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Flexibilität im Strommarkt – Überall im Gespräch. Was bedeutet dies für Erzeuger und Verbraucher? Thorsten Möller von Vattenfall erklärt es

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Wird über das Energiesystem der Zukunft gesprochen, fällt auch immer das Stichwort Flexibilität. Aber was bedeutet das? Im Strommarkt bezeichnet es „die Veränderung von Einspeisung oder Entnahme in Reaktion auf ein externes Signal“. Dieses Signal kann der Preis an der Strombörse sein oder aber der Bedarf des Netzbetreibers zur Stabilisierung des Stromnetzes.

Damit stellt sich die Frage, wo die notwendige Flexibilität zu finden ist und was das für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet. Im Interview spricht Thorsten Möller, Program Manager bei Vattenfalls Handelseinheit, über die Gründe für die zunehmende Bedeutung von Flexibilität im Strommarkt und über dezentrale Energieanlagen (Erzeugung und Verbrauch) der Kundinnen und Kunden, die eine Rolle bei der benötigten Flexibilität übernehmen können.

Herr Möller, warum gerät das Thema Flexibilität am Strommarkt immer mehr in den Fokus?

Die Energiewende hat signifikante Auswirkungen auf den Strommarkt. Der Anteil von Strom aus Wind und Photovoltaik nimmt nicht nur weiter zu, sondern die sich ständig verändernde, also nicht steuerbare, Erzeugung aus erneuerbaren Energien wird zur tragenden Säule unseres Stromsystems.

Betrachten wir nur einmal die Ausbauziele bei Windenergie: Bis zum Jahr 2030 soll nach den Plänen der Bundesregierung eine Leistung von 20 GW im Bereich Offshore-Wind verfügbar sein, heute sind es etwa 8 GW. Bei Onshore-Anlagen ist bis 2030 eine installierte Leistung von 90 GW im Vergleich zu derzeit circa 55 GW geplant. Es muss also immer mehr Strom aus volatiler Erzeugung integriert werden. Für diese zukünftig riesigen Mengen gibt es derzeit keinen adäquaten „Puffer“. Idealerweise könnte man ihnen mit einem exzellent ausgebauten innerdeutschen und europäischen Stromnetz oder aber mit sehr großen Energiespeichern begegnen.

Beides ist kurzfristig nicht realisierbar. Daher benötigen wir auch die Flexibilität der Anlagen unserer Kundinnen und Kunden, die ja nicht nur Stromverbraucher, sondern auch Stromerzeuger sind. Flexibilität wird damit zum Schlüsselelement unseres zukünftigen Stromsystems, insbesondere bei fortschreitender Elektrifizierung.

Thorsten Möller

Betrifft das Thema nur Industriekunden, große Stromkunden oder auch normale Haushaltskunden und Mieter?

Am Ende betrifft es alle. Heute werden Windräder oder Solaranlagen immer wieder abgeschaltet, obwohl sie auch für den dann nicht erzeugten Strom Subventionszahlung erhalten. Die Kosten dafür finden sich in den Stromrechnungen aller Verbraucherinnen und Verbraucher. Bisher gibt es aber nicht genügend Anreize bzw. eine Vielzahl regulatorischer Hemmnisse für die Nutzbarmachung von Flexibilität.

Daher versucht der Gesetzgeber, Flexibilität attraktiver zu machen. Insbesondere möchte man die „Verbraucherseite“ flexibilisieren. Beispielsweise sollen Elektrolyseure für eine flexible Fahrweise belohnt werden, indem sie von der EEG-Umlage befreit werden, wenn diese nur 5000 Vollbenutzungsstunden (von 8760 Stunden im Jahr) betrieben werden. Bereits heute können Industriekunden die Flexibilität ihrer Verbrauchsanlagen (zum Beispiel eine Anlage zur Chlorproduktion) am Großhandelsmarkt, insbesondere dem kurzfristigen Intradaymarkt, anbieten.

Oder Haushaltskunden mit einem flexiblen Verbrauch, zum Beispiel Besitzerinnen oder Besitzer eines Elektrofahrzeugs, können sich für einen variablen Stromtarif entscheiden, der sich an den Preisen der Strombörse orientiert, um dann in günstigen Stunden ihr Fahrzeug aufzuladen.

Thorsten Möller

Hat eine solche Verbrauchsanpassung messbare Vorteile für die Stromkundinnen und -kunden?

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