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Nicht alle Altersfragen sind mit baulichen Maßnahmen zu beantworten

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Mit dem Wiener Soziologen Christoph Reinprecht, Vizedekan an der Fakultät für Sozialwissenschaften, haben wir über Wohnen im Alter gesprochen. Und darüber, wonach wir uns sehnen, wenn sich unser Lebensalltag verlangsamt.
WOJCIECH CZAJA

Gibt es aus soziologischer Sicht so etwas wie altersgerechtes Wohnen? Wollen alte Menschen anders wohnen als junge?

„Auf baulicher Ebene gibt es sehr wohl so etwas wie altersgerechtes Wohnen. Da sprechen wir vor allem von funktionalen Aspekten wie etwa Barrierefreiheit und Ressourcenzugänglichkeit in der unmittelbaren Wohn- umgebung. Was das individuelle Wohnen-Wollen betrifft, so ist das gute Wohnen jedoch nicht unbedingt gleichbedeutend mit altersgerechtem Wohnen. Unter gutem Wohnen verstehen die Menschen ein selbstständiges, weitestgehend autonomes Leben in einer vertrauten Umgebung in der Nähe von Freunden und Familie – und zwar unabhängig von ihrem Alter!“

Christoph Reinprecht

Was beinhaltet denn der Begriff Barrierefreiheit alles?

Im Innenraum sprechen wir hier von Barrierefreiheit in den Funktionen sowie von einer flexiblen Organisation der Grundrisse. Auch bauliche Präventionsmaßnahmen gegen Stürze sind sehr hilfreich. Doch mindestens genauso wichtig ist die Barrierefreiheit im Wohnumfeld – also die Erreichbarkeit von Arzt, Apotheke, Trafik, Supermarkt und Café. Auch Parkbänke entlang der Gehwege sollten zur genüge vorhanden sein.“

Reinprecht

Viele Neubauquartiere schauen anders aus.

„Aufgrund der Stadtentwicklung zwischen den Sechziger- und Neunzigerjahren, als man sehr stark auf eine funktionale Logik der Stadt fokussiert war, sind diese Selbstverständlichkeiten leider nicht immer gegeben. Auch aktuelle Entwicklungen wie etwa Online-Konsum, Rückgang des Kleingewerbes und Konzentration des Handels auf bestimmte Orte tragen dazu bei, dass ganz alltägliche Wege länger und somit auch schwieriger werden.“

Reinprecht

Was ist tun?

Wir müssen dafür sorgen, dass neue Entwicklungsgebiete ausreichend mit Handels- und Sozialstrukturen ausgestattet werden. Es geht um ein kurzes Gespräch beim Bäcker oder in der Trafik. Diese kleinen sozialen Interaktionen sind extrem wichtig und ein wichtiger Schlüssel zum Wohlbefinden im Alter.“…

Reinprecht
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