Digitale Schadensdetektoren und Smart Metering: Wie Gebäude von intelligenter Wasserüberwachung profitieren

Wasser wird in Europa zunehmend zu einer strategischen Ressource. Gleichzeitig verursachen unerkannte Leckagen in Gebäuden jedes Jahr erhebliche Wasserverluste und hohe Folgekosten.

Welche Rolle digitale Wasserzähler, intelligente Schadensdetektoren und Smart Metering künftig spielen und warum die EU darin einen entscheidenden Baustein ihrer Wasserresilienz-Strategie sieht, erläutert Sophia Lettenbichler, Geschäftsführerin von WE Data Europe, im Gespräch mit Gerd Warda, Chefredakteur des Forum Leitungswasser, am Rande des Deumess-Fachkongresses 2026 in Würzburg.

Frau Lettenbichler, die Europäische Union arbeitet derzeit an einer neuen Wasserresilienz-Strategie. Welche Rolle spielt dabei das Thema Wassersparen in Gebäuden?

Sophia Lettenbichler: Eine sehr wichtige Rolle. Die EU hat erkannt, dass Wassereffizienz künftig genauso relevant wird wie Energieeffizienz. Gebäude bieten hier enorme Potenziale. Dabei geht es nicht nur um einen bewussteren Wasserverbrauch der Nutzer, sondern auch um die Vermeidung von Wasserverlusten durch unerkannte Leckagen. Jeder Liter Wasser, der unbemerkt verloren geht, verursacht Kosten für Trinkwasser, Abwasser und oftmals erhebliche Gebäudeschäden.

Warum sind gerade digitale Wasserzähler und Schadensdetektoren so wichtig?

Sophia Lettenbichler: Weil man nur das managen kann, was man misst. Digitale Wasserzähler und intelligente Leckageerkennung liefern erstmals transparente Daten über den tatsächlichen Wasserverbrauch. Sie erkennen ungewöhnliche Verbräuche oder Leckagen frühzeitig und ermöglichen ein schnelles Eingreifen. Das spart Wasser, reduziert Kosten und schützt Gebäude vor Folgeschäden.

Sie sprechen häufig von „Submetering“. Was versteht man darunter?

Sophia Lettenbichler: Submetering bedeutet, dass der Wasserverbrauch auf Gebäude- oder Nutzungseinheitenebene erfasst wird. Während das klassische Netz-Metering Daten über das gesamte Versorgungsnetz liefert, schafft Submetering Transparenz direkt beim Nutzer. Erst dadurch wird ein bewusster Umgang mit Wasser möglich. Die Kombination aus Netz-Metering und Submetering eröffnet die größten Einsparpotenziale.

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Welche Einsparpotenziale sehen Sie konkret?

Sophia Lettenbichler: Unsere Analysen und zahlreiche europäische Projekte zeigen, dass Einsparungen von bis zu 25 Prozent möglich sind. Dabei geht es nicht nur um Leckagen, sondern um eine insgesamt effizientere Nutzung von Wasser. Durch digitale Systeme erhalten Nutzer regelmäßig Informationen über ihren Verbrauch und können ihr Verhalten entsprechend anpassen.

Welche Bedeutung hat die Leckageerkennung dabei?

Sophia Lettenbichler: Eine sehr große. Nicht erkannte Leckagen verursachen oft über lange Zeiträume erhebliche Wasserverluste. Digitale Systeme erkennen ungewöhnliche Verbrauchsmuster automatisch und melden diese. Dadurch verkürzt sich die Zeit bis zur Reparatur erheblich. Das reduziert sowohl den Wasserverlust als auch mögliche Gebäudeschäden.

Wie häufig werden die Verbrauchsdaten erfasst?

Sophia Lettenbichler: Im Wasserbereich erfolgt die Datenerfassung heute in der Regel alle 15 Minuten. Die Systeme senden diese Informationen automatisch. Darüber hinaus werden sogenannte ungewöhnliche Wasserverbräuche analysiert. Das können beispielsweise langsam tropfende Armaturen oder kleine Undichtigkeiten sein, die über längere Zeiträume hinweg auffallen. Solche Muster werden häufig über Wochen oder Monate ausgewertet.

In Ihrem Vortrag nannten Sie Einsparpotenziale durch Leckageerkennung. Beziehen sich diese ausschließlich auf Leckagen?

Sophia Lettenbichler: Nein. Die ausgewerteten Studien basieren auf sehr großen Datenmengen mit Hunderttausenden Wohneinheiten in mehreren europäischen Ländern. Verglichen wurde der gesamte Jahreswasserverbrauch von Gebäuden mit und ohne digitale Leckageerkennung. Die Einsparungen beziehen sich deshalb auf den Gesamtverbrauch und nicht nur auf tatsächlich aufgetretene Leckagen.

Welche Vorteile ergeben sich für die Wohnungswirtschaft?

Sophia Lettenbichler: Die Vorteile sind vielfältig. Zum einen werden Wasserverluste reduziert und Betriebskosten gesenkt. Zum anderen helfen die Systeme bei der Erreichung von ESG-Zielen und beim Nachhaltigkeitsreporting. Außerdem entsteht eine deutlich höhere Transparenz über den Wasserverbrauch im Bestand. Besonders wichtig: Die Nachrüstung ist meist ohne größere bauliche Eingriffe möglich, da viele digitale Systeme auf bestehende Installationen aufgesetzt werden können.

Gibt es bereits Beispiele in Europa, bei denen Wassermangel konkrete Auswirkungen auf den Gebäudesektor hat?

Sophia Lettenbichler: Ja, insbesondere in den Niederlanden sehen wir das sehr deutlich. Dort gibt es Regionen, in denen Bauprojekte teilweise nicht wie geplant umgesetzt werden können, weil die Wasserressourcen begrenzt sind. Das zeigt, dass Wasserverfügbarkeit zunehmend ein Standortfaktor wird.

Aus dem Publikum kam die Idee dynamischer Wassertarife. Wie bewerten Sie solche Modelle?

Sophia Lettenbichler: Sehr positiv. In einigen europäischen Regionen gibt es bereits entsprechende Ansätze. Dynamische Tarife können helfen, den Verbrauch an die tatsächliche Verfügbarkeit der Ressource Wasser anzupassen. Wichtig ist dabei, soziale Aspekte zu berücksichtigen. Ein Grundkontingent sollte für alle Verbraucher zu günstigen Konditionen verfügbar sein. Darüber hinaus können Preissignale helfen, unnötigen Verbrauch zu reduzieren. Beispiele zeigen, dass dadurch erhebliche Einsparungen erzielt werden können.

Welche politischen Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht notwendig?

Sophia Lettenbichler: Wir setzen uns dafür ein, dass Smart Metering und Submetering fester Bestandteil der europäischen Gebäudepolitik werden. Ressourceneffizienz darf sich nicht nur auf Energie beschränken. Außerdem brauchen wir eine aktualisierte Kosten-Nutzen-Bewertung von Trinkwasser. Der tatsächliche Wert von sauberem Trinkwasser wird oft unterschätzt. Darüber hinaus ist eine stärkere Datenintegration notwendig, damit Wassermanagement auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene besser gesteuert werden kann.

Wie schätzen Sie die Chancen auf eine verbindliche Regulierung ein?

Sophia Lettenbichler: Kurzfristig rechne ich eher mit Förderprogrammen und freiwilligen Maßnahmen als mit neuen gesetzlichen Vorgaben. Die Europäische Kommission verfolgt derzeit eher einen Ansatz der Unterstützung als der Regulierung. Allerdings gibt es mit der Wasserresilienz-Strategie ein klares Ziel: Bis 2030 sollen zehn Prozent Wasser eingespart werden. Wenn die Mitgliedstaaten erkennen, dass zusätzliche Maßnahmen notwendig sind, könnte eine verbindliche Regulierung in den kommenden Jahren folgen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Sophia Lettenbichler: Das Thema Wasser wird deutlich an Bedeutung gewinnen. Die Europäische Wasserresilienz-Strategie und die Digitalisierung des Wassersektors werden wichtige Impulse setzen. Als WE Data Europe arbeiten wir derzeit an der Kampagne „Every Drop Counts“. Dort stellen wir Regionen und Projekte vor, die bereits heute erfolgreich auf intelligentes Wassermanagement setzen. Ziel ist es, Best-Practice-Beispiele sichtbar zu machen und den Wissenstransfer in Europa zu fördern.

Frau Lettenbichler, was ist Ihre wichtigste Botschaft an die Wohnungswirtschaft?

Sophia Lettenbichler: Wasser ist eine wertvolle Ressource, deren Bedeutung in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Digitale Wasserzähler, Submetering und intelligente Leckageerkennung bieten bereits heute die Möglichkeit, Wasserverbrauch transparent zu machen, Schäden frühzeitig zu erkennen und erhebliche Einsparungen zu erzielen. Die Technologien sind verfügbar – jetzt geht es darum, sie konsequent einzusetzen.

Frau Lettenbichler, vielen Dank für das Gespräch.

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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