C-Stahlrohr statt Edelstahl: Bräunliches Wasser aus der Küchenarmatur – Kleine Hinweise auf großen Ärger

Wasserschäden bauen sich oft über einen langen Zeitraum auf, bevor sie bemerkt werden. In vielen Fällen gibt es Anzeichen für eine Leckage, doch diese Warnsignale werden allzu häufig ignoriert oder fehlinterpretiert.

Ein Beispiel: In einem neu gebauten Einfamilienhaus ist kurze Zeit nach dem Einzug das Wasser, das aus der entnommen wird, bräunlich verfärbt. Die Installationsfirma hat den Wasserversorger im Verdacht. Daraufhin lässt der Eigentümer hinter dem Hauswasseranschluss einen zusätzlichen Feinfilter installieren – was die Situation allerdings nicht ändert.

Viereinhalb Jahre vergehen, bis an den Wänden des nicht unterkellerten Gebäudes Feuchtigkeit aufsteigt. Die Suche nach der Ursache führt zu einer Leckage im Küchenfußboden an der Warmwasserzuleitung zur Spültischarmatur.

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Eine IFS-Gutachterin asserviert an der Schadenstelle den betroffenen Abschnitt für eine Laboruntersuchung. Ein Rohrstück ist im Gegensatz zu den anderen Komponenten korrodiert. Die Elementanalyse im Elektronenmikroskop belegt, dass es sich um ein an der Außenseite verzinktes C-Stahlrohr handelt. Dieses Bauteil ist für Heizungsinstallationen geeignet, aber nicht für Trinkwasserinstallationen. Der Sauerstoff in der Trinkwasserleitung führt zu Korrosion an diesem Material. Entsprechend ist die Innenseite des Rohres so stark geschädigt, dass die Rohrwand stellenweise durchbrochen wurde.

Auch an einer Waschtischarmatur im Badezimmer kommt bräunlich verfärbtes Wasser aus der Leitung.
Foto: www.ifs-ev.org.

Schon die bräunlichen Verfärbungen, die Jahre zuvor festgestellt wurden, waren Korrosionsprodukte. Der Monteur hatte beim Erstellen der Trinkwasserinstallation aus Edelstahl versehentlich ein C-Stahlrohr eingebaut. Wenn C-Stahl verzinkt wird, ist er optisch kaum von Edelstahl zu unterscheiden. Der Hauswerker muss sich vor Ort darauf verlassen können, dass die Materialien im Teilelager nicht durcheinandergeraten sind.

Die Verwechslung war dem Monteur in diesem Fall wahrscheinlich nicht nur an der Zuleitung zur Spültischarmatur in der Küche unterlaufen: An den Armaturen in beiden Badezimmern des Hauses fiel unserer Gutachterin auf, dass die Entnahmerate jeweils auf der Kaltwasserseite wesentlich geringer war als auf der Warmwasserseite. Das ist – wenn beide Eckventile gleich weit geöffnet sind – ein Hinweis darauf, dass Innenkorrosion möglicherweise den Rohrinnendurchmesser reduziert. Sie riet dringend, auf die Suche nach weiteren Fehlerstellen zu gehen.

„Wenn es um Leitungswasser geht, sollten Sie das Gras wachsen hören“, sagt Dr. Thorsten Pfullmann, der im IFS die Fachverantwortung für die Untersuchung dieser Schäden trägt. Ein muffiger Geruch zum Beispiel hat einen Grund, und der kann durchaus eine Durchfeuchtung sein. „Wenn Sie etwas Ungewöhnliches oder auch einfach eine Veränderung feststellen, gehen sie dem auf den Grund“, rät der Gutachter…

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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