Das Bild zeigt die betroffene Abwasserleitung. Der durchfeuchtete Fußboden und die unteren Wandbereiche wurden bereits entfernt. Foto: https://www.ifs-ev.org/
Nach Leitungswasserschäden entsteht neben den Kosten für die Sanierung oft ein erheblicher Aufwand, weil die betroffenen Gebäude oder Gebäudeteile zunächst nicht mehr genutzt werden können. In einem Krankenhaus waren davon mehrere Behandlungsräume betroffen, nachdem eine erst knapp zehn Jahre alte Abwasserleitung undicht wurde.
IFS-Gutachter untersuchten den Schaden und stellten fest, dass Innenkorrosion zu dem Loch in der Rohrwand geführt hatte. Einen Produktfehler an dem gusseisernen Abwasserrohr konnten sie ausschließen.
Nahaufnahme des Wanddurchbruchs; außen sind an dem Rohr keine Korrosionsspuren zu sehen. Foto: https://www.ifs-ev.org/
Auf die Schadenursache wies unter anderem dessen Farbe hin: Es handelte sich um ein SML-Rohr, wie es für die gewöhnliche Hausentwässerung verwendet wird. Diese Rohre sind rot. KML-Rohre hingegen sind grau. Durch eine andere Innenbeschichtung sind sie chemikalienbeständig und damit zum Beispiel für aggressive Laborabwässer geeignet.
Fachleuten ist die Bedeutung der Rohrfarben bekannt. Die betroffene Abwasserleitung gehörte zur Sterilisationsanlage der Klinik. Der mögliche pH-Wert der Abwässer konnte daher zwischen 2 und 13, oder auch „sehr sauer“ und „stark alkalisch“ schwanken. Für die gesamte Leitung hätten aus diesem Grund KML-Rohre verwendet werden müssen.
In Teilbereichen war dies auch geschehen, nämlich direkt unter der Sterilisationsanlage. Dieser Leitungsabschnitt wurde allerdings von einer anderen Firma erstellt als der betroffene. Eine Erklärung fanden die Gutachter in den Unterlagen.
Während die Firma, die die Anlage selbst und die unmittelbar darunter liegenden Rohre installiert hatte, sich der besonderen Anforderungen bewusst war, fehlte diese Information der Firma, die den Auftrag für die Erstellung der Entsorgungsleitung bekommen hatte. Schon in deren Angebot waren lediglich SML-Rohre aufgeführt. Doch auch im Preisspiegel für die Leitung, der von den Planern erstellt wird, wurde keine Eignung für die aggressiven Laborabwässer erwähnt.
In diesem Teil der Abwasserleitung sind sowohl die roten SML-Rohre als auch die grauen KML-Rohre verbaut. Foto: https://www.ifs-ev.org/
Dem Planungsbüro oblag auch die Bauleitung, und einem Protokoll nach hatte ein Mitarbeiter des Büros die Leitung abgenommen. Die besonderen Anforderungen durch die Laborabwässer wurden vom Planungsbüro nicht an das ausführende Unternehmen weitergeleitet. Möglicherweise waren sie den Planern nicht bewusst.
Ein Gastbeitrag des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, IFS e.V. Weitere Informationen unterwww.ifs-ev.org/
Zwischen Hauswand und Fenster fehlt etwas Mörtel. Nicht der Schlagregen kann hier leicht eindringen, auchs Mäuse, Hornissen oder Bienen. Foto: Wohnungswirtschaft heute Gerd Warda
Mit dem Einzug des Herbstes beginnt nicht nur die Zeit der fallenden Blätter und kürzeren Tage – es ist auch der ideale Moment für Wohnungsunternehmen und Immobilieneigentümer, ihre Gebäude auf den Winter vorzubereiten. Der präventive Gebäude-Check sollte dabei nicht als Kür, sondern als Pflicht verstanden werden.
Denn: Wer frühzeitig potenzielle Schwachstellen erkennt und behebt, schützt nicht nur die Bausubstanz, sondern auch seine Mieter*innen vor unangenehmen Überraschungen und unnötigen Folgekosten.
Witterung als Belastungsprobe: Warum Vorbeugen so wichtig ist
Die Außenhülle eines Gebäudes – bestehend aus Dach, Fassade, Fenstern und Türen – ist ganzjährig enormen Belastungen ausgesetzt. Besonders im Wechselspiel zwischen Hitze, Trockenheit, Wind, Regen und Frost werden Baumaterialien stark beansprucht.
Risse in der Fassade, marode Dachziegel oder undichte Fenster sind nicht nur optische Makel – sie können schnell zu ernsthaften Schäden führen, wenn etwa Feuchtigkeit eindringt, Rohre platzen oder Wärmeverluste entstehen.
Ein vernachlässigter Zustand zieht im Winter häufig teure Reparaturen nach sich – von Schimmelbildung bis hin zu strukturellen Schäden an der Bausubstanz. Daher gilt: Ein rechtzeitiger Check zahlt sich immer aus.
In fünf Schritten zum winterfesten Gebäude
Die Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit ist eine systematische Aufgabe. Sie bietet die Chance, den technischen Zustand des Gebäudes zu bewerten und präventiv Maßnahmen zu ergreifen. Die folgenden fünf Schritte bieten eine strukturierte Orientierung für Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen und private Eigentümer.
Schauen Sie genau hin: Ja, hinter der schmucken Wandfarbe macht sich Feuchtigkeit breit. Worstcase wäre ein Rohrbruch, aber das ist vor dem Winter zu klären. Foto: Wohnungswirtschaft heute Gerd Warda
1. Dach, Fassade und Regenwasserabfluss inspizieren
Dach prüfen: Lose oder fehlende Dachziegel sind ein Einfallstor für Nässe. Besonders gefährdet sind Übergänge zu Schornsteinen oder Gauben. Spätestens im Herbststurm wird jede Schwachstelle zum Risiko. Wer selbst nicht auf das Dach steigen kann oder darf, sollte eine Fachfirma beauftragen. Auch Befestigungen von Satelliten- oder Solaranlagen müssen geprüft werden.
Regenrinnen und Fallrohre reinigen: Verstopfte Rinnen führen zu Wasserrückstau – im Winter droht Vereisung und damit langfristiger Schaden an Fassade und Dach. Laub und Schmutz müssen regelmäßig entfernt werden, idealerweise auch aus den Fallrohren. Eine stabile Befestigung ist essenziell, um Schneelasten zu tragen.
Fassade kontrollieren: Risse und abgeplatzter Putz sind typische Schäden, die sich durch Frost schnell verschlimmern. Besonders kritisch: Feuchtigkeit, die in Risse eindringt und beim Gefrieren das Material sprengt. Kleine Schäden können mit wenigen Handgriffen ausgebessert werden, bevor sie großflächige Sanierungen nach sich ziehen.
Bruch in der Regenrinne, das Wasser tropft, fällt nach unten. Im frostigen Winter können es Eiszapfen werden, dann wird es gefährlich, dann greift die Verkehrssicherungspflicht. Hier muss ein Fachbetrieb schnell Abhilfe schaffen. Foto: Wohnungswirtschaft heute Gerd Warda
2. Wasserleitungen und Außenarmaturen sichern
Wasserleitungen im Außenbereich und in unbeheizten Räumen (z. B. Keller, Garagen oder leerstehenden Wohnungen) sollten unbedingt entleert und abgesperrt werden. Restwasser birgt die Gefahr des Einfrierens – das führt nicht selten zu Rohrbrüchen. Wasserhähne mit Rücklaufventil abbauen, Dichtungen einfetten, Leitungen entleeren: ein kleiner Aufwand mit großer Wirkung.
3. Fenster und Türen abdichten, damit keine Feuchte eindingt
Undichte Fenster und Türen sind energetische Schwachstellen. Zugluft, Wärmeverlust und steigende Heizkosten sind die Folge. Die Dichtungen sollten jährlich überprüft und bei Bedarf ersetzt oder gepflegt werden. So kann Feuchte nicht eindringen. In Altbauten kann der Austausch gegen moderne Wärmeschutzverglasung langfristig wirtschaftlich sein.
4. Heizungsanlage warten und Brennstoffvorräte prüfen
Ein funktionierendes Heizsystem ist im Winter essenziell. Eine jährliche Wartung durch Fachpersonal erhöht nicht nur die Effizienz, sondern senkt auch die Ausfallrisiken. Heizkörper sollten regelmäßig entlüftet werden – „gluckernde“ Heizungen sind ein deutliches Warnsignal. Auch der Füllstand von Heizöl oder Pellets sollte frühzeitig kontrolliert werden, da Lieferengpässe im Winter keine Seltenheit sind.
5. Sicherheit und Beleuchtung nicht vergessen
Die dunkle Jahreszeit bringt ein erhöhtes Unfall- und Einbruchsrisiko mit sich. Außenbeleuchtungen sollten überprüft und gegebenenfalls ergänzt werden. Bewegungsmelder erhöhen die Sicherheit und schrecken potenzielle Einbrecher ab. Auch Gehwege, Treppen und Hauszugänge müssen rutschfrei und gut beleuchtet sein – eine wichtige Maßnahme für den Unfallschutz.
Prävention spart Kosten und Nerven
Ein systematischer Gebäude-Check im Herbst ist keine Nebensächlichkeit, sondern ein aktiver Beitrag zur Werterhaltung und Betriebssicherheit. Gerade für Unternehmen der Wohnungswirtschaft bedeutet ein rechtzeitiges Handeln weniger Notfalleinsätze, weniger Mietminderungen – und zufriedenere Mieter*innen.
Wer jetzt vorbeugt, kommt gut durch den Winter. Denn wie beim Auto gilt auch fürs Gebäude: Sicherheit und Funktionalität haben immer Saison.
Gerd Warda
Hinweis für die Praxis: Wohnungsunternehmen sollten ihre Hausmeisterdienste und technischen Mitarbeiter regelmäßig für solche saisonalen Wartungsroutinen sensibilisieren. Diese einfache Checkliste kann helfen, die wichtigsten Punkte effizient abzuarbeiten.
Diese Grafik stammt aus der Broschüre „Datenservice zum Naturgefahrenreport 2025“: Quelle: GDV Gesamtverband der Versicherer
Seit 2017 steht das Forum Leitungswasser für den praxisorientierten Austausch rund um die Prävention von Wasserschäden in Bestandsgebäuden und Neubau. Experten der Schadenprävention und technische Entscheider aus Wohnungsunternehmen berichten aus ihrer Erfahrung, identifizieren Schwachstellen in Planung und Betrieb und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze.
Seit 2020 erscheint unser Online-Magazin FORUM LEITUNGSWASSER alle zwei Monate. Es bereitet diese Erkenntnisse aus Workshops und von Partnern wie VdS, dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung Kiel (IFS) auf und macht die Beträge der gesamten Wohnungswirtschaft zugänglich.
Das IFS erfasst seine Untersuchungsergebnisse zu Leitungswasserschäden in der Schadendatenbank. Die vorliegende Statistik berücksichtigt die Untersuchungen der vergangenen zehn Jahre, also von 2015 bis 2024. Grafik und Quelle: IFS
Schauen wir heute in die Branche, so haben sich aus dieser gemeinsamen Arbeit fünf zentrale Handlungsfelder herauskristallisiert, die für die technische Instandhaltung und Modernisierung im Bestand unverzichtbar sind. Aber damit ist es nicht genug. Neue technische Möglichkeiten, wie digitale Helfer, suchen den Eingang in die technische Gebäude Ausrüstung.
Die Modernisierung alter Anlagen erfordert vorausschauende Planung
Ein Blick auf die verbauten Materialien und Fügetechniken zeigt die Entwicklungen in der Haustechnik der letzten 50 Jahre. Fotos: Zentralverband Sanitär Heizung Klima
Ein zentrales Thema ist die Erneuerung der Haustechnik in Gebäuden, die älter als 50 Jahre sind. Auch wenn Warmwasseranlagen auf den ersten Blick noch funktionstüchtig erscheinen, birgt die Materialermüdung nach Jahrzehnten im Einsatz erhebliche Risiken – insbesondere bei veränderten Druckverhältnissen im Leitungssystem. So können Kunststoffrohre mit der Zeit spröde werden, da sich Weichmacher im Laufe der Jahre verflüchtigen.
Bei plötzlichen Druckschwankungen kann es dann zu Rohrbrüchen kommen. Oder der Rost nagt an den verschiedenen Metallleitungen. Viele Unternehmen haben die Erkenntnisse des Forums längst in ihren technischen Regelbetrieb integriert. Die Devise lautet: Technische Anlagen nicht nur auf Sicht prüfen, sondern auf Alterungsprozesse vorbereitet sein. Nur ein Fachmann kann einen Sanierungsplan erstellen.
Ein Havarieplan schafft Klarheit im Notfall
Im Schadensfall zählt jede Minute – sowohl aus Sicht der Gebäudesubstanz als auch im Interesse der Mieterzufriedenheit. Ein strukturierter Havarieplan ist deshalb ein zentrales Instrument zur Schadenminimierung. Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Zum einen lässt sich durch schnelles Eingreifen der Komfortverlust für die Bewohner begrenzen, zum anderen verringert sich das Ausmaß des Schadens erheblich.
Wichtig ist dabei, dass es im Unternehmen klare Verantwortlichkeiten gibt – intern wie extern. Vom sofortigen Stopp der Leckage über die Koordination mit der Versicherung bis hin zur Absprache mit Gutachtern: Jeder Schritt muss klar definiert und trainiert sein.
Die Kontrolle von Reparaturen ist Teil der Prävention
Wird ein Schaden behoben, ist damit der Prozess nicht abgeschlossen. Vielmehr beginnt hier die nächste Phase der Qualitätssicherung – durch engmaschige Kontrolle der Reparaturarbeiten. FORUM LEITUNGSWASSER empfiehlt, dass die Bauüberwachung durch das Wohnungsunternehmen selbst erfolgen sollte, nicht durch Dritte. So lassen sich frühzeitig Mängel erkennen, etwa bei der Brandabschottung oder bei Druckprüfungen.
Die Teilnahme an Baubesprechungen und unangemeldete Zwischenabnahmen ist dabei unerlässlich. Wer kontinuierlich hinsieht, entdeckt nicht nur Schadstellen, sondern lernt auch für zukünftige Projekte.
Materialauswahl und Rohrverlegung beeinflussen die Schadensanfälligkeit
Quelle: Forum Leitungswasser Ausgabe 2 2020, Dipl.-Ing. Lars Gomolka, GEWOBA
Ein oft unterschätzter Aspekt in der Schadensprävention liegt in der vorausschauenden Planung von Rohrsystemen – insbesondere im Versorgungsschacht, wo Trinkwasser-, Heizungs- und Abwasserleitungen auf engem Raum verlaufen. Hier gilt es, Wärmeübertragungen zu vermeiden, um beispielsweise die Gefahr der Legionellenbildung durch erwärmte Kaltwasserleitungen zu reduzieren. Vorgefertigte Register vereinfachen die fachgerechte Verlegung und sichern notwendige Abstände zwischen den Leitungen.
Zudem muss auf hygienische Standards geachtet werden, etwa durch das Verschließen offener Rohrenden mit Schutzkappen. Die Berücksichtigung von Durchflussmengen, Druckverhältnissen und Fließgeräuschen gehört heute zur fachlich sauberen Planung ebenso wie der passende Rohrdurchmesser.
Kommunikation ist ein Baustein der technischen Prävention
Seit ca. 10 Jahren stellen die neu auf den Markt gekommenen Microfasertücher (Feuchttücher) neue Herausforderungen: Die Tücher lösen sich anders als Toilettenpapier auf dem Weg in die Klärwerke nicht auf, sondern „verzopfen“. Denn die nahezu reißfesten Vliese verstopfen Rohre in der Kanalisation und den Rechenanlagen in den Klärwerken. Oder sie verwinden sich zu oberschenkeldicken Zöpfen, vor denen selbst PS-starke Pumpwerke kapitulieren.
Foto: Berliner Wasserbetriebe
Technik allein verhindert keine Schäden – Kommunikation spielt eine ebenso zentrale Rolle. Im Unternehmen selbst muss sichergestellt sein, dass relevante Informationen fließen und Zuständigkeiten geklärt sind. Gleichzeitig sollten auch Mieterinnen und Mieter regelmäßig in die Präventionsstrategie eingebunden werden. Informationskampagnen über Mieterzeitungen oder gezielte Hinweise zum Umgang mit Abflüssen und Armaturen können dazu beitragen, das Schadensrisiko deutlich zu senken. Statt nur im Krisenfall zu kommunizieren, braucht es eine proaktive Ansprache mit klarer Botschaft: Prävention ist Gemeinschaftsaufgabe.
Der Fußbodenaufbau muss komplett entfernt werden. Foto: https://www.ifs-ev.org/
Als in einem Schacht der Elektroverteilung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses Wasser entdeckt wurde, machte man sich auf die Suche nach der Leckage. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits ein umfangreicher Schaden entwickelt, der früher hätte entdeckt und mit besserer Planung stark hätte begrenzt werden können.
Die Suche nach der Quelle des Wassers führte zu den Heizungsleitungen im Schlafzimmer der Wohnung im vierten Obergeschoss. Als hier der Fußboden geöffnet wurde, kamen stark korrodierte C-Stahl-Rohre zum Vorschein.
Im Schlafzimmer wurde der Fußboden bis auf den Rohbeton zurückgebaut. Foto: https://www.ifs-ev.org/
Die Leckage an den Leitungen, die zu den Heizkreisverteilern führten, waren nicht – wie es durch Installationsmängel häufig vorkommt – an einer Verbindungsstelle im Fußboden entstanden. Die Laboruntersuchung des betroffenen Leitungsabschnittes zeigte, dass Außenkorrosion hier zum Bruch geführt hatte.
Das Wasser war durch eine Undichtigkeit im Bereich der Fenster in den Fußboden eingedrungen und hatte dort monatelang unbemerkt auf die C-Stahl-Rohre eingewirkt. Dieses Material ist für Heizungsleitungen üblich, allerdings nicht korrosionsbeständig. Das ist bei Heizungsleitungen, anders als bei Trinkwasserleitungen, nicht notwendig, weil sich kaum Sauerstoff darin befindet.
Dass Wasser durch eine unvollständige Abdichtung in den Fußboden eindringt, ist nicht ungewöhnlich. Das kann zum Beispiel auch bei Wischwasser vorkommen. Auch das eindringende Regenwasser hätte in diesem Fall keinen großen Schaden verursacht, wenn die Heizungsleitungen nicht im Fußboden gelegen hätten. Dann hätte eine einfache Trocknung des Fußbodens genügt.
Hier musste der gesamte Fußbodenaufbau bis auf den Rohbeton entfernt werden, um die geschädigten Leitungen erreichen und austauschen zu können. Bei der Planung von wasserführenden Leitungen sollte darum berücksichtigt werden, sie im Sinne der Schadenbegrenzung möglichst zugänglich zu halten.
In dem hier geschilderten Fall wurde außerdem eine lautes Warnsignal überhört: Weil der Sprossenheizkörper im Badezimmer der betroffenen Wohnung nicht mehr warm wurde, hatte der Fachbetrieb, der die Installation vier Jahre zuvor ausgeführt hatte, mehrfach Wasser in die Anlage nachgefüllt.
Die C-Stahlrohre der Heizungsleitungen sind zum Teil massiv von außen korrodiert. Foto: https://www.ifs-ev.org/
Schon als es mehrfach notwendig wurde, Wasser nachzufüllen, hätte man nach einer möglichen Leckage suchen müssen. Das enorme Ausmaß von Leitungswasserschäden entsteht meistens durch die späte Schadenentdeckung. Jede unerwartete Veränderung des Betriebes ist darum ein Hinweis, dem man auf den Grund gehen sollte. (is)
Ein Gastbeitrag des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, IFS e.V. Weitere Informationen unter www.ifs-ev.org/
Ein Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot kann nicht durch die Bezugnahme auf die Berliner Betriebskostenübersicht belegt werden. Die darin enthaltenen Durchschnittswerte bieten aber einen ersten Anhaltspunkt für ein unwirtschaftliches Handeln des Vermieters. Dies hat das Amtsgericht Berlin-Wedding mit Urteil vom 17. Januar 2024, Az. :7 C 554/22 entschieden.
In dem zugrunde liegenden Fall klagte im Jahr 2022 die Mieterin einer Wohnung vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding auf Rückzahlung von Betriebskosten. Sie warf der Vermieterin ein Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot vor und verwies zur Begründung auf die Betriebskostenübersicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Berliner Betriebskostenübersicht). Die darin enthaltenen Durchschnittswerte wurden durch die Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2018 erheblich überschritten.
Das Gericht entschied gegen die Mieterin. Ihr stehe kein Anspruch auf Rückzahlung von Betriebskosten zu. Denn ein Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot habe die Mieterin nicht nachweisen können.
Für den Nachweis des Verstoßes gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot genüge nicht die Bezugnahme auf die Berliner Betriebskostenübersicht, so das Amtsgericht. Diese trage den unterschiedlichen tatsächlichen Gegebenheiten des jeweils in Rede stehenden Anwesens nicht hinreichend Rechnung, so dass den dort ausgewiesenen Durchschnittswerten im Einzelfall kein Anhaltspunkt für ein unwirtschaftliches Handeln des Vermieters entnommen werden könne.
Dies gelte auch bei einem vielfachen Überschreiten der Durchschnittswerte. Jedoch könne anhand der Durchschnittswerte ein erster Anhaltspunkt für den Mieter für eine unwirtschaftliche Verhaltensweise des Vermieters erkennbar werden.
VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner. Foto: VNW, Bertold Fabricius, Hamburg
Von VNW-Direktor Andreas Breitner
Knapp 25 Prozent der Hamburger Wahlberechtigten haben entschieden. Die Stadt muss Klimaneutralität bereits im Jahr 2040 – also fünf Jahre früher als bislang geplant – erreichen. Bei einem Volksentscheid am 12. Oktober entschieden sich mehr als 300.000 Bürgerinnen und Bürger für strengere Klimaschutzziele. Mehr als 267.000 votierten dagegen. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 43,6 Prozent. Das teilte das Landeswahlamt mit.
Das Abstimmungsergebnis ist aus Sicht der sozialen Vermieter enttäuschend. Wir befürchten, dass durch ideologisch motivierte Regelungen der Klimaschutz an sich Schaden nimmt. Gut gemeint ist leider nicht gut. Neben der Hansestadt stehen jetzt die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) in der Pflicht, entsprechende Voraussetzungen für Klimaneutralität 2040 zu schaffen.
So stellen der Volksentscheid und der Hamburger Senat das Vorziehen von Klimaneutralität um fünf Jahre ausdrücklich unter den Vorbehalt bundes- und europarechtlicher Regelungen. Mit anderen Worten: Wenn die Bundesregierung und die EU nicht liefern, werden die Gesetzesvorgaben in Hamburg nicht umzusetzen sein.
Klimaschutz und Bezahlbarkeit sind eine Einheit
Klimaschutz und die Bezahlbarkeit von Wohnungen gehören zusammen. Das aber zu gewährleisten, setzt gesetzliche Regelungen voraus, die nicht in der Kompetenz der Hansestadt liegen. Dieser Umstand ist ausgesprochen wichtig, weil angesichts der langwierigen Prozesse in Berlin und Brüssel unsere Wohnungsunternehmen über Jahre hinaus keine verlässliche Planungsgrundlage haben werden.
Deshalb ist das Versprechen der Initiatoren des Volksentscheids, nun gebe es „endlich“ Planbarkeit, schlichtweg irreführend gewesen. Einen Plan, nämlich Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen, gab es bereits. Auf den hatten sich Wohnungsunternehmen bei ihren Investitionsplanungen verlassen. Jetzt müssen sie umplanen, ohne dass sie wissen, was denn ab 2040 wirklich Gesetz sein wird.
Mieten werden stärker als geplant steigen
Zugleich ist es nicht so, dass sich unsere auf Fakten beruhenden Rechnungen durch das Abstimmungsergebnis in Luft auflösen. ‚Follow the facts!‘ bleibt für uns auch weiterhin Handlungsmaxime. Deshalb fürchten wir weiterhin, dass die Mieten durch das Vorziehen von Klimaneutralität im Durchschnitt um einen Euro pro Quadratmeter Wohnfläche stärker steigen werden als ohnehin geplant.
Die Verschärfung des Hamburger Klimaschutzgesetzes wird vor allem für Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen eine große finanzielle Belastung werden. Auch wenn der Vorsitzende des Hamburger Mietervereins nicht müde wird, einfachste ökonomische Regeln zu ignorieren, führt an einer Erkenntnis kein Weg vorbei: Wenn sich der Zeitraum für Investitionen verkürzt, steigen die Kosten.
Während wohlhabende Haushalte diese Mehrkosten werden tragen können, gilt das für Menschen, die schon heute jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen, eher nicht. „Ihnen werden jene, die wider besseres Wissen die finanziellen Folgen klein geredet haben, künftig einiges erklären müssen.“
Zivilisierte Debatte in den vergangenen Wochen
Allerdings hat die Debatte der vergangenen Wochen auch gezeigt, dass die demokratische Mitte selbst eine hoch strittige Frage ernsthaft und zivilisiert diskutieren kann. Die politischen Ränder haben in der Debatte kaum eine Rolle gespielt. Das lässt mich hoffen, dass wir auch bei anderen Herausforderungen, vor denen unser Land steht, Lösungen in der demokratischen Mitte finden können.
Andreas Breitner Vorstand und Verbandsdirektor Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)
Ein klarer Blick auf Hamburg. Nur am Horizont zeigt sich eine Rauchfahne. Ist es das noch das aktive Heizkraftwerk, mit Kohle befeuert? Nun ist es aber amtlich: Hamburg soll fünf Jahre früher als bislang geplant klimaneutral werden - nämlich bereits 2040. Laut Statistikamt Nord stimmten 303.936 Hamburgerinnen und Hamburger für den "Zukunftsentscheid", das entspricht 53,2 Prozent. 46,8 Prozent oder 267.495 Menschen sprachen sich dagegen aus. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 43,6 Prozent. Foto: Wohnungswirtschaft heute. Gerd Warda
Politischer Paukenschlag durch den Zukunftsentscheid – Hamburg will beim Klimaschutz einen Gang höher schalten: Beim Volksentscheid „Hamburger Zukunftsentscheid“ hat sich am 12. Oktober 2025 eine knappe Mehrheit für eine Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 ausgesprochen – fünf Jahre früher als bisher geplant.
Damit wurde der Gesetzentwurf einer zivilgesellschaftlichen Initiative angenommen, die unter anderem von Fridays for Future und NABU getragen wird. Die Beteiligung lag bei 43,6 Prozent – ein beachtlicher Wert für einen Volksentscheid in der Hansestadt.
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kündigte umgehend an, den Entscheid umzusetzen: „Der Senat wird den Hamburger Klimaplan an die neuen Vorgaben anpassen.“ Doch was für Klimaschützer ein Durchbruch ist, sorgt in der Wohnungswirtschaft, bei Wirtschaftsverbänden und in der Opposition für große Sorge: Sie warnen vor massiven Kosten, steigenden Mieten und strukturellen Nachteilen für die Stadt.
Der Inhalt des Entscheids: Klimaneutralität mit verbindlichen CO₂-Grenzen und Sofortprogrammen
Die Initiative „Hamburger Zukunftsentscheid“ sieht neben dem vorgezogenen Klimaziel auch konkrete Maßnahmen vor. Dazu zählen:
Verbindliche jährliche CO₂-Obergrenzen
Regelmäßiges Monitoring mit Pflicht zu Sofortprogrammen, wenn Zwischenziele verfehlt werden
Stärkere Reduktion des Autoverkehrs, inklusive Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit
Energetische Sanierung im Gebäudebestand
Förderprogramme für Vermieter
Kostenbremse für Mieterinnen und Mieter
Die Umsetzung soll innerhalb einer zweijährigen Übergangsfrist starten. Bürgermeister Tschentscher betonte, dass das Ziel nur erreicht werden könne, wenn auch auf Bundesebene und EU die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen würden.
Politische Reaktionen: Zwischen Zustimmung, Mahnung und deutlicher Kritik
Während SPD und Grüne das Votum anerkennen und auf eine „sozialverträgliche Umsetzung“ setzen, warnen Oppositionsparteien und Wirtschaftsvertreter vor erheblichen Nebenwirkungen.
Katharina Fegebank (Grüne), Hamburgs Umweltsenatorin, sieht den Entscheid als Signal: „Es ist gut, dass sich so viele Menschen für den Klimaschutz einsetzen. Wir müssen schneller und präziser werden – aber es gibt keinen Grund für Aktionismus.“
Deutlicher äußerte sich CDU-Fraktionschef Dennis Thering: „Der sogenannte Zukunftsentscheid schlägt einen Kurs ein, der unserer Stadt in vielerlei Hinsicht schadet.“ Er warf dem Senat vor, strategisch naiv gehandelt zu haben, in der Hoffnung, das nötige Quorum werde nicht erreicht. Die AfD sprach gar von einer „irrsinnigen Klima-Ideologie“.
Wohnungswirtschaft warnt: 54 Milliarden Euro Sanierungskosten
Besonders kritisch zeigt sich die Wohnungswirtschaft. Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), der in Hamburg über 700.000 Wohnungen vertritt, warnt vor gravierenden finanziellen Folgen.
Laut einer Studie des Pestel-Instituts werden allein für die energetische Sanierung dieser Wohnungen Investitionen von rund 54 Milliarden Euro notwendig – das entspricht rund 57.000 Euro pro Wohnung. Die Sanierung umfasst unter anderem Dämmmaßnahmen, den Austausch fossiler Heizsysteme und den Einbau von Wärmepumpen.
VNW-Direktor Andreas Breitner äußerte sich klar: „Ich habe Sorge, dass sich der Erfolg der Initiatoren als Scheinsieg herausstellen wird, dessen Kosten am Ende die Mieterinnen und Mieter der Stadt tragen müssen.“ Die soziale Schieflage sei vorprogrammiert, so Breitner weiter: „Wohlhabende Haushalte werden die Mehrkosten tragen können. Menschen, die schon heute jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen, eher nicht.“
Er sieht auch keine realistische Chance, die Investitionslast vollständig durch Förderprogramme abzufedern. Steigende Mieten seien die logische Folge – trotz gegenteiliger politischer Beteuerungen.
IVD Nord: Schwarzer Tag für Hamburgs Mieter, Eigentümer und Wirtschaft
Der Ausgang des Hamburger „Zukunftsentscheids“ ist nach Angaben des IVD Nord kein Fortschritt, sondern ein Pyrrhussieg. Die Hansestadt hat sich mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 Verpflichtungen auferlegt, deren Kosten weder Stadt noch Bürgerinnen und Bürger tragen können.
Carl-Christian Franzen, stellvertretender Vorsitzender des IVD Nord für Hamburg, dazu: „Ohne zusätzliche Einnahmen wird der Senat die milliardenschweren Mehrausgaben nicht stemmen. Doch woher soll das Geld kommen, wenn nicht aus den Taschen der Hamburgerinnen und Hamburger – über höhere Steuern, Gebühren oder Abgaben?“
Industrie warnt vor Arbeitsplatzverlusten und Investitionsstau
Auch aus der Hamburger Wirtschaft kommen kritische Stimmen. Andreas Pfannenberg, Vorsitzender des Industrieverbands Hamburg, sieht den Standort in Gefahr: „Produktionsverlagerungen und Arbeitsplatzabbau unserer im weltweiten Wettbewerb stehenden Unternehmen lassen sich nun nicht mehr ausschließen.“
Die Handelskammer warnt vor einem Rückfall im Standortwettbewerb, die Handwerkskammer sieht in der Umsetzung des Entscheids „hemmende Unsicherheit“ für Investitionen.
Machbarkeit: Studien zeigen technisches Potenzial – bei drastischen Maßnahmen
Ein Gutachten des Hamburg Instituts und des Öko-Instituts kommt zu dem Schluss, dass Klimaneutralität bis 2040 grundsätzlich machbar ist. Voraussetzung dafür sei jedoch ein radikaler Umbau der Energieinfrastruktur. Dazu zählen:
Der vollständige Austausch aller Gas- und Ölheizungen
Die Stilllegung des Gasnetzes
Eine drastische Beschleunigung der energetischen Sanierung
Der Ausbau von Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien
Der Verzicht auf fossile Brennstoffe in Industrie und Hafenlogistik
Eine umfassende Kosten-Nutzen-Abschätzung fehlt bisher – allerdings verdeutlichen die Sanierungskosten aus der Pestel-Studie bereits den finanziellen Kraftakt.
Hinweis: Die Karte stellt die Ergebnisse in den Abstimmbereichen (Urnen- und Briefwahl) dar. Da Abstimmungsberechtigte, anders als bei Wahlen, in jeder Abstimmungsstelle der Stadt an der Urnenwahl teilnehmen können, geben die Ergebnisse nicht zwangsläufig das Abstimmungsverhalten der ortsansässigen Bevölkerung wieder. Quelle: Statistikamt Nord
Stadtbild und Mobilität: Tempo 30 und Umweltzonen als mögliche Konsequenzen
Auch der Verkehr steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Um CO₂-Ziele zu erreichen, müsste laut dem Zukunftsentscheid unter anderem:
Tempo 30 flächendeckend eingeführt werden
Der motorisierte Individualverkehr reduziert werden
Der Hafen strengeren Umweltzonen unterworfen werden
Besonders umstritten ist dabei die Balance zwischen Klimaschutz und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit.
Initiative sieht Politik in der Pflicht
Annika Rittmann, Sprecherin der Initiative „Hamburger Zukunftsentscheid“, wertete das Ergebnis als klares Mandat der Bevölkerung: „Die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger hat den Senat in die Pflicht genommen, sozialen Klimaschutz umzusetzen.“ Die Initiative setzt darauf, dass Klimaschutz nicht nur technisch, sondern auch sozial und demokratisch gestaltet wird – ein Anspruch, der in der Praxis auf harte Realitäten treffen dürfte.
Ein Auftrag mit weitreichenden Folgen
Mit dem Ausgang des Volksentscheids hat Hamburg ein ambitioniertes Ziel ins Gesetz geschrieben – und sich gleichzeitig ein umfangreiches Maßnahmenpaket auferlegt. Die Umsetzung wird Jahre dauern, Milliarden kosten und massive gesellschaftliche Debatten mit sich bringen. Zwischen Klimaschutz, sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Vernunft wird die Stadtpolitik künftig eine noch sensiblere Balance finden müssen.
Ob die frühere Klimaneutralität zur Erfolgsgeschichte wird – oder zu einem Beispiel für politisch gewollte, aber praktisch kaum tragbare Transformation – wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Defekte Silikonfugen an Dusch- und Badewannen: Wenn über Jahre unbemerkt Wasser einsickert, kann es teuer werden. Hier ist regelmäßige Wartung und Aufklärung der Mieter wichtig. Schadenpräventionen eben. Ein Baustein, um bezahlbares Wohnen möglich zu machen. Foto: Betriebskosten aktuell / Gerd Warda
Als die AVW Unternehmensgruppe 2012 zusammen mit der Wissensplattform Wohnungswirtschaft heute. die Initiative Schadenprävention ins Leben rief, war das Thema zwar bekannt, aber noch nicht speziell auf die Anforderungen von Wohnungsunternehmen zugeschnitten. Heute – über zehn Jahre später – ist Prävention in der gesamten Wohnungswirtschaft angekommen. Sie gilt als Erfolgsfaktor für Wirtschaftlichkeit mit Blick auf die Betriebskosten, Mieterzufriedenheit und nachhaltiges Handeln.
Wohnungswirtschaft heute.-Chefredakteur Gerd Warda hat bei Stefan Schenzel, Schadenberater der AVW, nachgefragt, wie sich das Thema entwickelt hat und welche Maßnahmen heute praxisnah umgesetzt werden.
Herr Schenzel, warum ist Schadenprävention in der Wohnungswirtschaft überhaupt so wichtig?
Stefan Schenzel: Schäden verursachen nicht nur Kosten, sondern auch aufwändige Abläufe in der Verwaltung und führen nicht selten zu Ärger mit Mietern. Besonders Leitungswasserschäden gehören zu den häufigsten und teuersten Schadenarten. Wer vorbeugt, spart Geld, steigert die Zufriedenheit der Mieter und schont Ressourcen.
AVW hat das Thema schon sehr früh aufgegriffen. Wie kam es dazu?
Stefan Schenzel: Wir haben bereits 2012 die Initiative Schadenprävention gegründet. Als Versicherungsmakler der Wohnungswirtschaft lag es uns am Herzen, Schäden nicht nur zu regulieren, sondern aktiv zu verhindern. Wir haben uns damals mit allen relevanten Feldern befasst: Naturgefahren, Einbruchschutz, Schimmel, Brandschutz und Leitungswasser.
Seit 2017 konzentrieren wir uns auf Leitungswasserschäden – die häufigste und teuerste Schadenart. Mit dem FORUM LEITUNGSWASSER haben wir Experten der Schadenprävention und technische Entscheider aus Wohnungsunternehmen zusammengebracht, um praxisnahe Maßnahmen speziell für die Branche zu entwickeln. Auf Basis von Erfahrungen aus über einer Million Schäden entstand so ein technischer Leitfaden, der die Expertise von Versicherungswirtschaft und Wohnungsunternehmen bündelt und konkrete Prävention ermöglicht.
Welche konkreten Maßnahmen setzen Sie heute um?
Stefan Schenzel: Unsere Kunden profitieren von einem ganzheitlichen Ansatz: Wir erfassen und analysieren Schadendaten unserer Kunden und verbinden das mit individueller Beratung zur praxisnahen Umsetzung.
Im Zentrum steht unser digitales Schadenmanagementportal (SMP), das alle Daten systematisch sammelt. Darauf basierend erstellen wir regelmäßige Analysen und besprechen die Ergebnisse gemeinsam. Als Schadenberater begleite ich die Unternehmen persönlich und unterstütze sie direkt vor Ort. In Inhouse-Workshops entwickeln wir mit den Teams passgenaue Lösungen. So lassen sich Schäden vermeiden – und aus jedem Fall wertvolle Erkenntnisse gewinnen.
Sie geben Ihr Wissen auch über Ihre Kunden hinaus weiter. Wie funktioniert das?
Stefan Schenzel: Genau. In Kooperation mit Wohnungswirtschaft heute. erscheint alle zwei Monate unser Online-Magazin FORUM LEITUNGSWASSER, das Erkenntnisse aus Workshops und von Partnern wie dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung Kiel (IFS) aufbereitet und der gesamten Wohnungswirtschaft zugänglich macht.
Außerdem sind wir Schirmherr von VdS-Fachtagungen und Lehrgängen zum Thema Leitungswasser. Hier teilen wir unser Wissen praxisnah und schaffen einen fachübergreifenden Austausch für die Branche.
Wie kommt das Angebot in der Branche an?
Stefan Schenzel: Sehr positiv. Unsere Kunden schätzen, dass wir nicht nur analysieren, sondern konkrete Lösungen liefern. Der präventive Ansatz sorgt für weniger Aufwand im Unternehmen und eine höhere Vermietbarkeit. Gleichzeitig erkennen Mieter: hier wird vorausschauend gehandelt – nicht erst im Schadenfall.
Das schafft Vertrauen und stärkt die Mieterbindung. So profitieren die Unternehmen auch finanziell: Weniger Schäden bedeuten eine geringere Schadenlast – das wirkt sich positiv auf die Versicherungsprämien aus und kann so die Betriebskosten senken.
Heute sprechen auch andere Makler über Schadenprävention. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung?
Stefan Schenzel: Wir begrüßen das ausdrücklich. Es zeigt, wie wichtig Prävention geworden ist – und dass wir mit unserer frühen Arbeit den richtigen Weg aufgezeigt haben. Andere steigen jetzt ein, wir bringen über zehn Jahre Erfahrung mit. Das gibt uns und unseren Kunden ein hohes Maß an Sicherheit und Verlässlichkeit.
Gleichzeitig ist es sehr positiv für die gesamte Branche: Je mehr Akteure das Thema aktiv angehen, desto mehr Schäden können frühzeitig vermieden werden – zum Vorteil von Wohnungsunternehmen, Mietern und Ressourcen.
Wo sehen Sie die nächsten Schritte in der Schadenprävention?
Stefan Schenzel: Schadenprävention wird noch stärker an Bedeutung gewinnen – nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, weil die nachhaltige Vermeidung von Schäden ein Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen ist. Wer Schäden vermeidet, spart Material und Aufwand. Zukünftig wollen wir diesen Ansatz weiter ausbauen und die Branche proaktiv begleiten.
Was empfehlen Sie Wohnungsunternehmen, die jetzt aktiv werden wollen?
Stefan Schenzel: Kommen Sie auf uns zu. Wir zeigen, wie Sie die Möglichkeiten der Schadenprävention optimal nutzen können – von der Analyse der Schadendaten über individuelle Beratung bis zu praxisnahen Workshops. So profitieren Sie direkt von unserer langjährigen Erfahrung und den erprobten Lösungen, die sich in zahlreichen Wohnungsunternehmen bereits bewährt haben.
Ein Heizwerk für Fernwärme. Über viele Kilometer wird Heizwasser von Heizwerken über Leitungen in den zu beheizenden Gebäuden transportiert. Die Lieferanten sind in der Regel Stadtwerke. In Deutschland arbeiten sie gewinnorientiert. Foto: Wohnungswirtschaft heute. / Gerd Warda
Der neue Heizspiegel für Deutschland zeigt: Die Kosten fürs Heizen waren 2024 rückläufig. Für das Jahr 2025 zeichnet sich jedoch eine Kehrtwende ab. Vor allem das Heizen mit Gas wird im Schnitt 15 Prozent teurer.
Aufgrund der höheren Energiepreise und des kalten Winters zu Jahresbeginn rechnen die Expert*innen von co2online mit einer Preissteigerung von bis zu 20 Prozent. Am deutlichsten steigen die Preise für Gas (+15 %) und Holzpellets (+20 %). Die Kostensteigerungen für Wärmepumpen (+5 %), Heizöl (+3 %) und Fernwärme (+2 %) fallen hingegen geringer aus. Für eine durchschnittliche 70-Quadratmeter-Wohnung bedeutet dies konkret:
Fossile Heizungen langfristig als Kostenfalle
In den nächsten 20 Jahren könnten die Heizkosten für Gas und Öl etwa dreimal so hoch ausfallen wie heute. Ein unsaniertes Einfamilienhaus mit Gasheizung verursacht demnach über einen Zeitraum von 20 Jahren Heizkosten in Höhe von rund 120.000 Euro. Durch eine energetische Modernisierung und den Wechsel zu einer Wärmepumpe sinken die Kosten im gleichen Zeitraum auf etwa 16.000 Euro. Ein Unterschied von über 100.000 Euro!
Schon heute mit kleinen Maßnahmen starten
90 Prozent der Haushalte könnten ihre Kosten im Schnitt um etwa 400 Euro pro Jahr senken. Angefangen bei geringinvestiven Maßnahmen wie der Einstellung der Raumtemperatur über größere Investitionen in den hydraulischen Abgleich bis hin zum Heizungstausch: Die Bandbreite ist groß und viele Maßnahmen sind förderfähig.
Ein Blick auf die Fernwärme
Rund 6 Millionen der 43 Millionen Wohnungen werden bei uns mit Fernwärme beheizt – rund 15 %. Die Heizwerke werden noch mit Kohle (zum Beispiel in Wedel) oder Gas befeuert. Über viele Kilometer wird Heizwasser von Heizwerken über Leitungen in den zu beheizenden Gebäuden transportiert. Die Lieferanten sind in der Regel Stadtwerke. In Deutschland arbeiten sie gewinnorientiert.
Unser nördlicher Nachbar Dänemark ist Fernwärmeland
Im Vergleich ist Dänemark Deutschland bei der Wärmewende weit voraus. Die Ölkrise in den 1970er Jahren beeinflusse die dänische Wirtschafts- und Energiepolitik massiv. Um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, setzte die dänische Regierung auf alternative Energiequellen und den Ausbau der Fernwärme.
Bereits 1979 wurde in Dänemark das Wärmeversorgungsnetz beschlossen, um die Wärmeplanung für alle Städte verpflichtend zu machen.
Fernwärmebetreiber dürfen keinen Gewinn machen
Seit 2013 sind fossile Heizungen im Neubau verboten und seit 2016 in bestehenden Gebäuden. Heute sind ca. 70% der Haushalte in Dänemark mit Fernwärme versorgt. (Zum Vergleich: der Anteil der Wärmeversorgung in Deutschland liegt bei ca. 15%.) In Dänemark werden etwa 85% der Fernwärmenetze genossenschaftlich betrieben.
Die Fernwärmebetreiber dürfen keinen Gewinn machen, müssen aber ihre Kosten decken. Etwaige Überschüsse fließen entweder in Form von niedrigen Wärmepreisen an die Verbraucher*innen zurück oder werden als Dividende ausgeschüttet. Die Fernwärmebetreiber gehören den Verbraucher*innen selbst. Sie kaufen die Genossenschaftsanteile und sind damit kollektive Eigentümer.
M-Bus Datenloggern und Gateways mit integriertem Webserver liefert Wohnungsunternehmen die technische Basis für eine effiziente, autarke und zukunftssichere Datenerfassung im Gebäude. Grafik: Relay GmbH
Die Digitalisierung ist der erste Schritt, um KI-gestützte Lösungen sinnvoll und nachhaltig einzusetzen. Wer heute in digitale Prozesse investiert, schafft nicht nur Effizienzgewinne, sondern legt den Grundstein für die intelligente Automatisierung von morgen.
Für das ausführende, montierende Unternehmen, wie zum Beispiel die Messdienstbranche, bedeutet das natürlich, automatisierte und verbesserte Prozesse nutzen zu können. Fast nebenbei kann sich so aber auch die Möglichkeit ergeben, das Wohnen bezahlbar zu machen, denn die Voraussetzung dafür und für wirtschaftliches Vermieten ist die Analyse von Verbrauchsdaten.
Digitalisierung als Fundament für KI
Künstliche Intelligenz (KI) ist gerade in aller Munde – doch ohne digitale Infrastruktur bleibt ihr Potenzial ungenutzt. Erst wenn Daten strukturiert erfasst, Prozesse digital abgebildet und Systeme vernetzt sind, können KI-Tools ihr volles Potenzial entfalten.
Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung: Wer seine Abläufe heute digitalisiert, schafft die Basis für smarte Assistenzsysteme, die morgen Routineaufgaben übernehmen, Fehler reduzieren und Entscheidungen beschleunigen. Natürlich gelingt das nicht „einfach so“ – Mitarbeit und vor allem der Wille zur Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens sind entscheidend.
Ein Beispiel: Digitale Zählerstände und mobile Applikationen lassen bereits heute eine effizientere Datenerfassung zu. Mit KI lassen sich diese Daten nicht nur schneller verarbeiten, sondern auch intelligent auswerten – etwa durch automatische Plausibilitätsprüfungen oder die Vorhersage von Wartungsbedarf. Doch ohne digitale Grundlagen bleibt KI ein Buzzword und kann keinen Vorteil bringen.
Konkrete Vorteile für die Praxis
Die Vorteile einer durchdachten Digitalisierungs- und KI-Strategie sind vielfältig und sollten heute hinreichend bekannt sein:
Effizienzsteigerung: Automatisierte Prozesse sparen Zeit und Ressourcen.
Qualitätsverbesserung: KI-gestützte Systeme erkennen Muster, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben, und minimieren so Fehlerquellen.
Kundenzufriedenheit: Digitale Schnittstellen und u.a. KI-Chatbots ermöglichen einen schnellen, 24/7-Kundenservice, der Anfragen in Echtzeit bearbeitet.
Skalierbarkeit: Digitalisierte Prozesse lassen sich leichter anpassen und erweitern, wenn neue KI-Anwendungen hinzukommen.
Neue Technologien sollten als Chance verstanden werden, bestehende Prozesse kritisch zu hinterfragen. Ist es wirklich nötig, einem Prozess weiterhin zu folgen oder hat dieser sich nur etabliert, weil bisher genutzte Software keine andere Möglichkeit zulassen konnte? Die Frage ist nicht mehr, wie man in Zukunft arbeiten will – man sollte sich mit den aktuellen, technologischen Möglichkeiten eher damit beschäftigen, ob man tatsächlich so weitermachen will, wie bisher.
Wer die Chancen der Digitalisierung nutzen will, sollte seine Abläufe kritisch prüfen und dort optimieren, wo digitale Tools bessere Lösungen bieten. Das bedeutet nicht, alles von Grund auf neu zu erfinden – aber offen für Verbesserungen zu sein, die Zeit sparen und die Qualität steigern. Genau das hat man bei der Firma Relay aus Paderborn erkannt und verstärkt auf aktuelle, moderne Technologien gesetzt.
Digitalisierung mit System – Relay und die Plattform EvE
Die Relay GmbH aus Paderborn ist seit vielen Jahren auf die Entwicklung und Produktion von M-Bus Geräten zur Verbrauchsdatenerfassung spezialisiert. Unter anderem mit modernen M-Bus Datenloggern und Gateways mit integriertem Webserver, wie den Geräten der WebLog Familie, liefert das Unternehmen die technische Basis für eine effiziente, autarke und zukunftssichere Datenerfassung im Gebäude.
Aufgrund zunehmender Kundenanfrage suchte Relay nach einer passenden Plattformlösung, um die WebLog Geräte und die erfassten Messdaten komfortabel managen, verarbeiten und visualisieren zu können. Auf der Heiko 2023 in Kassel kam das Unternehmen mit der craft IT ins Gespräch und wurde auf deren Messdienst-Plattform cape aufmerksam – der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit.
Aus dieser Kooperation entstand die gemeinsame Plattform EvE, die den Gerätepark des Kunden überwacht, sämtliche Verbrauchsdaten zentral bündelt und damit moderne digitale Prozesse ermöglicht. EvE steht für „Evaluate – Visualize – Export“ und wurde als offene, skalierbare Lösung konzipiert, die die klassische Zählerwelt mit den Anforderungen moderner, digitaler Arbeitsabläufe verbindet.
Die Plattform EvE überwacht den Gerätepark des Kunden, hier zugeordnet pro Wohnung. Sämtliche Verbrauchsdaten werden zentral bündelt und damit sind moderne digitale Prozesse möglich. Zum Beispiel: automatisierte Plausibilitätsprüfungen vor Erstellung der automatischen Verbrauchsrechnungen möglich. Oder bei Abweichungen von den „Normdaten“ lassen sich auch frühzeitig Materialverschleiß erkennen und so präventiv eine Wartung auslösen. Grafik: craft IT GmbH
Für Messdienstleister und Wohnungsunternehmen bedeutet das: weniger manuelle Arbeitsschritte, eine höhere Datenqualität und jederzeit transparente Informationen. Über automatisierte Plausibilitätsprüfungen, flexible Schnittstellen und eine intuitive Weboberfläche werden Verbrauchsdaten effizienter genutzt – und schaffen damit die Grundlage für zukünftige KI-Anwendungen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Relay und craft IT zeigt, wie Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft konkret umgesetzt werden kann: praxisnah, partnerschaftlich und mit Blick auf die Zukunft.
Erfolg braucht Offenheit
Neue Technologien entfalten ihr Potenzial nur, wenn die Mitarbeiter sie aktiv nutzen. Es ist verständlich, dass bewährte Prozesse, die über Jahrzehnte funktioniert haben, schwer loszulassen sind. Doch genau hier liegt die Chance: Wer sich auf digitale Werkzeuge einlässt und bereit ist, Abläufe den neuen Möglichkeiten anzupassen, entdeckt schnell, wie sehr sie den Arbeitsalltag erleichtern – sei es durch weniger manuelle Eingaben, schnellere Informationsflüsse oder mehr Zeit für das Wesentliche.
Der Mensch bleibt im Mittelpunkt
KI ersetzt keine Fachkräfte, sondern entlastet sie von repetitiven Aufgaben. Die Rolle des Menschen verschiebt sich vom Ausführenden zum Dirigenten: Er entscheidet, welche KI-Tools eingesetzt werden, überwacht deren Ergebnisse und nutzt die gewonnene Zeit für strategische Aufgaben. Klassisches Know-how bleibt dabei unverzichtbar – es wird durch digitale Intelligenz ergänzt.
Fazit: Jetzt handeln, um morgen zu profitieren
Die Digitalisierung ist kein Projekt mit Abschlussdatum, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Wer heute beginnt, seine Prozesse zu digitalisieren und sie konsequent an die neuen Möglichkeiten anpasst, schafft nicht nur kurzfristige Effizienzgewinne, sondern bereitet sein Unternehmen auf den Einsatz KI-Anwendungen vor. Denn die sind gekommen, um zu bleiben.
Wer weiterhin mithalten will oder an der Entwicklung seines Unternehmens interessiert ist, sollte die Themen Digitalisierung und KI ernst nehmen.