Mehr Effizienz durch Digitalisierung

Herwig Pernsteiner ist Geschäftsführer, Immobilientreuhänder und Vorstandsvorsitzender der ISG Innviertler Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft reg. Gen.m.b.H. in Ried im Innkreis.

Als ich vor mehr als zwei Jahrzehnten in die gemeinnützige Wohnungswirtschaft gekommen bin, ist mir aufgefallen, dass Kolleg:innen ihre inhaltlichen Aussagen oft mit historischen Bezügen eröffnet haben. Heute weiß ich, dass dies mehrere „Berechtigungen“ hatte. Es steht außer Streit, dass die elektronische Textverarbeitung leichter von der Hand geht als mit der Schreibmaschine. Die Digitalisierung unterstützt, quantitativ schneller Seiten herunterzutippen. Die inhaltliche Qualität des Geschriebenen ist davon unabhängig. Wird Effizienz in Quantitäten gemessen, so wird durch die Digitalisierung (und die Künstliche Intelligenz ist die aktuelle Stufe in der Digitalisierung) ganz zweifelsfrei eine Effizienzsteigerung stattgefunden haben, respektive stattfinden.

Wenn ich beim plakativen Beispiel der Textverarbeitung bleiben darf, dann fällt aber heute auf, dass – z. B. bei unserer genossenschaftlich organisierten gemeinnützigen Bauvereinigung – Schreiben zur Aufkündigung des Mietvertrags noch immer zuhauf per Hand verfasst werden. Es steht – gerade in Haushalten mit älteren Bewohner:innen – nicht immer ein Computer mit Drucker zur Verfügung. Und seien wir uns ehrlich, viel erforderlicher Schriftverkehr wird heute im Büro, in der Arbeit erledigt. Die Digitalisierung steigert dort die Effizienz, wo diese, als Instrument vorhanden, eingesetzt werden kann und in der Anwendung vertraut ist. Sohin denke ich, dass die Digitalisierung nicht unbedingt dazu beiträgt, die sozialen Disparitäten zu verkleinern. Ganz im Gegenteil, die neueste Generation von digitalen Werkzeugen ist für viele Menschen nicht verfügbar, nicht leistbar und nicht bedienbar.

Digitalisierung ist heute nicht mehr niederschwellig. Weder im Preis noch in den technischen Anforderungen. Effizienz wird durch Digitalisierung wohl gesteigert, soziale Verwerfungen können damit aber nicht geglättet werden.


Fotos: ISG, Luiza Puiu

Sabine Müller ist Vorständin der Wien 3420 AG, zuvor war sie Chief Innovation und Marketing Officer der value one holding GmbH. Sie ist Vorstandsmitglied der Vöpe, bei der ÖGNI und im Circular Economy Forum Austria.

Als Entwickler eines Stadtteils, der als das Urban Lab der Smart City Wien angetreten ist, beschäftigen wir uns mit digitalen Lösungen auf vielen Ebenen. Einerseits, um eigene Effizienzpotenziale zu heben, andererseits, um Mehrwerte für unsere Kund:innen sowie für die Bewohner:innen und Beschäftigten zu generieren. Dabei verfolgen wir ökonomische, ökologische und soziale Ziele. Digitalisierung verstehen wir nicht als rein technische Innovation, sondern als Instrument und Werkzeug für Nachhaltigkeit, Leistbarkeit, Chancengerechtigkeit und Stärkung der lokalen Ökonomie.

Auf Immobilienseite sollen effizientere digitale Prozesse – neben Ressourcenschonung und Qualitätsverbesserungen – vor allem niedrigere Kosten und damit mehr Leistbarkeit bringen. Breite Teilhabe an einem qualitativ hochwertigen Wohnungsmarkt reduziert soziale Spannungen. Digitalisierung wird dort zum sozialen Hebel, wo sie nicht nur Gebäude intelligenter, sondern Nutzungen zugänglicher macht. Es geht weniger um Smart Buildings als um Smart Access. Die größte soziale Innovation der Digitalisierung ist nicht die Technologie selbst, sondern der Zugang durch sie. Richtig eingesetzt, ermöglichen digitale Prozesse neue Formen der Partizipation – von Beteiligungsformaten bei der Gestaltung öffentlicher Räume bis zur Organisation von Sharing-Modellen.

Die Herausforderung besteht in niederschwelligen und inklusiv ausgestalteten Tools. Gleichzeitig sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der hohe finanzielle und organisatorische Aufwand für Entwicklung und Implementierung nicht zu unterschätzen.

Vor allem aber sollte man nicht erwarten, dass Digitalisierung den persönlichen Kontakt ersetzt. Im Gegenteil: Ihr größter Mehrwert liegt darin, diesen zu ergänzen und zu erleichtern. Der Maßstab für Stadtentwicklung bleibt der Mensch.

Kommentar

Lesen Sie die nächsten Artikel dieser Ausgabe

Lesen Sie Artikel zum selben Thema