Liebe Leserinnen. Lieber Leser.
Wer über bezahlbares Wohnen spricht, darf nicht nur über Mieten sprechen. Er muss über Grundstücke reden, über Baukosten, Genehmigungen, Förderung, Energieversorgung, über die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter – und über die Unternehmen, die trotz schwieriger Rahmenbedingungen investieren.
Die Beispiele in dieser Ausgabe zeigen: Die gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft hat ihren Auftrag verstanden. Kommunale Unternehmen und Genossenschaften schaffen Wohnraum, modernisieren Bestände und treiben die Wärmewende voran. Doch sie brauchen dafür verlässliche Bedingungen.
Die Wohnbau Lützen GmbH zeigt, wie nah kommunale Wohnungsunternehmen an ihren Mietern arbeiten. Regelmäßige Befragungen liefern nicht nur gute Zufriedenheitswerte, sondern auch konkrete Hinweise: mehr Barrierefreiheit, bessere Abstellmöglichkeiten für Rollatoren und Fahrräder, mehr Aufenthaltsqualität, stärkere soziale Infrastruktur.
Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Glatte sieht darin eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Zugleich wird deutlich: Viele Fragen – etwa beim öffentlichen Nahverkehr – lassen sich nicht allein durch den Vermieter lösen. Hier braucht es Stadt, Region und Wohnungswirtschaft gemeinsam.
In Berlin setzen berlinovo, degewo, GESOBAU, Gewobag, HOWOGE, STADT UND LAND und WBM mit der Roadmap 2.0 ein starkes Zeichen. Bis 2035 sollen rund 56.000 landeseigene Wohnungen zusätzlich entstehen, bereits bis 2030 soll der Bestand auf rund 440.600 Wohnungen wachsen. Regierender Bürgermeister Kai Wegner nennt die landeseigenen Unternehmen „beste Partner für unsere Stadt“. Das ist richtig – aber Partnerschaft braucht Gegenseitigkeit. Wer bauen soll, braucht Grundstücke, Förderung, schnellere Verfahren und wirtschaftliche Spielräume.
Wirtschaftlichkeit ist ein Teil der Nachhaltigkeit
Auch Genossenschaften machen vor, wie langfristige Verantwortung aussieht. Die NEUE LÜBECKER investiert 2025 mehr als 83 Millionen Euro in ihren Bestand. Vorstandsvorsitzender Marcel Sonntag bringt es auf den Punkt: „Wirtschaftlichkeit ist ein Teil der Nachhaltigkeit.“ Dieser Satz verdient Beachtung. Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur Dämmung, Photovoltaik und Wärmepumpe. Nachhaltigkeit heißt auch: stabile Unternehmen, bezahlbare Mieten und Investitionsfähigkeit über Jahrzehnte.
Diese Projekte der NEUEN LÜBECKER stehen exemplarisch für die Richtung der Branche. In Geesthacht werden 54 Wohnungen modernisiert, mit Wärmepumpen, Photovoltaik und vorgefertigten Holzrahmenbauelementen. In Travemünde entstehen durch Aufstockung zusätzliche Wohnungen, getragen von einem Energiekonzept mit Wärmepumpen, Erdsonden und Photovoltaik.
In Ahrensburg wird serielles Sanieren mit Holzaufstockung verbunden. In Elmshorn, Lübeck, Ratzeburg, Wentorf und Neustadt in Holstein werden Bestände energetisch erneuert, Quartiere aufgewertet und fossilfreie Wärmequellen vorbereitet. „Der Schwerpunkt bleibt klar im Bestand. Neubau planen wir vor allem als Ersatzneubau – idealerweise mit mehr Wohnungen als zuvor. Gleichzeitig schaffen wir die Voraussetzungen, um ab 2027 wieder stärker in den Neubau einzusteigen“, sagt Dr. Uwe Heimbürge, technischer Vorstand der NL.
Sonne, Geothermie, Wärmepumpen und künftig auch mehr Windstrom sind keine abstrakten Bausteine der Energiewende. Sie kommen im Quartier an. Sie entscheiden mit darüber, ob Wohnen langfristig bezahlbar bleibt. Denn fossile Abhängigkeit ist ein Kostenrisiko – für Unternehmen ebenso wie für Mieter.
Weckruf aus Brüssel – „vom Regulieren ins Ermöglichen kommen“
Doch all diese Projekte haben eine gemeinsame Voraussetzung: Sie müssen auch möglich gemacht werden. Genau hier wird der Weckruf aus Brüssel wichtig, auf den GdW-Präsident Axel Gedaschko hinweist. Deutschland müsse beim Wohnungsbau „vom Regulieren ins Ermöglichen kommen“. Immer neue mietrechtliche Eingriffe schaffen keine zusätzliche Wohnung. Dauerhafter Mieterschutz entsteht vor allem durch mehr bezahlbares Angebot.
Besonders kritisch ist der Genehmigungsstau. Digital eingereicht, analog bearbeitet – so lässt sich kein Wohnungsbau beschleunigen. Gedaschko fordert zu Recht volldigitale Baugenehmigungen, verbindliche Fristen, einheitliche Standards und den Mut, Verfahren zu entrümpeln. Hinzu kommen verlässliche Förderung, steuerliche Investitionsanreize, ein wirksames Einfacher-Bauen-Gesetz und die rechtssichere Umsetzung des Gebäudetyps E.
Die Wohnungswirtschaft liefert. Sie fragt Mieter, baut auf, modernisiert, investiert und dekarbonisiert. Jetzt müssen Politik und Verwaltung liefern. Bezahlbares und klimafreundliches Wohnen entsteht nicht durch immer neue Vorgaben, sondern durch Vertrauen, Tempo und verlässliche Partnerschaft. Wer mehr Wohnungen will, muss die Bremsen lösen.
Juni 2026 Wohnungswirtschaft heute., Ausgabe 215, mit Fakten und Einschätzungen zum zielführenden Handeln.
Klicken Sie mal rein.
Bleiben Sie zuversichtlich und nachhaltig.
Ihr Gerd Warda und das Wohnungswirtschaft heute-Team

