Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Was bewegt Bauherren, Wohnungsunternehmen, Architekten und Planer in diesen Zeiten? Vielleicht vor allem eine Frage: Wie schaffen wir Zukunft, wenn Geld, Ressourcen und Spielräume knapper werden?
Die Antworten darauf fallen zunächst unterschiedlich aus. Wohnungsunternehmen müssen Investitionen finanzierbar halten und zugleich ihre Bestände zukunftsfähig machen. Architektur- und Ingenieurbüros wiederum erleben wirtschaftlichen Druck, rückläufige Auftragsbestände und eine Unsicherheit, die längst auch die Leistungsfähigkeit des Bauens insgesamt berührt. Und über allem steht die Forderung nach Nachhaltigkeit.
Vielleicht lohnt deshalb ein Perspektivwechsel.
Nachhaltigkeit muss nicht immer mit dem großen Austausch beginnen. Ein Fenster, dessen Beschlag verschlissen ist, muss nicht zwangsläufig ausgebaut werden. Eine neue Dichtung, ein reparierter Beschlag, eine fachgerechte Wartung können seine Lebensdauer verlängern. Das Vorhandene weiterzuverwenden, spart Material, vermeidet Abfall und schont Investitionsbudgets. Erhalten, reparieren, weiterverwenden – das klingt unspektakulär. Tatsächlich könnte genau darin ein wesentlicher Baustein des nachhaltigen Bauens liegen.
Dieser Gedanke lässt sich weiterführen. Denn auch planerische Kompetenz ist eine Ressource, die erhalten werden muss. Wenn fast 4.900 Architektur- und Ingenieurbüros in einer aktuellen Konjunkturbefragung von zunehmendem wirtschaftlichem Druck berichten, betrifft das nicht nur eine Berufsgruppe. Wer Wohnungen bauen, Bestände transformieren, Städte klimaresilient machen und Infrastruktur modernisieren will, braucht leistungsfähige Planer. Einfachere Verfahren, verlässliche Projektabläufe und auskömmliche Honorare sind deshalb keine Nebensache. Sie gehören zu den Voraussetzungen dafür, dass aus Investitionsabsichten tatsächlich gebaute Realität wird.
Und dann ist da noch etwas, das in Zeiten knapper Budgets besonders schnell unter „verzichtbar“ eingeordnet wird: Kunst am Bau.
Dabei zeigt das Beispiel der GWW in Wernigerode, was schon mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand entstehen kann. Street-Art an Wohngebäuden schafft Orientierung, unterscheidet Orte voneinander und gibt Quartieren Identität. Bewohner kommen miteinander ins Gespräch. Jugendliche werden beteiligt. Aus einer ansonsten anonymen Wand wird ein Punkt, mit dem Menschen ihren Wohnort verbinden.
GWW-Geschäftsführer Christian Zeigermann bringt es auf „drei Bausteine“: Gebäude, Freiraum und Kunst im öffentlichen Raum prägen gemeinsam ein lebenswertes Quartier.
Vielleicht liegt genau darin die Verbindung dieser scheinbar unterschiedlichen Themen.
Wir sollten den Wert des Vorhandenen neu betrachten. Das gilt für ein Fenster ebenso wie für planerisches Wissen, für ein bestehendes Wohnquartier ebenso wie für seine sozialen Beziehungen. Nachhaltigkeit bedeutet dann mehr als Energiekennwerte und CO₂-Bilanzen. Sie bedeutet auch Wartung statt vorschnellem Austausch, verlässliche Bedingungen für diejenigen, die unsere gebaute Umwelt planen, und Investitionen in eine Gestaltung, die aus Häusern sichere Orte macht.
Die entscheidende Frage für Bauherren und Wohnungsunternehmen lautet deshalb vielleicht nicht mehr nur: Was müssen wir neu bauen? Sondern ebenso: Was haben wir bereits – und was können wir daraus machen? Das wäre ein Perspektivwechsel, der sich lohnen könnte.
Dies und vieles mehr lesen Sie in der September-Ausgabe 2026 von Wohnungswirtschaft architektur. .
Bauen und planen Sie mit der Natur!
Ihr Gerd Warda und das Team von Wohnungswirtschaft architektur. .


