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Baukulturelle Defizite im geförderten Wohnbau ortet das niederösterreichische Architekturnetzwerk Orte. Doch der Wille zu Verbesserungen ist vorhanden.
FRANZISKA LEEB

Vor siebzehn Jahren etablierte das Architekturnetzwerk Orte das Niederösterreichische Wohnbau- frühstück im Bestreben, qualitative Verbesserungsmöglichkeiten im Wohnbau aufzuzeigen. Im Format der vormittäglichen interdisziplinären Gesprächsrunden ohne Publikum haben Experten aus Planung, Wissenschaft, Wohnungswirtschaft, Politik und Verwaltung Gelegenheit, frei von der Leber weg zu reden.

In entspannter Atmosphäre werden Standpunkte auf fachlich hohem Niveau ausgetauscht, ungeschminkt Kritik geübt und Akteure miteinander vernetzt. Die bisher behandelten Themen reichen vom Umgang mit ländlichen Dorfstrukturen über generationengerechte Quartiersentwicklung bis hin zu Strategien gegen Abwanderung.

Ein ständiges Anliegen ist es, baukulturelle Defizite zu benennen. Im Jahr 2006 wurde in Niederösterreich ein Gestaltungsbeirat für den geförderten Wohnungsbau installiert und ab einem Projektumfang von ursprünglich 30 und mittlerweile 37 Wohneinheiten verpflichtende „Architektur- und Planungsauswahlverfahren“ festgeschrieben.

Orte war im Vorfeld als Gesprächspartner und Ideengeber involviert, die Umsetzung weicht allerdings in etlichen Punkten von den Empfehlungen ab, sodass in der Praxis zwar Mindestqualitäten gesichert sind, eine signifikante Erhöhung der Anzahl überregional oder gar international wettbewerbsfähiger und herausragender Wohnbauten ist nach fast anderthalb Jahrzehnten allerdings nicht erkennbar.

Mangels transparenter Dokumentation der Verfahren ist kaum zu eruieren, welche Begründungen den jeweiligen Entscheidungen zugrunde liegen.

Mangelnde Wettbewerbskultur

Recht nonchalant mit den Förderungsrichtlinien umgegangen wurde beispielsweise bei einem aktuellen Wohnbauvorhaben in Zwettl. Die Anlage mit 50 Wohnungen anstelle mehrerer Altstadthäuser war ob ihrer Auswirkungen auf das Stadtbild Zielscheibe heftiger Kritik.

Auf die Idee per Wettbewerb eine mit dem Altstadtbild verträgliche Lösung zu finden, kam weder der örtliche Gestaltungsbeirat noch jener des Landes. Die Anfrage im Büro von Wohnbaulandesrat Eichtinger, warum dies trotz der deutlichen Überschreitung der Anzahl von 37 Wohneinheiten möglich war, wurde mit dem lapidaren Hinweis, dies doch bitte mit der errichtenden Siedlungsgenossenschaft zu klären, beantwortet.

Episoden wie diese deuten etliche Teilnehmer am Wohnbaufrühstück als Desinteresse seitens des Landes, sich in baukultureller Hinsicht ernsthaft zu engagieren. Zwar rühmt die 2019 veröffentlichte „blau-gelbe Wohnbaustrategie“ die durchaus achtbaren Investitionen in den Wohnbau.

Dass die Dörfer und Gemeinden durch den (geförderten) Wohnbau schöner statt unansehnlicher werden sollen, ist kein Thema. Doch immer mehr Bürgermeister wollen sich mit dem derzeit Üblichen nicht abfinden…

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