Am 11. Dezember 2025 fand im ehemaligen Capitol-Kino in Halle/Saale die Jahreshauptversammlung des Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. aus Hellersdorf statt. Ca. 120 Teilnehmer, darunter ein Großteil aus Mecklenburg- Vorpommern, informierten sich über die Zukunft kleiner Großsiedlungen in Kleinstädten. Dabei ging es um mehrgeschossige Ensembles, die häufig am Rand kleinerer Städte und nach den gleichen Prinzipien wie ihre großen Pendants in den Großstädten gebaut wurden.
In den zwischen 1950 und 1990 errichteten mehrgeschossigen Wohngebieten lebten in Kleinstädten laut Zensus 2022 bundesweit ca. 1,1 Millionen Menschen in 720.000 Wohnungen. In den neuen Ländern waren es 423.000 Menschen in ca. 310.000 Wohnungen. 75 Prozent dieser Wohnungen befinden sich im Eigentum von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften.
Vielfältige Situationen – lokal spezifische Erneuerungskonzepte
Rund die Hälfte der Teilnehmer kam aus Wohnungsunternehmen kleiner Städte in den neuen Bundesländern – von Ribnitz-Damgarten bis Zeulenroda-Triebes, von Calau bis Sangerhausen. Anhand von sieben Beispielen aus der Praxis wurde ein breites Spektrum der Herangehensweisen an die Erneuerung der Quartiere deutlich.
Für Mecklenburg- Vorpommern präsentierten Kerstin Simon und Mandy Falk, Vorständinnen des Wohnungsgenossenschaft Ueckermünde (ca. 700 WE,) ihre Erfahrungen und Zukunftspläne für ihr Unternehmen. Größtes Projekt der vergangenen Jahre der Genossenschaft waren zwei Neubauten am Rande des bestehenden Quartiers direkt neben der Geschäftsstelle. Und es zeigte sich, wie durch gehobenem Wohn-Standard auch in einem stark schrumpfenden Markt qualitätvolles Wohnen nachgefragt wird.
Carolin Ermisch, Geschäftsführerin der kommunalen Wohnungsgesellschaft, schilderte, wie in Hettstedt ein ganzer Wohnkomplex teils abgerissen und teils zu dreigeschossigen Häusern umgebaut wurde – abgestimmt mit der Genossenschaft und der Stadt, die mit der grundhaften Sanierung der Schule ihren Beitrag zu einem modernen Wohnmilieu leistete.
Im sächsischen Löbau ist es aus Sicht von Wolfgang Winkler, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, gelungen, nach dem Flächenabriss mehrerer Wohnblocks ein Quartier barrierefrei umzubauen. Auf besondere Qualitäten wurde Wert gelegt bei der Gestaltung des Wohnumfeldes unter breiter Beteiligung der Nachbarschaften, Kitas und Schulen.
Frank Richter, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft WOBAG, schilderte, wie im Thüringischen Sömmerda das große Wohngebiet „Neue Zeit“ durch Modernisierung und ergänzenden Neubau umgestaltet wird. Trotz sinkender Einwohnerzahl steigt die Zahl älterer Single – Haushalte – und damit der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum. Die Genossenschaft setzt aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs die zweite Sanierungswelle trotz steigender Kosten und kaum noch zu sichernder wirtschaftlicher Tragbarkeit fort.
In Tangermünde hat die Wohnungsgenossenschaft einen verwahrlosten Supermarkt revitalisiert und die leer gefallene Mitte des Quartiers „Komponistenviertel“ durch ein modernes Begegnungszentrum ergänzt. Vorstand Ringo Schmidt schilderte, dass durch die Anknüpfung der Fassadengestaltung an das Thema „Literatur“ dem Quartier ein besonderes Image verliehen wurde.
Reiner Striegler, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft, berichtete, dass im sächsischen Nünchritz auch externe Faktoren dafür sorgten, dass sich die Großsiedlung nach dem bedarfsgerechten Umbau und Teilrückbau stabilisiert hat: der weitere Ausbau der Chemieindustrie, die gute Verkehrsanbindung sowie das bedarfsgerechte Angebot an sozialer Infrastruktur durch die Gemeinde. Bewährt hat sich zudem der Zusammenschluss mit der Riesaer Wohnungsbaugesellschaft.
Den Weg der Kooperation hat auch die in Lübbenau ansässige WIS „Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald“ in der Kraftwerkstadt Vetschau durch die Fusion mit der Vetschauer kommunalen Gesellschaft beschritten. Geschäftsführer Michael Jacobs erläuterte, wie das beim Umbau der Lübbenauer Großsiedlung erworbene Wissen nun in ersten Projekten den Vetschauern zugutekommt. Grundlage dafür ist ein gemeinsam ausgearbeitetes Quartiersentwicklungskonzept.
Dr. Dr. Bernd Hunger, Vorstandsvorsitzender des Kompetenzzentrums:
„Für die Kommunen und Wohnungsunternehmen geht es darum, auf Basis von Quartierskonzepten zukunftsfähige Entscheidungen für Modernisierungen, Rückbau, aber auch für den Neubau zu treffen – sowohl die Wohngebäude als auch die Infrastruktur betreffend.“
Dr. Peter Hitpaß, VNW Beauftragter für Partnermitglieder
Quelle u.a.: http://www.gross-siedlungen.de/de/208_Jahrestagung_2025_Kleine_Grosssiedlungen_in_kleinen_Staedten.htm
Das Kompetenzzentrum ist Partnermitglied im VNW Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. Zu seinen Mitgliedern zählen Wohnungsgenossenschaften, kommunale und private Wohnungsunternehmen, Architektur-, Planungs- und Ingenieurbüros, Wissenschaftliche Institute und Verbände der Wohnungswirtschaft und Bauindustrie sowie Vertreter aus Bürgervereinen, Kommunalpolitik und -verwaltung




