Mit jährlich rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden und einem Schadenvolumen von über vier Milliarden Euro zählt die Sparte nach wie vor zu den problematischsten Bereichen der Sachversicherung. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung und bewährter Präventionsansätze bleibt das Schadensniveau hoch – ein Umstand, der die Relevanz der VdS-Fachtagung „Verhütung von Leitungswasserschäden“ einmal mehr unterstreicht. Die etablierte Veranstaltung findet am 10. September 2026 in Köln im VdS-Bildungszentrum sowie als Livestream statt und bringt Expertinnen und Experten aus Versicherung, Wohnungswirtschaft, Planung und Ausführung zusammen.
Seit über 25 Jahren liefert die Tagung praxisnahe Einblicke in Ursachen, Entwicklungen und Lösungsstrategien rund um Leitungswasserschäden. Auch in diesem Jahr steht die Analyse klassischer Schadensbilder im Fokus – insbesondere Installationsfehler in der Haustechnik und deren vermeidbare Ursachen. Gleichzeitig richtet sich der Blick deutlich nach vorn: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) künftig in der Schadenprävention? Können digitale Überwachungssysteme in Trinkwasserinstallationen nicht nur Schäden reduzieren, sondern auch zur Nachhaltigkeit beitragen? Oder entstehen durch neue Technologien womöglich zusätzliche Risiken?
Praxis trifft Innovation: Impulse aus Schadenanalyse und Digitalisierung
Die Tagung beginnt mit einem Überblick über die aktuelle Situation der Leitungswasserversicherung aus Sicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Mark Grusdas beleuchtet zentrale Kennzahlen und Entwicklungen der Wohngebäudeversicherung und liefert damit die Grundlage für die folgenden Fachbeiträge.
Ein besonders tiefgehender Blick auf die Ursachenforschung wird im Beitrag von Dr.-Ing. Thorsten Pfullmann und Manuel Knab (IFS) geworfen. Unter der Leitfrage „Reicht die Kenntnis der Schadenursache zur Schadenverhütung?“ ziehen sie ein Resümee aus 50 Jahren Ursachenermittlung und diskutieren die Verbindung von Schadenereignissen und Nachhaltigkeit.
Im Anschluss zeigt Sachverständiger Ansgar Borgmann typische Fehler in der Installation von Leitungswassersystemen auf. Seine Analyse reicht von der Materialauswahl über die fachgerechte Ausführung bis hin zu häufigen Schwachstellen in der Praxis – ergänzt durch konkrete Lösungsansätze zur Vermeidung zukünftiger Schäden.
Ein weiteres zentrales Thema ist der Rückstauschutz und die Prävention von Schäden in Abwasseranlagen. Holger Tausendfreund (Münchener Rück) beleuchtet typische Fehlerquellen sowie Anforderungen in Überschwemmungsgebieten und gibt praxisnahe Empfehlungen zur Sicherung von Gebäuden.
Zukunftsthemen im Fokus: KI, Nachhaltigkeit und digitale Systeme
Am Nachmittag rücken zunehmend Zukunftsthemen in den Mittelpunkt. Peter Holmstoel (GDV) widmet sich der Rolle der Künstlichen Intelligenz im Schadenprozess – insbesondere mit Blick auf Versicherungsbetrug. Manipulierte Bilder und Dokumente stellen neue Herausforderungen dar, die innovative Prüf- und Kontrollmechanismen erfordern.
Die Frage nach nachhaltigen Lösungen in der Schadenregulierung greift Dr. Ernst J. Baumann (BELFOR Deutschland GmbH) auf. Er diskutiert Brancheninitiativen wie die VdS 6038 und zeigt, wie sich aus Einzellösungen standardisierte Ansätze entwickeln lassen. Dabei wird deutlich: Nachhaltigkeit ist längst ein strategischer Faktor in der Schadenbearbeitung.
Einen konkreten Blick in die Praxis der Digitalisierung liefern Burkhard Kopp (Provinzial) und Alexander Gegner (BEULCO). Sie präsentieren Ergebnisse aus einem Testprojekt zur Digitalisierung von Mikronetzwerken in Gebäuden. Ziel ist es, Leckagen frühzeitig zu erkennen, Wasser zu sparen und Kosten zu senken. Erste Ergebnisse zeigen das Potenzial intelligenter Überwachungssysteme – aber auch die Herausforderungen bei deren Implementierung.
AVW Unternehmensgruppe als starker Partner der Wohnungswirtschaft
Die Fachtagung findet in enger Zusammenarbeit mit der AVW Unternehmensgruppe statt, einem spezialisierten Versicherungsmakler für die Wohnungswirtschaft. AVW bringt dabei nicht nur Marktkenntnis, sondern auch umfassende Erfahrung aus der Praxis ein. Die Einbindung des Unternehmens unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes, der Versicherung, Technik und Gebäudebetrieb miteinander verzahnt.
Durch diese Partnerschaft erhält die Veranstaltung eine zusätzliche Perspektive: die konkrete Umsetzung von Präventionsstrategien im Bestand der Wohnungswirtschaft – ein Bereich, in dem Leitungswasserschäden besonders häufig auftreten.
Dr. Georg Scholzen: Fachliche Einordnung und strategischer Ausblick
Eine zentrale Rolle nimmt Dr. Georg Scholzen ein, der die Tagung moderiert und zugleich mit einem eigenen Fachvortrag vertreten ist. In seinem Beitrag zur Schadenverhütung in Planung und Bauphase stellt er die entscheidende Frage: „Was kann man aus Schäden für die Zukunft lernen?“ Dabei zeigt er auf, wie sich Fehler bereits in frühen Projektphasen vermeiden lassen und welche Maßnahmen geeignet sind, um Betriebsausfälle zu verhindern.
Scholzen verbindet dabei analytische Tiefe mit praxisorientierten Handlungsempfehlungen. Seine Ausführungen verdeutlichen, dass Prävention nicht erst im Schadensfall beginnt, sondern integraler Bestandteil von Planung, Ausführung und Betrieb sein muss.
Austausch und Weiterbildung im Fokus
Neben den Fachvorträgen bietet die Tagung umfangreiche Möglichkeiten zum Austausch. Vertreterinnen und Vertreter aus Versicherungsunternehmen, Kommunen, der Wohnungswirtschaft sowie Ingenieur-, Planungs- und Sachverständigenbüros treffen auf Fachkräfte aus der Sanitär-, Heizungs- und Sanierungsbranche.
Darüber hinaus erfüllt die Veranstaltung die Anforderungen an Weiterbildungsmaßnahmen gemäß der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) und umfasst 6,3 Zeitstunden – ein zusätzlicher Anreiz für Versicherungsfachleute.
Ganzheitliche Prävention wird zum Schlüsselthema
Die VdS-Fachtagung 2026 macht deutlich, dass die Verhütung von Leitungswasserschäden vor einem Wandel steht. Klassische Schadensanalysen bleiben unverzichtbar, doch erst im Zusammenspiel mit digitalen Technologien, nachhaltigen Strategien und interdisziplinärer Zusammenarbeit entsteht ein zukunftsfähiger Ansatz.
Die Kombination aus langjähriger Erfahrung, aktuellen Forschungsergebnissen und innovativen Technologien macht die Veranstaltung zu einem Pflichttermin für alle, die sich mit der Sicherheit und Effizienz von Gebäuden beschäftigen.
Gerd Warda, Quelle: VdS, AVW, ifs
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