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Daniel Domscheit-Berg im Gespräch – Digitale Services, Privatsphäre und Datenhoheit: Warum die Wohnungswirtschaft Herr über die Datenströme sein sollte

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Das Stichdatum „25. Mai 2018“ ist mittlerweile allen Unternehmen, die personenbezogene Daten verarbeiten, ganz klar vor Augen: Zu diesem Tag endet die Einführungsphase der neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung (kurz EU-DSGVO) und die neuen Richtlinien müssen umgesetzt sein. Der richtige Zeitpunkt also, um mit einem Experten in Sachen Datenhoheit darüber zu sprechen, wie sich die Wohnungswirtschaft überhaupt zu den Themen Transparenz, Datenschutz und Privatsphäre positionieren sollte. Wir haben mit Daniel Domscheit-Berg, IT-Sicherheitsexperte und gefragter Redner zum Thema Datenschutz, darüber gesprochen.

Herr Domscheit-Berg, Ende Mai 2018 wird europaweit die EU-DSGVO endgültig wirksam, das Thema Datenschutz ist also derzeit bei vielen Unternehmen auf der Agenda ganz oben. Privat stellen sich die Menschen smarte Lautsprecher in die Wohnungen und generieren mit ihren Fragen und Anweisungen an Alexa und Co. unbekümmert verwertbare Datenströme. Wie lässt sich diese digitale Schizophrenie erklären, was macht das digitale Selbstverständnis zwischen Transparenz und Privatsphäre der Menschen heute aus?

Daniel Domscheit-Berg: Zunächst sollte man die Begriffe Transparenz und Privatsphäre sauber differenzieren, weil sie sich auf unterschiedliche Themenbereiche beziehen. Das wird oft in der Diskussion durcheinandergeworfen. Transparenz bedeutet zunächst einmal das Gegenteil von Geheimhaltung und betrifft Strukturen – Institutionen können transparent sein, nicht Privatpersonen. Für sie gilt dann die Privatsphäre, die sich auch aus ganz persönlichen Entscheidungen ableitet und definiert, denn ich entscheide ja, ob ich fremden Menschen etwa bei einem „Tag der offenen Tür“ Zugang zu meiner Wohnung gewähre oder im Internet Informationen zu meiner Person zugänglich mache – auch gegenüber Dritten wie zum Beispiel Amazon. Im Kontext der Wohnungswirtschaft und der hier verarbeiteten, personenbezogenen Daten kommt dann wieder die Transparenz ins Spiel – wie werden diese Daten gespeichert, weiterverarbeitet oder anderen Akteuren wertschöpfend zur Verfügung gestellt?

Und hier setzt auch der europaweite Versuch der DSGVO an, den Wildwuchs der unterschiedlichen Regulierungen glattzuziehen und im digitalen Zeitalter öffentliche Stellen wie auch Unternehmen zu berücksichtigen. Vom Anliegen her ist diese neue Grundverordnung eine tolle Sache – sie hat aber eben nichts damit zu tun, ob Sie in Ihrer Wohnung sitzen und sich entschieden haben, Alexa von Amazon zu benutzen.

Und dennoch müssen wir hier über das Thema Datenschutz sprechen, denn Anbieter wie Amazon, also zum Beispiel auch Facebook und Google, versuchen sich bisweilen Regulierungen zu entziehen, wenn sie die Informationen, die durch die Nutzung ihrer Dienste gesammelt werden, vermarkten. Das Produkt ist bei genauer Betrachtung der Nutzer, denn er trägt ja im Wesentlichen dazu bei, dass digitale Assistenten wie Alexa oder Apples Siri überhaupt lernen können, weil er sie mit dem nötigen Rohstoff versorgt. Dass mithilfe von Alexa in einem Smart Home auf Spracheingabe das Licht angeht, betrifft das Verhältnis vom Nutzer zum Diensteanbieter – das Wohnungsunternehmen ist da erst einmal außen vor.

Welche Verantwortung haben denn Unternehmen der Wohnungswirtschaft in die-sem Beziehungsgeflecht? Sollten sie den Mieter nicht schützen und dazwischen-geschaltet werden?

Daniel Domscheit-Berg: Das wäre mir ehrlich gesagt zu paternalistisch, denn es geht ja eigentlich um einen privaten Kernbereich des Lebens – ich entscheide, wie ich mein Wohnen in den mir überlassenen Räumen gestalte und welche Dienste ich dafür nutze. Die Frage ist eine ganz andere: Was entgeht den Wohnungsunternehmen da? Wer sollte eigentlich die Dienste bereitstellen?

Hier entwickelt sich die Situation nämlich in eine Richtung, die nicht zu begrüßen ist. Wirtschaftskonzerne wie Amazon treten durch Smart-Home-Dienste und Instrumente, die diese Services direkt steuern können, in einen Teilbereich, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben. Hier entstehen Monopole auf Basis von Datenströmen, an denen die Wohnungswirtschaft…

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