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Wärmewende selbst gestalten – Industrialisierung von Wärmepumpen-Cubes für Mehrfamilienhäuser

Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur schaut sich den Cube an. Von links: Prof. Wolfgang Boos, Vonovia CEO Rolf Buch, Geschäftsführer EnerCube GmbH David Riedl, Geschäftsführer EnerCube GmbH Laurenz Sutterlüty, Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur, Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen, Prof. Ulrich Rüdiger. Foto: Andreas Steindl / Vonovia

Die Vonovia SE, EnerCube GmbH und die DFA Demonstrationsfabrik Aachen GmbH haben eine strategische Partnerschaft zur Serienproduktion des innovativen Wärmepumpen-Systems für Mehrfamilienhäuser – Wärmepumpen-Cube genannt – geschlossen. Unter dem Motto „Wärmewende gestalten – Innovation in Serie“ sollen bis Ende 2029 mehr als 1.000 Cubes in Aachen gebaut und dann deutschlandweit in den Quartieren von Vonovia installiert werden. Damit werden künftig weitere mehr als 20.000 Wohnungen unabhängig von Gas und Öl beheizt.

Der Wärmepumpen-Cube ist eine kompakte Heizungsanlage, die vom Start-up EnerCube aus Österreich entwickelt wurde. In diesem Gerät sind die Wärmepumpe sowie alle wichtigen Teile für die Heizanlage kompakt in einem Würfel verbaut.

Der Cube wird außerhalb von Gebäuden im Wohnumfeld aufgestellt. Die modulare Lösung ersetzt konventionelle Heizanlagen dort, wo kein Anschluss an das Nah- oder Fernwärmenetz besteht. Durch die klimaneutrale Wärme- und Warmwasserversorgung von Mehrfamilienhäusern leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Wärmewende im Gebäudebestand. Die Umstellung auf nachhaltige Direktversorgung wirkt sich auch positiv auf die Betriebskosten aus.

Von Pilotserien bis zur Serienproduktion

Nach erfolgreicher Pilotphase übernimmt das Aachener Unternehmen DFA Demonstrationsfabrik Aachen GmbH (DFA) die Industrialisierung des Konzeptes. Die DFA ist auf die schnelle Industrialisierung innovativer Produkte spezialisiert – von Pilotserien bis zur Serienproduktion.

Mit ihrer Kombination aus Digitalisierungskompetenz, Ramp-up-Expertise und Produktionsplanung hat sie bereits zahlreiche Unternehmen erfolgreich von der Prototypenphase zur Serienreife begleitet. Durch die enge Vernetzung im RWTH Aachen Campus verbindet die DFA wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Praxis – und ist damit der ideale Partner, um die Wärmewende in Serie zu bringen.

Unabhängig von engen Heizkellern und Hauszugängen

Der Cube ist in mehreren Leistungsgrößen im Einsatz und versorgt in der Regel zwischen 10 und 40 Wohnungen mit nachhaltiger Wärme aus der Umgebungsluft. Dank integriertem Schallschutzkonzept eignet sich das System auch für dicht bebaute Wohngebiete.

Durch den hohen Vorfertigungsgrad reduziert sich die Installationszeit vor Ort deutlich und kann unabhängig von engen Heizkellern und Hauszugängen erfolgen. Auch Wartungen und Reparaturen können am externen System störungsfrei durchgeführt werden.

Planbare Energiekosten, schützt das Klima und bringt konkreten Nutzen für die Menschen

„In Nordrhein-Westfalen arbeiten wir entschlossen daran, dass klimafreundliches Heizen der neue Standard wird – bezahlbar, zuverlässig und sicher. Wir wollen eine Wärmewende, von der alle profitieren – innovative Vorhaben wie das von Vonovia, EnerCube und der DFA Demonstrationsfabrik

Aachen leisten dazu einen starken Beitrag. Jede Investition in erneuerbare Wärme macht uns unabhängiger von fossilen Energieimporten, sorgt für planbare Energiekosten, schützt das Klima und bringt konkreten Nutzen für die Menschen bei uns in NRW. Als Landesregierung setzen wir die nötigen Impulse und schaffen Planungssicherheit“, sagte Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur.

Wärmepumpen-Cube nachhaltig bundesweit in Vonovia-Quartieren ausrollen

„Die Wärmewende wird ohne Innovation nicht gelingen. Mit dem Wärmepumpen-Cube bieten wir eine moderne, serielle Lösung, die schnell und unkompliziert im Bestand funktioniert. Das ist wichtig in Zeiten des Fachkräftemangels. Die grüne Energie kommt unseren Mieterinnen und Mietern sowie dem Klima gleichermaßen zugute. Mit starken Partnern an unserer Seite werden wir dieses nachhaltige System nun bundesweit in unseren Quartieren ausrollen“, betont Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender der Vonovia SE.

Eigenständiges Energiesystem ohne fossile Brennstoffe sichert die Versorgungssicherheit und Wertschöpfung im eigenen Land

„Die Technologien für die Dekarbonisierung des Gebäudebestands sind mittlerweile vorhanden, es ist nur mehr eine Frage der Umsetzung. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: ein eigenständiges Energiesystem ohne fossile Brennstoffe sichert die Versorgungssicherheit und Wertschöpfung im eigenen Land“, sagt Laurenz Sutterlüty, Gründer und Geschäftsführer der EnerCube GmbH.

„Durch die Skalierung unserer Produktion gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir diese Unabhängigkeit für alle verfügbar machen. Wir schätzen die kooperative Zusammenarbeit sehr – und sind stolz, mit unserem Cube einen Beitrag zur Wärmewende zu leisten“, ergänzt David Riedl, Gründer und Geschäftsführer der EnerCube GmbH.

Wichtigen Beitrag zur Wärmewende im Gebäudebestand.

„Unsere Stärke liegt darin, innovative Ideen in kürzester Zeit von der Pilotphase in eine stabile Serienproduktion zu überführen. Genau das bringen wir hier gemeinsam mit Vonovia und EnerCube ein. Mit unserem Know-how aus Digitalisierung, Ramp-Up und Produktionsmanagement machen wir den Wärmepumpen-Cube serienreif – und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende im Gebäudebestand.“, erklärt Prof. Wolfgang Boos, Geschäftsführer der DFA Demonstrationsfabrik Aachen GmbH.

Nach erfolgreicher Pilotierung und deutlichen Energieeinsparungen – im Pilotprojekt Donauwörth sanken die Energiekosten um 40 Prozent – ist die bundesweite Serienproduktion des Cubes bereits eingeleitet. Bis Ende des Jahres sollen bereits 30 Anlagen in Betrieb genommen werden.

Alexandra Meltzow-Altmeyer, Natalie Buschmeyer, DFA Demonstrationsfabrik Aachen GmbH

Nina Henckel, Vonovia SE

Vonovia bietet rund einer Million Menschen in Deutschland ein Zuhause. Das Wohnungsunternehmen steht mitten in der Gesellschaft, deshalb haben die Aktivitäten von Vonovia niemals nur eine wirtschaftliche, sondern immer auch eine gesellschaftliche Perspektive. Vonovia beteiligt sich daran, Antworten auf die aktuellen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt zu finden. Das Unternehmen setzt sich ein für mehr Klimaschutz, mehr altersgerechte Wohnungen und für ein gutes Zusammenleben in den Quartieren. In Kooperation mit sozialen Trägern und den Bezirken unterstützt Vonovia soziale und kulturelle Projekte, die das nachbarliche Gemeinschaftsleben bereichern. Zudem beteiligt sich Vonovia an der im Moment besonders wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe: dem Bau neuer Wohnungen. Im Mittelpunkt des Handelns stehen die Kunden und ihre Bedürfnisse. Vor Ort kümmern sich Objektbetreuer und eigene Handwerker um die Anliegen der Mieter. Diese Kundennähe sichert einen schnellen und zuverlässigen Service. Zudem investiert Vonovia großzügig in die Instandhaltung der Gebäude und entwickelt wohnungsnahe Dienstleistungen für mehr Lebensqualität. Für Fragen im Zusammenhang mit Mietverträgen und Nebenkostenabrechnungen ist der zentrale Kundenservice über eine regionale Telefonnummer, per Fax, App oder postalisch erreichbar. Vonovia beschäftigt rund 12.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vorstandsvorsitzender ist Rolf Buch.

Die EnerCube GmbH ist ein junges Startup aus Salzburg, Österreich, das vorgefertigte Wärmepumpenlösungen für den seriellen Heizungstausch in mehrgeschossigen Wohngebäuden entwickelt und produziert.

Dank hoher Effizienz, geringer Geräuschentwicklung, sowie kompaktem und modularem Aufbau entstehen einfach einzusetzende und hochwertige Lösungen für den Heizungstausch. Zur Sicherung des im Rahmen verschiedener Forschungs- und Innovationsförderprojekte erarbeiteten Technologievorsprungs wurden bereits mehrere Patente angemeldet.

Die versprochenen Vorteile konnten mittlerweile in ersten Pilotanlagen bestätigt werden. In der eigenen Produktion wurden bisher 30 dieser Cubes produziert. Um den Vorsprung weiter auszubauen, soll der Fokus nun noch stärker auf die Weiterentwicklung gelegt werden, während der Fertigungspartner „Demofabrik“ die Skalierung und den Serienhochlauf parallel zur Produktion am eigenen Standort übernimmt.

Die DFA Demonstrationsfabrik Aachen GmbH ist die zentrale Fertigungsumgebung auf dem RWTH Aachen Campus und ein führender Partner für innovative Produktion. Von der Fertigung einzelner Bauteile und Baugruppen über die Herstellung von Prototypen bis hin zur Industrialisierung von Serienfertigung bietet die DFA umfassende Kompetenzen im Bereich der Metallbearbeitung und Montage.

Gemeinsam mit Kunden aus unterschiedlichsten Branchen setzt die DFA zukunftsweisende F&E-Projekte um und begleitet Unternehmen als verlässlicher Partner für alle Produktionsthemen. Als Vordenker der produzierenden Industrie greift die DFA die Megatrends von morgen auf und gestaltet neue Leitthemen aktiv mit. Aufbauend auf „Lean Production“ hat sie die Themen „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ maßgeblich vorangetrieben. Heute setzt sie zusätzlich Akzente in den Bereichen „Remanufacturing“ und „Upgrade Circular Economy“, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.

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Warmes Wasser auf Knopfdruck – Effiziente Alternativen zur zentralen Warmwasserbereitung

Effiziente Alternativen zur zentralen Warmwasserbereitung
Titelbild der BBSR-0nline-Publikation „ Effiziente Trennung der Wärmeerzeugung für Heizung und Trinkwarmwasser im Wohnungsbau“ von Bert Oschatz, Bettina Mailach und Jens Rosenkranz. Quelle: BBSR

Zentrale Warmwassersysteme stellen oft unnötige Energiefresser dar: Wer heute neu baut oder saniert, sollte auf moderne Technologien wie elektronische Durchlauferhitzer setzen – sie machen lange Leitungsnetze überflüssig, vermeiden Bereitschaftsenergieverluste und sparen im Haushalt jährlich mehrere hundert Euro. Eine Alternative sind elektrische Rohrbegleitheizungen als Ergänzung zum zentralen System. Sie halten das warme Wasser in den Leitungen auf Temperatur, gleichen Wärmeverluste aus und machen so die klassische Zirkulationsleitung überflüssig.

Herkömmliche zentrale Warmwassersysteme bestehen aus einem Warmwasserspeicher, welcher an das vorhandene Heizsystem gekoppelt ist. Sofern warmes Wasser benötigt wird, wird dieses über zusätzliche, oft lange Leitungswege innerhalb des Gebäudes zur gewünschten Entnahmestelle – also zur Badewanne und Dusche, den Handwaschbecken und in die Küche – weitergeleitet. Aus hygienischen Gründen muss das Wasser permanent auf 60 °C erhitzt werden. Erst an der Zapfstelle wird dann kaltes Wasser beigemischt.

Durch den langen Transportweg geht ein erheblicher Teil der Energie verloren. Hinzu kommen die permanenten Bereitschaftsenergieverluste des Warmwasserspeichers. Berechnungen der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE)1) zeigen, dass in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit zentralem System die Verluste mindestens 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs betragen. Zudem sind zentrale Systeme mit höheren Investitionskosten verbunden als dezentrale Systeme.

Warmwasserbereitung und die Heizung voneinander trennen

„Versteckte Stand-by-Verbraucher sind unsichtbare Energiefresser – mit spürbaren Auswirkungen auf die Betriebskosten“, erklärt Lea Sophie Welzel von der Initiative Wärme+. „Die aktuellen Energieeffizienzstandards und steigende Preise bringen inzwischen viele Bauherren und Sanierer zum Umdenken.

Nur für warmes Wasser konstant 60 °C zur Verfügung zu stellen und in großen Mengen zu speichern, ist Energieverschwendung. Da ist es doch sinnvoll, die Warmwasserbereitung und die Heizung voneinander zu trennen.“

Elektronische Durchlauferhitzer: Wärme nur bei Bedarf

Moderne elektronische Durchlauferhitzer haben mit ihren Vorgängern nur noch wenig gemein. „Viele Verbraucher denken bei Durchlauferhitzern an die alten hydraulischen Modelle“, erklärt Lea Sophie Welzel von der Initiative WÄRME+. „Die neue Generation an vollelektronischen Geräten arbeitet jedoch deutlich effizienter und erreicht Wirkungsgrade von über 99 Prozent.“

Das Prinzip ist einfach: Wasser wird nur dann erwärmt, wenn es tatsächlich benötigt wird – und immer in der passenden Menge und Temperatur ohne lange Wartezeiten.

Im Vergleich zu den hydraulischen Vorgängern lassen sich so mit elektronischen Durchlauferhitzern bis zu 30 Prozent Energie einsparen. Sowohl in Neubauten als auch bei Sanierungen bieten sich elektronische Durchlauferhitzer an. Sie benötigen deutlich weniger Platz als konventionelle Warmwasserspeicher und sind nahezu wartungsfrei. Die Geräte eignen sich sowohl für die zentrale Installation im Haus oder der Wohnung zur Versorgung mehrerer Entnahmestellen als auch für die dezentrale Montage direkt am Verbrauchsort.

„Das Speichern und Verteilen von Warmwasser im Haus mit zwangsläufig auftretenden Wärmeverlusten entfällt komplett“, so Welzel. Ein weiteres Plus für die Energiebilanz im Haus: Im Sommer kann dann die Heizung komplett ausgeschaltet werden. Zudem wird die Effizienz des jeweiligen Heizsystems durch die Trennung der Systeme erhöht.

Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit dem ITG Dresden zur effizienten Trinkwarmwasserversorgung bestätigt die Vorteile dezentraler Systeme2). Die Untersuchung zeigt, dass Elektro-Durchlauferhitzer besonders bei niedrigem Warmwasserbedarf wie in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus – pro Person werden etwa 40 Liter pro Tag eingerechnet – wirtschaftlich sind. Bei größeren Wohnanlagen kann ein System aus mehreren vernetzten Durchlauferhitzern die zentrale Warmwasserversorgung komplett ersetzen.

Zusätzlich können verschiedene Förderprogramme die Investitionskosten senken. Im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung bieten sowohl die KfW als auch regionale Förderprogramme attraktive Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehen für die Installation energieeffizienter Warmwassersysteme.

Abkehr von zentralen Wärmeerzeugern hin zu intelligenten, bedarfsgerechten dezentralen Systemen

Die beschriebenen Lösungen fügen sich nahtlos in die Anforderungen moderner Energiekonzepte ein. „Wir sehen hier einen klaren Trend“, bestätigt Lea Sophie Welzel von Wärme+. „Die Abkehr von zentralen Wärmeerzeugern hin zu intelligenten, bedarfsgerechten dezentralen Systemen wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken.“ Besonders im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien wie Photovoltaik können diese Systeme ihr volles Potenzial entfalten. Der selbst erzeugte Strom kann direkt für die Warmwasserbereitung genutzt werden – eine ideale Kombination für nachhaltiges Bauen und Sanieren.

Quelle: Wärme+ / BBSR // ITG Dresden

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Grubenwasser – Grenzen sollen Wärme nicht aufhalten

Grubenwasser - Grenzen sollen Wärme nicht aufhalten
Mit mathematischen Modellen prüfen Geologen, wie Wärmeversorger Grubenwasser als Wärmespeicher wirtschaftlichen nutzen können (Beispiel aus dem Projekt D2Grids in Bochum-Dannenbaum) Bild: D2Grids/Fraunhofer IEG

Wärmenetze vermitteln die Wärmeangebote aus industrieller Abwärme und Geothermie mit den Bedarfen von Wohngebieten und Gewerbe. Oft schränken jedoch nicht technische Hürden, sondern unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen die Nutzung ein.

Beispielsweise, wenn Staatengrenzen zwischen Angebot und Nachfrage liegen. Das EU-Projekt CROSS_HEAT untersucht nun, wie ein grenzüberschreitendes Wärmenetz zwischen deutschen und niederländischen Gemeinden umsetzbar wäre. Das Interreg-Programm der EU und das Land NRW fördern es mit rund 2 Millionen Euro.

Grenzen von Kommunen und sogar Staaten überspringen

»Wärmenetze sind ein wesentlicher Baustein einer zukunftsfesten Energieversorgung«, unterstreicht René Verhoeven, Projektleiter am Fraunhofer IEG. »Meist sind die technischen Hindernisse mit guter Planung gut lösbar. Mit unserem Projekt wollen wir zeigen, dass neben den technischen auch die rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen an Staatsgrenzen zu lösen sind. Wir wollen, dass gute Ideen auch die Grenzen von Kommunen und sogar Staaten überspringen.« Fraunhofer IEG bringt Ingenieur-Expertise und Modellierungstools ins Projekt ein, insbesondere wenn es um die Nutzung des Untergrundes geht.

Das Team betrachtet die grenzüberschreitende Nutzung von Grubenwasser als Quelle und saisonaler Speicher von Wärme. Mit anwendungsnahen Modellen und Berechnungsverfahren stellt es sicher, dass die technischen Modelle und Werkzeuge in einen finanzierbaren Investitionsplan münden.

»Wir wollen die Restwärme, die Unternehmen momentan noch in die Luft abgeben, sinnvoll nutzen, um Wohnhäuser, Büros und öffentliche Einrichtungen nachhaltig zu beheizen – und zwar grenzüberschreitend«, blickt Verhoeven in die Zukunft.

Nutzung industrieller Restwärme über Wärmespeicher wie etwa Grubenwasser

In dem dreijährigen Projekt wird untersucht, ob ein grenzüberschreitendes Wärmenetz zwischen den Gemeinden Herzogenrath, Kerkrade und Landgraaf technisch und wirtschaftlich machbar ist. Das Projekt konzentriert sich auf die Nutzung industrieller Restwärme über Wärmespeicher wie etwa Grubenwasser für eine nachhaltige interkommunale Wärmeversorgung.

Die Forschungsaktivitäten von CROSS_HEAT umfassen unter anderem die Analyse des Abwärmeaustauschs zwischen Industrie und bebauter Umwelt, die Bestandsaufnahme von geothermischen Quellen und Wärmespeichern in ehemaligen Bergbaustrukturen, die Entwicklung von technischen Szenarien und Modellrechnungen, die Bewertung der rechtlichen, organisatorischen und räumlichen Rahmenbedingungen sowie die Ausarbeitung von Finanzierungsstrategien und eines Investitionsplans. Anwohner, KMU und lokale Interessengruppen werden durch Informationsveranstaltungen, Nachbarschaftsgespräche und einen Infopunkt einbezogen.

 Die Ziele der internationalen Projektgruppe sind:

  • Langfristig niedrigere Energiekosten, damit nachhaltige Wärme für alle bezahlbar bleibt
  • Mehr Regionalität in Energieversorgung und weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
  • Wirtschaftliche Chancen durch zuverlässige Wärme für lokale Unternehmen in der Region und dadurch sichere Arbeitsplätze

Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu senken

Durch die Konzentration auf erneuerbare Energiequellen und innovative Infrastrukturen will CROSS_HEAT einen wesentlichen Beitrag zu den regionalen Klimazielen leisten. In der Euregio entfallen etwa 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf Heizenergie. Der Anteil nachhaltiger Wärme liegt in den beteiligten Ländern noch unter dem europäischen Durchschnitt (Niederlande 9,6 %, Belgien 11,3 %, Deutschland 17 %).

Mit CROSS_HEAT soll diese Lücke verkleinert werden. Ziel ist, durch die Nutzung von Restwärme die regionale Nachhaltigkeit zu erhöhen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu senken und stabilere, niedrigere Wärmetarife zu ermöglichen, die CO2-Emissionen zu reduzieren und den Mittelstand durch Wirtschaftswachstum zu fördern.

Das Projekt hat ein Budget von rund 2,5 Millionen Euro. Davon fördert die EU rund 50 Prozent aus dem Interreg-Programm Meuse-Rhine und das Land NRW 30 Prozent. . CROSS_HEAT trägt zu den Zielen des europäischen Interreg-Programms bei, das Grenzregionen dabei unterstützt, wirtschaftliche, soziale und territoriale Zusammenarbeit zu fördern. Das Projekt wird durchgeführt von der Gemeinde Kerkrade (federführend), der Gemeinde Landgraaf, der Stadt Herzogenrath, Parkstad Limburg, der Städteregion Aachen, dem ITEM-Institut der Universität Maastricht, Fraunhofer IEG, NRW.ENERGY4CLIMATE, VITO NV und Cluster TWEED.

Kosta Schinarakis  // Fraunhofer IEG Research Institution for Energy Infrastructures and Geotechnologies Systems

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Ungewollt vom Energieversorger gekündigt – was sagt die Rechtslage

Ungewollt vom Energieversorger gekündigt - die Rechtslage
Ungewollt vom Energieversorger gekündigt - Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat online einen kostenfreien Musterbrief bereitgestellt. Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen

Verbraucherzentrale Niedersachsen informiert

Der Energieanbieter will den Vertrag beenden, obwohl kein Wechsel veranlasst wurde? Unberechtigte Kündigungen sorgen immer häufiger für Beratungsbedarf. Dabei ist die Rechtslage klar: Ohne Vollmacht oder nachträgliche Genehmigung der Verbraucherinnen und Verbraucher hat die Kündigung keinen Bestand. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen klärt, welche Rechte Betroffene haben.

„Neben Beschwerden über untergeschobene Verträge erreichen uns zunehmend Anfragen von Verbraucherinnen und Verbrauchern, deren Energievertrag ohne eigenes Zutun gekündigt wurde“, sagt René Zietlow-Zahl, Energierechtsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Beispielsweise haben Neukunden beim Wechsel versehentlich falsche Daten angegeben oder unseriöse Anbieter versuchen einen Vertrag aufzudrängen.

Vollmacht muss schriftlich vorliegen

Dass der Wechsel nicht gewollt war, fällt wegen des überwiegend automatisierten Prozesses nicht auf. „Der Versorger überprüft die Kündigung in der Regel nicht und nimmt grundsätzlich an, dass sie ordnungsgemäß ausgesprochen wurde“, erklärt der Experte. „Es ist aber gesetzlich festgelegt, dass die Vollmacht schriftlich vorliegen muss, damit der Energieversorgungsvertrag durch einen neuen Anbieter gekündigt werden kann.“

Weiterversorgung und Nachweis über Vollmacht fordern

Verbraucherinnen und Verbraucher haben daher eine gute Grundlage, um sich zu wehren. Sie sollten den Versorger zur Weiterversorgung auffordern und gegebenenfalls den Nachweis über die Vollmacht verlangen. „Liegt sie nicht vor, hat die Kündigung ohne ausdrückliche Genehmigung der Betroffenen keinen Bestand. Der bisherige Vertrag muss dann weiterlaufen“, sagt Zietlow-Zahl.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat online einen kostenfreien Musterbrief bereitgestellt. Bei Fragen hilft die kostenlose Beratung – vor Ort, telefonisch und per Video: verbraucherzentrale-niedersachsen.de/beratung  

Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen

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Intelligente Optimierung: Energieeffizienz rauf, Kosten runter

Intelligente Optimierung: Energieeffizienz rauf, Kosten runter
Als zentrale Steuerbox erfasst das KUGU Hub Anlagendaten lokal und steuert Heizsysteme automatisiert über die Cloud. Quelle: KUGU

Von Christopher von Gumppenberg

Der Gebäudesektor ist für rund 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich und steht damit im Zentrum der Klimaschutzbemühungen. Eine nennenswerte Reduktion der Emissionen kann in den letzten Jahren allerdings nicht beobachtet werden. Die Reduzierung des Energieverbrauchs und die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien ist daher essenziell.

Damit dieser Wandel günstig und damit sozialverträglich abläuft, sind digitale Technologien und smarte Lösungen, die die vorhandene Infrastruktur intelligent steuern, unverzichtbar.

Die Heiztechnologie befindet sich im Wandel

Weg von ineffizientem Dauerbetrieb, hin zu smarter, datengestützter Optimierung. Moderne digitale Lösungen setzen auf ein Zusammenspiel aus Sensorik, Algorithmen und Echtzeitanalysen. Während die oft angebotene einmalige manuelle Einstellung kurzfristig Effizienz bringen kann, liegt der wahre Schlüssel zur nachhaltigen Energieeinsparung in der kontinuierlichen, dynamischen Optimierung des Systems. Diese Systeme berücksichtigen das Nutzungsverhalten der Mieterinnen und Mieter, historische Verbrauchsmuster, standortgenaue Wetterdaten und die thermische Trägheit des Gebäudes.

Das bedeutet: Sie lernen dazu und passen sich immer besser an die tatsächlichen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner an. Darüber hinaus lassen sich diese Systeme nahtlos mit erneuerbaren Energiequellen verknüpfen, sodass beispielsweise die Nutzung von Solar- oder Geothermie gezielt optimiert wird. So entsteht ein intelligentes Gesamtsystem, das Effizienz und Nachhaltigkeit gleichermaßen steigert.

KI-gestützte Optimierung der Heizungsanlage

Ein Unternehmen, das diesem Ansatz folgt und sogar noch einen Schritt weiter geht, ist die Berliner KUGU Home GmbH. Das neue Produkt „KUGU EOS“ (Energy Optimization System) kombiniert gebäudetechnisches Know-how mit KI-gestützter Optimierung. Es legt die Grundlage für die Dekarbonisierung von Gebäuden und die Digitalisierung und Automatisierung aller energetischen Prozesse rund um Immobilien – ohne das bauliche Eingriffe in die Gebäudesubstanz notwendig sind.

Nachdem die Parameter des Gebäudes erfasst wurden, erstellt KUGU einen digitalen Zwilling, also eine virtuelle Abbildung des Gebäudes, die in Echtzeit mit Sensordaten aktualisiert wird. Basierend auf dem individuellen digitalen Zwilling und tagesaktuellen Wetter- und Verbrauchsprognosen wird jedes Heizsystem präzise kalibriert und kontinuierlich optimiert: Unnötige Heizphasen werden vermieden und die Effizienz der gesamten Anlage steigt.

Das Portal zeigt den Effizienzvergleich von konventioneller und optimierter Steuerung mit Echtzeitdaten. Quelle: KUGU

Transparenz im Anlagenbetreib

Darüber hinaus aggregiert, analysiert und visualisiert KUGU, über das Visual Information System „KUGU VIS“, Daten aus dem gesamten Gebäudebestand in Echtzeit – dabei steht Transparenz an erster Stelle. Alle relevanten Betriebsdaten, von Zählerständen bis zu Temperatur- und Verbrauchswerten, werden in Echtzeit visualisiert.

Bewohnerinnen und Bewohner sowie Eigentümerinnen und Eigentümer können so auf einen Blick erkennen, wo Einsparpotenziale liegen und wie sich Veränderungen im Heizverhalten auswirken. Außerdem kann das System Fehler und Ineffizienzen frühzeitig, automatisch und ohne Vor-Ort-Begehung erkennen, wodurch eine fundierte Anlagenbewertung und eine schnelle Reaktion auf Veränderungen möglich ist.

Garantiert maximale Effizienz

Im Schnitt können über 20 Prozent Energie, Energiekosten und CO2-Emissionen eingespart werden, bei gleichbleibend hohem Komfort für Mieterinnen und Mieter. Die laufenden Kosten können umgelegt werden – doch statt Nachhaltigkeit gegen Mehrkosten auszuspielen, generieren die Lösungen echte finanzielle Einsparungen über die Neukosten hinaus.

Das schafft einen ökologischen und sozialverträglichen Ansatz zur Dekarbonisierung von Gebäuden und damit zur Nachhaltigkeit. Davon ist KUGU so überzeugt, dass sie Kundinnen und Kunden eine Einspargarantie von mindestens 12 Prozent zusichern.

Gewobag nach Pilotphase überzeugt

Die Berliner Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft hat die Lösung in der vergangenen Heizperiode ausgiebig getestet. Im Rahmen einer Pilotphase konnten zehn Gebäude der Gewobag durch den Einsatz der KUGU-Lösung spürbar Energie und Emissionen einsparen: „Wir konnten KUGUs Einspargarantie von 12 Prozent in allen Objekten erreichen und teilweise auch deutlich übertreffen“, erklärt Dominik Unger, Prokurist und Leiter Technischer Service der Gewobag ED.

In den zehn mit KUGU ausgestatteten Objekten wurden zwischen Oktober 2024 und März 2025 rund 260.000 kWh Energie, über 50 Tonnen CO₂ sowie mehr als 18.000 Euro an Energiekosten eingespart. Der Erfolg überzeugt: Eine Ausweitung des Projekts auf 250 Anlagen ist geplant. 

Christopher von Gumppenberg ist CEO und Mitgründer der KUGU Home GmbH

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BBSR legt aktuelle Analyse vor – Kommunale Wärmeplanung kommt voran

BBSR legt Analyse vor - Kommunale Wärmeplanung kommt voran
BBSR legt aktuelle Analyse vor. Titelfoto: imageBROKER/A. Scholz via Getty Images

Immer mehr Gemeinden in Deutschland arbeiten an einem Wärmeplan. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Demnach haben bis Anfang Mai 2025 bereits 5.085 Gemeinden – rund 47 Prozent aller Gemeinden bundesweit – mit der Erstellung begonnen. Weitere 488 Gemeinden (4,5 Prozent) haben ihren Wärmeplan bereits abgeschlossen.

Rund 66 Prozent der Bevölkerung (55,8 Millionen Menschen) leben in Gemeinden mit begonnener Wärmeplanung, weitere 16 Prozent (13 Millionen Menschen) in Gemeinden mit bereits fertigen Plänen. Lediglich 18 Prozent der Bevölkerung (15,6 Millionen Menschen) wohnen in Gemeinden ohne dokumentierten Planungsstart.

Besonders weit ist der Fortschritt in Baden-Württemberg: Hier liegt in knapp einem Viertel der Gemeinden bereits ein fertiger Wärmeplan vor. In Schleswig-Holstein sind es zwar nur 3,2 Prozent, diese decken jedoch fast 45 Prozent der Landesbevölkerung ab. Auch in Nordrhein-Westfalen, wo viele große Kommunen mit Frist bis 2026 verpflichtet sind, sind mehr als 80 Prozent der Gemeinden bereits aktiv.

Bevölkerungsdaten: Die Auswertungen basieren auf dem Gemeindeverzeichnis der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder mit Stand 31.12.2023. Die Ergebnisse des Zensus 2022 (veröffentlicht am 25.06.2024) zeigen jedoch, dass die tatsächliche Bevölkerungszahl Deutschlands um 1,4 Mio. Personen niedriger ist. Eine detaillierte Aufbereitung dieser neuen Daten auf Gemeindeebene steht derzeit noch aus. Daher basieren die hier verwendeten Auswertungen auf den vorliegenden Zahlen der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung (siehe auch: BBSR (Hrsg.): Raumordnungsprognose 2045: Bevölkerungsprognose. BBSR-Analysen KOMPAKT 04/2024, Bonn). Quelle: Gemeindeverzeichnis Stand 31.12.2023 (ohne gemeindefreie, unbewohnte Gebiete), Datenstand Recherche 13. Mai 2025, Abweichungen in den Summen sind rundungsbedingt.

Das Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz – WPG) schafft seit dem 1. Januar 2024 erstmals einen bundesweit einheitlichen Rechtsrahmen. Es verpflichtet die Länder, Wärmepläne für ihr Gebiet sicherzustellen. Die Fristen sind gestaffelt: Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern müssen bis zum 30. Juni 2026 liefern, alle übrigen bis zum 30. Juni 2028.

Viele Gemeinden haben dennoch schon vor Ablauf ihrer Fristen mit der Arbeit begonnen. Über die Hälfte der derzeit aktiven Gemeinden hat weniger als 100.000 Einwohner. „Das zeigt, dass zahlreiche Kommunen frühzeitig Verantwortung übernehmen und den Weg für die Wärmewende bereiten“, heißt es in der Analyse des BBSR.

BBSR-Expertin Andrea Arnold-Drmic betont: „In den kommenden Jahren wird es nicht nur auf die flächendeckende Erstellung von Wärmeplänen, sondern insbesondere auf ihre Qualität und Nutzbarkeit ankommen. Entscheidend ist, dass die Pläne eine tragfähige Grundlage für konkrete Maßnahmen bilden und wirksam zur Umsetzung der Wärmewende beitragen.“

Hintergrund: Wozu dienen kommunale Wärmepläne?

Kommunale Wärmepläne bilden die Grundlage für die strategische Ausrichtung der lokalen Wärmeversorgung. Sie zeigen auf, wie der Wärmebedarf einer Kommune künftig klimaneutral gedeckt werden kann, welche Infrastrukturen dafür angepasst oder neu aufgebaut werden müssen und wo sich erneuerbare Energien, Abwärmequellen und effiziente Technologien am besten nutzen lassen. Die Pläne erfassen dabei das gesamte Gemeindegebiet. Ziel ist es, langfristig tragfähige und verlässliche Entscheidungsgrundlagen für Kommunen, Energieversorger, Wirtschaft und private Haushalte zu schaffen.

Christian Schlag, Quelle: BBSR

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Hoyerswerda – Energiestruktur im Wandel

Hoyerswerda hat heute die Chance, mit klimafreundlichen, wirtschaftlichen und sozialverträglichen Konzepten zu einem europaweiten Vorbild für eine nachhaltige Energieversorgung für andere vom Strukturwandel betroffene Kommunen zu werden. Foto: © Gernot Menzel

Vielerorts in Deutschland und Europa stellen verschiedenste Strukturwandel ganze Regionen vor große Herausforderungen. Dort, wo bestimmte wirtschaftliche Schwerpunkte seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten das öffentliche Leben prägen und sich damit eine gewisse Abhängigkeit entwickelt hat, können sich politische Entscheidungen, technologische Entwicklungen, demografische Veränderungen oder internationale Konflikte aller Art besonders stark auf die Bevölkerung auswirken.

Beteiligte Akteure und Gesetzgeber sind gleichermaßen in der Pflicht, neue Ideen zu entwickeln, um traditionelle Strukturen zu modernisieren und langfristig Perspektiven zu schaffen.

Eine Geschichte des Wandels

Die sorbisch-deutsche Stadt Hoyerswerda oder Město Wojerecy in der sächsischen Oberlausitz hat schon einige Strukturwandel erlebt. Mit der Entdeckung großer Braunkohlevorkommen im 19. Jahrhundert und dem beginnenden industriellen Bergbau stieg die Bevölkerungszahl schnell an. Neben der Etablierung des primären Sektors, in diesem Fall der Urproduktion der Kohle, entwickelte sich durch die regionale Verarbeitung und Verstromung auch der sekundäre Sektor in der Lausitz.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zu weiten Teilen zerstört. Doch kurz darauf begann für Hoyerswerda ein ganz neues Kapitel. 1955 beschloss der Ministerrat der DDR den Aufbau des Gaskombinats Schwarze Pumpe, einem riesigen Braunkohleveredelungswerk, das zum Hauptgaslieferanten für Ostdeutschland wurde. Nach Eisenhüttenstadt mit seinem gleichnamigen Metallurgiekombinat wurde Hoyerswerda als zweite sozialistische Wohnstadt ausgewählt und mit dem Bau der Neustadt begonnen – neuer Wohnraum für zehntausende Arbeiter*innen und deren Familien. Innerhalb von nur 25 Jahren wuchs die Bevölkerungszahl von unter 10.000 auf über 70.000 an.

Der Übergang von der sozialistischen Staats- oder Planwirtschaft zur kapitalistischen Marktwirtschaft mit der Wende bedeutete den größten Umbruch in der Geschichte Hoyerswerdas. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, wegbrechende Absatzmärkte und hohe Produktionskosten, aber auch die Einführung der D-Mark, die Rolle der Treuhandanstalt, die massive Abwanderung junger Menschen und schließlich die Deindustrialisierung sowie Rückbaumaßnahmen von Wohngebäuden führten dazu, dass die heutige große Kreisstadt nur noch etwa 30.000 Einwohner*innen zählt.

Der auf das Gaskombinat folgende Industriepark Schwarze Pumpe mit gleichnamigem Braunkohle-Großkraftwerk der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) auf Spremberger Gemarkung versorgt seit 1997 auch Hoyerswerda mit Fernwärme – einem Nebenprodukt, nämlich Abwärme in Form von ausgekoppeltem Dampf, der Kohleverstromung. Im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes wird das Kraftwerk spätestens Ende 2038 stillgelegt.

In Zukunft will der Energiekonzern auf seinen Bergbaufolgeflächen und anderen geeigneten Arealen in der Lausitz gigantische Windenergie- und Photovoltaikanlagen errichten. Das Projekt LEAG GigawattFactory strebt sieben Gigawatt (GW) installierte Leistung bis 2030 an, bis 2040 sollen es 14 GW sein. Die Erzeugung von grünem Wasserstoff, der perspektivisch auch flexible Reservekraftwerke betreiben soll, ist ebenfalls Teil des Gesamtkonzepts, mit dem die LEAG eine importunabhängige Versorgungssicherheit mit klimafreundlicher und bezahlbarer Energie für die Lausitz sichern will.

Neben der Privatwirtschaft ist spätestens seit dem Kohleausstiegsgesetz 2020 vor allem die öffentliche Hand in der Pflicht, den Transformationsprozess, den die lokale Energiewende erfordert, einzuleiten und umzusetzen. Hierfür sind allerdings erst einmal umfangreiche Analysen nötig, die die Stadtverwaltung zusammen mit lokalen Partnern seit vielen Jahren durchführt. Als Projektkommune der Initiative „Global Nachhaltige Kommune Sachsen“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) erstellte die Stadtverwaltung Hoyerswerda 2024 eine Bestandsaufnahme zur „Umsetzung der Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung in der Stadt Hoyerswerda“.

In dem Anfang Mai 2025 veröffentlichten Bericht fasst die Stadt ihre bisherigen Angebote, Initiativen und Projekte zusammen, die auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Social Development Goals, SDGs) einzahlen, welche wiederum den Kern der UN-Agenda 2030 bilden. Dazu kommen weitere Konzepte zur Hebung lokaler Potenziale, um schließlich die sich bietenden Chancen des aktuellen Strukturwandels zu nutzen und die Stadt als Teil der Region Lausitz zukunftsfähig aufzustellen.

Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh betont: „Wir wollen die SDGs in unserer Arbeit als Stadtverwaltung strategisch-konzeptionell verankern und mit konkreten Aktivitäten hinterlegen. Auf lange Sicht dient dieser Ansatz dazu, das Potenzial des Stadtgebietes zu erhalten, uns als attraktive Lebensstadt im Strukturwandel weiterzuentwickeln und zugleich Verantwortung für die globale Entwicklung zu zeigen.“

SDG 7: Bezahlbare und saubere Energie für die Region

„Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern“ lautet das siebte Ziel für Nachhaltige Entwicklung. Zu den Aufgaben in Hoyerswerda zählen dabei einerseits die Energieversorgung inklusive Abwärmenutzung und Unterstützung gemeinschaftlicher Energiegesellschaften und andererseits die Sanierung kommunaler Liegenschaften, das Energiemanagement und die Stadtbeleuchtung. Die lokalen Gegebenheiten stellen außerdem eine unmittelbare Verbindung zu den SDGs 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) und 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) dar.

Die größte Aufgabe für die regionalen Akteure besteht in der Transformation der Wärmeversorgung. Der Vertrag mit der LEAG über die Fernwärmebelieferung von heute etwa zwei Drittel der Hoyerswerdaer*innen sowie vieler öffentlicher Gebäude läuft Ende 2027 aus. Das betrifft allerdings nicht nur die Stadt Hoyerswerda, sondern auch die Nachbarkommunen Spremberg und Weißwasser. Vor diesem Hintergrund unterzeichneten die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda (VBH), die Städtischen Werke Spremberg (SWS) und die Stadtwerke Weißwasser (SWW) 2020 einen über drei Jahre laufenden und bundeslandübergreifenden Konsortialvertrag, um die Zusammenarbeit als Fernwärmeversorger der drei Städte beziehungsweise der Region zu koordinieren.

Mit einer Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des STARK-Programms (Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten) gab das Konsortium bei der Cottbuser Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG eine Studie in Auftrag, wie die Wärmeversorgung für die etwa 85.000 Menschen in der Region auf ein effizientes, klimafreundliches und günstiges System umgestellt werden kann.

Diese „Wissenschaftliche Transformationsstudie zur Dekarbonisierung der Wärmebereitstellung in der Region Hoyerswerda, Weißwasser und Spremberg bis 2050“ wurde im September 2023 vom Fraunhofer IEG gemeinsam mit den Partnern Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, der Tilia GmbH und der IREES GmbH veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für die Lausitz, sondern auch für andere vom Strukturwandel betroffene Regionen relevant und können ebenso wie das Kooperationsmodell von VBH, SWS und SWW auch für diese als Blaupause dienen.

„Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie strukturierter Wandel gelingen kann, wenn Städte gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die enge Zusammenarbeit von Hoyerswerda, Spremberg und Weißwasser ist ein starkes Signal dafür, dass wir in der Lausitz nicht nur Probleme bewältigen, sondern aktiv Zukunft gestalten – klimafreundlich, bezahlbar und mit wissenschaftlicher Expertise“, so Ruban-Zeh.

Die Ergebnisse der Studie betonen die strategische Bedeutung der vorhandenen und gut ausgebauten Fernwärmenetze in den drei Städten, die weiter verdichtet und erweitert werden sollen und können, um mittelfristig bis zu 70 Prozent der Haushalte anzuschließen. Sie identifiziert verschiedene erneuerbare Energiequellen, die synergetisch genutzt werden sollen, und mögliche Standorte. So gibt es in Spremberg und Hoyerswerda nutzbare Flächen für Solarthermieanlagen in der Nähe des Fernwärmenetzes und für den Einsatz von Gewässerthermie mittels Großwärmepumpen sind Seen wie der Scheibe-See und der Bärwalder See geeignet.

Abwärme aus Industrie und Kläranlagen sowie Biomasse aus Rest- und Altholz werden als begrenzt verfügbar, aber potenziell nutzbar eingeschätzt. Perspektivisch könnten gasbasierte Spitzenlastkessel mit grünem Wasserstoff oder Biogas betrieben werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Kurzfristig wird Erdgas als Übergangslösung genutzt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine klimaneutrale Fernwärmeversorgung auch in Zukunft wettbewerbsfähig und bezahlbar sein kann, sofern alle notwendigen technischen, personellen und finanziellen Ressourcen bereitgestellt werden.

Schritte zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung

Um wiederum dafür die Grundlage zu schaffen, unterzeichneten die drei Konsortialpartner im April 2024 einen neuen Vertrag. Gemeinsam beantragten sie erfolgreich weitere STARK-Fördermittel, um im nächsten Schritt die Erkenntnisse der Studie in die Umsetzung zu bringen. Hier ist auch Eile geboten, denn laut Wärmeplanungsgesetz (WPG) müssen Fernwärmenetze bis 2030 zu mindestens 30 Prozent aus Erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden. Diese Quote erhöht sich weiter auf mindestens 60 Prozent ab 2035 und 80 Prozent ab 2040. Schließlich muss die gesamte Wärmeversorgung ab dem Jahr 2045 vollständig klimaneutral sein.

In regelmäßigen öffentlichen Informationsveranstaltungen berichten die Stadt Hoyerswerda und die VBH über den jeweils aktuellen Planungsstand und realistische Zukunftsaussichten. Im April 2025 verkündete die VBH, als unverzichtbare Brückenlösung, da ohne langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren möglich, das bestehende Gas-Spitzenheizwerk im Industriegelände Hoyerswerda erheblich auszubauen und zu modernisieren – von derzeit 19 Megawatt (MW) installierter Wärmeleistung auf 45 MW.

Dieses Heizwerk wird ab 2028 die primäre Quelle der Fernwärme für Hoyerswerda sein und auch danach als H₂-ready-Kraftwerk die Wärmeversorgung stützen. In einer zweiten Ausbaustufe ist der Bau von Wärmepumpen mit Wärmespeicher geplant, um zusätzliche thermische Leistung zur Verfügung stellen zu können. Für das gesetzliche Ziel ist das allerdings nicht ausreichend. Daher benennt die VBH die auch in der Studie erwähnten Technologien Solarthermie, Seethermie, Power-to-Heat und Speicher als Lösungen für den künftigen Wärmemix der Stadt. Insgesamt soll der klimafreundliche Umbau des Wärmeversorgungssystems der Region etwa 70 Millionen Euro kosten.

Wärmenetzausbau und dezentrale Energieerzeugung

Ganz konkret möchten die Stadtverwaltung und die VBH vier weitere Fernwärmegebiete erschließen. Im ersten Teilgebiet in Kühnicht sind Interessensbekundung, Planung und Bau schon fortgeschritten. Im Norden der Stadt sollen im Energiepark „Spremberger Chaussee“ Solarthermiefelder, Speichertürme und gegebenenfalls ein Erdbeckenspeicher sowie das Repowering eines Solarparks auf dem Gelände der alten Kläranlage zur klimaneutralen Energieversorgung beitragen. Im Süden, im Energiepark „Altstadt“, ist eine Agri-PV-Anlage geplant.

Der so erzeugte Strom soll mittels Power-to-Heat in Wärme umgewandelt und in einem Speicher gehalten werden können. Auch hier soll Solarthermie eine Rolle spielen und durch eine Wärmepumpe ergänzt werden. Die weiteren Pläne werden im Laufe des Jahres 2025 im Rahmen der gemeinsamen Kommunalen Wärmeplanung von Hoyerswerda, Spremberg und Weißwasser vorgelegt. Laut aktueller Planung würden das Gas-Spitzenheizwerk mit Wärmepumpe und die zwei Energieparks zusammen 113 Gigawattstunden Wärme erzeugen, davon etwa die Hälfte erneuerbar noch vor 2030. Nach 2030 könnten weitere Energiequellen wie Abwärme der Thermischen Abfallbehandlung (T. A.) Lauta und eine Wärmepumpe am bereits erwähnten Scheibe-See ganzjährig Wärme zur Verfügung stellen, falls sich diese Vorhaben inklusive Leitungsbau als wirtschaftlich herausstellen.

Wie Erzeugungsanlagen im Stadtgebiet funktionieren können, wird zudem in einem integrierten energetischen Quartierskonzept für den Lausitzer Platz in der Neustadt analysiert, wo sich große Energieverbraucher wie Klinikum, Schwimmbad, Stadthalle und Einkaufszentrum befinden. Dabei arbeiten die Stadt und die VBH eng mit Eigentümer*innen, lokalen Akteuren und Bürger*innen zusammen. Die beauftragte Tilia GmbH führte von 2021 bis 2022 nach einer Bestandsanalyse der Quartiersstruktur und der energetischen Ausgangssituation eine Potenzialanalyse für Energieerzeugung, -nutzung und Mobilität durch.

Diese resultieren in einem priorisierten Maßnahmenkatalog, einer Empfehlung für Stadt und Energieversorger. Die Ergebnisse, die von einem PV-Programm über die Umrüstung der Straßenbeleuchtung und die Fahrradinfrastruktur bis hin zur Gebäudesanierung und -begrünung reichen, können auch auf weitere Stadtquartiere übertragen werden. Seit 2022 arbeiten die beteiligten Akteure an der Umsetzung einzelner Maßnahmen.

Ein weiteres Beispiel für die Umgestaltung von Quartieren ist der Wohnkomplex 1, kurz WK1. Bürger*inneninitiativen stellten sich erfolgreich gegen den Abriss der denkmalgeschützten Wohnblöcke, um anschließend in einem Solar-Pilotprojekt die Nutzung Erneuerbarer Energien im Quartier zu erproben. Zukunftsfähige Energielösungen könnten nun auch an anderer Stelle dem Erhalt von Baudenkmälern dienen.

Stand der Erneuerbaren in Hoyerswerda

Schon heute nutzen die VBH Klärgas aus der Abwasserreinigung zur Stromerzeugung in zwei eigenen Blockheizkraftwerken (BHKW) mit je 150 Kilowatt (kW) elektrischer und 185 kW thermischer Leistung. Die dabei entstehende Wärme kann zudem in das Wärmenetz eingespeist werden. Auch am Lausitzbad ist ein BHWK mit einer thermischen Leistung von 500 kW in Betrieb.

Der Stromverbrauch im Stadtgebiet wird zu fast 35 Prozent durch lokal installierte PV-Anlagen auf freien Flächen, kommunalen Gebäuden und Garagenkomplexen sowie durch BHKW gedeckt. Auch das größte Mieter*innenstromprojekt Sachsens wurde hier 2024 realisiert. Im Rahmen des gemeinsamen Vorhabens installierten die Wohnungsgenossenschaft Lebensräume Hoyerswerda eG und der Solarstromanbieters Einhundert Energie 76 PV-Module mit einer Leistung von insgesamt 300 Kilowatt-Peak auf Dächern mehrerer Mietshäuser. Diese versorgen rund 200 Wohnungen mit Solarstrom und sparen jährlich etwa 40 Tonnen CO₂ ein.

Die Lebensräume Hoyerswerda tat sich außerdem mit der anderen großen Vermieterin Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda sowie mit der AWO, der Interessengemeinschaft Energieversorgung Schwarzkollm und der VBH beziehungsweise ihrer Tochter Lausitzwerk zu einem Bündnis zusammen, das Bürger*innenbeteiligungsmodelle gründen und fördern möchte. Bei der Windenergie geht Hoyerswerda bisher kleinere Schritte: Im Stadtzentrum drehen sich auf dem Dach der Städtischen Wirtschaftsbetriebe (SWH), des Mutterkonzerns der VBH, drei kleine Windräder.

Im Bereich Mobilität gehen die Stadtverwaltung und ihre Eigenbetriebe mit gutem Beispiel voran und rüsten die Fuhrparks zunehmend auf Elektrofahrzeuge um. Dazu gehört auch der Aufbau von Ladeinfrastruktur auf Betriebshöfen. Im ganzen Stadtgebiet sind 45 Ladepunkte an 18 Standorten öffentlich zugänglich.

Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Immer wieder darf die Stadt Hoyerswerda internationale Delegationen begrüßen, die sich vor Ort über die Strukturwandel- und Energiewende-Maßnahmen informieren. Ein intensiverer Austausch über technologische Innovationen und den Umgang mit sozialen Herausforderungen findet aktuell im Rahmen des vom Auswärtigen Amt geförderten Projekts „Energiewende-Partnerstadt 3.0“ statt, das von der Agentur für Erneuerbare Energien begleitet wird.

Hierfür schlossen Hoyerswerda und die westukrainische Stadt Novovolynsk eine Energiewende-Partnerschaft. Nach einem ersten Treffen aller Projektpartner*innen im November 2024 in Berlin steht der Besuch in der Lausitz im September 2025 an, dem sich auch die Partnerstädte Düsseldorf und Czernowitz (ebenfalls Ukraine) anschließen.

Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh erklärt: „Die Stadt Hoyerswerda begrüßt die Teilnahme am Projekt. Der Austausch mit anderen Kommunen unterstützt nicht nur die Ziele der Transformation, sondern stärkt auch den gesellschaftlichen Diskurs. Durch die unterschiedlichen Perspektiven können wir gemeinsam Lösungen für ähnliche Herausforderungen entwickeln, voneinander lernen und möglicherweise langfristige Kooperationen aufbauen.“ Außerdem zahlt auch die Partnerschaft mit Novovolynsk auf ein SDG ein, das auch das Motto der Lausitz sein könnte: 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele.

Bei allen geplanten Maßnahmen, vor allem die den Strukturwandel betreffenden, ist es von enormer Bedeutung, die Einwohner*innen einzubeziehen und dabei besonders auf die Stimmen junger Menschen zu hören, die in der Stadt und der Umgebung eine ökologisch nachhaltige Zukunft aufbauen können. Schon heute ist das Thema Energie an vielen Schulen und Sportvereinen Gegenstand von Projekten und Jugendliche werden vermehrt in die Erarbeitung von Strukturwandel-Konzepten einbezogen. Die regionale Energiewende mit den sich daraus ergebenden Vorteilen niedriger, stabiler Energiepreise, der Schaffung neuer Arbeitsplätze inklusive Berufsorientierung und lokaler Wertschöpfung sowie transparenter Mitgestaltungsmöglichkeiten kann dazu beitragen, den Zukunftsstandort Lausitz zu stärken. Hoyerswerda hat heute die Chance, mit klimafreundlichen, wirtschaftlichen und sozialverträglichen Konzepten zu einem europaweiten Vorbild für eine nachhaltige Energieversorgung für andere vom Strukturwandel betroffene Kommunen zu werden.

Simon Stark // Agentur für Erneuerbare Energien e. V.

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Andrea Gebhard als Präsidentin der Bundesarchitektenkammer bestätigt

Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer
Planungssicherheit durch klare Regeln schaffen, den Mittelstand als Rückgrat unserer Baukultur stärken und die Transformation nach innen wie nach außen konsequent vorantreiben. Aufgaben, die sich Andrea Gebhard mit den Mitgliedern des neu gewählten Präsidiums vorgenommen hat. Das Team im Gruppenfoto: Wiebke Ahues, Andrea Gebhard, Stefan Weber, Evelin Lux (von links nach rechts) Foto: Anja Grabert

Die 99. Bundeskammerversammlung (BKV) hat am 19.9.2025 das Präsidium der Bundesarchitektenkammer gewählt. Die Münchner Stadtplanerin und Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard wurde mit überwältigender Mehrheit als Präsidentin bestätigt. Im Amt des Vizepräsidenten bleibt Ministerialrätin Evelin Lux, verbeamtete Architektin aus München.

Neu gewählt wurden die freischaffende Architektin BDA Wiebke Ahues aus Berlin und der freischaffende Architekt Stefan Weber aus Stuttgart

Unsere Aufgaben Kontinuität, Erfahrung und zugleich den Mut zur Veränderung

„How will we live together? – Wie wollen wir künftig zusammenleben? Diese Frage ist heute angesichts von Klimakrise, politischer Unsicherheit, Wohnungsnot und gesellschaftlicher Transformation drängender denn je“, sagte Andrea Gebhard nach Ihrer Wahl.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel bewegt – vom Gebäudetyp-E und Nachhaltigkeitsregister über die Förderung von Baukultur bis hin zu mehr Aufklärung in Politik und Gesellschaft. Aber vieles ist noch unvollendet. Genau deshalb trete ich erneut an: weil unsere Aufgaben Kontinuität, Erfahrung und zugleich den Mut zur Veränderung verlangen. Mein Ziel ist es, Planungssicherheit durch klare Regeln zu schaffen, den Mittelstand als Rückgrat unserer Baukultur zu stärken und die Transformation nach innen wie nach außen konsequent voranzutreiben.“

Andrea Gebhard engagiert sich seit vielen Jahren berufspolitisch. Sie ist seit 2021 Präsidentin der Bundesarchitektenkammer und seit 2022 Stiftungsratsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur. 2007 bis 2013 war sie Präsidentin des Bund Deutscher Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten BDLA. Sie Inhaberin des Münchner Büros mahl gebhard konzepte.

Der bisherige Vizepräsident Martin Müller aus Gelsenkirchen kandidierte nach drei Amtsperioden (2012 – 2025) nicht mehr. Die BKV bedankte sich bei ihm für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement in den Bereichen Digitalisierung und Kreativwirtschaft.

Stehende Ovationen wurden Prof. Ralf Niebergall aus Magdeburg zuteil, der sich nach drei Amtszeiten (2013 – 2025) als Vizepräsident verabschiedete. Die BKV dankte ihm vor allem für seinen unermüdlichen Einsatz für die beruflichen Rahmenbedingungen der planenden Berufe im europäischen und internationalen Kontext.

Cathrin Urbanek

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Gebäudetyp E: Das Wesentliche beim Bauen

Gebäudetyp E: Das Wesentliche beim Bauen
Im Neubau erschließt der Gebäudetyp E gezielte Spielräume. Wer digital plant, kann Einsparpotenziale modellbasiert ausloten und technisch sauber dokumentieren. Abweichungen lassen sich direkt im BIM-Modell bauteilgenau simulieren, etwa alternative Deckenaufbauten, reduzierte Dämmstärken oder vereinfachte Installationsführungen. Foto: Nemetschek Group

Was, wenn Planende endlich so bauen dürften, wie es sinnvoll wäre – nicht, wie es die Normen verlangen? Der Gebäudetyp E verspricht einen Paradigmenwechsel hin zu leistungsorientierter Innovation in der Bauplanung. Der Gesetzgeber hat dafür die Spielräume geschaffen, doch nur mit modellbasierten, digitalen Prozessen lassen sich die neuen Freiräume effizient, rechtssicher und sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltig nutzen. So ermöglichen es der Building Information Modeling-Ansatz sowie digitale Zwillinge, die Potenziale des Gebäudetyps E zu heben.

Seit Jahren ächzt die Bauwirtschaft unter Kostendruck und Überregulierung. Hier setzt der „Gebäudetyp E“ an – als Planungsansatz für einfacheres, suffizientes Bauen. Was 2023 in Bayern mit dem „Recht auf Abweichung“ (§ 63 BayBO) begann, hat inzwischen den Sprung auf Bundesebene geschafft: Am 6. November 2024 beschloss das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur zivilrechtlichen Umsetzung des Gebäudetyp-E-Modells im Bauvertragsrecht.

Das neue Gesetz schafft erstmals eine klare rechtliche Grundlage dafür, auf technische Normen zu verzichten, wenn sie ausschließlich Komfort- oder Ausstattungsmerkmale betreffen – etwa bei Trittschallschutz oder Gebäudetechnik. Künftig gilt: Nur was ausdrücklich vertraglich vereinbart wurde, ist geschuldet. Damit entlastet das Gesetz Planungsverantwortliche und Bauausführende haftungsrechtlich. Vor allem öffnet es auch den Raum für neue, innovative Lösungen – die mit Blick auf ESG-Ziele und Kostendruck höchst willkommen sind.

10 Prozent Einsparung sind sehr konservativ geschätzt

Das Bundesjustizministerium geht von rund 10 Prozent Einsparpotenzial bei den Herstellungskosten aus – umgerechnet etwa 8 Milliarden Euro pro Jahr im Wohnungsbau. Je nach Maßnahme und Gebäudetyp sind sogar bis zu 25 Prozent Einsparung denkbar, etwa durch den Verzicht auf überdimensionierte technische Ausstattung oder hochpreisige Komfortdetails.

Empirische Projektauswertungen bestätigen diese politischen Annahmen – und übertreffen sie teils deutlich. Beispielrechnungen zeigen: Allein durch eine reduzierte Trittschalldämmung können rund 56 €/m² eingespart werden.

Besonders hohe Einsparpotenziale zeigen sich darüber hinaus:

  • bei optimierten Tragwerken und reduzierter technischer Erschließung (~200 €/m²),
  • bei der Rücknahme brandschutzbedingter Sonderlösungen (~150 €/m²) sowie beim Verzicht auf Zertifizierungen
  • oder überzogene Barrierefreiheitsanforderungen (jeweils 100–150 €/m²).

Diese Einzelmaßnahmen summieren sich zu einem belastbaren Maßnahmenbündel.

Hamburg liefert konkrete Beispielzahlen: Im Rahmen der „Initiative Kostenreduziertes Bauen“ identifizierte die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE e. V.) im Auftrag der Stadt 65 Einzelmaßnahmen, deren kombinierter Effekt über 1.000 €/m² betragen kann – das entspricht über 20 Prozent Reduktion bezogen auf das aktuelle Median-Kostenniveau von ca. 4.600 €/m² Wohnfläche.

Diese Ersparnisse fordern jedoch an anderer Stelle ihren Preis: durch komplexere Nachweispflichten. Wer von Standards abweicht, muss die Einhaltung der Schutzziele detailliert belegen. Also noch mehr Formulare? Das würde den Deregulierungsansatz der Novelle ad absurdum führen. Gefragt sind durchgängig digitale Planungs- und Modellierungsprozesse. Sie ermöglichen die Variantenbildung, Simulation und belastbare Dokumentation, um die Einsparpotenziale des Gebäudetyps E auszuschöpfen – ohne juristische Stolperfallen.

Neue Freiheit bei Neubauten

Im Neubau erschließt der Gebäudetyp E gezielte Spielräume – insbesondere bei Tragwerk, Ausbau und technischer Gebäudeausrüstung. Abweichungen sind dabei nicht nur von Normen, sondern auch von technischen Baubestimmungen möglich, solange die jeweiligen Schutzziele auf anderem Wege erreicht werden.

Ein praxisnahes Beispiel: Erhöhter Schallschutz wird oft durch massive Decken oder doppelte Wände umgesetzt – mit hohem Materialeinsatz, entsprechendem CO₂-Fußabdruck und erheblichen Mehrkosten. Mit suffizienzorientierter Planung lassen sich Bauteile hingegen auf das statisch erforderliche Maß begrenzen – funktional ausreichend, aber deutlich ressourcenschonender.

Wer digital plant, kann solche Einsparpotenziale modellbasiert ausloten und technisch sauber dokumentieren. Abweichungen lassen sich direkt im BIM-Modell bauteilgenau simulieren, etwa alternative Deckenaufbauten, reduzierte Dämmstärken oder vereinfachte Installationsführungen. Nachweise zur Statik, thermischen Hülle und Energieeffizienz können auf Basis semantischer Bauteildaten automatisiert erstellt werden. So entstehen verlässliche Aussagen zu Behaglichkeit, zur Dauerhaftigkeit, zur Wirtschaftlichkeit und zur CO₂-Bilanz einzelner Varianten.

Diese Planungstiefe überträgt sich direkt in den Ausschreibungsprozess: Unterschiedliche Ausführungsoptionen können in Leistungsverzeichnissen systematisch erfasst, kalkuliert und transparent gegenübergestellt werden – inklusive ökologischer Kennwerte wie Global Warming Potential (GWP) oder der nicht-erneuerbare Primärenergiebedarf (PENRT). Digitale AVA-Prozesse erleichtern dabei die präzise Kostenzuordnung nach DIN 276 und zeigen, wie sich vereinfachte Standards konkret auf Kosten und THG-Emissionen auswirken.

Gleichzeitig bildet das Modell die Grundlage für eine präzise Mengenermittlung und eine nachvollziehbare Dokumentation. Diese ist unverzichtbar, wenn Planende und Bauherrschaft gemeinsam von anerkannten Regeln der Technik abweichen. Komplexe Zusammenhänge lassen sich visuell auflösen, Entscheidungsoptionen leicht verständlich aufbereiten.

BIM und Gebäudetyp E: Neue Zukunftsfähigkeit für Bestandsgebäude

Im Bestand greifen Gebäudetyp E und BIM besonders wirkungsvoll ineinander. Altbauten wurden nicht nach den heute allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) errichtet – und müssen es auch künftig nicht, sofern die bauordnungsrechtlichen Schutzziele erfüllt bleiben. Genau hier setzt das Gebäudetyp-E-Gesetz an: Statt bei Sanierungen, Umbauten oder Aufstockungen pauschal auf das heutige Regelwerk aufzurüsten, können Planende gezielt das technische Niveau des Bestands fortschreiben – funktional ausreichend, aber ressourcenschonend und wirtschaftlich tragfähig. Damit eröffnen sich im Bestand sogar größere Potenziale als im Neubau – insbesondere dort, wo gezielt auf überzogene Komfortnormen verzichtet werden kann.

Digitale Zwillinge auf Basis eines interaktiven BIM-Modells liefern die Grundlage, um Abweichungen von den aktuellen Vorgaben präzise zu dokumentieren, technisch zu validieren und vertraglich abzusichern. Punktwolken aus 3D-Scans der gebauten Realität werden dabei mit dem Planungsmodell kombiniert. Bauteilzustände, Materialkennwerte und Baualtersklassen können systematisch erfasst werden, um den digitalen Zwilling des Gebäudes anzureichern. Auf dieser Basis lassen sich Varianten von Sanierungsmaßnahmen simulieren, etwa unterschiedliche Dämmung, Fenstertypen oder Installationskonzepte.

Im Sanierungskontext können auch Regelungserleichterungen zur Anwendung kommen, etwa beim Dachgeschossausbau. Hier kann auf zusätzliche Stellplätze oder Aufzüge verzichtet werden, sofern die Schutzziele nicht berührt sind. Auch bei der Technischen Gebäudeausrüstung, lassen sich massive Einsparungen erzielen – etwa durch den Verzicht auf mechanische Lüftung oder überdimensionierte Heizlastauslegung. BIM ermöglicht, solche Vereinfachungen zu kalkulieren und technisch abzusichern.

 Entscheidend dabei: Eine Abweichung von den aaRdT gilt nur dann als wirksam vereinbart, wenn die Bauherrin den funktionalen Unterschied versteht und dem bewusst zustimmt. Ansonsten droht eine Mängelgewährleistung trotz formeller Einigung. BIM-basierte digitale Zwillinge erleichtern die rechtssichere Dokumentation und Kommunikation mit der Bauherrin, indem Varianten verständlich visualisiert, technische, wirtschaftliche und architektonische Konsequenzen nachvollziehbar festgehalten werden. So wird aus der formalen Zustimmung eine belastbare Vereinbarung.

Gebäudetyp E ist erst der Anfang: Digitale Resilienz dank BIM

BIM schafft nicht nur Projektklarheit im Hier und Jetzt – es sichert auch die Anschlussfähigkeit an kommende regulatorische Anforderungen. Und hier zeichnet sich bereits einiges am Horizont ab: Mit der überarbeiteten EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024) rücken erstmals CO₂-Grenzwerte für den gesamten Lebenszyklus in den Fokus, die ab 2028 für Neubauten gelten sollen. Zugleich wurde das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024 auf nationaler Ebene novelliert – mit verschärften Effizienzanforderungen und weiterreichenden Nachweispflichten, etwa für den Einsatz erneuerbarer Energien. Weitere Anpassungen des GEG sind absehbar, sobald die EU-Vorgaben in deutsches Recht umgesetzt werden.

BIM schafft die nötige Datenbasis, um beide Stränge frühzeitig und konsistent zu adressieren. Energetische Kennwerte, Materialverbräuche und Emissionen lassen sich bereits im Entwurf modellgestützt erfassen und auswerten. Gebäude werden auf Lebenszykluskosten, Primärenergiebedarf oder GWP durchleuchtet – nicht erst im Betrieb, sondern direkt in der Planungs- oder Sanierungsphase. CO₂-reduzierte Varianten können belastbar verglichen, Optimierungspotenziale identifiziert und regulatorische Schwellenwerte plausibel belegt werden.

Auch während der Bauausführung bringt der digitale Zwilling konkrete Vorteile: Punktwolken aus 3D-Scans ermöglichen den Abgleich mit dem Planungsmodell – zur geometrischen Qualitätskontrolle, zur Dokumentation der Ausführung oder zur präzisen Abweichungsanalyse. Nachbesserungen lassen sich frühzeitig vermeiden, Abfall und Bauzeiten reduzieren, Qualität verbessern. Gleichzeitig erleichtert der modellgestützte Ansatz die ortsunabhängige Kollaboration der Projektteams – was sich positiv auf Fahrtkosten, Ressourcenverbrauch und CO₂-Bilanz auswirkt.

 So wird BIM zum strategischen Hebel digitaler Resilienz – gegenüber technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Veränderungen im gesamten Gebäudelebenszyklus. Für den Gebäudetyp E bildet es ein Planungsinstrument, das Suffizienz, Innovation und Zukunftsfähigkeit vereint: reduziert auf das funktional Wesentliche, gezielt erweitert, wo es energetisch, wirtschaftlich oder architektonisch sinnvoll ist.

Maria Richtsfeld

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Das Ettersburger Gespräch 2025:  Zehn Hinweise für eine gute Zusammenarbeit beim Bauen

Das Ettersburger Gespräch 2025:  Zusammenarbeit beim Bauen
Ein Gruppenfoto mit Teilnehmenden des Ettersburger Gesprächs 2025, © Axel Clemens

Unter dem Titel „Zusammenarbeiten.“ definierte das diesjährige Ettersburger Gespräch zehn Rahmenbedingungen für Konzeption, Planung, Entwicklung und Umsetzung von Bauprojekten – mit dem Ziel, durch Kooperation Effizienz zu steigern, Innovation zu fördern und die Bauwirtschaft zukunftsfähig zu machen.

Expertinnen und Experten aus Planung, Politik, Bau-, Immobilien- und Wohnungswirtschaft diskutierten am 18. und 19. September 2025 beim 17. Ettersburger Gespräch unter dem Titel „Zusammenarbeiten.“ aktuelle Herausforderungen der Bauwirtschaft. Fazit: Traditionelle Modelle des Planens und Bauens stoßen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, unsere Verkehrsnetze zu modernisieren, Energieinfrastrukturen zu errichten oder eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

Integrierte Kooperationsmodelle hingegen gewinnen an Bedeutung: Eine frühe Zusammenarbeit, Verlässlichkeit und Planbarkeit sind notwendige Voraussetzungen für Investitionen und ausschlaggebend für den Projekterfolg.

Verantwortung und Kooperation

Verantwortung für die Baukultur bedeutet, die unterschiedlichen Interessen in einer kooperativen Haltung zu bündeln, um durch geteilte Ressourcen und Wissen, Effizienz, Innovation und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Dies gelingt durch:

1. Frühe Integration: klare Regeln für die Zusammenarbeit bereits in der vorbereitenden Planungsphase Null vereinbaren

2. Offene und klare Kommunikation: Qualitäten frühzeitig festlegen, klare Absprachen zur Arbeitsteilung und verbindliche Entscheidungen treffen

3. Faire und transparente Verträge: gute Zusammenarbeit durch knappe und zielführende Verträge abbilden

Regulatorische Hemmnisse und Bürokratie

Durch eine paradigmatisch lösungsorientierte Neuaufstellung von Bauordnungen, technischen Normen und Bauverwaltungen wird ein bedarfsgerechtes Planen und Bauen möglich.

4. Komplexität reduzieren und Verfahren beschleunigen: Doppel- oder Mehrfachabfragen vermeiden

5. Bürokratieabbau: neue Regulierungen hinterfragen, Praxis stärker einbeziehen

6. Effiziente Verwaltungsprozesse: Handlungsfähigkeit zurückgewinnen

Digitalisierung

Eine gemeinsame Datenumgebung ermöglicht standortunabhängig eine engere Zusammenarbeit über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks.

7. Digitale Tools nutzen: Planung und Ausführung durch digitale Werkzeuge optimieren – auch in Phase Zehn zur Qualifizierung des Betriebs

8. Einheitliche Standards schaffen: modellbasiertes Planen und Bauen auf Basis einheitlicher, standardisierter Datenformate und Schnittstellen etablieren

9. Erfolge skalieren: mehr Transparenz und eine höhere Effizienz in allen Phasen eines Bauprojekts erreichen

Werte und Haltung

Neue Formen der Zusammenarbeit im Bauwesen beinhalten eine werkbezogene Grundhaltung und die Anwendung neuer Partnerschaftsmodelle. Zentral ist die Vertrauensbasis.

10. Baukultur ins Werk setzen: hochwertig gestaltete Bauprojekte in bautechnisch und handwerklich überzeugender Qualität umsetzen

Das Ettersburger Gespräch steht für eine fachübergreifende, lösungsorientierte und aktive Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten im Sinne des Projekterfolgs. Dabei sind baukulturelle Werte und gesellschaftliche Akzeptanz Basis für den wirtschaftlichen Erfolg.Das vollständige Strategiepapier finden Sie hier

Sabrina Ginter //  Claudia Rudisch

Das jährliche Ettersburger Gespräch der Bundesstiftung Baukultur, des Fördervereins und ihrer Partner ist ein exklusiver, branchenübergreifender Erfahrungsaustausch zwischen Entscheidungsträgern der Bau-, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, der Architektur, des Ingenieurwesens, der Kommunalverwaltung und Politik zu aktuellen Herausforderungen der Branche. Das Ettersburger Gespräch bietet Raum für den Austausch zu konkreten Praxisbeispielen aus den verschiedenen Perspektiven der Planung und Ausführung, der Bauherrinnen und Bauherren und formuliert Handlungsempfehlungen. Es fand in diesem Jahr am 18. und 19. September auf Einladung der Bundesstiftung Baukultur und ihres Fördervereins auf Schloss Ettersburg bei Weimar statt.

Die Bundesstiftung Baukultur ist eine unabhängige Einrichtung und arbeitet mit dem Ziel, die gebaute Umwelt als wesentlichen Faktor für Lebensqualität zu einem gemeinschaftlichen Anliegen zu machen. Durch Veranstaltungen, Publikationen und Kooperationen fördert die Stiftung den öffentlichen Diskurs über Baukultur und vernetzt Akteure miteinander. Alle zwei Jahre legt die Bundesstiftung Baukultur dem Bundeskabinett und dem Bundesparlament einen Bericht zur Lage der Baukultur in Deutschland vor.

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