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Stadtwerke Husum beauftragen Machbarkeitsstudie für Tiefengeothermie

Stadtwerke Husum: Machbarkeitsstudie für Tiefengeothermie
Ein 3D-Einblick in den Untergrund bis in mehrere Kilometer Tiefe liefert die 3D-Seismik der DMT; Grundvoraussetzung um Thermalwasservorkommen zu finden und gezielt anzubohren. Forschungsinstitute und Experten wie der Bundesverband Geothermie legen sich fest: Mit tiefer Geothermie können mindestens 25 % des Wärmebedarfs in Deutschland sichergestellt werden. Quelle: DMT

Tiefengeothermie könnte zukünftig eine wichtige Quelle für die Wärmeversorgung in Husum und Umgebung sein. Ob wirklich gebohrt werden kann, hängt von den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie ab. Die Erstellung der Studie hat die Stadtwerke Husum GmbH (Stadtwerke Husum) jetzt in Auftrag gegeben. Umsetzer ist die TÜV-Tochter DMT GmbH und Co. KG aus Essen.

„Wir freuen uns, dass die Entscheidung, ob das Projekt realisierbar und wirtschaftlich ist, nun in greifbare Nähe rückt“, sagt Benn Olaf Kretschmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Husum. Das Erstellen der Machbarkeitsstudie werde mehrere Monate in Anspruch nehmen, wie Projektleiter Matthias Forthmann erläutert: „Wir rechnen damit, dass die Ergebnisse Ende des Jahres vorliegen.“

Seit Ende 2023 treiben die Stadtwerke Husum das Projekt Tiefengeothermie kontinuierlich voran. Denn die Erschließung eines Gebietes für Geothermie erfordert viele Schritte, die Zeit in Anspruch nehmen.

In rund 2.000 bis 2.500 Metern Tiefe könnte warmes Thermalwasser sein

Nachdem 2024 eine Vorstudie ergeben hat, dass mit großer Wahrscheinlichkeit in einer Tiefe von rund 2.000 bis 2.500 Metern warmes Thermalwasser mit einer Temperatur von etwa 60 bis 75 Grad Celsius vorhanden ist, untersucht die Machbarkeitsstudie nun, ob und wo gebohrt werden kann. Die Studie wird mithilfe von Fördergeldern aus dem kommunalen Wärmefonds des Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) Schleswig-Holstein finanziert.

Studie bewertet Erfolgskriterien

Die Machbarkeitsstudie untersucht zunächst die geologischen Voraussetzungen vor Ort. Dabei werden vorhandene geologische Daten und seismische Messungen sowie Informationen über Gesteinsschichten und Temperaturen ausgewertet. Ein großer Teil dieser Daten liegt den Stadtwerken Husum bereits vor, sie sind aber teilweise sehr alt: „Die ältesten Daten stammen aus Öl- und Gasbohrungen in den 1970er-Jahren und wurden noch auf Magnetbändern festgehalten“, erläutert Matthias Forthmann, der das Projekt bei den Stadtwerken Husum leitet.

Alle vorliegenden sowie neu ermittelten Daten erfasst die DMT GmbH mit moderner Software und wertet sie aus. Daraus können die Fachkräfte ein Untergrundmodell erstellen, das für zukünftige Bohrungen von großem Wert ist. Die Machbarkeitsstudie bewertet zudem die möglichen Standorte für Bohrungen sowie die Anbindung an bestehende oder geplante Wärmenetze. Auch die Wirtschaftlichkeit, potenzielle Risiken oder Umweltaspekte betrachtet die Studie.

Und was kommt danach?

Matthias Forthmann erklärt die nächsten Schritte: „Wenn die Studie positiv ausfällt, finden im nächsten Schritt weitere seismische Untersuchungen statt und der Genehmigungsprozess einer Probebohrung startet, zusammen mit den verantwortlichen Behörden. Zunächst müssen jedoch wirtschaftliche Aspekte bedacht werden: zum Beispiel das Einwerben von weiteren Fördergeldern für die Probebohrung.“

Doris Hartung-Schach

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Bauen unter Kostendruck: Wie die Wohnungswirtschaft den digitalen Hebel nutzen kann

Die Herausforderungen der Bauindustrie, anhaltender Druck, Chancen erkannt – Transformation entscheidet über den Erfolg. Quelle und Foto: © Mai 2026 PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Von Christian Elsholz, Partner Capital Projects & Infrastructure bei PwC Deutschland

Seit 2021 hat sich der Einfluss geopolitischer und wirtschaftlicher Krisen auf die Geschäftstätigkeit der Baubranche nahezu verdoppelt. Als größte Herausforderung nennt die Branche auch dieses Jahr den zunehmenden Kostendruck, Materialkosten, Energiepreise, geopolitische Spannungen mit Auswirkungen auf globale Lieferketten – die Belastungsfaktoren überlagern und verstärken sich gegenseitig. Und während der Druck wächst, stagniert gleichzeitig die Digitalisierung, die diesen Druck spürbar lindern könnte.

Die PwC-Studie „Bauindustrie 2026“ zeigt eine Branche, die ihre Probleme exakt benennen kann und durchaus transformationsbereit ist. Mehr als die Hälfte der Befragten zieht eine Neuausrichtung des Unternehmens oder die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in Betracht.

Kostendruck wird zur strukturellen Belastung

91 Prozent der befragten Bau- und Immobilienunternehmen gaben an, unter erheblichem Kostendruck zu stehen. Noch aufschlussreicher ist die Dynamik: 2022 rangierte der Kostendruck auf Platz vier der Branchenherausforderungen. Heute steht er über sämtliche Teildisziplinen – Planungsbüros, Bauzulieferer und Bauunternehmen – hinweg an der Spitze. Was als vorübergehende Krisensymptomatik begann, hat sich zur strukturellen Belastung entwickelt.

Die Folgen sind erheblich: Drei von vier Unternehmen beklagen den Wegfall bzw. die Verschiebung von Projekten. Hohe Baukosten, schwankende Material- und Energiepreise sowie eine zunehmende Zurückhaltung auf Auftraggeberseite schaffen ein Umfeld, in dem selbst wirtschaftlich solide Vorhaben ins Stocken geraten.

Die geopolitischen Auswirkungen treffen die Wertschöpfungskette nicht gleichmäßig. Besonders exponiert sind die Bauzulieferer (68 Prozent). Sie stehen am Anfang der Wertschöpfungskette und sind unmittelbar mit volatilen Rohstoffpreisen, fragilen Lieferketten sowie zoll- und handelspolitischen Unwägbarkeiten konfrontiert. Diese Belastungen geben sie sukzessive an die nachgelagerten Akteure weiter. Die hohe Betroffenheit der Zulieferer ist ein möglicher Frühwarnindikator für die gesamte Branche.

Der notwendige digitale Schub bleibt aus

Die Branche weiß, dass sie effizienter werden müsste, um unter diesem Kostendruck langfristig bestehen zu können. Sie weiß auch, wo dafür die größten Potenziale liegen: bei digitalen Technologien. Die strategische Bedeutung von Digitalisierung ist in der Bauindustrie unbestritten. Vier von fünf Befragten sehen beispielsweise bei KI-basierten Anwendungen ein hohes bis sehr hohes Potenzial. Auch Simulations- und Visualisierungstechnologien, Cloud-Lösungen und Laserscanning versprechen aus Sicht der Unternehmen spürbare Effizienzgewinne. Die Umsetzung bleibt jedoch hinter den Ambitionen zurück. Das hat verschiedene Gründe. Drei Viertel der Unternehmen nennen fehlendes fachliches Know-how als zentrale Hürde. Zugleich steigen die Anforderungen an die Cybersicherheit: 72 Prozent sehen hier eine wachsende Herausforderung.

Ein Beispiel für die Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung liefert Building Information Modeling (BIM). Hierbei werden alle relevanten Daten eines Bauwerks in einem zentralen 3D-Modell zusammengeführt – von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb. Galt die Technologie anfangs als Branchenrevolution, hat sich die Erwartungshaltung inzwischen relativiert. Seit 2022 sinkt das Potenzial, das Unternehmen BIM zuschreiben, während die eigenen Fähigkeiten auf niedrigem Niveau stagnieren. Die Kompetenzlücke ließ sich über Jahre nicht schließen. Damit KI nicht den Weg von BIM nimmt – mit hohem Interesse, aber begrenzter Umsetzungstiefe – braucht es jetzt eine systematische Kompetenzentwicklung.

Hinzu kommt: Bei den in der Bauindustrie eingesetzten digitalen Lösungen handelt es sich überwiegend um unterstützende Funktionen – Dokumentenmanagement, Kommunikation, Zeiterfassung. Auch beim KI-Einsatz sehen die Befragten das größte Optimierungspotenzial in administrativen und planungsintensiven Bereichen (81 Prozent bei unterstützenden Funktionen, 80 Prozent bei der Planung), nicht in der Bauausführung selbst. Von einer durchgängig digitalisierten Baustelle ist die Branche noch weit entfernt.

Wohnungswirtschaft als Auftraggeber: Hebel für die Digitalisierung

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass ein wesentlicher Digitalisierungsimpuls bei den Auftragsprozessen von Bauprojekten ungenutzt bleibt. Auftraggeber könnten digitale Arbeitsweisen konsequenter einfordern. Lediglich 17 Prozent der Befragten berichten, dass digitale Lösungen in Vergabeverfahren stark oder sehr stark eingefordert werden. 2021 lag dieser Wert noch bei 32 Prozent, nahezu doppelt so hoch.

Für die Wohnungswirtschaft als einer der großen Auftraggeber liegt hier eine echte Gestaltungsmöglichkeit: Ein Unternehmen, das in der Ausschreibung einen BIM-Abwicklungsplan (BAP) fordert und die digitale Dokumentation des Baufortschritts zur Vertragsbedingung macht, schafft drei Effekte: Es filtert Bieter mit digitaler Kompetenz, es erhält eine lückenlose Dokumentation für das spätere Facility Management, und es reduziert Nachtragsrisiken – weil Leistungsänderungen im Modell nachvollziehbar sind, nicht nur im Schriftverkehr. So setzen Auftraggeber Anreize für die gesamte Lieferkette und profitieren selbst davon, etwa durch höhere Kostentransparenz, bessere Termintreue und nachvollziehbare Qualitätssicherung.

Sondervermögen: Marktpotenziale für die Bauindustrie

Trotz aller Belastungen gibt es für die Bauindustrie auch konkrete Marktpotenziale. Zwei Drittel der Befragten erwarten vom Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in den kommenden fünf Jahren einen positiven Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit. Die große Mehrheit rechnet dabei mit einer Wirkung erst in zwei bis fünf Jahren. Zudem zeichnet sich in den Einschätzungen eine zeitliche Staffelung ab, die der typischen Projektabwicklung entspricht: Zunächst profitieren Planungsbüros, anschließend Bauunternehmen in der Ausführung gemeinsam mit Zulieferern.

Hinsichtlich der Nutzung des Sondervermögens sehen vier von fünf Befragten die größten Zuwachschancen bei der Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Auf Platz drei folgen Rechenzentren – ein Segment, das vom KI- und Digitalisierungsboom profitiert und insbesondere von Planungsbüros als wachstumsstarkes Feld eingeschätzt wird. Beim konventionellen Wohnungsbau gehen die Einschätzungen auseinander: Bauunternehmen bewerten die Chancen doppelt so hoch wie Bauzulieferer.

Um vom Sondervermögen zu profitieren, setzen 62 Prozent der Befragten auf Kooperationen mit neuen Partnern. Planungsbüros investieren gezielt in Fachkräfteaufbau und Schulungen in den geförderten Bereichen.

Nachhaltigkeit: Vom Pflichtthema zum strategischen Faktor

Ein positives Signal der Studie: Trotz nachlassenden politischen Drucks – die CSRD-Berichtspflichten traten verspätet in Kraft, das EU-Lieferkettengesetz wurde deutlich entschärft – bleibt Nachhaltigkeit für die Baubranche relevant. 87 Prozent der Befragten geben an, dass die Bedeutung von ESG in ihrem Unternehmen gleichgeblieben oder gestiegen ist.

Bemerkenswert ist die Verschiebung der Treiber: Reputation und Mitarbeiterbindung gewinnen an Gewicht, während der regulatorische Druck als Motiv abnimmt. Nachhaltigkeit entwickelt sich schrittweise von der externen Verpflichtung zur internen Überzeugung. Die Unternehmen erkennen, dass ESG wirtschaftliche Vorteile bringt – von günstigeren Finanzierungskonditionen über Wettbewerbsvorteile bei Ausschreibungen bis hin zu niedrigeren Betriebskosten über den Lebenszyklus.

Drei Viertel der Unternehmen haben inzwischen eigene ESG-Ziele definiert. Sie setzen dabei überwiegend auf selbstgesteckte qualitative und quantitative Ziele statt auf extern vorgegebene Rahmenwerke. Auch bei den Umsetzungshürden zeigt sich Bewegung: Nur noch 42 Prozent sehen fachliches Know-how als Hürde – im Vorjahr waren es noch fast doppelt so viele. Die Unternehmen haben offenbar gezielt Kompetenzen aufgebaut. Die größte verbleibende Herausforderung sind unklare regulatorische Rahmenbedingungen.

Transformation als gemeinsame Aufgabe

Die Bauindustrie befindet sich an einem kritischen Wendepunkt, an dem die Entscheidungen der nächsten Zeit wegweisend für ihre Zukunft sein werden.  Um die eigene Transformationskraft zu stärken, müssen Unternehmen geeignete digitale Strategien entwickeln und klare Datenstandards implementieren, um Effizienz und Transparenz zu schaffen. Zudem steht die Industrie vor der Aufgabe das aktuelle Geschäftsmodell an den Marktanforderungen auszurichten, wenn sie von aktuellen Investitionen profitieren wollen.

Die Wohnungswirtschaft hat als Großauftraggeber mehr Hebel, als sie derzeit nutzt. Wer heute digitale Standards in Ausschreibungen verankert und Partnerschaften strategisch aufbaut, gestaltet morgen die Branche mit, von deren Leistungsfähigkeit er abhängt.

Drei Prioritäten für Entscheider

Digitale Kompetenz aufbauen: Das Know-how-Problem löst sich nicht durch einzelne Schulungen. Unternehmen brauchen ein kontinuierliches Qualifizierungsprogramm, das die Gesamtspanne der Organisation, also vom Bauleiter bis zur Geschäftsführung abgedeckt. Ohne klare Verankerung auf Geschäftsführungsebene besteht das Risiko, dass Kompetenzlücken über Jahre bestehen bleiben.

Digitale Standards gemeinsam vorantreiben: Bauunternehmen müssen in digitale Prozesse investieren. Gleichzeitig braucht es von Auftraggeberseite die Bereitschaft, digitale Kompetenz in Vergabeverfahren zu bewerten und zu honorieren. Beide Seiten profitieren: Auftragnehmer differenzieren sich über Qualität statt nur über den Preis; Auftraggeber erhalten die Transparenz und Terminsicherheit, die sie zu Recht erwarten.

Chancen aktiv vorbereiten: Das Sondervermögen, der Rechenzentren-Boom, die steigende Nachfrage nach nachhaltigem Bauen: Wer heute Partnerschaften aufbaut, Kapazitäten in den richtigen Segmenten schafft und die eigene Organisation auf komplexere Projekte vorbereitet, wird profitieren.

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Anders bauen reicht nicht – wir müssen auch anders beauftragen

Gerd Warda, Foto: krimiwa

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zählt zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die Diskussionen darüber gleichen sich seit Jahren: zu wenige Wohnungen, zu hohe Baukosten, zu lange Genehmigungsverfahren und zu wenig Personal in den Bauämtern. All das ist richtig. Doch wer nur auf die Defizite blickt, übersieht die Chancen.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob wir Wohnraum schaffen können. Die entscheidende Frage lautet, wie wir vorhandene Potenziale intelligenter nutzen und bestehende Prozesse deutlich besser organisieren. Drei aktuelle Beispiele zeigen, wo die Antworten liegen.

Neue Wohnformen erschließen

Unsere Innenstädte verändern sich. Der stationäre Handel verliert vielerorts an Bedeutung, Ladenlokale stehen leer und ganze Geschäftsstraßen suchen nach neuen Perspektiven. Gleichzeitig fehlen Wohnungen. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Reallabor WOHN:LOKAL der Universität Kassel an. In einem leerstehenden Ladenlokal in der Treppenstraße erforschen Studierende gemeinsam mit Stadtplanern, wie sich ehemalige Gewerbeflächen künftig zum Wohnen und Arbeiten nutzen lassen.

Was zunächst wie ein Forschungsprojekt wirkt, ist in Wahrheit ein Blick in die Zukunft unserer Städte. Denn überall in Deutschland gibt es ungenutzte Flächen, die auf eine neue Funktion warten. Nicht jede Antwort auf den Wohnungsmangel muss auf der grünen Wiese entstehen. Oft liegt die Lösung bereits mitten in unseren Innenstädten.

Die Kasseler Initiative zeigt, dass Wohnen künftig flexibler gedacht werden muss. Temporäre Wohnformen, kombinierte Wohn- und Arbeitskonzepte sowie die Umnutzung bestehender Gebäude können einen wichtigen Beitrag leisten, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln.

Flächen intelligenter nutzen

Ein zweites Beispiel liefert ALDI Nord in Leipzig-Connewitz. Dort soll ein moderner Lebensmittelmarkt entstehen, der gleichzeitig 75 Mikrowohnungen für bis zu 99 Studierende beherbergt. Die Idee ist ebenso pragmatisch wie überzeugend: Warum sollten wertvolle innerstädtische Flächen nur einer Nutzung dienen, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen können?

Die Kombination von Handel, Wohnen und Mobilität steht beispielhaft für eine neue Generation urbaner Projekte. Sie nutzt vorhandene Grundstücke effizienter, schafft dringend benötigten Wohnraum und stärkt gleichzeitig die Nahversorgung im Quartier.

Gerade Studierende, Auszubildende und junge Berufseinsteiger gehören vielerorts zu den größten Verlierern angespannter Wohnungsmärkte. Projekte wie dieses zeigen, dass kreative Nachverdichtung und intelligente Mehrfachnutzung bestehender Standorte konkrete Lösungen liefern können.

Der Wohnungsbau der Zukunft wird deshalb nicht allein durch Neubaugebiete geprägt sein. Er wird zunehmend dort entstehen, wo bestehende Strukturen neu gedacht werden.

Qualität entscheidet über Bezahlbarkeit

So wichtig neue Wohnformen und innovative Nutzungskonzepte auch sind – sie lösen nur einen Teil des Problems. Denn bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht allein durch neue Wohnungen. Er entsteht auch durch Qualität.

Die Wohnungswirtschaft kennt die Situation nur zu gut: Gebäude werden termingerecht übergeben, doch die eigentliche Arbeit beginnt erst danach. Mängelbeseitigungen laufen parallel zum Einzug der Mieter. Technische Anlagen funktionieren noch nicht stabil. Dokumentationen sind unvollständig. Gewährleistungsfragen beschäftigen Eigentümer, Verwalter und Bauunternehmen über Monate hinweg.

Die Folge sind zusätzliche Kosten, gebundene Ressourcen und vermeidbare wirtschaftliche Schäden.

Dabei zeigt die Praxis, dass nicht die Zahl der Baumängel zwangsläufig steigt. Die Gebäude werden vielmehr komplexer. Technische Systeme greifen stärker ineinander, Anforderungen an Energieeffizienz und Gebäudetechnik nehmen zu, während gleichzeitig die Bauzeiten immer weiter unter Druck geraten.

Genau deshalb muss die Inbetriebnahme eines Gebäudes künftig als eigenständige Projektphase verstanden werden. Technische, kaufmännische und organisatorische Abläufe müssen bereits während der Bauphase vorbereitet werden. Regelmäßige Vorabnahmen, klare Zuständigkeiten und eine frühzeitige Abstimmung aller Beteiligten sind keine Zusatzleistungen mehr, sondern Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg. Jeder Fehler, der während der Bauphase erkannt wird, kostet einen Bruchteil dessen, was seine Beseitigung nach der Übergabe verursacht.

Die Wohnungswirtschaft besitzt den stärksten Hebel

Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt: Wer treibt diese Veränderung eigentlich voran? Die Antwort lautet: die Wohnungswirtschaft selbst.

Viel zu häufig wird über den Fachkräftemangel in den Bauämtern, über fehlende Kapazitäten in der Bauindustrie oder über politische Rahmenbedingungen gesprochen. Diese Herausforderungen sind real. Doch sie entbinden die Branche nicht von ihrer eigenen Verantwortung.

Gerade bei der Digitalisierung verfügt die Wohnungswirtschaft über einen Hebel, der bislang viel zu selten genutzt wird.

Ein Beispiel dafür ist Building Information Modeling (BIM). Die digitale Planungsmethode sollte einst die Bauwirtschaft revolutionieren. Alle relevanten Informationen eines Gebäudes werden dabei in einem zentralen Modell zusammengeführt – von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb. Die Vorteile liegen auf der Hand: höhere Transparenz, weniger Schnittstellenverluste, bessere Dokumentation und frühzeitige Fehlererkennung.

Doch die Realität bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Die Digitalisierung konzentriert sich vielerorts noch auf Dokumentenmanagement, Kommunikation oder Zeiterfassung. Die durchgängig digitalisierte Baustelle ist weiterhin die Ausnahme.

Dabei könnte gerade die Wohnungswirtschaft den entscheidenden Impuls setzen.

Wer in Ausschreibungen digitale Planungsprozesse verbindlich fordert, wer BIM-Abwicklungspläne voraussetzt und digitale Baudokumentationen zur Vertragsgrundlage macht, verändert die Regeln für die gesamte Wertschöpfungskette.

Der Nutzen ist unmittelbar messbar: mehr Kostentransparenz, bessere Termintreue, nachvollziehbare Qualitätssicherung und deutlich weniger Nachtragsrisiken. Vor allem aber werden Fehler früher erkannt – dort, wo sie noch behoben werden können, bevor daraus Millionenschäden entstehen. Digitalisierung ist deshalb kein Selbstzweck. Sie ist ein Instrument zur Qualitätssicherung.

Die Zukunft entsteht nicht im Bauamt allein

Natürlich bleibt der Fachkräftemangel in den Bauämtern ein ernstes Problem. Genehmigungen dauern vielerorts zu lange und verzögern dringend benötigte Projekte. Doch dieser Engpass darf nicht zur universellen Erklärung für die Schwierigkeiten des Wohnungsbaus werden.

Die Branche selbst verfügt über erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten. Das zeigen die drei Beispiele dieses Editorials eindrucksvoll: neue Wohnformen in leerstehenden Ladenlokalen, die intelligente Mehrfachnutzung bestehender Standorte und eine konsequente Qualitäts- und Digitalisierungsstrategie entlang des gesamten Bauprozesses.

Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht allein durch neue Förderprogramme oder schnellere Genehmigungen. Er entsteht dort, wo bestehende Flächen kreativer genutzt, Gebäude intelligenter geplant und Bauprozesse konsequenter gesteuert werden.

Die Wohnungswirtschaft wartet zu oft auf Veränderungen in Politik, Verwaltung oder Bauindustrie. Dabei besitzt sie selbst den stärksten Hebel: die Rolle des Auftraggebers. Wer bezahlbaren Wohnraum schaffen will, muss nicht nur anders bauen – er muss auch anders beauftragen.

Die Zukunft des Wohnungsbaus entscheidet sich nicht allein im Bauamt. Sie entscheidet sich dort, wo Mut zur Innovation, intelligente Flächennutzung und kompromisslose Qualitätsstandards zusammenkommen. Genau darin liegt die Chance für eine Branche, die mehr gestalten kann, als sie häufig selbst glaubt.

Dies und vieles mehr lesen Sie in der Juni-Ausgabe von Wohnungswirtschaft architektur. .
Bauen und planen Sie mit der Natur!

Ihr Gerd Warda und das Team von Wohnungswirtschaft architektur. .

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Agenda Stadt grün-blau – Umsetzung gestalten, Wirkung entfalten!

Agenda Stadt grün-blau – Umsetzung gestalten, Wirkung entfalten!

Es war ein langer Weg und bedurfte konsequenter Dialoge, in einem nahezu 30jährigen Prozess ein praxisorientiertes Handlungsprogramm zur strategischen Stärkung der kommunalen Grün- und Freiraumplanung für die Stadt der Zukunft schrittweise zu entwickeln.

Ausgelöst durch das BMEL (heute BMELH) zur EXPO 2000 und dem inkludierten 1. Weltkongress zur Thematik der Vitalität und Gesundheit des Stadtgrüns (Plant Health in Urban Horticulture) in Braunschweig wurde 2015 zunächst das Grünbuch Stadtgrün „Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft“ unter Federführung des damaligen BMUB in enger Kooperation mit 7 weiteren Bundesministerien herausgegeben, dem in der Aufarbeitung der Thematik 2017 das Weißbuch Stadtgrün folgte. Stets waren Berufsverbände, Bundesinstitute, wissenschaftliche Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Vereine in einem intensiven Dialog zu urbanen Aspekten eingebunden, die sich als Ergebnis in 10 Handlungsfeldern im Weißbuch wiederfinden.

Gemeint ist ein transparenter und offener Prozess mit dem Ziel, die Städte lebenswerter, nachhaltiger, sozial- und umweltverträglicher zu gestalten. Letztlich sollen auch die politisch festgelegten Klimaziele erreicht, die Biodiversität verbessert und die Erfüllung der EU-Verordnung „Wiederherstellung der Natur“ unterstützt werden.

4. Bundeskongress „Grün in der Stadt“

Abb. 1: Bundesbauministerin Verena Hubertz eröffnet den 4. Bundeskongress Stadtgrün – eingerahmt von Gehölzen. Quelle: Bauministerium © Czybik-Schmid-Media / Laurin Schmid

Daher war es konsequent, im Weiteren den Wissenstransfer aus der Forschung in breite Bereiche der „grünen Praxis“ voranzutreiben, den Erfahrungsaustausch zwischen allen Akteuren weiter zu verstetigen, Ergebnisse aus Forschungsprojekten und Modellvorhaben des Bundes auszuwerten und Erkenntnisse aus Expertisen und Fachwerkstätten aufzuarbeiten.

Unter Federführung des heutigen Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mündet all dieses jetzt in der sog. „Agenda Stadt grün-blau“, die nach Abstimmung mit 9 Bundesressorts jetzt der Öffentlichkeit beim 4. Bundeskongress „Grün in der Stadt“ von Bundesministerin Verena Hubertz in der Berliner Malzfabrik am 7.5.2026 vorgestellt wurde (Abb. 1).

In Präsenz und im online-stream verfolgten viele Akteure den Erklärungen zur Agenda. Sie baut auf dem Weißbuch Stadtgrün von 2017 auf und richtet sich an Kommunen, Bundesressorts und Fachakteure. Die Agenda bündelt Strategien und Maßnahmen für klimaresiliente, gesunde und lebenswerte Städte – entlang der vier Fokusthemen grün-blau vital, grün-blau gesund, grün-blau sozial und grün-blau statt grau. (Abb. 2)

Abb. 2: Kurzdarstellung der Agenda auf Roll-ups, die die Diskussion unter den Beteiligten anregte

Die Agenda unterstützt eine nachhaltige Entwicklung von Grün und Wasser – der sogenannten grün-blauen Infrastruktur (GBI) – in den Kommunen in Deutschland und versteht sich als ein Handlungsprogramm des Netzwerks Weißbuch Stadtgrün. Auch geht sie auf veränderte Rahmenbedingungen ein, die sich insbesondere aus der Coronapandemie, den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen ergeben. Sie bündelt daher wenige besonders umsetzungsrelevante Maßnahmen in den ausgewählten Fokusthemen und will der Arbeit des Netzwerks neue Impulse geben.

In der Kurzfassung thematisiert die Agenda: 

Grün-blau vital – Städte wassersensibel entwickeln

  • Regenwasser rechtlich als Ressource behandeln
  • Urbane Wasserkreisläufe stärken
  • Schwammlandschaften entwickeln

Grün-blau gesund – Gesundheit schützen und fördern

  • Mental gesund durch Erholung und Naturerleben
  • Hotspots zuerst naturbasiert entlasten
  • Sportability: Grüne Freiräume für offene Bewegung

Grün-blau sozial – Freiräume gemeinschaftlich und gerecht nutzen

  • Grünräume für soziale Interaktion gestalten
  • Teilhabe durch soziale Angebote stärken
  • Unterschiedliche Nutzungen moderieren

Grün-blau statt grau – Raumpotenziale neu gewinnen und vernetzen

  • Straßenarbeiten für grün-blauen Stadtumbau nutzen
  • Bundesweiten Entsiegelungswettbewerb unterstützen
  • Schulhöfe ökologisch und klimaangepasst umgestalten und öffnen
  • Wohnumfeld mit übertragbaren Lösungen wirksam begrünen
  • Rad- und Fußwegesysteme und Grünvernetzung gemeinsam entwickeln

Grün-blau kompetent

  • Dieses Fokusthema wird bis Herbst 2026 erarbeitet. Es setzt sich im Querschnitt mit Instrumenten, integrierten und partizipativen Planungsprozessen, Daten und Finanzierung auseinander.

Das Weißbuch Stadtgrün bleibt weiterhin Grundlage und gültiger Rahmen, die Agenda baut darauf auf und ergänzt es um aktuelle Themen und Handlungsbedarfe. Die vorgeschlagenen Ziele und Maßnahmen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wollen gezielt Schwerpunkte für die kommenden Jahre setzen. Die vollständige Fassung ist nachzulesen: www.gruen-in-der-stadt.de.

Sehr zum Bedauern der Teilnehmer wurde die Agenda lediglich in Kurzvorträgen und einer gelenkten Podiumsdiskussion dargestellt, Fragen aus dem Publikum konnten kaum gestellt werden. In den Pausen bei Kaffee und Snacks ergaben sich jedoch Möglichkeiten zum kritischen Austausch.

Dafür war im Programm u.a. ein Keynote-Vortrag von Maria Vassilakou, der ehemaligen Wiener Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung vorgesehen. Sie begeisterte die Zuhörer, indem sie ihr positives Wirken in der Wiener grün-blauen Stadtentwicklung überzeugend und gut illustriert darlegte (Abb. 3). Sie plädierte dafür, interdisziplinär und mit klar definierten Zielen vorzugehen. Sie definierte: „Eine gute Stadt ist dort, wo wir leben wollen.“

Abb. 3: Keynote-Sprecherin Maria Vassilakou bei ihrem Vortrag zu „Wien als lebenswerteste Stadt der Welt“

In nachfolgenden Ressortrunden, gelenkten Diskursforen und Stimmen aus dem Netzwerk wurden unterschiedliche Aspekte dargelegt. Hier kamen auch Berufsverbände zu Wort, u.a. begrüßte BGL-Präsident Thomas Banzhaf die neue „Agenda Stadt grün-blau“ des Bundes ausdrücklich. Das beim Bundeskongress „Grün in der Stadt“ vorgestellte Handlungsprogramm setzt aus seiner Sicht wichtige Impulse für klimaangepasste, lebenswerte Kommunen – von Entsiegelung und wassersensibler Stadtentwicklung bis hin zu Gesundheitsförderung und nachhaltiger Pflege urbaner Grünflächen.

Er forderte nun eine schnelle und verbindliche Umsetzung vor Ort sowie eine stärkere Unterstützung der Kommunen. Auch sah er sich bestätigt, dass das kontinuierliche Engagement des BGL zu diesem Thema sich jetzt auszahle. „Unser Ziel ist, dass Pflege, Bewässerung und Entwicklung ein fester Bestandteil von Förderprogrammen werden“, kommentierte der BGL-Präsident in einer nachfolgenden BGL-Pressemitteilung. Inwieweit sich der BGL selbst durch interne Optimierungsprozesse im gewünschten Netzwerk aktiv beteiligen wird, lies er allerdings offen.

Der Bundeskongress endete bei vielen Teilnehmern mit dem Gefühl, dass zwar die Agenda gute Ziele beschreibt, aber viele Fragen offen sind und Details noch der Klärung bedürfen. Neben der finanziellen Ausstattung von Förderprogrammen ist es wohl an dem Netzwerk Weißbuch Stadtgrün, den Gesamtprozess weiter mit Leben zu füllen.

Prof. Dr. habil. Hartmut Balder, Institut für Stadtgrün

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Leipzig-Connewitz: Moderne ALDI Filiale und 75 Mikrowohnungen entstehen

Leipzig-Connewitz: Moderne ALDI Filiale und 75 Mikrowohnungen
ALDI Nord plant die Umgestaltung des Leipzig- Connewitzer Bahnhofsgeländes. So könnte es aussehen. Quelle: © ALDI Nord Deutschland Stiftung & Co. KG

ALDI Nord plant im Umfeld des Bahnhofs Leipzig‑Connewitz ein Bauprojekt mit städtebaulichem Mehrwert. Ziel ist es, dem historischen Areal eine neue, zukunftsfähige Nutzung zu geben. Gleichzeitig steigert der Discounter die Nahversorgung in diesem Gebiet und entlastet den Wohnungsmarkt, insbesondere für Studierende.

Kern des Projekts ist die Realisierung eines modernen ALDI Marktes, der mit 75 Mikrowohnungen für bis zu 99 Studentinnen und Studenten kombiniert wird. Zur Umsetzung dieses Nutzungskonzepts befindet sich ALDI Nord bereits in konkreten und detaillierten Gesprächen mit potenziellen Betreibern von Studierendenwohnanlagen.

Die Kombination aus Handel und Wohnen ermöglicht eine effiziente Flächennutzung an einem gut erschlossenen innerstädtischen Standort und trägt zur Belebung des Quartiers bei. Zudem sollen angrenzende Park-and-Ride-Flächen (P+R) in Zusammenarbeit mit der Stadt für Pendlerinnen und Pendler zur Verfügung gestellt werden.

Die Visualisierung des übrigen Geländes. Quelle: © ALDI Nord Deutschland Stiftung & Co. KG

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das gesamte Bahnhofsgelände in die Entwicklung einzubeziehen und auch den denkmalgeschützten Bahnhofsgebäuden wieder eine langfristige Perspektive zu geben. Das Bahnhofsgebäude ist im Besitz von ALDI Nord. Der weiter östlich gelegene ehemalige Güterschuppen befindet sich im Eigentum der Stadt Leipzig und stellt aufgrund seines baulichen Zustands und der eingeschränkten Flächennutzbarkeit eine besondere Herausforderung dar. Eine wirtschaftlich tragfähige Wiederherstellung und Nutzung der Flächen ist außerhalb eines Gesamtkonzeptes nur schwer darstellbar.

Mehrwert für das Quartier

In den historischen Gebäuden könnten beispielsweise ein Fitnessbereich, umfassende Fahrradstellplätze, ein Studentencafé sowie Büroflächen untergebracht werden. Ziel ist es, die denkmalgeschützte Substanz zu erhalten und ihr durch neue Nutzungen einen klaren Mehrwert für das Quartier zu verleihen. Die Umsetzung der Bauabschnitte – bestehend aus dem ALDI Markt und den darüberliegenden Wohnungen sowie dem ehemaligen Bahnhofsgebäude – sind im Laufe des Jahres 2027 vorgesehen.

Dennis Willhardt

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Bauämter sind der größte Engpass für Bauen in Deutschland

Bauämter sind der größte Engpass für Bauen in Deutschland
Klaus-Peter Stöppler zählt zu den renommiertesten Executive Interim Managern Deutschlands* mit über 35 Jahren Erfahrung in den Branchen Bauwirtschaft, Immobilien, Energie und Industrie. Er begleitet mittelständische Unternehmen als permanenter Beirat oder als Interim Manager auf Zeit. Foto: https://bau-interim.com

Die Bauämter sind der größte Engpass für Bauen in Deutschland, heißt es im „United Interim Wirtschaftsreport 2026“. Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter 550 Führungs­kräften auf Zeit (Interim Managern), den die Management-Community United Interim (www.unitedinterim.com) durchgeführt hat.

Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler, der zum Autorenkreis des Reports gehört, weiß aus eigenen Projekterfahrungen: „Beim Umgang mit Bauämtern gewinnt man regelmäßig den Eindruck, dass dort im Grunde keiner will, dass in Deutschland gebaut wird.“ Laut Report halten drei Viertel der befragten Führungskräfte die Bauämter für „einen der größten Bremsklötze für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands.“

Die Begründung: Bauen steht für rund 2,6 Millionen Arbeitsplätze und der Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt beträgt rund 13 Prozent. „Probleme beim Bau wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaftskraft des Landes insgesamt aus“, sagt Klaus-Peter Stöppler, „vergleichbar der Automobilindustrie.“

Laut Umfrage sind 79 Prozent der Manager der festen Überzeugung, dass die Bauämter trotz einiger Fortschritte noch viel zu wenig digitalisiert sind. 78 Prozent ist die „mangelnde Dienstleistungsorientierung“ ein Dorn im Auge. 64 Prozent stufen die Amtsstuben als „von Bürokratie und Kompetenzgerangel lahmgelegt“ ein. Der „United Interim Wirtschaftsreport 2026“ spricht von einer „katastrophalen Lage“.

Wohnungsnot verschärft sich immer mehr

Klaus-Peter Stöppler erklärt im Hinblick auf die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach sich die Wohnungsnot 2025 weiter verschärft hat: „Gerade in einer Phase akuten Wohnraum­mangels und hoher Investitionskosten ist die Nicht-bauen-wollen-Haltung vieler Bauämter ein Skandal.“ Laut Statistischem Bundesamt leben knapp 12 Prozent der Menschen in zu kleinen Wohnungen. Die Quote hat sich gegenüber 2024 weiter erhöht, als der Wert noch bei rund 10 Prozent lag. Insgesamt fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen, verweist der Bau- und Immobilienexperte auf Schätzungen des Pestel-Instituts.

Natürlich trifft die Bauämter nicht die alleinige Schuld an der Baumisere“, räumt Klaus-Peter Stöppler ein. Als weitere maßgebliche Ursachen nennt er die massiv gestiegenen Baukosten, hohe Zinsen, verschärfte energetische Vorgaben, überbordende Regulierung, langwierige Planungsverfahren sowie den zunehmenden Fachkräftemangel im Baugewerbe. Hinzu komme, dass sich viele Bauprojekte „unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr rentabel kalkulieren lassen.“

Bau-Verhinderer statt Förderer

„Aber gerade in dieser Situation würde man erwarten, dass die Bauämter alles tun, damit gebaut wird“, sagt Klaus-Peter Stöppler. Doch laut Umfrage stufen satte 83 Prozent die Ämter „eher als Bau-Verhinderer denn als Bau-Förderer“ ein. „Das deckt sich leider auch mit meinen persönlichen Erfahrungen“, sagt Stöppler.

Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) kritisieren die fehlende Standardisierung der Bauämter. „In Deutschland entscheidet häufig nicht nur das Gesetz, sondern auch das jeweilige Amt darüber, wie schnell und unter welchen Bedingungen gebaut werden kann“, erklärt Klaus-Peter Stöppler. „Während in einer Kommune digitale Bauanträge längst Standard sind, werden anderswo noch Papierunterlagen in mehrfacher Ausfertigung verlangt. Selbst bei identischen Bauvorhaben unterscheiden sich Anforderungen, Bearbeitungszeiten und Auslegung der Vorschriften teilweise erheblich.“

Zwar gesteht ein knappes Drittel (32 Prozent) der Führungskräfte den Bauämtern zu, dass ein Teil der Probleme auch mit Personalmangel zu erklären ist. „Viele Ämter wirken wie verwaist“, stellt Klaus-Peter Stöppler immer wieder fest. Das liege allerdings nicht nur an knappen Personalkapazitäten, sondern auch am Home Office. „Für die Baubranche hat sich das amtliche Home Office als Bremsklotz erwiesen, weil man nicht nur im Amt vor Ort kaum noch jemanden antrifft, sondern auch telefonisch nicht mehr durchkommt, weil zu Hause natürlich niemand beruflich telefonieren will.“

Quelle: United Interim, die führende Online-Community für qualitätsgeprüfte Interim Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Reichweite erstreckt sich auf weit über 12.000 Führungskräfte auf Zeit in der DACH-Region. Klaus-Peter Stöppler zählt zu den renommiertesten Executive Interim Managern Deutschlands* mit über 35 Jahren Erfahrung in den Branchen Bauwirtschaft, Immobilien, Energie und Industrie. Er begleitet mittelständische Unternehmen als permanenter Beirat oder als Interim Manager auf Zeit. Seine Expertise umfasst Bauprojektmanagement, Unternehmensrettung und strategische Beratung. Direktkontakt: Klaus-Peter Stöppler, https://bau-interim.com

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Energy Sharing gestartet – aber Hindernisse bleiben

Energy Sharing gestartet – aber Hindernisse bleiben

Mit dem Start des Energy Sharing in Deutschland kommt die Energiewende bei der gemeinschaftlichen Nutzung von Solarstrom einen wichtigen Schritt voran. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW begrüßt die neue Möglichkeit, lokal erzeugten Strom gemeinsam zu nutzen. Gleichzeitig steht aber fest: Ohne eine schnelle europäische Lösung für Kundenanlagen, Mieterstrom und gemeinschaftliche Gebäudeversorgung droht die Energiewende im Mehrfamilienhaus ausgebremst zu werden.

Europa muss den Weg für Mieterstrom und Solarstrom im Mehrfamilienhaus freimachen

„Energy Sharing ist ein wichtiges Signal. Aber es löst nicht das zentrale Problem der Wohnungswirtschaft. Millionen Mieterinnen und Mieter können nur dann dauerhaft von günstigem Solarstrom profitieren, wenn Europa endlich einen rechtssicheren Rahmen für die dezentrale Energieversorgung in Mehrfamilienhäusern schafft“, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Der GdW hat hierzu einen konkreten Vorschlag für eine Anpassung der europäischen Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie erarbeitet und bereits auf nationaler sowie europäischer Ebene eingebracht. Ziel ist es, kleinere und wettbewerbsneutrale Energieanlagen von den umfangreichen regulatorischen Anforderungen für Verteilnetzbetreiber auszunehmen und damit eine rechtssichere Grundlage für Mieterstrom, gemeinschaftliche Gebäudeversorgung und andere dezentrale Versorgungsmodelle zu schaffen.

„Die Politik fordert zu Recht mehr Photovoltaik auf den Dächern. Die Europäische Gebäuderichtlinie wird den Ausbau weiter beschleunigen. Gleichzeitig darf der Betrieb dieser Anlagen nicht durch eine Regulierung erschwert werden, die ursprünglich für große Verteilnetze geschaffen wurde. Das ist weder verhältnismäßig noch energiewendepolitisch sinnvoll“, sagt Gedaschko.

Keine dauerhafte Perspektive für den weiteren Ausbau

Hintergrund sind Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs, die die bisherigen deutschen Regelungen zu Kundenanlagen grundlegend infrage gestellt haben. Zwar wurde für bestehende Anlagen eine Übergangsregelung geschaffen. Diese schafft jedoch keine dauerhafte Perspektive für den weiteren Ausbau dezentraler Energieversorgung.

Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf auf europäischer Ebene. Der GdW hat deshalb einen konkreten Vorschlag vorgelegt, wie die Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie angepasst werden kann, um Rechtssicherheit zu schaffen und gleichzeitig den Wettbewerb zu schützen. Kern des Vorschlags ist eine europäische Bagatellgrenze für kleinere, wettbewerbsneutrale Energieanlagen. Diese würden weiterhin unbürokratisch betrieben werden können, ohne den regulatorischen Anforderungen eines Verteilnetzbetreibers zu unterliegen.

„Die Energiewende entscheidet sich nicht nur auf Freiflächen oder bei Großprojekten, sondern auch in Millionen Wohnungen. Wer mehr Solarstrom auf den Dächern will, muss auch ermöglichen, dass dieser Strom einfach, rechtssicher und bürokratiearm vor Ort genutzt werden kann. Mit unserem Vorschlag liegt dafür jetzt eine konkrete europäische Lösung auf dem Tisch“, sagt Gedaschko.

Der GdW fordert Bundesregierung, Europäische Kommission und Europäisches Parlament auf, die notwendige Anpassung der Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie zügig auf den Weg zu bringen. Energy Sharing darf nicht der letzte Schritt für die dezentrale Energiewende sein, sondern muss der Auftakt für eine umfassende Stärkung von Mieterstrom und gemeinschaftlicher Energieversorgung werden.

Andreas Schichel, GdW


Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

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Rathaus Geisweid: Energetische Sanierung erfolgreich abgeschlossen

Durch die energetische Sanierung von mehr als 500 Fenstern am Rathaus Geisweid kann die Stadt Siegen künftig Heizkosten sparen und die CO₂-Emissionen deutlich reduzieren. Bilder: Service Friends

Die energetische Sanierung des Rathaus Geisweid der Stadt Siegen ist erfolgreich abgeschlossen. Mehr als 500 Fenster des denkmalgeschützten Verwaltungsgebäudes sind nun auf dem neusten energetischen Stand und voll funktionstüchtig.

Neue Fensterdichtungen, moderne Schließstücke sowie eine Verdreifachung der Schließpunkte von vier auf zwölf verbessern die Dichtheit, Funktionalität und Energieeffizienz der Bestandsfenster deutlich – bei gleichzeitigem Erhalt der historischen Substanz.

Weniger Heizkosten, weniger CO2

Mit der Maßnahme verfolgt die Stadt Siegen mehrere Ziele: Der Wärmeverlust über die Gebäudehülle wird reduziert, wodurch Heizkosten und CO₂-Emissionen künftig spürbar sinken. Gleichzeitig verbessern sich Funktionalität und Raumklima im Gebäude: Zugluft wird vermieden, alle Fenster lassen sich wieder zuverlässig öffnen und schließen, und die Behaglichkeit in den Räumen nimmt spürbar zu. Insgesamt umfasst die Sanierung eine Glasfläche von rund 1.200 Quadratmetern – etwa so viel wie fünf Tennisplätze.

Die Arbeiten erfolgten in drei Bauphasen. Der erste Abschnitt begann im Herbst 2024, die letzten Maßnahmen wurden Ende April 2026 abgeschlossen. Damit konnte das Sanierungsprojekt trotz des laufenden Verwaltungsbetriebs planmäßig umgesetzt werden.

Eine besondere Herausforderung stellte der Denkmalschutz dar: Die originalen Holzfenster des 1970 errichteten Bürgerhauses mussten vollständig erhalten bleiben, sollten jedoch wieder in einen einwandfreien Zustand gebracht werden. Statt eines Komplettaustauschs wurden die Bestandsfenster daher gezielt instandgesetzt und modernisiert – ein ressourcenschonender und wirtschaftlicher Ansatz.

Tristan Vitt. Foto: Fionn Große

Dazu Tristan Vitt, Bürgermeister der Stadt Siegen: „Mit der erfolgreichen energetischen Sanierung des Rathaus Geisweid zeigen wir, dass Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Denkmalschutz sehr gut zusammenpassen. Durch die Modernisierung von mehr als 500 Fenstern senken wir künftig spürbar den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen.“

„Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Denkmalpflege und Energieeffizienz versöhnen lassen. Durch die erfolgreiche Sanierung kann die Stadt Siegen ihre CO₂-Emissionen und Heizkosten nachhaltig senken und zugleich den Werterhalt und die historische Substanz des Gebäudes sichern“, sagt Dr. Christian Faden, Geschäftsführer der Service Friends.

Deutlich messbare Erfolge

Auch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Wirksamkeit solcher Maßnahmen: Eine Studie des Instituts für thermische und akustische Bauphysik an der Hochschule für Technik Stuttgart unter Leitung von Professor Dr.-Ing. Andreas Beck zeigt, dass sich die Luftdurchlässigkeit älterer Holzfenster durch den Austausch von Dichtungen und die Instandsetzung der Beschläge um den Faktor 15 reduzieren lässt.

Gleichzeitig verbessern sich die Fenster von der niedrigsten Dichtigkeitsklasse auf den heutigen technischen Standard. Laut der Untersuchung können dadurch Heizkosten um bis zu 15 Prozent gesenkt werden – pro Fenster entspricht dies einer jährlichen Einsparung von rund 300 Kilowattstunden Heizenergie.

Elif Tuç

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Bau-Qualität ist wichtig, denn erste Monate nach Übergabe entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg

Bau-Qualität ist wichtig: erste Monate nach Übergabe entscheidend
Alles schön sauber, noch. Nach dem ersten Starkregen sieht anders aus. Regenwasser sickert ungehindert in die zwischen Dämmung und Hauswand. Foto Wohnungswirtschaft architektur. Gerd Warda

In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Gewerbe- und Wohnimmobilien fertiggestellt und in den Bestand überführt – ein Resultat davon, dass in der Zeit des Immobilienbooms viele Projektentwicklungen angekauft wurden. Neubauimmobilien versprechen Technik und Design auf der Höhe der Zeit, keine Abnutzung und attraktive Mieten.

Doch die Realität sieht oft anders aus: Während Mieter bereits einziehen und Erträge fließen sollen, laufen Mängelbeseitigung, Gewährleistungsdurchsetzung und technische Nachjustierungen parallel. Es drohen Performanceverluste, Reputationsschäden und unzufriedene Mieter. Die Praxis zeigt, dass die ersten Monate nach der Übergabe entscheidend sind für den wirtschaftlichen Erfolg eines Neubaus.

Auf Einladung von RUECKERCONSULT tauschten sich Berkan Gülen, Head of Asset Management bei Savills Investment Management, Markus Grabau, Leitung Technisches Property Management bei B&L Property Management, Jürgen Hau, Geschäftsführer der INDUSTRIA Immobilien, sowie Sascha Nöske, CEO von STRATEGIS, über typische Problemfelder, operative Herausforderungen und Lösungsansätze aus.

Nicht mehr Baumängel, aber höherer Zeitdruck bei steigender Komplexität

Entgegen der verbreiteten Wahrnehmung sehen die Diskussionsteilnehmer bei ihrer Arbeit keinen generellen Anstieg von Baumängeln. Vielmehr habe sich die Art der Herausforderungen verändert. „Durch die zunehmende Komplexität und Vernetzung der technischen Systeme dauert es heute deutlich länger, bis Gebäude stabil laufen“, erklärte Berkan Gülen. Gerade die technische Gebäudeausrüstung, aber auch fehlende Dokumentationen oder unvollständige Unterlagen können die Inbetriebnahme erschweren.

Markus Grabau sieht vor allem den Zeitdruck als Problem: „Um schneller Mieteinnahmen generieren zu können, ist der Zeitraum, der für die Mängelbeseitigung zur Verfügung steht, deutlich kürzer geworden. Dadurch gehen Objekte häufiger mit offenen Punkten in den Betrieb als früher.“

Für die Wohnungsmieter führte Sascha Nöske aus: „Die ersten Mängelmeldungen gehen in den ersten Wochen nach Erstbezug ein. Dann müssen wir einordnen, ob es sich um einen Gewährleistungsmangel, ein Abnahmemangel oder einen Versicherungsfall handelt. Wir müssen das vorsortieren, sonst laufen wir Gefahr, dass wir den Bauherren oder das Architekturbüro überbeanspruchen.“

Jürgen Hau ergänzt: „Um das Mängelmanagement zu beschleunigen und die Mieterzufriedenheit zu erhöhen, haben wir in einem Pilotprojekt mit einem bundesweit tätigen Partner einen Rahmenvertrag geschlossen, um kleinere bautechnische Mängel sofort zu beheben und später mit dem Generalunternehmen abzuwickeln.“

Inbetriebnahme als eigenständige Projektphase

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion: Die Inbetriebnahme eines Gebäudes sollte als eigenständige, komplexe Projektphase verstanden werden. „Wir unterscheiden zwischen technischer, kaufmännischer und organisatorischer Inbetriebnahme“, sagte Berkan Gülen.

„Häufige Fehlerquellen auf technischer Seite sind, dass Verbrauchszähler fehlen oder Anlagen mangelhaft geprüft sind. In kaufmännischer Hinsicht ist die Übergabe von Verträgen und Bürgschaften ein Knackpunkt. Oftmals ist kein Gewährleistungsmanagement beauftragt und wir müssen sicherstellen, dass Versicherungen möglichst zu Betriebsbeginn laufen.

Im Hinblick auf die organisatorische Inbetriebnahme ist es wichtig, Zuständigkeiten und Schnittstellen zu klären, Eskalationspfade und Kommunikationswege mit den Mietern zu definieren und klar zu regeln, wie der Prozess der Mangelbeseitigung von der Mangelmeldung über die Behebung bis hin zur Freimeldung gestaltet werden soll. Im Übrigen können durch Vorabnahmen und regelmäßige Begehungen während der Bauphase viele Probleme vermieden werden.“

Markus Grabau betont: „Mit der Übergabe an das Property-Management übernehmen wir auch die Betreiberverantwortung. Sollten sicherheitsrelevante Mängel auftreten, führt das oft zur Verweigerung der Abnahme. Und wenn vertraglich fixierte Einzugstermine nicht gehalten werden können, entstehen gerade bei Gewerbemietern hohe Kosten. Weniger problematisch sind dagegen optische Mängel, die man im laufenden Betrieb nacharbeiten kann.“

Frühe Einbindung von Property- und Facility-Managern als Erfolgsfaktor

Ein wesentliches strukturelles Defizit liegt laut den Panelisten in fehlenden standardisierten Verantwortlichkeiten der beteiligten Akteure. Zwar funktioniere die Zusammenarbeit in der Praxis meist, dennoch kann es zu Reibungsverlusten kommen. Klare Zuständigkeiten und definierte Prozesse könnten Effizienz und Qualität deutlich steigern.

Ein wiederkehrendes Thema im Panel war die zu späte Einbindung von Property- und Facility-Managern. Diese führe häufig zu vermeidbaren Problemen im Betrieb. Eine frühe Integration dagegen ermögliche eine realistische Budgetplanung, belastbare Betriebskostenkalkulationen und eine bessere Abstimmung technischer Anforderungen.

„Der ideale Zeitpunkt, einen Property-Manager anzubinden, ist bereits zum Spatenstich“, sagte Sascha Nöske. „Gute Vorbereitung ist alles, auch wenn es um die Berechnung der Betriebskosten geht. Die Nebenkostenkalkulation muss nicht nur im ersten Monat plausibel sein, sondern auch im zwölften Monat noch aufgehen. Das funktioniert nur, wenn man das Objekt schon gut kennt.“

Berkan Gülen bestätigte aus der Perspektive des Asset-Managers: „Wir binden die Property-Manager rechtzeitig ein, auch damit wir realistische Objektbudgets bekommen und die Inbetriebnahme reibungslos laufen kann. Abweichungen von der Kalkulation müssen wir früh identifizieren, um dagegen steuern zu können.“

Markus Grabau merkte an: „In der Praxis werden wir als Property-Manager manchmal erst wenige Monate vor Fertigstellung eingebunden – das ist deutlich zu spät. Auch der Facility-Manager könnte viele Probleme im technischen Bereich abpuffern, wenn er früher eingebunden wäre, möglichst schon etwa drei Monate vor Fertigstellung.“

Jürgen Hau betonte: „Wichtig ist, darauf zu achten, rechtzeitig die nötigen Daten und Dokumente vorliegen zu haben. Das gilt vor allem für Wartungsverträge, die umlagefähig sind.“

Mieter im Mittelpunkt der ersten Betriebsphase

Die ersten Monate nach Fertigstellung sind besonders sensibel, auch aus Mietersicht. Mängel, technische Probleme oder organisatorische Defizite wirken sich direkt auf Zufriedenheit und Cashflows aus.

„Der Mieter erwartet eine funktionierende Immobilie, unabhängig davon, ob es sich um einen Gewährleistungsfall handelt oder nicht“, so Jürgen Hau. Verzögerungen könnten schnell zu Mietminderungen und Reputationsschäden führen. „Auch Bauzeitenverzögerungen bedeuten eine besondere Herausforderung. Sie können verhindern, übergreifende Abnahmen durchzuführen, bestenfalls Teilabnahmen. Die Folge: Der festgelegte Einzugstermin kann nicht gehalten werden – mit allen Folgen, die dazugehören: Ersatzunterbringung, die man dann kurzfristig organisieren muss, Umzugsgut, das eingelagert werden muss.“

Gerade bei großen Wohnprojekten mit vielen gleichzeitigen Einzügen sei zudem ein strukturiertes Onboarding entscheidend. „Hundert oder zweihundert Wohnungen gleichzeitig zu übergeben, ist ein logistisches Großprojekt“, erklärte Sascha Nöske. „Ohne klare Prozesse entsteht schnell Chaos. Gerade Zufahrtswege sind ein Flaschenhals. Daher arbeiten wir mit festen Einzugsterminen inklusive Zeitslots. Auch die Gebäudetechnik müssen wir einerseits den Mietern erklären, andererseits dafür Sorge tragen, dass sie auch einsatzbereit ist und die Verbrauchsdaten ablesbar sind.“

Die Diskussion machte deutlich: Frühzeitige Einbindung der relevanten Dienstleister, strukturierte Prozesse und klare Verantwortlichkeiten sind zentrale Hebel, um Reibungsverluste zu minimieren und die geplanten Zielwerte bei Mieteinnahmen, Betriebskosten und Energieverbräuchen zu erreichen.

Dr. Kathrin Dräger

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Wenn Bauprojekte scheitern: vom Planungsfehler zum Millionenschaden

Bauprojekte scheitern: vom Planungsfehler zum Millionenschaden
Melanie Waldmann, Geschäftsführerin der mayer bährle GmbH: „Oft ist nicht ein einzelner zentraler Fehler ausschlaggebend für das Scheitern von Projekten, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren“. Foto: mayer bährle

Zu Beginn eines neuen Bauprojekts scheint alles nach Plan zu laufen: reibungslose Abstimmungen zwischen den Gewerken, strukturierte Abläufe und erste Maßnahmen, die einen kontinuierlichen Fortschritt erwarten lassen. Doch in manchen Fällen kehrt sich diese anfängliche Zuversicht ins Gegenteil um. Prozesse geraten ins Stocken, Meilensteine werden verfehlt, Kosten steigen – und das Risiko eines kollektiven Scheiterns nimmt deutlich zu.

„Oft ist nicht ein einzelner zentraler Fehler ausschlaggebend für das Scheitern von Projekten, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren“, erklärt Melanie Waldmann, Geschäftsführerin der mayer bährle GmbH, und ergänzt: „Eine unzureichende Projektplanung, unklare Zieldefinitionen, Kommunikations- und Abstimmungsschwierigkeiten sowie eine fehlerhafte Ressourcenplanung zählen zu den häufigsten Ursachen.“

Sie gibt einen Überblick über die Gründe für das Scheitern von Bauprojekten und zeigt auf, wie ein effizientes Projektmanagement das Risiko schwerwiegender Fehler deutlich reduzieren kann.

Mangelnde Vorbereitungszeit führt zur Verkettung von Fehlern

Eines der häufigsten Probleme beim Scheitern eines Bauprojekts ist eine unzureichende Projektvorbereitung. Diese Phase ist durch Analysen, Ideen und Diskussionen geprägt und wird von manchen Führungskräften, da sie oft ohne direkte Umsetzung bleibt, als unproduktiv wahrgenommen.

Ein häufiger Fehler besteht darin, die Vorbereitungszeit stark zu verkürzen, um möglichst schnell ins Handeln zu kommen“, erklärt Waldmann. „Dabei werden bereits in der Entwurfsplanung bis zu 80 Prozent der später anfallenden Kosten festgelegt – umso wichtiger ist es, dieser Phase ausreichend Zeit und Sorgfalt zu widmen.“

Eine typische Folge zu kurzer Planungsphasen ist eine unvollständige und unrealistische Projektplanung. Kosten- und Zeitrahmen werden häufig falsch eingeschätzt, sodass notwendige Anpassungen während der Bauphase zu Mehrkosten und Verzögerungen führen. Nur durch eine präzise Planung dieser Faktoren wird ein reibungsloser und erfolgreicher Projektverlauf möglich.

Ein Projekt gilt in bestimmten Fällen bereits bei erheblichen zeitlichen Verzögerungen als gescheitert. Solch ein Terminverzug kann weitreichende Konsequenzen haben: Aus wirtschaftlicher Sicht entstehen finanzielle Verluste in Millionen- oder sogar Milliardenhöhe. Geraten dringend benötigte Infrastrukturprojekte – etwa im Schul- oder Verkehrsbereich – ins Stocken, leidet auch die öffentliche Wahrnehmung des Auftraggebers, etwa der Stadt, erheblich.

Darüber hinaus können rechtliche Folgen entstehen, beispielsweise in Form von Schadensersatzforderungen, wenn Fristen oder vertragliche Vereinbarungen nicht eingehalten werden.

Wie Projektmanager Abhilfe schaffen

Wie lässt sich das Risiko eines Projektscheiterns reduzieren? Eine zentrale Maßnahme ist die Einbindung eines professionellen Projektmanagements. „Zum Beispiel unterstützen wir Bauherren dabei, Struktur, Klarheit und Steuerung in einen oft komplexen Prozess zu bringen“, so Waldmann.

Ein strukturiertes Projektmanagement hilft unter anderem dabei, eine klare Zieldefinition festzulegen. Grundlage hierfür ist eine fundierte Bedarfsanalyse, in der tatsächliche Raumbedarfe, technische Anforderungen sowie funktionale Bedürfnisse präzise erfasst werden.

Ergänzend ermöglicht eine belastbare Wirtschaftlichkeitsprüfung eine frühzeitige Bewertung der finanziellen Tragfähigkeit geplanter Maßnahmen sowie eine realistische Einschätzung der zu erwartenden Kosten-Nutzen-Relationen. Zudem sorgen klare Vorgaben und verbindliche Absprachen für eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit im Team und zwischen Gewerken.

Durch regelmäßige Abstimmungen können Probleme frühzeitig erkannt und gezielt adressiert werden. Außerdem verfügen Projektmanager über weitreichende Befugnisse und können bestimmte Entscheidungen eigenständig treffen, ohne jeden Schritt mit dem Bauherrn abzustimmen.

Sie sind vor allem für unmittelbare Entscheidungen auf der Baustelle oder in Besprechungen wichtig, wobei der Auftraggeber weiterhin in zentrale Entscheidungen eingebunden bleibt und so entlastet wird. Auf diese Weise trägt professionelles Projektmanagement entscheidend dazu bei, Risiken zu reduzieren, Abläufe effizient zu gestalten und die Erfolgschancen eines Projekts deutlich zu erhöhen.

Weitere Informationen unter www.mayer-baehrle.com

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