KI braucht Gebäudedaten

Auf dem Deumess-Fachkongress in Würzburg zeigte Stephanie Kreuzpainter, warum künstliche Intelligenz für die Wohnungswirtschaft vor allem eine Datenfrage ist – und weshalb Messdaten dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Künstliche Intelligenz wird häufig mit Chatbots, automatisierten Antworten oder digitalen Assistenten verbunden. Für die Wohnungswirtschaft liegt ihr eigentliches Potenzial jedoch an anderer Stelle: in der intelligenten Nutzung von Gebäudedaten.

Diesen Gedanken stellte Stephanie Kreuzpainter, CEO des Softwareanbieters Domus, auf dem Deumess-Fachkongress 2026 in Würzburg in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Ihre zentrale Botschaft: Der Nutzen von KI entscheidet sich nicht an der Qualität des Algorithmus, sondern an der Qualität der verfügbaren Daten.

Für Wohnungsunternehmen und Bestandshalter kommt diese Erkenntnis zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Branche steht gleichzeitig vor den Herausforderungen der Dekarbonisierung, steigender regulatorischer Anforderungen, wachsender Berichtspflichten und eines anhaltenden Fachkräftemangels. In nahezu allen Bereichen entstehen heute Daten – von der Verbrauchserfassung über Heizungsanlagen bis hin zu Wartungs- und Instandhaltungsprozessen. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, diese Informationen nutzbar zu machen.

Vom Messwert zur Entscheidung

Besonders deutlich wird dies bei Energie- und Verbrauchsdaten. Messdienstleister liefern längst nicht mehr nur Abrechnungswerte für Heiz- und Betriebskosten. Durch fernauslesbare Systeme entstehen kontinuierlich Informationen über Verbräuche, Anlagenzustände und Gebäudeperformance.

Genau hier sieht Kreuzpainter einen entscheidenden Anwendungsbereich für künstliche Intelligenz. KI-Systeme können große Datenmengen analysieren, Auffälligkeiten erkennen und Handlungsempfehlungen vorbereiten. Für Bestandshalter eröffnet dies neue Möglichkeiten, Gebäude effizienter zu bewirtschaften und energetische Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen.

Dabei geht es nicht darum, Entscheidungen vollständig an Maschinen zu übertragen. Vielmehr sollen Mitarbeitende von Routinetätigkeiten entlastet werden und schneller auf relevante Informationen zugreifen können. Die eigentliche Entscheidung verbleibt weiterhin beim Menschen.

Die Voraussetzung heißt Datenqualität

Der Weg dorthin ist allerdings anspruchsvoller, als viele Diskussionen über KI vermuten lassen. Denn künstliche Intelligenz kann nur mit den Informationen arbeiten, die ihr zur Verfügung stehen.

Kreuzpainter beschrieb deshalb einen mehrstufigen Entwicklungsprozess: Zunächst müssen Daten digital vorliegen. Anschließend müssen unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren können. Erst wenn Datenstrukturen vereinheitlicht und Prozesse standardisiert sind, entsteht die Grundlage für automatisierte Auswertungen und KI-gestützte Anwendungen.

Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das: Die Digitalisierung von Bestands- und Gebäudedaten wird zunehmend zu einer strategischen Voraussetzung für die Transformation des Portfolios. Wer Verbrauchsdaten, Anlagendaten, Dokumentationen und kaufmännische Informationen nicht zusammenführen kann, wird die Möglichkeiten moderner KI-Systeme nur eingeschränkt nutzen können.

Digitale Assistenten für den Gebäudebestand

Als nächsten Entwicklungsschritt skizzierte Kreuzpainter sogenannte KI-Agenten. Anders als klassische Chatbots beantworten sie nicht nur Fragen, sondern können eigenständig Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführen und konkrete Aufgaben vorbereiten.

Übertragen auf die Wohnungswirtschaft könnte ein solcher Agent beispielsweise objektspezifische Informationen aus Verträgen, technischen Dokumentationen, Verbrauchsdaten oder Beschlusssammlungen zusammenführen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten.

Für Bestandshalter entsteht dadurch die Perspektive eines digitalen Cockpits, das nicht nur Daten sammelt, sondern Zusammenhänge erkennt. Auffällige Verbrauchsentwicklungen, Optimierungspotenziale bei Heizungsanlagen oder fehlende Dokumentationen könnten künftig automatisiert identifiziert werden.

Neue Chancen für die Zusammenarbeit

Auch für die Zusammenarbeit zwischen Wohnungsunternehmen und Messdienstleistern ergeben sich daraus neue Möglichkeiten. Während Messdienstleister traditionell vor allem Verbrauchswerte bereitstellen, könnten sie künftig stärker zu Daten- und Informationspartnern werden.

Die Qualität, Verfügbarkeit und Struktur von Messdaten gewinnt dadurch erheblich an Bedeutung. Denn je besser Verbrauchs- und Anlagendaten digital verfügbar sind, desto größer wird ihr Nutzen für Bewirtschaftung, Dekarbonisierung und Bestandsentwicklung.

Die Diskussion auf dem Deumess-Fachkongress machte deutlich: Künstliche Intelligenz beginnt nicht mit ChatGPT. Sie beginnt mit einer belastbaren Datenbasis im Gebäude.

Für die Wohnungswirtschaft liegt darin eine zentrale Erkenntnis. Die Transformation des Gebäudebestands wird nicht allein durch neue Technologien entschieden, sondern durch die Fähigkeit, vorhandene Daten in nutzbares Wissen zu verwandeln. Messdaten werden dabei zunehmend zu einem strategischen Rohstoff.

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Das Wichtigste auf einen Blick

KI ist kein IT-Projekt – sondern ein Datenthema.
Der Nutzen künstlicher Intelligenz hängt weniger von den Algorithmen als von der Qualität und Verfügbarkeit der zugrunde liegenden Daten ab.

Gebäudedaten werden zum strategischen Vermögenswert.
Verbrauchswerte, Anlagendaten, Dokumentationen und Bestandsinformationen bilden die Grundlage für künftige KI-Anwendungen.

Messdaten können mehr als abrechnen.
Fernauslesbare Messsysteme liefern kontinuierlich Informationen über Verbräuche, Anlagenzustände und Optimierungspotenziale.

Ohne Datenintegration keine KI.
Erst wenn unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren und Daten strukturiert vorliegen, kann KI ihr Potenzial entfalten.

KI ersetzt keine Entscheidungen.
Sie unterstützt Mitarbeitende dabei, Muster zu erkennen, Informationen zusammenzuführen und Entscheidungen schneller vorzubereiten.

Der Fachkräftemangel erhöht den Druck zur Automatisierung.
KI kann Routineaufgaben übernehmen und Fachkräfte von administrativen Tätigkeiten entlasten.

KI-Agenten sind der nächste Entwicklungsschritt.
Künftig könnten digitale Assistenten Informationen aus Verträgen, Dokumentationen, Verbrauchsdaten und technischen Unterlagen selbstständig verknüpfen.

Für Wohnungsunternehmen beginnt die KI-Strategie im Bestand.
Wer heute seine Gebäude- und Verbrauchsdaten digitalisiert und strukturiert, schafft die Grundlage für die Bewirtschaftung von morgen.

Die neue Rolle der Messdienstleister:
Vom reinen Abrechnungsdienstleister zum Daten- und Informationspartner für Dekarbonisierung, Effizienzsteigerung und Bestandssteuerung.

Die zentrale Botschaft des Vortrags:
Der Rohstoff der künstlichen Intelligenz ist nicht die Technologie – sondern die Qualität der Gebäudedaten.

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