Ein neues Bürogebäude allein verändert nicht direkt die Arbeitswelt, aber es macht sichtbar, wie ernst es dem Unternehmen mit Zusammenarbeit, Kultur und Haltung ist. Wie Räume gestaltet sind, entscheidet darüber, wer teilhaben kann, wer sich begegnet und wie Arbeit tatsächlich gelebt wird.
Das Softwareunternehmen Aareon hat im Jahr 2025 seinen neuen Hauptsitz in Mainz bezogen. Bereits beim Betreten des Gebäudes wird deutlich: Hier erschließt sich eine neue Art des Arbeitens. Welche Ziele damit verfolgt wurden, wie das Projektteam auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingegangen ist und welche Rolle die Arbeitsumgebung für die Arbeitskultur und den Unternehmenserfolg spielt, darüber haben wir mit Sabrina Dick, Chief People and Culture Officer bei Aareon, und Ulrike Gilfrich, Bereichsleiterin New Work bei Aareon und für die Entwicklung des neuen Gebäudekonzepts verantwortlich, gesprochen.
Frau Gilfrich, Frau Dick: Aareon hat in unmittelbarer Nachbarschaft des früheren Hauptsitzes neu gebaut. Welche wesentlichen Unterschiede gibt es im Vergleich beider Gebäude?
Ulrike Gilfrich: Das neue Gebäude ist deutlich kompakter, zugleich aber offener gestaltet und verzichtet bewusst auf feste Arbeitsplätze – ein klares Bekenntnis zur veränderten, hybriden Arbeitswelt. Mitarbeitende wechseln heute flexibel zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen, und Räume müssen darauf die richtigen Antworten geben. Gleichzeitig zahlt diese kompakte und flexible Gestaltung auch auf das Thema Nachhaltigkeit ein: Flächen werden effizienter genutzt, Ressourcen bewusster eingesetzt und der Energieverbrauch reduziert. Dazu tragen auch die unauffälligen Solarpanel am gesamten Gebäude bei.


Sabrina Dick: In der Aareon-Arbeitswelt stellen wir die Bedürfnisse der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt – entlang ihrer gesamten „Employee Journey“. Das Büro ist dabei ein zentraler Touchpoint – also Berührungspunkt. Es soll Orientierung geben, unterschiedliche Arbeitsweisen ermöglichen und bewusst Räume für Austausch und Fokus schaffen. Davon profitieren beide Seiten – Mitarbeitende durch mehr Flexibilität und Zugehörigkeit, das Unternehmen durch stärkere Zusammenarbeit, Innovationskraft und Attraktivität als Arbeitgeber.
Welche zentralen Ziele haben Sie bei der Gestaltung der neuen Räumlichkeiten verfolgt?
Ulrike Gilfrich: Es ging uns nicht nur darum, Flächen neu zu gestalten oder einfach Trends zu folgen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Transformation der Arbeitswelt, konkret anfühlt – in barrierefreien, inklusiven Arbeitsumgebungen, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Alle Bereiche sind so konzipiert, dass sich jede und jeder gut orientieren und einbringen kann.
Zudem haben wir für unterschiedliche Bedürfnisse passende Räumlichkeiten geschaffen: offene Bereiche und Besprechungsräume für Austausch und Brainstorming, „Silent Areas“ und Cubes für konzentriertes Arbeiten sowie „Telefonzellen“ für ungestörte Gespräche. Durch flexible Arbeitsplätze entstehen immer wieder neue Begegnungen – man kommt mit Kolleginnen und Kollegen außerhalb des Teams ins Gespräch und erweitert so den eigenen Blickwinkel.
Sie sind nun seit einigen Monaten im neuen Hauptsitz. Wie kommt das Gebäude bei den Mitarbeitenden an?
Ulrike Gilfrich: Wir erhalten durchweg sehr positives Feedback – vor allem, weil das Büro einen echten Mehrwert bietet. Die Menschen kommen, weil sie dort Austausch, Zugehörigkeit und Zusammenarbeit erleben, die so nur vor Ort entsteht. Wir haben bewusst einen Clubcharakter geschaffen: einen Ort, an den man gerne kommt, um Menschen mit gemeinsamen Zielen zu treffen. Genau das zeigt sich heute – die Flächen werden intensiv genutzt, spontane Begegnungen fördern echte Zusammenarbeit.
Ich freue mich sehr zu sehen, dass unser Konzept aufgeht: Das Gebäude funktioniert. Es bringt Menschen zusammen, stärkt Vernetzung und macht Kultur erlebbar, weil wir die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden von Anfang an konsequent berücksichtigt haben.


Sabrina Dick: Das kann ich nur bestätigen. Bei vielen, die unseren Hauptsitz zum ersten Mal betreten, entsteht ein echter Wow-Effekt. Warum? Weil die Arbeitswelt hier nicht nur modern aussieht, sondern sich auch spürbar anders anfühlt – offener, vernetzter, einladender. Genau damit treffen wir einen Nerv und schaffen ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt.
Haben Sie, Frau Dick, einen Lieblingsbereich in den neuen Arbeitswelten?
Sabrina Dick: Es gibt viele Bereiche, in denen ich mich gerne aufhalte. Besonders schätze ich mein morgendliches Ritual: Direkt am Eingang beim Barista einen Kaffee holen und dabei ganz selbstverständlich mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen. Gerade dieser Einstieg macht für mich den Unterschied – noch bevor die ersten Termine starten, entsteht ein Moment von Austausch, Leichtigkeit und Verbindung. Das gibt Energie, schafft Nähe und ist ein emotionaler Start in den Tag, der sich positiv auf die Zusammenarbeit aus-wirkt.
Und wie sieht es bei Ihnen aus, Frau Gilfrich?
Ulrike Gilfrich: Auch ich habe die Qual der Wahl, aber die Agora im Eingangsbereich ist für mich etwas Besonderes. Sie ist das Herz des Gebäudes: ein zentraler Ort, der Menschen zusammenbringt. Genau das war unsere Idee – Raum bewusst so zu gestalten, dass Begegnung entsteht. Ob geplante Meetings oder spontane Gespräche, hier wird Austausch sichtbar und Zusammenarbeit lebendig.
Welche Rolle spielt das Büro heute beispielsweise im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie, die die Arbeitswelt doch maßgeblich beeinflusst hat?
Sabrina Dick: Bei Aareon waren flexible Arbeitsmodelle schon lange verankert. Die Pandemie hat diese Entwicklung jedoch beschleunigt und gesellschaftlich gefestigt. Mobiles Arbeiten ist heute nicht nur möglich, sondern wird aktiv erwartet. Die Arbeitswelt ist heute deutlich hybrider und flexibler – mobiles Arbeiten ist fest etabliert, virtuelle Zusammenarbeit selbstverständlich. Das Büro hat dadurch eine neue Rolle: Es ist nicht mehr der Standard-Arbeitsort, sondern der Ort, an dem echter Mehrwert entsteht. Denn Innovation, Kreativität und Verbindung entstehen vor allem im persönlichen Austausch. Dafür braucht es ein inspirierendes Umfeld. Gleichzeitig gewinnt ein gesundes, gut gestaltetes Arbeitsumfeld an Bedeutung, weil es direkt beeinflusst, wie wir zusammenarbeiten und uns fühlen.


Was bietet Ihr Gebäude konkret im Hinblick auf Gesundheit?
Ulrike Gilfrich: Gesundheit ist fest in unserer Kultur verankert und unsere Arbeitsumgebung unterstützt das ganz konkret. Mit Angeboten wie einem Well-Being-Raum für Bewegung und Formate wie Yoga, einem Massagesessel oder auch aktiven Elementen wie der Tischtennisplatte schaffen wir bewusst Möglichkeiten für Ausgleich im Arbeitsalltag. Ergänzt wird das durch unsere Außenflächen mit Terrassen und Teich, die Raum für Perspektivwechsel und Erholung bieten. So wird Gesundheit nicht nur gedacht, sondern im Alltag erlebbar.
Das klingt tatsächlich fast nach einem Club – welchen Einfluss hat das auf die Arbeit?
Ulrike Gilfrich: Wir verbringen viel Zeit mit unserer Arbeit – dabei soll der Spaß nicht zu kurz kommen. Wenn wir gerne zur Arbeit gehen, intrinsisch motiviert sind und neugierig bleiben, können wir unsere Leistungspotenziale besser erschließen.
Warum hat Gesundheit einen so hohen Stellenwert in Ihrer Arbeitskultur?
Sabrina Dick: Ein gesundes Arbeitsumfeld ist die Grundlage für langfristige Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Resilienz. Gerade in einer sich ständig verändernden Arbeitswelt ist es entscheidend, dass Mitarbeitende mental und körperlich gestärkt sind. Wir sind überzeugt, dass Wohlbefinden sich direkt auf Motivation, Kreativität und den Umgang mit Herausforderungen auswirkt – und damit auch auf unseren Unternehmenserfolg.


(Bildnachweis: Philipp Kirschner)
Noch eine Nachfrage zur hybriden Arbeitsweise: Wie wird das im Arbeitsalltag gelebt?
Ulrike Gilfrich: Wir arbeiten in einem hybriden Modell und verbinden Flexibilität mit persönlicher Zusammenarbeit vor Ort. Das Büro ist dabei ein zentraler Bestandteil unseres Arbeitsalltags – als Ort für Austausch, Innovation und Teamgefühl, während das Homeoffice gezielt ergänzt.
Spiegelt sich in diesem Gebäude die Unternehmenskultur von Aareon wider?
Sabrina Dick: Auf jeden Fall. Der positive Teamspirit ist hier jeden Tag spürbar, denn bei uns stehen die Menschen im Mittelpunkt. Wir schaffen ein Umfeld, in dem sich jede und jeder im Sinne eines Growth Mindset entfalten kann. Das ist die Grundlage dafür, gemeinsam zu lernen, zu wachsen und unser Lösungsangebot für unsere Kundinnen und Kunden kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Ulrike Gilfrich, Sabrina Dick, danke für den tiefen Einblick in Aareons neue Arbeitswelt.


