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Hoch oder quer?

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Es ist eine Grundsatzfrage – hoch oder quer? Die Ansichten zum Thema Wohnen im Hochhaus haben sich jedoch im Lauf der Jahre verändert. Früher noch eher verpönt – heute mit differenzierten Zugängen. Zwei prominente Expertinnen verraten ihre Meinungen zum Wohnen im Hochhaus.
MAIK NOVOTNY, GISELA GARY

„Wohnen im Hochhaus ist mehr als gestapelte Grundrisse. Man muss die Investoren fordern. Man muss das Wohnhochhaus neu denken!“

Marta Schreieck

Ich bin vom architektonischen Werdegang nicht unbedingt Hochhaus-Fan. Schließlich bin ich durch Roland Rainer sozialisiert, für den das Hochhaus absolut tabu war. Aber die horizontale Verdichtung, wie sie Rainer propagierte, ist in Wien nie wirklich angekommen.

Zudem hat sich die Gesellschaft inzwischen verändert, es gibt unterschiedliche Lebensentwürfe und einen enormen Druck, städtischen Wohnraum zu produzieren. Hochhäuser können an bestimmten Standorten ihr Potenzial entfalten, etwa am Nordbahnhof oder in Erdberg, wo wir zurzeit das TRIIIPLE bauen. Dort wäre ohne Hochhaus kein zufriedenstellender Wohnbau möglich und die Tristesse würde bleiben.

Was in der Regel gut funktioniert, sind Kombinationen von Hochhäusern mit maßstabsbildenden Flachbauten und großzügigen Freiräumen. Problematisch finde ich es, wenn zehngeschossige Häuser mit Blockrandbebauung kombiniert werden. Wohnqualität und Privatheit bleiben da schnell auf der Strecke. Viele Studien zeigen eine hohe Wohnzufriedenheit im Hochhaus.

Das stimmt, gilt aber nicht für jeden. Für den Mittelstand, für Ältere, für Paare eignet es sich sehr gut. Für Familien weniger. Und für den sozialen Wohnbau gar nicht. Dazu ist es schlicht zu teuer – nicht nur die Baukosten, sondern auch die Betriebskosten. Eine gewisse soziale Durchmischung muss aber garantiert sein, ohne soziale Ungleichheit zu schaffen…

„Die Umsetzung von mehrgeschossigem Wohnbau im Höhenbereich von fünf bis acht Geschossen mit vereinzelten Schwerpunktstandorten ist eine erstrebenswerte Zielsetzung.“

Carola Mühlöcker-Fleissner

Immer mehr Menschen siedeln sich in städtischen Ballungsräumen an und der Druck auf die verfügbaren Flächen steigt. Zu verdichten und in die Höhe zu bauen, ist eine notwendige und insbesondere im städtischen Bereich auch sinnvolle Antwort auf den erhöhten Bedarf an Wohn- und Arbeitsraum.

Effiziente und optimale Flächenausnutzung gewinnt, gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und Klimawandel bedeutende Themen darstellen, immer mehr an Relevanz. Denn nicht nur das Gebäude selbst muss Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitskriterien entsprechen, sondern bei einer allumfassenden Sichtweise auf Nachhaltigkeit spielt immer auch das Umfeld eine große Rolle.

Bestmögliche Nutzung der Infrastruktur und die Möglichkeit verbesserte Infrastruktur – wie beispielsweise höherrangige öffentliche Verkehrsmittel, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen – bereitzustellen, ist oft erst ab einer bestimmten Dichte an Einwohnern kosteneffizient möglich. Nicht zuletzt entsteht städtebaulich ein Gefüge von Stadt erst mit einer gewissen Höhe und Dichte an Gebäuden.

Dennoch sind mit dem Hochhausbau eine Vielzahl an Herausforderungen verbunden, die mitunter die Bereitstellung von kostengünstigem Wohnbau erschweren. Generell ist zu erkennen, dass bei Mietern und Eigentümern Anlagen mit weniger Einheiten pro Haus und kleinteiligere Objekte beliebter sind als große Blöcke.

Da in Österreich leider noch immer das Einfamilienhaus mit Garten die beliebteste Wohnform darstellt, ist es wichtig im städtischen Umfeld hochwertige, aber auch verdichtete Wohnformen mit großzügigen privaten und halböffentlichen Grünräumen zur Verfügung zu stellen und auch verstärkt die positiven Qualitäten derartiger Wohnformen herauszustreichen…

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