf der VdS-Fachtagung „Verhütung von Leitungswasserschäden“ vorgestellter Schadenfall zeigt, wie aus einer technisch sinnvollen Anlagenkonzeption ein erhebliches Risiko für Gebäude und Eigentümer werden kann. Entscheidend ist nicht allein die Qualität der verbauten Rohre, sondern das Zusammenspiel von Wärmetauscher, Zirkulation und Druckabsicherung.

Ein neues Rohr – und trotzdem ein Millionenschaden

Die Ausgangssituation hätte kaum widersprüchlicher sein können: In einem älteren, größeren Immobilienkomplex waren mehrere Etagen vollständig saniert und mit neuen Installationen ausgestattet worden. Die Wohnungen befanden sich teilweise bereits in der Nutzung, andere standen kurz vor dem Bezug. Dann kam es in einer der oberen Etagen zu einem Leitungswasserschaden. Das austretende Wasser breitete sich über die darunterliegenden Geschosse aus und verursachte erhebliche Schäden.

Im Mittelpunkt der anschließenden Untersuchung stand zunächst ein beschädigtes Rohr der Warmwasserinstallation. Es war neu eingebaut worden. Deshalb lag die Vermutung nahe, dass ein Material- oder Herstellungsfehler vorliegen könnte.

Doch die Untersuchung des eingesandten Rohrstücks ergab keinen entsprechenden Befund.

Dieser Fall, den Physiker Manuel Knab vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IfS) auf der VdS-Fachtagung zur „Verhütung von Leitungswasserschäden“ vorstellte, verdeutlicht ein Problem moderner Gebäudetechnik: Nicht jeder Rohrbruch ist auf einen Fehler des Rohrmaterials zurückzuführen. Mitunter liegt die eigentliche Ursache in der hydraulischen Konzeption der gesamten Installation.

Angesichts der erheblichen Schadenhöhe entschied man sich, die Installation vor Ort zu untersuchen. Erst dort wurde erkennbar, welche Rolle eine moderne Wohnungsstation mit Wärmetauscher spielte.

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Die Wohnungsstation als Teil des Problems

Wohnungsstationen mit integrierten Wärmetauschern werden eingesetzt, um Warmwasser dezentral und bedarfsgerecht bereitzustellen. Anders als bei einer zentralen Trinkwarmwasserversorgung wird das Wasser erst unmittelbar in der Wohnung erwärmt.

Das Funktionsprinzip ist zunächst einfach: Heizungswasser stellt die benötigte Wärme bereit. Wird eine Warmwasserarmatur geöffnet, strömt Trinkwasser durch den Wärmetauscher und wird dabei erwärmt. Sobald die Armatur geschlossen wird, endet bei einer Anlage ohne zusätzliche Zirkulation auch die entsprechende Warmwasserbereitung. Solche Systeme bieten Vorteile bei der bedarfsgerechten Wärmebereitstellung und können unter geeigneten Bedingungen zur Reduzierung von Wärmeverlusten beitragen.

Im untersuchten Gebäude war jedoch eine zusätzliche Warmwasserzirkulation installiert. Sie sollte die Warmwasserverfügbarkeit verbessern und wurde über eine zeitgesteuerte Pumpe betrieben. Aus energetischen Gründen war vorgesehen, die Zirkulation nur während bestimmter Tageszeiten laufen zu lassen.

Genau diese Kombination erwies sich als kritisch. Denn mit eingeschalteter Zirkulationspumpe konnte der Wärmetauscher auch dann weiterhin Wärme an das Trinkwasser übertragen, wenn keine Armatur geöffnet war. Damit entstand eine Situation, die sich grundlegend von der üblichen bedarfsgesteuerten Warmwasserbereitung unterschied: Wasser wurde erwärmt, obwohl keine Entnahme stattfand.

Ein physikalischer Effekt mit erheblichen Folgen

Wasser dehnt sich bei Erwärmung aus. In einem ausreichend abgesicherten System kann die dadurch entstehende Volumenzunahme aufgenommen beziehungsweise der unzulässige Druckanstieg verhindert werden.

Fehlt eine geeignete Möglichkeit zum Druckausgleich oder zur Druckbegrenzung, steigt dagegen der Druck im Leitungssystem.

Genau das geschah in der untersuchten Wohnungsstation.

Die Sachverständigen stellten fest, dass eine geeignete Überdruckabsicherung fehlte. Um die Auswirkungen nachzuvollziehen, führten sie eine Druckmessung durch und schalteten die Zirkulation ein.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert.

Ausgehend von einer Wassertemperatur von etwa 31 Grad Celsius stieg der Druck innerhalb von ungefähr 20 Sekunden auf 10 bar. Damit war bereits ein Druckniveau erreicht, das im Vortrag als maßgebliche Grenze für die betrachtete Trinkwasserinstallation beschrieben wurde.

Doch der Druckanstieg setzte sich fort.

Nach ungefähr einer Minute überschritt die Anzeige des Manometers bereits 16 bar. Der Messbereich des Instruments reichte schließlich nicht mehr aus, um den weiteren Druckanstieg darzustellen.

Besonders aufschlussreich war dabei die Temperatur: Zum Zeitpunkt der Messung hatte das Wasser erst etwa 38 Grad Celsius erreicht. Die vorgesehene Solltemperatur lag dagegen bei 55 Grad Celsius.

Es war also keineswegs der maximale thermische Betriebszustand erreicht.

Die Untersuchung zeigte damit, dass bereits eine vergleichsweise geringe Erwärmung ausreichte, um einen massiven Druckanstieg auszulösen.

Die entscheidende Erkenntnis: Nicht der Wärmetauscher als Bauteil war defekt. Gefährlich wurde das System durch die Kombination aus kontinuierlicher Wärmezufuhr, fehlender Druckentlastung und der konkreten hydraulischen Einbindung.

Der Schaden betraf nicht nur die gebrochene Leitung

Die Untersuchung brachte eine weitere Erkenntnis, die insbesondere für Wohnungsunternehmen und Gebäudeversicherer von Bedeutung ist. Die Sachverständigen beschränkten sich nicht darauf, die eigentliche Bruchstelle zu analysieren. Sie untersuchten auch die übrigen Rohrleitungen der betroffenen Wohnung.

Verbaut waren Mehrschichtverbundrohre mit einem Nenndurchmesser von 20 Millimetern. Während die untersuchten Kaltwasserleitungen keine auffälligen Veränderungen zeigten, bot sich bei den Warmwasserleitungen ein anderes Bild.

An mehreren Stellen wurden erhebliche Aufweitungen festgestellt. Im Vortrag wurden Außendurchmesser von 21,5 beziehungsweise 21,8 Millimetern genannt.

Die Rohre waren damit nicht lediglich an der ursprünglichen Schadenstelle betroffen. Vielmehr hatte die außergewöhnliche Druckbelastung Teile des gesamten Warmwasserinstallationssystems in Mitleidenschaft gezogen.

Das ist ein entscheidender Unterschied für die Schadenbewertung.

Wird nur die gebrochene Rohrleitung ausgetauscht, bleiben möglicherweise weitere vorgeschädigte Leitungsabschnitte im Gebäude zurück. Ein solcher Austausch beseitigt zudem nicht die Ursache des Überdrucks. Im vorgestellten Fall stand deshalb nicht nur die Reparatur des unmittelbaren Wasserschadens im Raum. Auch die vollständige Erneuerung der betroffenen Warmwasserinstallation wurde notwendig.

Hinzu kam ein weiteres Risiko: Die gleiche Anlagenkonzeption war nicht ausschließlich in der geschädigten Wohnung umgesetzt worden. Auch andere neu sanierte Wohnungen verfügten über entsprechende Installationen. Damit stellte sich die Frage, ob dort bereits ähnliche Druckbelastungen aufgetreten waren und möglicherweise ebenfalls Vorschädigungen bestanden.

Aus einem einzelnen Rohrbruch wurde somit eine grundsätzliche Frage nach der Sicherheit eines gesamten Installationskonzepts.

Was dieser Fall für die Wohnungswirtschaft bedeutet

Für Wohnungsunternehmen ist der Schadenfall besonders relevant, weil dezentrale Warmwasserbereitung und moderne Wohnungsstationen bei Sanierungen und in Neubauten eine wichtige Rolle spielen.

Die Systeme sind nicht grundsätzlich problematisch. Werden sie fachgerecht geplant, installiert, abgesichert und betrieben, können sie ihre vorgesehenen Aufgaben zuverlässig erfüllen. Allerdings zeigt der vorgestellte Fall, dass einzelne Komponenten nicht unabhängig voneinander betrachtet werden dürfen.

Ein Wärmetauscher, eine Zirkulationspumpe und eine Trinkwasserleitung können jeweils für sich genommen technisch einwandfrei sein. Erst ihr Zusammenwirken unter bestimmten Betriebsbedingungen kann eine gefährliche Situation erzeugen.

Für die Praxis ergeben sich daraus mehrere Fragen.

Wie verändert sich der Druck in der Trinkwasserinstallation, wenn die Zirkulation läuft, aber kein Wasser entnommen wird? Ist für alle relevanten Betriebszustände eine geeignete Druckabsicherung vorhanden? Wurde die hydraulische Verschaltung der Wohnungsstation vollständig berücksichtigt? Und wurde das Gesamtsystem nach der Installation unter den tatsächlich vorgesehenen Betriebsbedingungen geprüft?

Diese Fragen gehören nicht erst auf den Tisch, wenn ein Schaden eingetreten ist. Sie sollten bereits Bestandteil der Planung, der technischen Abnahme und der Qualitätssicherung sein.

Gerade bei umfangreichen Sanierungsprojekten, in denen zahlreiche Wohnungen mit identischen Stationen ausgestattet werden, kann sich ein einzelner Planungs- oder Installationsfehler vielfach wiederholen.

Warum die klassische Rohruntersuchung nicht mehr ausreicht

Der vorgestellte Schadenfall steht zugleich für eine Veränderung in der Schadenforschung.

Lange Zeit konzentrierte sich die Untersuchung von Leitungswasserschäden vor allem auf das beschädigte Bauteil. Ein Rohr wurde ausgebaut, eingesandt und auf Materialfehler, Korrosion oder mechanische Beschädigungen untersucht. Diese Untersuchungen bleiben wichtig. Sie reichen aber bei komplexen technischen Anlagen häufig nicht mehr aus.

Im Fall der Wohnungsstation hätte die isolierte Betrachtung des Rohrstücks die entscheidende Ursache nicht aufgedeckt. Erst die Untersuchung der gesamten Installation und die Messung der Druckentwicklung unter realen Betriebsbedingungen machten den Zusammenhang sichtbar.

Der Referent berichtete außerdem, dass die Sachverständigen in ihrer Schadenpraxis über mehrere Jahre eine deutliche Zunahme vergleichbarer Fälle beobachtet hätten. Diese Entwicklung brachte er unter anderem mit der stärkeren Verbreitung entsprechender Anlagensysteme in Verbindung. Eine belastbare Aussage über die allgemeine Schadenhäufigkeit lässt sich daraus ohne weitere statistische Angaben allerdings nicht ableiten.

Dennoch ist die fachliche Botschaft eindeutig: Mit zunehmender technischer Komplexität steigen auch die Anforderungen an die Schadenursachenermittlung.

Schadenverhütung muss weiter gedacht werden

Die Diskussion über Leitungswasserschäden konzentriert sich häufig darauf, wie sich ein Rohrbruch verhindern lässt. Hochwertige Materialien, fachgerechte Installation, korrekte Planung und ordnungsgemäßer Betrieb bilden dafür die wesentlichen Voraussetzungen.

Der Vortrag auf der VdS-Fachtagung ging jedoch einen Schritt weiter.

Denn selbst bei sorgfältiger Planung und Ausführung lässt sich das Risiko eines Leitungswasserschadens niemals vollständig ausschließen.

Schadenverhütung muss deshalb zwei Ziele verfolgen: die Wahrscheinlichkeit eines Schadeneintritts verringern und gleichzeitig die Folgen eines dennoch eintretenden Schadens begrenzen. Gerade der zweite Aspekt werde nach Einschätzung des IfS noch zu wenig berücksichtigt. Dazu gehört zunächst, austretendes Wasser möglichst frühzeitig zu erkennen. Digitale Überwachungs- und Leckageschutzsysteme können dazu beitragen, Schäden schneller festzustellen und den weiteren Wasseraustritt zu begrenzen.

Ein weiterer Ansatz betrifft die Zugänglichkeit der Leitungen.

Sind Rohrleitungen tief in Fußbodenaufbauten oder anderen schwer erreichbaren Bauteilen verborgen, kann bereits die Reparatur eines begrenzten Rohrschadens umfangreiche Rückbauarbeiten erforderlich machen.

Zugängliche Installationsführungen könnten dagegen helfen, Reparaturen und den Austausch von Leitungen mit geringeren Eingriffen in die Bausubstanz durchzuführen. Dabei bedeutet Zugänglichkeit nicht zwangsläufig, dass sämtliche Leitungen sichtbar verlegt werden müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass sie im Schadenfall mit vertretbarem Aufwand erreicht und gegebenenfalls ersetzt werden können.

Für die Wohnungswirtschaft berührt dies eine grundlegende Planungsfrage: Soll bei der technischen Gebäudeausstattung ausschließlich die anfängliche Investition optimiert werden, oder müssen auch die späteren Kosten eines möglichen Schadens stärker berücksichtigt werden?

Fazit: Die Sicherheit liegt im Gesamtsystem

Der auf der VdS-Fachtagung vorgestellte Schadenfall zeigt eindrucksvoll, wie eine moderne, auf Effizienz ausgerichtete Warmwasserinstallation durch eine unzureichende Druckabsicherung zu einem erheblichen Gebäuderisiko werden kann.

Der Wärmetauscher war dabei nicht die eigentliche Fehlerquelle. Ausschlaggebend war, dass die zusätzliche Zirkulation auch bei geschlossenen Entnahmestellen eine weitere Erwärmung des Wassers ermöglichte, ohne dass der entstehende Überdruck ausreichend begrenzt wurde.

Die Folgen reichten weit über den ursprünglichen Rohrbruch hinaus. Neben den erheblichen Wasserschäden waren auch weitere Teile der Warmwasserinstallation betroffen. Zudem musste geprüft werden, ob identisch ausgestattete Wohnungen ebenfalls gefährdet waren.

Für Wohnungsunternehmen, Fachplaner und ausführende Betriebe liegt darin eine wichtige Lehre: Die technische Sicherheit einer Trinkwasserinstallation entscheidet sich nicht allein an der Qualität ihrer Komponenten, sondern an deren richtigem Zusammenspiel.

Wer moderne Wohnungsstationen einsetzt, muss deshalb die gesamte hydraulische und thermische Funktionsweise im Blick behalten – einschließlich jener Betriebszustände, in denen kein Bewohner Wasser entnimmt.

Der eigentliche Fortschritt in der Schadenverhütung liegt nicht nur darin, neue Technologien einzusetzen. Er liegt darin, ihre Risiken frühzeitig zu erkennen, fachgerecht abzusichern und die Folgen möglicher Fehler bereits bei der Planung zu berücksichtigen.

Gerd Warda

Quelle u. a.: Vortrag: Physiker Manuel Knab vom Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IfS) / VdS-Fachtagung zur „Verhütung von Leitungswasserschäden“

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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