Nachhaltig wohnen heißt: gemeinsam handeln

Von Annelie Casper, Geschäftsführerin gefma Deutscher Verband für Facility Management e.V.

2026 könnte das Jahr werden, in dem Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft endlich ganzheitlich gedacht wird. Nicht als technisches Add-on, sondern als Kultur des Miteinanders. Denn nachhaltiges Wohnen entsteht nicht in Einzelmaßnahmen, es entsteht durch das Zusammenwirken aller Stakeholder.

Mit SustainFM, unserem zertifizierungsfähigen Bewertungssystem für den Gebäudebetrieb, haben wir bei gefma eine wesentliche Grundlage dafür geschaffen. Das System ermöglicht es, Nachhaltigkeit in Wohnimmobilien umfassend zu bewerten: ökologisch, ökonomisch, sozial und prozessual. Dieser Ansatz geht bewusst über Klimaschutz hinaus. Er geht einen Schritt weiter und hilft dabei, Quartiere zu gestalten, in denen Menschen gerne leben und in denen Ressourcen intelligent genutzt werden. So entstehen Lebensräume, die resilient sowie gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig, klimagerecht und sozial lebendig sind.

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Im Jahr 2026 werden wir SustainFM für Wohnimmobilien weiter optimieren und dessen praktische Anwendung konsequent vorantreiben. Unser Fokus liegt dabei auf komplexen Quartieren, die zeigen, was möglich ist, wenn Betreiber, Dienstleister und Bewohner konstruktiv zusammenarbeiten. Ob beim dezentralen Energiemanagement, bei Sharing-Modellen für Mobilität oder Gemeinschaftsräumen, bei der Kreislaufwirtschaft oder beim nachbarschaftlichen Engagement. Überall dort, wo Menschen sich als Teil eines Systems verstehen, entsteht echte Nachhaltigkeit.

Ich beobachte mit Optimismus die wachsende Bereitschaft in der Branche, Nachhaltigkeit als echtes Qualitätsmerkmal zu begreifen. Immer mehr Wohnungsunternehmen erkennen: Ein nachhaltiger Gebäudebetrieb schafft messbare ökologische sowie soziale Wirkung und damit Vertrauen – bei Mietern, Eigentümern und Investoren gleichermaßen. Er macht sichtbar, dass Verantwortung übernommen wird. Und er beweist zunehmend, dass sich nachhaltiges Handeln wirtschaftlich rechnet.

Unser Ziel für 2026 ist klar: gefma möchte den Wissenstransfer zwischen der Immobilienwirtschaft und dem Facility Management deutlich intensivieren und praxisnahe, messbare Lösungen standardisiert in die Breite tragen. Nachhaltigkeit darf kein Pilotprojekt bleiben, sie muss Alltag werden. Dafür braucht es digitale, transparente Prozesse, klare Standards und den Mut, neue Wege zu gehen.

Was ich mir persönlich für 2026 wünsche? Dass wir Nachhaltigkeit nicht mehr erklären müssen, sondern erleben. Und dass sie mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit wird. Das bedeutet zum Beispiel, dass Nachbarn Energie teilen, Betreiber langfristig denken und Quartiere zu lebendigen Gemeinschaften werden, in denen jeder seinen Beitrag leistet. Nachhaltigkeit wird dann zu mehr als nur einer Messgröße, sie wird gelebte Praxis, die im Alltag der Menschen etabliert ist.

Annelie Casper

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