Leitungswasserschäden gehören zu den teuersten und zugleich hartnäckigsten Schadenfeldern in der Wohnungswirtschaft. Doch angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Sanierungskosten und knappen Reparaturkapazitäten geht es längst nicht mehr nur um Versicherung und Schadenregulierung. Es geht um aktives Risikomanagement im Gebäudebestand.
Im Vorfeld der VdS-Fachtagung „Verhütung von Leitungswasserschäden“ am 10. September 2026 in Köln hat Wohnungswirtschaft heute. Chefredakteur Gerd Warda mit Dr. Georg Scholzen, der Experte im FORUM LEITUNGSWASSER der AVW-Unternehmensgruppe, Moderator und fachlicher Impulsgeber der Veranstaltung gesprochen. Er erklärt, warum Prävention heute wichtiger ist, denn je – und weshalb Leitungswasserschäden für die Wohnungswirtschaft zunehmend zur Managementaufgabe werden.
Herr Dr. Scholzen, ist Leitungswasserschaden heute eigentlich noch ein Versicherungsthema – oder längst eine Managementaufgabe für die Wohnungswirtschaft?
Dr. Georg Scholzen: Ja, es ist weiterhin ein Versicherungsthema, aber das ist viel zu kurz gegriffen, wenn man die LW-schäden nur auf die Versicherungsthematik beschränkt. Ein Leitungswasserschaden bedeutet in der Regel, dass auch die Eigentümer einen Anteil begleichen müssen. Hier hängt es sehr vom Versicherungsvertrag, Schadenart, Schadenhöhe, Zustand des Gebäudes, Anzahl der LW-Schäden in einem definierten Zeitraum, Quotierung etc. ab, wie hoch der Schaden bezahlt wird bzw. wie der Versicherer mit dem Versicherungsvertrag umgehen wird. Also wird immer stärker ein Eigenanteil beim Wohnungsunternehmen verbleiben.
Außerdem müssen die Kosten für den Wasserverlust und das Abwasser hinzugerechnet werden. Für WU können Kosten bei Unbewohnbarkeit bzw. Sanierung hinzukommen. Alles Unwägbarkeiten, die auftreten und zusätzliche Kosten für Wohneigentümer bedeuten können. Daher ist es richtig, LW-Schäden als Managementaufgabe des Unternehmens zu sehen. Dazu helfen die nächsten Fragen, uns dem Thema zu nähern.
Jährlich entstehen rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden mit Kosten von mehr als vier Milliarden Euro. Warum gelingt es trotz jahrzehntelanger Erfahrung bislang nicht, diese Zahlen nachhaltig zu senken?
Dr. Georg Scholzen: Weil LW-Schäden sehr vielfältig sind und das gesamte LW-System in einem Gebäude komplex ist. Außerdem gibt es nicht den einen Fehler, sondern es gibt eine Reihe von Fehler, je nachdem in welche Phase wir uns bei einem Gebäude befinden. Also von der Planung über die Ausschreibung zu der Installation bis hin zur Übergabe/Abnahme mit Inbetriebnahme und anschließend des Betriebes ergeben sich immer wieder neue Anforderungen an die Ver- und Entsorgung von Leitungswasser. Schäden können oft erst Jahr später auftreten, obwohl die Fehler schon in der Planung entstanden sind oder bei der Installation. Ich hatte vor zehn Jahren einen Fall als durch einen Blindstopfen auf ein Kupferrohr im Keller nach über 30 Jahren durch Korrosion ein Schäden von über 20.000 Euro in einem EFH entstand ist.
Und genau dafür ist ein Leitungswassermanagement nötig. Das kann die Versicherungswirtschaft nicht erfüllen, allerdings gibt es gute Versicherer, die die Wohnungswirtschaft dahingehend unterstützen. Oder zum Beispiel das Forum Leitungswasser von AVW initiiert und mit der Wohnungswirtschaft zusammen in mehreren Workshops aufgestellt.
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