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Ein Online-Marktplatz für die Branche

Ein Online-Marktplatz für die Branche
Seit eineinhalb Jahren haben Drittanbieter die Möglichkeit durch das Partnerprogramm Aareon Connect Lösungen in das digitale Ökosystem von Aareon zu integrieren. José Maria Rodríguez Azparren (links) und Richard Hector erklären, wie dieser Online-Marktplatz von der Branche genutzt wird. Foto: Philipp Kirschner | PK Fotografie, Leipzig

Vor gut eineinhalb Jahren hat Aareon ihr digitales Ökosystem mit dem Partnerprogramm Aareon Connect für die Integration von Drittanbieter-Lösungen geöffnet. Wohnungswirtschaft digital. wollte wissen, wie das Angebot von der Branche genutzt wird und wie es sich bisher weiterentwickelt hat.

Richard Hector, Managing Director Aareon Connect, und José Maria Rodríguez Azparren, Group Business Partner Manager bei Aareon Connect, haben unsere Fragen beantwortet.

Herr Hector, wie hat die Wohnungswirtschaft Aareon Connect bisher angenommen?

Richard Hector: Mit der Nachfrage sind wir sehr zufrieden. Inzwischen haben schon über 100 Kundinnen und Kunden ihr digitales Ökosystem über unsere Partnerplattform mit spezialisierten Softwarelösungen erweitert. Das unterstreicht das große Interesse der Branche, unsere ERP-Systeme mit weiteren Best-in-Class-Lösungen zu ergänzen.

Besonders freuen wir uns, über das in Summe positive Feedback seitens der Kundinnen und Kunden – beispielsweise, dass die Anbindung an das ERP-System über die standardisierte Schnittstelle, die Datenflüsse der Branche zusammenführt und vereinfacht. Besondere Fokusthemen, die aufgrund des hohen Interesses vermutlich bald zum Standard-Werkzeugkasten vieler Kundinnen und Kunden gehören, sind die Digitale Unterschrift sowie die KI-Kommunikation.

Für welche ERP-Systeme von Aareon ist Aareon Connect inzwischen verfügbar?

Richard Hector: Aareon Connect ist aktuell verfügbar für Wodis Yuneo und Wodis Sigma, SAP Blue Eagle, Karthago (UTS), RELion ONE und immotion (GAP). 

Wie sieht die internationale Strategie aus?

Richard Hector: Aktuell bieten wir Aareon Connect neben Deutschland auch in England, den Niederlanden und Schweden an. In England besteht beispielsweise ein besonders hohes Interesse Microsoft SharePoint als Archiv zu verwenden sowie an Forderungsmanagement-Lösungen.

Die Niederlande haben bereits seit einigen Jahren ein ausgeprägteres Partner-Ökosystem, welches wir nun unter anderem durch Aareon Connect Low Code ergänzen – also die Möglichkeit mit einer Art Code-Bausteinen viel schneller als “per Hand-Programmierung“ Integrationen ins Leben zu rufen.

Herr Azparren, wie umfangreich ist das Partnerangebot auf Ihrer Plattform?

José Maria Rodríguez Azparren: Derzeit bieten etwa 40 PropTech-Unternehmen ihre Softwarelösungen und Services an. Damit das Aareon-Connect-Angebot für unsere Kundinnen und Kunden übersichtlich bleibt, haben wir den Aareon Connect Marktplatz nach grundlegenden immobilienwirtschaftlichen Geschäftsprozessen kategorisiert, wie Gebäudemanagement, Mieterkommunikation oder Interessentenmanagement. Das erleichtert es Interessentinnen und Interessenten, die für sie passende Lösung zu finden.

Was machen Sie, wenn ein Wohnungsunternehmen unbedingt eine Lösung von einem nicht auf Ihrer Plattform gelisteten Anbieter nutzen möchte?

José Maria Rodríguez Azparren: In solch einem Fall besteht die Möglichkeit, dass der Lösungsanbieter uns über das Formular auf unserer Webseite Aareon Connect Partner werden kontaktiert. Wir setzen uns dann zeitnah mit ihm in Verbindung und besprechen, ob und wie eine Partnerschaft realisiert werden könnte.

Wie unterstützen Sie Ihre Partner dabei, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen?

José Maria Rodríguez Azparren: Gemeinsam mit unseren Partnern veranstalten wir für unsere Kundinnen und Kunden Webinare, die den Nutzen der Partnerlösung aufzeigen. Wir bieten ihnen weitere Vermarktungsmöglichkeiten, zum Beispiel auf Kundenevents wie dem Aareon Forum und dem Aareon Summit.

Auf unseren Kommunikationskanälen wie LinkedIn und dem Aareon Connect Blog bieten wir unseren Partnern zudem die Möglichkeit, sich mit ihrem Produkt und dessen Mehrwert für die Wohnungsunternehmen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Herr Hector, im letzten Jahr haben Sie Ihre Vision für die Zukunft so beschrieben, dass jedes Unternehmen seine gewünschte Software sozusagen, wie aus einem App Store beziehen kann. Wie nah sind Sie Ihrem Ziel schon gekommen?

Richard Hector: In den letzten Monaten haben wir unsere Plattform erfolgreich zu einem offenen Online-Marktplatz entwickelt, der sich in der Branche gut etabliert hat. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, dieses Potenzial weiter auszubauen, um unseren Kunden den Bezug von Partner-Anwendungen für die Unternehmen so einfach und schnell wie in einem App Store zu gestalten. Durch die flexible Verbindung unserer ERP-Systeme mit einer Vielzahl an hervorragenden Lösungen aus der PropTech-Szene schaffen wir einen Mehrwert für alle Beteiligten in der Branche. Hierbei steht der App Store als Bild für die Einfachheit der Software- und Partnerauswahl.

Was unseren Ansatz von einer reinen App-Installation unterscheidet, ist die Integration und der Datenaustausch. Wohingegen zum Beispiel WhatsApp eine für sich allein funktionierende Lösung ist, die man einfach und ohne Auswirkungen auf seinem Smartphone installieren und deinstallieren kann, sind unsere Partnerlösungen integriert und auf die bestehenden ERP-Systeme abzustimmen. Hier bleibt trotz aller Standardisierung des Datenaustausch ein gewisser Integrationsaufwand, der aber in keinem Verhältnis zur individuellen Entwicklung einer Schnittstelle steht. Somit können wir und unsere Partner den Online-Marktplatz als Erfolg im vergangenen Jahr werten.

Vielen Dank für den spannenden Blick auf den Online-Marktplatz für die Branche.

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Vonovia setzt Software zur Prüfung von 3D-Modellen bei Neubauprojekten ein

Vonovia setzt Software zur Prüfung von 3D-Modellen bei Neubauprojekten ein
Software für Bauantragsprüfung ist zentraler Schritt zur dringend benötigten Digitalisierung der Baubranche. Foto: BIM.permit

Nach erfolgreicher Testphase setzt Vonovia eine vom heimischen Start-up VSK.software entwickelte digitale Lösung zur Prüfung von 3D-Modellen bei ihren Neubauvorhaben ein. Die Software mit dem Namen BIM.permit ermöglicht eine drastische Verkürzung und Prozessvereinfachung bei der Prüfung von Bauanträgen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung und der einhergehenden Entbürokratisierung der Bauwirtschaft. Von dem Pilotprojekt werden alle profitieren: Auch die Stadt Bochum und das Land NRW evaluieren die Möglichkeiten einer Anwendung und Prozessoptimierung der Software auf kommunaler Ebene.

„Nordrhein-Westfalen ist der Ort für Innovationen beim digitalen Planen und Bauen. Ein erfolgreiches Beispiel ist der Einsatz der Software zur Prüfung von 3D-Modellen bei Neubauprojekten. Vonovia geht voran. Weitere Pilotvorhaben zur elektronisch gestützten Vorprüfung von Bauanträgen unterstützt das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen mit der Ruhr-Universität Bochum.

Digital planen, vorab elektronisch auf Richtigkeit prüfen und schnell eine Genehmigung bekommen – das ist Ziel des Projekts mit der Ruhr-Universität Bochum, welches mit rund 400.000 Euro aus dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird.

Nach erfolgreichem Abschluss des Pilotprojektes soll die elektronische Vorprüfung auf dem Bauportal Nordrhein-Westfalen standardmäßig übernommen werden und so allen Planerinnen und Planern zugänglich gemacht werden”, sagt Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weniger Bürokratie: Anträge können drastisch schneller und unkomplizierter genehmigt werden

Daniel Riedl, Chief Development Officer von Vonovia, sagt über das Projekt: „Die Herausforderungen, die in der Wohnungswirtschaft vor uns liegen, werden wir nur mithilfe echter Digitalisierung lösen. Unsere Beteiligung an dem Start-up und das Modellprojekt schreiben unsere Strategie auf diesem Gebiet konsequent fort. Wir wollen eine Lösung bieten, die Genehmigung von Bauvorhaben effizient zu beschleunigen – und das nicht nur bei Vonovia, sondern für alle Beteiligten. So leisten wir einen wertvollen und nachhaltigen Beitrag, ein akutes Problem der Gesellschaft zu lösen.“

Er hat, ebenso wie die Politik, mehrfach die Digitalisierung und Entbürokratisierung der Bauwirtschaft gefordert.

Zusammenarbeit mit VSK, Stadt Bochum und Ruhr-Universität

Die vom Start-up VSK.software entwickelte Software prüft die Modelle in Hinblick auf Einhaltung von Bauvorschriften. Die Prüfungen erfolgen direkt auf dem 3D-BIM-Modell der Planer, sodass kein Medienbruch auf 2D-Pläne mehr erfolgt. Vonovia setzt die Software aus der Sicht des Bauantragstellers jetzt bei in der Planung befindlichen Bauvorhaben ein; gleichzeitig bringt die Stadt Bochum aus der Sicht der Prüfbehörde ihre Expertise zur Einhaltung von Bauvorschriften ein und schult bereits Mitarbeitende der Bauaufsicht.

Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch erklärt: „Mit dem Digitalen Bauantrag bekommen wir mehr Tempo in den Genehmigungs- und Planungsprozess. BIM erspart Antragsstellerinnen und Antragsstellern unnötige Fehlschläge und Sackgassen in der Planung, weil direkt erkennbar ist, ob die Pläne mit der Bauordnung kompatibel sind. Das hilft Bauherrinnen und -herren genauso wie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bauordnungsamt. Wir bekommen also eine klassische win-win-Situation.“

Komplexität von Genehmigungsverfahren deutlich reduziert

Die mit dem Sonderpreis des „Auf IT gebaut“-Wettbewerbs in der Kategorie Start-up ausgezeichnete Prüfsoftware BIM.permit nutzt plattformunabhängige Datenformate, so dass alle Planende ihre 3D-Bauwerksmodelle standardisiert einstellen und digital prüfen lassen können. BIM.permit reduziert so die Dauer und Komplexität von Baugenehmigungsverfahren deutlich. Noch vor wenigen Monaten sagte Bundeskanzler Olaf Scholz, dass die Vorprüfung sowie das eigentliche Genehmigungsverfahren für ein Bauvorhaben jeweils „rund zehn Monate“ dauern. Mit dem korrekten Einsatz von BIM.permit auf Antragssteller- sowie Antragsbearbeiterseite ließe sich das auf wenige Wochen reduzieren – für beide Prüfungsverfahren zusammen.

„Dies erreichen wir zum einen dadurch, dass Bauvorlagenberechtigte ihre Modelle verlässlich und schnell vorprüfen können und zum anderen durch die Automatisierung des Genehmigungsprozesses selbst“, erklärt André Vonthron, Gründer und Geschäftsführer der VSK Software GmbH. Doch die Software ersetzt nicht den Menschen: „Wichtig ist, dass trotz des Einsatzes technischer Hilfsmittel der Faktor Mensch die treibende Kraft bleibt, allein schon durch die große Anzahl von Ermessensentscheidungen.“

Digitalisierte Baugenehmigungsverfahren und die schnellere Abwicklung von Bauantragsprüfungen bei hoher Prüfungsqualität hinsichtlich verschiedener Landesbauordnungen sind ein entscheidender Schritt zur dringend benötigten Digitalisierung der Bauwirtschaft. Vonovia leistet zusammen mit VSK.software und der Stadt Bochum wichtige Pionierarbeit.

Nina Henckel

Marc Friedrich


Die Vonovia SE ist Europas führendes privates Wohnungsunternehmen, das über einer Million Menschen ein Zuhause bietet. Heute besitzt Vonovia rund 543.000 Wohnungen in allen attraktiven Städten und Regionen Deutschlands, Schwedens und Österreichs. Hinzu kommen rund 71.700 verwaltete Wohnungen. Der Portfoliowert liegt bei zirka 82,5 Mrd. €. Vonovia stellt dabei als modernes Dienstleistungsunternehmen die Kundenorientierung und Zufriedenheit seiner Mieterinnen und Mieter in den Mittelpunkt. Ihnen ein bezahlbares, attraktives und lebenswertes Zuhause zu bieten, bildet die Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Daher investiert Vonovia nachhaltig in Instandhaltung, Modernisierung und den seniorenfreundlichen Umbau der Gebäude. Zudem baut das Unternehmen zunehmend neue Wohnungen durch Nachverdichtung und Aufstockung.

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Update für das Bauportal Nordrhein-Westfalen – Nutzerfreundlicher und zeitsparender zum neuen Bauvorhaben

Update für das Bauportal Nordrhein-Westfalen – Nutzerfreundlicher
Neu im Bauportal Nordrhein-Westfalen ist die Digitalisierung von Anträgen in denkmalrechtlichen Verfahren. Quelle: https://bauportal.nrw/

Das Bauportal Nordrhein-Westfalen wurde einem Update unterzogen: Damit ist das Planen von Bauvorhaben jetzt noch einfacher. Unter www.bauportal.nrw können Nutzerinnen und Nutzer mit Hilfe eines Bau-Konfigurators prüfen, ob ihr Bauvorhaben verfahrensfrei ist. Zudem erhalten sie Hilfestellungen zum Baugenehmigungsverfahren.

Auch die Kommunen profitieren von dem neuen Bauportal Nordrhein-Westfalen, da durch das Fachportal ein einheitlich gesicherter und flächendeckender Anschluss erfolgt. Das neue Bauportal erfährt mit 4.500 Besuchen pro Woche von Beginn an eine hohe Akzeptanz und Beliebtheit.

„Mit dem Update des Bauportal.NRW machen wir Bauplanungen und Antragsstellungen noch digitaler, einfacher und nutzerfreundlicher. So bringen wir das Bauen in Nordrhein-Westfalen weiter nach vorne und vor allem noch mehr Mauersteine aufeinander. Durch einen neuen, interaktiven Bau-Konfigurator können Bürgerinnen und Bürger einfach herausfinden, ob ihr Bauvorhaben verfahrensfrei ist, sie einen Antrag stellen müssen oder ob die Unterstützung eines Profis mit Bauvorlageberechtigung notwendig ist.

Die Bauportal-Nutzer werden je nach Vorhaben zu dem für sie richtigen Antrag geleitet. Gleichzeitig werden alle notwendigen Informationen, beispielsweise über die benötigten Unterlagen sowie Verfahrensablauf, übersichtlich bereitgestellt. Durch die auf die Nutzer zugeschnittene Hilfestellung reduziert sich die Anzahl der unnötig gestellten Anträge. Das spart Zeit und Nerven – auf Seiten der Bauherrschaft genauso wie auf Seiten der Behörden“, sagt Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ebenfalls neu im neuen Bauportal Nordrhein-Westfalen

Die Digitalisierung von Anträgen in denkmalrechtlichen Verfahren. Zum Start des neuen Bauportal Nordrhein-Westfalen können Anträge auf denkmalrechtliche Erlaubnis, die Sondengänger-Erlaubnis und die Grabungserlaubnis bequem online gestellt werden. Im nächsten Schritt werden weitere Denkmalanträge digital zur Verfügung gestellt werden.

Nutzerinnen und Nutzer benötigen für das Bauportal Nordrhein-Westfalen die „Deutschland.ID“ (früher: BUND.ID) oder „Mein Unternehmenskonto/ Elster“ zu stellen. Nach der Auswahl des Bauantrags und des Ortes bekommen Interessierte angezeigt, ob ihre Kommune am Bauportal Nordrhein-Westfalen angeschlossen ist.

Auch für die Kommunen bietet das Bauportal Erleichterungen

Die Kommunen sind von dem Aufbau eigener Serverstrukturen für das Bauportal Nordrhein-Westfalen finanziell und technisch entlastet worden. Ministerin Ina Scharrenbach: „Zusammen mit dem Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen haben wir die ‚Zentrale Daten-Infrastruktur‘ entwickelt, die bei den Kommunen auf ein sehr positives Echo stößt. Auch bei weiteren Diensten wird künftig auf diese zentrale Infrastruktur gesetzt.“

„Darüber hinaus erproben wir weiterhin sehr erfolgreich eine elektronisch gestützte Vorprüfung von Bauanträgen mit der Ruhr-Universität Bochum. Digital planen, vorab elektronisch auf Richtigkeit prüfen und schnell eine Genehmigung bekommen – das ist Ziel eines Projekts mit der Ruhr-Universität Bochum, welches mit rund 400.000 Euro aus dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Nach erfolgreichem Abschluss des Pilotprojektes soll die elektronische Vorprüfung auf dem Bauportal Nordrhein-Westfalen standardmäßig übernommen werden und so allen Planerinnen und Planern zugänglich gemacht werden“, so die Ministerin.

https://bauportal.nrw

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Smarte Lösung für Hochwasserschutz – App von der TU Dresden für Simulation von Starkregenereignissen

Smarte Lösung für Hochwasserschutz - App von der TU Dresden
Smarte Lösung für Hochwasserschutz: Forscher:innen der TU Dresden entwickeln eine App für Simulation von Starkregenereignissen Geobasiszwilling der Landeshauptstadt Dresden. © Stadt Dresden / Virtual City Systems

Extremwetterereignisse, wie sie im Zuge des Klimawandels inzwischen regelmäßig auftreten, stellen Städte und Kommunen vor große Herausforderungen. In Dresden entwickelt das Institut für Wasserbau und Technische Hydromechanik (IWD) einen „Urbanen Digitalen Starkregenzwilling“ für die sächsische Landeshauptstadt. Mittels App können Nutzer:innen künftig Starkregenereignisse simulieren, Informationen über Gefährdungslagen erhalten und auf dieser Grundlage Schutzmaßnahmen vorbereiten. Der Prototyp auf Basis freier und offener Software liegt nun vor.

Im Rahmen des Modellprojekts Smart City Dresden arbeiten Forscher:innen am IWD seit Mai 2024 an der technologisch-methodischen Erstellung des sogenannten Starkregenzwillings: ein virtuelles Modell der Stadt, in dem geografische Daten (die Topografie Dresdens) und städtische Informationen (etwa Straßen- und Gebäudetypen) zusammengeführt werden. Nach Integration von Fachinformationen aus der Hydrologie und Hydrodynamik können im digitalen Zwilling Abflusssimulationen durchgeführt werden, die der Landeshauptstadt Dresden eine doppelte Nutzung ermöglichen.

„Ziel des Projekts ist es, ein leistungsfähiges System zu schaffen, das sowohl als Frühwarnsystem für Starkregenereignisse sowie auch als Planungsinstrument zur Anpassung an den Klimawandel genutzt werden kann“, erklärt Entwickler Lars Backhaus.

Der Prototyp bietet eine vollautomatisierte Erstellung von 2D-Simulationsmodellen, die durch Niederschlagsprognosen des Deutschen Wetterdienstes ergänzt werden können. Die Simulationsergebnisse liefern detaillierte Informationen zu Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten in überfluteten Gebieten und können mit städtischen Infrastrukturelementen wie Straßen und Gebäuden verschnitten werden, um potenzielle Gefährdungen genau zu analysieren.

Über eine für Desktop- sowie Mobilgeräte verfügbare 3D-Web-App können grundlegende Karten- und Flächendaten visualisiert und abgerufen werden. Anwender:innen erhalten die Möglichkeit, Starkregensimulationen in manuell ausgewählten Stadtbereichen zu starten und die Ergebnisse in Echtzeit zu verfolgen. Dabei lässt sich das Hochwasserrisiko für den gesamten Stadtbereich bis hin zum einzelnen Gebäude bewerten um schlussendlich Betroffenheits- und Schadenspotentiale zu berechnen. Diese können die zuständigen Behörden und Privatpersonen bei der Entscheidungsfindung der Hochwasservorsorge unterstützen.

Eine besondere Fähigkeit des Systems, so Backhaus, sei es, dass man die Simulationsmodelle schnell und einfach auf Basis des im Urbanen Digitalen Zwilling verknüpften kommunalen und landesweiten Datenbestand generieren könne. So ließen sich sowohl klassische 2D hydrodynamisch-numerische Simulationen für Stadtgebiete als auch daraus abgeleitete 3D-Simulationen von Bauwerken wie Brücken erstellen. Dies erlaubt es der Stadt, präzise Daten zur Überflutungsgefährdung zu erhalten und so im Katastrophenfall schneller reagieren zu können.

Im 2. Quartal 2025 soll die Plattform öffentlich zugänglich gemacht werden. Die vollständige Entwicklung des Urbanen Digitalen Starkregenzwillings ist für Ende 2026 vorgesehen. Eine Weiterentwicklung darüber hinaus wird angestrebt.

Über das Modellprojekt Smart City Dresden und die Maßnahme „Umweltmonitoring/Digitaler Starkregenzwilling“

Im dem von der Bundesregierung geförderten „Modellprojekt Smart City Dresden“ (2022-2026) werden innovative Maßnahmen in Modellstadtteilen Dresdens getestet, um die Stadt nachhaltig, gemeinwohlorientiert und lebenswert zu gestalten.

Die Projektleitung der Landeshauptstadt (Eigenbetrieb IT-Dienstleistungen) arbeitet an mehreren Stellen mit der TU Dresden zusammen. So ist das WISSENSARCHITEKTUR – Laboratory of Knowledge Architecture für die wissenschaftliche Leitung zuständig. Ein Forschungsteam der Wirtschaftsinformatik untersucht die Wertgenerierung des städtischen Open-Data-Portals. Die Maßnahme „Umweltmonitoring/Digitaler Starkregenzwilling“ entsteht unter Leitung des Umweltamtes der Landeshauptstadt Dresden (Dr. Katja Maerker) und setzt das BMU-Förderprojekt WAWUR (Wild abfließendes Wasser in urbanen Räumen) fort.

Quelle: Technische Universität Dresden


Die Technische Universität Dresden (TUD) zählt als Exzellenzuniversität zu den leistungsstärksten Forschungseinrichtungen Deutschlands. Sie ist mit rund 8.300 Mitarbeitenden sowie rund 29.000 Studierenden in 17 Fakultäten eine der größten technisch ausgerichteten Universitäten. Im Jahr 1828 gegründet, ist sie heute eine global bezogene, regional verankerte Spitzenuniversität, die innovative Beiträge zur Lösung weltweiter Herausforderungen leisten will. In Forschung und Lehre vereint sie Ingenieur- und Naturwissenschaften mit den Geistes- und Sozialwissenschaften und der Medizin. Diese bundesweit herausragende Vielfalt an Fächern ermöglicht der Universität, die Interdisziplinarität zu fördern und Wissenschaft in die Gesellschaft zu tragen.

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Experten warnen: Veraltete Software auf Geräten erhöht Cyberrisiko

Experten warnen: Veraltete Software erhöht Cyberrisiko
Kritische Sicherheitslücken und Compliance-Verstöße in der Geräte-Firmware werden durch die KI-basierte Technologie innerhalb von Minuten vollautomatisch im Binärcode identifiziert - ohne Quellcode, Geräte- oder Netzwerkzugriff. Foto: ONEKEY GmbH

„Der Regierungsentwurf NIS2 ist verabschiedet und wartet nur noch auf Verkündung. Mit dem Inkrafttreten von NIS2 unterliegen in den betroffenen Unternehmen nicht nur die IT-Netzwerke den neuen Cybersicherheitsregularien, sondern auch sämtliche industrielle Steuerungen, Büro- und Laborgeräte Industriemaschinen und Anlagen, die in das Netzwerk eingebunden sind“, sagt Jan Wendenburg, CEO des deutschen Cybersicherheitsunternehmens ONEKEY.

Als typische Beispiele im Bürobereich nennt der Cybersicherheitsexperte Drucker, Sicherheitskameras, Bewegungsmelder, intelligente Beleuchtungs­systeme, vernetzte Konferenzsysteme, Whiteboards und andere Präsentationsgeräte, Zutritts­kontrollen, Raumbelegungssensoren, Briefwagen und intelligente Schließsysteme. In der Industrie kommen CNC-Maschinen, Fertigungsstraßen, Lager- und Logistiksysteme, autonome Fahrzeuge, Roboter, Sensoren und Anlagen aller Art hinzu, gibt er weitere Beispiele.

Jan Wendenburg stellt klar: „Alle NIS2-pflichtigenUnternehmen müssen prüfen und dokumentieren, dass all diese Geräte mit aktueller Software ausgestattet und damit bestmöglich gegen Cyberangriffe gewappnet sind.“

Die EU-Richtlinie „Network & Information Security 2″ (NIS2) ist auf alle Unternehmen anwendbar, die als Kritische Infrastruktur (KRITIS) eingestuft werden. Dazu zählen Betreiber und Zulieferer in den Branchen Energie, Transport, Bankwesen, Finanzmarktinfrastruktur, Gesundheitswesen, Trinkwasser, Abwasser, Öffentliche Verwaltung, digitale Infrastruktur, IKT-Dienstleistungsmanagement, Post- und Kurierdienste, Abfall­wirtschaft, Raumfahrt, Herstellung, Produktion und Vertrieb von Chemikalien, Lebensmittelproduktion, -ver­arbeitung und -vertrieb, Herstellung von Medizin­produkten, Maschinen, Fahrzeugen sowie elektrischen/elektronischen Geräten und Forschungs­einrichtungen.

Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geht von knapp 30.000 betroffenen Unternehmen aus und bietet online eine Möglichkeit an, zu prüfen, ob sie der NIS2 unterliegen: www.bsi.bund.de/dok/nis-2-betroffenheitspruefung. Experte Jan Wendenburg gibt zu bedenken: „NIS2 umfasst die gesamte KRITIS-Lieferkette sowie deren Lieferanten und Geschäftspartner. Jedes Unternehmen, das beispielsweise Geschäftsbeziehungen zu einem Krankenhaus, einem Energieversorger oder einem Finanzdienstleister unterhält, sollte sich besser auf NIS2 vorbereiten, also auch seine vernetzten Geräte im Büro, im Labor und in der Produktion.“

„Niemand kümmert sich um die Druckersoftware“

Nach Einschätzung des Experten für die Cybersicherheit in Geräten, Maschinen und Anlagen „haben die wenigsten Firmen die Resilienz gegenüber Hackerangriffen außerhalb der IT-Netzwerke im Blick.“

Er gibt ein praxisnahes Beispiel: „Die Druckersoftware steht oft nicht im Fokus, solange der Drucker reibungslos arbeitet. Tatsächlich aber können sich Hacker über veraltete Programme in Druckern Zugang zum Firmennetz verschaffen.“ Der Weg sei für geübte Programmierer ein Kinderspiel: „Die Hacker gehen vom Drucker aus, finden ein Active Directory, führen eine Abfrage mit einem Konto des Druckers aus und landen im schlimmsten Fall mitten im IT-Herz des Unternehmens.“

Software-Stücklisten für NIS2 und CRA erforderlich

Firmware, wie die eingebettete Software in Geräten, Maschinen und Anlagen im Fachjargon genannt wird, wird von vielen Experten als eine „kritische Lücke“ in der Sicherheitsstrategie von Unter­nehmen und Behörden gesehen. Die Empfehlung: „Von NIS2 betroffene Unternehmen sollten sich schnellstmöglich von den Lieferanten aller vernetzter Geräte im weitesten Sinne, die im betrieblichen Einsatz sind, eine Software-Stückliste aushändigen lassen.“

Diese Stückliste, in der Sicherheitsbranche Software Bill of Materials (SBOM) genannt, listet alle im Unternehmen eingesetzten Programme vollständig auf. Da es bei älteren Geräten wie etwa einem Drucker, der seit zehn Jahren seinen Dienst verrichtet, meist schwierig ist, an die Firmware heranzukommen, empfiehlt Jan Wendenburg den Einsatz von SBOM-Tools zur automatischen Erfassung aller Softwarekomponenten und Generierung einer entsprechenden Software-Stückliste. „Das ist nicht nur für die NIS2-Konformität von Bedeutung, sondern auch für den kommenden EU Cyber Resilience Act (CRA).“

Technischer Hintergrund: Die Genauigkeit der Komponenteninformationen wirkt sich unmittelbar auf die Effektivität des Abgleichs mit der Datenbank „Common Vulnerabilities and Exposures“ (CVE) des US-amerikanischen National Cybersecurity Federally Funded Research and Development Center aus. Dort werden alle nachgewiesenen Schwachstellen in Software einschließlich Firmware zentral erfasst, so dass durch einen Abgleich festgestellt werden kann, ob das eigene Gerät längst bekannte – und damit auch den Hackern bekannte – Einfallstore für Cyberkriminelle aufweist.

„Eine lückenlose und aktuelle Inventarisierung der Software in allen Geräten, Maschinen und Anlagen, die mit dem IT-Netzwerk verbunden sind, ist die Voraussetzung für Cybersicherheit und Compliance mit den rechtlichen Regularien von NIS2 bis CRA“, fasst ONEKEY-CEO Jan Wendenburg zusammen.

Er betont: „Jede Sicherheitskette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ein einziges Gerät mit veralteter Software kann ausreichen, um ein ganzes Unternehmen zur Zielscheibe von Cyberkriminellen zu machen.“ Angesichts von Tausenden von Angriffen pro Tag stellt sich für ihn „nicht die Frage, ob ein Unternehmen von Hackern angegriffen wird, sondern wann und wie gut es davor geschützt ist.“

Das Bundeskriminalamt weist für das Jahr 2023 knapp 135.000 offiziell gemeldete Fälle von Cyberkriminalität aus und vermutet ein Dunkelfeld von 90 Prozent. Das entspricht etwa 1,5 Millionen Angriffen pro Jahr.

ONEKEY ist Europas führender Spezialist für Product Cybersecurity & Compliance Management und Teil des Investmentportfolios von PricewaterhouseCoopers Germany (PwC). Die einzigartige Kombination aus einer automatisierten Product Cybersecurity & Compliance Platform (PCCP) mit Expertenwissen und Consulting Services bietet schnelle und umfassende Analyse, Unterstützung und Management zur Verbesserung der Produkt Cybersecurity und Compliance vom Produkt Einkauf, Design, Entwicklung, Produktion bis zum End-of-Life.

Kritische Sicherheitslücken und Compliance-Verstöße in der Geräte-Firmware werden durch die KI-basierte Technologie innerhalb von Minuten vollautomatisch im Binärcode identifiziert – ohne Quellcode, Geräte- oder Netzwerkzugriff. Durch die integrierte Erstellung von „Software Bill of Materials (SBOM)“ können Software-Lieferketten proaktiv überprüft werden. „Digital Cyber Twins“ ermöglichen die automatisierte 24/7 Überwachung der Cybersicherheit auch nach dem Release über den gesamten Produktlebenszyklus.

Sara Fortmann


Der zum Patent angemeldete, integrierte Compliance Wizard™ deckt bereits heute den kommenden EU Cyber Resilience Act (CRA) und bestehende Anforderungen nach IEC 62443-4-2, ETSI EN 303 645, UNECE R1 55 und vielen anderen ab. Das Product-Security-Incident-Response-Team (PSIRT) wird durch die integrierte, automatische Priorisierung von Schwachstellen effektiv unterstützt und die Zeit bis zur Fehlerbehebung deutlich verkürzt. International führende Unternehmen in Asien, Europa und Amerika profitieren bereits erfolgreich von der ONEKEY Product Cybersecurity & Compliance Plattform und den ONEKEY Cybersecurity Experten. www.onekey.com

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Liebe Leser:innen!

Die Welt ist im Krisenmodus, auch die Wohnbauwelt, auch in Österreich. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, eine sinkende Wohnbauleistung, die dadurch drohende Wohnbaulücke, die steigenden Mieten, die steigende Arbeitslosenquote am Bau, und, und, und …

In mancher Hinsicht – wie bei den Zinsen und Baukosten – lassen vorsichtige Prognosen auf Entspannung hoffen, betreffend leistbarer Wohnversorgung und Arbeitslosenzahlen sieht es aktuell weniger rosig aus. Wie jede Krise trifft auch die Wohnungskrise die Menschen mit geringem Einkommen deutlich mehr als die Reichen. Wie eine große Maklerfirma im Juli vermeldete, erfreuen sich in Österreich Luxusimmobilien weiterhin großer Nachfrage. Zwischen 2013 und 2023 gingen zwar die Wohnkosten für Eigentümer:innen um 26 Prozent nach oben, Mieter: innen hingegen mussten um bis zu 49 Prozent mehr berappen. Während die einen mit ihren Immobilien gute Geschäfte machen, wissen die anderen nicht, wie sie die nächste Miete bezahlen.

Aber halt! Kann man tatsächlich von einer Krise sprechen, wenn in Österreich im Durchschnitt die durchschnittliche Wohnfläche pro Person fast 47 Quadratmeter beträgt? Im Jahr 1971 kamen die Österreicher:innen mit weniger als der Hälfte aus.

„Alles, was zählt“ lautet der Titel der vorliegenden Ausgabe von WohnenPlus. Wir beschäftigen uns darin mit all den Zahlen, die Indikatoren für eine drohende Wohnbaukrise sind, mit den Preistreibern aber ebenso mit Maßnahmen und Strategien, die dagegensteuern können.

Wie immer bei großen Problemen gibt es keine einfache Lösung. Das spielt den Populisten in die Hände, die sich die Unsicherheit und Ängste der Menschen zunutze machen. Wie eine politologische Studie für Deutschland herausgefunden hat, erhöht das Steigen der Miete um einen Euro pro Quadratmeter die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mieter:in die AfD wählt um mehr als vier Prozent.

Eine zwischen Bund, Ländern und Kommunen gut koordinierte Wohnbaupolitik, unterstützt von Branchenverbänden und Berufsvertretungen, ist gefragt. Eine Erhöhung der Wohnbauförderung, Vereinfachungen im Wust der Normen, eine schonende Bodenpolitik und vieles mehr muss zusammenwirken, damit wir den Weg aus dem Krisenmodus finden und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum entschärft wird. Das mag ein komplexes Unterfangen sein, wird den Verantwortlichen aber nicht erspart bleiben.

„Damit das Bauen Freude macht“ lautete vor Jahrzehnten der Slogan eines Bauunternehmens. Es müsste aber vielmehr gelingen, meine ich, dass die Freude am Bauen – die ja nicht per se verwerflich ist – Bauten, die Freude machen, hervorbringt.

Ich gestehe, dass ich eine unverbesserliche Optimistin bin, aber das muss mit lösungsorientierter Sachlichkeit, guter Expertise und einer solidarischen Haltung doch gelingen!
Was meinen Sie?

Franziska Leeb

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„Wir werden abspecken und Standards reduzieren müssen“

Foto: Erste-Bank/Daniel-Hinterramskogler
Foto: Erste-Bank/Daniel-Hinterramskogler

Was sind die langfristigen Folgen von KIM-Verordnung, steigenden Kreditzinsen und zunehmenden Standards im Wohnbau? Und wie kann man diesen gordischen Knoten wieder lösen? Ein Gespräch mit Karin Schmidt-Mitscher, die in der Erste Bank Oesterreich den Bereich Wohnbau verantwortet.
— WOJCIECH CZAJA

Die österreichischen Kreditinstitute haben letztes Jahr Gewinne in der Höhe von 14,1 Milliarden Euro eingefahren. Ein Grund zur Freude?

Grundsätzlich ist das immer ein Grund zur Freude, wenn wir Gewinne machen. Aufgrund der stark gestiegenen Zinsen ist der Gewinn 2023 auch höher ausgefallen als in den Jahren zuvor. Aber darum geht es nicht. Im Augenblick ist es wichtig, unsere Kund:innen gut durch diese schwierigen Zeiten zu begleiten.

Der niederösterreichische Landesrat Sven Hergovich (SPÖ) meint: „Die österreichischen Kreditinstitute haben auf dem Rücken ihrer Kund:innen Milliarden an Übergewinnen eingefahren und sind nun ganz erstaunt, dass ihre Kredite jetzt nicht mehr zurückbezahlt werden können.“ Er bezeichnet das Verhalten seitens der Kreditgeber als „Ignoranz“ und „Fahrlässigkeit“.

Die Kritik kann ich nicht nachvollziehen, denn Bereicherung würde bedeuten, dass man etwas aktiv und vorsätzlich gemacht hat, und das ist nicht der Fall. Die Geschäftspolitik hat sich nicht verändert, die Finanzierungsstrukturen sind gleich geblieben, unser Ziel ist nach wie vor die Finanzierung von leistbarem Wohnraum. Was sich geändert hat, ist der Leitzins, der von Zentralbanken aufgrund des volkswirtschaftlichen Umfelds gesetzt wird. Dementsprechend haben sich auch die Kreditkosten verändert. Das hat nichts mit Fahrlässigkeit zu tun, sondern liegt in der Natur der Wirtschaft.

Was tun mit den vielen nun notleidenden Krediten? Laut OeNB steigt die Zahl an faulen, notleidenden Krediten nirgendwo so stark wie in Österreich.

Aus einer Gesamtgruppensicht bleibt unsere NPL-Quote mit 2,4 Prozent auf einem niedrigen Niveau. Wir tun alles Mögliche, um die Quote an notleidenden Krediten möglichst niedrig zu halten, und fühlen uns mit unserem Kreditportfolio unverändert sehr wohl. Wir haben umfassende Frühwarnsysteme, und bevor es kritisch wird, erarbeiten wir mit unseren Kund:innen individuelle Lösungen. Besonders betroffen sind hier natürlich variabel verzinste Kredite.

Warum ist die Anzahl an variablen Krediten gerade in Österreich so hoch?

Eine gute Frage! In der Tat liegt Österreich hier im Spitzenfeld. Das hat viel mit Psychologie zu tun, denn ein fix verzinster Kredit ist bei einer normalen Zinskurve immer teurer als ein variabler Zinssatz zum gleichen Zeitpunkt. Ich vermute daher, dass Kund:innen mehr Wert auf die Ersparnis in der Gegenwart legen als langfristig in die Zukunft zu denken.

Was tun Sie mit diesem psychologischen Phänomen?

Wir bieten gute Beratung an und empfehlen unseren Kund:innen im Privatkundensegment schon seit vielen Jahren Fixzinsbindungen. Mit gutem Erfolg: Acht von zehn Neukrediten im Wohnbau, die wir vergeben, sind fix verzinst.

Mit der sogenannten Kreditinstitute- Immobilienfinanzierungsmaßnahmen- Verordnung – kurz KIM-Verordnung – ist die Vergabe von privaten Wohnbaukrediten nun genau geregelt. Inwiefern haben sich Anfrage und Anzahl von Kreditabschlüssen seit Inkrafttreten im August 2022 verändert?

Aufgrund der schwieriger gewordenen Finanzierung und der gestiegenen Anforderungen ist die Vergabe von privaten Immobilienkrediten bei allen Banken in den letzten beiden Jahren sehr stark zurückgegangen. Ich bin allerdings der Meinung, dass man für den Rückgang der Kredite nicht einzig und allein die KIM-Verordnung verantwortlich machen kann. Mit der außerordentlich günstigen Finanzierung davor und den generell gestiegenen Bau-, Finanzierungs- und Inflationskosten danach ist die Sache weitaus komplexer.

Jede Bank hat die Möglichkeit, bis zu 20 Prozent ihrer Immokredite an Haushalte auch dann zu vergeben, wenn die KIM-VO-Standards nicht erfüllt sind. Schöpft die Erste Group dieses Ausnahmekontingent aus?

Größere Institute wie wir haben die Ausnahmekontingente gut genutzt. Doch das Ausnahmekontingent war zu Beginn an viel zu viele Parameter geknüpft, die Berechnung war extrem kompliziert. Durch die Anpassung im Juli 2024 ist die Administration deutlich leichter geworden – was zu einer höheren Ausnützung führen und vor allem auch Sanierungsfinanzierungen erleichtern wird.

Sie leiten in der Erste Group den Bereich Wohnbau. Gibt es auch spürbare Veränderungen in der Finanzierung von geförderten, großvolumigen Wohnbauprojekten?

Die gemeinnützigen Bauträger machen zum überwiegenden Teil Mietprojekte, immer häufiger aber auch – wie wir alle wissen – gefördertes und frei finanziertes Eigentum. Insofern sind von der KIM-Verordnung – indirekt, über die Käuferinnen und Käufer – auch die Gemeinnützigen betroffen. Die Projekte stehen länger leer und brauchen länger, bis sie komplett ausverkauft sind. Ja, auch in der Finanzierung ist eine deutliche Reduktion der Pipeline zu beobachten.

Karin Schmidt-Mitscher 
studierte Jus in Wien. Zu Beginn arbeitete sie im Bankenwesen im Bereich Immobilien und Leasing und war zuletzt Geschäftsführerin im Österreichischen Volkswohnungswerk (ÖVW) und Vorstand in der STUWO, einem der größten österreichischen Studentenheimbetreiber. Seit 2022 leitet sie den Bereich Wohnbau in der Erste Bank Oesterreich.

Was heißt das für die Zukunft?

Wir werden heuer noch viele Fertigstellungen haben, und auch 2025 wird es noch zahlreiche Wohnungsübergaben geben, aber nachdem wir heute zu wenig bewilligen und bauen, wird es ab 2026 zu einem massiven Einbruch am Wohnungsmarkt kommen. Angesichts des weiteren Bevölkerungswachstums macht mir das große Sorgen. Der Wettbewerb für Wohnraum wird zunehmen, die Mietpreise werden weiterhin steigen, und damit wird auch das Gerangel um die Wohnungen größer werden.

Was muss man auf einer politischen, strukturellen Ebene machen, um diesen Engpass, der auf uns zukommt, abzumildern?

Anreize schaffen, auch steuerlicher Natur, und auch die bisherigen Standards im gemeinnützigen Wohnbau neu überdenken. Wir bauen im internationalen Vergleich extrem hochwertig, was Technik und Ausstattungsqualität betrifft. Die Anforderungen sind zu hoch, das geht sich alles nicht mehr aus, wir werden abspecken und überhöhte Standards reduzieren müssen.

Wird das passieren?

Passieren müssen! Erst unlängst haben auch der Verband der Gemeinnützigen und der Verband der Immobilienprojektentwickler gemeinsam eine Renaissance des Wohnbaus gefordert. Das macht Hoffnung.

Die Einführung der EU-Taxonomie bedingt auch, dass sich Kreditinstitute nun eine fundierte Expertise im Bereich nachhaltigen Planens und Bauens aneignen müssen. Woher bezieht die Erste Group ihre Expertise?

Seit einigen Jahren haben wir nun für alle Mitarbeiter:innen im Haus eine verpflichtende ESG-Ausbildung und bieten darüber hinaus – je nach Tätigkeitsfeld – spezifische Fortbildungen an. Wir versuchen, die Expertise soweit möglich inhouse abzudecken.

Ein Blick in den Herbst: Viele vermuten, dass die EZB den Leitzins bis Ende des Jahres noch zweimal senken wird. Was wird sich dadurch verändern?

Es steht zwar noch alles in den Sternen, aber aktuell gehen wir sogar von drei weiteren Zinssenkungen bis Jahresende aus. Ob sich dadurch kurzfristig etwas verändern wird? Das glaube ich nicht. Zum Teil sind die erwarteten Zinssenkungen bereits eingepreist, Private sind verunsichert, und die Institutionellen zögern, neue Projekte zu starten. Spürbare Veränderungen am Markt werden mindestens noch einige Monate dauern.

Die Nationalratswahlen stehen vor der Tür. Welche Wünsche haben Sie an die Politik, um die Branche wieder zu festigen?

Viele, viele Wünsche über die wir jetzt im Detail gesprochen haben. Vor allem aber wünsche ich mir Gesprächsbereitschaft, mehr Vertrauen in unsere Expertise und einen generell höheren Stellenwert des Wohnbaus.

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Pluspunkte Ausgabe 3-2024

Pluspunkte Ausgabe 3-2024

Visionäres Integrationshaus

Mit dem Innsbrucker Integrationshaus der Caritas gelang ein Gebäude mit neuesten Haustechnikstandards. Die Bauherren, die Alpenländische und Diözese Innsbruck, legten Wert auf ein offenes Nutzungskonzept, das das Miteinander fördert. Beaufort Architekten planten das Wohnhaus mit Passivhausstandard mit 9.500 Quadratmeter Nutzfläche, mit 73 geförderten Wohnungen und 21 betreuten Einheiten.

Sanieren im Bestand

Die ÖWG Wohnbau erarbeitete im Auftrag des Klimaschutzministeriums gemeinsam mit der AEE Intec und Stadt- Labor ein Sanierungskonzept unter dem Titel „Reallabor Gebäude – für klimaneutrales, bedarfsgerechtes und leistbares Wohnen“. Das Pilotprojekt in der Grazer Billrothstraße umfasst u. a.: Dekarbonisierung, grüne und blaue Infrastruktur, Nachverdichtung, Materialökologie, Schonung Ressource Boden, Mobilitätskonzept, Lebenszyklusbetrachtungen.

Gemeinsam Stärke zeigen

Die VÖPE, GBV, Gewerkschaft Bau- Holz und der Fachverband Bauindustrie schlossen sich zur „Allianz Wohnraum für Österreich“ zusammen. Klaus Baringer, GBV-Obmann, plädiert für eine Investitionsoffensive: „Wir benötigen 2025 zwischen 10.000 und 11.000 neue Wohnungen.“ Darüber hinaus muss die Wohnbauförderung aufgestockt werden.
voepe.at/allianz-wohnraum-furosterreich

ZplusB Baugruppe in Graz

Mitte Juni hat sich im Rahmen des Forschungsprojekts ZxB die erste Baugruppe ZplusB in Graz gegründet. Nach der gemeinsamen Erstellung der Hausvision waren sich alle Teilnehmer:innen in den Themenbereichen Recht und Finanzierung, Raum und Sanierung sowie Gemeinschaft und Organisation einig. Das neue Projekt ZplusB (Zinzendorfgasse plus Brunngasse) wird im Herzen von Graz geplant. Beteiligt sind 15 Personen, die sich als Kerngruppe für die Projektentwicklung gemeinsam mit dem Zinshauseigentümer für eine Zusammenarbeit verständigt haben.

BIG SEE Award

Die Buwog erhielt für drei Projekte den BIG SEE Award: Dock Zehn (siehe Foto) von BKK3, Orchidea von Kirsch Architekten und Magnolia, Calla, Primula und Hortensia von Love Architects im Projekt Kennedy Garden wurden ausgezeichnet.

BILD zu OTS – Jakob Dunkl, Peter Sapp, Gerd Erhartt (v.l.n.r.), querkraft architektur

Die Querkraft-Profs

Querkraft – Jakob Dunkl, Gerd Erhartt und Peter Sapp wurden als Gastprofessoren an die TU Prag berufen. Das Lob eilt ihnen voraus: „Ich freue mich, dass wir nach Winy Maas weitere prominente Persönlichkeiten der zeitgenössischen europäischen Architektur für die FA gewonnen haben“, so Dalibor Hlaváček, Dekan der Fakultät für Architektur CTU.

Feierliche Übergabe in Fürstenfeld: Mieter:innen mit dem Landtagsabgeordneten und Klubobfrau- Stellvertreter Lukas Schnitzer, Bürgermeister Franz Jost, 1. Vize-Bürgermeister Roland Gogg und Hans Schaffer.

Wohnen in Fürstenfeld

In der Kastanienallee in Fürstenfeld realisierte ÖWG 24 geförderte Mietwohnungen. Geplant von schwarz.platzer.architekten, wurden drei dreigeschoßige Gebäude in Massivbauweise fertiggestellt. Die Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen verfügen alle über einen Balkon oder eine Terrasse mit Gartenfläche.
oewg.at/projekte/fuerstenfeld-stadtbergenweg-bau-2

(v. l.) Erika Saria, Naturschwärmerei, Bgm. Doris Dirnberger, Architekt Martin Brischnik, Wolfram Sacherer und Landesrätin Ursula Lackner

Vielfalt im Wohnbau

Die Wohnbaugruppe Ennstal und die „Naturschwärmerei“ kooperieren – mit Unterstützung des Landes Steiermark und der EU – bei dem Wohnprojekt „Am Grünanger“ mit 63 geförderten Mietwohnungen in Gratwein-Straßengel. Das Projekt setzt auf ökologische und klimafitte Gestaltung sowie die Beteiligung der Bewohner:innen. Unter dem Namen „Vielfalt im Wohnbau“ wurde eine nachhaltige Wohlfühloase vor der Wohnungstüre geschaffen. Das Projekt wurde als „Beispielhafter Wohnbau“ vom Land Steiermark ausgezeichnet.

Screenshot

Bauteilaktivierung in der Sanierung

Im Projekt SüdSan werden zwei Mehrfamilienhäuser mit 397 Wohnungen der Alpenländischen in der Südtiroler- Siedlung aus den 50er-Jahren in Bludenz saniert. Dabei wird eine Wandheizungsvariante (Bauteilaktivierung) mit Niedertemperaturheizkörpern verglichen. Im Rahmen des FFG-Forschungsprojekts SüdSan wird die Sanierung von zwei repräsentativen Mustergebäuden begleitet. Das Energieinstitut Vorarlberg ist der Projektinitiator zusammen mit der Alpenländischen Gemeinnützigen Wohnbau GmbH. Towern 3000 kam im Zuge der Integration der Wandheizung mit ins Projektteam.

Theresa Reiter, gf. Vorstandsmitglied Alpenland, Isabella Stickler, Obfrau Alpenland, Bürgermeister Matthias Stadler, Wohnbau-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Thomas Reicher, Habau Geschäftsbereichsleiter Hochbau Ost, Ernst Maurer, Architekten Maurer & Partner

Maßvolle Stadtentwicklung

Oberwagram, St. Pöltens östlicher Stadtteil, hat sich dank maßvoller städtebaulicher Planung zu einem modernen Stadtviertel entwickelt. Auf das Vorzeigeprojekt „Mühlbach Ost“ folgt nun der nächste Meilenstein. Im Auftrag von Alpenland errichtet die Habau Group auf einem knapp 6.900 Quadratmeter großen Grundstück direkt am Niederösterreich Ring, 132 geförderte Mietwohnungen in Massivbauweise mit Kaufoption.

BILD zu OTS – EnthŸllung Kunst am Bau mit Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy, VizebŸrgermeisterin und WohnbaustadtrŠtin Kathrin Ga‡l, Vorstandsvorsitzender der „Wien-SŸd“ Andreas Weikhart und Tobias Hermeling

Kunstvoll wohnen

Die von der Wien-Süd errichtete Wohnhausanlage Berresgasse7 mit 165 Mietwohnungen wurde von der Wiener Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál gemeinsam mit Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy und dem Wien- Süd-Vorstandsvorsitzenden Andreas Weikhart besucht. Dabei wurde eine der vom Maler Tobias Hermeling gestalteten Glasstelen enthüllt. „Kunst am Bau“ stellt hier eindrucksvoll unter Beweis, wie wichtig die inspirierende Wirkung von Kunst als identitätsstiftendes Element für die Allgemeinheit sein kann.

3 Euro pro Quadratmeter

Der Preisvorteil von Mietwohnungen von gemeinnützigen Bauvereinigungen betrug gegenüber privaten/gewerblichen Mietwohnungen im Jahr 2023 drei Euro pro Quadratmeter pro Monat. Trotz stärkerer Preisanstiege in allen Sektoren zeigt sich, dass der Preisvorteil von gemeinnützigen Mietwohnungen auch im letzten Jahr gestiegen ist. Somit erspart sich ein Haushalt im gemeinnützigen Sektor bei gleicher Wohnfläche durchschnittlich 2.500 Euro pro Jahr gegenüber Haushalten im privaten Sektor. Die ökonomischen Wirkungen dieses Preisvorteils beschreibt eine Studie des Wifo ausführlich.
wifo.ac.at/publication/55838

Urbaner Flair

Die Gemeinnützige Bauvereinigung Wohnungseigentum GmbH, eine Tochtergesellschaft des ÖSW Konzerns, errichtet bis Frühjahr 2025 in Kooperation mit der LandGut Wohnbau Errichtungs GmbH ein neues Wohnquartier im zehnten Bezirk in Wien. Urbaner Flair, zentrale Lage und eine ausgewogene Preisgestaltung: Damit überzeugen die 164 frei finanzierten Eigentumswohnungen. Jede Wohnung verfügt über mindestens einen individuellen Freiraum in Form einer Loggia, eines Balkons, eines Eigengartens oder einer Dachterrasse.

Der hufeisenförmige Baukörper umschließt einen begrünten Innenhof auf der Ebene des 2. Obergeschoßes, der als grüne Oase den privaten Freiraum ergänzt. Die nachhaltige Haustechnik mit Bauteilaktivierung und Photovoltaikelementen gewährleistet zu jeder Jahreszeit ein ausgeglichenes Raumklima und reduziert dabei auch den Energieverbrauch.

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Mehr als nur parken

NID errichtete das Parkdeck „Quartier Mitte“ in der Rennbahnstaße 1 in St. Pölten mit 500 Kurz- und Dauerparkplätzen. Anstelle von Bodenversiegelung wurde auf einer kleinen Liegenschaft die Parkmöglichkeit geschaffen. Die am Dach montierten PVModule erzeugen 119.000 kWh Strom/ Jahr und versorgen das Parkhaus sowie eine große Anzahl von E-Ladestationen mit Strom. Die Besonderheit ist jedoch das Fassaden-Kunstprojekt Sunset patterns zum Thema Solar-Energie durch Judith Fegerl.
sunsetpatterns.at

Schlüsselübergabe des Sozialbau AG Projektes am Nordbahnhof, mit VBgmIn StRin Kathrin Gaál und BV Alexander Nikolai.

386 Wohnungen im Nordbahnviertel

Die Sozialbau AG errichtete an der Ecke Nordbahnstraße/Taborstraße ein aus drei Baukörpern bestehendes Neubauprojekt mit insgesamt 386 geförderten und preiswerten Mietwohnungen.

The Berres

Der ÖSW Konzern realisiert mit „The Berres“ gemeinsam mit der Schwarzatal 308 geförderte Mietwohnungen in Wien-Donaustadt im Stadtentwicklungsgebiet Berresgasse. Insgesamt entstehen auf dem Areal rund 3.000 geförderte Wohnungen. Eine nachhaltige Quartiersentwicklung soll von Anfang an ein gutes Miteinander garantieren – innovativer, leistbarer Raum für Wohnen und Arbeiten sowie eine umfangreiche Infrastruktur.

BILD zu OTS – WHA Grimmenstein, Wechsel Bundesstra§e 70

Belebung und Verdichtung

Der von der „Gewog – Arthur Krupp“ in der Marktgemeinde Grimmenstein, an der Wechselbundesstraße 70, errichtete Wohnbau mit 29 Einheiten verbindet Alt und Neu. Damit wurde dem Ortskern der Marktgemeinde Grimmenstein neues Leben eingehaucht, vorhandene Infrastruktur integriert und neuer Wohnraum geschaffen. Versiegelte Flächen wurden aufgebrochen, der Vorplatz wurde nach dem Schwammstadt-Prinzip umgebaut.

Ausgezeichnete Journalistin

Franziska Leeb, Architekturjournalistin und langjährige Redakteurin beim Fachmagazin WohnenPlus, ist Preisträgerin des Niederösterreichischen Kulturpreises 2024. Franziska Leeb erhält den Würdigungspreis für Architektur, für ihre ausgezeichneten Arbeiten sowie ihre Tätigkeit als Vorsitzende von ORTE Architekturnetzwerk NÖ. Die Architekten Catharina Theresa Maul, Anja Mönkemöller und Burkhard Kreppel erhalten für ihre Architektur einen Anerkennungspreis.


Volles Haus beim GBV-Verbandstag 2024 in Tulln

Spannende Zukunftsszenarien

Rund 300 Personen nahmen wieder am jährlichen Verbandstag der gemeinnützigen Bauvereinigungen teil. Heuer fand die Tagung im niederösterreichischen Tulln an der Donau statt. Dabei stand Niederösterreich im Fokus. Der Verbandstag findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt. Eröffnet wurde der zweitägige Verbandstag am Mittwochvormittag mit einer Veranstaltung der Landesgruppe Niederösterreich im Haus der Digitalisierung.

In einer hochkarätigen Diskussion wurden Themen des Niederösterreichischen Wohnbaus und die Herausforderungen der Branche diskutiert. Es folgte eine Vorstellung der Gewinner des Niederösterreichischen Wohnbaupreises. Abgeschlossen wurde der Vormittag mit einer Rundfahrt durch Tulln, um GBV-Bauten zu besichtigen.

Am ersten Tag, dem internen Verbandstag, standen verbandsrechtliche Angelegenheiten auf dem Programm. Berichte von Verbandsobmann Klaus Baringer, Verbandsdirektor Alois Feichtinger, Revisionsvorstand Stefan Bauer, des Aufsichtsratvorsitzenden Christian Struber und ein Bericht aus der Delegiertenversammlung, präsentiert durch Verbandsobmann-Stellvertreter Herwig Pernsteiner, gaben den Anwesenden einen Einblick in die Arbeit des Verbands. Zum Abschluss gab es noch eine „Rundreise“ durch alle neun Bundesländer. Die Landesgruppen- Obleute der Bundesländer informierten über die Lage der GBV. Am Abend folgte ein Empfang der Landesgruppe Niederösterreich in der Garten Tulln.

Herausforderung KI

Der zweite, öffentliche Verbandstag beschäftigte sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) und ihre Auswirkungen auf die gemeinnützigen Bauvereinigungen. Carina Zehetmaier, Präsidentin von Women in AI, gab unter dem Titel „Wer fürchtet sich vor KI? Aktuelle Trends verstehen, Chancen erkennen und Herausforderungen meistern“ Einblick in das Wesen der KI.

Sie spannte dabei den Bogen von der Entstehung der KI, über aktuelle Einsatzgebiete, mögliche Zukunftsszenarien bis hin zu rechtlichen und ethischen Fragen, wie die Gesellschaft und eben auch Bauträger mit KI umgehen sollen oder können. Spannend wurde es beim Blick in die Praxis, der mögliche Einsatzfelder der KI bei GBV zeigte.

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister begrüßte die mehr als 300 Teilnehmenden des Verbandstags.

Gerhard Höfinger von der Strabag präsentierte anschaulich, wie Österreichs größtes Bauunternehmen bereits KI nutzt. Hans-Christian Hammer und Gerhard Ettmayer zeigten ein System, das bei der Lawog bereits in Betrieb ist, mit Hilfe dessen Mitarbeiter: innen im Kund:innencenter durch KI entlastet werden können. Und zu guter Letzt zeigte Michaela Wein, welche Möglichkeiten KI im Marketing für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft bereithält.

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Im kleinen Schiebetüren-Paradies

Foto: Lukas Schaller

Margarethe und Herbert Stoklassa wohnen im Gemeindebau Neu in der Seestadt Aspern. Dank der raumhohen Schiebetüren, sagen die beiden, fühlt sich die Wohnung trotz ihrer bloß 52 Quadratmeter wie ein kleines Loft an. Das Gebäude wurde für den Österreichischen Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit nominiert.
— WOJCIECH CZAJA

Begonnen hat alles superpraktisch. Nachdem sie die Wohnung im April übernommen haben, sind die beiden erst einmal auf Urlaub gefahren. „Unsere Tochter, unser Schwiegersohn und unsere Enkelkinder haben die Wohnung während unserer Abwesenheit auf Vordermann gebracht“, erzählen Margarethe und Herbert Stoklassa mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht. „Als wir aus dem Urlaub zurückgekommen sind, war alles fertig, und plötzlich hatten wir ein grünes Wohnzimmer. Was für eine Überraschung! Großartig!“

Die beiden Pensionisten, sie 74 und ehemalige Hausbesorgerin für Wiener Wohnen, er 86 Jahre alt und ehemals für die Wiener Netze tätig gewesen, bewohnen die 52 Quadratmeter große Wohnung im dritten Stock des Gemeindebaus Neu in der Seestadt Aspern, direkt am Elinor-Ostrom-Park gelegen. Erst kürzlich wurde das von wup architektur geplante Haus mit seinen insgesamt 74 Wohneinheiten für den Österreichischen Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit nominiert. Der Grund: Bauweise und Baustoffe sind zwar standardisierte Stangenware, doch dafür gibt es allerhand Hirnschmalz im Bereich sozialer Nachhaltigkeit.

„Es ist ein wunderschönes Haus, mit tollen Farben an der Fassade, das ist uns allemal lieber als all die mausgraue Architektur, die man heute überall sonst vorfindet“, sagen die beiden. Die pastelligen Farben in Gelb, Blau, Grün und Ziegelorange sind übrigens Zitate auf Karl-Marx-Hof, George-Washington- Hof und andere denkmalgeschützte Wohnhausanlagen des Roten Wien. „Noch viel toller aber ist, wie die Architekten die Innenräume arrangiert haben, denn unsere Wohnung hat zwar nur 52 Quadratmeter, aber sie wirkt viel, viel größer!“

Einfaches Schema

Die Grundrisse folgen einem einfachen Schema mit Mittelgangerschließung und tragenden Außen- und Gangwänden. Der Rest ist flexibel bespielbar und besteht aus rechteckig geschnittenen Wohnungen mit Terrassentüren und einer kompakten Nasszelle in der Mitte. Rundherum kann man sich durch Küche, Essbereich, Wohnzimmer und private Räume im Kreis bewegen, ein Drittel der Wohnungen ist sogar mit raumhohen Schiebewänden ausgestattet. Getrennte Schaltkreise in den Zimmern erlauben es, dass die schmalen, aber tiefen Zimmer bei Bedarf mit Vorhängen, Raumteilern oder Schrankwänden getrennt und unabhängig voneinander genutzt werden können.

„Dank der Schiebetüren können wir die Räume verkleinern und vergrößern“, sagt das Ehepaar, seit 53 Jahren glücklich verheiratet. „Doch meistens stehen die Türen offen, dann ist es, als würden wir in einem kleinen Loft wohnen. Nur wenn wir einen Disput haben, machen wir die Schiebetüren zu und haben Ruhe voneinander.“ Kleiner Wermutstropfen: Die Fingeröffnung im Blatt ist sehr klein und unbequem, daher haben sich die beiden eine Behelfskonstruktion mit einer provisorischen Drahtschlaufe gebastelt.

„Jetzt im Sommer verbringen wir die meiste Zeit aber ohnehin draußen am Balkon. Und für 500 Euro Miete inklusive Betriebskosten und Umsatzsteuer ist das Angebot mehr als fair“, so Margarethe und Herbert Stoklassa. „Jetzt warten wir nur noch, bis sich die Infrastruktur in der Umgebung verdichtet. Wir brauchen in der Seestadt dringend mehr Ärzte. Außerdem wünschen wir uns ein kleines Café, ein zweites Wohnzimmer, wo wir uns untertags runtersetzen können. Na, hoffentlich erleben wir das noch!“

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Finanzen und Allianzen

Quartier Wolfganggasse in Wien-Meidling – im Bild das Projekt der Heimbau (Architekten Tillner & Willinger): Dank rechtzeitigem Baubeginn und zügiger Umsetzung gelang der Bau mit moderaten Kosten und günstigen Mieten.
Quartier Wolfganggasse in Wien-Meidling – im Bild das Projekt der Heimbau (Architekten Tillner & Willinger): Dank rechtzeitigem Baubeginn und zügiger Umsetzung gelang der Bau mit moderaten Kosten und günstigen Mieten.

Stark gestiegene Bodenpreise, hohe Baukosten und gestiegene Kapitalmarktzinsen bremsen die Immobilien- und Bauwirtschaft. Die Branche bezeichnet ihre Lage als dramatisch. Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Diverse Wohnbauinitiativen und neue Allianzen zwischen Akteuren sollen Abhilfe schaffen.
— FRANZISKA LEEB

Das Projekt ist ein Glücksfall, waren sich die Anwesenden aus Wohnungswirtschaft und verwandten Sektoren beim Praxischeck der WohnenPlus Akademie im Stadtquartier Wolfganggasse einig. Schon allein deshalb, weil es zügig entwickelt und gebaut werden konnte und sich daher die Kosten im Rahmen hielten. Das Quartier entstand auf dem früheren Areal der Wiener Lokalbahnen. 2018 wurde die Station der Badner Bahn geschlossen, im gleichen Jahr wurde die Flächenwidmung beschlossen und der Bauträgerwettbewerb abgehalten. Ab Herbst 2020 war Baubeginn, zwei bis zweieinhalb Jahre später konnten die Wohnhäuser bezogen werden. Es entstanden 700 geförderten Wohnungen von Gesiba, Heimbau, Neues Leben, wbv-gpa sowie 105 Gemeindewohnungen der Wigeba.

Die Mieten sind vergleichsweise günstig. Bei der Heimbau liegt das Monatsentgelt für geförderte Genossenschaftswohnungen mit Eigentumsoption bei 7,39 Euro pro Quadratmeter, brutto, inklusive Betriebskosten bei einem Grund- und Baukostenbeitrag von 364 Euro je Quadratmeter. Bei den höher geförderten Smart-Wohnungen beträgt die Miete 7,32 Euro pro Quadratmeter, der Baukostenbeitrag 60 Euro pro Quadratmeter. Im Gemeindebau, wo kein Finanzierungsbeitrag anfällt, betragen die Mietkosten 8,15 Euro brutto.

„Fehlende Auslastung der Bauunternehmen führt zu einem schon lange nicht mehr dagewesenen Wettbewerb.“
Isabella Stickler

„Die Vergabe der Bauleistungen erfolgte noch vor der massiven Baupreiserhöhung“, erklärt Maximilian Koller von der Heimbau. Aktuell sei es die Kombination mit den gestiegenen Finanzierungskosten, die den Wohnbau unter Druck bringen. Zusätzliche Verteuerungen seien auch den immer wieder steigenden Anforderungen aus Normen, OIB-Richtlinien und Behördenauflagen geschuldet. Aktuell kalkuliere man zwischen neun und zehn Euro Miete.

„Beginnend mit 2019 sind sowohl die Baukosten als auch die Finanzierungskosten extrem angestiegen“, ergänzt Paul Steurer, Geschäftsführer von Gesiba und Wigeba. „Dies hatte zur Folge, dass vor allem gewerbliche, frei finanzierte Bauträger unter Druck kamen.“ Im letzten halben Jahr hätten sich die Baupreise stabilisiert und auch die Zinsen sind etwas gesunken. Auch die Zeit spiele eine Rolle.

„UVP-Verfahren sowie andere naturschutzrechtliche Verfahren nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Die damit verknüpften Auflagen verursachen zusätzliche Kosten.“ Beim Quartier Wolfganggasse war keine UVP notwendig.

Quartier Wolfganggasse: Bauteil Wigeba (105 Gemeindewohnungen) von Peretti+Peretti und Bauteil Gesiba von Königlarch Architekten (133 geförderte Wohnungen)
Fotos: Leeb, David Anselgruber Photography; Quelle: Statistik Austria

Vorpreschen hat sich gelohnt

Anders beim Areal Berresgasse in Wien- Donaustadt, für das der Bauträgerwettbewerb ein paar Wochen vor jenem für die Wolfganggasse entschieden wurde: Dort erfolgte für das Gros der Bauten der Baustart zwei Jahre später als geplant, weil die meisten Bauträger den Ausgang der Rechtsstreitigkeiten rund um die UVP-Frage abwarteten. Vorgeprescht ist der Bauträger Kallco, der nach einer Abschätzung des rechtlichen Risikos schon im März 2020 den Spatenstich vornahm.

„Wir haben den Bau ohne Stehzeiten durchgezogen und da wir die ersten am Areal waren, konnte das Marktpotenzial ausgeschöpft werden“, fasst Gernot Weingraber, Mitglied der Kallco-Geschäftsführung, die Vorteile zusammen, „Einen Monat nachdem wir in die Verwertung gegangen sind, waren alle 163 Wohnungen vergeben.“ Beim Projekt com- 22PLUS war man dank des firmeneigenen Systempatents Klima Loop Plus, das gänzlich ohne fossile Energieträger und auf keinen Fernwärmeanschluss angewiesen ist, völlig autark. Zur Heizung und Kühlung mittels Bauteilaktivierung wird Erdwärme genutzt, eine PV-Anlage liefert die Energie für die Wärmepumpe.

„Wir errichten Häuser nicht mehr anders“, so Weingraber, „so eine Immobilie ist voll EU-taxonomiekonform.“ Kostenmäßig war man noch gut dran, jedenfalls deutlich unter den 3.000 Euro pro Quadratmeter, mit denen man derzeit kalkuliert. Bei frei finanzierten Wohnungen sei aktuell mit zumindest 13,50 Euro netto kalt zu rechnen.

Wohnbaulücke droht

Angesichts der vielen Kräne, die sich aktuell am Himmel über Wien und anderswo drehen, muten die Unkenrufe von einer dramatischen Baukrise überzogen an. Fakt ist, dass in ganz Österreich die Wohnbauproduktion spürbar zurückgeht. „Die aktuell noch hohen Fertigstellungszahlen täuschen etwas darüber hinweg, dass markant weniger Projekte in der Pipeline sind“, erklärt der Wohnbauexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes Wifo, Michael Klien. „Wenn man die aktuellen Baubewilligungen als Indikator nimmt, ist ein Rückgang von bis zu 50 Prozent zu erwarten.“

In den letzten Jahren war vielfach die Rede davon, dass in Österreich die Wohnbaulücke durch die hohe Neubauleistung abgebaut wäre. Durch den bevorstehenden Einbruch der Wohnungsproduktion und die weiterhin starke Bevölkerungsentwicklung – der Ukraine-Krieg hat die Bevölkerung im Jahr 2022 um mehr als 100.000 Menschen erhöht – sieht Michael Klien die steigende Gefahr einer neuen Lücke: „Die Konsequenz von zu wenig Angebot sind höhere Mieten und steigende Wohnungspreise.“

Die Wohnungskrise, die ganz Europa betrifft, thematisierte auch Ursula von der Leyen am Vortag ihrer Wiederwahl als Präsidentin der Europäischen Kommission: „Die Menschen haben Mühe, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Aus diesem Grund werde ich zum ersten Mal einen Kommissar oder eine Kommissarin mit direkter Verantwortung für das Wohnungs- wesen ernennen.“ Die politischen Leitlinien für die nächste EU-Kommission sehen unter anderem eine Liquiditätsspritze vor, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen wird, „die geplanten kohäsionspolitischen Investitionen in erschwinglichen Wohnraum zu verdoppeln. Die Länder sind nun in der Pflicht.

Die österreichische Bundesregierung hat im Frühjahr ein Wohnbaupaket beschlossen, bemerkbar macht es sich noch nicht. „Das ist aufgrund der hohen Vorlaufzeiten im Wohnungsbau aber auch gar nicht möglich“, erläutert Michael Klien. Für die aktuell schwache Baukonjunktur und die Wohnbaulücke könne das Paket wenig tun, „Es leistet aber einen Beitrag, um die Wohnungsproduktion in der mittleren Frist von zwei bis fünf Jahren zu stabilisieren.“

Vor dem Gesichtspunkt, dass das Bundespaket nur eine zusätzliche Hilfestellung für die Bundesländer sein soll, sei es ein spürbarer und in weiten Teilen auch zielgerichteter Impuls. „Unabhängig davon müssen die Länder für Planbarkeit in der Wohnungswirtschaft sorgen und die Wohnbauförderung entsprechend erhöhen.“

Erhöhung der Wohnbauförderung

Die seit dem Vorjahr kräftig gestiegenen Zinsen haben nicht nur die privaten Wohnungskreditnehmer in Nöte gebracht, sondern verteuern auch die Finanzierung im großvolumigen Wohnbau. Im Juni hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent gesenkt. Auch wenn das zu wenig sei, um eine deutliche Belebung herbeizuführen, sei dies ein wichtiger Schritt, da damit die Zinswende nach unten eingeläutet worden sei, betont der Ökonom Klien.

„Der Druck von der Finanzierungsseite sollte daher in den kommenden zwei Jahren deutlich abnehmen“, prophezeit er. Banken und andere Marktteilnehmende würden die in den kommenden Jahren sinkenden Zinsen bereits antizipieren.

Klien ist gegen eine Zweckbindung der Wohnbaufördermittel: „Es wäre vollkommen irrational gewesen, im Wohnbauboom der letzten Jahre zusätzliches Steuergeld in den Wohnbau zu stecken. Die Wohnbauförderung muss flexibel sein, und nun sind aber die Länder gefordert, in Zeiten eines sichtbaren Fördermittelbedarfs, die Wohnbauförderung aufzustocken.“

„In vielen Fällen führen Energieeffizienzmaßnahmen auch zu einer wirtschaftlichen Bauweise.“
Simon Handler

Wohnbauallianz für Zweckbindung

GBV-Obmann Klaus Baringer hingegen bezeichnete Ende Juni die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung als Gebot der Stunde. Gemeinsam mit Andreas Köttl, Präsident der VÖPE, Vereinigung Österreichischer Projektentwickler, und den Bausozialpartnern trat der Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen vor die Presse, um einen „Vorstoß zu einer Quartier Wolfganggasse: Bauteil Wigeba (105 Gemeindewohnungen) von Peretti+Peretti und Bauteil Gesiba von Königlarch Architekten (133 geförderte Wohnungen) 3 – 2 0 2 4 13 THEMA Renaissance der Wohnbaupolitik“ zu unternehmen. Das Wohnbaupaket der Bundesregierung wurde zwar einhellig begrüßt. Aber der stärkste Einbruch im Wohnbau seit mehreren Jahrzehnten erfordere koordiniertes Handeln.

Wurden im Jahr 2019 noch rund 85.000 Wohnungen baugenehmigt, waren es 2023 nur noch rund 47.000. Dazu kommt, dass viele genehmigte Wohnbauprojekte wegen der hohen Baupreise und Zinsen nicht begonnen werden. Einen deutlichen Rückgang vermelden auch die gemeinnützigen Wohnbauträger: Schon 2023 lag man mit 14.900 fertiggestellten Wohnungen zehn Prozent unter dem Zehnjahresschnitt. Für 2024 werden 14.100 Fertigstellungen und für 2025 gar nur eine Bauleistung von 10.000 bis 11.000 Wohnungen erwartet.

Nicht nur das leistbare Wohnen ist gefährdet, auch Tausende Arbeitsplätze am Bau und in nachgelagerten Branchen gibt Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender Gewerkschaft Bau- Holz, zu bedenken. Im Juli 2024 waren zehn Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im Juli des Vorjahres. Besonders stark betroffen: die Warenproduktion mit einem Plus von 18 Prozent und der Bau mit einem Plus von 13 Prozent. „Der Konjunkturmotor Nummer eins ist die Bauwirtschaft und wenn die an Sprit verliert, trifft es auch viele andere Bereiche. Wir brauchen neue Perspektiven, neue Strukturen und Lösungen“, so Muchitsch.

Um diese umzusetzen, vermissen die Branchenvertreter auf Bundesebene die Expertise. Heinrich Übleis, von 1985 bis 1987 Bautenminister in den Regierungen Sinowatz und Vranitzky I, war der letzte Minister, der das Portfolio „Bauten“ im Titel trug. „Seither wird der Wohnbau im Bund stiefmütterlich behandelt und niemand fühlt sich letztverantwortlich“, so VÖPE-Präsident Köttl. „Aus unserer Sicht fehlt es an der Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen in Wohnbau und Stadtentwicklung sowie der Vermittlung und Koordination zwischen der europäischen und nationalen Ebene.“

Man stünde bereit, bei der Umsetzung mitzuwirken – in Form einer Allianz, in der Bund, Länder und Kommunen vertreten sind und auf Augenhöhe mit allen Branchenverbänden, Vorschläge und Maßnahmen zu erarbeiten. „In Deutschland ist etwas Vergleichbares bereits eingerichtet“ verweist Baringer auf das dortige „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“.

Das Projekt com22PLUS von Kallco ist das bereits 2022 fertiggestellte Pionierprojekt im neuen Wiener Stadtquartier Berresgasse. Architektur: feld72

Flexibel und guter Dinge

„Mit größtmöglicher Flexibilität“, so Obfrau Isabella Stickler, reagiere man derzeit bei der niederösterreichischen Alpenland auf die herrschende Situation, in der es an langfristiger Planbarkeit und Stabilität mangelt. Jedes Projekt werde in mehreren Stufen – bei Grundstücksankauf, in der Projektierung, zu Baubeginn und zu Verwertungsbeginn – auf Produktart und Finanzierung geprüft.

„Es gibt eine wesentlich stärkere Nachfrage nach Miete und sehr wenig Nachfrage nach Eigentum. Das ist für uns ein Indiz, dass das Vertrauensklima in die Investition Wohnen und die Leistbarkeit am Immobilienmarkt nicht gegeben ist.“ Das Hauptprodukt von Alpenland war schon vor der Immobilienkrise die Miete mit Kaufoption, „Dabei bleiben wir, da wir unseren Kund:innen weiterhin beide Möglichkeiten anbieten wollen.“

Im Juni hat die Niederösterreichische Landesregierung die Umsetzung des Wohnbaupaketes des Bundes für den gemeinnützigen Wohnbau beschlossen und die gemeinnützigen Bauvereinigungen informiert. „Das Wohnbaupaket wird zwar erst mit September schlagend werden, die Vorbereitungen laufen aber intensiv während des Sommers, sodass noch heuer die ersten bundesgeförderten Projekte zugesichert werden. Wir sind guter Dinge, dass wir heuer auch Baubeginne mit dieser zusätzlichen Förderung setzen können“, ist Stickler zuversichtlich.

Die Baukosten betreffend, spricht die Alpenland-Obfrau von einer Abwärtsbewegung, „Die fehlende Auslastung der Bauunternehmen führt zu einem schon lange nicht mehr dagewesenen Wettbewerb.“ Wichtig sei dem Unternehmen die Vergabe an den Best- und nicht an den Billigstbieter. „Das bedeutet, dass der verhandelte Baupreis bis zum Bauende hält und das Bauunternehmen wirtschaftlich so stabil ist, dass wir das Bauprojekt mit ein- und demselben Ausführenden beginnen und beenden“, ergänzt Stickler.

Im St. Pöltener Stadtteil Oberwagram feierte Alpenland kürzlich direkt gegenüber der 2023 an die Bewohner: innen übergebenen Siedlung „Mühlbach-Ost“ den Spatenstich für eine weitere große Wohnanlage. Es werden 92 geförderte und 40 frei finanzierte Wohnungen, jeweils zur Miete mit Kaufoption entstehen.

Schulterschluss für eine Renaissance der Wohnbaupolitik (v. l.): Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz, VÖPE-Präsident Andreas Köttl, Klaus Baringer, Verbandsobmann der GBV, Peter Krammer, Obmann des Fachverbands der Bauindustrie

Was sind die Preistreiber?

Als Ursachen für hohe Baukosten und Mieten werden oft überzogene Standards, Gesetze und Normen genannt. Wir fragen nach bei Simon Handler. Als Geschäftsführer der hacon GmbH und der sima consulting GmbH steht der studierte Bauingenieur und Gebäudetechniker für einen gesamtheitlichen Planungsansatz für hocheffiziente Gebäude und Quartiere. Ob energietechnische oder bauphysikalische Maßnahmen Kostentreiber sind, komme auf die Sichtweise an, meint er. Klar sei, dass jede zusätzliche Maßnahme für sich betrachtet zu Mehrkosten führt. 20 Zentimeter Wärmedämmung kosten mehr als zehn, Wohnungen mit Balkonen mehr als solche ohne, Verbundsicherheitsglas ist teurer als Einscheiben- Sicherheitsglas oder Floatglas.

„Die Nutzung fossiler Brennstoffe hat es uns in der Vergangenheit ermöglicht, Gebäude günstig zu errichten und zu betreiben. Im Gegenzug wurden und werden durch diese Gebäude bis heute hohe CO₂-Emissionen verursacht. Die Auswirkungen hat man nicht gleich erkannt – mittlerweile spürt man sie doch recht eindeutig“, holt Handler aus. Effizientes und nachhaltiges Bauen sollte daher ebenso wenig infrage gestellt werden wie die VSG-Verglasung im absturzgefährdeten Bereich.

„Eine Ausweitung der Wohnbauförderung ist der zentrale Hebel.“
Michel Klien

Gebäude ohne negative Umweltauswirkungen sollten der Ausgangspunkt der Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen sein. Durch geringere Qualitäten können womöglich Investitionskosten eingespart werden. Im Gegenzug erhöhen sich aber die Betriebskosten und die negativen Umweltauswirkungen. „Man muss dann bewerten, ob man sich die reduzierten Investitionskosten noch leisten kann. Da geht es einerseits um die Betriebskosten an sich und andererseits um die noch weitgehend unbekannten CO₂-Folgekosten“, gibt der Experte für Gebäude- und Anlagensimulationen zu bedenken.

Wichtig sei es, möglichst früh im Projektverlauf ein gemeinsames Verständnis für ein Gesamtkonzept zu entwickeln, so Handler: „Ein ökologisch und ökonomisch optimiertes Gebäude lässt sich nur durch ein Zusammenspiel aller beteiligten Planungsdisziplinen erreichen. Sind Architektur, Bauphysik, Haustechnik und Energietechnik aufeinander abgestimmt, lassen sich hocheffiziente Gebäude ohne wesentliche Mehrkosten realisieren.“

An Energieeffizienzmaßnahmen, die auch zu einer wirtschaftlichen Bauweise führen, nennt Handler kompakte Bauformen oder den optimierten und reduzierten Einsatz von Verglasungen. „Gebäude sollten gesamtheitlich als Lowtech- Konzepte konzipiert werden. Häufig wird allerdings der Fehler gemacht unter Lowtech lediglich den Entfall von haustechnischen Anlagen zu verstehen.“

Es müsse sich auch das architektonische Konzept an diesem Ansatz orientieren. Auch ein grundlegendes Umdenken im Hinblick auf den teils ausufernden Komfortanspruch und den daraus resultierenden rechtlichen Konsequenzen sei erforderlich. Er könne sich eine Anpassung der normativen und gesetzlichen Randbedingungen ähnlich den Entwicklungen in Deutschland auch für Österreich vorstellen.

Vorbild Deutschland

In Deutschland legte Ende Juli die Bundesregierung eine Leitlinie für einfaches und kostengünstiges Bauen – genannt Gebäudetyp E – und einen darauf abgestimmten Gesetzesentwurf vor (siehe Kasten). Es ist ein Teil des Maßnahmenpakets für eine Bau-, Investitions- und Innovationsoffensive zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum und greift Konzepte der Architekten- und Ingenieurkammer auf, um ein normenreduziertes Bauen zu ermöglichen.

Zurück ins Quartier Wolfganggasse: Dort hatte man nicht nur Glück, noch vor der großen Teuerung alles ins Trockene gebracht zu haben, sondern profitiert auch von der guten Mischung. Zum einen adressiert man mit unterschiedlichen Angeboten die Bedürfnisse von Alleinerziehenden. Zum anderen gibt es eine Reihe weiterer Einrichtungen und Nutzer:innengruppen. Die ÖJAB-Österreichische Jungarbeiterbewegung errichtete im Quartier das Pflegewohnhaus Neumargareten mit 216 Pflegeplätzen und betreibt im Bauteil „Lebenscampus Wolfganggasse“ von Neues Leben und WBV-GPA ein Studierenden- und Jugendwohnheim, den Stützpunkt der Hauskrankenpflege sowie Werkstätten für die überbetriebliche Ausbildung von Lehrlingen im Bereich Glasbautechnik.

In St. Pölten-Oberwagram errichtet Alpenland 132 Wohneinheiten, plus vier Ateliers und drei Gemeinschaftsräume (Architekten Mauer & Partner).
Fotos: Alexander Müller, BMWSB; Visualisierung: Architekten Mauer & Partner; Quelle: Statistik Austria

Im Bauteil der Gesiba ist ein Kindergarten untergebracht. Die Heimbau übersiedelte mit ihrer Zentrale ins neue Quartier und bietet 13 sogenannte Smart- Offices an, anmietbar als Home- office-Arbeitsplätze. Im Erdgeschoß gibt es ein italienisches Restaurant und einen Lebensmittelsupermarkt. An die Vergangenheit des Areals erinnert das Remisengebäude, das zu einer Food- Hall umgebaut wurde. Diverse Veranstaltungen – Kasperltheater, diverse Kreativworkshops, Yoga- Stunden, Pub- Quizze und Ausstellungen – ergänzen das gastronomische Angebot. Wenn dann noch Michaela Winklbauer, Haus- und Pflegedienstleiterin des Pflegewohnhauses, berichtet, dass sie für den Pflegedienst von Bewohner:innen der Anlage Initiativ- Bewerbungen erhält, zeigt sich, dass nicht allein Zahlen und Kosten zählen.


E wie einfach

In Deutschland sollen es die Leitlinie Gebäudetyp-E und das darauf abgestimmte Gesetz zur zivilrechtlichen Erleichterung des Gebäudebaus (Gebäudetyp-E-Gesetz) einfacher machen, rechtssicher auf Baustandards zu verzichten, die für die Gebäudesicherheit nicht notwendig sind und die gesetzlich nicht zwingend sind. Im Wesentlichen sieht das Gesetz drei Änderungen des Bauvertragsrechts vor:

  • Der Begriff der „anerkannten Regeln der Technik“ soll konkreter gefasst werden. Es soll erreicht werden, dass reine Komfort-Standards im Allgemeinen nicht als „anerkannte Regeln der Technik“ gewertet werden.
  • In Verträgen zwischen fachkundigen Unternehmern soll die Abweichung von „anerkannten Regeln der Technik“ erleichtert werden.
  • Ein Abweichen von „anerkannten Regeln der Technik“ soll nicht mehr automatisch ein Sachmangel sein. Das Gebäudetyp-E-Gesetz ändert nichts an den öffentlich-rechtlichen Vorgaben, die alle Bauvorhaben einhalten müssen

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