Vom Messen zum Betreiben

Verbräuche, Temperaturen, Leistungen, Betriebszustände. Es wird immer mehr gemessen in unseren Gebäuden. Doch wie werden aus den Daten Entscheidungen?

Das ist der Gedanke, der sich durch diese Ausgabe von GebäudeTransformation zieht.

Nehmen wir die Wärmepumpe. Beim Umrüsten eines großen Wohnungsbestands kann die Antwort nicht darin bestehen, jedes einzelne Gebäude sofort vollständig durchzuplanen. Viel interessanter ist zunächst die Frage: Was wissen wir bereits? Verbrauch, Wohnfläche, vorhandenes Heizsystem, Vorlauftemperaturen und Heizkörper liefern viele Hinweise darauf, welche Häuser sich zuerst für eine genauere Untersuchung lohnen. Daten werden damit zum Instrument der Investitionssteuerung.

Doch schon der nächste Schritt zeigt, warum Gebäudetransformation nicht in einzelnen Gewerken funktioniert. Eine thermisch passende Wärmepumpe nützt wenig, wenn der elektrische Hausanschluss nicht ausreicht. Und plötzlich wird aus der Heizungsplanung eine Frage von Anschlussleistung, Gleichzeitigkeiten, Warmwasserbereitung und Lastmanagement. Im ungünstigen Fall entscheidet sogar die Berechnungsmethode des Netzbetreibers darüber, ob eine Maßnahme ohne weitere Kosten möglich ist oder zunächst in die Netzinfrastruktur investiert werden muss.

Wer Gebäude zunehmend datenbasiert betreiben will, braucht Zugriff auf die eigenen Daten. Deshalb beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe ebenso mit einer Frage, die auf den ersten Blick trocken klingt, strategisch aber enorm wichtig ist: Kommen die Daten mit, wenn der Anbieter wechselt?

Datenhoheit zeigt sich nicht daran, dass ein Eigentümer irgendwo ein Dashboard öffnen kann. Sie zeigt sich daran, ob aktuelle und historische Daten exportierbar sind, Schnittstellen dokumentiert sind und ein anderer Dienstleister tatsächlich weiterarbeiten kann. Der Data Act verändert hier die rechtlichen Rahmenbedingungen. Gute Verträge ersetzt er nicht.

Und mit jedem neuen Gateway, jeder Plattform und jedem Fernzugriff entsteht noch eine weitere Ebene. Der Heizungskeller wird zur IT-Infrastruktur. Technik, die 15 oder 20 Jahre im Gebäude bleiben soll, braucht deshalb nicht nur Ersatzteile, sondern ebenso lange Sicherheitsupdates, klare Zugriffsregeln und einen Plan für den Fall, dass ein Cloud-Dienst oder sogar der Hersteller verschwindet. Der vielleicht einfachste Prüfstein lautet dabei: Wenn die Cloud ausfällt – läuft die Heizung weiter?

Dass Digitalisierung längst keine Kür mehr ist, zeigt schließlich die Heizkostenverordnung sehr handfest. Zum 31. Dezember 2026 endet die Übergangsfrist für zahlreiche noch nicht fernablesbare Verbrauchserfassungsgeräte. Für Eigentümer bedeutet das jetzt vor allem: Bestände kennen, gefährdete Fälle priorisieren und Prozesse dokumentieren. Auch hier genügt es nicht, irgendwo Technik einzubauen. Sie muss funktionieren, zugänglich und in die betrieblichen Abläufe eingebunden sein.

All diese Themen führen letztlich zu demselben Punkt. Hartmut Michels, Vorstand des DEUMESS, sagt es in unserem Gespräch treffend: Die Transformation einer Immobilie funktioniert nicht in einzelnen Silos. Sensorik allein reicht nicht. Software allein ebenso wenig. Planung, technische Infrastruktur, Handwerk, Daten, Energiemanagement und diejenigen, die am Ende investieren und Gebäude betreiben, müssen zusammenkommen.

Denn am Ende entscheidet sich die Gebäudetransformation nicht daran, wie viele neue Geräte installiert wurden. Sondern daran, ob Gebäude danach besser betrieben werden können.

Kristof Warda
Chefredakteur
GebäudeTransformation

Lesen Sie die nächsten Artikel dieser Ausgabe

Lesen Sie Artikel zum selben Thema