Von VNW-Direktor Andreas Breitner.
In Schleswig-Holstein und Hamburg sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt worden als im Jahr 2024. In Schleswig-Holstein wurden 8.942 Wohnungen übergeben. Das ist ein Rückgang um 2.091 Wohnungen bzw. 19,0 Prozent. In Hamburg lag die Zahl der fertiggestellten Wohnungen bei 5.976. Das sind 2.343 Wohnungen bzw. 28 Prozent weniger als 2024. Das teilte das Statistikamt Nord am Freitag mit.
Die Ergebnisse sind ernüchternd und eine Warnung zugleich. Damit diese Krise die Baukonjunktur nicht völlig abwürgt, brauchen wir schnellere Baugenehmigungsverfahren, mehr geeignete Grundstücke, tatsächlich verfügbare Baumaterialien, weniger Standards, effiziente öffentliche Förderung, mehr Grundstücksverkäufe und weniger Verpachtung.
Der ‚Hamburg-Standard‘ und das Prinzip des ‚einfachen Bauens‘ in Schleswig-Holstein führen den Wohnungsbau in die richtige Richtung. Aber das allein wird es nicht richten.
Nach wie vor unverständlich bleibt, dass die gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft mit ihren Bauprojekten oftmals denselben Schwierigkeiten, Hürden und Hindernissen ausgesetzt wird wie renditeorientierte Privatinvestoren.
Würde man mehr auf Vermieter mit Werten setzen und diese im Behördenalltag stärker unterstützen, wäre auf dem norddeutschen Wohnungsmarkt vieles besser. Hier werden regelmäßig und andauernd Chancen verpasst.
Die Zahlen sind vor allem bitter für alle diejenigen, die eine Wohnung suchen. Einmal mehr zeigt sich, dass es am Ende darauf ankommt, bezahlbare Wohnungen zu bauen, anstatt nur darüber zu diskutieren. Die aktuellen Zahlen sollten alle eines Besseren belehren, die immer noch glauben, durch mehr ‚Druck‘ auf soziale Vermieter die Lage zu verbessern.
Enteignungsfantasien sind genauso schädlich wie weitere bürokratische Auflagen, die den Unternehmen wertvolle Investitionsmittel entziehen. Überlegungen, die Kappungsgrenze oder die Modernisierungsumlage zu senken, sollten sofort wieder in den Schubladen verschwinden.
Sowohl Hamburg als auch Schleswig-Holstein haben in den vergangenen Jahren die öffentliche Förderung des Wohnungsbaus deutlich erhöht. Das ist richtig und alternativlos. Mit den Bemühungen, die Baukosten zu senken, und dem von der Bundesregierung beschlossenen ‚Bau-Turbo‘ gibt es Instrumente, um aus der Baukrise herauszukommen.
Die schleswig-holsteinischen Kommunen und in Hamburg die Bezirksverwaltungen sind jetzt gefordert, diese Möglichkeiten zu nutzen, und sollten in Zusammenarbeit mit den Wohnungsunternehmen schauen, ob das eine oder andere Wohnungsbauprojekt vorgezogen werden kann. Wir müssen ins Machen kommen.
Entscheidend wird sein, bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen und auf weitere Belastungen der sozialen Vermieter zu verzichten. Dazu gehört, die Energiewende pragmatisch voranzutreiben.
Mehr ‚Rückgrat‘ der Lokalpolitik
Zu guter Letzt wünschen sich soziale Vermieter mehr ‚Rückgrat‘ der Lokalpolitik, wenn Anwohner Protest gegen Pläne einer Nachverdichtung organisieren. Oftmals ist Nachverdichtung der effizientere Weg, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Andreas Breitner
Vorstand und Verbandsdirektor Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)


