Von Laura Beck, Head of Business Unit | Strategy Consulting bei M&P BEGIS GmbH
2026 steht für mich ganz klar für eines: Tun. Die großen Themen unserer Branche sind bekannt: Digitalisierung, Kostendruck, ESG, Fachkräftemangel. Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, was wir tun müssen, sondern wie wir endlich anfangen.
Meine Pläne für 2026 sind deshalb bewusst pragmatisch:
Weniger Prüfroutinen, weniger Wenns und Abers und deutlich mehr „einfach machen“.
Neue Wege ausprobieren, Pilotprojekte starten, Erfahrungen sammeln und daraus lernen.
Schritt für Schritt besser werden. Nicht perfekt, aber wirksam.
Die digitale Immobilie entsteht nicht am Konferenztisch oder auf dem Papier, sondern im Betrieb: bei Rundgängen, in der Instandhaltung und in den täglichen operativen Abläufen der Immobilie.
Ich freue mich darauf, dass sich viele bislang lose Enden weiter zusammenfügen. Digitale Prozesse, Datenmanagement und Datenqualität rücken näher zusammen. Daten lassen sich heute pragmatisch erfassen, in Systeme überführen und sinnvoll nutzen.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Statt rund eineinhalb bis zwei Jahre für eine klassische Bestandserfassung zu benötigen, können wir 6.700 technische Komponenten im Gewerk Wärmeversorgungsanlagen an 1.500 Adressen in gut neun Monaten dokumentieren und teilautomatisiert in technische Systeme überführen. Damit entsteht die Grundlage für den digitalen Heizungskeller und für belastbare digitale Prozesse mit echter, verlässlicher Datenqualität.
Ähnliche Erfahrungen machen wir derzeit bei der Einbindung von Sensorik, IoT und Systemen der Gebäudeleittechnik, etwa im Zählermanagement oder im Verbrauchsdatenreporting.
Lösungen, die sich in anderen Bereichen der Bau- und Immobilienbranche bewährt haben, finden zunehmend ihren Weg in den Immobilienbetrieb. Aus vielen Einzelmaßnahmen wächst so Schritt für Schritt ein stabiler digitaler Betrieb.
Worauf ich hoffe und was ich fürchte
Besonders wichtig ist mir dabei die Rolle des Facility Managements und des Immobilienbetriebs. FM ist kein nachgelagerter Kostenfaktor mehr, sondern ein zentraler Hebel für Wirtschaftlichkeit, Qualität und Weiterentwicklung. Wenn wir über digitale Immobilien in der Wohnungswirtschaft sprechen, müssen wir genau hier ansetzen: nah am Alltag, mit klaren Strukturen und mit dem Ziel, den Betrieb spürbar zu verbessern.
Ich hoffe auf den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Dinge besser zu machen als bisher, auch wenn nicht jede Detailfrage im Vorfeld geklärt ist. Bewegung entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Motivation. Diese kann aus Marktdruck, Regulierung, Kostensituation, Unsicherheiten oder Überzeugung entstehen. Entscheidend ist, dass wir loslaufen und die richtigen Partner an unserer Seite haben.
Meine größte Sorge ist, dass die wirtschaftliche Unsicherheit dazu führt, Entwicklungen auf Eis zu legen. Doch Stillstand ist keine Lösung, sondern ein Rückschritt. Die aktuellen Herausforderungen lassen sich nur bewältigen, wenn wir effizienter werden, neue Lösungen zulassen und gemeinsam arbeiten, nicht in Insellösungen, sondern vernetzt, als Gemeinschaft, als Branche.
Mein Ziel: „Einfach machen!“
Deshalb überwiegt bei mir die Vorfreude. Auf Projekte, die anpacken und vorangehen. Auf Wohnungsunternehmen und Genossenschaften, die gestalten wollen. Auf Partnerschaften, in denen wir operativ unterstützen, unabhängig davon, ob organisatorisch, strukturell oder technisch. Mit dem gemeinsamen Ziel unsere Immobilien Schritt für Schritt digitaler, transparenter, attraktiver und wirtschaftlicher zu machen.
2026 wird das Jahr, in dem wir zeigen, dass die Wohnungswirtschaft nicht nur über Digitalisierung redet, sondern sie umsetzt. In dem aus Konzepten konkrete Lösungen werden. Und in dem deutlich wird, dass Innovation auch unter Kostendruck möglich ist, wenn wir anfangen und uns bewegen.
Mein Wunsch fürs neue Jahr:
Raus aus der Komfortzone, rein ins Handeln, gemeinsam anpacken, Silos überwinden und neue Wege smart umsetzen.
Laura Beck



