Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
was haben eine falsch angeschlossene Geschirrspülmaschine, Blei im Trinkwasser, die Nutzung von Grau- und Regenwasser und die Prävention von Leitungswasserschäden miteinander zu tun? Mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Denn Wasserqualität, Material, Installation, Verbrauch und Schadenprävention hängen eng zusammen. Wassermanagement im Gebäudebestand bedeutet deshalb, diese Themen gemeinsam zu betrachten.
Das beginnt im Kleinen: Ein Vermieter ersetzt eine alte Geschirrspülmaschine durch ein modernes, wassersparendes Gerät. Lieferung und Anschluss gibt es beim Onlinekauf günstig dazu. Aber zwei Monate später zeigen sich Feuchtigkeit und Schimmel.
Dieses Beispiel des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IfS) zeigt: Ein sparsames Gerät allein macht noch keine nachhaltige Lösung. Ein mangelhafter Anschluss kann die eingesparten Liter schnell zur Nebensache werden lassen. Wirtschaftlichkeit umfasst daher auch Qualität, Installation und Schadenrisiken.
Wasserqualität endet nicht am Hausanschluss
Ähnliches gilt für die Trinkwasserqualität. Seit dem 12. Januar 2026 sind Bleirohre in Trinkwasserinstallationen gesetzlich verboten. Dennoch weisen aktuelle Laboruntersuchungen weiterhin Blei in privaten Wasserproben nach. Damit die Qualität vom Hausanschluss bis zum Wasserhahn erhalten bleibt, spielen Materialien, Armaturen sowie Alter und Zustand der Installation eine wichtige Rolle.
Für Wohnungsunternehmen lohnt sich daher ein genauer Blick auf den Bestand: Welche Leitungen sind verbaut? Wo bestehen Risiken? Wo zeichnet sich Sanierungsbedarf ab? Trinkwasserqualität und Schadenprävention treffen sich hier an einem zentralen Punkt – beim Zustand der technischen Infrastruktur.
Wassersparen weitergedacht
Wie umfassendes Wassermanagement aussehen kann, zeigt der Bauverein zu Lünen mit dem i.WET-Konzept. Das vom Fraunhofer ISI entwickelte Konzept verbindet Regen- und Grauwassernutzung mit Wärmerückgewinnung und Starkregenvorsorge.
Wasser-, Energie- und Stoffkreisläufe werden dabei gemeinsam betrachtet: Frischwasser wird eingespart, Regenwasser zurückgehalten und Energie zurückgewonnen. Gerade angesichts von Trockenheit, Hitze und Starkregen gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung.
Dabei muss nicht alles auf einmal umgesetzt werden. Solche Lösungen können schrittweise mit den Sanierungszyklen von Gebäuden und Infrastruktur verbunden werden. So lassen sich heutige Entscheidungen mit den Anforderungen von morgen verknüpfen.
Vom Versicherungsfall zur Managementaufgabe
Auch beim Leitungswasserschaden lohnt sich der Blick über den einzelnen Versicherungsfall hinaus. Rund 1,1 Millionen Schäden mit Kosten von mehr als vier Milliarden Euro jährlich zeigen die wirtschaftliche Dimension. Versicherer regulieren Schäden – Wohnungsunternehmen haben zusätzlich die Möglichkeit, durch Prävention deren Entstehung zu reduzieren.
Angesichts steigender Sanierungskosten, knapper Handwerkerkapazitäten und Mietausfälle wird dieser Aspekt immer relevanter. Prävention beginnt dabei lange vor dem Wasser auf dem Fußboden: bei Planung und Ausschreibung, Materialwahl und Installation, ebenso wie bei Abnahme, Dokumentation, Wartung und Modernisierung.
Damit wird Leitungswasserschadenprävention in erster Linie zu einer Managementaufgabe.
Eine Aufgabe, nicht vier
Die Themen dieser Ausgabe verbindet ein gemeinsamer Gedanke: Wasserqualität sichern, geeignete Materialien einsetzen, Wasser effizient nutzen und Schäden vermeiden sind eng miteinander verknüpft. Zusammen bilden sie ein professionelles Wassermanagement im Gebäudebestand.
Hilfreich sind dafür gute Kenntnisse der eigenen Bestände, klare Qualitätsanforderungen an Planung und Handwerk sowie langfristige Instandhaltungs- und Sanierungsstrategien. Im Mittelpunkt steht der Perspektivwechsel vom Reagieren auf Schäden hin zu einem vorausschauenden Umgang mit Risiken.
Genau hier setzt die VdS-Fachtagung „Verhütung von Leitungswasserschäden“ am 10. September 2026 in Köln an. Dr. Georg Scholzen, Experte des FORUM LEITUNGSWASSER der AVW-Unternehmensgruppe, begleitet sie als Moderator und fachlicher Impulsgeber.
Die Botschaft der Veranstaltung: Leitungswasserschäden werden nicht erst dann zum Managementthema, wenn sie auftreten. Wer Wasser, Material, Installation, Betrieb und Prävention zusammendenkt, kann Risiken früher erkennen und Schäden besser vermeiden.
Darum geht es: Schäden nicht nur gut zu bewältigen, sondern möglichst gut zu verhindern.
Dies und mehr erwartet Sie in der Ausgabe 36 von FORUM LEITUNGSWASSER.
Ich wünsche Ihnen eine hilfreiche Lektüre!
Vielen Dank und viele Grüße
Hartmut Rösler
Geschäftsführer der AVW Unternehmensgruppe


