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Datenhoheit statt Lock-in: Wie Relay M-Bus, Funk und Cloud zusammendenkt

Datenhoheit statt Lock-in: Relay M-Bus, Funk & Cloud zusammen
Innovation made in Paderborn – Wie Relay den Messdienst neu denkt, so der Titel des Vortrags von Jörg Fischer (Relay GmbH). Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Auf der HEIKOM zeichnete Jörg Fischer, Geschäftsführer der Relay GmbH, nach, wie sich aus einem „klassischen“ M-Bus-Portfolio Schritt für Schritt ein hybrides Messsystem entwickelt, und warum aus seiner Sicht gerade jetzt Grundsatzfragen der Datenhoheit beantwortet werden sollten.

Anstatt sich auf neue Funkstandards allein zu konzentrieren, stellte Fischer die Frage in den Vordergrund, wie Bestandsinfrastrukturen, Funktechnik und Cloud-Plattformen so verbunden werden können, dass Messdienste und Wohnungsunternehmen langfristig flexibel bleiben.


Herausforderungen: Zwischen Bestands-M-Bus und Cloud-Welt

  • Große Bestände mit verkabelter Infrastruktur
    Viele Liegenschaften sind bereits über M-Bus erschlossen. Die Kabel sind vorhanden, die Technik läuft. Ein kompletter Systemwechsel ist technisch aufwändig und wirtschaftlich nicht immer sinnvoll.
  • Wachsende Funkanforderungen
    Insbesondere bei Heizkostenverteilern oder schwer zugänglichen Messstellen stößt die reine Kabelwelt an Grenzen. Ohne Funklösungen lassen sich Nachrüstungen und Einzelmaßnahmen kaum effizient umsetzen.
  • Abhängigkeit von proprietären Gesamtsystemen
    Plattformen, die Zähler, Gateways und Abrechnung aus einer Hand anbieten, bringen Komfort – aber auch die Gefahr, sich eng an einen Anbieter zu binden, inklusive Abomodellen und eingeschränkter Wahlfreiheit bei Geräten und Datenwegen.
  • Unklare Datenwege
    Für Wohnungsunternehmen ist oft nicht transparent, wo Messdaten tatsächlich gespeichert und verarbeitet werden – lokal, im Rechenzentrum des Messdienstes oder in einer Cloud außerhalb ihres Einflussbereichs.
  • Fachkräftemangel und Komplexität
    Je mehr Insellösungen und Spezialprozesse im Einsatz sind, desto schwerer wird es, Personal zu finden, das die Systeme beherrscht und fachlich zusammenbringt: Technik, Datenmanagement, Abrechnung.

Der Ansatz: M-Bus als „Verbrenner“, OMS-Funk als „E-Motor“

Relay bezeichnet sich in der Präsentation als „M-Bus Pioniere seit über 30 Jahren“. Die zentrale Idee von Jörg Fischer: Bestehende Stärken des M-Bus nicht aufgeben, sondern gezielt mit Funklösungen kombinieren.

Hybrides Hardwarekonzept

Kern des Konzepts ist ein zentraler Datenlogger, der über M-Bus mit abgesetzten OMS-Empfängern verbunden wird. In der Präsentation wird dieses Architekturprinzip mit dem Claim „Effizient. Reichweitenstark. Ohne Repeater.“ illustriert.

  • Der M-Bus-Strang im Gebäude fungiert als „robustes Rückgrat“ mit großer Reichweite – vergleichbar mit dem Verbrennungsmotor, der zuverlässig läuft, egal ob im Keller oder unter dem Dach.
  • Die OMS-Funkschicht übernimmt dort, wo keine Kabel verlegt werden können oder sollen – beispielsweise für Heizkostenverteiler oder nachträglich eingebundene Zähler.

Durch die Kombination sollen in vielen Szenarien zusätzliche Funk-Repeater entfallen, mit allen bekannten Nebeneffekten: weniger Hardware, keine Batteriewechsel und weniger potenzielle Fehlerquellen.

Datenhoheit als Leitprinzip

Ein zentrales Motiv des Vortrags: Der Kunde entscheidet, wo die Daten landen.

Laut Fischer können die Messdaten:

  • per E-Mail bereitgestellt,
  • auf FTP-Servern abgelegt,
  • in eigene oder externe Cloud-Systeme übertragen werden.

Das Geschäftsmodell bleibt dabei klassisch: Die Hardware wird gekauft, laufende Abogebühren für den Zugriff auf die Messdaten sieht Relay nicht als zwingend vor.


Von der Hardware zur Plattform: EvE

Der zweite Schwerpunkt des Vortrags ist die Plattform „EvE“ – Evaluate, Visualize, Export. In der Präsentation zeigen mehrere Folien EvE als Weboberfläche, auf der Datenlogger, Liegenschaften und Visualisierungen zusammengeführt werden.

Nach Darstellung von Fischer soll EvE drei Funktionen erfüllen:

  1. Evaluate – technische und kaufmännische Bewertung
    • Monitoring von Datenloggern und Zählern: Sind alle Geräte erreichbar? Fehlen Zähler? Gibt es Ausfälle auf Leitungen?
    • Perspektivisch auch Alarme und Zustandsmeldungen, z. B. bei ungewöhnlichen Verläufen oder Verbindungsabbrüchen.
  2. Visualize – Darstellung für unterschiedliche Zielgruppen
    • Technische Übersichten für Fachabteilungen,
    • Diagramme für Kunden, die „es einmal sehen wollen“ – wie Fischer augenzwinkernd formuliert.
    • In den gezeigten Beispielen werden Verbrauchsverläufe und Verteilungen grafisch aufbereitet.
  3. Export – Übergang in die Abrechnung
    • EvE unterstützt den Schritt von Messdaten zu Verbrauchsabrechnungen.
    • In der Präsentation sind Muster-Heizkostenabrechnungen zu sehen, die direkt aus der Plattform heraus generiert werden können.

Besonderes Merkmal laut Relay: KI-gestützte Plausibilitätsprüfungen sollen dabei helfen, Abrechnungen schneller zu prüfen, Unstimmigkeiten zu erkennen und manuelle Kontrollaufwände zu reduzieren.


Warum das wichtig ist

  • Digitale Souveränität: Wohnungsunternehmen müssen wissen, wo ihre Messdaten landen – technisch und rechtlich.
  • Schutz vor Lock-in: Offene Hardware-Schnittstellen und flexible Exportpfade machen es einfacher, Dienstleister oder Software später zu wechseln.
  • Bestandsverträglichkeit: Hybride Ansätze, die vorhandene M-Bus-Infrastrukturen weiter nutzen, senken Investitions- und Umrüstkosten.
  • Abrechnung unter Druck: Komplexere gesetzliche Vorgaben und knappe Ressourcen erhöhen den Bedarf an automatisierter Plausibilitätsprüfung.
  • ESG und Transparenz: Für Klimapfade, Reporting und Kommunikation mit Mieter:innen sind belastbare, gut zugängliche Verbrauchsdaten eine Grundvoraussetzung.

Einordnung für die Wohnungswirtschaft

Für Entscheider:innen in der Wohnungswirtschaft stellen sich daraus mehrere strategische Fragen:

  • Welche Rolle soll M-Bus künftig spielen?
    In vielen Beständen wird M-Bus noch lange die physische Grundlage der Datenerfassung bleiben. Ein „Alles neu“-Ansatz ist selten realistisch. Hybride Konzepte, wie von Relay vorgestellt, können die Brücke in die Funk- und Cloud-Welt schlagen, ohne die Verkabelung abzuschreiben.
  • Wie wichtig ist Datenhoheit im eigenen Haus?
    Wer künftig stärker auf eigene Datenanalysen, ESG-Reporting oder Benchmarks setzen will, sollte sicherstellen, dass Messdaten aus Gateways und Plattformen offen exportierbar sind – unabhängig vom Abrechnungsdienstleister.
  • Cloud ja, aber wie?
    Der Vortrag macht deutlich, dass Kunden zunehmend Cloud-Funktionalitäten erwarten, gleichzeitig aber Vorbehalte haben. Eine Plattform, die sowohl lokale Datenhaltung als auch Cloud-Anbindung erlaubt, bietet hier einen Mittelweg – entscheidend sind vertragliche und technische Klarheit.
  • KI in der Abrechnung – Chance oder Risiko?
    KI-gestützte Plausibilitätsprüfungen können Teams entlasten, ersetzen aber keine fachliche Verantwortung. Wichtig ist, dass Prozesse transparent bleiben: Wer entscheidet im Zweifel? Wie werden Hinweise dokumentiert?

Was jetzt zu tun ist

  1. Infrastruktur kartieren: Welche Gebäude sind bereits über M-Bus erschlossen? Wo kommt nur Funk in Frage?
  2. Datenhoheit definieren: Festhalten, welche Daten im Haus bleiben müssen, wo externe Cloud-Lösungen vertretbar sind und welche Exportformate benötigt werden.
  3. Ausschreibung schärfen: Unabhängigkeit, offene Schnittstellen und die Möglichkeit, Daten in eigene Systeme zu übertragen, ausdrücklich als Kriterien aufnehmen.
  4. Hybrid-Szenarien testen: In Pilotliegenschaften prüfen, wie gut sich M-Bus und OMS-Funk kombinieren lassen – insbesondere hinsichtlich Reichweite, Stabilität und Aufwand.
  5. Abrechnungsprozesse analysieren: Identifizieren, welche Schritte sich durch Plattformen mit integrierter Plausibilitätsprüfung automatisieren lassen – und wo Kontrolle im Haus bleiben soll.
  6. IT und Fachbereiche zusammenbringen: Messdienst, IT, Technik und Abrechnung frühzeitig an einen Tisch holen, um Zielarchitektur und Verantwortlichkeiten abzustimmen.

Praxisnutzen: Was das Relay-Konzept verspricht

Auch wenn der Vortrag keine detaillierte Wirtschaftlichkeitsrechnung präsentierte, lassen sich die praktischen Effekte aus Sicht der Wohnungswirtschaft skizzieren:

  • Reduzierte Systemvielfalt
    Ein Datenlogger, der sowohl kabelgebundene M-Bus-Teilnehmer als auch wM-Bus-/OMS-Geräte über abgesetzte Empfänger einbindet, kann in vielen Beständen die Zahl parallel betriebener Systeme verringern.
  • Weniger Funk-Infrastruktur
    Wenn abgesetzte OMS-Empfänger dank M-Bus-Anbindung im Gebäude verteilt werden, können in manchen Szenarien Funk-Repeater entfallen – inklusive deren Wartung.
  • Weniger Medienbrüche Richtung Abrechnung
    EvE bündelt Messdaten, Visualisierung und Abrechnung in einer Oberfläche. Das kann insbesondere kleineren oder mittleren Messdiensten helfen, die Zahl der eingesetzten Spezialwerkzeuge zu reduzieren.
  • Unterstützung durch KI
    KI-gestützte Prüfungen können z. B. auffällige Verbräuche, fehlende Zählerstände oder Plausibilitätsprobleme markieren, bevor Abrechnungen erstellt werden. Das spart Zeit und reduziert Reklamationen – vorausgesetzt, die Modelle sind sauber aufgesetzt und werden kontrolliert eingesetzt.

Für Wohnungsunternehmen bleibt entscheidend: Die in der Präsentation skizzierten Effekte sollten in konkreten Projekten und unter realen Bedingungen verifiziert werden – idealerweise mit klaren Kennzahlen zu Ausfallquoten, Aufwand und Datenqualität.


Fazit

Der Auftritt von Jörg Fischer auf der HEIKOM hat gezeigt: Die digitale Zukunft der Verbrauchserfassung wird nicht nur von neuen Funkstandards geprägt, sondern von der Art, wie wir bestehende Infrastrukturen, Plattformen und Geschäftsmodelle zusammenbringen.

Relay setzt dabei auf drei Bausteine: M-Bus als stabile Basis, OMS-Funk für die Flexibilität und EvE als Plattform, die Daten visualisiert und bis in die Heizkostenabrechnung trägt – bei gleichzeitiger Betonung von Datenhoheit und Unabhängigkeit.

Für die Wohnungswirtschaft lohnt sich die Auseinandersetzung mit solchen Ansätzen vor allem dort, wo langfristige Stabilität gefragt ist: in großen, heterogenen Beständen, in denen Infrastrukturentscheidungen die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre prägen werden. Wer hier frühzeitig klare Anforderungen formuliert, kann Innovationen nutzen, ohne die eigene Handlungsfreiheit zu verlieren.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ausgangslage: Viele Bestände sind noch immer klassisch über M-Bus erschlossen, gleichzeitig wächst der Druck, wM-Bus-/OMS-Funk und Cloud-Plattformen zu nutzen.
  • Positionierung von Relay: Hardwarehersteller aus Paderborn mit eigener Entwicklung und Fertigung, der Unabhängigkeit und Datenhoheit in den Mittelpunkt stellt.
  • Technischer Ansatz: Hybrides System aus zentralem Datenlogger und abgesetzten OMS-Empfängern, gedacht als „Kombination aus Verbrenner und E-Motor“: Reichweite und Robustheit von M-Bus, Flexibilität des Funks.
  • Zielbild: Fernauslesung ohne Funk-Repeater, volle Transparenz in der Kommunikation und freie Wahl, wo die Daten landen (E-Mail, FTP, lokale Systeme, Cloud).
  • Neue Ebene: Die Plattform „EvE“ (Evaluate – Visualize – Export) verwandelt die Hardware in ein System: Geräteüberwachung, Visualisierung und als nächster Schritt Heizkostenabrechnung mit KI-gestützter Plausibilitätsprüfung.
  • Relevanz für die Wohnungswirtschaft: Vermeidung von Abhängigkeiten, flexible Pfade in Richtung Cloud, stabiles Rückgrat für gemischte Bestände.
  • To-do: Rolle von M-Bus in der eigenen Digitalstrategie prüfen, Anforderungen an Datenhoheit definieren, Plattformansätze mit offener Architektur bevorzugen.

Glossar / Begriffserklärungen

  • M-Bus
    Feldbusstandard für die Auslesung von Verbrauchszählern (z. B. Wärme, Wasser, Strom). Ermöglicht eine kabelgebundene, oft sehr robuste Kommunikation über größere Distanzen.
  • wM-Bus / OMS
    Wireless M-Bus (wM-Bus) ist die funkbasierte Variante des M-Bus. Das Open Metering System (OMS) ist ein herstellerübergreifender Standard für die strukturierte Übertragung von Zählerdaten per Funk.
  • Datenlogger
    Gerät, das Messdaten aus verschiedenen Zählern sammelt, speichert und über definierte Schnittstellen (z. B. TCP/IP, Cloud, FTP) zur Verfügung stellt.
  • OMS-Empfänger
    Funkempfänger, die wM-Bus-/OMS-Telegramme aus der Umgebung einsammeln und an den Datenlogger weiterreichen, im Relay-Konzept über M-Bus angebunden.
  • EvE
    Plattform von Relay („Evaluate – Visualize – Export“), die Datenlogger verwaltet, Messdaten visualisiert und – laut Präsentation – Heizkostenabrechnungen mit KI-gestützter Plausibilitätsprüfung erzeugen kann.
  • Heizkostenabrechnung (HKA)
    Abrechnung der Heiz- und Warmwasserkosten einer Liegenschaft gegenüber den Nutzer:innen. Muss gesetzlichen Vorgaben, unter anderem zur Transparenz und Verbrauchsorientierung, genügen.
  • Datenhoheit
    Möglichkeit des Eigentümers oder Betreibers, zu entscheiden, wo und wie seine Daten gespeichert, verarbeitet und weitergegeben werden – inklusive der Option, Dienstleister oder Plattformen zu wechseln.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Wenn Gateways leise ausfallen: Wie pironex Batteriestatus und Feldbetrieb transparenter machen will

Gateways leise ausfallen: pironex Batteriestatus und Feldbetrieb
“Intelligentes Gerätemanagement – sichere und aussagekräftige Bewertung der Betriebsparameter im Feld”, erklärte Tino Hülsenbeck von der pironex technology GmbH in seinem Vortrag. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Auf der HEIKOM wurde viel über Gateways als Enabler für Fernauslesung gesprochen – meist mit Fokus auf Funkstandards, Reichweite oder Datensicherheit. Tino Hülsenbeck, Gründer und Geschäftsführer der pironex technology GmbH aus Rostock, stellte eine andere Frage in den Mittelpunkt: Was passiert eigentlich, wenn die Batterien Ihrer Gateways leer sind und keiner es merkt?

Die Antwort ist für Messdienste und Wohnungsunternehmen gleichermaßen unangenehm: Datenlücken, ungeplante Servicefahrten, Datenverlust und Konflikte in der Abrechnung. Genau an dieser Stelle setzt pironex mit neuen Gateways und einem dazugehörigen IoT-Portal an.


Herausforderungen: Wenn Gateways „unsichtbar“ ausfallen

  • Datenlücken im Verborgenen
    Läuft ein Gateway leer, ohne dass es jemand bemerkt, fehlen Verbrauchsdaten. Das kann unterjährige Verbrauchsinformationen ebenso betreffen wie Abrechnungsperioden – mit entsprechendem Klärungsaufwand gegenüber Mietern und Auftraggebern.
  • Blinde Installation im Feld
    Häufig werden Gateways „blind“ montiert: Es gibt zwar Apps, aber keine wirklich belastbare Rückmeldung, wie gut der Empfang ist, wie viele Knoten tatsächlich erreicht werden oder ob Konfiguration und Standort passen.
  • Unsichere Batterielaufzeit
    Wie lange hält die Batterie unter realen Bedingungen? Das hängt von Konfiguration, Sendeintervallen, Protokollen und Umgebung ab. Ohne präzise Bewertung bleibt die Restlaufzeit Schätzung – und damit ein Risiko.
  • Keine intelligente Problembehandlung
    In vielen Hintergrundsystemen fehlt ein strukturiertes Alarm- und Ticketingkonzept. Ausfälle werden spät oder gar nicht erkannt, Warnsignale laufen ins Leere.
  • Mangelnde Transparenz im Betrieb
    Ohne durchgängiges Gerätemanagement ist oft unklar: Welche Gateways laufen stabil? Wo häufen sich Warnungen? Wo ist die Funkabdeckung grenzwertig? Die Folge sind reaktive statt proaktive Einsätze.

Der Ansatz: Gateway-Design plus Gerätemanagement aus einem Guss

pironex versteht sich als Entwicklungsdienstleister für Elektronik und Software und betont im Vortrag, dass Hardware, Gerätesoftware und Portal von Anfang an als Einheit gedacht wurden.

Feldtaugliche Gateways

In den Folien werden die neuen Gateways als „für den praktischen Einsatz optimiert“ beschrieben:

  • Unkomplizierte Montage
    Das Gerät muss für die Installation nicht geöffnet werden – ein Vorteil für Geschwindigkeit und Fehlerminimierung vor Ort.
  • Intelligente Einrichtung mit Empfangstest
    Vor Ort kann ein Empfangstest durchgeführt werden, um die Funkqualität am geplanten Standort zu prüfen. So lassen sich ungeeignete Positionen früh erkennen.
  • NFC-Tag als digitales Typenschild
    Über NFC können Monteure auch im ausgeschalteten Zustand bestimmte Parameter auslesen und konfigurieren – per App, ohne das Gerät zu öffnen.
  • Flexible Energieversorgung
    Die Gateways können entweder mit einer langlebigen Batterie oder über eine 24-Volt-Dauer­versorgung betrieben werden. Das erlaubt je nach Liegenschaft unterschiedliche Einsatzszenarien.
  • Hohe Reichweite
    Laut Präsentation wurde der Empfang im Feld über mehr als fünf Etagen getestet.
  • Whitelisting
    Whitelists helfen, Auslesezyklen schneller abzuschließen und das System auf relevante Zähler zu fokussieren.

Hülsenbeck betont, dass die Gateway-Hardware sich für wM-Bus eignet und – laut Unternehmensangaben – auch LoRa-Szenarien unterstützen kann.

IoT-Portal für Monitoring, Alarmierung und Integration

Das zweite Standbein ist ein herstellerunabhängiges IoT-Portal, das als Gerätemanagement-System für Gateways fungiert:

  • Automatische Provisionierung – Gateways werden beim ersten Kontakt automatisch ins System aufgenommen und sind schnell einsatzbereit.
  • Gerätemanagement – Firmware-Updates, Statusanzeigen und Fehlermeldungen lassen sich zentral verwalten.
  • Monitoring & Alarmierung – Events, E-Mail-Benachrichtigungen und Protokollfunktionen sollen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.
  • Liegenschaftsverwaltung – Zuordnung von Zählern zu Gateways, Verwaltung von Whitelists und Gerätegruppen.
  • Sichere Datenhaltung – TLS-verschlüsselte Übertragung und DSGVO-konforme Verarbeitung werden hervorgehoben.
  • REST-API – Eine Programmierschnittstelle zur Weiterleitung der Gateway-Daten an Drittsysteme, etwa Abrechnungs- oder ERP-Lösungen.

Warum das wichtig ist

  • Gateway-Ausfälle bleiben oft lange unentdeckt – mit direkten Folgen für Abrechnung und Kundenzufriedenheit.
  • Batteriebetriebene Geräte im Feld lassen sich nur mit geeigneten Tools realistisch hinsichtlich Restlaufzeit und Risiko bewerten.
  • Ohne Monitoring und Alarmierung werden Servicefahrten häufig reaktiv und teuer statt geplant und gezielt.
  • Ein integriertes Gerätemanagement erleichtert es Messdiensten, große Gateway-Flotten über Jahre stabil zu betreiben.
  • Für die Wohnungswirtschaft sind stabile Datenflüsse Grundlage für gesetzlich geforderte UVI, korrekte Heizkostenabrechnungen und ESG-Reporting.

Einordnung für die Wohnungswirtschaft / Entscheider:innen

Auf den ersten Blick adressiert pironex vor allem Messdienstleister, Gate-Betreiber und ihre Techniker. Für die Wohnungswirtschaft sind die dahinterliegenden Fragen jedoch strategisch:

  • Wie robust ist die eigene Infrastruktur wirklich?
    Funkstandards und Gateways werden oft als „gesetzt“ betrachtet. Entscheidend ist aber, ob über Jahre hinweg eine verlässliche Datenlieferung garantiert werden kann, inklusive Früherkennung drohender Ausfälle.
  • Wer übernimmt Verantwortung für Gerätemanagement?
    Je komplexer Gateway-Flotten werden, desto wichtiger ist klar geregelt, wer Monitoring, Alarmierung und Firmware-Updates verantwortet – Messdienst, Dienstleister oder interne IT.
  • Wie offen ist die Architektur?
    Das von pironex vorgestellte Portal setzt auf REST-API und offene Weiterverarbeitung. Für Wohnungsunternehmen ist wichtig, dass sie Messdaten langfristig in eigene Systeme unabhängig von Einzelanbietern einbinden können.
  • Was passiert im Fehlerfall?
    Transparente Alarmketten, definierte Reaktionszeiten und klare Zuständigkeiten sollten Bestandteil jeder Vereinbarung sein. Ohne diese Grundlagen bleiben „sorgenfreie Gateways“ ein Versprechen.

Was jetzt zu tun ist

  1. Bestandsaufnahme der Gateway-Flotte: Wie viele Gateways sind im Einsatz? Welche Funktechnologien (wM-Bus, ggf. LoRa) werden genutzt? Gibt es Monitoring?
  2. Batteriestrategie prüfen: Sind Laufzeiten und Austauschintervalle dokumentiert? Gibt es Indikatoren oder Prognosen zur Restlaufzeit – oder nur Erfahrungswerte?
  3. Monitoring-Anforderungen definieren: Welche Kennzahlen (Batteriestatus, Empfangsqualität, Ausfallzeiten) sollen regelmäßig sichtbar sein? Welche Alarme werden benötigt?
  4. Vertragliche Klarheit schaffen: In Vereinbarungen mit Messdiensten festhalten, wie Gateway-Überwachung, Alarmierung und Servicefahrten geregelt sind, inklusive Eskalationswegen.
  5. Integration planen: Prüfen, wie Gerätemanagement-Portale über Schnittstellen (z. B. REST-API) an bestehende IT- und Abrechnungssysteme angebunden werden können.
  6. Pilotprojekte umsetzen: In ausgewählten Liegenschaften testen, ob Gateways mit Monitoring und NFC-gestützter Einrichtung im Alltag tatsächlich weniger Ausfälle und Servicefahrten verursachen.

Praxisnutzen: Vom „Blindflug“ zur planbaren Gateway-Flotte

Der konkrete Nutzen hängt von der jeweiligen Ausgangssituation ab, lässt sich aber entlang dreier Linien beschreiben:

  • Früherkennung statt Überraschung
    Durch kontinuierliches Monitoring von Batteriestatus und Empfangsqualität können kritische Gateways identifiziert werden, bevor Daten ausfallen. Serviceeinsätze lassen sich bündeln und planbar gestalten.
  • Effizientere Installation im Feld
    Empfangstests und NFC-gestützte Konfiguration vor Ort verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Gateways an ungünstigen Standorten montiert werden – und später erneut angefasst werden müssen.
  • Weniger Datenverluste und Reklamationen
    Stabilere Gateway-Betriebe reduzieren Lücken in der Datenbasis. Das senkt das Risiko strittiger Abrechnungen und aufwändiger Nacharbeiten in der Kundenkommunikation.

Die in der Präsentation gezeigten Schlagworte – „Unabhängig“, „Volle Kontrolle“, „Zukunftssicher“, „Kostenstruktur“ – verdeutlichen den Anspruch, nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich eine nachhaltige Lösung anzubieten. Ob und in welchem Umfang dies im eigenen Bestand erreicht wird, sollten Entscheider:innen allerdings durch belastbare Kennzahlen in Pilotprojekten prüfen.


Fazit

Mit den neuen Gateways und dem IoT-Portal adressiert Tino Hülsenbeck ein Thema, das in vielen Digitalisierungsprojekten erst auffällt, wenn es zu spät ist: den langfristigen, transparenten Betrieb der Feldinfrastruktur.

Für die Wohnungswirtschaft heißt das: Wer auf fernauslesbare Zähler und Funk setzt, sollte die Gateways nicht als „Black Box“ betrachten, sondern als aktiv zu managende Ressource – inklusive Monitoring, Alarmierung und Batteriemanagement. Lösungen wie die von pironex können hier Bausteine sein, um den Schritt von der reinen Geräteinstallation hin zu einem steuerbaren, ausfallsicheren System zu schaffen.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ausgangsproblem: Fallen Gateway-Batterien im Feld unbemerkt aus, drohen Datenlücken, zusätzliche Servicefahrten, Abrechnungsprobleme und Ärger mit Kunden.
  • Typische Schwachstellen: Blinde Installation ohne Rückmeldung, unklare Batterielaufzeiten, fehlende Transparenz im Betrieb und kaum intelligente Problembehandlung in vielen wM-Bus-Gateway-Landschaften.
  • Ansatz von pironex: Neu entwickelte Gateways mit stromsparender Elektronik, NFC-Tag, Empfangstest vor Ort, wahlweise Batteriebetrieb oder 24-V-Versorgung – ergänzt durch ein IoT-Portal für Monitoring, Alarmierung und Geräteverwaltung.
  • Ziel: Batteriestatus über Jahre hinweg präzise bewerten, Ausfälle früh erkennen, Servicefahrten reduzieren und einen „sorgenfreien Betrieb der Gateways“ ermöglichen.
  • Plattformgedanke: Elektronik, Gerätesoftware und Portallösung werden als Einheit gedacht – mit REST-API, TLS-Verschlüsselung und DSGVO-konformer Datenhaltung.
  • Relevanz für die Wohnungswirtschaft: Weniger Datenverluste, höhere Abrechnungssicherheit und eine klarere Sicht auf den Zustand der Funkinfrastruktur in den Beständen.
  • Preispositionierung: Laut Hülsenbeck sollen die neuen Gateways – ob netz- oder batteriebetrieben – bei entsprechender Stückzahl ab rund 75 Euro verfügbar sein (Angabe des Anbieters im Vortrag).

Glossar / Begriffserklärungen

  • Gateway
    Zentrale Einheit im Gebäude, die Funktelegramme von Zählern und Sensoren (z. B. per wM-Bus oder LoRa) empfängt und an Backend-Systeme weiterleitet.
  • wM-Bus (Wireless M-Bus)
    Funkbasierte Variante des Meter-Bus-Standards, häufig eingesetzt für Heizkostenverteiler, Wasser- und Wärmezähler.
  • LoRa
    Funktechnologie mit großer Reichweite und geringem Energieverbrauch, die in verschiedenen IoT-Szenarien genutzt wird, u. a. für Zählerfernauslesung.
  • NFC-Tag
    Nahfeldkommunikation (Near Field Communication), mit der Daten auf sehr kurze Distanz ausgetauscht werden können – hier genutzt als digitales Typenschild und Konfigurationsschnittstelle der Gateways.
  • Whitelisting
    Verfahren, bei dem ein Gateway nur Daten von explizit freigegebenen Geräten verarbeitet. Das kann Auslesezyklen beschleunigen und die Funklast reduzieren.
  • IoT-Portal / Gerätemanagement
    Zentrale Softwareplattform zur Verwaltung verteilter Geräte: Monitoring, Firmware-Updates, Alarmierung, Liegenschaftsverwaltung und Schnittstellen zu Drittsystemen.
  • REST-API
    Webbasierte Programmierschnittstelle, über die Daten standardisiert von einem System ins andere übertragen werden können – wichtig für die Integration in Abrechnungs- oder ERP-Systeme.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Zählerdaten im Griff: Wie solvimus den Datenhub im Gebäude denkt

Zählerdaten im Griff: Mit solvimus zum Datenhub im Gebäuden
“Zählerdaten: Jede Quelle. Jeder Zielpunkt. Keine Abhängigkeit”, meint Remo Reichel von der Solvimus GmbH. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

„Wer hat eigentlich alles ein Interesse an den Zählerdaten Ihrer Liegenschaft?“ Mit dieser Frage eröffnete Remo Reichel seinen Vortrag auf der HEIKOM. Gemeint sind nicht Cyberkriminelle, sondern die Vielzahl an Akteuren, die heute legal und sinnvoll mit Zählerdaten arbeiten: Mess- und Abrechnungsdienste, Gebäudeleittechnik, Energiemanager, ESG-Teams.

Die Antwort zeigt ein zentrales Problem der Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft: Zählerdaten werden mehrfach erfasst, in unterschiedlichen Systemen gespeichert und in jeweils eigene Formate übersetzt. solvimus, mit Sitz im thüringischen Ilmenau, positioniert sich hier als Anbieter eines neutralen Datensammlers im Gebäude, der alle relevanten Zählerquellen zusammenführt und die Daten direkt an die gewünschten Zielsysteme verteilt.


Herausforderungen: Zählerdaten zwischen Pflicht und Datensilos

  • Heterogene Zählerlandschaft
    In einem typischen Bestand treffen elektrische Energiemessungen, Wärme- und Kältezähler, Wasser- und Gaszähler sowie Heizkostenverteiler aufeinander, häufig von unterschiedlichen Herstellern und mit verschiedenen Schnittstellen (M-Bus, Modbus, Impuls, Funk/OMS).
  • Mehr als nur Abrechnung
    Klassisch denkt man bei Zählerdaten an Heiz- und Betriebskostenabrechnung sowie UVI. In Zweck- und Gewerbebauten kommen jedoch weitere Anwendungsfälle hinzu: Gebäudeleittechnik, Energiemanagement nach ISO 50001, Monitoring von Anlagen oder Lastspitzen.
  • Viele Zielsysteme, viele Sprachen
    • Messdienst und Abrechnung bevorzugen oft CSV-Dateien, übertragen per E-Mail oder FTP.
    • Energiemanager arbeiten mit Cloudlösungen und erwarten JSON- oder XML-Daten über MQTT(S) oder HTTP/REST-Endpunkte.
    • Die GLT benötigt Live-Daten in kurzen Intervallen, z. B. via Modbus oder BACnet/SC – inklusive Leistungs- und Spannungswerten.
  • Proprietäre Ketten und Lock-in-Risiken
    Wenn Zählerdaten nur über die Cloud eines einzigen Anbieters laufen, wird jeder Systemwechsel zum Großprojekt. Gleichzeitig verlieren Eigentümer leicht den Überblick, wo ihre Daten tatsächlich verarbeitet werden.
  • Hoher Integrationsaufwand
    Für jeden neuen Use Case – etwa eine Energiemanagementplattform – entstehen zusätzliche Projekte, Gateways und Schnittstellen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven in IT, Technik und beim Messdienst.

Der Ansatz: „Jede Quelle. Jedes Ziel. Keine Abhängigkeit.“

In der Präsentation verdichtet solvimus seinen Ansatz in drei Schlagworte, illustriert über klar gestaltete Folien:

  • „Jede Quelle“ – Zähler- und Sensordaten bündeln
    Die Folie zeigt Symbole für Strom, Wärme, Solar, Wasser, Temperatur, Gas und weitere Medien. Dahinter steckt die Idee, sämtliche relevanten Zähler und Sensoren in einem Gerät zusammenzuführen, unabhängig davon, ob sie kabelgebunden (z. B. M-Bus, Modbus, Impuls) oder per Funk/OMS angebunden sind.
  • „Jedes Ziel“ – Daten parallel verteilen
    Eine weitere Folie visualisiert unterschiedliche Zielwelten: Cloud, Kennzahlen- und Dashboards, Gebäude, Industrie-/Produktionsprozesse, Abrechnung, Datenbanken. Gemeint ist: Der Datensammler soll mehrere Systeme gleichzeitig bedienen können – mit jeweils passenden Protokollen und Formaten.
  • „Keine Abhängigkeiten“ – Neutraler Datenhub statt Cloud-Pflicht
    Im Zentrum steht ein konkretes Gerät (MUC.easy plus) mit dem Claim „Keine Abhängigkeiten“. Das Gerät fungiert als Datendrehscheibe im Gebäude: Es sammelt Zählerdaten, stellt sie auf unterschiedlichen Protokollen bereit, aber solvimus betreibt keine eigene Cloud, in der die Daten zwischengelagert werden.

Damit unterscheidet sich der Ansatz von Lösungen, die Datenerfassung und Plattformbetrieb an einen einzigen Anbieter koppeln.

Wie die Datenflüsse konkret aussehen

  • Eingangsseite („Quelle“)
    • Einlesen von Strom-, Wärme-, Wasser-, Gaszählern und Heizkostenverteilern,
    • Integration von Sensorik wie Temperatur-, Feuchte- oder Bewegungssensoren über dieselbe Infrastruktur (u. a. dank OMS-Standardisierung),
    • Unterstützung unterschiedlicher Unterzähler, auch im industriellen oder gewerblichen Umfeld.
  • Ausgangsseite („Ziel“)
    • Abrechnung/Messdienst: CSV-Dateien, per E-Mail oder FTP übertragbar.
    • Cloud/Energiemanagement: JSON- oder XML-Ströme via HTTP/REST oder MQTT(S) in Cloudplattformen.
    • Gebäudeautomation/GLT: Live-Daten über Modbus oder BACnet, perspektivisch BACnet/SC für eine abgesicherte IP-Kommunikation.
    • Datenbanken/BI: Direkte Anbindung von Datenbanken bzw. Exporte für Reporting- und Analytics-Systeme.

Das zentrale Versprechen: Ein Gerät pro Liegenschaft oder Gebäudeteil kann alle relevanten Quellen und Ziele bedienen und damit künftige Erweiterungen erleichtern, ohne die Infrastruktur neu aufsetzen zu müssen.


Warum das wichtig ist

  • Die Zahl der Anwendungen, die Zählerdaten nutzen, wächst, Abrechnung ist nur ein Baustein.
  • Ohne technischen Datenhub drohen Datensilos, doppelte Installationen und hohe Integrationskosten.
  • Unabhängigkeit von einzelnen Cloud- oder Plattformanbietern erhöht die digitale Souveränität der Wohnungswirtschaft.
  • Wenn Zählerdaten im Gebäude gebündelt und von dort verteilt werden, bleiben Speicherort und Datenflüsse transparent.
  • Eine flexible Datendrehscheibe erleichtert es, neue regulatorische Anforderungen (z. B. UVI, ESG-Reporting) mit vorhandener Infrastruktur zu erfüllen.

Einordnung für die Wohnungswirtschaft

Für Entscheider:innen stellt sich weniger die Frage, ob solvimus ein weiteres Gerät auf den Markt bringt, sondern welche Rolle ein solcher Datensammler in der Gesamtarchitektur der Bestände spielen kann:

  • Vom „Messdienst-Kanal“ zur Mehrfachnutzung
    Zählerdaten laufen heute oft exklusiv zum Messdienst. Wer parallel Energiemanagement, GLT-Optimierung oder ESG-Auswertungen aufbauen will, landet schnell bei Zusatzprojekten. Ein neutraler Datensammler macht es möglich, denselben Datenstrom mehrfach zu nutzen, ohne mehrere Erfassungsebenen aufzubauen.
  • Digitale Souveränität und Wechseloptionen
    Ein Gerät im Gebäude, das offene Protokolle spricht, reduziert Abhängigkeiten. Wenn Abrechnungspartner oder Energiemanagementplattform wechseln, muss nicht zwangsläufig die Zählerinfrastruktur erneuert werden, denn die Anbindung erfolgt über andere Schnittstellen.
  • IT- und OT-Integration
    Zählerdaten sind inzwischen kein reines „Technikthema“ mehr, sondern Teil der IT- und Datenstrategie. Ein klar definierter Datenhub erleichtert es, Zuständigkeiten zwischen IT, Technik, Messdienst und Fachbereichen zu verteilen.
  • Perspektive auf neue Use Cases
    Wo heute nur Verbräuche für die Abrechnung genutzt werden, könnten morgen Lastspitzenmanagement, Anlagenoptimierung oder Mieterstrommodelle hängen. Eine Infrastruktur, die „jede Quelle – jedes Ziel“ abbilden kann, schafft Spielraum für künftige Geschäftsmodelle.

Was jetzt zu tun ist

  1. Stakeholder-Landkarte erstellen: Wer nutzt heute Zählerdaten (Abrechnung, Technik, Energiemanagement, ESG, GLT)? Wer könnte in Zukunft dazukommen?
  2. Quellen erfassen: Welche Medien und Zählertypen sind im Bestand vorhanden (Strom, Wärme, Wasser, Gas, weitere Sensorik)? Über welche Protokolle werden sie angebunden?
  3. Zielsysteme und Formate identifizieren: Welche Systeme erwarten CSV, welche REST/MQTT, welche Modbus/BACnet/SC? In welchen Intervallen?
  4. Architekturzielbild definieren: Soll ein zentraler Datensammler pro Liegenschaft als Drehkreuz etabliert werden und welche Anforderungen an Offenheit und Sicherheit muss er erfüllen?
  5. Verträge und Ausschreibungen anpassen: Offene Schnittstellen, Mehrfachnutzung von Zählerdaten und Verzicht auf proprietäre Cloudpflichten explizit fordern.
  6. Pilotobjekte wählen: In einer oder zwei Liegenschaften testen, wie gut ein Datensammler Zähler- und Sensordaten bündelt und gleichzeitig Abrechnung, GLT und Energiemanagement versorgt.

Praxisnutzen: Ein Gerät, mehrere Welten

Ein typisches Szenario könnte in der Wohnungswirtschaft so aussehen:

  • In einem Quartier werden Strom-, Wärme- und Wasserzähler per M-Bus bzw. wM-Bus/OMS angebunden, ergänzt um Temperatur- und Feuchtesensoren in kritischen Gebäudeteilen.
  • Ein solvimus-Datensammler (z. B. MUC.easy plus) liest diese Daten ein und:
    • erzeugt monatlich CSV-Dateien für den Abrechnungsdienst,
    • liefert täglich aggregierte Verbräuche via MQTT(S) in eine Energiemanagementplattform,
    • stellt im 15-Minuten-Raster Leistungswerte als BACnet-Objekte für die GLT bereit.

Statt getrennten Strukturen für Abrechnung, Technik und Energiemanagement entsteht ein gemeinsamer Datenhub. Das reduziert Hardware, Projektaufwand und Fehlerquellen und macht künftige Systemwechsel handhabbarer.


Fazit

Der Auftritt von Remo Reichel zeigt: Die nächste Ausbaustufe der Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft entscheidet sich nicht nur an Funkstandards oder Gateway-Modellen, sondern an der Frage, wie Zählerdaten im Gebäude organisiert werden. Mit seinem Claim „Zählerdaten: Jede Quelle. Jeder Zielpunkt. Keine Abhängigkeit.“ und einem Datensammler wie dem MUC.easy plus positioniert sich solvimus als Anbieter eines neutralen Datenhubs in der Liegenschaft.

Für die Wohnungswirtschaft eröffnet das die Möglichkeit, Zählerdaten als gemeinsame Ressource zu betrachten, statt als isolierten Pfad in Richtung Messdienst. Wer diesen Schritt geht, schafft die Grundlage, um Pflichtaufgaben wie die Abrechnung effizient zu erfüllen und gleichzeitig neue datengetriebene Anwendungen aufzubauen, ohne sich frühzeitig festzulegen.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ausgangslage: Zähler- und Sensordaten werden für Gebäude- und Liegenschaftsbetrieb immer wichtiger – von Heiz- und Betriebskostenabrechnung bis hin zu Energiemanagement, ESG und Gebäudeleittechnik.
  • Problem: Unterschiedliche Zählertypen, Hersteller und Medien (Strom, Wärme, Wasser, Gas etc.) sowie viele Protokolle (M-Bus, Modbus, Funk/OMS, Impuls) treffen auf stark voneinander abweichende Anforderungen der Zielsysteme.
  • Interessenten an den Daten: Neben klassischen Mess- und Abrechnungsdiensten benötigen GLT, Energiemanager, Industrie- und Gewerbekunden die Daten – oft mit höherer Auflösung und zusätzlichen Messgrößen.
  • Ansatz von solvimus: Ein Datensammler wie z. B. das gezeigte MUC.easy plus, der verschiedenste Zähler und Sensoren einliest und die Daten parallel an viele Zielsysteme liefert: CSV/FTP oder E-Mail für die Abrechnung, MQTT(S) oder HTTP/REST für die Cloud, Modbus oder BACnet/SC für die Gebäudeautomation.
  • Leitbild laut Präsentation:Jede Quelle. Jedes Ziel. Keine Abhängigkeit.“ Zähler- und Sensordaten aus einer Infrastruktur, ohne proprietäre Cloud und ohne Hersteller-Lock-in.
  • Nutzen für die Wohnungswirtschaft: Ein zentraler Datenhub im Gebäude reduziert Integrationsaufwand, vermeidet Datensilos und schafft mehr Unabhängigkeit in der Wahl von Messdienst, Plattformen und Abrechnungspartnern.

Glossar / Begriffserklärungen

  • Zählerdaten
    Messwerte aus Verbrauchszählern (Strom, Wärme/Kälte, Wasser, Gas) sowie Daten aus Heizkostenverteilern und ergänzender Sensorik (Temperatur, Feuchte, Bewegung).
  • Datensammler / Datenhub
    Gerät im Gebäude, das Daten aus verschiedenen Zählern und Sensoren einsammelt, aufbereitet und über unterschiedliche Protokolle an mehrere Zielsysteme verteilt.
  • M-Bus / wM-Bus / OMS
    M-Bus: kabelgebundener Busstandard zur Zählerauslesung. wM-Bus: Funkvariante. OMS (Open Metering System) definiert herstellerübergreifende Standards für strukturierte Zähler- und Sensordaten, die auch in der solvimus-Präsentation als Basis erwähnt werden.
  • GLT (Gebäudeleittechnik)
    Zentrales System zur Überwachung und Steuerung technischer Anlagen eines Gebäudes (Heizung, Lüftung, Klima, Beleuchtung, Aufzüge etc.).
  • Modbus
    Einfaches Kommunikationsprotokoll aus der Automatisierungstechnik, häufig genutzt, um Messwerte zwischen Feldgeräten und Leitsystemen zu übertragen.
  • BACnet / BACnet/SC
    Standardprotokoll für Gebäudeautomation. BACnet/SC (Secure Connect) ist die abgesicherte, IP-basierte Weiterentwicklung mit Fokus auf IT-Sicherheit.
  • MQTT / MQTTS
    Leichtgewichtiges Protokoll nach dem Publish/Subscribe-Prinzip, häufig für IoT- und Cloudanwendungen genutzt. MQTTS bezeichnet die verschlüsselte Variante.
  • CSV, FTP, HTTP/REST
    CSV (Comma Separated Values) ist ein Tabellenformat. FTP dient zur Dateiübertragung. HTTP/REST beschreibt Webschnittstellen, über die strukturierte Daten (z. B. JSON, XML) ausgetauscht werden – zentrale Bausteine moderner Cloudanbindungen.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Intelligenz vom Heizkörper bis ins Backend: Wie Engelmann Datenerfassung und Prozesse zusammenführt

Intelligenz vom Heizkörper bis Backend: Engelmann Datenerfassun
“Intelligenz beginnt beim Endgerät”, sagte Benjamin Hofstetter von Engelman Sensor in seinem Vortrag. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Zum Abschluss des Panels „Intelligente Datenerfassung“ rückte Engelmann einen Punkt in den Vordergrund, der in vielen Diskussionen eher am Rand vorkommt: Wo genau beginnt eigentlich Intelligenz im System?

Die Antwort des Unternehmens fällt klar aus: nicht erst im Gateway oder in der Cloud, sondern bereits im Endgerät – also im Heizkostenverteiler, im Zähler und in der Art, wie diese Geräte montiert und betrieben werden. Von dort spannt Engelmann den Bogen bis zu einer Plattform, die Zählerdaten unterschiedlicher Hersteller aufnimmt und den Weg in die Abrechnung stark automatisiert.


Pain Points: Wo heute Aufwand und Risiken entstehen

  • Heterogene Bestände
    In vielen Liegenschaften findet sich ein Mix aus Zählern und Heizkostenverteilern verschiedener Hersteller und Generationen. Mischliegenschaften sind eher die Regel als die Ausnahme.
  • Aufwändige Nachrüstung
    Der Umstieg auf fernauslesbare Technik ist häufig mit dem Tausch von Rückenplatten und umfangreichen Montagearbeiten verbunden – ein Thema, das bei knappen Montagekapazitäten besonders schmerzhaft ist.
  • Unsicherheit bei Funk und Sicherheit
    Betreiber erwarten herstellerübergreifenden Empfang (OMS, wireless M-Bus) und zugleich eine sichere Übertragung bis ins Backend. Unterschiedliche Lösungen, Netze und Verschlüsselungsansätze machen die Bewertung komplex.
  • Manuelle Prozessketten
    Zwischen Gateway, Datenübernahme und Abrechnung sind oft noch viele Handschritte nötig – mit entsprechender Fehleranfälligkeit beim Export, Import oder bei der Zuordnung von Zählern.
  • Fachkräftemangel im Feld
    Je komplizierter Montage, Konfiguration und Inbetriebnahme, desto stärker wirkt sich der Mangel an qualifizierten Monteuren aus.

Der Ansatz: Gateway, Plattform und Endgerät als durchgängige Linie

Intelligente Datenerfassung: das neue Gateway

Die Folien zur „Intelligenten Datenerfassung“ beschreiben ein Gateway, das einige in der Branche diskutierte Anforderungen bündelt:

  • LPWAN-Funktechnologien: Nutzung moderner Low-Power-Wide-Area-Netze wie LTE-M; weitere Netze wie NB-IoT oder LoRaWAN werden als relevante Optionen genannt.
  • Herstellerunabhängigkeit: Empfang von OMS-Geräten und wireless-M-Bus-Telegrammen, einschließlich verschiedener OMS-Modi (C1/T1, S1). Damit sollen sowohl Engelmann-Zähler als auch Geräte anderer Hersteller eingebunden werden können.
  • Skalierung: Laut Präsentation lassen sich im Batteriebetrieb bis zu 2.500 Geräte auslesen.
  • Lange Betriebszeit: Typische Batteriekapazität von 12 Jahren bei zwei Auslesungen pro Monat – passend zu zwei Eichzyklen vieler Messgeräte.
  • Sichere Kommunikation: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Entschlüsselung erst im Zielsystem.

Im Panel betont Engelmann zusätzlich den Installationsaspekt: Das Gateway soll mit „drei Löchern“ montiert sein – ohne Öffnen des Gehäuses, möglichst vorkonfiguriert und automatisiert in Betrieb genommen. Die Vision: Geräte so einfach machen, dass perspektivisch auch Hausmeister statt spezialisierter Techniker montieren können.

Intelligente Datenaufbereitung: Plattform für Überblick und Prozesskette

Die vorgestellte Plattform ergänzt das Gateway um eine Sicht auf die gesamte Liegenschaft:

  • Visualisierung wichtiger Kennzahlen
    Oberflächen zeigen den Status von Liegenschaften und Anlagen auf einen Blick – etwa Kommunikationszustände oder auffällige Zähler.
  • Automatisierte Prozesskette
    Prozesse vom Datenempfang bis zum Import ins Abrechnungssystem sollen automatisiert werden. Ziel ist, manuelle Schritte – etwa das händische Exportieren und Importieren von Dateien – so weit wie möglich zu reduzieren und Fehlerquellen zu minimieren.
  • Mischliegenschaften
    Die Plattform ist ausdrücklich darauf ausgelegt, Zähler anderer Hersteller mitzuverarbeiten. Für die Wohnungswirtschaft ist das relevant, weil Bestände meist nicht homogen ausgerüstet sind.

Eine eigenständige, vollautomatische Plausibilisierung der Verbrauchsdaten leistet die Plattform bewusst nicht; hier verweist Engelmann in der Diskussion auf die Stärken spezialisierter Abrechnungssysteme, die stärker auf Gebäudeinformationen zugreifen können.

Intelligenz am Heizkörper: der „rundum-sorglos-HKV Unifix“

Als drittes Element stellt Engelmann einen neuen Heizkostenverteiler vor, der den Claim „rundum-sorglos-HKV Unifix“ trägt.

  • Kompatibel zu vielen Rückenplatten
    Die Präsentation zeigt Varianten für Techem, Metrona, Engelmann, Qundis P2/P3, Sontex und Caleffi – der HKV soll also auf verschiedene bestehende Wärmeleiter passen.
  • Rückenplatten müssen nicht getauscht werden
    Das spart Montagezeit und reduziert Eingriffe in die Heizkörper – ein Vorteil gerade bei großflächiger Nachrüstung in Beständen.
  • Rückenplatten-Erkennung
    Der Unifix erkennt, auf welcher Rückenplatte er montiert wurde, zeigt dies während der Installation im Display an und überträgt die Information im Funktelegramm.
  • Unterstützung für Bestandspflege
    Durch die Übertragung der Rückenplatten-Information lassen sich Bestandsdaten plausibilisieren: Wurde die richtige Kombination verbaut? Stimmen Monteur-Angaben mit der tatsächlichen Installation überein?

Damit adressiert Engelmann einen sehr praktischen Schmerzpunkt: Fehler bei der Zuordnung von Heizkörpern, Rückenplatten und Geräten, die später aufwendig korrigiert werden müssen.


Warum das wichtig ist

  • Die letzten 40 % der Bestände müssen unter Zeitdruck mit fernauslesbarer Technik ausgestattet werden, und das bei begrenzten Monteurkapazitäten.
  • Jede eingesparte Minute bei Montage und Inbetriebnahme hilft, Fristen und Budgets einzuhalten.
  • Endgeräte, die Bestandskomponenten weiter nutzen und ihre Konfiguration selbst „mitliefern“, reduzieren Fehler und Nacharbeiten.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stärkt Vertrauen in die Datenwege. Bei wachsender Vernetzung ist das ein zunehmend wichtiges Thema.
  • Automatisierte Prozessketten vom Gateway bis zur Abrechnung entlasten Backoffice-Teams und senken das Fehlerrisiko.

Einordnung für die Wohnungswirtschaft / Entscheider:innen

Für die Wohnungswirtschaft ist Engelmanns Ansatz vor allem dort interessant, wo große Bestände mit gemischten Geräten nachgerüstet werden müssen – und wo Fachkräfte knapp sind.

  • Tiefer Einstieg ins Feld
    Mit dem Unifix-HKV versucht Engelmann, Aufwand direkt an der Quelle zu reduzieren: vorhandene Rückenplatten weiter nutzen, Montage vereinfachen, Bestandsdaten per Funk absichern. Das ist pragmatisch und adressiert typische Pain Points aus der Praxis.
  • Herstellerunabhängigkeit im Gateway
    Das angekündigte Gateway, das OMS- und wireless-M-Bus-Geräte verschiedener Hersteller empfängt, passt zur Realität heterogener Bestände. Entscheidend wird sein, wie gut dies im Mischbetrieb tatsächlich funktioniert.
  • Automatisierung mit klaren Rollen
    Dass Engelmann Plausibilisierung und komplexe Abrechnungslogik den Abrechnungssystemen überlässt, kann als Vorteil gesehen werden: Jeder Baustein bleibt bei seiner Kernkompetenz. Wichtig ist, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten sauber zu definieren.
  • Installation als strategischer Hebel
    Die im Panel skizzierte Vision – Geräte vorkonfiguriert verschicken, von Hausmeistern anbringen lassen, automatische Inbetriebnahme – zeigt, wohin die Reise gehen soll: weg von hochspezialisierten Einzelterminen, hin zu stark standardisierten Rollouts.

Was jetzt zu tun ist

  1. Bestand analysieren: Welche Heizkostenverteiler- und Rückenplatten-Typen sind im Einsatz? Wie heterogen sind die Bestände?
  2. Installationsaufwand bewerten: Wie viel Zeit fließt heute in Rückenplattentausch, Gehäuseöffnung, Parametrierung und Inbetriebnahme der Geräte?
  3. Anforderungen an Endgeräte formulieren: In Ausschreibungen festhalten, dass neue HKV-Generationen vorhandene Wärmeleiter weiter nutzen und Installationsfehler per Funk erkennbar machen sollen.
  4. Gateway-Strategie klären: Prüfen, wie viele Geräte pro Standort ein Gateway versorgen muss, welche Funknetze verfügbar sind (z. B. LTE-M) und welche Sicherheitsanforderungen an Verschlüsselung gestellt werden.
  5. Automatisierungsgrad in der Abrechnung prüfen: Wo sind heute noch manuelle Exporte/Importe nötig? Welche Schnittstellen kann eine Plattform wie die von Engelmann nutzen?
  6. Pilotprojekte definieren: In ausgewählten Liegenschaften testen, wie sich vereinfachte Installation, herstellerübergreifender Empfang und automatisierte Datenwege in der Praxis bewähren.

Fazit

Engelmann setzt mit seinem Beitrag ein klares Statement: Intelligenz in der Fernauslesung ist mehr als ein „schlaues“ Gateway. Sie beginnt beim Heizkostenverteiler, führt über herstellerunabhängige Funkempfänger und reicht bis zu automatisierten Prozessketten in der Abrechnung.

Für die Wohnungswirtschaft kann dieser Ansatz vor allem dort Mehrwert stiften, wo Rollouts schnell, standardisiert und mit knappen Ressourcen umgesetzt werden müssen – und wo gemischte Bestände eher die Regel als die Ausnahme sind. Ob Engelmanns Lösungen diese Versprechen unter Realbedingungen einlösen, werden Pilotprojekte und konkrete Kennzahlen zeigen müssen. Die strategische Richtung aber ist klar: weniger Montageaufwand, mehr Automatisierung und ein stärkerer Fokus auf Intelligenz direkt am Endgerät.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fokus des Vortrags: „Intelligenz beginnt beim Endgerät“ und soll sich bis zu den automatisierten Prozessen in den Backendsystemen durchziehen.
  • Neues Gateway: Funkbasiert, batteriebetrieben, herstellerunabhängig für OMS- und wireless-M-Bus-Geräte, angebunden über LTE-M; typische Batterielaufzeit: 12 Jahre bei zwei Auslesungen pro Monat.
  • Sicherheit: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bis zum Zielsystem. Entschlüsselung erst dort, wo die Daten verarbeitet werden.
  • Plattform zur Datenaufbereitung: Visualisierung des Anlagenstatus, automatisierte Prozesskette von der Datenübernahme bis zum Import ins Abrechnungssystem, inklusive Verarbeitung von Zählern anderer Hersteller.
  • Neuer HKV „Unifix“: Rundum-sorglos-Heizkostenverteiler, der auf mehrere gängige Rückenplatten passt, diese erkennt, auf dem Display anzeigt und im Funktelegramm mit überträgt.
  • Installationsidee: Geräte sollen möglichst vorkonfiguriert kommen, ohne Gehäuseöffnung montiert werden können, perspektivisch sogar durch Hausmeister statt spezialisierte Monteure.

Glossar / Begriffserklärungen

  • Heizkostenverteiler (HKV)
    Gerät am Heizkörper, das die Wärmeabgabe erfasst und als Basis für die verbrauchsabhängige Heizkostenverteilung dient.
  • Rückenplatte / Wärmeleiter
    Metallische Montageplatte am Heizkörper, die die Wärme an den Heizkostenverteiler weitergibt. Unterschiedliche Hersteller nutzen unterschiedliche Geometrien.
  • OMS / wireless M-Bus
    OMS (Open Metering System) ist ein herstellerübergreifender Standard für Zähler- und Sensordaten, oft basierend auf wireless M-Bus als Funkprotokoll.
  • LPWAN / LTE-M / NB-IoT / LoRaWAN
    Low Power Wide Area Networks sind Funknetze mit großer Reichweite und geringem Energieverbrauch. LTE-M und NB-IoT sind Mobilfunk-Varianten, LoRaWAN ein alternativer Funkstandard.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
    Verfahren, bei dem Daten beim Sender verschlüsselt und erst im Zielsystem entschlüsselt werden – Zwischenstationen sehen nur chiffrierte Inhalte.
  • Mischliegenschaft
    Gebäude oder Liegenschaft, in der Geräte verschiedener Hersteller und Generationen parallel betrieben werden.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Rauchwarnmelder im Griff: Wie der „Rauchwarnmelder-Manager“ Inspektion und Dokumentation bündelt

„Rauchwarnmelder-Manager“ bündelt Inspektion & Dokumentation
Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Eine Frage, die viele Bestandsverwalter umtreibt: Wie lassen sich tausende Rauchwarnmelder effizient inspizieren und gleichzeitig alle Nachweispflichten erfüllen – idealerweise ohne jedes Jahr jede Wohnung zu betreten?

Ei Electronics beantwortet das auf der Heikom 2025 mit einer Kombination aus ferninspizierbaren Warnmeldern, einer Inspektions-App und einer cloudbasierten Webanwendung, die sämtliche Daten bündelt und auswertet.


Herausforderungen

  • Wohnungszugang & Personalknappheit
    Die Inspektion nach DIN 14676 muss regelmäßig erfolgen; bei mehreren Tausend Wohnungen ist das mit klassischen Vor-Ort-Terminen kaum noch wirtschaftlich zu stemmen.
  • Zerklüftete Datenlage
    Montageprotokoll, Seriennummern, Inspektionsnachweise und Alarmhistorie liegen oft in Excel-Listen, Papierformularen oder unterschiedlichen Systemen. Die Übersicht über den tatsächlichen Status der Melder geht schnell verloren, insbesondere bei Betreiber- und Bestandswechseln.
  • Fehleranfällige Montage
    Werden Melder nicht korrekt einer Wohnung oder einem Raum zugeordnet, entstehen Lücken in der Dokumentation. Nachträgliche Korrekturen verursachen erheblichen Aufwand.
  • Rechts- und Nachweissicherheit
    Betreiber müssen im Schadensfall belegen können, dass alle Melder fristgerecht und normgerecht geprüft wurden. Manuelle Protokolle erschweren konsistente, prüfbare Nachweise.
  • Schnittstellen zu Mess- und Abrechnungssystemen
    In zunehmend digitalisierten Quartieren sollen Rauchwarnmelderdaten idealerweise über dieselbe Infrastruktur laufen wie die Verbrauchszähler – andernfalls entstehen kostspielige Insellösungen.

Der Ansatz / Die angebotene Lösung

All-in-One-Konzept: vom Melder bis zur Cloud

Herzstück der Lösung ist der ferninspizierbare Rauchwarnmelder Ei6500-OMS, der alle inspektionsrelevanten Kriterien nach DIN 14676-1 selbsttätig prüft und intern speichert.

Darauf setzt der Rauchwarnmelder-Manager auf:

  • Inspektions-App (Android)
    – unterstützt Vor-Ort-Inspektion und Ferninspektion,
    – liest die im Melder gespeicherten Daten aus (Walk-by oder Gateway),
    – führt Monteure Schritt für Schritt durch die Prüfung.
  • Cloudbasierte Webanwendung
    – zentraler 360-Grad-Überblick über Bestände, Status, Fehler, anstehende Regelwechsel,
    – automatische Erstellung von Inspektions- und Wartungsprotokollen,
    – Export der Daten in gängige Formate bzw. über Schnittstellen in Drittsysteme.

Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus

  • Fehlerarme Montage
    Stammdaten der Liegenschaften werden vorab im System hinterlegt; Monteure scannen bei der Installation die Seriennummern der Melder und ordnen sie per App den jeweiligen Einheiten zu.
  • Zeitsparende Inspektion
    Sowohl Vor-Ort- als auch Ferninspektion werden digital unterstützt; der Melder liefert seine Diagnose, die App überträgt sie automatisiert in die Cloud.
  • Interoperabilität & Dokumentation
    Laut Folien können die Melderdaten über dieselbe Infrastruktur wie Verbrauchszähler ausgelesen und anschließend in den Rauchwarnmelder-Manager überführt werden – u. a. mit Partnern wie metr, KUGU oder Aareon Connect. Das reduziert den Bedarf an separaten Funknetzen und erleichtert die Integration in vorhandene Portale der Wohnungswirtschaft.
  • Rollen- & Rechtekonzept
    Ein Benutzer- und Zugriffsmanagement erlaubt unterschiedliche Rollen – vom Admin über Datenmanager und Monteur-App-Nutzer bis hin zum Kunden mit Leserechten.

So unterscheidet sich Ei Electronics vom Markt

  • OMS-basierte Ferninspektion statt proprietärer Funkprotokolle, offen für unterschiedliche Systempartner.
  • Kombination aus Hardware, App und Cloud aus einer Hand, inklusive Schulungsangeboten zur Ferninspektion.
  • SaaS-Modell mit feingranularer Bepreisung Einstieg über geringe Fixkosten, Skalierung pro Melder.

Warum das wichtig ist

Die Wohnungswirtschaft steht bei Rauchwarnmeldern vor ähnlichen Herausforderungen wie beim Submetering: wachsender Bestand, knappe Fachkräfte, zunehmende Dokumentations- und Haftungsanforderungen. Ferninspektion und digitale Bestandsführung reduzieren Vor-Ort-Termine, schaffen Transparenz und erleichtern Nachweise, gerade in großen Portfolios und bei Betreiberwechseln. Gleichzeitig lassen sich Melderdaten perspektivisch in integrierte Gebäude- und Energiemanagement-Plattformen einbinden, was Investitionssicherheit erhöht.


Einordnung für die Wohnungswirtschaft / Entscheider:innen

Wo passt die Lösung?

  • Große und mittlere Bestände mit mehreren tausend Meldern, bei denen Vor-Ort-Inspektionen wirtschaftlich an Grenzen stoßen.
  • Unternehmen, die bereits wM-Bus/OMS-Infrastruktur für Heiz- und Wasserzähler nutzen und Rauchwarnmelder dort andocken wollen.

Voraussetzungen & Abhängigkeiten

  • Einsatz ferninspizierbarer Melder (z. B. Ei6500-OMS) und geeigneter Gateways für die Datensammlung.
  • Schnittstellen zu Abrechnungssystemen und ggf. bestehenden Plattformen der Mess- und Energiedienstleister, etwa über standardisierte Exporte oder APIs.
  • Klare Rollenverteilung: Wer betreibt die Plattform, wer verantwortet die Inspektion, wer archiviert die Protokolle?

Risiken/Grenzen

  • Funkabdeckung und Gateway-Platzierung müssen sorgfältig geplant werden, insbesondere in tiefen Beständen oder Gebäuden mit schwieriger Bauphysik.
  • Stammdatenqualität bleibt kritisch: Ohne saubere Zuordnung von Meldern zu Wohnungen/Einheiten entfällt ein Teil des Mehrwerts.
  • Organisatorisch müssen neue, digitale Prozesse etabliert werden, inklusive Schulungen der Fachkräfte.

Was jetzt zu tun ist

  • Bestand analysieren: Anzahl Melder, Baujahre, bisheriges Inspektionsverfahren, bestehende Funk-/Gateway-Infrastruktur.
  • Ferninspektions-Potenzial bewerten: Wo lassen sich Ei6500-OMS oder vergleichbare Geräte bei Neu- oder Ersatzbeschaffung einplanen?
  • Prozessketten definieren: Von Montage (Seriennummernscan) über Inspektion bis zum digitalen Wartungsprotokoll.
  • Schnittstellen klären: Welche Abrechnungs- oder Portalsysteme sollen Daten aus dem Rauchwarnmelder-Manager erhalten?
  • Pilotprojekt aufsetzen: Ein repräsentatives Liegenschaftscluster auswählen, KPI festlegen (Zeitaufwand pro Inspektion, Fehlerquote, Reklamationen).
  • Schulung & Change begleiten: Fachkräfte für das Thema Ferninspektion qualifizieren und Bewohnerkommunikation anpassen.

Praxisnutzen / Beispiele

Branchenbeiträge zeigen, dass ferninspizierbare Rauchwarnmelder und zentrale Datensammlung insbesondere in größeren Beständen deutliche Effizienzgewinne bringen: Wohnungen müssen zur jährlichen Inspektion nicht mehr betreten werden, Inspektionsdaten werden automatisch gespeichert und stehen über Jahre für Nachweise zur Verfügung.

Die auf der HEIKOM gezeigte Demo macht deutlich, wie sich diese Vorteile in der Praxis anfühlen: Statt vieler Einzelprotokolle zeigt das Dashboard auf einen Blick, wie viele Melder im Status „OK“, „Warnung“ oder „Fehler“ sind und wo Regelwechsel anstehen.


Fazit

Der Rauchwarnmelder-Manager von Ei Electronics adressiert eine sehr konkrete Lücke in der Digitalisierung des Gebäudebetriebs: die effiziente, normgerechte Inspektion und Verwaltung großer Rauchwarnmelderbestände. Für die Wohnungswirtschaft liegt der Mehrwert dort, wo Ferninspektion, zentrale Datenhaltung und Interoperabilität mit vorhandenen Zähler-Infrastrukturen zusammenspielen.

Nächster Schritt: Interessierte Entscheider sollten ein Pilotprojekt in einem typischen Bestandscluster planen – idealerweise gemeinsam mit dem eigenen Messdienstleister – und prüfen, wie weit sich Inspektionsaufwand, Transparenz und Nachweisfähigkeit damit verbessern lassen.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Regelmäßige Inspektion von Rauchwarnmeldern ist Pflicht, im Bestand aber organisatorisch aufwendig.
  • Ei Electronics kombiniert ferninspizierbare Melder (Ei6500-OMS) mit einer App und einer Cloud-Plattform.
  • Der Rauchwarnmelder-Manager unterstützt Montage, Vor-Ort- und Ferninspektion inklusive digitaler Protokolle.
  • Bestände und Status werden in einem Dashboard übersichtlich nach Geräten, Wohnungen und Kunden dargestellt.
  • Die Lösung ist OMS-basiert und damit in bestehende Submetering-Infrastrukturen integrierbar.
  • SaaS-Modell: Nutzung als Webanwendung mit Inspektions-App, Abrechnung pro Melder.
  • Für Wohnungsunternehmen und Messdienste entsteht ein einheitlicher Prozess von der Erstmontage bis zum Wartungsprotokoll.

Glossar

  • Ferninspektion
    Verfahren nach DIN 14676-1, bei dem Rauchwarnmelder ihre Prüfdaten selbst erfassen und per Funk ausgelesen werden; die Wohnung muss nicht betreten werden.
  • Ei6500-OMS
    Rauchwarnmelder von Ei Electronics, der alle Inspektionskriterien automatisch prüft und auf Basis des OMS-Standards eine vollständige Ferninspektion ermöglicht.
  • Rauchwarnmelder-Manager
    Kombination aus Android-Inspektions-App und cloudbasierter Webanwendung zur digitalen Verwaltung und Inspektion von Rauchwarnmeldern.
  • OMS (Open Metering System)
    Offener Kommunikationsstandard für Zähler- und Sensordaten; ermöglicht herstellerübergreifende Interoperabilität, u. a. für Ferninspektion und Submetering.
  • SaaS (Software as a Service)
    Nutzungsmodell, bei dem die Anwendung als Dienst aus der Cloud bereitgestellt und typischerweise über monatliche Gebühren pro Nutzer oder Gerät abgerechnet wird.
  • Walk-by-Auslesung
    Verfahren, bei dem ein Servicetechniker die Funkdaten von Meldern beim Vorbeigehen per mobiles Funkmodem einsammelt – Alternative zum stationären Gateway.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

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Disposition neu gedacht: Wie cape Messdienste und Außendienst in einen digitalen Fluss bringt

Disposition neu gedacht: cape Messdienste in einem digitalen Fluss
Christopher Hoffmann (craft IT) auf der Heikom 2025. oto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Die Lübecker craft IT GmbH entwickelt mit „cape“ eine ERP- und Tourenplanungsplattform, die Disposition, Außendienst und Wissen der Organisation zusammenführt – mit klarer Ausrichtung auf Messdienste und Gebäudedienstleister. Dabei geht es

  • um die Digitalisierung der Disposition in Unternehmen mit Außendienst,
  • um die Entlastung von Monteuren und Disponenten,
  • und um ein Ökosystem von Modulen, das speziell für Messdienste und verwandte Dienstleister entwickelt wurde, „aus der Branche, für die Branche“, wie Gründer Christopher Hoffmann es beschreibt.

Herausforderungen: Wo heute Zeit und Nerven verloren gehen

1. Disposition als Engpass

Viele Messdienste und technische Serviceeinheiten der Wohnungswirtschaft planen Touren noch mit Tabellen, Karten und separaten Tools. Schon moderate Projektgrößen führen zu einem hohen, manuellen Koordinationsaufwand: Wer fährt wann wohin? Welche Aufträge lassen sich kombinieren? Wie werden Ausfälle oder Umbuchungen eingearbeitet?

2. Medienbrüche über den gesamten Prozess

Angebot in System A, Auftragsliste in Excel, Tourenplan separat, Rückmeldungen per Papierbericht oder E-Mail: Genau dieses Bild beschreibt Hoffmann im Rückblick auf den elterlichen Messdienst, inklusive „unfassbarer Mengen an Papier“ und fehlender Transparenz über den Status.

3. Wissensinseln statt zentralem Überblick

Ob Montagevorgaben, Sonderlösungen einzelner Kunden, Checklisten oder häufige Problemfälle: Viele Informationen stecken in Köpfen und Mails. Neue Mitarbeitende oder externe Partner benötigen lange Einarbeitungszeiten, und Fehler wiederholen sich.

4. Personalmangel und steigende Anforderungen

Parallel zum Fachkräftemangel in der Technik wächst der Druck durch regulatorische Anforderungen (z. B. häufigere Ablesungen, digitale Übermittlung von Verbrauchsinformationen). Mehr Aufträge, komplexere Prozesse, aber nicht zwingend mehr Personal.


Der Ansatz: cape als „Messdienst-Hub“

Kernidee

„cape“ ist ein ERP- und Tourenplanungs­system für Unternehmen mit Außendienst, das den kompletten Ablauf von der Auftragserfassung bis zur Rechnungsstellung unterstützt.

In der Praxis heißt das:

  • Tagespläne mit optimierten Routen werden auf Knopfdruck in Sekunden erstellt.
  • Ein ganzer Monatsplan für einen Monteur lässt sich laut Anbieter in wenigen Minuten generieren.
  • Der Disponent bleibt in der Rolle des „Dirigenten“: Vorgaben wie Servicezeiten, Regionen oder Prioritäten werden im System hinterlegt, der Algorithmus erstellt daraus Vorschläge.

In einem Praxisprojekt berichtet craft IT von bis zu 90 % weniger Dispositionsaufwand und rund 20 % mehr Auftragsbearbeitungen pro Monteur – eine Größenordnung, die in der Präsentation als exemplarisches Ergebnis gezeigt wird.

Die Module des „cape UNIVERSE“

Die Folie „So können Messdienste heute arbeiten: cape UNIVERSE“ zeigt eine zentrale Plattform, um die verschiedene Module angeordnet sind. Ergänzt durch die Website ergeben sich folgende Bausteine:

  • capePORTAL – Kundenportal
    Auftraggeber können Aufträge selbst einstellen, Termine einsehen und Status prüfen. Das verringert Rückfragen und Telefonate.
  • capeBLOCK – automatische Blockplanung
    Plant Auftragsblöcke und komplette Touren für Monteure in einem Schritt – inklusive Streckenoptimierung und Vorgaben.
  • capeTOOL – App für den Außendienst
    Monteure sehen ihre Tagespläne, dokumentieren Arbeiten, erfassen Fotos und geben Aufträge direkt digital zurück ins Büro – ohne Papierlauf.
  • capeDEPOT – Auftrags- und Materialpool
    Bestimmte Aufträge werden gesammelt, gebündelt und können gezielt verplant oder an Teams verteilt werden.
  • capeNOTIFY – Benachrichtigungen
    Terminankündigungen und Informationen an Hausverwaltungen, Hausmeister:innen oder Bewohner:innen werden automatisiert verschickt, inklusive Protokollierung.
  • capeWIKI – digitales Wissensmanagement
    Ein zentrales, durchsuchbares Wissensarchiv, inzwischen ergänzt um einen KI-Assistenten („WIKIBot“), der Fragen zur eigenen Prozesswelt beantwortet.
  • capeAI – KI-Assistenz für Prozesse
    Unterstützt laut Anbieter bei Auswertungen, Auffälligkeiten und Supportfragen in der „cape-Welt“.

Schnittstellen und Partner

Die Schnittstellen-Folie in der Präsentation zeigt logos von QUNDIS, SK-Soft, Sontex, Relay, KUGU, AssetWork, Engelmann, MessPartner und weiteren Partnern rund um Messdienst, Abrechnung und IoT-Plattformen.
Auch auf der craft-IT-Website finden sich Partner wie DEUMESS, SK-Soft, Relay und baeren.io.

Für die Wohnungswirtschaft ist diese Breite relevant: cape soll sich nicht als Insellösung verstehen, sondern als „Hub“, der sich per Schnittstelle in bestehende Abrechnungs-, ERP- oder Portalsysteme einfügt.

KI als nächster Schritt

In einem Beitrag auf Wohnungswirtschaft heute beschreibt Hoffmann cape als Fundament für den „Messdienst-Hub der Zukunft“, in dem Gebäude perspektivisch selbst Wartungsbedarfe melden, Aufträge erzeugt und an die richtigen Techniker verteilt werden – inklusive automatischer Informationen an Mieter:innen und Verwalter:innen.

KI-Module sollen dabei nicht Menschen ersetzen, sondern Zeit freispielen – etwa durch automatische Disposition oder intelligente Auswertungen – damit sich Teams stärker auf Kundenservice, Qualität und Prozessverbesserung konzentrieren können.


Warum das für die Wohnungswirtschaft wichtig ist

  • Mehr Projekte, gleiche Teams: Roll-outs von Funktechnik, Rauchwarnmeldern oder Submetering erfordern kurzfristig hohe Montagekapazitäten. Ohne digitale Disposition geraten Teams hier schnell an Grenzen.
  • Höhere Serviceerwartungen: Mieter:innen und Verwaltungen erwarten transparente Termine und verlässliche Kommunikation – auch das muss systemseitig abgebildet werden.
  • Daten als Grundlage für Steuerung: Nur wenn Aufträge, Zeiten, Wege und Rückmeldungen strukturiert vorliegen, lassen sich Effizienz, Erstbegehungsquote oder Qualität systematisch steuern.

Gerade größere Wohnungsunternehmen, die selbst abrechnen oder eigene Servicegesellschaften betreiben, stehen vor der Frage, wie sie Disposition und Außendienst langfristig skalierbar organisieren können. Lösungen wie cape adressieren genau diesen Punkt – mit klarem Branchenfokus.


Einordnung für Entscheider:innen

Typische Einsatzfelder

  • Messdienste und Servicegesellschaften mit eigenem Monteurteam (Zähler, Rauchwarnmelder, technische Dienstleistungen).
  • Wohnungsunternehmen mit eigenem technischen Außendienst (z. B. kleinere Reparaturen, Prüfungen, Wartungen).
  • Stadtwerke und Energieversorger mit Hausbesuchen (Ablesung, Austausch, Smart-Meter-Roll-out).

Stärken des Ansatzes

  • Speziell aus einem Messdienst heraus entwickelt, daher praxisnahe Abbildung typischer Abläufe.
  • Ein System statt vieler Einzellösungen – inklusive Wissensmanagement und KI-Bausteinen.
  • Offenheit für Partner und Schnittstellen reduziert das Risiko einer proprietären Sackgasse.

Offene Punkte und Grenzen

  • Die tatsächlichen Effekte (-90 % Aufwand, +20 % Aufträge) hängen stark von Ausgangssituation und Prozessdisziplin ab, sie sollten im Rahmen eines Pilotprojekts kritisch überprüft werden.
  • Systemeinführung bedeutet immer organisatorischen Wandel: Rollen in Disposition und Außendienst verändern sich, Schulungs- und Change-Bedarf ist entsprechend einzuplanen.

Was jetzt zu tun ist

  1. Ist-Analyse der Disposition
    • Wie werden Touren heute geplant?
    • Wo entstehen Doppelarbeiten, Medienbrüche, Rückfragen?
  2. Prozesslandkarte zeichnen
    • Vom Auftragseingang über Planung, Durchführung und Dokumentation bis zur Abrechnung: Welche Systeme sind beteiligt?
  3. Zielbild definieren
    • Welche Schritte sollen automatisiert werden (Tourenplanung, Benachrichtigungen, Wissensmanagement, KI-Assistenz)?
    • Welche KPIs sind relevant (Planungszeit, Fahrkilometer, Erstbegehungsquote, Produktivität pro Monteur)?
  4. Pilotprojekt aufsetzen
    • Ein repräsentatives Gebiet oder einen ausgewählten Messdienst-/Servicebereich wählen.
    • cape in einer Teilorganisation einführen, Kennzahlen vorher/nachher vergleichen.
  5. Integration & Skalierung planen
    • Schnittstellen zu Abrechnung, ERP und ggf. Portalen klären.
    • Entscheidung vorbereiten, ob und wie die Lösung flächendeckend ausgerollt wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ausgangspunkt ist ein Messdienst aus Lübeck: Aus der geplanten Unternehmensnachfolge entstand 2019 die Idee, Disposition und Außendienst radikal zu vereinfachen und zu automatisieren.
  • Ergebnis ist „cape“ – ein ERP- und Planungssystem für Unternehmen mit Außendienst, das laut Anbieter über 90 % weniger Planungsaufwand und bis zu 20 % mehr Auftragsbearbeitungen pro Monteur ermöglichen soll.
  • Tagespläne mit Streckenoptimierung lassen sich in Sekunden erstellen, Monatspläne für ganze Teams in wenigen Minuten; der Prozess reicht von der Auftragserfassung bis zur Rechnungsstellung.
  • Unter dem Dach „cape UNIVERSE“ bündelt craft IT Module für Wissensmanagement, automatische Blockplanung, mobile Monteur-App, Auftragspool, Benachrichtigungen, Kundenportal und KI-Assistenz.
  • Schnittstellen zu Branchensystemen und Partnern (z. B. Abrechnung, Zählerhersteller, Messdienst-Software) sollen Medienbrüche reduzieren und bestehende IT-Landschaften einbinden.
  • Zielgruppe sind Messdienste, Servicegesellschaften der Wohnungswirtschaft und selbst abrechnende Wohnungsunternehmen mit eigenem technischen Außendienst.

Glossar

  • cape
    ERP- und Tourenplanungsplattform von craft IT für Unternehmen mit Außendienst; entstanden aus den Anforderungen eines Messdienstes und heute mit Modulen für Planung, Außendienst, Wissensmanagement, Kundenportal, Benachrichtigungen und KI.
  • cape UNIVERSE
    Bezeichnung für das modulare Ökosystem rund um cape (u. a. capePORTAL, capeBLOCK, capeTOOL, capeDEPOT, capeNOTIFY, capeWIKI, capeAI), wie in der Präsentation für Messdienste dargestellt.
  • Disposition
    Planung und Steuerung des Außendienstes: Zuordnung von Aufträgen zu Monteuren, Routenplanung, Terminabstimmung und laufende Anpassungen.
  • Medienbruch
    Unterbrechung eines digitalen Prozesses durch Wechsel des Mediums (z. B. von Software zu Papier und zurück), verbunden mit Mehrarbeit und Fehlerrisiko.
  • KI-gestützte Disposition
    Einsatz von Algorithmen und KI-Werkzeugen, um Touren, Prioritäten und Ressourceneinsatz automatisiert zu planen und Vorschläge für den Menschen zu erzeugen – der „Dirigent“ behält dabei die Kontrolle.

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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025

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Digitalisierung trifft Fachkräftemangel – Wie AssetEnergy den Montageprozess im Messdienst digitalisiert

Digitalisierung & Fachkräftemangel - AssetEnergy Montageprozess
Lars Klocke von Assetwork auf der Heikom 2025. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Auf der HEIKOM, der Fachmesse für digitales Energie- und Gebäudemanagement, dreht sich vieles um die Frage, wie sich Energiewende, Fachkräftemangel und Digitalisierung in der Praxis zusammenbringen lassen. AssetEnergy GmbH präsentierte ihre Plattform AssetWork mit dem programmatischen Titel „Monteure per Mausklick“.

Die Kernidee: Messdienste und vergleichbare Auftraggeber vergeben Montageaufträge nicht mehr per Telefon, Excel und E-Mail, sondern über eine zentrale Plattform an ein deutschlandweites Montagenetzwerk, inklusive digitalem Auftrags- und Lagermanagement.


Herausforderungen

Aus Vortrag und Präsentation werden zwei Problemfelder deutlich: Fachkräftemangel und manuelle Arbeit.

  1. Fachkräftemangel in der Fläche
  • „Monteur Mayer geht in den Ruhestand, aber ich finde keinen Nachfolger.“
  • „Ich möchte expandieren, aber mit eigenen Monteuren lohnt sich die Fahrt nicht.“
  • „Monteur Müller hat sich verletzt – wer übernimmt die Aufträge?“

Eigene Teams stoßen schnell an Kapazitätsgrenzen, während externe Dienstleister oft ad hoc, ohne standardisierte Prozesse eingebunden werden.

  1. Manuelle, fehleranfällige Prozesse
  • Zählernummern werden von Montageblättern abgetippt.
  • Excel-Listen mit gelieferten Geräten werden per Mail an Monteure geschickt.
  • Rückfragen zu Anwesenheit, Terminstatus oder Nicht-Montagegründen laufen telefonisch.

Das kostet Zeit, erhöht die Fehlerquote und erschwert eine skalierbare Qualitätssicherung.

  1. Neue Probleme bei externen Dienstleistern

Wer von eigenen Monteuren auf externe Dienstleister umstellt, steht vor weiteren Fragen:

  • „Finde ich überhaupt jemanden für das Gebiet?“
  • Mühsame, manuelle Beauftragung einzelner Firmen.
  • Kaum Kontrolle über Qualität, Nacharbeiten und Reklamationen.
  • Unklare Zuständigkeiten bei Waren- und Gerätemanagement.
  • Geringe Systemintegration – Daten verteilen sich auf E-Mails, Excel, interne Software.

Ergebnis: Nacharbeiten, Terminchaos, unklare Verantwortung – und ein wachsender Gap zwischen digitalisierten Abrechnungssystemen und analogen Montageprozessen.


Der Ansatz: AssetWork als digitales Rückgrat für Montage und Lager

AssetWork versteht sich als Softwareplattform zur Beauftragung selbstständiger Zählermonteure – ergänzt um Funktionen für Lager, Warenwirtschaft und Qualitätssicherung.

1. Auftragsmanagement & Disposition

Über AssetWork können Messdienste und andere Auftraggeber:

  • Montageaufträge anlegen – inklusive Liegenschaft, Geräte, Zeitfenster.
  • Eigene Monteure oder externe Dienstleister beauftragen – mit Favoritenlisten und Blacklists.
  • Automatische Terminplanung und -ankündigung nutzen – inklusive Benachrichtigungen an Mieter:innen.
  • Nicht-Montagegründe und Statusmeldungen (erledigt, verschoben, abgebrochen) strukturiert erfassen.

Die Plattform macht sichtbar, wie viele Unternehmen in einer Region verfügbar sind, und ermöglicht so eine gezielte Vergabe an geeignete Partner.

2. Lager- und Warenmanagement

AssetWork verknüpft Montageprozesse mit der Logistik:

  • Geräte bestellen, Wareneingang und Warenausgang verbuchen.
  • Geräte-Massenscan und Heizkörperaufnahme digital abbilden.
  • Automatische Lagerhaltung und Geräte-Nachbestellung einrichten.
  • Lagerprüfungen per Gateway und Lagerbestellungen zentral steuern.

Damit wird aus der klassischen „Zettelwirtschaft“ ein durchgängiger digitaler Materialfluss – von der Bestellung bis zur eingebauten Komponente.

3. Qualitätssicherung & Abrechnung

Für die Qualität und Nachvollziehbarkeit der Montageprozesse bietet AssetWork:

  • Qualitätsprotokolle und Fotobeweis-Upload.
  • Monteur-Bewertungen und -Blacklists.
  • Montageprotokolle inklusive Gatewaytests.
  • Rechnungskontrolle und Berichtsgenerierung.

Zusätzlich sind ein Monteur-Chat und Benachrichtigungen integriert, um Rückfragen schnell zu klären und Medienbrüche zu vermeiden.

4. Schnittstellen & Integration

Ein zentrales Element ist die Anbindung an bestehende Systeme:

  • ERP/CRM-Schnittstelle zur Übergabe von Stamm- und Auftragsdaten.
  • Reportingfunktionen, die Kennzahlen für Auslastung, Durchlaufzeiten und Qualität bereitstellen.

Damit wird AssetWork zum Bindeglied zwischen Backoffice, Lager, Monteuren und Abrechnungssystemen – nicht zu einem weiteren Inselsystem.


Warum das wichtig ist

Die Branche steht unter doppeltem Druck: Einerseits müssen Roll-outs für fernablesbare Messtechnik und neue Services (z. B. Mieterstrom, E-Mobilität) bewältigt werden, andererseits fehlen Fachkräfte im Feld. Gleichzeitig erwarten Kunden kurze Reaktionszeiten, transparente Prozesse und rechtssichere Dokumentation.

Plattformen wie AssetWork adressieren genau diese Kombination: Sie entlasten Disposition und Verwaltung von manueller Routinearbeit, schaffen Transparenz über Aufträge, Material und Qualität – und ermöglichen es, externe Kapazitäten kontrolliert einzubinden. Das reduziert Gesamtaufwand und Fehlerkosten und macht den Messdienst skalierbarer.


Einordnung für die Wohnungswirtschaft

Wo passt das?

  • Messdienste und Servicegesellschaften, die bundesweit oder regional Montageleistungen organisieren.
  • Größere Wohnungsunternehmen mit eigenen Technik-Teams oder ausgelagerten Servicegesellschaften.
  • Unternehmen, die verstärkt mit freien Monteuren oder kleinen Partnerbetrieben arbeiten wollen, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Welche Abhängigkeiten gibt es?

  • Saubere Stammdaten (Liegenschaften, Geräte, Preise) sind Voraussetzung für stabile Prozesse.
  • Dienstleister und Monteure müssen bereit sein, ihre Arbeitsschritte über die Plattform zu dokumentieren.
  • Schnittstellen zu ERP-, CRM- und Abrechnungssystemen sollten definiert und implementiert werden.

Risiken und Grenzen

  • Plattformmodelle brauchen eine kritische Masse an Monteuren und Dienstleistern pro Region.
  • Die Umstellung von gewachsenen Abläufen („Excel & Telefon“) auf standardisierte Workflows erfordert Change-Management.
  • Datenschutz (Mieterdaten, Fotos, Protokolle) und Auftragsverarbeitung müssen vertraglich klar geregelt werden.

Was jetzt zu tun ist

  • Prozesse aufnehmen: Montage-, Lager- und Kommunikationswege dokumentieren und Medienbrüche identifizieren.
  • Volumen & Struktur analysieren: Wie viele Aufträge? Wie verteilen sie sich regional? Anteil interne vs. externe Monteure?
  • Schnittstellen definieren: Welche Daten müssen mit ERP, CRM und Abrechnungssystemen ausgetauscht werden?
  • Pilotgebiet auswählen: 1–2 Regionen mit ausreichendem Auftragsvolumen und einem überschaubaren Kreis von Monteuren.
  • KPIs festlegen: z. B. Durchlaufzeit vom Auftrag bis zur Abrechnung, Erstlösungsquote, Nacharbeiten, Materialdifferenzen.
  • Recht & Datenschutz klären: AV-Verträge mit AssetEnergy, Regelungen für externe Monteure, Umgang mit Fotodokumentation.

Praxisnutzen: Vom Montageblatt zum standardisierten Prozess

Im Vortrag wurde deutlich, wie stark sich der Alltag verändern kann: Statt handschriftlicher Montageblätter, Excel-Listen und Telefonketten bilden Disponenten den gesamten Prozess – vom Auftrag über Terminierung und Materialbereitstellung bis zur Abrechnung – auf einer Oberfläche ab. Statusmeldungen und Fotobelege kommen direkt aus dem Feld, Lagerbestände werden automatisch abgeglichen, Nachbestellungen angestoßen.

Die Aussage „Monteure per Mausklick“ trifft damit den Kern: Nicht, weil Montage plötzlich ohne Menschen funktioniert, sondern weil die Koordination der knappen Ressource „Monteur“ deutlich effizienter und transparenter wird.


Fazit

AssetWork adressiert eine Lücke, die viele Messdienste aus dem Alltag kennen: Zwischen digitalem Abrechnungssystem und analoger Montagepraxis klafft ein Prozessloch. Mit der Kombination aus Auftragsvergabe, Lagerlogistik, Qualitätssicherung und Schnittstellenangebot bringt die Plattform Struktur in ein bislang stark manuell geprägtes Geschäft.

Für Entscheider:innen in Messdiensten und wohnungswirtschaftlichen Servicegesellschaften lohnt sich ein Blick dorthin, wo der Engpass am größten ist: in die Disposition und in den Heizungskeller. Ein Pilot in ausgewählten Beständen kann zeigen, ob „Monteure per Mausklick“ vom Messeversprechen zum skalierbaren Baustein der eigenen Rollout- und Service-Strategie wird.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Messdienste kämpfen mit Fachkräftemangel und aufwändigen, manuellen Montageprozessen.
  • AssetWork ist eine Plattform zur Beauftragung selbstständiger Zählermonteure und Dienstleister.
  • Aufträge, Touren, Waren- und Geräteströme werden durchgängig digital abgebildet.
  • Standardisierte Workflows und Statusmeldungen erhöhen Transparenz und Qualität in der Montage.
  • Schnittstellen zu ERP/CRM-Systemen vermeiden Doppelerfassung und Medienbrüche.
  • Nächster Schritt: Montage- und Lagerprozesse analysieren, Pilot in ausgewählten Regionen mit Monteur-Netzwerk starten.

Glossar

  • Messdienst
    Dienstleister, der Verbrauchsdaten (z. B. Wärme, Wasser) erfasst, abrechnet und oft auch die Messtechnik montiert.
  • Submetering
    Verbrauchserfassung innerhalb eines Gebäudes auf Wohnungs- oder Nutzeinheitsebene; Grundlage für Heiz- und Betriebskostenabrechnung.
  • Disposition
    Planung und Steuerung von Monteurkapazitäten, Terminen und Routen – inklusive Materialzuordnung.
  • ERP/CRM-Schnittstelle
    Technische Anbindung, über die AssetWork Stamm- und Bewegungsdaten mit ERP- bzw. Kundensystemen austauscht.
  • Monteur-Netzwerk
    Pool aus eigenen und externen Monteuren bzw. Partnerfirmen, die Montageaufträge im Auftrag eines Messdienstes ausführen.
  • Qualitätsprotokoll
    Standardisierte Dokumentation von Arbeitsschritten und Ergebnissen (inklusive Fotos), die als Nachweis und Grundlage für Reklamationsmanagement dient.
  • Gatewaytest
    Funktionstest eines Kommunikations-Gateways vor Ort, um sicherzustellen, dass Zählerdaten korrekt übertragen werden.
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OMS 5.0: Lizenz, LPWAN und Logo – der nächste Schritt zur Interoperabilität

OMS 5.0: Lizenz, LPWAN und Logo – Schritt zur Interoperabilität
Wolfgang Esch, Head of Sales bei Weptech und Vorstandsmitglied der OMS-Group auf der Heikom 2025. oto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert

Auf der HEIKOM 2025 erläutert uns Wolfgang Esch (WEPTECH, Vorstand OMS-Group), wohin die Reise im offenen Zählerfunk geht: weg von Insellösungen, hin zu einem durchgängig standardisierten Stack vom Endgerät bis zum Gateway. Kern sind die neue Spezifikation OMS 5.0 mit eigenem LPWAN-Profil und ein Lizenzmodell, mit dem zertifizierte Geräte künftig ein OMS-Logo tragen dürfen.

Für Messdienste, Versorger und Wohnungsunternehmen ist das mehr als Technikdetail – es geht um Klarheit bei Einkauf, Funkplanung und Betrieb.


Herausforderungen

  • Keine sichtbare Interoperabilität: Bislang durfte kein Gerät mit einem OMS-Logo gekennzeichnet werden, ob ein Zähler wirklich interoperabel ist, musste man im Datenblatt nachlesen oder testen.
  • Reichweitenlimits von wM-Bus: Klassische OMS-Funkprofile auf Wireless M-Bus stoßen bei Kellerlagen und großen Liegenschaften an Grenzen; zusätzliche Repeater erhöhen Aufwand und Komplexität.
  • Viele Funkwege, wenig Durchblick: wM-Bus, LoRaWAN, mioty, proprietäre LPWAN-Varianten – ohne gemeinsamen Anwendungsstandard drohen parallele Datenwelten.
  • Schlüsselmanagement als Sicherheitsrisiko: Jeder Zähler hat einen individuellen Schlüssel; ohne standardisierten Key-Exchange wird die sichere Übergabe zwischen Hersteller, Messdienst und Backend schnell zum manuellen Prozess mit Fehlerpotenzial.
  • Hoher Integrationsaufwand in SMGW-Umgebungen: Das BSI-Smart-Meter-Gateway ist gesetzt, die saubere Einbindung von Submeter-Daten (Strom, Gas, Wasser, Wärme) über die LMN-Schnittstelle braucht einheitliche Protokolle.

Der Ansatz

Strukturierte Standardisierung statt „jeder macht seins“
Die OMS-Group bündelt heute 82 Mitglieder aus Industrie und Messwesen (Stand 01.10.2025). In Arbeitsgruppen werden Profile, Testwerkzeuge und Schnittstellen definiert:

  • AG 1 spezifiziert die OMS-Telegramme – hier sitzen insbesondere Zählerhersteller, die das Verhalten der Geräte im Feld prägen.
  • AG 3 entwickelt das Konformitätstest-Tool, mit dem Produkte vor der Zertifizierung gegen die Spezifikation geprüft werden.
  • AG 4 kümmert sich um den verkabelten M-Bus, AG 5 um Marketing, AG 6 um die Anbindung an externe Standards (CEN/TC 294, DIN, LoRa Alliance, mioty alliance, DLMS UA).
  • Taskforces adressieren Spezialthemen wie Key-Exchange, also die sichere Übergabe der Zählerschlüssel.

OMS im Smart Metering verankern
OMS ist längst im regulierten Smart-Meter-Umfeld angekommen: Über die LMN-Schnittstelle des BSI-Smart-Meter-Gateways können Strom- und Gaszähler, perspektivisch auch Wasser und Wärme, drahtlos angebunden werden. Submeter-Gateways sprechen wM-Bus/OMS, sammeln die Daten und führen sie zur Abrechnung oder in Dashboards.

OMS 5.0: eigenes LPWAN-Profil
Mit OMS 5.0 geht die Gruppe den nächsten Schritt: Ein eigenes OMS-LPWAN-Profil erweitert die Spezifikation über klassischen wM-Bus hinaus. Laut Präsentation umfasst OMS 5.0:

  • einen Burst Mode mit mehreren Betriebsarten für unterschiedliche Reichweiten und Datenraten
  • einen Splitting Mode, der die Daten in Pakete aufteilt – konzeptionell vergleichbar mit mioty, aber vollständig im OMS-Rahmen definiert
  • die Möglichkeit, OMS sowohl „over LoRaWAN“ als auch „over mioty“ zu fahren oder nativ als OMS-LPWAN

Ergebnis: Für das Backend sieht alles gleich aus. Ob die Daten per wM-Bus, LoRaWAN, mioty oder OMS-LPWAN kommen, das OMS-Anwendungsprofil bleibt identisch und kann mit einem Parser dekodiert werden.

Lizenz & Logo: sichtbares Qualitätszeichen
Parallel treibt die OMS-Group das Thema Lizenzierung:

  • Zertifizierte Produkte können künftig einen Lizenzvertrag abschließen und das OMS-Logo auf dem Gerät führen.
  • Laut Präsentation ist dies eine schlanke Vereinbarung; die Veröffentlichung des Modells ist für Anfang 2026 angekündigt.

Damit wird Interoperabilität erstmals sichtbar: Ein Logo zeigt, dass das Gerät die Tests bestanden hat und dem OMS-Profil entspricht.

Vom Sensor bis zum Rauchwarnmelder
Die Spezifikation ist nicht auf klassische Verbrauchszähler beschränkt. Esch verweist auf eigene Profile für Sensoren – etwa Rauchwarnmelder mit OMS-Telegramm. Damit lassen sich zusätzliche Felder wie Sicherheit und Monitoring über dieselbe Infrastruktur erschließen.


Warum das wichtig ist

Die Branche steht unter Druck: Fernablesbare Submeter-Technik ist bis 2026/27 Pflicht, gleichzeitig fehlen Fachkräfte, und Smart-Meter-Gateways werden zum zentralen Knoten für Strom, Wärme und Wasser. Lösungen, die Funkwege bündeln, Interoperabilität sichern und Schlüsselmanagement standardisieren, senken Integrationsrisiken, insbesondere, wenn sie bereits im regulierten SMGW-Umfeld verankert sind. OMS 5.0 zielt genau darauf: Ein gemeinsamer Stack für mobile Auslesung, feste Netze und SMGW-Anbindung, ergänzt um ein Lizenzmodell, das geprüfte Produkte klar kennzeichnet.


Einordnung für die Wohnungswirtschaft

Wo passt das?

  • In Beständen, in denen mehrere Sparten (Heizung, Wasser, ggf. Strom) über eine gemeinsame Funkinfrastruktur erfasst werden sollen.
  • In Projekten, die bereits ein BSI-Smart-Meter-Gateway als zentrale Drehscheibe nutzen oder planen.
  • In größeren Liegenschaften, in denen wM-Bus-Reichweite nicht mehr ausreicht und LPWAN-Optionen (LoRaWAN, mioty, OMS-LPWAN) gefragt sind.

Welche Abhängigkeiten?

  • Geräte müssen das passende OMS-Profil unterstützen, idealerweise bereits in Richtung OMS 5.0.
  • Messdienst- und Backend-Systeme brauchen Parser für die entsprechenden OMS-Telegramme und Schnittstellen für Key-Exchange und Zertifikatsverwaltung.
  • Funkplanung bleibt Pflicht: OMS löst nicht jedes Kellerproblem, aber es schafft Klarheit, welche Technologien zusammenspielen dürfen.

Grenzen & Risiken

  • Nicht jeder Hersteller wird zeitgleich auf OMS 5.0 umstellen; Übergangsphasen mit gemischten Profilen sind realistisch.
  • LPWAN-Betrieb unterliegt regulatorischen Rahmenbedingungen (Duty-Cycle, Frequenznutzung), die in der Planung berücksichtigt werden müssen.
  • Die praktische Wirkung des OMS-Logos hängt davon ab, wie konsequent Beschaffung und Messdienste es als Kriterium nutzen.

Was jetzt zu tun ist

  • Zähltechnik-Roadmap prüfen: Wo sind bereits heute OMS-fähige Geräte im Einsatz?
  • Ausschreibungen anpassen: OMS-Zertifizierung und perspektivisch OMS-Logo als Muss-Kriterium definieren.
  • Mit Messdienst und IT klären, welche OMS-Profile (C1/T1, LPWAN) heute und künftig unterstützt werden.
  • Key-Exchange-Prozesse mit Geräteherstellern standardisieren – möglichst entlang der OMS-Spezifikation.
  • Bei neuen Funkprojekten (LoRaWAN/mioty) sicherstellen, dass die Lösung „OMS spricht“ und nicht in proprietären Protokollen endet.

Praxisnutzen

In der Präsentation zeigt Esch den OMS-Stack im Smart-Metering-Alltag: BSI-Smart-Meter-Gateway als zentrales Element, Submeter-Gateways für Wärme und Wasser, mobile Walk-by-Auslesung und LPWAN-Techniken wie mioty und LoRaWAN,alle berichten in OMS-Telegrammen. Für die Praxis heißt das:

  • Ein Versorger kann mit einem OMS-basierten Setup mobil, festnetzgestützt und über das SMGW auslesen, ohne verschiedene Datenformate pflegen zu müssen.
  • Wohnungsunternehmen können Sensoren (z. B. Rauchwarnmelder) an dieselbe Infrastruktur anbinden und im Backend über einheitliche Schnittstellen auswerten.
  • Das geplante OMS-Logo hilft in der Beschaffung, Geräte unterschiedlicher Hersteller gezielt so auszuwählen, dass sie im Multi-Vendor-Umfeld zusammenspielen.

Fazit

OMS 5.0 und das neue Lizenzmodell sind kein radikaler Bruch, sondern die logische Weiterentwicklung eines offenen Standards: mehr Reichweite durch LPWAN, mehr Transparenz durch Logo und Lizenz, mehr Sicherheit durch standardisierten Key-Exchange. Für Messdienste und Wohnungsunternehmen ist jetzt der Zeitpunkt, OMS-Fähigkeit und OMS 5.0-Readiness in der Zähltechnik-Strategie fest zu verankern, vom nächsten Gateway bis zur langfristigen Funkarchitektur.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Offene OMS-Spezifikation verbindet Zähler und Sensoren medienneutral über verschiedene Funktechnologien.
  • OMS 5.0 bringt eigenes LPWAN-Profil mit Burst- und Splitting-Mode.
  • Energieversorger gewinnen Reichweite, Interoperabilität und Investitionssicherheit bei Funk-Auslesung.
  • Neues Lizenzmodell erlaubt zertifizierten Produkten, das OMS-Logo sichtbar zu tragen.
  • Arbeitsgruppen und Taskforces definieren Profile, Test-Tool und sicheren Schlüsseltransfer.
  • Wohnungsunternehmen sollten OMS 5.0 bei Neuanschaffungen und Funkkonzepten konsequent mitdenken.

Glossar

wM-Bus / OMS
wM-Bus ist der etablierte Funkstandard für Submetering. OMS definiert darauf aufbauende Profile, die Geräte unterschiedlicher Hersteller interoperabel machen.

OMS 5.0 / OMS-LPWAN
Version 5.0 der OMS-Spezifikation ergänzt wM-Bus um ein eigenes LPWAN-Profil mit Burst- und Splitting-Mode für größere Reichweiten und robustere Übertragung.

LoRaWAN
Weitreichendes Low-Power-Funknetz, das kleine Datenpakete über mehrere Kilometer übertragen kann. In Kombination mit OMS können Zählerdaten standardisiert transportiert und dekodiert werden.

mioty
LPWAN-Technologie mit besonderem Fokus auf robuste Übertragung durch Paket-Splitting. In OMS-Szenarien läuft OMS als Anwendungsschicht über dem mioty-Netz.

M-Bus (verkabelt)
Klassischer drahtgebundener Bus für Zählerkommunikation im Gebäude; eignet sich als „Backbone“, an den OMS-fähige Gateways und Zähler angebunden werden können.

Edge-Gateway
Gerät vor Ort, das Zählerdaten einsammelt, in OMS-Telegramme übersetzt und zur Abrechnung oder in die Cloud weiterleitet – oft mit lokalen Funktionen wie Pufferung oder Protokoll-Konvertierung.

Key-Exchange
Standardisierter Austausch der Zählerschlüssel zwischen Hersteller, Messdienst und Backend. Ziel ist, Funktelegramme Ende-zu-Ende verschlüsselt, aber trotzdem auswertbar zu halten.

LMN-Schnittstelle / BSI-Smart-Meter-Gateway
Die LMN-Schnittstelle des Smart-Meter-Gateways bindet externe Zähler (Strom, Gas, Wasser, Wärme) an. OMS definiert, wie diese Geräte über wM-Bus oder LPWAN angebunden und ausgelesen werden.

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Saure Überraschung

Saure Überraschung: Wasserschaden an der Stuckdecke
Zentrales Stuckmedaillon des Kircheninnenraums. Räumlich befindet sich darüber das Gas-Brennwertgerät. Foto: https://www.ifs-ev.org/

Ein auffallend unschöner Anblick: In einer Kirche wurde am Ende der Heizperiode ein Wasserschaden an der Stuckdecke am zentralen Stuckmedaillon festgestellt.

Oberhalb des majestätischen Stuckmedaillons im Dachgeschoss befand sich ein Gas-Brennwertgerät. Bei der weiteren Nachschau wurde eine Leckage an einer Kupferleitung gefunden und diese ausgetauscht. Das IFS wurde derweil zur Ermittlung der Schadenursache beauftragt.

Der Rohrleitungsabschnitt aus Kupfer befand sich noch vor Ort und wurde für weitere Untersuchungen im Labor mitgenommen: An einem 90°-Bogen gab es einen massiven Rohrdurchbruch. Die Wandstärke war in diesem Bereich stark verringert.

Der noch vor Ort befindliche ausgebaute Rohrleitungsabschnitt: Ursprünglich waren an diesen an einer Seite die Entlastungsleitung des Sicherheitsventils und an der anderen Seite die Ableitung des Brennwertkondensats angeschlossen. Foto: https://www.ifs-ev.org/

Der schadenursächliche Kupferrohrleitungsabschnitt war ursprünglich an die Ableitung des Brennwertkondensats angeschlossen. Im Inneren des Rohres konnte der Gutachter deutlich erkennen, an welchen Stellen das Rohr größtenteils Wasserkontakt hatte. In diesem Bereich hatte sich eine Rinne in das Rohr „eingeätzt“.

Kondensatleitungen müssen gemäß DIN 1986-4 in Werkstoffen ausgeführt sein, die für pH-Werte unter 6,5 beständig sind und gemäß DWA-Arbeitsblatt A 251 aus korrosionsfesten Werkstoffen erstellt werden.

Bei Kupfer handelt es sich nicht um einen säurebeständigen Werkstoff. Das Kupferrohr war nicht auf Dauer gegen die sauren Kondensate des Gas-Brennwertgeräts beständig.

Auf der linken Seite des Bildes ist die durch das saure Kondensat „eingeätzte Rinne“ im Rohrinneren ersichtlich. Rechts ist der durchlöcherte 90°-Rohrbogen, in den das Brennwertkondensat stetig hineintropfte. Foto: https://www.ifs-ev.org/

Gemäß dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“, war das sehr saure und somit korrosive Kondensat beharrlich und löste das Kupferrohr schrittweise auf, bis es zum bestimmungswidrigen Wasseraustritt kam. (TDE)

Ein Gastbeitrag des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, IFS e.V. Weitere Informationen unter www.ifs-ev.org/

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Wassermanagement neu denken – zwischen Prävention, Technik und Verantwortung

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Leitungswasser ist für uns eine Selbstverständlichkeit – verfügbar, hygienisch, preiswert. Doch hinter dem Komfort verbirgt sich ein komplexes technisches und organisatorisches Gefüge, das zunehmend unter Druck gerät: z.B. durch Alterung der Leitungen oder durch falsche Nutzung – und durch eine manchmal unterschätzte technische Nachlässigkeit.

Die zentrale Frage, die sich immer wieder stellt, lautet: Warum kommt es zu Wasserschäden? Die Ursachen reichen von fehlerhafter Planung über unsachgemäßen Einbau bis hin zur Materialermüdung. Der Blick ins Detail, etwa bei einem geplatzten Flexschlauch in einer Küche, zeigt, wie empfindlich das System reagieren kann – insbesondere dann, wenn Zusammenhänge vernachlässigt werden. Chlorhaltige Reinigungsmittel im Unterschrank reichen mitunter aus, um ein Edelstahlgeflecht des Flexschlauches zu korrodieren und das System zum Versagen zu bringen. Solche Schadensbilder machen deutlich: Prävention ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Sorgfalt – und der Aufklärung. Die IfS-Schadenanalyse lesen sie hier.

Doch es geht nicht nur um den Schlauch unter der Spüle. Es geht um ein strukturelles Problem, das die Wohnungswirtschaft vor neue Herausforderungen stellt – und ihr zugleich neue Chancen eröffnet. Digitale Überwachungssysteme, wie sie in Pilotprojekten getestet werden, bieten erstmals die Möglichkeit, Leckagen frühzeitig zu erkennen – bevor es zu teuren Folgeschäden kommt. Gerade in Mehrfamilienhäusern, wo sich ein kleiner Riss in der Leitung schnell zu einem großflächigen Problem entwickeln kann, ist das ein gewaltiger Fortschritt.

Doch Technik allein ist keine Garantie für Sicherheit. Smarte Sensoren, digitale Wasserzähler oder automatisierte Wartungsroutinen entfalten ihr Potenzial nur dann, wenn sie in eine ganzheitliche Strategie eingebettet sind – eine, die Prozesse, Menschen und Zuständigkeiten mitdenkt. Die Erfahrungen aus der Wohnungswirtschaft zeigen: Es braucht Erprobungsräume, klare Verantwortlichkeiten und – nicht zuletzt – das Vertrauen der Mieterinnen und Mieter. Der Beitrag von Dr. Georg Scholzen zeigt deutlich, wo wir stehen und welche Chancen sich zukünftig bieten.

Wie umfassend und zukunftsgerichtet der Umgang mit Wasser gedacht werden kann, zeigt das Reallabor der GEWOBA in Bremen. Hier wird nicht nur getröpfelt, sondern im Quartier experimentiert: mit Regenwasserzisternen, wettergesteuerter Bewässerung und datenbasierter Verbrauchsvisualisierung. Das Ziel: Wasser als Ressource effizient, resilient und klimagerecht zu managen – innen wie außen. Was hier entsteht, ist mehr als ein technisches System. Es ist ein neuer Blick auf Verantwortung – für Gebäude, für Quartiere, für die Umwelt. Den Bericht über den Start des Projektes finden sie hier.

Die Botschaft ist klar: Wasser ist kein Selbstläufer. Die Wohnungswirtschaft steht in der Verantwortung  –  aber auch in der Position – vorausschauend, intelligent und nachhaltig zu handeln. Dabei geht es nicht nur um Schäden, sondern um Chancen. Und um die Erkenntnis, dass wir Wasser – als Element und als System – neu denken müssen.

Dies und mehr erwartet Sie in dieser Ausgabe von FORUM LEITUNSGWASSER.

Ich wünsche Ihnen eine hilfreiche Lektüre!

Ihr Hartmut Rösler


Abschließend noch ein Hinweis in eigener Sache: Am 10. September 2026 lädt das VdS zur Fachveranstaltung „Verhütung von Leitungswasserschäden“ nach Köln ein – mit klarem Fokus auf die Wohnungswirtschaft. Die AVW-Gruppe ist mit ihrem FORUM LEITUNGSWASSER Schirmherr dieser Veranstaltung. Hier erfahren Sie mehr.

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