Glaubwürdig, stabil und zukunftsfähig

Fernwärme versus Quartierlösungen – wertvolle Ergänzung oder Konkurrenz? Adolf Melcher, Sprecher der Geschäftsführung der Kelag Energie & Wärme, erläutert die Vorteile für Bauträger wie auch seine Visionen zum weiteren Ausbau der Fernwärme.

Die Wärmewende im Wohnbau ist längst keine theoretische Debatte mehr, sondern eine konkrete Investitionsentscheidung mit einem Zeithorizont von mehreren Jahrzehnten. Bauträger, Wohnbaugesellschaften und Kommunen müssen heute Systeme wählen, die ökologisch glaub- würdig, wirtschaftlich stabil und technologisch zukunftsfähig sind. Dabei werden Fernwärme und Quartierlösungen oft als Gegensätze diskutiert – tatsächlich sind sie zwei gleichwertige Werkzeuge innerhalb eines modernen Wärmesystems.

„Fernwärme ist insbesondere im urbanen Wohnbau ein äußerst effizientes und komfortables Versorgungssystem. Sie bietet hohe Versorgungssicherheit, geringe Investitionen auf Gebäudeebene und eine klare Systemlogik: Die technische Weiterentwicklung erfolgt zentral im Netz, nicht im einzelnen Haus“, so Melcher.

Bei der Kelag Energie & Wärme liegt der erneuerbare Anteil der Fernwärme heute bereits bei rund 85 Prozent. Biomasse und erneuerbare Abwärme bilden das Fundament dieser Systeme. Damit ist Fernwärme nicht nur ein etabliertes, sondern auch ein langfristig tragfähiges Instrument der Wärmewende.

„Gerade für den mehrgeschoßigen Wohnbau ist das ein entscheidender Vorteil: Eigentümer:innen und Nutzer: innen profitieren von Stabilität, Planbarkeit und einem hohen Maß an Komfort – bei gleichzeitig klarer Perspektive für die kommenden Jahrzehnte“, ist Melcher überzeugt.

Zugleich zeigt sich sehr deutlich: „Dort, wo Fernwärmesysteme noch nicht ausreichend ökologisiert sind oder kein klar nachvollziehbarer Ökologisierungsplan vorliegt, ist die Bereitschaft unserer Kund:innen, auf solche Systeme umzustellen, sehr zurückhaltend. Das ist aus unserer Sicht absolut verständlich. Investor:innen und Eigentümer:innen denken heute in Lebenszyklen von Gebäuden, nicht in kurzfristigen Übergangslösungen. Wärmeversorgung wird zunehmend als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie eines Projekts verstanden. Wer sich heute bindet, erwartet Transparenz, Verlässlichkeit und eine glaubwürdige ökologische Perspektive.“ Genau hier liegt eine zentrale Verantwortung der Fernwärmeversorger: Transformation muss nicht nur technisch möglich, sondern strategisch klar und für Kund:innen nachvollziehbar sein.

Dekarbonisierung: ein langfristiger Prozess

Die Kelag Energie & Wärme GmbH
ist ein Tochterunternehmen der Kelag-Kärntner Elektrizitäts- Aktiengesellschaft. Das Unternehmen mit Sitz in Villach ist der größte österreichweit tätige Anbieter von Fernwärme auf der Basis von industrieller Abwärme und Biomasse. Aktuell werden 85 Fernwärmenetze und rund 900 Heizzentralen mit einem Wärmeabsatz von rund zwei Terawattstunden betrieben. Zum Einsatz kommen zentrale Wärmpumpensysteme, Tiefen- oder Flächengeothermie, Photovoltaik oder Solarthermie, kleinere Biomasse- oder Pelletsanlagen und – wo vorhanden – lokale Abwärmequellen. Oft ergibt sich dadurch auch die zusätzliche Möglichkeit zu Kühlung.
www.kew.at

Die vollständige Ökologisierung großer urbaner Wärmesysteme ist ein anspruchsvoller Transformationsprozess. Hohe Wärmelasten, bestehende Infrastrukturen, begrenzte Flächen und regulatorische Rahmenbedingungen erfordern schrittweise sorgfältig geplante Lösungen. Die Stärke der Fernwärme liegt jedoch darin, dass dieser Wandel systemisch und kontinuierlich erfolgen kann – ohne laufende Eingriffe in den einzelnen Gebäuden. Für Kund:innen bedeutet das „Betriebssicherheit“ heute und „Entwicklungsperspektive“ für morgen.

So klar die Vorteile der Fernwärme sind: Sie ist nicht überall die optimale Antwort. In Gebieten mit geringer Bebauungsdichte, in neuen Stadtentwicklungsquartieren ohne Netzinfrastruktur oder bei speziellen Standortbedingungen sind andere Konzepte häufig wirtschaftlich und technisch sinnvoller. „Hier kommen Quartierlösungen ins Spiel, denn sie sind hochintegrierte, lokal optimierte Energiesysteme. Sie nutzen nahezu ausschließlich Umweltenergie und kombinieren mehrere Technologien – da ist die Zukunft: integrierte Systeme für moderne Quartiere.“

Richtig geplant und betrieben bieten sie hohe Effizienz, geringe Emissionen und große Flexibilität für zukünftige Anforderungen. Mit einem erfahrenen Partner lassen sich solche Lösungen verlässlich und langfristig umsetzen.

Adolf Melcher, Geschäftsführer und Sprecher
Kelag Energie & Wärme

„Natürlich kann es Situationen geben, in denen Fernwärme und Quartierlösungen miteinander im Wettbewerb stehen. Das ist aus unserer Sicht nicht problematisch – im Gegenteil. Wettbewerb sorgt für Innovation, für Kostendisziplin und für bessere Lösungen. Am Ende soll sich das System durchsetzen, das technisch, ökologisch und wirtschaftlich die beste Antwort für den jeweiligen Standort liefert. Genau dafür steht die Kelag Energie & Wärme, für offene Systeme, für Vergleichbarkeit und für fairen Wettbewerb im Wärmemarkt“, erläutert Melcher.

Qualität entscheidet

Das Projekt „Brockhausengasse“ der Gesiba zeigt exemplarisch, wie solche Quartierlösungen in der Praxis funktionieren: erneuerbar, effizient und langfristig tragfähig. „Die Wärmewende im Wohnbau braucht keine Dogmen, sondern klare Analysen, transparente Systeme und fairen Wettbewerb. Fernwärme bleibt ein zentrales Element der urbanen Wärmeversorgung – vorausgesetzt, sie ist ökologisch glaubwürdig aufgestellt. Quartierlösungen erweitern dieses System dort, wo sie die bessere Lösung sind. Am Ende entscheidet nicht die Technologie. Am Ende entscheidet Qualität – und das Vertrauen der Kund:innen“, so Melcher.

Urbanes Leben braucht unabhängige Wärme: Nachhaltiger Wohnbau ist längst mehr als eine architektonische Frage. Er entscheidet darüber, wie leistbar, klimafreundlich und resilient urbanes Leben künftig sein kann. Das Projekt in der Brockhausengasse in der Donaustadt zeigt, wie diese Anforderungen systematisch zusammengeführt werden können. Die Energieversorgung übernimmt Kelag Energie & Wärme – mit einem klaren Fokus auf Effizienz, Transparenz und langfristige Versorgungssicherheit. Kern des Projekts ist eine innovative Sole-Wärmepumpenanlage. Sie deckt nicht nur die Wärmeversorgung ab, sondern ermöglicht auch die Kühlung. Der gesamte Prozess (vom Stromeinkauf bis zum Wärmeverkauf) wird aus einer Hand gesteuert. Entscheidend dabei: Je höher der Wirkungsgrad der Anlage, desto geringer die Stromkosten und damit die Wärmepreise für die Bewohner:innen. Ein durchgängiger 24/7-Notdienst stellt zusätzlich die Betriebssicherheit sicher.

Ein weiterer zentraler Baustein ist die großflächige Photovoltaikanlage auf den Dächern der Wohnhausanlage. Der erzeugte Sonnenstrom wird direkt für die Wärmeerzeugung genutzt. Das Ergebnis ist ein geschlossenes, erneuerbares Energiesystem mit reduzierten CO₂-Emissionen und stabilen Energiekosten. Der Strom für die Wärmeerzeugung stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das Projekt setzt auch technisch neue Maßstäbe für Großwohnanlagen: Tiefenbohrungen sorgen gemeinsam mit Wärmepumpen für eine hohe Unabhängigkeit von externen Energiemärkten. Zusätzlich wird das Erdreich im Sommer zur Kühlung genützt.

Melchers Fazit: „Sozialer Wohnbau und nachhaltige Energieversorgung schließen einander nicht aus, im Gegenteil: Richtig geplant, verstärken sie sich gegenseitig. Dank gilt allen Partnern und Kolleg:innen.“

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