Von Dr. Georg Scholzen
Die Herausforderungen des Klimawandels lassen sich weder von der Wohnungswirtschaft noch von der Versicherungswirtschaft allein bewältigen. Beide Branchen verfolgen letztlich dasselbe Ziel: Gebäude und Quartiere zu schaffen, die langfristig sicher, wirtschaftlich und nachhaltig betrieben werden können.
Dabei verfügen Versicherungsunternehmen über einen besonderen Erfahrungsschatz. Jahr für Jahr analysieren sie Millionen von Schäden und gewinnen daraus Erkenntnisse über Schwachstellen von Gebäuden, technische Risiken und die Folgen extremer Wetterereignisse, oder der profanen Leitungswasserschaden. Dieses Wissen kann bereits in frühen Planungs- und Investitionsphasen genutzt werden.
Gerade Wohnungsunternehmen stehen heute vor der Aufgabe, hohe Investitionen in Klimaschutz, energetische Modernisierung und Neubau mit bezahlbaren Mieten in Einklang zu bringen. Umso wichtiger ist es, spätere Schäden möglichst präventiv zu vermeiden. Denn jeder vermeidbare Hochwasser-, Starkregen- oder Leitungswasserschaden verursacht zusätzliche Kosten, bindet Ressourcen und belastet die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes über viele Jahre.
Versicherungsexperten früher in die Planung einbinden
Aus meiner Sicht sollten Versicherer deshalb deutlich früher in Planungs- und Entwicklungsprozesse eingebunden werden. Nicht erst dann, wenn die Frage nach einer Versicherungslösung gestellt wird, sondern bereits bei der Konzeption neuer Quartiere und Gebäude. Dort können Erfahrungen aus der Schadenpraxis wertvolle Hinweise liefern – etwa zur Lage technischer Anlagen, zum Schutz von Tiefgaragen, zur Starkregenvorsorge oder zur Ausgestaltung kritischer Infrastruktur.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Wohnungsunternehmen, Planern und Versicherungswirtschaft schafft damit einen mehrfachen Nutzen: Sie erhöht die Resilienz von Gebäuden, reduziert langfristig Schäden und trägt dazu bei, dass Versicherungsschutz auch künftig zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen angeboten werden kann.
Nachhaltigkeit wird häufig auf Energieeffizienz und CO₂-Einsparung reduziert. Diese Aspekte sind wichtig, greifen jedoch zu kurz. Ein nachhaltiges Gebäude muss nicht nur energieeffizient sein, sondern auch widerstandsfähig gegenüber den Risiken der Zukunft.
Die Erfahrungen aus der Versicherungswirtschaft zeigen, dass viele Schäden bereits in der Planungsphase vermieden werden können. Beispiele aus Köln machen deutlich, dass resilientes Bauen kein Zufall ist, sondern das Ergebnis vorausschauender Entscheidungen.
Wohnen am Rhein: Gute Planung schafft Sicherheit
Ein Projekt, das dies eindrucksvoll verdeutlicht, war die Umwandlung eines ehemaligen Bürogebäudes in Köln in eine Wohnimmobilie. Das Objekt befindet sich in unmittelbarer Nähe des Rheins und damit in einem Bereich, der naturgemäß genauer betrachtet werden muss.
Bei solchen Projekten stellt sich nicht die Frage, ob ein Risiko vorhanden ist. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie wird mit diesem Risiko umgegangen?
Im Rahmen unserer Prüfung haben wir die Planungsunterlagen detailliert analysiert. Besonderes Augenmerk lag auf der Tiefgarage sowie auf den technischen Einrichtungen des Gebäudes. Gerade diese Bereiche sind bei Hochwasser besonders gefährdet. Dringt Wasser in Tiefgaragen oder Technikräume ein, entstehen häufig Schäden in erheblicher Größenordnung.
Das Beispiel zeigt, wie wichtig eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Projektentwicklern, Planern und Versicherern ist. Werden Risiken bereits in der Konzeptionsphase berücksichtigt, lassen sich Schutzmaßnahmen sinnvoll integrieren. Das erhöht nicht nur die Sicherheit des Gebäudes, sondern verbessert auch dessen langfristige Wirtschaftlichkeit.

Die Kranhäuser in Köln als Beispiel für Resilienz
Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang am Beispiel der Kranhäuser im Kölner Rheinauhafen. Die markanten Gebäude liegen direkt am Rhein und gelten dennoch als Musterbeispiel für durchdachten Hochwasserschutz.
Entscheidend war, dass das Thema Hochwasser von Anfang an Teil der Planung war. Fluttore, Schutzsysteme für die Tiefgarage und zahlreiche weitere technische Maßnahmen sorgen dafür, dass auch außergewöhnliche Hochwasserereignisse beherrschbar bleiben.
Für mich ist dies ein hervorragendes Beispiel für klimaresilientes Bauen. Die Lage eines Gebäudes allein sagt wenig über dessen tatsächliches Risiko aus. Ein Objekt direkt am Wasser kann deutlich besser geschützt sein als ein Gebäude, das vermeintlich in sicherer Lage errichtet wurde. Gute Planung ist häufig der wirksamste Hochwasserschutz.
Fazit
Deshalb sehe ich Wohnungswirtschaft und Versicherungswirtschaft als natürliche Partner. Während Wohnungsunternehmen die Gebäude der Zukunft entwickeln und bewirtschaften, bringt die Versicherungswirtschaft ihr Wissen über Risiken, Schadenursachen und Präventionsmaßnahmen ein. Gemeinsam können beide Branchen dazu beitragen, Gebäude sicherer, nachhaltiger und wirtschaftlicher zu machen.
Denn am Ende profitieren alle Beteiligten von einer einfachen Erkenntnis: Das nachhaltigste und wirtschaftlichste Gebäude ist nicht dasjenige, das nach einem Schaden wiederhergestellt werden muss – sondern dasjenige, bei dem der Schaden gar nicht erst entsteht.



