Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
die Prävention von Leitungswasserschäden steht an einem Wendepunkt. Was lange Zeit als Summe einzelner Maßnahmen betrachtet wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem ganzheitlichen Systemansatz. Drei aktuelle Entwicklungen zeigen exemplarisch, wie sich neue Gesamtverbindungen der Schadenprävention herausbilden – technisch, digital und organisatorisch.
Erstens: die Überarbeitung der Gütesicherung durch die RAL Gütegemeinschaft Rohrbefestigung. Was auf den ersten Blick wie ein Detail der Gebäudetechnik erscheint, offenbart bei näherer Betrachtung eine grundlegende Erkenntnis: Schadenprävention beginnt nicht erst im Betrieb, sondern bereits in der Planung und in der Qualität der verbauten Komponenten. Rohrbefestigungen sind kein Nebenschauplatz – sie sind ein integraler Bestandteil der Systemsicherheit.
Sie sollen so lange halten, bis ein Rohr/ eine Leitung aus „Altersgründen“ ausgetauscht wird: Also mindestens 50 Jahre. Wenn hier Standards geschärft werden, wirkt das entlang der gesamten Schadenpräventionskette. Zum Artikel: RAL Gütegemeinschaft Rohrbefestigung: Neue Standards stärken die Schadenprävention bei Leitungswassersystemen.
Zweitens: die zunehmende Bedeutung intelligenter Wassermessung und digitaler Leckageerkennung. Eine aktuelle EU-Studie zeigt eindrucksvoll, dass diese datenbasierten Systeme nicht nur Transparenz schaffen – Wasserbrauch und Kosten, sondern aktiv zur Schadenvermeidung beitragen. Einsparpotenziale von bis zu 25 Prozent sind dabei mehr als eine Effizienzfrage – sie sind Ausdruck eines Paradigmenwechsels. Prävention wird messbar, steuerbar und skalierbar.
Besonders die Kombination aus Sub-Metering und Echtzeit-Leckageerkennung markiert den Übergang von reaktiven zu proaktiven Systemen. Zum Artikel: Intelligente Wassermessung wie Leckageerkennung als Schlüssel zur Effizienz: Neue EU-Studie belegt Einsparpotenziale von bis zu 25 Prozent.
Drittens: die Rückbesinnung auf klassische, aber oft unterschätzte Maßnahmen wie den systematischen Frühjahrscheck. Auch hier zeigt sich: Prävention ist kein Einzelereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Bauphysikalisches Verständnis, regelmäßige Inspektion und richtiges Nutzerverhalten bilden die Grundlage, auf der technische und digitale Lösungen überhaupt wirksam werden können. Zum Artikel: Frühjahrscheck am Gebäude: Frostschäden erkennen und Schimmel im Sommer vermeiden.
Was verbindet diese drei Ebenen?
Es ist die Erkenntnis, dass wir Schadenprävention nicht länger isoliert denken dürfen. Mechanische Sicherheit (wie bei Rohrbefestigungen), digitale Intelligenz (wie bei der Leckageerkennung) und betriebliche Sorgfalt (wie beim Gebäudemanagement) greifen ineinander. Erst ihr Zusammenspiel schafft resiliente Leitungswassersysteme.
Für die Wohnungswirtschaft, Planer, Hersteller und Nutzer ergibt sich daraus ein klarer Auftrag:
Schadenprävention muss systemisch organisiert werden. Standards, Digitalisierung und Betrieb dürfen nicht nebeneinander stehen – sie müssen integriert werden. Die Zukunft der Leitungswassersicherheit liegt nicht in einzelnen Innovationen, sondern in ihrer intelligenten Vernetzung.
Oder anders gesagt: Schäden werden nicht mehr nur verhindert – sie werden zunehmend vorausgedacht, und dann…
Dies und mehr erwartet Sie in der Ausgabe 34 von FORUM LEITUNSGWASSER.
Ich wünsche Ihnen eine hilfreiche Lektüre!
Ihr
Hartmut Rösler
Geschäftsführer der AVW Unternehmensgruppe,
Mit-Initiator der Initiative Schadenprävention und des FORUM LEITUNGSWASSER


