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Mutig Neuland beschreiten

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Neben leistbarem Wohnraum stehen in dicht bebauten Gebieten immer stärker Erholungszonen und Grünräume im Zentrum. Die Kostenfrage wurde mit einem von Bürgern initiierten Public- Private-Partnership-Modell für ein Projekt in New York vorbildlich gelöst und trägt nun dazu bei, dass das Wohnumfeld im Wert steigt.
STEPHANIE DRLIK

Grünraum zählt zu den überzeugendsten Argumenten bei der Wohnentscheidung. Je grüner die Wohnanlage oder die Umgebung, desto eher entscheiden sich Mieter oder Käufer für eine Immobilie. Das macht das begrünte Wohnumfeld nicht nur zu einem wichtigen ökologischen, sozialen und volkswirtschaftlichen Faktor für Städte, sondern insbesondere auch zu einem betriebswirtschaftlichen für Bauträger. Eine der beliebtesten Wohnformen ist das „Wohnen am Park“. Aufgrund des wirtschaftlichen Nutzens rückt daher seit geraumer Zeit die Freiraumtypologie des öffentlichen Parks zunehmend in das Interesse der Immobilienwirtschaft.

Bei der Errichtung und Erhaltung von Quartiersparks in Stadterweiterungsgebieten sind Kooperationen zwischen Kommunen und Bauträgern bereits gängige österreichische Praxis. In der dichten Bestandsstadt ist die Schaffung von Parks durch die gewachsenen urbanen Strukturen generell schwieriger, doch es gibt Wege. Dafür lohnt sich ein Blick auf ein spannendes Projekt im Land der, in Bezug auf Parks leider auch nicht gänzlich unbegrenzten Möglichkeiten.

Zwischen 2006 und 2019 entstand im Süd-Westen Manhattans, New York, ein 2,4 Hektar großer, öffentlicher Park im dicht bebauten Gebiet der Lower West Side. Um eine Freifläche dieser Größe zu schaffen, hätte auf herkömmlichem Weg ein ganzer Baublock geschliffen werden müssen. Stattdessen verließ man die üblichen, bodengebundenen Parkplaner- Pfade und versuchte, in 7,5 Metern Höhe Neuland zu beschreiten, auf der Bahntrasse einer stillgelegten Hochbahn.

Die ehemalige „West Side Elevated Line2, auch kurz „High Line“ genannt, war eine 1933 für den Güterverkehr errichtete Hochbahn, die durch berühmt-berüchtigte New Yorker Viertel wie „Hells-Kitchen“ oder den „Meatpacking District“ führte, aber bereits 1980 stillgelegt wurde. Im Zuge von in den 1990er-Jahren gestarteten Stadtentwicklungsvorhaben sollten im Stadtteil Chelsea ansässige Fleischfabriken und Subkultur-Clubs sowie die ungenutzte und desolate Frachtenbahntrasse Platz für ein attraktiveres, rundumerneuertes Büro- und Wohnviertel machen.

So zumindest der Wunsch der mächtigen New Yorker Immobilienentwickler und einiger einflussreicher Politiker. Dass sich heute dennoch 2,33 Kilometer Parkneuland auf der Trasse der ehemaligen Hochbahn durch die luftigen Höhen von 33 New Yorker Blocks schlängeln und damit eines der weltweit innovativsten Parkprojekte der vergangenen Jahrzehnte entstand, ist allen voran den „Friends of the High Line“ zu verdanken. Dabei handelt es sich um eine zivilgesellschaftlich getragene NGO, bestehend aus zahlreichen engagierten Anrainern, prominenten Unterstützern und Künstlern sowie Behördenvertretern. Man rettete nicht nur die Hochbahn vor dem Abriss, sondern trieb auch die visionäre Idee eines Hochbahn-Parks voran.

Totschlagargument Kosten?

In einer Zeit in der Stadtkommunen immer weniger Budget für die Errichtung und Erhaltung öffentlicher Parks zur Verfügung steht, fallen teure und extravagante Projekte wie jenes des High Line Parks, der mit hohem technischen Aufwand errichtet wurde, üblicherweise dem Totschlagargument der überbordenden Kosten zum Opfer. Doch im Fall des High Line Parks wurde dieses Problem umgangen und ein Großteil der Errichtungs- und Erhaltungskosten durch Sponsoren und Förderer eingebracht.

Der Schlüssel zum großen Erfolg des High Line Parks scheint, neben der guten Idee und der gelungenen Arbeit des Planungsteams (James Corner Field Operations; Diller Scofidio + Renfro; Pete Oudolf), insbesondere in der Finanzierungs- und Betriebsform zu liegen. Eine Public-Private-Partnership-Vereinbarung zwischen der Stadt New York und den Friends of the High Line als Parkbetreiber regelt die Verteilung von Kosten und Pflichten. Für die ersten beiden Bauabschnitte konnten 150 Millionen Dollar gesammelt werden, 50 Millionen hat die Stadt zu den Errichtungskosten beigesteuert.

Die Kosten von etwa 35 Millionen Dollar für den dritten Bauabschnitt haben die Friends of the High Line zur Gänze selbst durch Fundraising finanziert. Das jährliche Betriebsbudget liegt bei rund 11,5 Mio USD, das zu 90 Prozent aus privaten Spenden stammt. Etwa 5,0 Millionen davon gehen an das parkpflegende „New York City Department of Parks and Recreation“…

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