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Win-Win statt Wehklagen

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Seit März 2019 kann in Wien die Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“ bei Neuwidmungen angewendet werden. Für die Stadtregierung eine Errungenschaft für Leistbarkeit und gegen Bodenspekulation. Für manche aus der freien Wirtschaft ein Zuviel des staatlichen Eingreifens. Zwei Positionen.
MAIK NOVOTNY

Thomas Ritt

„Der private Wohnungsbau ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems geworden. Beides zusammen führt zum Teil zu schlechten und kleinen Wohnungen mit höheren Mieten im privaten Wohnungsmarkt und zu längeren Wartezeiten bei den leistbaren und auch qualitativ überlegenen, geförderten Wohnungen“.

Die, die sich jetzt erstmals am Wohnungsmarkt umschauen, haben es besonders schwer. Sie kommen in eine Situation, die durch ein starkes Bevölkerungswachstum geprägt ist. Zusätzlich spürt man noch immer die Auswirkungen der Krise von 2008 – jede Menge Kapital sucht wegen niedriger Zinsen attraktive Anlagemöglichkeiten. Von Betongold ist in Anlageprospekten zu lesen – die Vergoldung des Betons erfolgt dann über die Miete. Da Grund und Boden nicht beliebig vermehrbar sind, treibt diese Goldsuche die Bodenpreise in absurde Höhen und verdrängt so den geförderten Wohnbau. Jede als Finanzanlage gebaute, oft qualitativ minderwertige Wohnung verhindert, dass eine leistbare Wohnung gebaut wird. In dieser Situation gibt es tatsächlich Menschen, die nach mehr Markt schreien. Die Ergebnisse so einer Politik kann man sich in München, Paris und London anschauen…

Winfried Kallinger

„Die ganze Branche war blöd genug, sich dank niedriger Zinsen zu überbieten. Wenn die Selbstregulierung nicht mehr funktioniert, muss jemand eingreifen. Das gilt in allen Bereichen der Wirtschaft, und das hat die Stadt Wien hier getan.“

Ich habe mich von Beginn an für diese Bauordnungsnovelle engagiert. Warum? Die Entwicklung der vergangenen Jahre war bedenklich, der Wohnmarkt ist dem Realeinkommen davongelaufen. Das Gesamtpaket im Neubau war für viele unleistbar. Daran waren alle schuld, die gewerblichen genauso wie die gemeinnützigen Bauträger. Alle haben geglaubt, dass alles geht. Die Schrumpfung der Wohnungsgrößen ist am Limit angelangt – das nächste wären Mikrowohnungen oder Schrankwohnungen, das kann es ja nicht sein. Das alles war mit dem Selbstverständnis der Wiener Wohnbautradition nicht vereinbar.

Der Mindestanteil an geförderten Wohnungen ist mit zwei Dritteln sicher hoch angesetzt, aber es geht ohnehin nur um künftig umzuwidmende Flächen, die heute Grünland oder ungewidmet sind. Wichtig ist, innerhalb einer Wohnanlage eine gesunde Mischung hinzubekommen.

Heute, ein halbes Jahr nach der Bauordnungsnovelle, herrscht in der Branche die Ruhe nach dem Sturm. Man kann es auch Schockstarre nennen…

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