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„Wir sind auch kritische Infrastruktur“

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Dringlichkeit schien geboten: Die Freitag-Akademie widmete sich in einem Anfang Juli eingeschobenem „Spezialmodul“ der Corona-Krise und analysierte, wie die gemeinnützige Wohnbaubranche auf den Lockdown reagiert hat. Was hat geklappt? Wovon können wir alle lernen? Und wo hat das Virus voll zugeschlagen?
WOJCIECH CZAJA

Mit einem Schlag haben die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen der Bundesregierung die Gesellschaft vor neue, noch nie dagewesene Herausforderungen gestellt.

Die Laune des Virus hat auch vor der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft nicht Halt gemacht: Wie werden Wohnungsübergaben organisiert? Wie können Wohnhäuser bei erschwerten Kontakteinschränkungen bewirtschaftet werden? Und welche Erfahrungen haben die Bauträger gemacht, wenn es um den Ausfall oder die Stundung von Wohnungs- und Geschäftsraummieten geht?

Als kurzfristige Reaktion auf einen Corona-Frühling, der es geschafft hat, uns alle aus der Komfortzone zu drängen, hat die Wohnen Plus Akademie Anfang des Sommers zu einer ganz besonderen Freitag-Akademie eingeladen und das Übel zum Thema gemacht: „Corona. Erfahrungen und Perspektiven“.

„In Normalzeiten verbringen wir 40 Prozent unserer Zeit in der Wohnung“, sagt Andreas Sommer, Wirtschaftsministerium, Abteilung 7, zuständig für WohFotos: Wohnen Plus Akademienungs- und Siedlungspolitik. „Wohnen ist also ohne Zweifel ein wichtiger Anker in unserem Leben. Dieser Stellenwert des Wohnens ist mit der Corona-Krise etwas stärker in den Blickwinkel der Politik gerückt.“

Die bisher erreichten, weltweit einzigartigen Werte in der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft gelte es zu erhalten. Damit diese „wohnwirtschaftliche Landesverteidigung“ (O-Ton Sommer, siehe Beitrag in Heft 2/20, Seite 5) auch weiterhin möglich ist, wurde das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG), Art. 1, §23, um einige befristete Komponenten ergänzt.

Zu den wichtigsten Punkten, die aufgrund der Corona-Krise bei Revisionen sowie seitens der Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden müssen, zählen Verzögerungen bei Widmungs- und Planungsverfahren, Baustellenschließungen, Verschiebungen von Fertigstellungen, zins- lose Mietstundungen und Ratenzahlungsvereinbarungen, Rücktrittsmöglichkeiten bei Miet- und Kaufverträgen, Verzicht auf Delogierungen und Kündigungen, individuelle Zwischenlösungen bei verzögerten Bezugsterminen sowie beispielsweise erhöhte Hygiene-Standards in den Büroräumlichkeiten und Wohnbaulichkeiten der gemeinnützigen Wohnbauträger.

Im Sinne einer effizienten wohnwirtschaftlichen Landesverteidigung, so Sommer, könnten diese Dinge und Erfahrungen rechtlich verankert werden. Denn: „Es gibt Krisen, dagegen ist Corona nur ein zartes Lüftchen.“

Gesellschaftliche Verantwortung

Wie innerhalb der Branche auf Covid-19 und den von der Bundesregierung verordneten Lockdown reagiert wurde, davon berichten Isabella Stickler, Vorstandsmitglied Alpenland, Michael Gehbauer, Geschäftsführer WBV-GPA und Obmann Verein für Wohnbauförderung, sowie Bernd Rießland, Vorstandsmitglied Sozialbau und Obmann im Österreichischen Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen.

Und ja, die Erfahrungen sind so unterschiedlich wie die unter dem Motto der Gemeinnützigkeit agierenden Unternehmen. Die Bandbreite reicht von sachlich-lösungsorientierter Leichtigkeit bis hin zu Enttäuschung und langfristiger Heilung finanzieller und wirtschaftlicher Schrammen.

„Als gemeinnütziger Sektor haben wir eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung zu tragen“, meint Bernd Rießland, „denn in unangenehmen und außerordentlichen Situationen gibt es an jeder Ecke ein kleines Teuferl, das uns versucht einzureden, die Werte loszulassen, die wir längst schon erreicht und gewonnen haben.“

Und nennt als nur ein Beispiel von vielen die Entwicklung der durchschnittlichen Wohnungsgrößen im sozialen, geförderten Sektor: Bis 2000 betrug die durchschnittliche Mietwohnung 74 Quadratmeter, schrumpfte in den Jahren 2000 bis 2010 auf 70 Quadratmeter und misst im heutigen Zeitalter der sich alles und allem beugenden Smartness gerade noch 64 Quadratmeter. Rießland: „Die Tendenz ist klar ersichtlich. Was ist das für eine wohnungspolitische Botschaft?“

Über Botschaften auf wohnpolitischer Ebene spricht auch Michael Gehbauer. Während die Mietausfälle und Stundungsansuchen im Wohnbereich bei der WBV-GPA mit gerade mal 41 Fällen äußerst gering war, häuften sich die Ausfälle bei den Geschäftsraummieten. Allein im Gasometer mussten im Corona-Lockdown über 70 Prozent der Geschäftsflächen geschlossen bleiben…

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