Sommerhitze, Lüften und Schimmel: Warum trockene Luft nicht immer trocken bleibt

Steigende Außentemperaturen, gut gedämmte Gebäude und immer häufiger auftretende Hitzewellen stellen Bewohner vor ein scheinbar widersprüchliches Problem: Einerseits sollen Wohnräume gekühlt werden, andererseits droht bei falschem Lüften Schimmelbildung. Tatsächlich entsteht Schimmel im Sommer häufig nicht trotz, sondern gerade wegen eines falschen Lüftungsverhaltens.

Der Grund liegt in den physikalischen Eigenschaften der Luft. Warme Luft kann wesentlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Gelangt an einem heißen Sommertag feuchtwarme Außenluft in einen vergleichsweise kühlen Innenraum, kühlt sie dort ab. Mit sinkender Temperatur nimmt ihre Fähigkeit ab, Feuchtigkeit zu speichern. Die überschüssige Feuchtigkeit schlägt sich als Kondenswasser auf kalten Oberflächen nieder – beispielsweise an Außenwänden, in Raumecken oder hinter großen Möbelstücken. Genau dort finden Schimmelpilze ideale Wachstumsbedingungen.

Das eigentliche Problem ist die Luftfeuchtigkeit

Viele Menschen orientieren sich beim Lüften ausschließlich an der Außentemperatur. Entscheidend ist jedoch die Kombination aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit.

Ein Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang:

Liegt die Außentemperatur bei 32 °C und die relative Luftfeuchtigkeit bei 60 Prozent, enthält die Luft deutlich mehr Wasser als eine Raumluft mit 23 °C und ebenfalls 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Wird diese warme Außenluft in den kühleren Wohnraum gelassen, steigt dort die relative Luftfeuchtigkeit oft schnell auf Werte von über 70 Prozent an. Bereits dann erhöht sich das Risiko für Kondenswasser und Schimmel erheblich.

Besonders gefährdet sind:

  • Kellerräume
  • Erdgeschosswohnungen
  • schlecht belüftete Raumecken
  • Bereiche hinter großen Schränken
  • Dachgeschosswohnungen mit unterschiedlich temperierten Räumen
  • Wann sollte im Sommer gelüftet werden?

Die wichtigste Regel lautet:

Nur dann lüften, wenn die Außenluft kühler oder trockener ist als die Raumluft.

Das ist in der Regel

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  • früh morgens,
  • spät abends oder
  • während der Nacht.

In den heißen Mittags- und Nachmittagsstunden sollten Fenster möglichst geschlossen bleiben. Gleichzeitig helfen außenliegende Verschattungen, Rollläden oder Markisen dabei, den Wärmeeintrag deutlich zu reduzieren.

Stoßlüften statt gekippter Fenster

Ein dauerhaft gekipptes Fenster sorgt keineswegs für einen ausreichenden Luftaustausch. Vielmehr kühlen die angrenzenden Wandbereiche lokal ab. Trifft anschließend feuchte Luft auf diese kälteren Oberflächen, bildet sich dort bevorzugt Kondenswasser.

Deshalb empfehlen Fachleute konsequent das Stoßlüften:

Fenster vollständig öffnen. Idealerweise gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen (Querlüftung). Im Sommer je nach Wind und Temperatur etwa 10 bis 20 Minuten lüften. Der intensive Luftaustausch erfolgt dabei wesentlich schneller und gleichmäßiger, ohne dass die Gebäudesubstanz unnötig auskühlt.

Die ideale Luftfeuchtigkeit – Für Wohnräume gilt ganzjährig ein Bereich zwischen 40 und 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit als optimal.

Dabei gilt:

  • 40 bis 60 %: optimal
  • über 60 %: erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich
  • 70 bis 80 %: deutlich erhöhtes Schimmelrisiko
  • über 80 %: Kondenswasser und Schimmelbildung sind häufig nur noch eine Frage der Zeit

Ein einfaches digitales Hygrometer liefert bereits zuverlässige Informationen und kostet nur wenige Euro. Es gehört mittlerweile zu den sinnvollsten Hilfsmitteln für ein gesundes Raumklima.

Feuchtigkeit entsteht auch im Haushalt – Nicht jede hohe Luftfeuchtigkeit kommt von außen. Auch alltägliche Tätigkeiten erhöhen die Feuchtelast erheblich.

Dazu gehören:

  • Duschen und Baden
  • Kochen
  • Wäschetrocknen in der Wohnung
  • Zimmerpflanzen
  • Aquarien
  • viele Personen in einem Raum

Gerade nach dem Duschen oder Kochen sollte sofort gelüftet werden. Dabei empfiehlt es sich, die Tür zum übrigen Wohnbereich geschlossen zu halten, damit sich die Feuchtigkeit nicht in der gesamten Wohnung verteilt.

Wäsche sollte möglichst im Freien oder in gut belüfteten Trockenräumen trocknen.

Besondere Vorsicht im Keller

Kellerräume gelten im Sommer als klassische Problemzonen. Während ihre Wände meist dauerhaft kühl bleiben, bringt die warme Außenluft große Mengen Wasserdampf mit.

Wird tagsüber gelüftet, kondensiert diese Feuchtigkeit unmittelbar an den kalten Kellerwänden. Deshalb lautet die Empfehlung:

  • Keller im Sommer ausschließlich nachts oder in den frühen Morgenstunden lüften.
  • Türen zum Wohnbereich möglichst geschlossen halten.
  • Empfindliche Gegenstände nicht direkt an Außenwänden lagern.
  • Energetische Sanierungen verändern das Lüftungsverhalten
  • Moderne Fenster und gedämmte Gebäude sparen Energie, reduzieren aber gleichzeitig den natürlichen Luftaustausch.

Während ältere Gebäude über Undichtigkeiten ständig geringe Luftmengen austauschten, bleibt Feuchtigkeit heute deutlich länger im Gebäude. Deshalb müssen Bewohner nach Fenstersanierungen oder energetischen Modernisierungen häufiger bewusst stoßlüften.

Auch Neubauten benötigen besondere Aufmerksamkeit. Putz, Estrich und Beton enthalten große Mengen Baufeuchte, die teilweise erst nach ein bis zwei Jahren vollständig austrocknet.

Fazit

Richtiges Lüften im Sommer bedeutet nicht möglichst häufig zu lüften, sondern zum richtigen Zeitpunkt. Entscheidend sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die Fähigkeit der Luft, Wasserdampf aufzunehmen.

Wer morgens oder abends stoßlüftet, tagsüber die Räume verschattet, die Luftfeuchtigkeit regelmäßig kontrolliert und zusätzliche Feuchtequellen reduziert, kann selbst an heißen Sommertagen ein angenehmes und schimmelfreies Raumklima erhalten.

Gerd Warda

Forum Leitungswasser erscheint in Kooperation mit der Initiative Schadenprävention und  der AVW Gruppe

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