Von der unscheinbaren Silikonfuge bis zum fehlerhaften Pressfitting – drei kritische Schwachstellen im Fokus der Wohnungswirtschaft

Von Dr. Georg Scholzen

Wasserschäden entstehen selten plötzlich – sie entwickeln sich meist schleichend und bleiben lange unbemerkt. Gerade darin liegt ihre besondere Brisanz für die Wohnungswirtschaft. Denn wenn Schäden sichtbar werden, ist der Sanierungsaufwand häufig bereits erheblich.

Im Fokus dieses Beitrags stehen drei typische, in der Praxis immer wiederkehrende Problemfelder innerhalb der Trinkwasserinstallation: defekte Silikonfugen im Sanitärbereich, der sachgerechte Umgang mit Leckagen in wasserführenden Leitungen sowie die Frage nach der Dichtheit von Pressfittingen vor der Inbetriebnahme. Alle drei Themen eint, dass sie oft unterschätzt werden – mit teils gravierenden Folgen.

Die Silikonfuge: Ein unscheinbares Bauteil mit erheblichem Schadenspotenzial

Silikonfugen erfüllen im Badezimmer eine zentrale Abdichtungsfunktion, werden jedoch häufig fälschlicherweise als dauerhafte Lösung betrachtet. Tatsächlich handelt es sich um Wartungsfugen, deren Funktionsfähigkeit zeitlich begrenzt ist.

Durch Alterung, mechanische Belastung und chemische Einflüsse verliert das Material im Laufe der Zeit seine Elastizität. Es entstehen feine Risse oder Ablösungen von den angrenzenden Bauteilen. Diese Veränderungen verlaufen meist unauffällig und werden im Alltag kaum wahrgenommen.

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Gelangen jedoch bei der Nutzung von Dusche oder Badewanne regelmäßig geringe Wassermengen durch solche Undichtigkeiten hinter die Sanitärobjekte, beginnt ein schleichender Durchfeuchtungsprozess. Besonders kritisch ist dabei, dass sich die Feuchtigkeit nicht sichtbar an der Oberfläche zeigt, sondern in angrenzende Bauteilschichten eindringt.

Die Grafik zeigt sehr anschaulich, wie sich der Schadenaufwand von defekten Fugen-/Silikonfugen verteilt. Es gibt eine große Anzahl von Schäden mit geringem Schadenaufwand, der unter 500 Euro liegt. Dagegen sind vereinzelt Großschäden zu verzeichnen, bei denen der Schadenaufwand 10.000 Euro und höher beträgt. Dementsprechend ist der durchschnittliche Aufwand mit 1834 Euro im Vergleich zu allen Durchschnittsschäden in der LW-Sparte gering. Allerdings kann der Schadenaufwand je nach den örtlichen Bedingungen weit über den durchschnittlichen Kosten für einen Leitungswasserschaden liegen.  Quelle: Georg Scholzen, Westfälische Provinzial Versicherung AG, Münster

Estrich, Dämmstoffe oder Wandkonstruktionen können über lange Zeiträume hinweg Feuchtigkeit aufnehmen. Durch kapillare Effekte breitet sich das Wasser weiter aus und führt zu einer zunehmenden Durchfeuchtung. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium treten sichtbare Schäden auf – etwa durch Schimmelbildung, Materialverformungen oder Geruchsbildung.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Schaden in der Regel bereits erheblich. Die Sanierung erfordert dann nicht nur die Erneuerung der Fuge, sondern häufig auch umfangreiche Maßnahmen an der Bausubstanz, insbesondere wenn Holz als Bausubstanz verwendet wurde.

Entscheidend ist daher ein verändertes Verständnis im Umgang mit Silikonfugen: Sie sind regelmäßig zu kontrollieren und in definierten Intervallen zu erneuern. Gleichzeitig müssen Verantwortlichkeiten klar geregelt sein, um die Wartung nicht dem Zufall zu überlassen. Gegebenenfalls ist der Aufbau der Abdichtungen nach den heutigen Anforderungen der Sanitärbranche zu erneuern.

Link zum Artikel Defekte Silikonfugen – Wenn über Jahre unbemerkt Wasser einsickert, kann es teuer werden.

Leckagen in wasserführenden Leitungen: Zwischen notwendiger Maßnahme und überzogener Sanierung

Bei einer Leckage in einer wasserführenden Leitung stellt sich unmittelbar die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem entstandenen Wasserschaden. In der Praxis wird häufig reflexartig eine technische Trocknung eingeleitet – unabhängig vom tatsächlichen Schadensausmaß.

Ursachen bei Leitungswasserschäden (Quelle: Dr. Georg Scholzen)

Eine differenzierte Betrachtung zeigt jedoch, dass diese Vorgehensweise nicht immer gerechtfertigt ist. Entscheidend sind mehrere Faktoren: die Menge des ausgetretenen Wassers, die Dauer bis zur Entdeckung des Schadens sowie die Art der betroffenen Materialien.

Wenn Wasser lediglich kurzzeitig austritt und sich auf dichten Oberflächen ausbreitet, kann eine schnelle Beseitigung ausreichen, ohne dass Folgeschäden entstehen. Anders verhält es sich, wenn Feuchtigkeit in kapillaraktive Materialien eindringt. In solchen Fällen wird das Wasser im Baustoff gespeichert und kann sich über größere Bereiche verteilen.

Besonders kritisch sind Konstruktionen mit Dämmschichten oder organischen Materialien. Hier besteht die Gefahr langfristiger Feuchteschäden und mikrobiellen Wachstums. In diesen Situationen ist eine technische Trocknung erforderlich, um die Bausubstanz nachhaltig zu schützen.

Problematisch wird es, wenn standardisierte Sanierungskonzepte ohne vorherige Analyse angewendet werden. Der Einsatz von Trocknungsgeräten über längere Zeiträume kann erhebliche Kosten verursachen, ohne dass ein zusätzlicher Nutzen entsteht. Dies gilt insbesondere dann, wenn die vorhandene Restfeuchte auch auf natürlichem Wege hätte abtrocknen können.

Eine fachgerechte Bewertung des Schadens ist daher unerlässlich. Dazu gehören Feuchtemessungen, die Analyse der betroffenen Materialien sowie die Einschätzung der Durchfeuchtungstiefe. Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob und in welchem Umfang Trocknungsmaßnahmen erforderlich sind. Oder auch die Feststellung, dass die Bausubstanz zerstört ist und durch Trocknungsmaßnahmen nicht wiederhergestellt werden kann.

Der sachgerechte Umgang mit Leckagen erfordert somit nicht nur technisches Wissen, sondern auch die Fähigkeit, Maßnahmen wirtschaftlich und verhältnismäßig zu bewerten.

Link zum ArtikelIst die Trocknung von Leitungswasserschäden notwendig oder nur ein Kostentreiber?

Pressfittinge im Fokus: Wenn moderne Technik zur Schwachstelle wird

Pressfittinge haben sich als Standardlösung in der Trinkwasserinstallation etabliert. Sie ermöglichen eine schnelle und effiziente Verarbeitung und gelten bei fachgerechter Anwendung als zuverlässig. Dennoch zeigen sich in der Praxis immer wieder Probleme, die auf Ausführungsfehler zurückzuführen sind.

Eine der häufigsten Ursachen für Undichtigkeiten sind nicht vollständig verpresste Verbindungen. Diese entstehen, wenn Pressvorgänge ausgelassen oder unzureichend ausgeführt werden. Besonders kritisch ist, dass solche Verbindungen zunächst dicht erscheinen können.

Im Rahmen von Druckprüfungen vor der Inbetriebnahme werden diese Schwachstellen nicht immer erkannt. Unter bestimmten Prüfbedingungen können auch fehlerhafte Verbindungen kurzfristig dicht bleiben und erst im späteren Betrieb versagen.

Die Folgen sind erheblich: Nachträgliche Leckagen führen zu Wasserschäden, Bauverzögerungen und aufwendigen Nachbesserungen. In vielen Fällen müssen bereits fertiggestellte Bauteile wieder geöffnet werden, um die Ursache zu beheben. Die teuersten Schäden entstehen durch die immensen Kosten durch Betriebsunterbrechungen, wenn im Prinzip fertige Bauabschnitte nicht bezogen werden können.

Manometer zur Druckmessung. Hinweis: Üblicherweise liegt der Druck in der TWI bei 4-6 bar je nach Versorger und Höhenlage der Liegenschaft. Foto: Dr. Georg Scholzen

Ein wirksames Gegenmittel ist ein systematisches Prüf- und Qualitätssicherungskonzept. Dieses beginnt nicht erst mit der Druckprüfung, sondern begleitet den gesamten Installationsprozess. Sichtkontrollen, dokumentierte Arbeitsschritte und klare Prüfprotokolle tragen dazu bei, Fehler frühzeitig zu erkennen.

Ergänzend können moderne Prüfmethoden und Leckage-Ortungssysteme eingesetzt werden, um die Dichtheit der Installation unter realistischen Bedingungen zu überprüfen. Ziel ist es, mögliche Schwachstellen zu identifizieren, bevor das System in Betrieb geht.

Die Praxis zeigt, dass technische Systeme nur so zuverlässig sind wie ihre Ausführung. Eine konsequente Qualitätssicherung ist daher unverzichtbar.

Link zum Artikel Was tun, wenn kurz vor Inbetriebnahme eines neuen Gebäudes Pressfittinge undicht werden?

Kleine Ursachen, große Wirkung – und die Notwendigkeit genauer Analyse

Die Betrachtung der drei Themenfelder macht deutlich, dass Wasserschäden häufig aus unscheinbaren Ursachen entstehen. Eine gealterte Silikonfuge, eine falsch eingeschätzte Leckage oder eine fehlerhafte Pressverbindung können ausreichen, um erhebliche Schäden zu verursachen.

Gemeinsam ist diesen Fällen, dass sie bei sorgfältiger Planung, Ausführung und Kontrolle vermeidbar gewesen wären. Entscheidend ist ein systematischer Ansatz, der Wartung, Schadensbewertung und Qualitätssicherung gleichermaßen berücksichtigt.

Für die Praxis bedeutet dies, dass technische Maßnahmen stets auf einer fundierten Analyse dem aktuellen Fachwissen basieren müssen. Pauschale Lösungen führen nicht selten zu unnötigen Kosten oder unzureichenden Ergebnissen.

Mit zunehmender Digitalisierung werden zukünftig auch sensorbasierte Überwachungssysteme eine größere Rolle spielen. Dennoch bleibt die fachgerechte Ausführung vor Ort die zentrale Voraussetzung für eine dauerhaft funktionierende Trinkwasserinstallation.

 

Dr. Georg Scholzen ist Diplom-Chemiker mit über 20 Jahren Erfahrung in der Verhütung von Leitungswasserschäden. Er war u.a. Sprecher der Projektgruppe „Leitungswasser“ des GDV, Mitglied im Projektkreis „Betrieb und Wartung“ beim DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.), Autor des Fachbuches „Leitungswasserschäden: Vermeidung – Sanierung – Haftung“ und der Experte im FORUM LEITUNGSWASSER der AVW Unternehmensgruppe. Foto: Martin Zitzlaff

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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