Leitungswasserschäden 2025: Die Milliardenbelastung wächst weiter

Auf der VdS-Fachtagung zur Verhütung von Leitungswasserschäden am 10. September 2026 in Köln, präsentierte Marc Grusdas vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Berlin, aktuelle Zahlen zur Schadenentwicklung. Seine Bilanz zeigt ein seit Jahren bekanntes, aber ungelöstes Problem: Leitungswasserschäden gehören zu den größten Kostenfaktoren in der Wohngebäudeversicherung. Während die Zahl der Schadenfälle auf hohem Niveau verharrt, steigen die Kosten je Schaden kontinuierlich. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das eine wachsende wirtschaftliche Belastung.

1,1 Millionen Schäden – Jahr für Jahr ein hohes Risiko

Leitungswasserschäden sind keine außergewöhnlichen Einzelereignisse. Sie gehören zum Alltag der Gebäudeversicherung. Nach den von Grusdas vorgestellten GDV-Zahlen wurden allein 2024 in der verbundenen Wohngebäudeversicherung rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden registriert. Anders als bei Sturm, Hagel oder Elementargefahren, deren Schadenaufwand von einzelnen Wetterereignissen stark beeinflusst wird, zeigt sich bei Leitungswasser eine bemerkenswerte Konstanz. Die Schadenhäufigkeit bleibt über Jahre auf einem hohen Niveau. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: 2022 betrug der Schadenaufwand in der Wohngebäudeversicherung rund 3,8 Milliarden Euro. Ein Jahr später waren es bereits 4,5 Milliarden Euro, 2024 schließlich 4,9 Milliarden Euro. Damit ist die jährliche Belastung innerhalb von nur zwei Jahren um rund 1,1 Milliarden Euro gestiegen.

Jeder einzelne Schaden wird teurer

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim durchschnittlichen Schadenaufwand. Im Jahr 2022 kostete die Regulierung eines Leitungswasserschadens durchschnittlich rund 3.600 Euro. Für 2023 lag der Wert bereits bei knapp 4.000 Euro. Im Jahr 2024 erreichte er 4.343 Euro. Für 2025 präsentierte Grusdas einen nochmals deutlich höheren Wert: Der durchschnittliche Leitungswasserschaden kostet inzwischen mehr als 5.000 Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies nach den vorgestellten GDV-Auswertungen einen Anstieg um 8,6 Prozent. Hinter dieser Entwicklung stehen verschiedene Faktoren. Höhere Material- und Handwerkerkosten verteuern die Reparaturen. Gleichzeitig führen hochwertige Innenausstattungen, aufwendigere Gebäudekonstruktionen und komplexe technische Installationen dazu, dass selbst örtlich begrenzte Wasserschäden erhebliche Sanierungskosten verursachen können.

Besonders bemerkenswert ist eine Beobachtung, die Grusdas hervorhob: Bei neueren Gebäuden fällt der durchschnittliche Schadenaufwand teilweise deutlich höher aus als bei älteren Gebäuden. Der GDV beschäftigt sich deshalb mit der Frage, welchen Einfluss moderne Bauweisen, technische Ausstattung und Sanierungsverfahren auf die Schadenhöhe haben.

2025: Rund 7,7 Milliarden Euro Schadenaufwand

Die Dimension der Leitungswasserschäden wird erst vollständig sichtbar, wenn neben der Wohngebäudeversicherung auch weitere betroffene Versicherungssparten betrachtet werden. Für 2025 nannte Grusdas einen gesamten Schadenaufwand durch Leitungswasser von rund 7,7 Milliarden Euro. Damit erreicht die Schadenbelastung erneut eine Größenordnung, wie sie bereits 2021 während einer ausgeprägten Frostperiode beobachtet wurde. Der Unterschied: 2025 war nach der Darstellung des GDV nicht durch eine vergleichbar außergewöhnliche Frostperiode geprägt. Vielmehr treiben die dauerhaft hohe Zahl der Schadenfälle und die steigenden Kosten je Schaden die Bilanz nach oben.

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Für die Leitungswasserschäden innerhalb der Wohngebäudeversicherung rechnete der GDV für 2025 mit einem Anstieg des Schadenaufwands um etwa sechs Prozent gegenüber 2024. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Leitungswasserschäden nicht nur ein technisches Problem der Gebäudeinstandhaltung sind. Sie haben unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen auf Versicherer, Gebäudeeigentümer und Wohnungsunternehmen.

Fast die Hälfte des Schadenaufwands entfällt auf Leitungswasser

Ein Blick auf die langfristige GDV-Statistik zeigt, welche Bedeutung Leitungswasserschäden innerhalb der Wohngebäudeversicherung haben. Für den betrachteten Zeitraum von 2006 bis 2025 entfielen nach der Darstellung von Grusdas rund 48 Prozent des Schadenaufwands auf Leitungswasserschäden. Zum Vergleich: Sturm und Hagel erreichten in der vorgestellten Aufteilung 21 Prozent, Feuer 17 Prozent und Elementargefahren 11 Prozent. Damit beansprucht Leitungswasser nahezu die Hälfte des betrachteten Schadenaufwands – eine Größenordnung, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine entsprechende Rolle spielt. Während spektakuläre Brände und Unwetter regelmäßig große Aufmerksamkeit erhalten, bleiben Leitungswasserschäden meist auf einzelne Wohnungen oder Gebäude begrenzt und damit weitgehend unsichtbar. In der Summe verursachen sie jedoch eine außergewöhnlich hohe Belastung.

Frostschäden: 140 Millionen Euro jährlich

Eine besondere Rolle spielen weiterhin Frostschäden. Nach den von Grusdas vorgestellten Zahlen verursachen eingefrorene und beschädigte wasserführende Anlagen durchschnittlich etwa 25.000 Schadenfälle pro Jahr. Der jährliche Schadenaufwand liegt bei rund 140 Millionen Euro. Frostschäden gehören damit zu den regelmäßig wiederkehrenden und grundsätzlich vielfach vermeidbaren Schadenursachen. Die außergewöhnliche Frostperiode 2021 hatte gezeigt, wie stark einzelne Winterereignisse die jährliche Schadenbilanz zusätzlich belasten können.

Ausblick auf 2026: Keine Trendwende in Sicht

Auch für 2026 zeichnet Grusdas kein optimistisches Bild. Der langfristige Anstieg der durchschnittlichen Schadenkosten und die unverändert hohe Schadenhäufigkeit sprechen nach seiner Einschätzung dafür, dass die wirtschaftliche Belastung weiter wachsen könnte. Hinzu kommen mögliche zusätzliche Frostschäden aus dem Winter 2025/2026. Welche Auswirkungen die winterlichen Temperaturen und die mehrtägigen Stromausfälle in Berlin tatsächlich auf die Schadenstatistik haben werden, lässt sich derzeit noch nicht zuverlässig beziffern.

Eine konkrete Milliardenprognose für 2026 legte Grusdas in seinem Vortrag nicht vor. Fest steht jedoch: Bereits das hohe Ausgangsniveau des Jahres 2025 stellt Versicherer und Wohnungswirtschaft vor erhebliche Herausforderungen.

Für Wohnungsunternehmen wird damit eine systematische Schadenverhütung immer wichtiger. Regelmäßige Wartung, Kontrolle der Installationen, frühzeitige Erkennung von Leckagen und eine fachgerechte Sanierung eingetretener Schäden können helfen, die Schadenhäufigkeit und die wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen.

Die Zahlen des GDV machen deutlich: Leitungswasserschäden sind längst kein nebensächliches Instandhaltungsproblem mehr. Sie zählen zu den größten wirtschaftlichen Risiken im Gebäudebestand – und ihre Kosten steigen weiter.

Gerd Warda

Quelle: Vortrag von Marc Grusdas, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV), Berlin, auf der VdS-Fachtagung zur Verhütung von Leitungswasserschäden in Köln. Zahlen für 2025 gemäß der im Vortrag vorgestellten Auswertung beziehungsweise Hochrechnung.

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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