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EGIS eG – Bayerns größte Energiegenossenschaft in Bürgerhand

EGIS eG – Bayerns größte Energiegenossenschaft in Bürgerhand
Die EGIS eG ist deutschlandweit aktiv. Bürgerinnen und Bürger können sich an der Genossenschaft beteiligen und erhalten eine jährliche Dividende. Damit profitieren sie direkt von der lokalen Wertschöpfung und engagieren sich zugleich für den Klimaschutz: Die Projekte der EGIS eG sparen jährlich über 55.000 Tonnen CO₂ ein. Bei allen Vorhaben steht der gesellschaftliche Nutzen im Vordergrund. Foto EGISeG

Die Energiegenossenschaft Inn-Salzach eG (EGIS eG) hat mehr Mitglieder als jede andere Energiegenossenschaft in Bayern gewinnen können. 3.373 Menschen engagieren sich aktuell in der EGIS eG und treiben den Ausbau erneuerbarer Energien in Bürgerhand voran.

Auch Astrophysiker und Wissenschaftskommunikator Harald Lesch ist seit März 2026 Teil der Gemeinschaft. Er ist unter anderem bekannt aus dem ZDF-Wissenschaftsformat „Terra X“ sowie Sendungen wie „Leschs Kosmos“.

Prominenter Unterstützer für Bürgerenergie

Mit seinem Beitritt setzt Lesch ein Zeichen für die Bedeutung der Bürgerenergie: „Wir wissen längst, was zu tun ist. Die Energiewende muss jetzt umgesetzt werden. Es geht um unsere Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Durch Energiegenossenschaften können Menschen die Energiewende vor Ort selbst in die Hand nehmen“, sagt Harald Lesch zu seiner Mitgliedschaft.

Genossenschaften als Bindeglied zwischen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit

Mit über 3.300 Mitgliedern zählt die EGIS eG bundesweit zu den größeren Bürgerenergie-Akteuren. Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen investieren in der Genossenschaft gemeinsam in Photovoltaikanlagen, Wärmenetze und Ladeinfrastruktur. Die Projekte stärken die regionale Wertschöpfung und schaffen eine verlässliche Energieversorgung vor Ort.

Pascal Lang, Vorstandsvorsitzender der EGIS eG, hebt hervor: „Unsere Projekte zeigen, dass sich Klimaschutz und wirtschaftliche Beteiligung verbinden lassen. Bürgerinnen und Bürger profitieren direkt von den Erlösen und stärken gleichzeitig die regionale Entwicklung. Unser Modell ist ein zentraler Baustein für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.“ Eine Beteiligung ist niedrigschwellig möglich: Bereits ab 150 Euro können Interessierte Mitglied in der Genossenschaft werden und so direkt an der Energiewende mitwirken.

Integrierte Energieprojekte als Modell: Bundorf

Wie Bürgerenergie konkret funktioniert, zeigt die EGIS eG im unterfränkischen Bundorf. Dort hat sie gemeinsam mit Partnern ein umfassendes Energiekonzept realisiert: ein 125-Megawatt-Solarpark, ein ländliches Fernwärmenetz sowie Ladeinfrastruktur. Ein Teil der Photovoltaik-Anlage liefert den Strom für die Wärmeversorgung vor Ort. Das Projekt verbindet Strom, Wärme und Mobilität und zeigt, wie integrierte Lösungen auf kommunaler Ebene funktionieren.

„Wir bauen diese integrierten Konzepte gemeinsam mit Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern weiter aus“, sagt Pascal Lang und ergänzte: „In Amerang entsteht aktuell ein Projekt, das zeigt, wie ein Ort seine Energieversorgung selbst gestalten kann – mit Strom aus einer Photovoltaik-Freiflächenanlage, der die Wärmeversorgung vor Ort antreibt, und mit echter Beteiligung.

So wird die Energiewende vor Ort für viele Menschen zugänglich und wirtschaftlich erlebbar. Weitere Vorhaben in der Wärmeversorgung sowie Photovoltaiklösungen für Unternehmen befinden sich bereits in Vorbereitung.“

Raphael Duffek

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Görlitz auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt

Görlitz auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt
Die Grafik vergleicht die gesamte Brutto-Nennleistung pro Kopf der Erneuerbare-Energien-Anlagen, zu denen Wasser-, Solar-, Windkraft- Biomasse- und Energiespeichersysteme gehören. Die Daten für dieses Diagramm werden monatlich aktualisiert und sind öffentlich über das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zugänglich. Das Marktstammdatenregister ist eine Plattform, die vorrangig zur Registrierung von Stammdaten im Strom- und Gasmarkt dient. https://www.marktstammdatenregister.de/

Wie kann der Wandel zur klimaneutralen Stadt gelingen und welche Rolle spielen dabei der Wissensaustausch und das Zusammenwirken vieler Akteure aus diversen stadtgesellschaftlichen Bereichen? Vier Jahre lang hat das Projekt TRUST diese Frage in der Stadt Görlitz bearbeitet.

Unter Federführung des Interdisziplinären Zentrums für transformativen Stadtumbau (IZS) haben in dem Projekt zahlreiche Görlitzerinnen und Görlitzer intensiv zusammengearbeitet, um die Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Die Erfahrungen sind in verschiedenen Publikationen dokumentiert. Sie sollen dabei unterstützen, den Weg gemeinsam und erfolgreich weiter zu beschreiten. Ende März hat das IZS die Ergebnisse im Rathaus Görlitz präsentiert.

Klimaneutralität ist nur zu erreichen, wenn Wissen zusammengeführt und Kräfte gebündelt werden. Dieser Gedanke lag dem Projekt TRUST zugrunde. Die Abkürzung steht für den Projekttitel „Transfer von Wissen zu urbanen Nachhaltigkeitstransformationen: Auf dem Weg zu klimaneutralen Städten 2030 – Görlitz als Pilotvorhaben“.

Kern des Projektes war es, engagierte und interessierte Menschen aus Görlitz zusammenzubringen, den Austausch zu fördern, ausgewählte Maßnahmen testweise umzusetzen und mit Information und Kommunikation in die Stadtgesellschaft zu wirken. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus diesem Prozess sind in eine „Agenda für Görlitz. Kräfte bündeln für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Stadtentwicklung“ eingeflossen. Sie soll als Richtschnur dienen für den weiteren Weg der Stadt Görlitz hin zur Klimaneutralität. Denn mit Ende des Projektes ist dieser Weg noch lange nicht abgeschlossen.

Die „Agenda für Görlitz“ und weitere Projektergebnisse präsentierte das Team vom Interdisziplinären Zentrum für transformativen Stadtumbau (IZS) Ende März im Rathaus Görlitz. Das IZS hat das Projekt TRUST initiiert sowie wissenschaftlich begleitet und zwischen 2022 und 2026 gemeinsam mit der Stadtverwaltung Görlitz, den Stadtwerken Görlitz AG, der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH sowie dem Görlitz für Familie e. V., dem Second Attempt e. V. und dem Arbeitskreis Görlitz Nachhaltig umgesetzt. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs | Förderprogramm „Leibniz-Transfer“.

Rückschau und Ergebnisse

Der Einladung zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse waren neben Vertreter*innen der Projektpartner auch viele Engagierte gefolgt, die sich in den vergangenen vier Jahren intensiv in das Projekt eingebracht hatten. Gemeinsam haben die Beteiligten zunächst eine Analyse zum Status Quo in klimarelevanten Handlungsfeldern erarbeitet. Im nächsten Schritt haben sie eine Vision für ein klimaneutrales Görlitz entwickelt, ebenso wie Transformationspfade abgesteckt, also Schritte, die es braucht, um das angestrebte Ziel zu erreichen. In zehn Experimenten im Stadtraum wurden schließlich Maßnahmen erprobt, die zur klimaneutralen Entwicklung der Stadt beitragen können.

Ein Team aus sieben Vertreter*innen der Projektpartner wurde aufgebaut. Es hat sich um Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung gekümmert und viele Aktivitäten im kommunalen Klimaschutz angeschoben und koordiniert. So ist der Blog „Zukunft Görlitz“ entstanden, die kommunale Wärmeplanung wurde initiiert und bereits abgeschlossen und der Nachhaltigkeits-Check zur Prüfung der Vereinbarkeit von Stadtratsvorlagen mit der kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt.

Als besonderen Mehrwert von TRUST hoben die Vertreter*innen der Projektpartner während der Veranstaltung die kontinuierliche Vernetzung und das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Akteure hervor, die auf anderem Wege nicht so leicht miteinander in Kontakt gekommen wären. Dank des Projektes hätten viele Akteure und Akteurinnen für einen langen Zeitraum zusammengewirkt mit dem Ziel, die Stadt klimaneutral zu gestalten. Und dies, obwohl das Projekt als offener Prozess angelegt war und nicht von vorneherein klar sein konnte, welchen Weg es nehmen und welche Ergebnisse sich erreichen lassen würden.

Alle Aktivitäten haben die Projektpartner in Broschüren dokumentiert, die Erfahrungen aus der gemeinsamen Arbeit sind schließlich in die „Agenda für Görlitz. Kräfte bündeln für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Stadtentwicklung“ eingeflossen. Diese enthält auch Empfehlungen, wie Görlitz den Weg Richtung Klimaneutralität weiter erfolgreich beschreiten kann.

Weitere Schritte zur Klimaneutralität

„Ein erster Erfolg wäre es, wenn die Akteure den Schwung, der durch das Projekt entstanden ist, nutzen würden und die Empfehlungen, die die Agenda formuliert, umsetzen. Auch weiterhin braucht es die gemeinsame Anstrengung vieler Görlitzerinnen und Görlitzer, damit die Stadt ihr Ziel erreichen kann, bis 2030 klimaneutral zu sein“, erläutert Projektleiter Robert Knippschild.

Eine Sorge der Projektbeteiligten und die zentrale Herausforderung für den weiteren Weg ist nun, die Verstetigung über das Projektende hinaus sicherzustellen. Der politische Wille, Görlitz klimaneutral zu gestalten, ist durch mehrere Stadtratsbeschlüsse gegeben.

Die Stadtverwaltung schreibt zudem aktuell eine Stelle für die Bearbeitung von Energie- und Klimaprojekten aus. Auch die bisher Beteiligten aus kommunalen Unternehmen und aus Vereinen und Initiativen haben ein großes Interesse daran, sich auch weiterhin gemeinsam zu engagieren und ihre Ressourcen in die zukunftsfähige Stadtentwicklung einzubringen.

„Die Herausforderung bleibt jedoch, den Prozess ohne große Unterbrechung fortzuführen. Es ist bisher offen, wer eine koordinierende Rolle für die Vernetzungsaktivitäten übernehmen kann. Hier spielen in erster Linie finanzielle und personelle Restriktionen eine Rolle“, erläutert Robert Knippschild. Auch für diese Herausforderung ist im Projekt eine Dokumentation entstanden. Das Projektteam hat zu lokalen Fondslösungen recherchiert und die Erfahrungen anderer Kommunen mit diesen Finanzierungsmodellen zusammengetragen. „Mit unserer Expertise zu Stadterneuerung und mit dem Wissen aus anderen Projekten sowie aus der Zusammenarbeit mit anderen Kommunen kann das IZS als Forschungspartner künftig auch wieder Projekte unterstützen, die eine wissenschaftliche Begleitung vorsehen“, so Knippschild.

Dipl.-Journ. Heike Hensel


Hintergrund Leibniz-Wettbewerb | Leibniz-Transfer

Im Leibniz-Wettbewerb werden die strategischen Ziele der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation adressiert. Die Maßnahmen motivieren, Forschung und Forschungsinfrastrukturen auf höchstem Niveau zu betreiben und die resultierenden Erfolge sichtbar zu machen. Mit seinen zeitlich befristeten Förderungen setzt der Leibniz-Wettbewerb Anreize zur weiteren Profilbildung der Leibniz-Gemeinschaft. Damit grenzt er sich bewusst von Maßnahmen anderer Förderorganisationen und der institutionellen Förderung ab. Das Programm „Leibniz-Transfer“ fördert den Erkenntnistransfer aus allen Wissenschaftsbereichen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.  

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das IÖR erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen, Analysewerkzeuge sowie Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung und Transformation von Quartieren, Städten und Regionen. Dazu erforscht es maßstabsübergreifend das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen zwischen natürlicher Umwelt, Mensch und Technologien sowie Möglichkeiten gesellschaftlicher Planung und Steuerung. [www.ioer.de] Wissenschaftlicher Kontakt im IÖR Prof. Dr. Robert Knippschild, E-Mail: r.knippschild@ioer.de

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Berliner BäumePlus-Gesetz – Prof. Dr. habil. Hartmut Balder analysiert die Situation, Pro und Contra.

Berliner BäumePlus-Gesetz - Prof. Dr. Hartmut Balder analysiert
Fällungen ohne Nachpflanzungen © Prof. Dr. habil. Hartmut Balder

Am 3. November 2025 hat das Berliner Abgeordnetenhaus mit dem sogenannten „BäumePlus-Gesetz“ bundesweit Neuland betreten und erstmals ein Klimaanpassungsgesetz verabschiedet – einstimmig und parteiübergreifend. Doch während die Kommunalpolitik rel. schnell den gesellschaftlichen Vorstoß unterstützt hat, wirft die praktische Umsetzung jetzt zahlreiche Fragen auf. Prof. Dr. habil.

Hartmut Balder beleuchtet in seinem Beitrag die Chancen und Herausforderungen des Gesetzes und ordnet die kontrovers geführte Debatte fachlich ein.

Von Prof. Dr. habil. Hartmut Balder

Die Baumpflanzungen in unseren Städten sind in die Jahre gekommen, sie zu erhalten trotz widriger Umstände, ist großes Thema in der Diskussion um die grüne Infrastruktur in der Stadt der Zukunft. Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften zeigen viele Wege auf, wie Neupflanzungen nachhaltig gelingen können.

Diese Dinge zusammenzubringen, ist die Chance, die sich aus dem Berliner Baumentscheid ergibt. Dabei darf es nicht um Quantität, sondern es muss um Qualität in der Begrünung der steinernen Stadt gehen. Damit verbundene Investitionen müssen nachhaltig und auf lange Zeit angelegt sein, will man damit wirklich etwas erreichen!

Der Berliner Baumentscheid

Mit dem Grün-/Weißbuchprozess „Grün in der Stadt – für eine lebenswerte Zukunft“ und der EU-Restoration Law (Wiederherstellung der Natur) wird allen verdeutlicht, dass sich in der Stadtplanung und der Bewirtschaftung der grünen Infrastrukturen grundlegend etwas ändern muss.

Nachhaltigkeit in der Straßenbepflanzung kann nur bedeuten, alle wissenschaftlichen Errungenschaften zu nutzen, um gesunde, vitale und gesunde Baumpflanzungen ohne Folgeschäden und -kosten zu ermöglichen. Nur funktionale Gehölzpflanzungen werden in der Lage sein, die Stadt der Zukunft attraktiv zu schmücken, mit großen Baumkronen zu kühlen und attraktive Lebensräume für viele Organismen für lange Zeit darzustellen.

Alle urbanen Disziplinen müssen sich daher interdisziplinär und verstärkt um Standortplanung, Vegetationstechnik und Baumunterhaltung kümmern. Dabei geht es weniger um die Finanzen, sondern vorrangig um die fachlich orientierten Ziele. Ein gesamtheitliches Stadtfacility-Management mit Erfolgsnachweis ist geboten.

Wenn also die amtlichen und politischen Stadtakteure nicht erkennen, was die Stunde geschlagen hat, dann müssen es eben andere tun. So kann man den Prozess des aktuellen Volksentscheides Baum (BaumEntscheid) in Berlin verstehen, der als Ergebnis einer Bürgerinitiative das Berliner Klimaanpassungsgesetz (auch BäumePlus-Gesetz) öffentlichkeitswirksam auf den Weg gebracht hat.

Die Bürgerinitiative kritisierte vorrangig, dass zu viele Bäume gefällt und nur bedingt nachgepflanzt werden, der Baumbestand demnach dramatisch schwindet.

Aktuell wachsen an den Berliner Straßen circa 430.000 Bäume unterschiedlicher Art und Altersklasse, kurz nach dem 1. Weltkrieg säumten nahezu 500.000 Bäume die Berliner Straßen. Es wird auch beklagt, dass der aktuelle Straßenbaum-Zustandsbericht 57 % aller Bäume der wichtigsten Baumgattungen als leicht bis extrem geschädigt ausweist (Abb. 1).

Nach Verhandlungen mit dem Senat sowie den politischen Fraktionen wurde ein Änderungsantrag mit unwesentlichen Änderungen eingereicht und das Gesetz am 3. November 2025 im Abgeordnetenhaus beschlossen. Zur Umsetzung stehen aktuell rund 1 Mrd. € zur Verfügung (der Berliner Senat will statt der ursprünglich 2 Mrd. € jetzt 1 Mrd. € bereitstellen). Die bundesweite Aufmerksamkeit ist groß und die ausgelösten Diskussionen über die Sinnhaftigkeit sind kontrovers.

Sinnlose Nachpflanzung infolge des Schattendruckes von Altbäumen © Prof. Dr. habil. Hartmut Balder

Inhalt des Klimaschutzgesetzes ist es, den Baumbestand bis 2040 auf 1 Mio. Straßenbäume zu erhöhen und die Pflicht zu einer wirksamen Pflege und zum Schutz der Bestände zu verankern. Die gültige Baumschutzverordnung muss im Mai 2026 angepasst werden. So müssen unter anderem für jeden gefällten Baum drei neue gepflanzt werden. Ab 2027 dürfen Bürgerinnen und Bürger Baumscheiben bepflanzen oder neue Bäume über Fachbetriebe anpflanzen lassen. Es gibt sogar den Vorschlag, keine ausgewachsenen Alleebäume, sondern lediglich Setzlinge zu verwenden.

Dadurch soll die Klimaresilienz der Großstadt mit vielen zur Überhitzung neigenden Stadtquartieren verbessert werden, sodass insbesondere in baumlosen, versiegelten Stadtarealen Bäume in ausgewiesenen Hitzevierteln gepflanzt werden und kleine Parks entstehen sollen.

Ein Fachbeirat soll den Prozess konstruktiv begleiten. Die kommunale Berliner Politik wird von der Stadtgesellschaft öffentlich und nun auch rechtlich aufgefordert werden, mehr Baumpflanzungen zu organisieren. Also alles auf gutem Wege?

Argumente pro mehr Baumpflanzungen

  • Es ist vielfach durch Studien belegt, dass Stadtbäume mit großen und vitalen Baumkronen die öffentlichen Freiräume kühlen.
  • Gebäude werden dadurch schattiert und vor Aufheizung geschützt.
  • Bedingung dafür sind Standorte, die für geeignete Baumarten für lange Zeit ausreichend Wuchsraum bieten – ober- und unterirdisch. Viele Stadtstandorte müssen jedoch erst großräumig bepflanzbar gemacht werden, das heißt unterirdische Ver- und Entsorgungsleitungen müssen verlegt und geeignete Baumsubstrate großflächig eingebaut werden (Bild ganz oben), um überhaupt sinnvoll pflanzen zu können.
  • Lückige Baumbestände werden nachgepflanzt, sofern es fachlich sinnvoll ist.
  • Gartendenkmale können saniert und erneuert werden.
Baumerhalt in einer Grossbaustelle © Prof. Dr. habil. Hartmut Balder
  • Vorhandene Baumbestände können besser im Stadtumbau vor Schäden geschützt werden, sofern alle Planungs- und Ausführungsakteure kompetent, interdisziplinär und output-orientiert agieren.
  • Bessere Schutz- und kontinuierliche Baumpflegemaßnahmen reduzieren mittelfristig das Auftreten von Stamm- und Wurzelfäulen, sodass die Kosten für Baumkontrollen und Verkehrssicherungsmaßnahmen deutlich sinken werden.
  • Große Baumbestände mit hoher Artenvielfalt geben viel Raum für die Biodiversität und können ökologische Gleichgewichte herstellen, sodass viele Lästlinge für den Menschen und Baumschädlinge durch die Förderung ihrer natürlichen Gegenspieler in ihrem Massenauftreten kontrollierbarer werden.

Argumente contra Baumpflanzungen gemäß Klimaschutzgesetz

  • Die Pflanzung von 560.000 Straßenbäumen bis 2040 ist zeitlich völlig unrealistisch und technisch in guter Ausführung nicht zu leisten.
Blick in eine Baumschule mit großer Gehölzvielfalt © Prof. Dr. habil. Hartmut Balder
  • Die dafür benötigte Anzahl an Gehölzen in guter Qualität ist auf dem freien Markt nicht ausreichend verfügbar, schon gar nicht mit dem Anspruch auf regionale Herkünfte, akklimatisierte Baumschulware und in pathologisch einwandfreier Qualität. Mittelfristig helfen können nur Auftragsanzuchten in Baumschulbetrieben und die Wiedererrichtung kommunaler Baumschulwirtschaft.
  • Nachpflanzungen in lückigen Baumbeständen machen oft keinen Sinn, da der Druck der vorhandenen Altbäume viel zu groß ist (Lichtmangel, Wasser- und Nährstoffkonkurrenz).
  • Nachpflanzungen: Absterbende Gehölze haben ihre sachlichen Hintergründe, die Ursachen hierfür müssen erkannt, beseitigt oder auch Nachpflanzungen abgelehnt werden.
  • Stadtstandorte in den Zentren sind mangels Wuchsraum mit herkömmlichen Baumpflanzungen nicht zu verbessern, hierfür sind lediglich Kübelpflanzungen oder Gebäudebegrünungen sinnvoll.
  • Die Verwendung von Setzlingen oder Wurzelschösslingen ist auch bei gesicherter Anwuchspflege nicht zielführend, da die geringe Blattmasse erst nach längerer Zeit eine nennenswerte Kühlleistung erbringt und erheblich zu Vandalismus einlädt.

  • Die zuständigen Behörden haben aktuell weder quantitativ, noch qualitativ einen für diese große Herausforderung ausreichenden Personalbestand, sind digital wenig ausgestattet und werden politisch kaum unterstützt.
  • Funktionierende Baumpflanzungen von privater Hand sind fachlich nur eingeschränkt zu erwarten, da zu erzielende Großbäume über lange Zeit eine kontinuierliche Betreuung benötigen. Dies ist bei den Klimaveränderungen besonders wichtig, um bei Trockenheit, Hochwasser und Sturmereignissen fachlich agieren zu können.
  • Wenn die Stadtgesellschaft selbst Baumpflanzungen realisiert, so verbleibt dennoch die Verantwortung für die Verkehrssicherheit bei der Kommune. Dies müsste dann geändert werden, was nicht realistisch ist.

Offene Fragen

Dem Fachmann ist klar, dass diese große Aufgabe erfolgreich nur mit großer Kraftanstrengung und konsequenter Vorgehensweise zu meistern ist. Aktuell ist völlig unklar, woher die zu pflanzenden Gehölze in der erforderlichen Menge und Qualität bezogen werden können.

Wer soll geeignete Standorte finden, sie vorbereiten,wer sie pflanzen, den Anwuchs sichern und die langfristige Pflege leisten? Aktuell wird die Gründung eines landeseigenen Baumamtes diskutiert, 500 Stellen sollen dafür geschaffen werden. Aber welche Qualifikationen sind erforderlich und welche Befugnisse ergeben sich mit der neuen Struktur?

Wie lässt sich die Baumunterhaltung so entwickeln, dass die Baumbestände vitaler und gesünder werden und künftig weniger Aufwand in der Baumkontrolle zur Überprüfung der Verkehrssicherheitanfällt?

Die Diskussion hierzu muss offen und schnell geführt werden, damit die Strukturen transparent und zielgerichtet mit großer Unterstützung aller Disziplinen gestaltet werden können. Fortbildungen zur Bewusstseinsschärfung stehen dabei ganz vorn auf der Agenda!

Altbestände schützen, aus Fehlern lernen, Handlungspaket erarbeiten

Die Entstehung des Berliner Klimaschutzgesetzes darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Realität der Städte und der Gesellschaft Bäume immer weniger Stellenwert haben. Sie werden vielfach als Kostentreiber, Bauverhinderer, Gefährder, Laub- und Schmutzemittent wahrgenommen.

Das belegt insbesondere auch der Trend, dass die Bedeutung der Grünflächenämter vielerorts abgenommen hat, Baumschutz beim Umbau der Städte sträflich vernachlässigt wird und Baumpflanzungen immer weniger erfolgreich realisiert werden.

Logisch, dass die Lebensdauer der Stadtbäume dramatisch abgenommen hat und Nachpflanzungen fehlen! Ein Ertragsdenken mit Verantwortung, wie es das Weißbuch Stadtgrün den Kommunen empfiehlt, ist in der Praxis nahezu ein Fremdwort.

Klimawirkung gelungener Neupflanzungen einer Fußgängerstraße © Prof. Dr. habil. Hartmut Balder

Es erscheint aber sinnvoll, dass als Reaktion auf den spürbaren Klimawandel der Berliner Volksentscheid diese Fehlentwicklungen aufgedeckt und Änderungen herbeiführt. Dazu gehören eben nicht nur Nach- und Neupflanzungen, sondern auch verbesserter Schutz, Pflege und Sanierung der Altbestände – und dabei aus den Fehlern zu lernen.

Also sollte jetzt gemeinsam ein fachlich getragenes Handlungspaket im Sinne der Qualität der Stadtbegrünung erarbeitet werden. Im Ergebnis ist nicht die Anzahl der Neupflanzungen entscheidend, sondern die Kühlleistung von Bäumen individuell an jedem Stadtstandort.

Die auskömmliche fachgerechte Bewirtschaftung muss die Gesundheit, Vitalität und Verkehrssicherheit des Stadtgrüns sicher erreichen, das sollte die Botschaft eines wegweisenden Klimaschutzgesetzes sein.

Das Weißbuch Stadtgrün: Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft finden Sie hier als PDF.

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Warum verbinden Bundeswehrflächen, New Work und Stadtbäume „Bezahlbares Wohnen“?

Gerd Warda, Foto: krimiwa

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Die Diskussion über bezahlbares Wohnen wird in Deutschland oft auf eine einfache Formel reduziert: Es müsse schneller, günstiger und mehr gebaut werden. Das stimmt – greift aber zu kurz. Denn die Wohnungsfrage entscheidet sich längst nicht mehr allein auf der Baustelle. Wer heute dauerhaft bezahlbare Mieten sichern will, muss die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft betrachten – von der Flächenentwicklung über Verwaltungsprozesse bis hin zur Stadtökologie und Arbeitskultur.

Die bestandshaltende soziale Wohnungswirtschaft steht dabei in einer besonderen Verantwortung. Sie bewirtschaftet nicht nur Millionen Wohnungen, sondern gestaltet auch soziale Stabilität, urbane Lebensqualität und wirtschaftliche Resilienz. Gerade in Zeiten explodierender Baukosten, wachsender regulatorischer Anforderungen und steigender Energiepreise reicht es deshalb nicht mehr aus, einzelne Probleme isoliert zu lösen. Der „Supertanker“ Immobilienwirtschaft kann nur dann Kurs auf bezahlbare Mieten halten, wenn alle beteiligten Akteure gemeinsam und mit deutlich höherer Geschwindigkeit handeln. Drei aktuelle Beispiele zeigen exemplarisch, worauf es jetzt auch ankommt.

Konversionsflächen: Deutschland darf sich keine Hängepartien mehr leisten

Der Wohnraummangel in vielen Regionen ist dramatisch. Gleichzeitig stehen oder entstehen durch die sicherheitspolitische Neuordnung Deutschlands neue Flächenfragen rund um Bundeswehrstandorte. Genau hier liegt eine große Chance – wenn Politik und Verwaltung endlich Tempo aufnehmen.

Die sozialen Vermieter Norddeutschlands haben deshalb zu Recht einen „Masterplan Konversion“ gefordert. Ihre Botschaft ist eindeutig: Kommunen, Länder und Bund dürfen sich nicht erneut in langwierigen Abstimmungsprozessen verlieren. Was benötigt wird, sind schnelle Entscheidungen, klare Zuständigkeiten und sofortiges Baurecht.

Denn die Wohnungswirtschaft ist bereit. Sie kann aus ehemaligen militärischen Flächen dringend benötigten Wohnraum entwickeln – wirtschaftlich, sozial und nachhaltig. Doch dafür braucht sie Planungssicherheit. Wer bezahlbare Wohnungen schaffen soll, muss wissen, wann Flächen verfügbar sind, welche Infrastruktur vorhanden ist und welche Förderkulissen gelten.

Die Aussage von VNW-Direktor Andreas Breitner bringt das Problem auf den Punkt: „Wir wollen keine Bunker, sondern Wohnungen bauen.“ Tatsächlich kann sich Deutschland keine weiteren Verzögerungen leisten. Jede politische Hängepartie verteuert Projekte, verhindert Investitionen und verschärft den Druck auf die Mieten.

Dabei geht es nicht allein um Flächen. Es geht um ein neues Verständnis von Kooperation. Kommunen, Bundesländer, Bund und Wohnungswirtschaft müssen gemeinsam agieren – pragmatisch statt bürokratisch. Die Zeit der „Selbstfindungsphasen“ ist vorbei. Zum Artikel: Norddeutsche Bundesländer fordern einen „Masterplan Konversion“

Bezahlbares Wohnen braucht leistungsfähige Prozesse

Doch selbst dort, wo gebaut werden kann, entscheidet zunehmend die Effizienz der Prozesse über Wirtschaftlichkeit und damit letztlich über Mietpreise. Die Immobilienwirtschaft ist heute weit stärker von digitalen Abläufen, Datenmanagement und funktionierenden Verwaltungsstrukturen abhängig als noch vor wenigen Jahren.

Gerade deshalb lohnt der Blick auf Unternehmen wie Aareon. Das Softwareunternehmen zeigt beispielhaft, wie sich moderne Arbeitswelten und effiziente Organisationsstrukturen direkt auf die Leistungsfähigkeit der Branche auswirken können.

Denn auch in der Wohnungswirtschaft gilt: Gute Gebäude entstehen nicht nur durch gute Architektur, sondern durch gute Zusammenarbeit. Wenn Mitarbeitende effizient arbeiten können, wenn hybride Arbeitsmodelle funktionieren, wenn Kommunikation schneller und Entscheidungswege kürzer werden, wirkt sich das am Ende auf Produktivität, Kosten und Servicequalität aus.

Aareon verfolgt dabei einen Ansatz, der weit über ein modernes Büro hinausgeht. Flexible Arbeitswelten, kompakte Flächennutzung und hybride Modelle sind nicht nur Ausdruck eines kulturellen Wandels, sondern auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Weniger Flächenverbrauch, geringerer Energieeinsatz und intelligentere Nutzungskonzepte zahlen unmittelbar auf wirtschaftliche Stabilität ein.

Vor allem aber rückt ein Gedanke in den Mittelpunkt, der in der Immobilienwirtschaft oft unterschätzt wird: die Menschen. Motivierte Mitarbeitende sind ein entscheidender Erfolgsfaktor. In Zeiten des Fachkräftemangels wird genau das zum Wettbewerbsvorteil.

Wer also über bezahlbaren Wohnraum spricht, darf nicht nur über Baustoffpreise reden. Er muss auch über digitale Prozesse, Unternehmenskultur und neue Arbeitsmethoden sprechen. Die Branche wird ihre Aufgaben nur bewältigen können, wenn sie gleichzeitig produktiver, innovativer und attraktiver als Arbeitgeber wird. Zum Artikel. Mehr als ein Büro: Wie Aareon Arbeit neu denkt
 

Klimagerechte Städte entstehen nicht allein aus Beton

Ebenso entscheidend ist die Frage, wie unsere Städte künftig klimatisch funktionieren sollen. Die Anforderungen an Gebäude steigen massiv: Hitzeschutz, Aufenthaltsqualität, Wassermanagement und Energieeffizienz gehören längst zu den zentralen Themen moderner Quartiersentwicklung. Doch die Antwort darauf liegt nicht allein in neuer Technik. Sie liegt auch in der Natur.

Der Berliner „BaumEntscheid“ zeigt eindrucksvoll, wie stark das öffentliche Bewusstsein für grüne Infrastruktur inzwischen gewachsen ist. Die Bürgerinitiative macht deutlich, dass Stadtgrün nicht länger dekoratives Beiwerk sein darf, sondern elementarer Bestandteil urbaner Daseinsvorsorge werden muss.

Die Diskussion geht dabei weit über die reine Zahl neu gepflanzter Bäume hinaus. Entscheidend ist die Qualität der Begrünung. Städte benötigen langfristig funktionierende Vegetationssysteme, die Hitze reduzieren, Wasser speichern, Lebensräume schaffen und die Aufenthaltsqualität verbessern.

Gerade für die Wohnungswirtschaft wird das zum strategischen Thema. Denn klimaresiliente Quartiere sind künftig nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Gebäude ohne ausreichende Verschattung, ohne Grünstrukturen und ohne nachhaltige Freiraumplanung werden langfristig an Attraktivität verlieren.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen längst vor. Ebenso existieren technische Lösungen für nachhaltige Stadtbegrünung. Was häufig fehlt, ist die interdisziplinäre Umsetzung. Stadtplanung, Gebäudemanagement, Landschaftsarchitektur und Wohnungswirtschaft müssen stärker zusammenarbeiten.

Der Berliner Ansatz zeigt außerdem: Wenn Politik zu langsam handelt, wächst der Druck aus der Gesellschaft. Bürgerinnen und Bürger erwarten zunehmend konkrete Maßnahmen für lebenswerte Städte. Die Wohnungswirtschaft sollte diesen Wandel nicht als Belastung verstehen, sondern als Chance, ihre Quartiere zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Zum Artikel: Berliner BäumePlus-Gesetz – Prof. Dr. habil. Hartmut Balder analysiert die Situation, Pro und Contra.

Ganzheitlich denken heißt Verantwortung übernehmen

Die drei Beispiele haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam: Bundeswehrflächen, New Work und Stadtbäume. Tatsächlich aber verbindet sie ein zentraler Gedanke: Bezahlbares Wohnen entsteht nur dann, wenn die Immobilienwirtschaft ganzheitlich denkt und handelt.

Es reicht nicht mehr, allein auf Neubauzahlen zu schauen. Entscheidend ist, wie effizient Prozesse funktionieren, wie schnell Flächen aktiviert werden, wie nachhaltig Städte geplant werden und wie intelligent Ressourcen eingesetzt werden.

Die bestandshaltende Wohnungswirtschaft kann dabei zum Stabilitätsanker werden. Sie kennt die Quartiere, sie denkt langfristig und sie trägt soziale Verantwortung. Gerade deshalb muss sie stärker denn je als gestaltende Kraft auftreten – gegenüber Politik, Verwaltung und Gesellschaft.

Denn am Ende geht es um weit mehr als Immobilien. Es geht um die Frage, wie Menschen künftig leben wollen und leben können. Bezahlbarer Wohnraum ist keine Einzelmaßnahme. Er ist das Ergebnis einer gesamtgesellschaftlichen Strategie.

Mai 2026 Wohnungswirtschaft heute., Ausgabe 214, mit Fakten und Einschätzungen zum zielführenden Handeln.
Klicken Sie mal rein.

Bleiben Sie zuversichtlich und nachhaltig.
Ihr Gerd Warda und das Wohnungswirtschaft heute-Team

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Norddeutsche Bundesländer brauchen einen „Masterplan Konversion“

Norddeutsche Bundesländer brauchen "Masterplan Konversion“
VNW-Direktor Andreas Breitner fordert von den norddeutschen Bundesländer einen „Masterplan Konversion“ und erwarten vom Bund Ersatzflächen für Wohnbebauung. Foto: vnw, Bertold Fabricius

Die sozialen Vermieter Norddeutschlands haben die Landesregierungen in Kiel, Schwerin und Hamburg aufgefordert, umgehend einen „Masterplan Konversion“ zu erarbeiten. Vom Bund erwarten sie Ersatzflächen für die Wohnbebauung.

„Die aktuelle sicherheitspolitische Lage erfordert, dass frühere Kasernen der Bundeswehr revitalisiert werden; daran führt kein Weg vorbei“, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Das bedeutet aber nicht, dass alle früheren Standorte wiederbelebt werden müssen. Viele Standorte sind in der Zeit der deutschen Teilung entstanden. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen heute sind andere. Also wird sich auch die Zahl der Standorte ändern.“

Notwendig für eine moderne Bundeswehrinfrastruktur sei eine Verständigung zwischen den Bundesländern und dem Bundesverteidigungsministerium. „Als Voraussetzung dazu müssen die Landesregierungen in Zusammenarbeit mit dem Bund jeweils einen ‚Masterplan Konversion‘ erarbeiten“, sagt der VNW-Direktor.

Masterpläne können für Klarheit sorgen

„Darin sollte festgelegt werden, welche Bundeswehrstandorte wirklich revitalisiert werden sollen – und welche nicht. Die Bundeswehr bekommt dadurch zeitnah Klarheit und kann entsprechend handeln.“

Die Bundesländer wiederum sollten die früheren Bundeswehrstandorte, die dauerhaft nicht mehr genutzt würden, für den Bau bezahlbarer Wohnungen nutzen. „Dabei gilt es, aus der Vergangenheit zu lernen und sich nicht in jahrelange stadtentwicklungspolitische Debatten zu verlieren“, sagt Andreas Breitner.

Der VNW-Direktor verwies in diesem Zusammenhang auf den Ex-Bundeswehrstandort in Kiel-Holtenau. „Dort wurde jahrelang diskutiert, geplant, verworfen und wieder diskutiert, ohne dass dringend benötigter Wohnraum geschaffen wurde. Das darf nicht wieder passieren.“

BImA einbinden

Die Kommunen, in die die Bundeswehr „zurückkehre“, benötigen eine Kompensation für die Flächen. „Am besten wäre es, wenn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in die Erstellung der Masterpläne ‚Konversion‘ eingebunden wird und sie aus ihrem Portfolio Ersatzflächen zur Verfügung stellt“, sagt der VNW-Direktor.

Die Kommunen wiederum sollten die Möglichkeiten des sogenannten Bau-Turbos nutzen und pragmatisch bezahlbare Wohnungen errichten. „Vor allem in besonders nachgefragten Regionen wie Kiel, Rostock, Greifswald, im Hamburger Umland und in den Urlaubsgebieten an den Küsten ist der Druck auf dem Wohnungsmarkt hoch und benötigt dringend Entlastung“, sagt VNW-Direktor Andreas Breitner.

Keine erneuten „Selbstfindungsphasen“

„Statt sich in weiteren ‚Selbstfindungsphasen‘ zu verlieren, müssen die Kommunen rasch Baurecht schaffen. Die Bundesländer wiederum sollten überlegen, ob neben der bereits geplanten öffentlichen Wohnungsbauförderung zusätzliche Fördermittel möglich sind, die ausschließlich für Wohnungsbau auf früheren Bundeswehrflächen genutzt werden.“

Entscheidend sei nun, dass sich Kommunen und Bundeswehr – gern unter Beteiligung der Länder – rasch verständigen. Dabei dürfen sich die Beteiligten bei denkbaren Kompensationszahlungen nicht verhaken. Zugleich muss bei der Mobilisierung möglicher Ersatzflächen ein anderes Tempo an den Tag gelegt werden.

Die sozialen Vermieter Norddeutschlands „wollen keine Bunker, sondern Wohnungen bauen“, sagt VNW-Direktor Andreas Breitner. Die Masterpläne „Konversion“ könnten dafür eine gute Grundlage bilden. „Was wir nicht benötigen, ist eine weitere Hängepartie bei Wohnungsbau, weil Kommunen, Länder und Bund sich nicht über Flächen einigen können.“

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 487 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 760.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.

Oliver Schirg

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Hohe Abschlagszahlungen erschweren Wohnungssuche

Hohe Abschlagszahlungen erschweren Wohnungssuche

Die Wohnungssuche wird für viele Menschen zur finanziellen Hürde – nicht nur wegen steigender Mieten. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von ImmoScout24 zeigt: Ein Drittel der Wohnungssuchenden wird mit ungewöhnlich hohen Abschlagszahlungen konfrontiert:

Ein Drittel der Befragten berichtet von ungewöhnlich hohen Abschlagszahlungen bei der Wohnungssuche. Die Abschläge liegen mehrheitlich im Bereich zwischen 1.000 und 3.000 Euro. 37 Prozent der Betroffenen berichten von Summen über 3.000 Euro, 8 Prozent sogar von mehr als 5.000 Euro.

Bei der Wiedervermietung verlangen Vormieter häufig Abschlagszahlungen für Möbel oder Küchen – teilweise in Höhe von mehreren Tausend Euro. Sie fallen zusätzlich zu Kaution, Umzugskosten und laufender Miete an und erhöhen die anfängliche finanzielle Belastung.

„Hohe Abschlagszahlungen verschieben die Hürden bei der Wohnungssuche weiter nach vorn. Für viele Haushalte wird der Zugang zu Wohnraum dadurch zusätzlich erschwert. Ein finanzieller Ausgleich für Einbauten kann sinnvoll sein. Wichtig ist aber, dass Forderungen nachvollziehbar und fair bewertet sind”, sagt Daniel Hendel, Geschäftsführer von ImmoScout24.

Vierstellige Forderungen sind die Regel

Unter denjenigen, die bereits mit einer ungewöhnlich hohen Abschlagszahlung konfrontiert wurden, nennt mehr als die Hälfte (55 Prozent) Beträge zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Rund ein Drittel (37 Prozent) berichtet von noch höheren Forderungen über 3.000, bei 8 Prozent der Befragten waren es sogar über 5.000 Euro.

Damit zeigt die Umfrage: Hohe Abschlagsforderungen sind längst kein Randphänomen mehr. Für viele Wohnungssuchende entstehen zusätzliche finanzielle Anforderungen bereits vor Vertragsabschluss – noch bevor laufende Kosten wie Miete und Nebenkosten greifen. Insbesondere für Haushalte mit begrenztem Budget kann das die Auswahl an realistisch verfügbaren Wohnungen deutlich einschränken.


Methodik

Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio im Auftrag von ImmoScout24 mit 500 Befragten in Deutschland. Der Befragungszeitraum war im März 2026.

Johanna Fitschen, Quelle: ImmoScout24

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Mehr als ein Büro: Wie Aareon Arbeit neu denkt

Mehr als ein Büro: Wie Aareon Arbeit neu denkt
Aareon Hauptsitz in Mainz wurde in umweltfreundlicher Holzhybridbauweise errichtet. Die Fassade ist in Teilen eine hocheffizient PV-Anlage. Der 220 qm große Teich ist Lebensraum für Insekten und Vögel. (Bildnachweis: Philipp Kirschner)

Ein neues Bürogebäude allein verändert nicht direkt die Arbeitswelt, aber es macht sichtbar, wie ernst es dem Unternehmen mit Zusammenarbeit, Kultur und Haltung ist. Wie Räume gestaltet sind, entscheidet darüber, wer teilhaben kann, wer sich begegnet und wie Arbeit tatsächlich gelebt wird.

Das Softwareunternehmen Aareon hat im Jahr 2025 seinen neuen Hauptsitz in Mainz bezogen. Bereits beim Betreten des Gebäudes wird deutlich: Hier erschließt sich eine neue Art des Arbeitens. Welche Ziele damit verfolgt wurden, wie das Projektteam auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingegangen ist und welche Rolle die Arbeitsumgebung für die Arbeitskultur und den Unternehmenserfolg spielt, darüber haben wir mit Sabrina Dick, Chief People and Culture Officer bei Aareon, und Ulrike Gilfrich, Bereichsleiterin New Work bei Aareon und für die Entwicklung des neuen Gebäudekonzepts verantwortlich, gesprochen.

Frau Gilfrich, Frau Dick: Aareon hat in unmittelbarer Nachbarschaft des früheren Hauptsitzes neu gebaut. Welche wesentlichen Unterschiede gibt es im Vergleich beider Gebäude?

Ulrike Gilfrich:  Das neue Gebäude ist deutlich kompakter, zugleich aber offener gestaltet und verzichtet bewusst auf feste Arbeitsplätze – ein klares Bekenntnis zur veränderten, hybriden Arbeitswelt. Mitarbeitende wechseln heute flexibel zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen, und Räume müssen darauf die richtigen Antworten geben. Gleichzeitig zahlt diese kompakte und flexible Gestaltung auch auf das Thema Nachhaltigkeit ein: Flächen werden effizienter genutzt, Ressourcen bewusster eingesetzt und der Energieverbrauch reduziert. Dazu tragen auch die unauffälligen Solarpanel am gesamten Gebäude bei.

Die Agora als zentraler Meeting Point und Herzstück des Aareon Hauptsitzes. Hier treffen wir Ulrike Gilfrich, Bereichsleiterin New Work Aareon. (Bildnachweis: Aareon)

Sabrina Dick: In der Aareon-Arbeitswelt stellen wir die Bedürfnisse der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt – entlang ihrer gesamten „Employee Journey“. Das Büro ist dabei ein zentraler Touchpoint – also Berührungspunkt. Es soll Orientierung geben, unterschiedliche Arbeitsweisen ermöglichen und bewusst Räume für Austausch und Fokus schaffen. Davon profitieren beide Seiten – Mitarbeitende durch mehr Flexibilität und Zugehörigkeit, das Unternehmen durch stärkere Zusammenarbeit, Innovationskraft und Attraktivität als Arbeitgeber.

Welche zentralen Ziele haben Sie bei der Gestaltung der neuen Räumlichkeiten verfolgt?

Ulrike Gilfrich: Es ging uns nicht nur darum, Flächen neu zu gestalten oder einfach Trends zu folgen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Transformation der Arbeitswelt, konkret anfühlt – in barrierefreien, inklusiven Arbeitsumgebungen, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Alle Bereiche sind so konzipiert, dass sich jede und jeder gut orientieren und einbringen kann.

Zudem haben wir für unterschiedliche Bedürfnisse passende Räumlichkeiten geschaffen: offene Bereiche und Besprechungsräume für Austausch und Brainstorming, „Silent Areas“ und Cubes für konzentriertes Arbeiten sowie „Telefonzellen“ für ungestörte Gespräche. Durch flexible Arbeitsplätze entstehen immer wieder neue Begegnungen – man kommt mit Kolleginnen und Kollegen außerhalb des Teams ins Gespräch und erweitert so den eigenen Blickwinkel.

Sie sind nun seit einigen Monaten im neuen Hauptsitz. Wie kommt das Gebäude bei den Mitarbeitenden an?

Ulrike Gilfrich:  Wir erhalten durchweg sehr positives Feedback – vor allem, weil das Büro einen echten Mehrwert bietet. Die Menschen kommen, weil sie dort Austausch, Zugehörigkeit und Zusammenarbeit erleben, die so nur vor Ort entsteht. Wir haben bewusst einen Clubcharakter geschaffen: einen Ort, an den man gerne kommt, um Menschen mit gemeinsamen Zielen zu treffen. Genau das zeigt sich heute – die Flächen werden intensiv genutzt, spontane Begegnungen fördern echte Zusammenarbeit.

Ich freue mich sehr zu sehen, dass unser Konzept aufgeht: Das Gebäude funktioniert. Es bringt Menschen zusammen, stärkt Vernetzung und macht Kultur erlebbar, weil wir die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden von Anfang an konsequent berücksichtigt haben.

Modern gestaltete offene Bereiche prägen das Gebäude. (Bildnachweis: Philipp Kirschner)

Sabrina Dick: Das kann ich nur bestätigen. Bei vielen, die unseren Hauptsitz zum ersten Mal betreten, entsteht ein echter Wow-Effekt. Warum? Weil die Arbeitswelt hier nicht nur modern aussieht, sondern sich auch spürbar anders anfühlt – offener, vernetzter, einladender. Genau damit treffen wir einen Nerv und schaffen ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt.

Haben Sie, Frau Dick, einen Lieblingsbereich in den neuen Arbeitswelten?

Sabrina Dick:  Es gibt viele Bereiche, in denen ich mich gerne aufhalte. Besonders schätze ich mein morgendliches Ritual: Direkt am Eingang beim Barista einen Kaffee holen und dabei ganz selbstverständlich mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen. Gerade dieser Einstieg macht für mich den Unterschied – noch bevor die ersten Termine starten, entsteht ein Moment von Austausch, Leichtigkeit und Verbindung. Das gibt Energie, schafft Nähe und ist ein emotionaler Start in den Tag, der sich positiv auf die Zusammenarbeit aus-wirkt.

Und wie sieht es bei Ihnen aus, Frau Gilfrich?

Ulrike Gilfrich:  Auch ich habe die Qual der Wahl, aber die Agora im Eingangsbereich ist für mich etwas Besonderes. Sie ist das Herz des Gebäudes: ein zentraler Ort, der Menschen zusammenbringt. Genau das war unsere Idee – Raum bewusst so zu gestalten, dass Begegnung entsteht. Ob geplante Meetings oder spontane Gespräche, hier wird Austausch sichtbar und Zusammenarbeit lebendig.

Welche Rolle spielt das Büro heute beispielsweise im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie, die die Arbeitswelt doch maßgeblich beeinflusst hat?

Sabrina Dick:  Bei Aareon waren flexible Arbeitsmodelle schon lange verankert. Die Pandemie hat diese Entwicklung jedoch beschleunigt und gesellschaftlich gefestigt. Mobiles Arbeiten ist heute nicht nur möglich, sondern wird aktiv erwartet. Die Arbeitswelt ist heute deutlich hybrider und flexibler – mobiles Arbeiten ist fest etabliert, virtuelle Zusammenarbeit selbstverständlich. Das Büro hat dadurch eine neue Rolle: Es ist nicht mehr der Standard-Arbeitsort, sondern der Ort, an dem echter Mehrwert entsteht. Denn Innovation, Kreativität und Verbindung entstehen vor allem im persönlichen Austausch. Dafür braucht es ein inspirierendes Umfeld. Gleichzeitig gewinnt ein gesundes, gut gestaltetes Arbeitsumfeld an Bedeutung, weil es direkt beeinflusst, wie wir zusammenarbeiten und uns fühlen.

Die Ruhe vor dem Sturm im Aareon Betriebsrestaurant. (Bildnachweis: Philipp Kirschner)

Was bietet Ihr Gebäude konkret im Hinblick auf Gesundheit?

Ulrike Gilfrich:  Gesundheit ist fest in unserer Kultur verankert und unsere Arbeitsumgebung unterstützt das ganz konkret. Mit Angeboten wie einem Well-Being-Raum für Bewegung und Formate wie Yoga, einem Massagesessel oder auch aktiven Elementen wie der Tischtennisplatte schaffen wir bewusst Möglichkeiten für Ausgleich im Arbeitsalltag. Ergänzt wird das durch unsere Außenflächen mit Terrassen und Teich, die Raum für Perspektivwechsel und Erholung bieten. So wird Gesundheit nicht nur gedacht, sondern im Alltag erlebbar.

Das klingt tatsächlich fast nach einem Club – welchen Einfluss hat das auf die Arbeit?

Ulrike Gilfrich:  Wir verbringen viel Zeit mit unserer Arbeit – dabei soll der Spaß nicht zu kurz kommen. Wenn wir gerne zur Arbeit gehen, intrinsisch motiviert sind und neugierig bleiben, können wir unsere Leistungspotenziale besser erschließen. 

Warum hat Gesundheit einen so hohen Stellenwert in Ihrer Arbeitskultur?

Sabrina Dick:  Ein gesundes Arbeitsumfeld ist die Grundlage für langfristige Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Resilienz. Gerade in einer sich ständig verändernden Arbeitswelt ist es entscheidend, dass Mitarbeitende mental und körperlich gestärkt sind. Wir sind überzeugt, dass Wohlbefinden sich direkt auf Motivation, Kreativität und den Umgang mit Herausforderungen auswirkt – und damit auch auf unseren Unternehmenserfolg.

Sabrina Dick, Chief People and Culture Officer Aareon.
(Bildnachweis: Philipp Kirschner)

Noch eine Nachfrage zur hybriden Arbeitsweise: Wie wird das im Arbeitsalltag gelebt?

Ulrike Gilfrich: Wir arbeiten in einem hybriden Modell und verbinden Flexibilität mit persönlicher Zusammenarbeit vor Ort. Das Büro ist dabei ein zentraler Bestandteil unseres Arbeitsalltags – als Ort für Austausch, Innovation und Teamgefühl, während das Homeoffice gezielt ergänzt.

Spiegelt sich in diesem Gebäude die Unternehmenskultur von Aareon wider?

Sabrina Dick:  Auf jeden Fall. Der positive Teamspirit ist hier jeden Tag spürbar, denn bei uns stehen die Menschen im Mittelpunkt. Wir schaffen ein Umfeld, in dem sich jede und jeder im Sinne eines Growth Mindset entfalten kann. Das ist die Grundlage dafür, gemeinsam zu lernen, zu wachsen und unser Lösungsangebot für unsere Kundinnen und Kunden kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Ulrike Gilfrich, Sabrina Dick, danke für den tiefen Einblick in Aareons neue Arbeitswelt.

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Acht Urteile zum Themenkreis Terrasse, Loggia und Balkon

Acht Urteile zum Themenkreis Terrasse, Loggia und Balkon

Allmählich beginnen die Menschen wieder damit, ihre Gartenmöbel aus dem Winterschlaf zu wecken, sie abzustauben und nach draußen zu holen. Rechtzeitig zur Frühjahrs- und Sommersaison müssen Terrasse, Loggia und Balkon bereit sein, damit Immobilienbesitzer die ersten Sonnenstrahlen genießen können.

Der Infodienst Recht und Steuern der LBS stellt in seiner Extra-Ausgabe einige Urteile deutscher Gerichte mit Bezug zum Thema Freisitz vor.

Balkone trotz Milieuschutz

Zunächst mal muss man überhaupt einen Balkon haben, um darauf die warme Jahreszeit verbringen zu können. In Berlin stellte sich die Frage, wie denn der Anbau eines Balkons rechtlich zu bewerten sei, sprich: ob das auch in einem Milieuschutzgebiet genehmigungsfähig ist.

Das Verwaltungsgericht Berlin (Aktenzeichen 19 K 17/22) gestattete den Eigentümern eines Mehrfamilienhauses den Anbau von 13 Balkonen mit einer Größe von jeweils vier Quadratmetern. Das stelle einen zeitgemäßen Ausstattungszustand dar, der auch unter dem Vorzeichen des Milieuschutzes zulässig sei. Das Bezirksamt hatte zuvor die Maßnahme noch untersagt.

Bienen-Flugverkehr über die Loggia

Zu einem Problem kann es werden, wenn es ein Nachbar mit der Bienenhaltung übertreibt. Im konkreten Fall hielt ein Mieter auf seiner Loggia sechs Völker in sogenannten „Bienenbeuten“, also kistenartigen Behausungen.

Das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen I-24 U 109/19) musste entscheiden, ob das zu viel ist – und stellte bei der Beantwortung der Frage darauf ab, was einem Durchschnittsmenschen noch zuzumuten sei. Gelegentlicher Bienenflug, ja sogar seltene Stiche, müssten ertragen werden. Ein „Flugverkehr“ wie hier in unmittelbarer Nähe zur Loggia des Nachbarhauses werde jedoch zu Recht als unangenehm empfunden und müsse in dieser Form abgestellt werden.

Fristlose Kündigung wg. Notstromaggregat auf dem Balkon

Ein anderer Mieter nutzte seinen Balkon, um darauf ein Notstromaggregat zu betreiben. Der Vermieter sprach ihm deswegen die fristlose und ersatzweise die ordentliche Kündigung aus.

Das Amtsgericht Berlin-Wedding (Aktenzeichen 7 C 92/22) sah zwar im nicht abgesprochenen Aufbau des Aggregats auf dem Balkon eine Pflichtverletzung. Diese sei jedoch nicht so schwerwiegend gewesen, dass der Vorfall eine Kündigung rechtfertige. Es hätte einer vorherigen Abmahnung bedurft. Schließlich habe es keine Auswirkungen auf die Nachbarn oder den Vermieter gehabt, außerdem hatte der Mieter die Nutzung des Notstromaggregats nach Zugang der Kündigung unterlassen.

WEG – Wer reinigt Abflussrinnen?

Abflussrinnen auf Balkonen müssen regelmäßig gereinigt werden, damit es nicht zu Verstopfungen und in der Folge zu Überschwemmungen kommt. Eine Eigentümergemeinschaft beschloss, die Kosten dafür den jeweiligen Wohnungseigentümern aufzuerlegen. Eine Eigentümerin beschwerte sich darüber. Ihr Balkon befinde sich in unmittelbarer Nähe zu einem Baum auf dem Nachbargrundstück, was einen größeren Laubanfall und deswegen höhere Kosten verursache. Das stelle eine unzumutbare Belastung dar. Das Landgericht Frankfurt (Aktenzeichen 2-13 S 19/24) entschied, dass die Kostenverteilung nicht willkürlich und damit auch nicht unzulässig gewesen sei. Die Gemeinschaft habe dabei den ihr zustehenden Ermessensspielraum eingehalten.

Terrassendach leckt – Sachmangel?

Wenn ein Hausgrundstück mit überdachter Terrasse verkauft wird und durch dieses Dach wiederholt Regenwasser eintritt, so ist das als ein Sachmangel zu betrachten, dessen Verschweigen durch den Verkäufer als arglistiges Handeln betrachtet werden kann.

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 43/23) stellte fest, dass Verkäufer auf solch einen Mangel zwingend hinweisen müssen, selbst wenn sie dessen Ursachen nicht oder nur teilweise kennen. Ein Schweigen wäre nur dann möglich gewesen, wenn es sich um Mängel gehandelt hätte, die bei einer Besichtigung für den Käufer zugänglich und ohne weiteres erkennbar gewesen wären.

Grenzabstand auch für Anbauten gültig?

Erlaubt es eine Regelung in der Landesbauordnung, dass ohne Grenzabstand gebaut werden darf, bezieht sich dies dann nur auf das Gebäude selbst oder auch auf Anbauten wie Balkone?

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 8 B 10739/20) beschloss, dass die Regelung durchaus auf Balkone anzuwenden sei. Die von den Behörden erteilte und im Prozess strittige Baugenehmigung habe dies berücksichtigt und deswegen nicht gegen nachbarschützende Vorschriften verstoßen.

Garage oder Wintergarten

Ein Hausbesitzer sollte einen zweistöckigen Wintergarten, den er an seine Immobilie angebaut hatte, wieder auf einen Stock zurückbauen, weil lediglich für diesen Umfang eine Baugenehmigung vorlag. Das verweigerte der Betroffene mit der Begründung, es handle sich bei dem fraglichen Objekt gar nicht um einen Wintergarten, sondern um eine Garage, für die es keiner nachbarlichen Zustimmung bedürfe.

Die Richter des Verwaltungsgerichts Karlsruhe (Aktenzeichen 11 K 7820/19) fanden bei einem Ortstermin zwar Motorräder und Fahrräder vor, ansonsten aber das Erscheinungsbild eines verglasten Wintergartens. Sie bestätigten die behördliche Rückbauverfügung.

Abstandsprivileg zum Nachbargrundstück

Garagen besitzen ein sogenanntes Abstandsprivileg. Sie dürfen näher an ein Nachbargrundstück heranrücken als ein anderes Gebäudeteil. Doch wie ist eine Garage zu bewerten, auf der eine vom Wohnhaus aus zugängliche Terrasse angelegt wurde?

Das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen (Aktenzeichen 1 ME 55/18) stellte fest, dass die Garage durch den Aufbau ihr Abstandsprivileg nicht verliere. Allerdings müsse zusätzlich auch die Terrasse als Teil des Wohnhauses den für sie vorgeschriebenen Abstand einhalten.

Dr. Ivonn Kappel

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Gemeinsam gegen den Müll: Engagement für ein sauberes Kassel

Gemeinsam gegen den Müll: Engagement für ein sauberes Kassel
Bitte alle freundlich Richtung Kamera winken: Müll sammeln kann offensichtlich auch Spaß machen. Foto: Wir machen das jetzt e.V.

Müllvermeidung und -entsorgung sind gesamtgesellschaftliche Herausforderungen und nicht mehr alleinige Aufgaben von Wohnungsgesellschaften. Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) fördert gezielt Projekte, die nachhaltige Lösungen für diese Herausforderungen bieten.

Seit der Vereinsgründung im Jahr 2023 unterstützt die NHW den Kasseler Verein „Wir machen das jetzt einfach e.V.“ mit 3.000 Euro pro Jahr. Von dem Geld werden unter anderem Bollerwagen, Zangen, Müllbeutel, Handschuhe oder Warnwesten angeschafft. Außerdem wird der Verein beim allgemeinen Auf- und Ausbau unterstützt.

„Wir machen das jetzt einfach e.V.“ möchte Menschen dafür begeistern, achtsamer mit Umwelt und Natur umzugehen, Müll möglichst zu vermeiden und ihn – wenn er anfällt – aktiv aufzusammeln. Da das Thema Müllvermeidung ein zentrales Anliegen der NHW ist, gerieten die Aktivitäten des jungen Vereins rasch in den Fokus von Hessens größtem Wohnungsunternehmen. Mit der jährlichen Spende unterstützt die NHW den Verein kontinuierlich beim Auf- und Ausbau seiner Arbeit.

Und der Ausbau erfolgte schnell: Während 2023 noch rund 240 Kilogramm Müll von Kassels Straßen und Außenanlagen aufgesammelt wurden, waren es 2025 bereits über 1.000 Kilogramm.

Menschen für Umweltschutz und Sauberkeit sensibilisieren

Der NHW ist die Kooperation besonders wichtig, weil das Thema Müll weit über die reine Entsorgung hinausgeht. „Es geht darum, Menschen für Umweltschutz und Sauberkeit zu sensibilisieren, präventiv gegen Vermüllung vorzugehen und eine echte Mitmachkultur zu fördern“, betont Angela Reisert-Bersch, Leiterin des Fachbereichs Soziale Quartiersentwicklung und Marketing.

„Genau das wollen wir auch in unseren Quartieren erreichen – Bewohnerinnen und Bewohner motivieren, selbst aktiv zu werden, Verantwortung zu übernehmen und damit sichtbar zu einer höheren Lebensqualität vor Ort beizutragen.“ Jeder Einzelne kann den Unterschied machen: Wer achtsam mit seiner Umwelt umgeht, schützt Natur und Ressourcen und trägt zu saubereren, attraktivere Quartieren bei. „Man muss die Menschen für das Müllsammeln begeistern. Wir freuen uns über jede helfende Hand“, sagt Dirk van der Werf, Gründer von „Wir machen das jetzt einfach e.V.“

NHW plant Ausbau der Kooperation

Im Rahmen der Kooperation finden auch Müllsammel-Aktionen in den NHW-Quartieren statt. Die Zusammenarbeit zeigt bereits Wirkung: Immer mehr Mieterinnen und Mieter engagieren sich für ein sauberes Wohnumfeld. In Zukunft plant die NHW, die Kooperation mit weiteren Aktionen in den Quartieren auszubauen – insbesondere durch regelmäßige Müllsammel-Events und die noch stärkere Einbindung der Bewohner.

Ziel ist es, die Idee und das Mindset des Vereins in die NHW-Quartiere zu bringen und dort langfristig mehr Verantwortungsbewusstsein für ein sauberes Wohnumfeld zu stärken.

Mitmachen statt Wegschauen: Kasseler Stadtwette am 30. Mai

Für sein ehrenamtliches Engagement im Umweltschutz wurde „Wir machen das jetzt einfach e.V.“ in diesem Jahr für den Klimaschutzpreis nominiert, der im Rahmen des Tags der Erde in Kassel am 26. April verliehen wurde.

Als nächstes steht für den Verein die Kasseler Stadtwette am 30. Mai 2026 an: Unter dem Motto „Mitmachen statt Wegschauen“ treten bekannte nordhessische Sportvereine gemeinsam mit Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürgern an, um Kassel von achtlos weggeworfenem Müll zu befreien. „Wir machen das jetzt einfach e.V.“ ist zentraler Ideengeber und Mitorganisator.

Quelle: NHW

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Eric Yeung-Schüürmann – kaufmännischer Vorstand der KAIFU-NORDLAND eG

Eric Yeung-Schüürmann - kaufm. Vorstand KAIFU-NORDLAND eG
Mit der Neubesetzung von Eric Yeung-Schüürmann als kaufmännischer Vorstand, ist das Kaifu-Führungsteam -Team gut aufgestellt. Rechts in Bild Stefan Henze, technischer Vorstand. Foto: Catrin-Anja Eichinger

Zum 1. April 2026 hat Eric Yeung-Schüürmann seine Tätigkeit als kaufmännischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft KAIFU-NORDLAND eG aufgenommen. Er folgt auf Dennis Voss, der das Unternehmen zum 31. Dezember 2025 auf eigenen Wunsch verlassen hat.

Eric Yeung-Schüürmann verfügt über fundierte Erfahrung in der Wohnungswirtschaft. Zuletzt war er als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer bei Wohnungsunternehmen im Landkreis Coburg tätig. Dort setzte er unter anderem Digitalisierungsprojekte, die Entwicklung einer Klimastrategie sowie umfassende Modernisierungsmaßnahmen um.

„Die KAIFU steht für verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Handeln in der Wohnungswirtschaft. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den Mitarbeitenden und den Gremien die wirtschaftliche Stabilität weiter zu stärken und gleichzeitig nachhaltige sowie sozial ausgewogene Lösungen für bezahlbares Wohnen voranzubringen“, so Eric Yeung-Schüürmann.

Für den Zeitraum von Januar bis März 2026 übernahm Gehard Viemann interimsweise die Funktion des kaufmännischen Vorstands. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Wohnungswirtschaft, unter anderem als Prüfungsdirektor beim Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, unterstützte er die Genossenschaft in dieser Phase und sicherte eine geordnete Übergabe.

Mit der Neubesetzung des kaufmännischen Vorstands sieht sich die KAIFU-NORDLAND eG gut aufgestellt, ihre strategische Entwicklung fortzuführen und die aktuellen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft aktiv anzugehen.

Mirko Woitschig

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