Von Andreas Breitner
Wer in diesen Wochen die Heizung aufdreht, dürfte das mit einem mulmigen Gefühl tun. Der aktuelle Heizspiegel weist für eine mit Erdgas beheizte 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus für 2025 Kosten in Höhe von 1.170 Euro aus – 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Für dieses Jahr erwartet co2online, die Autoren des Heizspiegels, bei Gas zwar einen leichten Rückgang, bei Heizöl aber ein Plus von 24 Prozent. Mit anderen Worten: wirklich günstiger wird das Heizen nicht.
In den Wohnungen unserer Mitgliedsunternehmen leben vor allem Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen. Bei einer Median-Kaltmiete von 7,69 Euro pro Quadratmeter kostet eine solche Wohnung rund 6.460 Euro kalt pro Jahr. Die gesamte zweite Miete lag laut Mieterbund im Jahr 2024 im Schnitt bei 2,67 Euro pro Quadratmeter: rechnerisch 35 Cent je Euro Kaltmiete.
Richtig Heizen und Lüften
Deshalb lohnt ein genauerer Blick auf das eigene Heiz- und Lüftungsverhalten. Schon kleine Veränderungen senken die Betriebskosten. Laut Heizspiegel lassen richtiges Heizen und Lüften sowie weniger Warmwasser den Energieverbrauch um bis zu zehn Prozent sinken. In „unserer Beispielwohnung“ wären das rechnerisch bis zu 117 Euro im Jahr. Heizkörper freihalten, Fenster nicht dauerhaft kippen, drei- bis viermal täglich die Luft komplett austauschen.
Doch das Sparen hat eine Grenze. Wer zu wenig heizt, riskiert Schimmel. Die Verbraucherzentralen raten, alle Wohn- und Schlafräume tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad zu heizen, auch selten genutzte. In schlecht gedämmten Gebäuden ist oft mehr nötig, denn an Wärmebrücken können an kalten Tagen schon 40 Prozent Luftfeuchte zu viel sein. Ein Thermo-Hygrometer für wenige Euro zeigt, wann gelüftet werden muss.
Im schlimmsten Fall frieren Wasserleitungen ein. Der Versichererverband GDV zählt pro Jahr bis zu 32.000 gemeldete Frostschäden an Leitungen, die mit einem Aufwand von deutlich mehr als 100 Millionen Euro repariert werden müssen. Die Warnung der Versicherer verdient Beachtung: Die Frostschutzstellung am Thermostat schützt den Heizkörper, nicht aber entfernt verlegte Rohre. Räume mit Wasserleitungen müssen daher auch dann beheizt werden, wenn sie kaum genutzt werden.
Steigende Preise machen Einsparungen wett
VNW-Unternehmen investieren seit vielen Jahren regelmäßig in die energetische Sanierung ihrer Wohngebäude – auch, um die Heizkosten ihrer Mieterinnen und Mieter zu begrenzen. Hinzu kommt die Optimierung der Heizungsanlage im Keller. Das Problem: steigende Preise für Gas, Heizöl und nicht zuletzt für Fernwärme machen Einsparmöglichkeiten in energetisch sanierten Gebäuden oftmals wett.
Verbraucherzentralen und Wohnungsunternehmen geben für die kalte Jahreszeit oft praktische Empfehlungen. Zum Alibi für Untätigkeit der Politik oder gar zur Kürzung von Fördermitteln dürfen diese jedoch nicht werden. Die energetische Sanierung von Wohnungsbeständen ist aufwändig und teuer. Zuletzt sind, ähnlich wie die Baukosten, die Kosten für Sanierungsarbeiten deutlich gestiegen. Ohne eine verlässliche öffentliche Förderung landen diese Aufwendungen bei den Mieterinnen und Mietern, also bei denen, die am wenigsten tragen können.
Kürzungen bei Wohngeld treffen die Schwächsten
Umso schwerer wiegt, was die Bundesregierung beim Wohngeld plant. Der Gesetzentwurf halbiert die Heizkostenkomponente: Bei Alleinstehenden sollen statt 96 nur noch 48 Euro im Monat in die Berechnung einfließen – obwohl die Heizkosten steigen. Zudem soll die für 2027 fällige Anpassung des Wohngelds ausfallen. Damit blieben auch die Höchstbeträge für die Miete stehen, in der die kalten Nebenkosten enthalten sind. Die Lücke wächst also bei warmen und kalten Betriebskosten zugleich.
Das trifft ausschließlich Menschen mit geringem Einkommen. Nach Berechnungen des DGB sinkt das Wohngeld einer Rentnerin mit Durchschnittsrente durch die geplanten Änderungen um 69 Euro im Monat, das einer Alleinerziehenden mit Mindestlohn um 87 Euro. Rund 381.000 Haushalte verlören den Anspruch laut DGB ganz.
69 Euro weniger im Monat sind 828 Euro im Jahr. Mit richtigem Heizen und Lüften lassen sich in unserer Beispielwohnung bis zu 117 Euro sparen. Alles Weitere ginge nur noch über eine niedrigere Raumtemperatur – mit genau den Schimmelrisiken, vor denen wir warnen.
Andreas Breitner
Vorstand und Verbandsdirektor, Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)


