Die Transformation funktioniert nicht in Silos

Die Digitalisierung von Energie- und Gebäudemanagement wird für die Wohnungswirtschaft immer wichtiger. Verbrauchsdaten, intelligente Steuerung und die Integration erneuerbarer Energien sollen dabei helfen, Gebäude wirtschaftlicher und zugleich klimafreundlicher zu betreiben. Eine Plattform für die dafür notwendigen Lösungen und Akteure will die HEIKOM bieten. Am 13. und 14. Oktober 2027 geht die Fachmesse für digitales Energie- und Gebäudemanagement in der Messe Erfurt in ihre zweite Runde – und wächst gegenüber ihrer Premiere 2025 erheblich. Mit Hartmut Michels, Vorstand des DEUMESS e.V., sprach Kristof Warda, Chefredakteur von GebäudeTransformation, über die Entwicklung der Messe und darüber, warum sich für Wohnungsunternehmen ein Besuch in Erfurt lohnen soll.

GebäudeTransformation: Herr Michels, die Wohnungswirtschaft steht vor der Aufgabe, ihre Bestände klimafreundlicher zu machen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten. Welche Rolle spielen Digitalisierung und Verbrauchsdaten dabei?

2026 - Grenzen verschwimmen, neue Partnerschaften
Hartmut Michels. Foto: DEUMESS / Andreas Friese https://deumess.de/umkreissuche/

Hartmut Michels: Eine sehr wesentliche. Die Energiewende im Gebäudebestand funktioniert nicht allein dadurch, dass neue Technik eingebaut wird. Entscheidend ist auch, dass Verbräuche transparent werden und die vorhandenen Daten sinnvoll genutzt werden können. Erst dann lässt sich erkennen, wo Energie verbraucht wird, wo Einsparpotenziale liegen und wie sich Energieflüsse besser steuern lassen.

Genau damit beschäftigen sich auch unsere mehr als 220 Mitglieder bei DEUMESS. Das sind unabhängige Messdienstunternehmen, Stadtwerke und Immobilienunternehmen, überwiegend eigentümergeführte mittelständische und regional verankerte Unternehmen. Sie erheben und verarbeiten Verbrauchsdaten für Wärme, Strom und Wasser und schaffen damit eine wichtige Grundlage für ein effizientes Energiemanagement. Rund jede sechste Wohnung in Deutschland erhält Energiedienstleistungen von einem Mitglied unseres Verbandes.

Dabei geht es längst um mehr als nur die klassische Verbrauchserfassung. Digitale Daten ermöglichen es, den Energieverbrauch gezielt zu verringern und zu steuern sowie regenerative Energiequellen besser in die Versorgung von Gebäuden einzubinden.

Für die Immobilienwirtschaft entsteht daraus ein großes Handlungsfeld. Digitalisierung muss einen konkreten Nutzen für den Gebäudebetrieb schaffen: Gebäude sollen effizienter, energiesparender, CO2-ärmer beziehungsweise perspektivisch CO2-neutral, sicherer und gleichzeitig wirtschaftlicher betrieben werden können. Genau an dieser Schnittstelle setzt die HEIKOM an.

2025 hat DEUMESS die HEIKOM erstmals veranstaltet. 2027 geht die Messe in die zweite Runde und verdoppelt bereits ihre Fläche. Was hat Sie zu diesem deutlichen Wachstum bewogen?

Hartmut Michels: Die Entwicklung zeigt uns, dass es einen großen Bedarf an einer Fachmesse gibt, die digitales Energie- und Gebäudemanagement konsequent in den Mittelpunkt stellt. Die HEIKOM ist 2025 gestartet und findet im Zweijahresrhythmus statt. Schon für die zweite Veranstaltung können wir nun einen erheblichen Schritt nach vorne machen.

Am 13. und 14. Oktober 2027 wird die HEIKOM die gesamte Messehalle 1 der Messe Erfurt belegen. Damit verdoppeln wir nach nur einer Veranstaltung unsere Gesamtfläche. Wir können rund 90 Ausstellerplätze anbieten und rechnen mit mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Wichtig ist uns dabei, dass Wachstum nicht einfach nur mehr Quadratmeter bedeutet. Rund zwei Drittel der Halle sind für den eigentlichen Messebetrieb vorgesehen. Gleichzeitig schaffen wir Bereiche, in denen Begegnung und fachlicher Austausch stattfinden können. Dazu gehört beispielsweise ein eigener Meeting-Point und Kommunikationsflächen, die wir im kommenden Jahr noch ausweiten wollen. Auch die Start-Up-Area wird 2027 einen zentraleren Platz innerhalb der Messe erhalten.

Ein wichtiger Bestandteil bleibt außerdem unser Bühnenprogramm mit Fachvorträgen und Diskussions-Panels. Dafür gibt es einen eigenen Zuschauerbereich. Dabei ist die Bühne so in die Messe eingebunden, dass das Programm auch von vielen Messeständen aus verfolgt werden kann. Ausstellung, Wissenstransfer und Networking sollen also nicht getrennt nebeneinanderstehen, sondern ineinandergreifen. Trotzdem achten wir darauf, dass sich Bühnenprogramm und die Gespräche an den Ständen nicht kannibalisieren.

Denn wir wissen aus der Branche, wie wichtig die Gespräche außerhalb des eigentlichen Messebetriebs sind. Auch deshalb gehört die große Abendveranstaltung am 13. Oktober ebenfalls zum Konzept. In diesem Jahr schaffen wir dafür einen eigenen Bereich unmittelbar neben der Messefläche, sodass wir das Messegeschehen am ersten Messetag potenziell auch länger laufen lassen können.

GebäudeTransformation: Viele Wohnungsunternehmen kennen das Problem: Für Digitalisierung, Energie, Gebäudetechnik und Software gibt es eine kaum noch überschaubare Zahl von Einzellösungen. Was unterscheidet die HEIKOM von anderen Fachveranstaltungen?

Hartmut Michels: Unser Ansatz ist, gerade diese unterschiedlichen Welten zusammenzubringen. Die digitale und energetische Transformation einer Immobilie funktioniert nicht in einzelnen Silos. Sensorik allein löst das Problem ebenso wenig wie Software allein. Es braucht Planung, technische Infrastruktur, das Handwerk, Daten, Energiemanagement und schließlich diejenigen, die Gebäude betreiben und Investitionsentscheidungen treffen.

Deshalb verstehen wir die HEIKOM als Schnittstelle der zentralen Akteure, die die digitale und energetische Transformation von Wohn- und Gewerbeimmobilien vorantreiben. Auf der Messe treffen Planer auf Sensorik-Hersteller, das SHK-Handwerk auf Software-Dienstleister und Anbieter von Energiemanagement- und Integrationslösungen auf Wohnungswirte und Immobilienmanager.

Gerade diese Mischung ist wichtig. Wir wollen nicht nur etablierte Branchengrößen präsentieren. Start-ups gehören ausdrücklich dazu, weil von jungen Unternehmen häufig neue technologische Ansätze und Geschäftsmodelle kommen. Mit der zentral platzierten Start-Up-Area wollen wir diese Lösungen 2027 noch sichtbarer machen.

Für einen Wohnungsunternehmer oder Immobilienmanager liegt der Nutzen deshalb darin, innerhalb von zwei Tagen sehr unterschiedliche Lösungsansätze kennenlernen und miteinander vergleichen zu können. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, mit den Menschen dahinter unmittelbar ins Gespräch zu kommen. Das ist bei komplexen Themen wie Energiemanagement und Gebäude-Digitalisierung besonders wertvoll, weil sich die entscheidenden Fragen häufig erst im konkreten Austausch ergeben.

GebäudeTransformation: Zum Schluss ganz konkret: Warum sollte sich ein Entscheider aus der Wohnungswirtschaft den 13. und 14. Oktober 2027 schon heute im Kalender markieren?

Hartmut Michels: Weil die Fragen, mit denen sich die HEIKOM beschäftigt, in den kommenden Jahren für praktisch jedes Wohnungs- und Immobilienunternehmen an Bedeutung gewinnen werden. Wie können wir Energieverbräuche transparenter machen? Wie lassen sie sich besser steuern? Wie integrieren wir regenerative Energiequellen? Welche digitalen Systeme brauchen wir dafür? Und vor allem: Wie schaffen wir Lösungen, die technisch funktionieren und zugleich wirtschaftlich sind?

Auf der HEIKOM sollen diejenigen miteinander ins Gespräch kommen, die Antworten auf diese Fragen entwickeln, anbieten und in der Praxis umsetzen. Mit rund 90 Ausstellern, mehr als 1.500 erwarteten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dem Bühnenprogramm, der Start-Up-Area, den Meeting Points und unserer Abendveranstaltung schaffen wir dafür 2027 einen deutlich größeren Rahmen als bei unserer Premiere.

Deshalb richtet sich die Einladung ausdrücklich auch an die Wohnungswirtschaft: Kommen Sie am 13. und 14. Oktober 2027 nach Erfurt. Schauen Sie sich die Lösungen an, diskutieren Sie mit den Anbietern und Kollegen aus der Branche und bringen Sie vor allem Ihre eigenen Anforderungen und Erfahrungen ein. Denn die digitale und energetische Transformation des Gebäudebestands kann nur gelingen, wenn Technik, Energiewirtschaft und Immobilienwirtschaft gemeinsam an praxistauglichen Lösungen arbeiten.

Lieber Herr Michels, vielen Dank für das Gespräch.

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