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Energiewende! Jetzt mit Neustart aus der Sackgasse – Weg mit Dämmwahn, her mit Technologieoffenheit und Effizienz

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Die Energiewende ist an einem toten Punkt angelangt. Die Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen die Zeche in Form hoher und weiter steigender Stromkosten –vor allem auch für die Wohnungswirtschaft und ihre Mieterinnen und Mieter bedeutet sie enorme finanzielle und planerische Belastungen. Dennoch wird Deutschland seine vertraglich vereinbarten Klimaschutzziele deutlich verfehlen. Ein wesentlicher Grund für diese kostspielige Diskrepanz: In der deutschen Energiewende- Logik spielen Ressourcen- und Ergebniseffizienz bislang keine Rolle. Eine im Auftrag des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. erstellte Studie zeigt jetzt auf, wie eine Wende der Energiewende aussehen könnte.

Die Studie mit dem Titel „Energiewende Irrtümer aufbrechen, Wege aufzeigen“ –basiert auf der wissenschaftlichen Auswertung der Erfahrungen mit einem mehrfach ausgezeichneten Modellquartier des Berliner Wohnungsunternehmens Märkischen Scholle eG. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Welches sind die Hebel, mit denen ein klimaneutraler Gebäudebestand wirtschaftlich und sozial verträglich umgesetzt werden kann? Beauftragt wurde die Studie insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit auf Bundesebene laufenden Diskussionen um eine mögliche Neuausrichtung der Energiepolitik im Rahmen eines Gebäude- Energiegesetzes (GEG).

Die Wurzel des Problems: Fokus auf Dämmung statt Effizienz

Als Ursachen für die angesichts ihrer hohen Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher bislang unbefriedigenden Ergebnisse der Energiewende identifiziert die Studie für den Gebäudebereich mehrere Faktoren. Dreh- und Angelpunkt dabei: Dass nicht die ganzheitliche – also beginnend bereits mit der Produktion der Baustoffe – Reduzierung von CO2-Emissionen der Maßstab für die Bewertung der Effizienz gesetzlich vorgeschriebener Maßnahmen ist, sondern der – in der Praxis eher fiktive – Primärenergiebedarf einer Wohnung. Deshalb werde die Wohnungswirtschaft gezwungen, mit enormem Ressourcen- und Geldaufwand in vielfach wenig effektive Maßnahmen zu investieren. Zwei Beispiele:

Erstens: „Viel hilft viel“ – diese Logik geht bei der Dämmung längst nicht mehr auf. Jenseits der Sicherstellung der Behaglichkeit und einer unstrittig notwendigen auch baulichen Energieeinsparung führt jeder weitere Zentimeter Materialaufwand nur noch zu einer exponentiell abnehmenden Einsparung beim Heizwärmebedarf, während der Kosten-, Ressourcen- und Primärenergieaufwand des Materials linear zunimmt. Die Folge sind weiter steigende Baukosten bei allenfalls noch minimalen Einsparergebnissen. Trotzdem ist die Dämmdicke nach wie vor die wesentliche Stellgröße innerhalb der deutschen Fördersystematik.

Und zweitens: Für die deutsche Energiewende ist das Einzelgebäude das Maß aller Dinge – obwohl seine isolierte Betrachtung die enormen CO2-Einsparhebel, die beispielsweise auch bei der Energie- und Wärmeübertragung oder in der Vernetzung von Gebäuden innerhalb eines Quartiers liegen, völlig unberücksichtigt lässt. Aller längst vorliegenden wissenschaftlichen Studien zur Sinnhaftigkeit einer wesentlich stärkeren Quartiersorientierung findet ein Umdenken hier sowohl sehr langsam als auch sehr mühsam statt.

„Energiewende Reloaded“: Das wäre notwendig

Die BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin und Brandenburg haben beim Klimaschutz viel erreicht. Im Vergleich zu 1991 liegen ihre CO2-Emmissionen heute um etwa 70 Prozent niedriger – das entspricht einer jährlichen Entlastung um rund 3,1 Millionen Tonnen. Allerdings sind nach derzeitiger Energie-wende- Systematik die Potenziale zu weiteren Einsparungen im Bestand mittlerweile ganz wesentlich ausgereizt, und im Neubau nur zu hohen Kosten und letztlich unbefriedigenden Ergebnissen zu erzielen. Für die jetzt notwendige Neuausrichtung der Energiewende sind daher drei Eckpunkte wichtig:

Fokussierung auf Ergebnisse statt auf Instrumente

Statt Energiekennwerten sollten CO2-Emissionen zu den wesentlichen Zielgrößen der Energiewende gemacht werden. Maßstab sowohl in den gesetzlichen Grundlagen der Energiewende als auch für die gesamte Fördersystematik muss sein, wie viel CO2 durch die jeweiligen Maßnahmen insgesamt eingespart wird: und dabei müssen auch Lebenszyklus- und Nachhaltigkeitsbetrachtungen endlich eine zentrale Rolle spielen, weil sonst z.B. evtl. Energie- und CO2-Einsparungen im Gebäudebereich nur zu steigendem Energieverbrauch und CO2-Ausstoß bei Produktion und Transport von Baustoffen führen – womit aus Sicht der nationalen Klimabilanz nichts gewonnen wäre. Wichtig ist dabei auch die Berücksichtigung der Gesamteffizienz (= Maßnahmen im Quartier statt nur an Einzelgebäuden).

Technologieoffenheit

Um die Energiewende effektiv und bezahlbar zu machen, muss bei jedem Neubau- oder Modernisierungsprojekt der Wettbewerb um die jeweils beste Lösung möglich sein. Auch hier muss gelten: Erster Maßstab zur Bewertung des Nutzens, der Sinnhaftigkeit und auch der Förderfähigkeit von Maßnahmen ist die Menge des damit langfristig und insgesamt eingesparten CO2…

Energiewende! Jetzt mit Neustart aus der Sackgasse

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