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Österreich gilt bei der Wohnbauförderung als eines der Vorbildländer in Europa. Doch es gibt noch viel zu tun.
MAIK NOVOTNY

Es war eine große Auszeichnung für den österreichischen Wohnbau, auch wenn sie fast unbemerkt erfolgte. Auf eine Anfrage eines baltischen Staates bei der OECD, welches System der Wohnbauförderung sie empfehle, kam die Antwort: Dänemark und Österreich. In der Tat ist nicht nur die gebaute Qualität hierzulande oft Ziel von Exkursionen, auch das dahinterliegende System genießt Vorbildfunktion.

Denn in Zeiten, da Leistbarkeit in die Krise gerät, haben sich jene europäischen Staaten als resilient erwiesen, die einen hohen Mietanteil mit einem Schwerpunkt auf der Objektförderung kombinieren. Die OECD dürfte mit ihrer Empfehlung richtig liegen. In Dänemark wurde 1967 der Landsbyggefonden eingerichtet, eine von den Wohnbauträgern selbst gebildete Stiftung. Unabhängig vom Regierungsbudget wird dieser Fonds ausschließlich aus den Mieteinnahmen finanziert und fungiert als Ausgleichsmechanismus innerhalb des Wohnbausektors und gegenüber Preisschwankungen auf dem freien Markt.

Rund ein Drittel seiner Gelder werden in den Neubau von Sozialwohnungen investiert, in denen fast eine Million Dänen lebt, etwa ein Sechstel der Gesamtbevölkerung. „Der skandinavische Raum hat zwar rechtlich eine etwas andere Struktur als wir, aber agiert mit derselben Philosophie. Dort umfasst der ,Wohnbau für alle‘ etwa ein Viertel des Mietwohnungsmarkts“, berichtet Bernd Rießland, kaufmännischer Direktor der Sozialbau und als Verbandsobmann der GBV viel in Europa unterwegs. Anders als etwa im Vereinigten Königreich, wo die Subjektförderung dominiert, ist der soziale Wohnbau in Österreich und Skandinavien nicht zum Billigstwohnbau für die Ärmsten verkommen.

Volkswirtschaftliches Plus

Das größte Plus der Objektförderung und der Gemeinnützigkeit, so Rießland, ist ihr gesamtgesellschaftlicher Effekt: „Viele Bewohner benötigen dadurch gar keine Subjektförderung. Jene, deren Einkommen so niedrig ist, dass eine Miete von 30 Prozent des marktüblichen Preises noch zu hoch ist, können sie in Anspruch nehmen, was in Österreich aber in verträglichem Maße passiert.

Das hat einen volkswirtschaftlichen Vorteil. Wenn ein gewinnorientierter Investor Förderungen in Anspruch nimmt, ist er nach der Laufzeit frei. Bei den Gemeinnützigen kommt sie über die gesamte Lebenszeit des Hauses zum Tragen. Darin ist Österreich gegenüber den meisten anderen europäischen Ländern einzigartig, weil wir einen erheblichen Anteil von Wohnungen haben, die auch über die Förderperiode hinaus leistbar sind.“

Laut einer aktuellen WIFO-Studie liegt der Mietvorteil, der sich aus dem Gemeinnützigkeitsgesetz ergibt, bei über einer Milliarde jährlich. Dadurch, dass sich der Bedarf an Wohnbeihilfe reduziert, ist die öffentliche Hand der Gewinner dieses Systems und erspart sich – trotz Wohnbauförderung – 500 Millionen Euro im Jahr. „Noch dazu haben die privaten Haushalte durch das niedrige Mietniveau einen finanziellen Spielraum, was wiederum einen belebenden Effekt auf die Wirtschaft hat, der das Bruttoinlandsprodukt um 600 bis 700 Millionen Euro steigert“, betont Rießland. „Und all dies entsteht durch das Kostendeckungsprinzip, das heißt, man muss gar nicht mehr Geld dafür ausgeben.“

Der geförderte Wohnbau in der Steiermark ist im Schnitt um 20 Prozent günstiger als am freien Markt – Wohnanlage Lembachweg in Eggersdorf mit zwölf geförderten Mietwohnungen (Bauträger ÖWG).

Tango im Gleichschritt

„Österreich kann gar nicht genug schätzen, was mit dem System unserer Wohnbauförderung in diesem Land möglich ist“, bestätigt auch Christian Krainer, Vorstand der ÖWG Wohnbau und Landesgruppenobmann des GBV Steiermark. „Der feine Tango zwischen Objektförderung und Subjektförderung ist das Herzstück des österreichischen Weges.

Und diesen Gleichschritt, gilt es in Zeiten, in denen Menschen den Unterschied zwischen leistbaren und sozial adäquat angepassten Mietpreisen spüren, aufrechtzuerhalten.“ Die Unterschiedlichkeit der Förderungen in den einzelnen Bundesländern, so Krainer, erschienen dabei oft als Hemmnis, letztendlich zähle aber, dass das Wohnen unter dem Strich billiger angeboten werden könne als am freien Markt – in der Steiermark um rund 20 Prozent…

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