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Wird das „neue europäische Bauhaus“ wirklich grün? Die Entdeckung des Bestandes als Zukunftsprogramm und alter Hut

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Mitten in der Corona-Pandemie meldete sich die EU-Kommission mit einem Paukenschlag: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief ein „neues europäisches Bauhaus“ aus. Interessierte aus allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere Wissenschaft, Architektur und Design, sollen gemeinsam daran arbeiten, dass das neue Bauhaus zum Zugpferd für den europäischen „Green Deal“ wird.

Bis zum Sommer 2021, heißt es in einer Pressemitteilung der EU-Kommission, werde ein „partizipativer Prozess“ auf den Weg gebracht, um das „neue europäische Bauhaus“ zu gestalten. Ab 2022 soll dann in verschiedenen EU-Ländern ein Netzwerk aus fünf Gründungsbauhäusern entstehen.

Hinter der Bauhaus-Kampagne verbirgt sich eine neue Phase der europäischen Energie-Effizienzpolitik, die die CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent reduzieren soll. Langfristiges Ziel dieses „energy efficiency first-Prinzips“ ist eine klimaneutrale EU bis zum Jahr 2050. Nach Überarbeitung der Richtlinie 2010/31/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD) 2018 lenkt die EU-Kommission das Augenmerk ihrer Klimapolitik damit erneut auf den Bausektor. So sollen im kommenden Jahrzehnt 35 Millionen Gebäude energetisch saniert werden. Während die hier zwischen den Zeilen herauszulesende pauschale Abwertung des Bestandes mit Blick auf das eigentliche Ziel problematisch sein könnte (energetische Mängel versus stoffliche Ressource), lassen die weiteren Punkte der Ankündigung aufhorchen.

Mit der Stärkung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen sollen Lebenszyklen im Bauwesen in Gesamtenergiebilanzen einbezogen werden. Auch soziale Aspekte der Ressourcenthematik (Energiearmut durch ineffiziente Gebäude) nimmt die EU-Kommission in den Blick. Neu ist in diesem Zusammenhang auch der hohe bau-kulturelle Anspruch, mit dem konkret an die Erklärung von Davos „Towards a High-quality Baukultur in Europe“ aus dem Jahr 2018 angeknüpft werden soll. So lässt die EU-Kommission für die jetzt angekündigte Renovierungswelle wissen: „Bei der Renovierung müssen die Grundsätze der Planung, des Handwerks, des Kulturerbes und der Erhaltung des öffentlichen Raumes beachtet werden.“ Erreicht werden soll dies mit einem breit angelegten Ausbildungs- und Umschulungsangebot für die Bauwirtschaft.

Haben wir es also mit einer Kehrtwende in der Baupolitik zu tun? Was die anvisierte exekutive Durchschlagskraft der Klimaziele angeht, stellen Renovierungswelle und europäisches Bauhaus tatsächlich eine neue Qualität dar. Inhaltlich jedoch ist das Vorhaben der EU-Kommission keine völlig neue Erfindung, sondern wird teilweise seit Jahrzehnten von Fachverbänden der Denkmalpflege gefordert und in Architekturkreisen seit Langem praktiziert.

Für das 20. Jahrhundert genügt beispielsweise ein Blick in die 1970er Jahre, die sogenannte Dekade der Denkmalpflege. In dieser bis zum Ölpreisschock noch von großflächigen Sanierungsmaßnahmen gekennzeichneten Zeit wurde der Altbaubestand als Baustein lebendiger Innenstädte wiederentdeckt. Höhe-punkt war das Europäische Denkmalschutzjahr 1975, das auf einer Initiative des Europarates beruhte und seit den späten 1960er Jahren vorbereitet wurde…

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