Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Die Energiewende im Gebäude hat ein Problem: Zwischen dem, was klimapolitisch erreicht werden muss, und dem, was im Bestand tatsächlich geschieht, klafft eine Lücke. Eine große Lücke.
Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Belastungen. Energie bleibt ein erheblicher Kostenfaktor, Investitionsmittel sind begrenzt und die Wohnungswirtschaft muss Klimaschutz, Bezahlbarkeit und einen wirtschaftlichen Gebäudebetrieb zusammenbringen. Hinzu kommt ein politischer Rahmen, der sich verändert hat und stärker auf Technologieoffenheit setzt.
Was also tun?
Die Antwort kann nicht lauten, auf die nächste große Sanierungswelle zu warten. Gebäudehülle, erneuerbare Wärmeversorgung und umfassende Modernisierung bleiben notwendig. Doch wir müssen gleichzeitig das nutzen, was heute schon vorhanden ist – und es besser machen.
Genau darum geht es in dieser Sonderausgabe von GebäudeTransformation.
Dr. Dirk Then von der noventic group eröffnet die Diskussion mit der großen Ziellücke im Gebäudesektor. Sein Ansatz: Bevor ausschließlich über neue Technik und hohe Investitionen gesprochen wird, sollten die Effizienzpotenziale der bestehenden Gebäude und Anlagen konsequent erschlossen werden.
Aber dafür muss man zunächst wissen, was im Gebäude tatsächlich passiert. Juliane Förster von imovis zeigt deshalb den nächsten logischen Schritt: Die Transformation beginnt mit Daten. Smart Meter, Photovoltaik, Wärmepumpe und Wallbox entfalten ihr Potenzial erst dann vollständig, wenn aus einzelnen technischen Komponenten ein intelligentes Energiesystem wird.
Was das ganz praktisch für die Heizung bedeutet, beschreibt Arne Richter von KALO. Sein Grundsatz ist ebenso einfach wie wichtig: erst analysieren, dann investieren. Nicht jede Technologie passt zu jedem Gebäude. Monitoring und intelligente Steuerung ermöglichen es, den tatsächlichen Anlagenbetrieb zu verstehen und gezielt zu optimieren.
Technische Möglichkeiten allein reichen allerdings nicht. Wer Daten erhebt, überwacht und optimiert, muss auch wissen, wie die Kosten dafür rechtlich einzuordnen sind. Die Rechtsanwältinnen Anna Elise Michalik und Theresa Vogt von MASLATON untersuchen deshalb, unter welchen Voraussetzungen Kosten des Heizungsmonitorings umlagefähig sein können.
Und schließlich entscheidet sich Gebäudetransformation nicht allein im Heizungskeller. Nelly Bubenheim von noventic richtet den Blick auf die Mietparteien. Denn Vermieter und Mieter haben bei allen unterschiedlichen Interessen auch ein gemeinsames Ziel: Energie, die nicht benötigt wird, sollte gar nicht erst verbraucht werden. Davon profitieren Kosten, CO₂-Bilanz und letztlich das gesamte Gebäude.
So schließen sich die fünf Beiträge zu einer Kette: Ziele verstehen, Daten schaffen, Technik analysieren und steuern, den rechtlichen Rahmen klären und die Menschen mitnehmen.
Die große Lücke wird nicht mit einer einzigen großen Maßnahme geschlossen. Vielleicht beginnt GebäudeTransformation deshalb viel pragmatischer: mit dem Wissen, was im Gebäude geschieht – und mit der intelligenten Entscheidung, daraus heute schon mehr zu machen.
Ihr
Gerd Warda


