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Freiheit Emscher kann durchstarten – Land und EU unterstützen mit Millionen-Förderung

Freiheit Emscher kann starten - Land und EU unterstützen
NRW-Wirtschaftsstaatssekretär Paul Höller (Dritter von links) überreicht die JTF-Zuwendungsbescheide an Prof. Dr. Uli Paetzel (Emschergenossenschaft/Lippeverband), Bottrops Oberbürgermeister Matthias Buschfeld, Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, Gernot Pahlen, Geschäftsführer der Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft und Michael Kalthoff, Vorsitzender der Geschäftsführung RAG Montan Immobilien. Fotos: Judith Lorenz, © Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbH

78 Millionen Euro für urbane Transformation im Ruhrgebiet: Staatssekretär Paul Höller vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE) Nordrhein-Westfalen überreichte Anfang Januar im Bottroper Malakoffturm die Zuwendungsbescheide für Mittel aus dem Just Transition Fund (JTF) an Freiheit Emscher.

Damit bekräftigt die Landesregierung ihre Unterstützung für das interkommunale Stadtentwicklungsprojekt. Freiheit Emscher ist ein Kooperationsvorhaben der Städte Essen und Bottrop gemeinsam mit der RAG Montan Immobilien GmbH (RAG MI). Auf einer Gesamtfläche von rund 1.700 Hektar soll in den kommenden Jahren ein wirtschaftsstarker und klimagerechter Stadtraum entstehen.

Im Zentrum dieses Wandels steht die wirtschaftliche und ökologische Aufwertung fünf ehemaliger, im Projektraum gelegener Bergbaubrachen. Mit den JTF-Mitteln fördern das Land und die Europäische Union bis 2029 die ersten Umsetzungsschritte.

Fünf Flächen, zwei Städte, ein gemeinsames Projekt

„Die Übergabe der JTF-Zuwendungsbescheide ist ein wichtiger Meilenstein für Freiheit Emscher“, sagte Gernot Pahlen, Geschäftsführer der gemeinsam von den Städten und der RAG Montan Immobilien gegründeten Freiheit Emscher Entwicklungsgesellschaft mbH (FEEG). „Unser Ansatz, die Fördermittel im Sommer 2023 als Verbund von Bottrop, Essen, RAG MI und der Emschergenossenschaft zu beantragen, war richtig. Hier wurde von Beginn an einem Strang gezogen – ein Erfolg mit Vorbildfunktion für interkommunale Zusammenarbeit weit über die Region hinaus.“

Im Verbundprojekt Freiheit Emscher fließen die JTF-Fördermittel in die nachhaltige Entwicklung der ersten beiden von insgesamt fünf Entwicklungsflächen: Emil Emscher im Essener Stadtteil Vogelheim und Welheimer Mark in Bottrop.

Bottrops Oberbürgermeister Matthias Buschfeld erläuterte die Bedeutung des Projekts für die Entwicklungsziele der Stadt: „Bottrop hat sich zu einer Vorreiterin in Sachen Klimaschutz und nachhaltiger Stadtentwicklung gewandelt. Dieser Vorreiterrolle möchten wir auch mit Freiheit Emscher gerecht werden. Von den geplanten städtebaulichen Maßnahmen und der verbesserten Verkehrsanbindung wird auch der Bottroper Süden profitieren.“

Vorbild für urbane Transformation der Zukunft

Den Modellcharakter von Freiheit Emscher hob auch Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur hervor: „Freiheit Emscher zeigt, wie aus alten Industriestandorten neue Chancen entstehen können – für gute Arbeitsplätze, mehr Lebensqualität und eine gesunde Umwelt. Wenn Städte, Unternehmen und Wasserwirtschaft über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, entsteht etwas, das weit über einzelne Flächen hinaus wirkt. Genau so stellen wir uns den Strukturwandel im Ruhrgebiet vor: nachhaltig, innovativ und nah an den Menschen.“

In Essen setzt die FEEG die JTF-Förderung dazu ein, die rund 29 Hektar große Fläche Emil Emscher – Standort der gleichnamigen, 1973 stillgelegten Zeche – zu sanieren und baureif zu machen (Foto oben). Ein fünf Kilometer langer Gewerbeboulevard soll die Fläche mit dem Bottroper Süden verbinden. Der als 25 Meter breite Allee geplante Boulevard soll ein gleichberechtigtes Neben- und Miteinander von motorisiertem und nicht-motorisiertem Verkehr ermöglichen. Dank Trassen für Rad- und Fußverkehr, Grünstreifen und Aufnahmeflächen für Regenwasser zeichne sich der Boulevard als zukunftsweisende Mobilitätsachse aus, wie der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen betonte.

Wasserwirtschaft und städtebauliche Entwicklung gehen Hand in Hand

Auf Bottroper Seite entwickelt Freiheit Emscher die Fläche in der Welheimer Mark zum Standort für Forschungseinrichtungen und wissensbasierte Unternehmen. Die unmittelbare Nähe zur Kläranlage der Emschergenossenschaft prädestiniert die Fläche für zirkuläres, nachhaltiges Wirtschaften. Auch in der Welheimer Mark stellt der Ausbau des Gewerbeboulevards den ersten Schritt dar, um die Fläche an die benachbarte Verkehrsinfrastruktur anzuschließen. Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, informierte über die Renaturierung der Aspelflötte – eine Maßnahme, die das Gebiet ökologisch enorm bereichern wird.

Erster Bebauungsplan im Frühjahr 2026

Freiheit Emscher bietet hervorragende Chancen,urbane Transformation und nachhaltiges Wachstum mit der sozial-ökologischen Aufwertung der angrenzenden Quartiere in Essen und Bottrop zu verbinden. Wie wichtig dabei die enge Zusammenarbeit mit den Städten ist, machte Michael Kalthoff, Vorsitzender der Geschäftsführung RAG Montan Immobilien, deutlich: Die Sanierungsarbeiten würden konsequent an die Zeithorizonte der Bebauungsplanungen angepasst und eng mit den kommunalen Prozessen abgestimmt, um die Entwicklung im Zeitplan zu halten.

So solle im Frühjahr 2026 der Bebauungsplan für Emil Emscher verabschiedet werden, den Satzungsbeschluss für die Welheimer Mark strebe man ein Jahr darauf an. Die drei weiteren Entwicklungsflächen Sturmshof, Hafen Coelln-Neuessen und Prosper II stehen derzeit noch unter Bergaufsicht. Ihre sukzessive Erschließung soll in den kommenden Jahren die Vision von Freiheit Emscher als produktive und klimagerechte Stadt der Zukunft vollenden.

Julian Jochmaring

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15. Mainzer Immobilientag: „Wie gibt man nicht nur 500 Milliarden nachhaltig richtig aus?“

„Wie gibt man nicht nur 500 Milliarden nachhaltig richtig aus?“
Prof. Dr. Ing. Ulrich Bogenstätter gründete vor 15 Jahren den Mainzer Immobilien Tag. Er ist Motor des Treffens der Entscheider aus der Immobilienbranche mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs. im November 2025 stand der 15. Mainzer Immobilien Tag an. Das Thema: „Wie gibt man nicht nur 500 Milliarden nachhaltig richtig aus?“ Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Der 15. Mainzer Immobilientag (MIT) markierte ein besonderes Jubiläum: Seit 15 Jahren dient die Veranstaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Bogenstätter als Brücke zwischen Forschung und Immobilienpraxis.

Das diesjährige Motto „Wie gibt man nicht nur 500 Milliarden nachhaltig richtig aus?“ traf den Nerv einer Branche, die sich im Spannungsfeld zwischen gigantischen staatlichen Sondervermögen und der harten Realität des Wohnungsbestands bewegt.


Hörfassung:


Das Credo des Tages – „Deutschland ist gebaut“ – zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge: Der Fokus muss radikal weg vom Neubau und hin zur effizienten Bewirtschaftung und Revitalisierung des Bestands gelenkt werden.

15. Mainzer Immobilientag Referenten und Beiräte

Die Schock-Diagnose: Wenn 20 Jahre alte Gebäude zum Sanierungsfall werden

Eine der überraschendsten Erkenntnisse lieferte Stephan Winn (apoprojekt): Er konstatierte, dass moderne Gebäude heute immer schneller „altern“. Prominentes Beispiel ist das Sony Center am Potsdamer Platz, das trotz seiner modernen Optik mit massivem Leerstand kämpft, weil es als „Single-Tenant“-Objekt für große Corporates gebaut wurde und heute die nötige Flexibilität für kleinteilige Nutzungen vermissen lässt. Zudem führt eine überkomplexe Technische Gebäudeausrüstung (TGA) dazu, dass Immobilien bereits nach zwei Jahrzehnten technisch veraltet sind.

Diese Einschätzung wurde durch Ralf Michels (VDIV) auf eine schmerzhafte wirtschaftliche Ebene gehoben. Er warnte vor einer finanziellen Überforderung der Eigentümer und Mieter. Energetische Vollsanierungen kosten heute zwischen 1.000 und 2.000 Euro pro Quadratmeter, was die Mieten um bis zu 3,50 Euro pro Quadratmeter steigen lassen müsste, um rentabel zu sein.

Michels’ bittere Erkenntnis für die Wohnungswirtschaft: Die Kommunikation über Sanierungen scheitert oft an der Realität – insbesondere in alternden Eigentümergemeinschaften, in denen die Generation 50+ Investitionen scheut, deren Amortisation sie nicht mehr erleben wird.

ESG-Reporting: Vom bürokratischen Monster zum „Abfallprodukt“

Ein entscheidender Impuls für die tägliche Arbeit der Wohnungsverwalter kam von Laura Beck (M&P BEGIS). Ihre zentrale These: ESG-Reporting sollte kein eigenständiger, mühsamer Prozess sein, sondern als automatisches „Abfallprodukt“ eines digitalisierten Betriebs abfallen.

Sie zeigte auf, dass 60 bis 80 % der benötigten Daten bereits vorhanden, aber unstrukturiert in Excel-Listen oder Aktenordnern versteckt sind. Werden Standardprozesse wie das Störungsmanagement digital abgebildet, entstehen die Datenpunkte für Scope 1, 2 und 3 ganz von selbst.

Flankiert wurde dies durch den juristischen Blick von Dr. Till Kemper (HFK). Er räumte mit der Illusion auf, BIM (Building Information Modeling) sei nur ein „Fancy 3D-Modell“. Für die Wohnungswirtschaft ist digitales Datenmanagement heute ein „Must-Have“ für die Finanzierung. Banken fordern zunehmend präzise Daten zur energetischen Qualität und erheben bei schlechten Energieklassen bereits Risikozuschläge von bis zu 0,9 % auf den Zinssatz.

Strategische Instandhaltung: Lebenszyklus statt Momentaufnahme

Die wissenschaftliche Basis für langfristige Entscheidungen lieferte Prof. Dr. Andrea Pelzeter (HWR Berlin). Sie revidierte eine alte Branchenweisheit: Nicht 80 %, sondern eher 50 % der Lebenszykluskosten fallen bereits in der Herstellungsphase an. Für Entscheider bedeutet dies: Es lohnt sich, initial mehr Geld in Qualität zu investieren, um die späteren Folgekosten drastisch zu senken. Dennoch warnte sie vor der „Technikfalle“ – komplexe TGA verursacht oft höhere Instandhaltungskosten, als sie an Energie einspart.

Wie man Sanierungsstaus radikal auflöst, demonstrierte Wolfgang Weinhold (DB Infrago) am Beispiel der Riedbahn. Das Modell der „Generalsanierung“ unter Totalsperrung verdichtete Arbeiten, die normalerweise 10 Jahre gedauert hätten, auf ein halbes Jahr. Auch wenn dies auf Wohngebäude nur bedingt übertragbar ist, zeigt es den Wert einer maximalen Gewerke-Parallelität und operativer Härte zur Qualitätssicherung.

Innovationen: Kreislaufwirtschaft und die „Kirchenbox“

Dass Nachhaltigkeit auch pragmatisch und modular funktionieren kann, bewies Johannes Krämer (Bistum Mainz) mit dem Konzept der „Kirchenbox“. Dieser Raum-im-Raum-Einbau ermöglicht es, große, schwer nutzbare Hallen ohne Eingriff in die Substanz für neue Zwecke zu erschließen – und das zu Kosten eines Mittelklassewagens.

Ergänzt wurde dieser praktische Ansatz durch Sophie Führer (ETH Zürich), die das Gebäude als Materiallager der Zukunft (Circular Economy) beschrieb. Innovationen auf Komponentenebene, wie intelligente Türzargen, könnten den Re-Use von Bauteilen massiv vereinfachen.

Grün ist kein Luxus, sondern Infrastruktur

Einen mahnenden Abschluss fand der Tag beim Thema Außenanlagen. Hartmut Balder (Institut für Stadtgrün) und Ralf Semmler machten deutlich, dass Stadtgrün das einzige Asset einer Immobilie ist, das über die Jahre an Wert gewinnt – sofern es kompetent gepflegt wird.

Doch Balder warnte vor unbedachten „Schwammstadt“-Konzepten: Ein unkontrolliert steigender Grundwasserspiegel kann die Statik alter Keller gefährden und paradoxerweise Bestandsbäume durch Staunässe abtöten. Grün muss daher ab „Phase Null“ als technische Infrastruktur mitgedacht werden.

15. Mainzer Immobilientag Partner und Sponsoren

Fazit für die Branche

Der 15. Mainzer Immobilientag hat gezeigt: Die Zeit der Pilotprojekte ist vorbei, wir müssen in die Fläche. Die wichtigsten Takeaways für Entscheider sind:

  1. Einfachheit gewinnt: Reduzieren Sie die Komplexität der Gebäudetechnik, um die Immobilie flexibel und wartungsarm zu halten.
  2. Daten sind Gold: Digitalisieren Sie Ihre operativen Prozesse nicht für das Reporting, sondern für die Betriebseffizienz – das ESG-Berichtswesen fällt dann quasi kostenlos mit ab.
  3. Partnerschaft statt Konfrontation: Integrierte Planungsmodelle (Design & Build) und kooperative Vertragsgestaltungen (wie bei PPP-Projekten) sind der Schlüssel, um die Risiken des Bauens im Bestand in den Griff zu bekommen.

Kristof Warda


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Turbo statt Trägheit: Wie wir die Milliarden-Investitionen auf die Straße bringen

Wie wir die Milliarden-Investitionen auf die Straße bringen
Wenn wir es nicht schaffen, die Realisierung von Projekten drastisch zu beschleunigen, wird das bereitgestellte Kapital durch Baupreissteigerungen und bürokratischen Leerlauf entwertet, bevor der erste Spatenstich erfolgt, warnt Holger Basten auf dem 15. Mainzer Immobilientag. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), gilt in der Branche als „Urgestein“. In seinem Vortrag auf dem Mainzer Immobilientag verzichtete er auf Hochglanz-Bilder von Baustellen und legte stattdessen den Finger in die Wunde der deutschen Bauverwaltung: die Prozess- und Realisierungsgeschwindigkeit.

Warum das wichtig ist

Die öffentliche Hand ist mit Abstand der größte Bauherr in Deutschland – doch sie ist oft auch der langsamste. Der Vortrag von Holger Basten (LBB) auf dem 15. Mainzer Immobilientag ist für die Wohnungswirtschaft ein Signal von höchster Brisanz: In den kommenden Jahren fließen hunderte Milliarden Euro in die Infrastruktur, doch unser aktuelles Vergabesystem wirkt wie eine angezogene Handbremse.

Wenn wir es nicht schaffen, die Realisierung von Projekten drastisch zu beschleunigen, wird das bereitgestellte Kapital durch Baupreissteigerungen und bürokratischen Leerlauf entwertet, bevor der erste Spatenstich erfolgt. Für Entscheider in der Immobilienwelt bedeutet dies: Wir müssen weg von der kleinteiligen Einzelvergabe hin zu partnerschaftlichen, digitalen Modellen.

Bastens Analyse zeigt auf, dass „schneller bauen“ kein technisches Problem ist, sondern eine Frage von mutigen Prozessen und moderner Kooperation.

Das 500-Milliarden-Paket: Eine gewaltige Aufgabe

Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro soll zwischen 2026 und 2038 in den Bevölkerungsschutz, Verkehr, Energie, Bildung und das Bauen fließen. Allein für Rheinland-Pfalz bedeutet dies ein Volumen von etwa 4,8 Milliarden Euro, was jährlich rund 150 Millionen Euro zusätzliche Investitionen generiert. Davon fließen etwa 60 % direkt an die Kommunen.

Doch Basten warnt: Die reine Verfügbarkeit von Geld baut noch keine Häuser. Der LBB verwaltet bereits jetzt ein Portfolio von 2,9 Millionen Quadratmetern und stemmt Projekte im Wert von Milliarden – etwa für die Bundeswehr, die NATO oder die US-Streitkräfte. Die entscheidende Frage für jeden Entscheider lautet: Wie verhindern wir, dass diese Mittel in den Mühlen der Verwaltung zermahlen werden?

Der LBB verwaltet bereits jetzt ein Portfolio von 2,9 Millionen Quadratmetern und stemmt Projekte im Wert von Milliarden – etwa für die Bundeswehr, die NATO oder die US-Streitkräfte. Verdeutlicht Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB).Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Die Fesseln des Vergaberechts

Eines der größten Hindernisse ist das starre öffentliche Vergaberecht. Ab einer Schwelle von 200.000 Euro für Planungsleistungen und 5,5 Millionen Euro für Bauleistungen muss europaweit ausgeschrieben werden. Das führt zu absurden Zeitverzögerungen: Ein digitales Verfahren zur Suche eines Planungsbüros dauert heute zwischen 6 und 9 Monaten, bevor überhaupt die erste Zeichnung erstellt wird. Grund dafür ist unter anderem ein 680 Seiten starkes Vergabehandbuch des Bundes.

Besonders kritisch sieht Basten die einzelgewerkweise Vergabe. Am Beispiel eines Laborneubaus verdeutlichte er den Irrsinn: 115 Einzelverfahren führten zu 115 Werkverträgen. Tritt in nur einem dieser Verträge eine Leistungsstörung auf, droht das gesamte Projekt zu kippen. Sein Fazit: Von diesen kleinteiligen Verfahren müssen wir dringend wegkommen.

Die „Pause“ als Produktivitätskiller

Basten identifizierte die internen Prüf- und Genehmigungsverfahren als zweiten großen Bremsklotz. Oft vergehen zwischen dem Vorentwurf und der eigentlichen Finanzierungszusage Jahre. In dieser Zeit bleibt die Planung liegen, Beteiligte wechseln und das Wissen verdunstet. Diese „Schleifen“, in denen ständig neu geprüft und eskaliert wird, kosten wertvolle Zeit, die wir angesichts des hohen Bedarfsdrucks nicht mehr haben.

Lichtblick: Digitale Kollaboration und integrierte Verträge

Wie es besser geht, zeigt das derzeit größte Projekt des LBB: Das US-Klinikum in Weilerbach mit einem Volumen von fast 1,4 Milliarden US-Dollar. Hier wurden keine 20 oder 30 Einzelverträge geschlossen. Stattdessen setzt man auf:

  • Ein integriertes Verfahren: Bauherr, Planer und Firmenkonsortium arbeiten unter einem einzigen, komplex verhandelten Vertrag zusammen.
  • Internes Eskalationsmanagement: Streitigkeiten werden nicht vor Gericht, sondern projektintern gelöst.
  • Voll digitalisierte Baustelle: Drohnenbefliegung für Abnahmen, digitale Materiallogistik und Apps für jeden Handwerker.

Dieses Projekt beweist, dass moderne Methoden wie die Modulbauweise oder funktionale Ausschreibungen (bei denen ein Generalunternehmer die Ausführungsplanung übernimmt) die Bauzeit massiv verkürzen können.

Strategie für Entscheider: 5 Punkte für mehr Tempo

Basten schloss seinen Impuls mit einer klaren Forderung an die Politik und die Branche:

  1. Vergabeprozesse anpassen: Weg von der Einzelvergabe bei Großprojekten.
  2. Interne Beschleunigung: Genehmigungsverfahren bei öffentlichen Auftraggebern straffen.
  3. Durchgängige Bearbeitung: Planung und Bau dürfen nicht durch jahrelange Entscheidungspausen unterbrochen werden.
  4. Neue Beschaffungsvarianten: Mietkauf, Leasing und ÖPP-Verfahren wieder verstärkt nutzen.
  5. Bessere Kollaboration: Angesichts des Fachkräftemangels müssen alle Partner digital und prozessual enger zusammenarbeiten.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Riesige Investitionssummen: Bis 2038 stehen 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastruktur, Digitalisierung und Wohnen bereit.
  • Bürokratie-Stau: Allein das Finden eines Planungsbüros dauert aufgrund europaweiter Ausschreibungen und 680-seitiger Regelwerke oft 6 bis 9 Monate.
  • Vertrags-Wahnsinn: Ein mittleres Großprojekt (ca. 100 Mio. €) erfordert heute teils über 115 Einzelverfahren und Werkverträge – ein enormes Risiko für Bauablaufstörungen.
  • Eskalationsschleifen: Öffentliche Projekte hängen oft jahrelang in Prüf- und Genehmigungsschleifen fest, was zu langen Pausen zwischen Entwurf und Bau führt.
  • Erfolgsmodell Weilerbach: Das US-Klinikum (1,38 Mrd. USD) zeigt, wie es geht: Ein einziger Vertrag mit einem Konsortium, integrierte Planung und digitales Baustellenmanagement.
  • Lösungsansatz: Funktionale Ausschreibungen, Modulbauweise und eine „durchgängige Bearbeitung“ ohne Entscheidungspausen sind der Schlüssel zur Beschleunigung.

Kristof Warda


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Mehr als nur Rasenmähen: Grün als strategische Infrastruktur der Wohnungswirtschaft

Grün als strategische Infrastruktur der Wohnungswirtschaft
Prof. Dr. habil. Hartmut Balder, (Institut für Stadtgrün): Für Entscheider ist das Thema deshalb so brisant, weil falsche Planung beim Grün zu massiven Schäden an der Bausubstanz und den Leitungen führt, während richtig integriertes Grün die einzige Komponente einer Immobilie ist, die über die Jahre an Wert gewinnt. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Auf dem 15. Mainzer Immobilientag räumte Hartmut Balder, Leiter des Instituts für Stadtgrün, mit dem romantischen Bild des Stadtbaums auf. Sein Plädoyer war klar: Wer grün baut, muss grün managen – und zwar digital, kompetent und vor allem vorausschauend.

Warum das wichtig ist

Stadtgrün wird in der Wohnungswirtschaft oft noch als „kostspielige Dekoration“ oder reine Außenanlagen-Pflege missverstanden. Doch der Vortrag von Hartmut Balder (Institut für Stadtgrün) auf dem 15. Mainzer Immobilientag macht deutlich: Im Zeitalter von Klimaanpassungsgesetz und Schwammstadt-Konzepten ist die grüne Infrastruktur eine betriebswirtschaftliche Kernkomponente.

Für Entscheider ist das Thema deshalb so brisant, weil falsche Planung beim Grün zu massiven Schäden an der Bausubstanz und den Leitungen führt, während richtig integriertes Grün die einzige Komponente einer Immobilie ist, die über die Jahre an Wert gewinnt. Wer heute die Vernetzung von „Grau“ (Bauwerk), „Blau“ (Wasser) und „Grün“ (Pflanzen) ignoriert, riskiert nicht nur rechtliche Konflikte, sondern auch unvorhersehbare Instandhaltungskosten im Lebenszyklus.

Die „Phase Null“: Warum der Baum kein Anhängsel ist

Balder kritisierte scharf, dass in der aktuellen Baupraxis die „integrierte Planung“ oft beim Grün aufhört. Bäume werden in zu kleine Pflanzlöcher „gesteckt“, ohne dass das Wachstumspotenzial der nächsten 50 bis 100 Jahre bedacht wird. Die Folge: Nach 20 Jahren heben Wurzeln Gehwegplatten an, zerstören Abdichtungen oder dringen in Entwässerungsleitungen ein.

Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das: Die Planung muss in „Phase Null“ beginnen. Grün muss als belastbare Infrastruktur begriffen werden, die denselben Stellenwert hat wie Strom- oder Wasserleitungen.

Chancen und die „dunkle Seite“ der Schwammstadt

Das Konzept der Schwammstadt – also Regenwasser nicht in die Kanalisation zu leiten, sondern vor Ort zu speichern und für Pflanzen zu nutzen – klingt theoretisch perfekt. Balder zeigte jedoch die Risiken auf:

  1. Baum-Stress: Nicht jeder Baum verträgt plötzliche Wassermassen. Platanen etwa wachsen auf trockenen Böden und können bei zu viel Wasser (z. B. durch gezielte Versickerung in Mulden) absterben.
  2. Grundwasser-Gefahr: In vielen Städten wurde der Grundwasserspiegel über Jahrzehnte künstlich abgesenkt. Wenn wir nun massiv entsiegeln und Wasser versickern lassen, steigt der Pegel wieder. Das kann dazu führen, dass plötzlich Wasser in Kellern steht, die seit 100 Jahren trocken waren.
  3. Schadstoffe: Regenwasser wäscht Schadstoffe von Dächern und Fassaden (z. B. Mikroplastik oder chemische Rückstände). Keiner weiß derzeit genau, wie diese Stoffe langfristig die Baumgesundheit oder die Qualität des Grundwassers beeinflussen.

Wertsteigerung statt technischem Verfall

Ein faszinierender Aspekt des Vortrags war der Vergleich zwischen Technik und Natur: Während technische Anlagen (TGA) ab dem Tag des Einbaus an Wert verlieren und verschleißen, ist ein Baum das einzige Element einer Immobilie, das bei richtiger Pflege über 100 Jahre einen Wertzuwachs generiert. Balder betonte jedoch, dass dieser Wertzuwachs kein Selbstläufer ist.

Er forderte eine kompetente Pflege im Lebenszyklusmodell. Zu oft werde in den „Großbaum“ investiert, aber die Wachstumsgrundlage (Bodenvolumen, Wasserführung) vergessen, sodass der Baum nach 20 Jahren als „Bonsai“ verkümmert und seine Funktion für das Mikroklima verliert.

Die Logistik-Lücke: Woher kommen die Millionen Bäume?

Politische Programme wie in Berlin (eine Million neue Straßenbäume) oder der EU-Plan für Milliarden Bäume bis 2030 klingen gut, stoßen aber auf eine reale Barriere: Es gibt nicht genug Baumschul-Kapazitäten und keinen Platz.

In den hochverdichteten Leitungszonen unserer Städte ist kaum noch Raum für Wurzeln. Balder mahnte an, dass wir erst den Boden „aufräumen“ müssen, bevor wir über großflächige Begrünung reden können.

Fazit für Entscheider

Für Wohnungsunternehmen bedeutet eine moderne Stadtentwicklung, dass Grün, Blau und Grau als Einheit gedacht werden müssen. Das erfordert:

  • Den Mut, technische Strukturen (Leitungen) anzupassen, um Platz für Wurzeln zu schaffen.
  • Die Abkehr von „Leuchtturmprojekten“ (wie überteuerten begrünten Bunkern), die nur mit extrem hohem digitalen Steuerungsaufwand überleben.
  • Einen Fokus auf robuste Lösungen, die auch in 100 Jahren noch funktionieren, ohne die Statik oder die Entwässerung des Gebäudes zu gefährden.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Integrierte Planung fehlt: Stadtgrün wird oft erst am Ende der Planung „dazugequetscht“, statt es von Anfang an in Phase Null als Teil der Infrastruktur mitzudenken.
  • Wurzeln als Kostenfalle: Ungesteuertes Wurzelwachstum ist einer der teuersten Faktoren im urbanen Raum, da es Leitungen verstopft und Gebäude zerstören kann.
  • Risiko Schwammstadt: Das Versickern von Regenwasser (Schwammstadt-Konzept) kann den Grundwasserspiegel so weit anheben, dass Keller geflutet werden oder Altbäume absterben.
  • Wertzuwachs durch Pflege: Pflanzen sind das einzige Gewerk, das bei kompetenter Pflege im Lebenszyklus an Wert gewinnt – im Gegensatz zu Technik, die nur veraltet.
  • Biologische Risiken: Die Klimaerwärmung schleppt Krankheiten ein (z. B. Platanen-Sterben), die ganze Baumbestände innerhalb weniger Jahrzehnte vernichten können.
  • Datenmangel: Es fehlen Langzeitstudien zu Schadstoffeinträgen aus Baumaterialien (Mikroplastik) in die Baumscheiben und deren Wirkung auf das Grundwasser.

Kristof Warda


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Raum-in-Raum: Wie die „Kirchenbox“ den Bestand flexibel macht

Während feste Einbauten in denkmalgeschützte Gebäude oft Unsummen verschlingen, kostet eine Kirchenbox etwa so viel wie ein Mittelklassewagen, rechnete Johannes Krämer, Baudirektor beim Bistum Mainz, vor. Foto: Wohnungswirtschaft heute. gw

Johannes Krämer, Baudirektor beim Bistum Mainz, brachte eine Kernbotschaft mit zum Immobilientag: Die Kirche muss kleiner werden, will aber ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht aufgeben. In einem spannenden Dialog mit Adalbert Schmidt von der Landeskirche Hannover zeigte er auf, wie aus der Not eine architektonische Tugend werden kann.

Warum das wichtig ist

Die Kirche steht vor einer Herausforderung, die viele Akteure der Wohnungswirtschaft in ähnlicher Form kennen: Der Bestand passt nicht mehr zum Bedarf. Während die Kirche mit schwindenden Mitgliederzahlen und riesigen, schwer zu beheizenden Sakralbauten kämpft, steht die Wohnungswirtschaft oft vor dem Problem, dass Gemeinschaftsflächen oder leerstehende Gewerbeeinheiten im Quartier nicht flexibel genug genutzt werden können. Der Vortrag von Johannes Krämer (Bistum Mainz) auf dem 15. Mainzer Immobilientag liefert hier einen brillanten, lösungsorientierten Ansatz.

Das Konzept der „Kirchenbox“ zeigt, wie man mit minimalem Aufwand, ohne Eingriffe in die Bausubstanz und zu überschaubaren Kosten neue, nutzbare Räume in bestehenden Hüllen schafft. Für Entscheider ist das ein wichtiges Signal: Bestandserhalt muss nicht immer Kernsanierung bedeuten. Kluge, modulare „Raum-im-Raum“-Lösungen können die Antwort auf Leerstand und starre Grundrisse sein.

Das Problem: Zu viel Raum für zu wenige Menschen

Die Kirche erlebt derzeit einen dramatischen Rückgang der Bindung – ein Trend, den Krämer als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sieht. Das Ergebnis: Die Gebäude sind zu groß, zu zahlreich und im Unterhalt zu teuer. Oft werden deshalb Pfarrheime und Nebengebäude aufgegeben.

Doch wohin mit den Gruppen und Gremien? Die Antwort liegt in der Umnutzung der großen Kirchenräume selbst, die künftig als „dritte“ oder gar „vierte Räume“ der Gesellschaft dienen sollen.

Die Lösung: Die Kirchenbox

In Kooperation mit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPU) Kaiserslautern entwickelte das Bistum das Konzept der Kirchenbox. Dabei handelt es sich um ein modulares System, das in die riesigen Hallen der Kirchen gestellt wird.

Die technischen Eckdaten sind bestechend einfach:

  • Modularität: Ein Raster von 1,25 m erlaubt flexible Größen bis zu einer Breite von 5 m; die Länge ist frei wählbar.
  • Infrastruktur: Licht und EDV sind integriert, was heutige Nutzungsanforderungen an Coworking oder Besprechungsräume erfüllt.
  • Verzicht auf Wasser: Um die Komplexität (und damit die Kosten sowie Genehmigungshürden beim Denkmalschutz) extrem niedrig zu halten, gibt es keinen Wasser- oder Abwasseranschluss.
  • Qualität: Ein Gebrauchsmusterschutz soll sicherstellen, dass keine „billigen Plagiate“ die ästhetische und statische Qualität des Systems untergraben.

Wirtschaftlichkeit und Teamgeist

Ein Prototyp (Mockup) wurde bereits erfolgreich als Teambuilding-Maßnahme in einer Mainzer Kirche aufgebaut. Das Ergebnis überzeugt auch finanziell: Während feste Einbauten in denkmalgeschützte Gebäude oft Unsummen verschlingen, kostet eine Kirchenbox etwa so viel wie ein Mittelklassewagen.

Besonders interessant für die Wohnungswirtschaft: Die Box ist reversibel. Wenn ein Standort aufgegeben wird, kann man die Box einfach abbauen und an einem anderen Ort – etwa in einem neuen Quartierstreff – wiederverwenden. Das minimiert das Investitionsrisiko erheblich.

Die Chance: Gebäude teilen

Krämer plädierte leidenschaftlich dafür, Gebäude nicht mehr als exklusive Räume zu betrachten. Die Kirchenbox ermöglicht es, den sakralen Raum zu teilen: Vormittags nutzen vielleicht Vereine oder die Kommune die Box, abends die Kirchengemeinde. Diese Form der Multifunktionalität ist ein Vorbild für die moderne Quartiersentwicklung, bei der Flächen effizient und gemeinschaftlich genutzt werden müssen.

Fazit für Entscheider

Der Vortrag von Johannes Krämer macht Mut. Er zeigt, dass man mit Mut zur Reduzierung der Komplexität (kein Wasser!) und modularen Systemen auch schwierigste Bestände retten kann. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das: Bevor wir über teure Abrisse oder Kernsanierungen von untergenutzten Flächen nachdenken, sollten wir prüfen, ob „Box-Lösungen“ nicht schneller, günstiger und flexibler zum Ziel führen.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Druck zur Konzentration: Sinkende Mitgliederzahlen und wirtschaftliche Zwänge zwingen die Kirche zur Reduzierung ihres Gebäudebestands.
  • Die „Kirchenbox“ als Lösung: Ein modularer Einbau für große Hallen, der Räume für Gruppen und Gremien schafft, wenn separate Gemeindehäuser aufgegeben werden.
  • Radikale Reduzierung der Komplexität: Die Boxen verfügen über Strom und EDV, verzichten aber bewusst auf Wasseranschlüsse, um Kosten zu senken und den Denkmalschutz zu wahren.
  • Flexibel und Reversibel: Die Konstruktion ist vollständig rückbaubar und kann bei einer Aufgabe des Standorts an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden.
  • Kostenkontrolle: Die Anschaffungskosten liegen etwa im Bereich eines Mittelklassewagens – ein Bruchteil dessen, was feste Einbauten kosten würden.
  • Öffnung ins Quartier: Die Räume sind nicht nur für kirchliche Zwecke gedacht, sondern können mit Vereinen, Kommunen oder privaten Initiativen geteilt werden.

Kristof Warda


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Vom Verwalter zum Gestalter: Der radikale Kurswechsel der Stiftung Schönau

Vom Verwalter zum Gestalter: Kurswechsel der Stiftung Schönau
Ingo Strugalla, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schönau, zeigt, dass man „aus der Not eine Tugend“ machen kann, indem man verkrustete Strukturen aufbricht und das eigene Handeln konsequent an wirtschaftlichen und ökologischen Realitäten ausrichtet. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Ingo Strugalla, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schönau, skizzierte in seinem Vortrag eine Situation, die beispielhaft für viele konfessionelle und stiftungsgebundene Immobilieneigentümer ist. Die Rahmenbedingungen haben sich innerhalb eines Jahrzehnts drastisch verschärft: Die Landeskirche Baden kämpft mit erheblichen finanziellen Verlusten, da die jungen Generationen der Kirche den Rücken kehren und die Kaufkraft der Kirchensteuer real sinkt.

Für die Stiftung bedeutet dies eine enorme Herausforderung: Sie muss künftig deutlich höhere Millionenbeträge erwirtschaften, um den Unterhalt kirchlicher Bauten und soziale Aufgaben zu finanzieren – ein Volumen, das aus dem bisherigen laufenden Cashflow kaum noch zu decken ist.

Warum das wichtig ist

Viele kirchliche und gemeinnützige Immobilienbesitzer stehen vor einem historischen Wendepunkt: Die Zeit des reinen „Verwaltens“ ist vorbei. Der Vortrag von Ingo Strugalla (Stiftung Schönau) auf dem 15. Mainzer Immobilientag zeigt eindringlich, dass sinkende Kirchensteuereinnahmen und demografische Umbrüche institutionelle Anleger dazu zwingen, ihre Asset-Strategien radikal zu professionalisieren.

Für die Wohnungswirtschaft ist dieses Fallbeispiel deshalb so relevant, weil es zeigt, wie man eine traditionelle Organisation auf „unternehmerisches Denken“ umpolt, um steigende Finanzbedarfe trotz Baukostenkrise und ESG-Vorgaben zu decken. Besonders das Thema Erbbaurechte rückt hierbei als schlafender Riese der Renditeoptimierung in den Fokus.

Wer heute nicht vom passiven Verwalter zum aktiven Asset-Manager wird, verliert bei inflationsbedingten Kaufkraftverlusten und steigenden Instandhaltungskosten schlicht die ökonomische Basis.

Der notwendige Kulturwandel: Weg von den „Nestern“

Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist laut Strugalla nicht technischer, sondern organisatorischer Natur. Er berichtete offen von den Schwierigkeiten, die eine lange Tradition und die Verselbstständigung von Prozessen während der Pandemie mit sich brachten. „Es wurden Nester gebaut“, so Strugalla. Mit einer Homeoffice-Quote von teilweise 90 % sei die interne Kommunikation und der unternehmerische Geist auf der Strecke geblieben.

Der Weg zurück in die Präsenz sei zwar ein „großer Kampf“, aber alternativlos, um die Mitarbeiter zu „Unternehmern im Unternehmen“ zu ertüchtigen. Ziel ist der Move weg von einer rein verwaltungsorientierten Wirtschaftsführung hin zu einem aktiven Management, das Risiken erkennt und Chancen beim Schopfe packt.

Asset-Check: Wo sich das Investment noch lohnt

Das Portfolio der Stiftung ist historisch breit gefächert, bietet aber unterschiedliche Handlungsspielräume:

  • Forst und Pacht: Diese Bereiche sind stark vom Klimawandel und langfristigen Bindungen geprägt. Im Forst wechseln sich laut Strugalla Risiko und geringe Deckungsbeiträge ab; Potenzial sieht er hier vor allem in der Fläche für erneuerbare Energien wie Windkraftanlagen in Hochlagen.
  • Wohnimmobilien: Hier kämpft die Stiftung mit einem erheblichen Instandhaltungsstau. Da Neubauten bei den aktuellen Baukosten lediglich Renditen von rund 3 % abwerfen, liegt der Fokus eher auf punktuellen Bestandsankäufen oder einem kompletten Umbau des Portfolios durch Desinvestitionen.
  • Erbbaurechte als Hebel: Dies ist das spannendste, aber auch kommunikativ schwierigste Feld. Viele 99-jährige Verträge stammen aus einer Zeit mit minimalen Erbbauzinsen. Strugalla nannte Beispiele, bei denen jährliche Zahlungen von 300 Euro bei einer Vertragsverlängerung auf marktübliche 15.000 Euro steigen müssten. Hier gilt es, Lösungen zu finden, um entweder die Verträge zur Cashflow-Erhöhung zu verlängern oder den Erbbaurechtsnehmern den Kauf der Flächen schmackhaft zu machen.

ESG und die „Doppelwesentlichkeit“

Nachhaltigkeit ist bei der Stiftung Schönau kein Marketing-Gag, sondern als „Prio-1-Ziel“ in der Unternehmensstrategie verankert. Durch eine Doppelwesentlichkeitsanalyse wurde untersucht, wie die Umwelt auf das Unternehmen wirkt (z. B. Klimawandel im Forst) und welche Wirkung das Handeln der Stiftung auf die Umwelt hat. Die Verpflichtung auf den VME-Standard in allen Planungen soll sicherstellen, dass das Portfolio langfristig ESG-konform und damit wertbeständig bleibt.

Fazit für die Wohnungswirtschaft

Die Stiftung Schönau befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Ingo Strugallas Bericht verdeutlicht, dass strategische Klarheit und der Mut zur unpopulären Entscheidung (wie der Erhöhung der Präsenzzeit oder dem Pricing bei Erbbaurechten) notwendig sind, um in einem schwierigen Marktumfeld zu bestehen.

Die Stiftung zeigt, dass man „aus der Not eine Tugend“ machen kann, indem man verkrustete Strukturen aufbricht und das eigene Handeln konsequent an wirtschaftlichen und ökologischen Realitäten ausrichtet.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Finanzdruck durch Kirchenaustritte: Wegbrechende Kirchensteuern erhöhen den Druck auf die Immobilienerträge; die jährliche Abführung der Stiftung muss von 19 auf ca. 24 Millionen Euro steigen.
  • Kulturwandel im Unternehmen: Umstellung der Organisation vom verwaltungsorientierten zum aktiven, unternehmerischen Management („Unternehmer im Unternehmen“).
  • Präsenzpflicht für Kommunikation: Reduzierung von extremem Homeoffice (zuvor bis zu 90 %), um den verloren gegangenen Austausch und die Prozessqualität wiederherzustellen.
  • Erbbaurecht-Optimierung: Aktives Angehen alter Verträge mit Minimalrenditen; Strategie zwischen Vertragsverlängerung zur Cashflow-Steigerung und gezieltem Verkauf.
  • Desinvestition statt Neubau: Angesichts von Neubau-Renditen von nur ca. 3 % bei gleichzeitig hohen Baukosten wird das Portfolio eher durch Verkäufe und Umbaumaßnahmen optimiert.
  • ESG & Klimawandel: Integration des VME-Standards; insbesondere der Forstbestand ist durch den Klimawandel zur Risikoposition geworden.

Kristof Warda


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Turbo-Sanierung statt Flickenteppich: Was die Immobilienwelt von der „Riedbahn“ lernen kann

Was die Immobilienwelt von der „Riedbahn“ lernen kann
Bisher agierte die Bahn wie viele Wohnungsverwalter: Man repariert hier eine „Weiche“, tauscht dort ein „Kabel“ und versucht, den Betrieb irgendwie aufrechtzuerhalten – meist nachts oder eingleisig. Wolfgang Weinhold, Programmverantwortlicher bei der DB Infrago, konstatierte trocken, dass dieses fragmentierte Vorgehen für die schiere Menge der Aufgaben nicht mehr stabil funktioniert. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Wolfgang Weinhold, Programmverantwortlicher bei der DB Infrago, präsentierte auf dem 15. Mainzer Immobilientag ein Projekt, das symbolisch für die neue Investitionsoffensive im Land steht. Die Herausforderung ist so simpel wie gewaltig: Eine rasant steigende Nachfrage nach klimaneutraler Mobilität trifft auf eine überalterte und fehleranfällige Infrastruktur, in die über Jahrzehnte zu wenig investiert wurde. Die Folge ist ein „Rückstau“, der das System instabil macht und die Pünktlichkeit massiv drückt.

Warum das wichtig ist

Die Funktionsfähigkeit der Schieneninfrastruktur ist für die Immobilienwirtschaft kein bloßes „Randthema“, sondern ein entscheidender Standortfaktor. Wenn die Deutsche Bahn (DB) durch marode Gleise und Unpünktlichkeit die Anbindung ganzer Regionen gefährdet, sinkt die Attraktivität von Wohnquartieren für Pendler und damit der Wert des Portfolios.

Der Vortrag von Wolfgang Weinhold (DB Infrago) auf dem 15. Mainzer Immobilientag zeigt jedoch eine strategische Parallele auf, die weit über den Gleisbau hinausgeht: Das Modell der „Generalsanierung“. Es ist eine radikale Antwort auf den Sanierungsstau, die auch für große Wohnungsbestände als Blaupause dienen kann. Statt sich über Jahrzehnte in kleinteiligen „Flicken-Sanierungen“ im laufenden Betrieb zu verlieren, setzt die Bahn auf die totale, aber zeitlich extrem komprimierte Sperrung, um in einem Bruchteil der Zeit ein qualitativ besseres Ergebnis zu erzielen.

Für Entscheider in der Wohnungswirtschaft liefert dieses Vorgehen wertvolle Impulse für das Management von Großbaustellen: Effizienz entsteht nicht durch das „Nebeneinanderher“ von Handwerkern, sondern durch die maximale Verdichtung aller Gewerke unter Inkaufnahme kurzzeitiger, radikaler Einschnitte.

Der radikale Bruch mit der alten Baulogik

Bisher agierte die Bahn wie viele Wohnungsverwalter: Man repariert hier eine „Weiche“, tauscht dort ein „Kabel“ und versucht, den Betrieb irgendwie aufrechtzuerhalten – meist nachts oder eingleisig. Weinhold konstatierte trocken, dass dieses fragmentierte Vorgehen für die schiere Menge der Aufgaben nicht mehr stabil funktioniert.

Die Lösung der DB Infrago heißt „Generalsanierung“. Das bedeutet:

  • Totalsperrung: Die Infrastruktur wird komplett aus dem Betrieb genommen.
  • Bauen im „Konzert“: Alle Gewerke arbeiten parallel. Wenn der Gleisbauer fertig ist, wartet er nicht auf den Signaltechniker, sondern beide sind gleichzeitig auf der Fläche.
  • Bauen für die Zukunft: Es findet kein reiner 1:1-Austausch statt; die Anlagen werden leistungsfähiger und zuverlässiger wiederaufgebaut (z. B. schnellere Weichen), um den Betrieb langfristig zu stabilisieren.

Das Unmögliche möglich machen: Die Riedbahn

Das Pilotprojekt für diesen neuen Kurs war die sogenannte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Weinhold berichtete von dem enormen psychologischen Druck. Doch der „Proof of Concept“ gelang.

Unter extremem Personaleinsatz – in der Spitze arbeiteten 1.400 Menschen und 140 Fahrzeuge rund um die Uhr in Schichten – wurde ein Arbeitspensum bewältigt, das normalerweise ein Jahrzehnt beansprucht hätte. Die Bilanz ist beeindruckend: 120 km Gleise, 150 Weichen und 140 km Oberleitung wurden in Rekordzeit erneuert. Seit der Wiederinbetriebnahme läuft die Strecke ohne außerplanmäßige Unterbrechungen.

Es gibt eine Achillesferse meint Wolfgang Weinhold: Während der physische Bau (Gleise, Schwellen) perfekt skalierbar ist, bleibt die Leit- und Sicherungstechnik (Software/Elektromechanik) das Nadelöhr der Geschwindigkeit. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Lehren für die Wohnungswirtschaft: Fokus auf „Leit- und Sicherungstechnik“

Ein wichtiger Aspekt für Immobilien-Entscheider ist Weinholds Analyse der Prozess-Hürden. Während der „grobe“ Bau (Oberbau, Lärmschutzwände, Bahnhöfe) das hohe Tempo der Generalsanierung problemlos mitgehen kann, erweist sich die Leit- und Sicherungstechnik (LST) als Achillesferse.

Die Einführung neuer Software und elektromechanischer Komponenten kann mit der Geschwindigkeit des physischen Baus noch nicht Schritt halten.

Dies lässt sich direkt auf die Digitalisierung im Gebäudesektor übertragen: Es nützt wenig, die Gebäudehülle in Rekordzeit zu sanieren, wenn die digitale Infrastruktur (Smart Building, Sensorik) in veralteten, langsamen Planungszyklen stecken bleibt.

Ausblick: Die Welle rollt an

Nach der Riedbahn ist vor der Riedbahn. Die DB Infrago hat nun eine Kleinserie von 40 weiteren Korridoren identifiziert, die nach diesem Muster saniert werden sollen. Für das nächste Jahr sind bereits vier Großbaustellen (u. a. Hamburg-Berlin) in der Vorbereitung. Das Tempo, das die Bahn hier vorlegt, ist das Maximum dessen, was die spezialisierte Bauindustrie derzeit leisten kann.

Fazit

Wolfgang Weinholds Vortrag war ein Plädoyer für den Mut zur operativen Härte. Die Generalsanierung zeigt, dass man Sanierungsstaus nicht durch „Durchwurschteln“, sondern nur durch radikale Prozessumstellungen auflösen kann. Für die Immobilienwirtschaft ist dies eine Ermutigung, bei großen Quartierssanierungen nicht nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Mieterbequemlichkeit zu schielen, sondern durch konzentrierte Investitionen die Zukunftsfähigkeit des Bestands in einem Bruchteil der Zeit sicherzustellen.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Paradigmenwechsel: Die DB bricht mit der Logik kurzer Nachtbaustellen und setzt auf die Generalsanierung ganzer Korridore unter Totalsperrung.
  • Faktor 4 bei der Effizienz: Während konventionelles Bauen für ein Projekt wie die Riedbahn 16.000 Sperrstunden über 10 Jahre erfordert hätte, wurde dies auf 4.000 Stunden (ca. ein halbes Jahr) verdichtet.
  • Gewerke-Parallelität: Schiene, Oberbau, Oberleitungen, Stellwerke und Bahnhöfe werden gleichzeitig saniert, was enorme logistische Synergien schafft.
  • Pilotprojekt Riedbahn: Trotz anfänglicher Skepsis (Prädikat „unbaubar“) wurde die Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim pünktlich und erfolgreich saniert.
  • Spürbare Qualitätssteigerung: Die Pünktlichkeit im Nahverkehr stieg von 68 % auf über 80 %, die technische Note der Anlage verbesserte sich signifikant.
  • Achillesferse Technik: Während der physische Bau (Gleise, Schwellen) perfekt skalierbar ist, bleibt die Leit- und Sicherungstechnik (Software/Elektromechanik) das Nadelöhr der Geschwindigkeit.
  • Skalierung: Nach dem Erfolg der Riedbahn plant die DB nun 40 weitere Korridore nach diesem Muster; allein 2026 Jahr starten vier Großprojekte.

Kristof Warda

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Die unbequeme Wahrheit: Warum die Kommunikation bei Sanierungsstau scheitert

unbequeme Wahrheit: Kommunikation scheitert bei Sanierungsstau
Wenn die Technik nach zehn Jahren kaputt geht, ist die energetische Bilanz oft dahin, während die finanzielle Belastung für die Eigentümer dauerhaft hoch bleibt, berichtet Ralf Michels, langjähriger Consultant und Vorsitzender des VDIV Nord. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Ralf Michels, langjähriger Consultant und Vorsitzender des VDIV Nord, übernahm auf dem Mainzer Immobilientag die Rolle des „Bedenkenträgers“ – nicht aus Pessimismus, sondern aus der Erfahrung des Praktikers, der regelmäßig vor Eigentümerversammlungen steht. In seiner pointierten Analyse machte er deutlich, dass die Kommunikation über Sanierungen derzeit an eine gläserne Wand aus fehlendem Kapital und mangelnder Akzeptanz stößt.

Warum das wichtig ist

Während die Branche oft über innovative Technologien und theoretische Klimaziele diskutiert, brachte der Vortrag von Ralf Michels (VDIV) auf dem 15. Mainzer Immobilientag die harte betriebswirtschaftliche Realität auf den Punkt: Die Bezahlbarkeit der Energiewende für die breite Masse der Wohnungseigentümer steht auf der Kippe. Für Wohnungsverwalter ist diese Einordnung deshalb so entscheidend, weil sie das gewaltige Spannungsfeld zwischen politischen Vorgaben, steigenden Zinsen und einer alternden Eigentümerstruktur beleuchtet.

Wer heute Sanierungen plant, muss nicht nur die technischen Möglichkeiten kennen, sondern auch verstehen, warum viele Gemeinschaften vor den Kosten kapitulieren und wie Banken durch Risikozuschläge bei schlechten Energieklassen den Druck auf das Portfolio massiv erhöhen. Michels’ Analyse ist ein Weckruf, Kommunikation nicht als PR-Maßnahme, sondern als ehrliches Risikomanagement zu begreifen.

Die Mathematik des Schmerzes

Die Zahlen, die Michels präsentierte, sind für viele Eigentümer schwindelerregend. Eine energetische Sanierung im Bestand schlägt heute mit 1.000 bis 2.000 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Bei einer typischen 60-Quadratmeter-Wohnung bedeutet dies im günstigsten Fall Kosten von 60.000 Euro, im Extremfall bei Sonderlagen sogar bis zu 120.000 Euro pro Einheit.

Selbst wenn Förderungen von 50 % greifen würden – was laut Michels in der Realität aufgrund der strengen Auflagen für Vollsanierungen selten der Fall ist –, blieben enorme Summen übrig, die erst einmal vorfinanziert werden müssen. Da Fördergelder oft erst nach Abschluss aller Maßnahmen fließen, geraten Eigentümer in eine gefährliche Zwischenfinanzierungsfalle.

Das Ende der Niedrigzins-Illusion

Ein besonderes Risiko sieht Michels in der Zinswende. Viele Immobilien wurden in der Niedrigzinsphase mit 1 % Zins und 2 % Tilgung finanziert. Ab 2026 laufen diese Bindungen massiv aus. In der aktuellen Marktlage mit Zinsen um 3,5 bis 4 % und einer geforderten Tilgung der Banken von 2 % steigen die Raten von ehemals 3 % auf nun 6 % Gesamtanuität.

„Die Annuitätsraten werden sich verdoppeln“, warnt Michels. Wenn zu dieser Belastung noch eine Sonderumlage für die Sanierung kommt, wird Wohneigentum für Teile der Mittelschicht unbezahlbar. Erschwerend kommt hinzu, dass Banken den Wert sanierungsbedürftiger Wohnungen heute deutlich niedriger ansetzen. Wer eine Anschlussfinanzierung benötigt, muss oft zusätzliches Eigenkapital nachschießen, weil die Bank die Restschuld aufgrund des gesunkenen Objektwertes nicht mehr voll absichert.

Das psychologische Barriereriff: Die Generation 50+

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Demografie innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs). Über 50 % der Bevölkerung ist heute über 50 Jahre alt; in vielen Versammlungen dominieren die Altersgruppen 60+ und 70+. Michels berichtete anschaulich von Versammlungen, in denen notwendige Maßnahmen mit dem Argument abgelehnt werden: „Warum soll ich das noch machen? Ich wohne hier noch fünf Jahre, das Jahr 2045 erlebe ich sowieso nicht“.

Diese Haltung führt dazu, dass lediglich „Häppchen-Sanierungen“ (z. B. Kellerdeckendämmung) beschlossen werden, die zwar kurzfristig bezahlbar sind, aber die großen Effizienzsprünge und die damit verbundenen hohen Förderquoten verpassen. Das Ergebnis ist ein „Rohrkrepierer“ der energetischen Transformation im massenhaften Wohnungsbestand.

Der Effizienz-Paradoxon der High-Tech-Lösungen

Kritik übte Michels auch an der Tendenz zu immer komplexerer Gebäudetechnik. Am Beispiel der Hamburger Hafen City illustrierte er den Wartungswahnsinn: Schwere Dreifachverglasungen müssen alle zwei bis drei Jahre gewartet werden, kontrollierte Be- und Entlüftungsanlagen verursachen enorme Folgekosten durch Filterwechsel und Motorschäden.

„Um 10 Cent Energiekosten einzusparen, produzieren wir nachhaltig 35 Cent Wartungs- und Instandhaltungskosten“, rechnete Michels vor. Wenn die Technik nach zehn Jahren kaputt geht, ist die energetische Bilanz oft dahin, während die finanzielle Belastung für die Eigentümer dauerhaft hoch bleibt. Er plädiert daher für einfachere, robustere Lösungen, die auch in 30 Jahren noch tragbar sind.

Fazit: Kommunikation am Limit

Michels’ Fazit zur Eingangsfrage, wie die Kommunikation mit den Eigentümern gelingt, fiel ernüchternd aus: „Sie gelingt nicht. Sie gelingt in Teilen bei Pilotprojekten, aber in der Masse funktioniert es nicht“. Die finanzielle Überforderung der Mieter und Eigentümer ist real. Wer heute in Hamburg 8,50 € Kaltmiete zahlt, kann sich den Sprung auf 15 € nach einer Sanierung schlicht nicht leisten.

Der Branche stehe ein massiver Strukturwandel bevor, bei dem Banken durch Risikozuschläge für „schlechte“ Gebäude die Spreu vom Weizen trennen werden. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das: Wir müssen weg von der High-End-Theorie und hin zu bezahlbaren Strukturen und einer ehrlichen Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Menschen, die in diesen Immobilien wohnen.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Massive Sanierungskosten: Für eine energetische Vollsanierung (Fassade, Dach, Fenster, Heizung) müssen Eigentümer mit 1.000 bis 2.000 € pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen.
  • Mietpreis-Explosion: Die Modernisierungsumlage könnte die Mieten im Bestand um circa 3,50 € pro Quadratmeter steigen lassen, um die Kosten überhaupt refinanzieren zu können.
  • Zins-Schock: Durch das Auslaufen von 1-Prozent-Finanzierungen und den Anstieg auf marktübliche Zinsen (3,5–4 %) verdoppeln sich die monatlichen Annuitätenraten für viele Eigentümer.
  • Banken-Strafzins: Kreditinstitute erheben zunehmend Risikozuschläge von bis zu 0,9 % auf den Zinssatz für Immobilien in schlechten Energieklassen (D, E, F).
  • Wartungs-Falle: Komplexe Technik (z. B. kontrollierte Belüftung) verursacht oft höhere Folgekosten als sie an Energie einspart; in Projekten stehen 10 Cent Energieersparnis oft 35 Cent Wartungskosten gegenüber.
  • Blockade in WEGs: In vielen Eigentümergemeinschaften herrscht aufgrund der Altersstruktur (50+/60+) eine Abwehrhaltung gegenüber Investitionen, die sich erst in 20 Jahren amortisieren.

Kristof Warda


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Haltbarkeitsdatum abgelaufen? Wie wir Gebäude vor dem schnellen Altern bewahren

Haltbarkeitsdatum? Gebäude vor dem schnellen Altern bewahren
Stephan Winn, apoprojekt-Geschäftsführer, gab beim Mainzer Immobilientag Einblick in 4.700 Projekte aus 18 Jahren – vom Mieterausbau bis zur Revitalisierung im zweistelligen Millionenbereich. Sein Spielfeld ist der Bestand. Foto: wohnungswirtschaft-heute.de

Stephan Winn von apoprojekt brachte eine unbequeme Wahrheit mit nach Mainz: Wir bauen oft am Bedarf vorbei oder so kompliziert, dass die Gebäude nach nur zwei Jahrzehnten zum Sanierungsfall werden. Mit der Erfahrung aus über 4.700 Projekten analysierte er, warum der Bestand unter Druck gerät und wie man Immobilien wieder zukunftsfest macht.

Warum das wichtig ist

Viele Gebäude, die erst vor 20 Jahren mit großem Stolz eingeweiht wurden, stehen heute schon wieder vor der Kernsanierung oder leer. Das ist ein wirtschaftliches Desaster für jeden Bestandshalter. Der Vortrag von Stephan Winn (apoprojekt) auf dem 15. Mainzer Immobilientag zeigt auf,warum unsere Immobilien heute so viel schneller „altern“ als früher und wie Entscheider in der Wohnungswirtschaft diesen Teufelskreis durchbrechen können.

Für die Branche ist das deshalb so wichtig, weil herkömmliche Sanierungsmethoden oft an starren Techniklösungen und mangelndem Wissen über die eigene Bausubstanz scheitern. Winn bietet hier einen rettenden Anker: Er plädiert für eine Abkehr von komplizierter Technik und für ein neues Miteinander von Planern und Bauleuten, um Kostenfallen frühzeitig zu erkennen und Immobilien langfristig am Markt zu halten.

Warum moderne Gebäude so schnell „alt“ aussehen

Ein prominentes Beispiel im Vortrag war das Sony Center in Berlin. Obwohl es für viele immer noch modern wirkt, kämpft es mit gewaltigem Leerstand. Das Problem: Solche Gebäude wurden oft für einen einzigen großen Mieter (Single-Tenant) gebaut. Wenn dieser auszieht, lässt sich das Haus nicht einfach aufteilen, weil die Technik und die Leitungen nicht für viele verschiedene Mieter ausgelegt sind.

Zusätzlich treiben die neuen ESG-Anforderungen (Umwelt- und Sozialstandards) den Sanierungsdruck. Viele Glasfassaden aus der Jahrtausendwende lassen zwar viel Licht herein, heizen die Räume aber so stark auf, dass die Kühlung Unmengen an Energie verschlingt – ein K.o.-Kriterium in der heutigen Zeit.

Die TGA-Falle: Weniger ist mehr

Einer der größten Kostentreiber ist die sogenannte Technische Gebäudeausrüstung (TGA). Winn betonte, dass die Technik in den letzten Jahren viel zu komplex geworden ist. Das führt zu zwei Problemen:

  1. Wartungswahnsinn: Die Systeme sind so kompliziert, dass die Mieter sie kaum bedienen können und die Instandhaltung ein Vermögen kostet.
  2. Starrheit: Einmal eingebaut, lassen sich die Systeme kaum noch an neue Nutzungen anpassen.

Winn fordert hier eine radikale Kehrtwende: Einfachere, robustere und preiswertere Technik. Gebäude müssen „bedienerfreundlich“ sein. Eine Technik, die funktioniert und leicht zu reparieren ist, schlägt jedes hochkomplexe System, das nach zehn Jahren keine Ersatzteile mehr findet.

Die Lösung: Erst schauen, dann planen

Ein fataler Fehler bei vielen Sanierungen ist laut Winn der Zeitdruck. Oft wird auf Basis alter Pläne (PDFs) entworfen, ohne dass jemals ein Planer wirklich tief in die Wände geschaut hat. Wenn dann der erste Stein bewegt wird, platzt die „Kosten-Bombe“: Unvorhersehbare Mängel führen zu massiven Nachträgen und Frust bei allen Beteiligten.

Seine Empfehlung für Entscheider: Das Gebäude erst verstehen. Im Idealfall sollte eine Immobilie vor der Detailplanung bis auf die Statik entkernt werden. Nur wer die Knochen des Hauses kennt, kann einen realistischen Preis garantieren.

Design & Build: Alle in ein Boot

Um die typischen Fehler an den Schnittstellen zwischen Architekten, Ingenieuren und Baufirmen zu vermeiden, setzt Winn auf das Modell „Design & Build“. Anstatt dass jeder in seinem eigenen Kämmerlein plant (Silo-Denken), sitzen alle Fachleute von Anfang an zusammen.

Dieses gemeinschaftliche Arbeiten (ähnlich den IPD-Modellen aus Skandinavien) sorgt dafür, dass die Kompetenzen frühzeitig gebündelt werden. Der Vorteil für Wohnungsunternehmen: Man bekommt eine frühe Kostensicherheit und vermeidet den psychologischen Stress von ständigen Nachforderungen.

Fazit für die Wohnungswirtschaft

Die Botschaft für Entscheider ist klar: Werden Sie zum „Bestands-Versteher“. Investieren Sie nicht in glitzernde Renderings, sondern in ein ehrliches Konzept, das Technik reduziert und Flexibilität erhöht. Eine Immobilie ist dann wertbeständig, wenn sie sich leicht an neue Mieter anpassen lässt und im Betrieb nicht durch überdrehte Technik das Budget sprengt.

Kernaussagen zum Mitnehmen

  • Das 20-Jahre-Problem: Gebäude aus den 1990ern und 2000ern (wie das Sony Center in Berlin) gelten heute oft schon als veraltet, weil sie die modernen Anforderungen an Technik und ESG nicht erfüllen.
  • Weg mit der Technik-Falle: Überkomplexe Haustechnik (TGA) macht Gebäude unflexibel und teuer im Unterhalt. Die Lösung lautet: Robuste, einfache und wartungsfreundliche Technik.
  • Silos einreißen: Planung und Bau müssen von Anfang an an einen Tisch (Design & Build). Das verhindert teure Nachträge und Planungsfehler, die erst auf der Baustelle auffallen.
  • Bestand wirklich verstehen: Wer saniert, muss das Gebäude vorher „nackt“ sehen. Ein Rückbau bis auf die Statik schafft die nötige Sicherheit für die Kalkulation.
  • Flexibilität als Trumpf: Immobilien müssen so geplant werden, dass sie leicht von einem großen Mieter auf viele kleine Mieter umgestellt werden können.

Kristof Warda


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Das Haus als Materiallager: Wie die Kreislaufwirtschaft den Bestand rettet

Haus als Materiallager: Wie Kreislaufwirtschaft den Bestand rettet
Wer heute lernt, Gebäude „im Kreislauf“ zu führen, sichert nicht nur die Zukunftsfähigkeit seines Portfolios gegenüber ESG-Anforderungen, sondern entdeckt neue Geschäftsmodelle in der Wiederverwendung von Komponenten, sagt Sophie Führer von der ETH Zürich. Foto: Geisselbrecht-MIT 2025 https://geisselbrecht.biz

Sophie Führer von der ETH Zürich brachte zum 15. Mainzer Immobilientag eine frische, wissenschaftlich fundierte und zugleich hochgradig praxisorientierte Perspektive aus der Schweiz mit. Als Projektmanagerin eines „Innovation Boosters“ steht sie an der Schnittstelle zwischen Forschung und Marktimplementierung und machte deutlich: Die Zeit der Einweg-Immobilie ist abgelaufen.

Warum das wichtig ist

Die Immobilienbranche steht vor einem massiven Ressourcenproblem: Während wir über Klimaneutralität diskutieren, produziert der Bausektor global gesehen zwei Drittel des gesamten Abfallaufkommens. In einer Welt knapper werdender Rohstoffe und steigender Entsorgungspreise kann es sich kein Wohnungsunternehmen mehr leisten, Gebäude am Ende ihres Lebenszyklus einfach als „Bauschutt“ zu betrachten.

Der Vortrag von Sophie Führer (ETH Zürich) auf dem 15. Mainzer Immobilientag markiert hier einen Wendepunkt im Denken. Für Entscheider in der Wohnungswirtschaft bedeutet Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) weit mehr als Recycling: Es ist die Strategie, den Bestand als wertvolles Materiallager zu begreifen und durch intelligente Innovationen die Nutzungsdauer von Bauteilen drastisch zu verlängern.

Wer heute lernt, Gebäude „im Kreislauf“ zu führen, sichert nicht nur die Zukunftsfähigkeit seines Portfolios gegenüber ESG-Anforderungen, sondern entdeckt neue Geschäftsmodelle in der Wiederverwendung von Komponenten.

Die schrumpfende Kreislaufwelt

Die Ausgangslage ist alarmierend: Trotz aller Nachhaltigkeitsbemühungen ist die weltweite „Zirkularität“ – also der Anteil an Ressourcen, die wir tatsächlich im Kreislauf halten – in den letzten Jahren von 9 % auf nur noch 6,9 % gesunken. Da der Bausektor für zwei Drittel des Abfalls verantwortlich ist, ist er der entscheidende Hebel, um diese Abwärtsspirale zu stoppen.

Führer definierte die Kreislaufwirtschaft dabei über drei klare Prinzipien: Ressourcen erhalten, die Nutzung intensivieren (Gebäude länger und besser nutzen) und Abfall von vornherein vermeiden.

Innovation auf drei Ebenen: Vom Lehm bis zur Türzarge

Für die Wohnungswirtschaft wird Kreislaufwirtschaft konkret, wenn man sie in drei Ebenen unterteilt:

  1. Die Material-Ebene: Hier geht es um effizientere Werkstoffe. Führer berichtete von Fortschritten im Lehmbau, der heute durch Vorfertigung und moderne Technologien (wie 3D-Druck) nicht mehr arbeitsintensiv gestampft werden muss, sondern massentauglich wird. Auch intelligenter Betonbau mit geometrischen Formen spart enorme Mengen an Material und CO2 ein.
  2. Die Komponenten-Ebene: Das ist der Bereich mit dem größten wirtschaftlichen Potenzial für Bestandshalter. Anstatt Bauteile beim Umbau wegzuwerfen, geht es um deren Wiederverwendung. Führer nannte das Beispiel „intelligenter Türzargen“, die so flexibel designt sind, dass sie Türen unterschiedlicher Maße in verschiedenen Gebäuden aufnehmen können. Die Herausforderung hierbei ist das „Matching“: Digitale Plattformen müssen Angebot und Nachfrage von Gebrauchtmaterialien koordinieren, was eine enorme logistische Leistung darstellt.
  3. Die Gebäude-Ebene: Hier steht der Erhalt im Vordergrund. Durch Sensoren, die Eigenvibrationen messen oder Wasserschäden frühzeitig erkennen, kann die Instandhaltung von der Reaktion zur Prävention übergehen. Das verhindert, dass aus einem kleinen Schaden eine große Sanierung wird, bei der Unmengen an Material entsorgt werden müssten.

Der Schweizer „Innovation Booster“ als Vorbild

Wie man solche Innovationen schnell auf die Straße bringt, zeigt die Schweiz mit speziellen Förderprogrammen. Mit einem Budget von einer Million Franken wurden 50 Innovationen mit jeweils kleinen Summen (20.000 Franken) über sechs Monate gefördert. Das Ergebnis war beeindruckend: Der Reifegrad der Technologien sprang in dieser kurzen Zeit um mindestens zwei Stufen nach oben.

Ein entscheidender „Nebeneffekt“ war die Digitalisierung. Ohne digitale Daten über den Zustand und den Ort von Bauteilen lässt sich kein Kreislauf schließen. Führer betonte, dass die Teams oft sogar mehr Eigenkapital nachschossen, als sie an Förderung erhielten, was den enormen Multiplikatoreffekt solcher Programme unterstreicht.

Vom Labor in die Realität: Das „NEST“

Damit Innovationen nicht in der Theorie stecken bleiben, nutzt die ETH Zürich Formate wie das „NEST“ – ein „Living Lab“, in dem neue Bauweisen unter realen Bedingungen getestet werden. Hier wohnen und arbeiten Menschen in Prototypen, während kontinuierlich Daten zu Energiemanagement und Materialverhalten gesammelt werden. Dies gibt Investoren die nötige Sicherheit, dass kreislauffähige Lösungen auch im Alltag funktionieren.

Fazit für die Praxis

Sophie Führers Botschaft an die Immobilienwirtschaft ist ein Plädoyer für einen mutigen Schulterschluss von Wissenschaft und Praxis. Kreislaufwirtschaft ist kein theoretisches Konzept für die ferne Zukunft, sondern ein Werkzeugkasten, der bereits heute Lösungen für Ressourceneffizienz und Werterhalt bietet. Wenn Geld gezielt in die Entwicklung dieser Technologien gesteckt wird, kommt am Ende mehr zurück, als man am Anfang investiert hat – sowohl ökologisch als auch ökonomisch.

Kernaussagen zum mitnehmen

  • Der Bau als Abfall-Hebel: Da der Bausektor für den Großteil des globalen Abfalls verantwortlich ist, liegt hier das größte Potenzial für echte Nachhaltigkeit.
  • Drei Ebenen der Innovation: Kreislaufwirtschaft setzt auf drei Stufen an: beim Material (z.B. Lehm, 3D-Druck), bei Komponenten (Wiederverwendung von Bauteilen) und beim gesamten Gebäude (Nutzungsverlängerung).
  • Bestand als Goldmine: Gebäude müssen als Materialdepots verstanden werden; digitale Plattformen helfen künftig dabei, frei werdende Bauteile mit neuem Bedarf zu matchen.
  • Digitalisierung als Enabler: Digitale Werkzeuge sind kein Selbstzweck, sondern der entscheidende Hebel, um Kreislaufprozesse überhaupt steuerbar zu machen.
  • Prävention durch Sensorik: Intelligente Sensoren (z.B. für Vibrationen oder Wasserschäden) verlängern die Lebensdauer von Gebäuden und verhindern, dass wertvolle Substanz vorzeitig zu Abfall wird.
  • Wirtschaftlicher Multiplikator: Richtig eingesetzte Fördergelder für Innovationen (wie der Schweizer „Innovation Booster“) steigern den technologischen Reifegrad in kürzester Zeit und ziehen private Investitionen nach sich.

Kristof Warda


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