Herausforderungen: Viele Liegenschaften, viele Systeme
Im Pitch wird wibutler klar als Antwort auf ein strukturelles Problem positioniert:
In vielen Beständen existieren zahlreiche Einzellösungen – für Heizung, Trinkwasser, Lüftung, Stromzähler oder Submetering.
Betreiber müssen ganze Liegenschaften im Blick behalten, nicht nur einzelne Gebäude: Gebäudestruktur, Technikzustände und Fehlermeldungen verteilen sich oft auf verschiedene Portale und Systeme.
Zugriffsrechte für interne Teams und externe Dienstleister sind nicht immer klar geregelt; Störungen werden teils spät erkannt.
Gerade bei großen Portfolios mit vielen ähnlichen Anlagen wird damit nicht die Technik selbst, sondern deren Steuerung und Organisation zum Engpass.
Ansatz: Professional Smart Building Cockpit und bedarfsgeführte Heizungsregelung
Der Pitch stellt zwei Schwerpunkte heraus:
Zentrales Cockpit für Liegenschaften
Das Professional Smart Building Cockpit bündelt Gebäudestruktur, Technikstatus und Meldungen für ganze Liegenschaften in einer Oberfläche.
Nutzerrollen und Partnerzugriffe (etwa für Serviceunternehmen) lassen sich gezielt steuern; Fehlermeldungen können automatisiert weitergegeben werden, z. B. an externe Heizungsbetriebe.
Automatisches Monitoring und Schwellwertmeldungen sollen Ausfälle früh erkennen – mit dem Ziel, „früh zu reagieren statt spät zu reparieren“.
Bedarfsgeführte Heizungsregelung
Herzstück der Nachhaltigkeitsargumentation ist eine intelligente Heizungsregelung, die die Vorlauftemperatur am Bedarf des Gebäudes ausrichtet – nicht nur an der Außentemperatur oder starren Zeitprogrammen.
Genannt werden 30–35 % Energieeinsparung ohne bauliche Maßnahmen, gestützt u. a. auf rund 6 % Effizienzgewinn pro Grad weniger Vorlauftemperatur.
Aus den Unterlagen: Weniger CO₂ direkt im Betrieb, ohne Eingriffe in die Gebäudehülle – mit dem Ziel, Bestände schneller und günstiger klimafit zu machen.
Die Aussagen werden im Pitch durch Referenzprojekte unterfüttert, etwa eine Grundschule (einfache, effiziente Temperaturregelung) und ein Projekt mit der GSW Sigmaringen, in dem eine KI-gestützte Heizungssteuerung zum Einsatz kommt.
Bereits heute werden mit Partnern wie Viessmann, QUNDIS, Kemper, Eltako, Oventrop und Kampmann die Bereiche Heizung, Smartmetering, Trinkwasserhygiene, elektrische Komponenten der Heizungsregelung und Lüftungsanlagen vernetzt.
Eine Folie „Heute schon möglich“ zeigt exemplarisch: – Viessmann: Wärmeverteilung – QUNDIS: Heizkostenverteiler, Wärme- und Wasserzähler – Kemper: Frischwasserstation, Warmwasserzirkulation, Kaltwasserversorgung, Regulierventil – Eltako: Stromzähler – Oventrop: Einzelraumregelung, Stationstechnik – Kampmann: Lüftungsanlagen, Fan-Coils.
Die Vision geht darüber hinaus: digitale Zusatzdienste wie Abrechnung oder Wartungsplanung, herstellerübergreifendes Predictive Maintenance und ein vollständig digitales Gebäudemanagement werden als nächste Ausbaustufen genannt.
Einordnung für die Wohnungswirtschaft
Für Bestandshalter:innen ist wibutler vor allem in drei Rollen interessant:
Als Steuer- und Monitoring-Ebene Das Cockpit verspricht, die Vielzahl technischer Systeme in Liegenschaften in einer Oberfläche zu bündeln und Zugriffe zu ordnen – inklusive Schnittstelle zu externen Dienstleistern.
Als Effizienzhebel im Bestand Die bedarfsgeführte Heizungsregelung setzt dort an, wo kurzfristig Wirkung möglich ist: an der Vorlauftemperatur. Wie hoch Einsparungen im eigenen Portfolio tatsächlich ausfallen, hängt von Ausgangszustand, Anlagentypen und Umsetzung ab.
Als Plattform für weitere Dienste Mit wachsendem Partnernetzwerk und geplanten Zusatzdiensten (z. B. Wartungsplanung, digitale Services) könnte wibutler mittelfristig zu einer zentralen Daten- und Serviceebene im technischen Gebäudemanagement werden.
Gleichzeitig bleiben Fragen zu Integration in bestehende ERP-, GLT- und Abrechnungssysteme, zu Datenhoheit und zu Verantwortlichkeiten bei automatisierten Regelentscheidungen, die jeweils projektspezifisch geklärt werden müssen.
Was jetzt zu tun ist
Systemlandschaft sichten: Welche Gebäude und Quartiere verfügen bereits über digital angebundene Heiztechnik, Submetering, Trinkwasser- oder Lüftungsanlagen – und in welchen Systemen laufen diese Daten heute?
Pilotobjekte auswählen: Ein oder zwei repräsentative Liegenschaften definieren, in denen wibutler als Cockpit und Heizungsregelung getestet werden kann – idealerweise mit vorhandener Partnertechnik (z. B. Viessmann, QUNDIS, Kemper).
Schnittstellen klären: Wie werden Meldungen, Messwerte und Nutzerrollen zwischen wibutler, bestehender GLT, ERP und Dienstleistern verteilt?
Erfolg messen: Vorher-/Nachher-Vergleiche bei Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Anzahl/ Dauer von Störungen sowie Aufwand im technischen Management definieren und systematisch auswerten.
So lässt sich einordnen, welchen Beitrag eine Plattform wie wibutler im eigenen Portfolio tatsächlich zu Effizienz, Dekarbonisierung und Prozessvereinfachung leisten kann.
Das Wichtigste auf einen Blick
wibutler beschreibt sich als Plattform für digitale Gebäudetechnik, mit dem Ziel, den Betrieb von Mehrfamilienhäusern, Quartieren, Gewerbeimmobilien und kommunalen Einrichtungen effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher zu machen.
Kernprodukt ist das Professional Smart Building Cockpit, in dem Gebäudestruktur, Technikstatus und Fehlermeldungen zentral visualisiert werden; Nutzerrollen und Partnerzugriffe lassen sich dort steuern, Monitoring und Schwellwertmeldungen sollen Ausfälle frühzeitig verhindern.
Im Pitch werden 30–35 % Energieeinsparung durch eine bedarfsgeführte Heizungsregelung genannt – ohne bauliche Maßnahmen, basierend u. a. auf rund 6 % Effizienzgewinn pro 1 °C niedrigerer Vorlauftemperatur.
Die Plattform setzt auf eine standardisierte Architektur und vorhandene Sensorik im Gebäude; laut Vortrag kann Gebäudeautomation so „bis zu 75 % günstiger“ umgesetzt werden als mit klassischer Gebäudeleittechnik.
Über Partner wie Viessmann, QUNDIS, Kemper, Eltako, Oventrop und Kampmann werden bereits heute Bereiche wie Wärmeverteilung, Smartmetering, Trinkwasserhygiene, elektrische Heizungsregelung und Lüftungsanlagen auf einer Plattform verbunden.
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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe Startups 2025 Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert
IT Container Eco Fix von Prior1 (Bildrechte: Prior1)
Von Tobias von der Heydt, Geschäftsführer bei Prior1
Stahl und Beton prägen seit Jahrzehnten die Bauweise von Rechenzentren – doch Holz etabliert sich zunehmend als nachhaltige Alternative. Was zunächst nach einem Widerspruch klingt – Hightech in Holz verpackt – entwickelt sich zu einem ernstzunehmenden Trend in der Branche. Doch handelt es sich dabei um ein zukunftsweisendes Modell oder einen ökologischen Irrweg mit mehr Risiken als Nutzen?
Der Markt für „Green Data Center“ wächst weltweit rasant. Für Deutschland prognostiziert die Credence Research Studie ein Wachstum des Marktvolumens von rund 2,88 Milliarden USD im Jahr 2024 auf etwa 12,02 Milliarden USD bis 2032 – das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 19,55 %. (1) Auf europäischer Ebene zeigt sich ein ähnlicher Trend: Laut ResearchAndMarkets wird der Markt für nachhaltige Rechenzentren von 8,88 Milliarden USD (2023) auf 16,89 Milliarden USD (2029) anwachsen. (2)
Diese Entwicklung wird von mehreren Faktoren getrieben: Strengere Umweltauflagen wie das deutsche Energieeffizienzgesetz (EnEfG), steigende Energiekosten und der zunehmende Bedarf an skalierbaren, nachhaltigen Lösungen für eine immer digitalere Welt. Unternehmen suchen nach Wegen, ihre IT-Infrastruktur umweltfreundlicher zu gestalten – und hier kommt Holz als Baustoff ins Spiel.
Brettsperrholz als Game-Changer für IT-Infrastruktur
X-LAM, auch bekannt als Brettsperrholz (BSP) oder international als Cross-Laminated Timber (CLT) ist der Schlüssel zur Holzbauweise moderner Rechenzentren. Dieser Baustoff besteht aus kreuzweise verleimten Holzlagen und bietet eine beeindruckende Kombination aus Stabilität, Brandschutz und nachhaltigen Eigenschaften.
Das Interesse großer Technologieunternehmen unterstreicht die Relevanz des Trends: Microsoft setzt beim Bau neuer Rechenzentren in Virginia auf Brettsperrholz, um die CO₂-Emissionen um 35 % gegenüber der konventionellen Stahlkonstruktion und sogar 65 % gegenüber der Betonfertigteilkonstruktion zu senken. (3) Auch EcoDataCenter in Schweden investiert in diese nachhaltige Bauweise (4), genauso wie Celeste. Das Unternehmen betreibt in Champs-sur-Marne bei Paris ein fünfstöckiges Rechenzentrum, das mit einer tragenden Holzkonstruktion errichtet wurde. Es gilt als Vorzeigeprojekt für ökologisch orientierte IT-Infrastruktur in Frankreich. (5)
CO₂-Bilanz: Der ökologische Fußabdruck im Vergleich
Bei IT-Infrastrukturen entsteht ein erheblicher Teil der CO₂-Emissionen bereits vor der Inbetriebnahme – durch die Herstellung und den Bau der Gebäude selbst. Holz als Baustoff verbessert diese Umweltbilanz grundlegend.
Die Daten zur CO₂-Einsparung sind beeindruckend: Jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet etwa eine Tonne Kohlenstoff und spart zusätzlich rund 600 kg CO₂ ein, die bei der Herstellung von Beton (insbesondere Zement) entstehen würden. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, weisen Holzbauten laut einer Studie nur etwa 57 % des Treibhauspotenzials von vergleichbaren Stahlbetonbauten auf (6).
Die Vorteile von X-LAM Brettsperrholz gehen über die reine CO₂-Speicherung hinaus:
Reduzierte „graue Energie“: Der Energieverbrauch bei der Holzbauweise ist etwa achtmal niedriger als bei Beton.
Natürliche Wärmedämmung: Mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,13 W/mK (verglichen mit 2,1 W/mK bei Beton) reduziert oder vermeidet Holz den Bedarf zusätzlicher Dämmung.
Kreislauffähigkeit: Am Ende der Lebensdauer kann Brettsperrholz recycelt oder energetisch verwertet werden.
Technische Herausforderungen: Brandschutz und Sicherheit
Beim Thema Holz-Rechenzentren denken viele IT-Verantwortliche zuerst an eine zentrale Herausforderung: den Brandschutz. Überraschenderweise bietet modernes Brettsperrholz hier Eigenschaften, die denen konventioneller Baustoffe in nichts nachstehen – teilweise sogar überlegen sind.
„Holz verhält sich im Brandfall gutmütig und vorhersehbar“, erläutert proHolz in einer Dokumentation zur Brandschutzeigenschaft von Holz. (7) Bei einem Brand bildet sich an der Oberfläche eine Schicht aus Holzkohle, die den inneren Kern schützt. Die Abbrandrate ist mit etwa 0,7 mm pro Minute sehr gut kalkulierbar, was bei der Brandschutzplanung einen entscheidenden Vorteil darstellt.
Moderne Brettsperrholzelemente erreichen problemlos die Feuerwiderstandsklasse F120 (120 Minuten Feuerwiderstand). Damit werden die Anforderungen der Norm EN 50600 für Rechenzentren auf nachhaltige Weise übertroffen und sogar Nachteile von Stahlbeton, wie das Austreten von Feuchtigkeit im Brandfall vermieden.
Auch die Anforderungen an den Einbruchschutz sind erfüllbar: Durch massive Holzstrukturen (≥ 140 mm Dicke) und die Integration von Alarmanlagen erfüllen Brettsperrholzmodule die Anforderungen zum Einbruchsschutz, wie sie für Rechenzentren üblich sind.
Ein Blick in den IT Container Eco Fix von Prior1 (Bildrechte: Prior1)
Der IT Container Eco Fix: Holzmodule in der Praxis
Ein konkretes Beispiel für die Umsetzung des Holzbau-Konzepts in der Rechenzentrumsbranche ist der „IT Container Eco Fix“ von Prior1 – ein innovatives Rechenzentrumsmodul in Holzbauweise. Dieser IT-Container vereint modernste Rechenzentrumsanforderungen mit konsequenter Nachhaltigkeit und basiert auf X-LAM Brettsperrholz-Technologie.
Das modulare Konzept bietet Platz für vier vollwertige 19″-Server-Racks, deren Gesamtkapazität der von fünf herkömmlichen 42-HE-Racks entspricht. Die vorgefertigten Module werden schlüsselfertig mit integrierter Klimatisierung, Stromversorgung und Sicherheitstechnik geliefert.
Bemerkenswert ist die Energieeffizienz: Dank der natürlichen Wärmedämmung des Holzes und einer hocheffizienten redundanten Kühlung mit natürlichen Kältemitteln erreicht das System einen sehr niedrigen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness). Bei niedrigen Außentemperaturen übernimmt eine indirekte Freikühlung die Klimatisierung vollständig, d.h. ganz ohne Betrieb der Kältemaschinen. Das senkt die Betriebskosten deutlich.
Wirtschaftliche Vorteile: Bauzeit und Betriebskosten
Neben den ökologischen Aspekten überzeugen Holz-Rechenzentren auch wirtschaftlich. Die Bauzeit liegt typischerweise zwischen vier und neun Monaten – deutlich kürzer als die 15 bis 24 Monate, die bei traditionellen Massivbauten aus Beton oder Stahl üblich sind. Prior1 installiert seinen IT Container Eco Fix sogar in wenigen Tagen.
Eine wirtschaftliche Gesamtbetrachtung (TCO) zeigt: Zwar ist die Anfangsinvestition bei Holzmodulen höher, doch die geringeren Betriebskosten sorgen für klare Vorteile. Prior1 etwa kann seinen ECO Fix mit nur rund +10 % gegenüber klassischen Containerlösungen anbieten, Kosten, die durch die laufenden Einsparungen schnell wieder ausgeglichen werden – ein deutliches Signal, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind. (8)
Regulatorischer Druck als Treiber für Holzarchitektur
Der Blick auf die wirtschaftlichen Vorteile von Holz-Rechenzentren gewinnt angesichts der aktuellen regulatorischen Entwicklungen zusätzlich an Relevanz. Das seit November 2023 geltende deutsche Energieeffizienzgesetz (EnEfG) stellt Rechenzentren vor verpflichtende Herausforderungen: In den kommenden Jahren müssen viele RZ-Betreiber ein Energie- oder Umweltmanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 etablieren oder zertifizieren lassen.
Der Gesetzgeber führt dabei stufenweise immer anspruchsvollere Anforderungen ein:
Ab Juli 2026 müssen neue Rechenzentren einen PUE ≤ 1,2 und einen Energy Reuse Factor (ERF) ≥ 10 % erreichen
Ab 2027 ist die Stromversorgung zu 100 % aus erneuerbaren Quellen obligatorisch
Bis 2030 gilt selbst für Bestandsanlagen ein PUE-Grenzwert von ≤ 1,3
Holz-Rechenzentren bringen bauartbedingt klare Vorteile mit: Dank ihrer exzellenten Wärmedämmung und der energieeffizienten Materialeigenschaften erfüllen sie nicht nur aktuelle Normen, sondern übertreffen diese teils deutlich – insbesondere bei Energieeffizienz und CO₂-Bilanz. Das verschafft Betreibern einen strategischen Vorsprung bei künftigen regulatorischen Vorgaben, etwa der verpflichtenden CO₂-Bilanzierung von Neubauten ab 1.000 m² Nutzfläche ab 2028 bzw. für alle Neubauten ab 2030. (9)
Wie Holz die IT-Welt von morgen gestaltet
Die Entwicklung holzbasierter Rechenzentrumskonzepte befindet sich erst am Anfang einer vielversprechenden Innovationskurve. Mit jeder technischen Weiterentwicklung werden die Vorteile dieser Bauweise deutlicher und die Anwendungsmöglichkeiten vielfältiger. Aktuelle Forschungsprojekte vereinen dabei Hightech-Lösungen mit den natürlichen Eigenschaften des Werkstoffs Holz:
KI-gestützte Planung: Mittels digitaler Zwillinge und Building Information Modeling (BIM) lassen sich Brettsperrholzelemente millimetergenau vorfertigen. Kabelkanäle, Durchbrüche und technische Installationen werden bereits in der Planungsphase optimal integriert, was Bauzeiten verkürzt und Nachbesserungen minimiert.
KI-basierte Brandfrüherkennung: Die neueste Generation von Sicherheitssystemen kombiniert thermische Sensoren mit Machine-Learning-Algorithmen, die selbst kleinste Temperaturanomalien frühzeitig erkennen. Diese präventive Technologie erkennt potenzielle Risiken lange bevor eine reale Gefahr entsteht – ein entscheidender Vorteil für die Sicherheit sensibler IT-Infrastruktur.
Cradle-to-Cradle-Design: Die Kreislauffähigkeit der Materialien rückt in den Fokus moderner Rechenzentrumsplanung. CLT-Elemente werden so konzipiert, dass sie nach dem Ende der Nutzungsdauer vollständig recycelt oder direkt in neuen Projekten wiederverwendet werden können. Diese Entwurfsphilosophie vermeidet Abfall und maximiert den Ressourcenkreislauf. Der IT Container Eco Fix verkörpert diese zukunftsweisende Designphilosophie durch seine Kreislauffähigkeit. Die verwendeten CLT-Elemente sind so konzipiert, dass sie nach dem Ende der Nutzungsdauer entweder recycelt oder direkt in neuen Projekten wiederverwendet werden können. Das Nachhaltigkeitskonzept des Herstellers sieht sogar eine Rücknahmemöglichkeit vor, wodurch die Holzelemente nach Ablauf der Gebäudelebensdauer wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden – ein konsequenter Schritt zur Schließung von Ressourcenkreisläufen.
Diese Innovationen markieren erst den Anfang einer Entwicklung, die das Potenzial hat, den gesamten Rechenzentrumsmarkt zu transformieren: von energiehungrigen Technologiekathedralen zum nachhaltigen Rückgrat einer modernen digitalen Gesellschaft.
Fazit: Mehr als ein kurzlebiger Trend
Rechenzentren aus Holz stellen keinen kurzlebigen Öko-Trend dar, sondern eine ernstzunehmende Innovation mit vielversprechender Zukunft. Sie kombinieren technische Exzellenz mit ökologischer Verantwortung, ein Ansatz, der angesichts der regulatorischen Entwicklungen und des wachsenden Nachhaltigkeitsbewusstseins zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Entscheidung zwischen Holz und konventionellen Baustoffen hängt letztlich von den spezifischen Anforderungen des Projekts ab. Sowohl für große bis mittlere Rechenzentren aber auch für kleinere, modulare Edge- oder On-Premise-Lösungen bietet Holz klare Vorteile: kürzere Bauzeiten, bessere Energieeffizienz und eine deutlich verbesserte CO₂-Bilanz.
Die Erfahrungen von Pionieren wie Microsoft und EcoDataCenter sowie Produktinnovationen wie dem IT Container Eco Fix von Prior1 zeigen, dass Holz im Rechenzentrumsbereich nicht nur ein Zukunftsmodell, sondern bereits gelebte Praxis ist. Mit fortschreitender technischer Entwicklung und zunehmendem Verständnis für die Eigenschaften moderner Holzbauweisen werden auch die letzten Vorbehalte schwinden.
Vertiefende Informationen im Whitepaper
Unternehmen, die tiefer in die technischen Details und Nachhaltigkeitsaspekte des IT Container Eco Fix von Prior1 einsteigen möchten, finden im aktuellen Whitepaper „IT Container Eco Fix – Nachhaltige Rechenzentrumsinfrastruktur für eine digitale Zukunft“ von Prior1 umfassende Analysen und Leistungsdaten. Das Whitepaper beschreibt unter anderem die R290-Kühltechnologie, die CO₂-Speicherwirkung der CLT-Bauweise und die Konformität mit Normen wie EnEfG, EU-Taxonomie und EN 50600.
Cybersicherheit und IT waren lange Nebengeräusche in der wohnungswirtschaftlichen Debatte – heute sind sie Teil des Kerns. Denn mit jeder digitalen Schnittstelle, jedem Smart Meter, jedem vernetzten Gebäude wächst die Angriffsfläche. Gleichzeitig kursieren alarmistische Schlagzeilen über „KI als Stromfresser“ – doch wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen: Nicht der Fortschritt ist das Problem, sondern sein sorgloser oder falsch verstandener Einsatz.
Die Fakten sprechen eine klare Sprache. 2024 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik 131.391 Cybercrime-Fälle in Deutschland. Der wirtschaftliche Schaden? Je nach Quelle zwischen 178,6 und 266,6 Milliarden Euro jährlich. Ransomware, Phishing und Erpressung sind längst keine abstrakten Risiken mehr. Die Aufklärungsquote? Nur 32 Prozent – deutlich unter dem Durchschnitt aller Kriminalitätsbereiche. Das ist ein Alarmsignal, gerade für Unternehmen mit kritischer Infrastruktur.
Ein Beispiel für neue Bedrohungen ist das sogenannte Quishing: QR-Codes, die von Cyberkriminellen manipuliert werden, um Schadsoftware zu verbreiten oder sensible Daten abzufangen. Der Clou: Während klassische Links oft durch Virenscanner überprüft werden, sind QR-Codes schwerer zu kontrollieren. Nutzer sollten QR-Codes nur aus vertrauenswürdigen Quellen scannen, Zieladressen prüfen und niemals persönliche Daten auf zweifelhaften Seiten eingeben. Es sind kleine Maßnahmen mit großer Wirkung.
Doch Schutz beginnt nicht erst beim Endnutzer, sondern in der Struktur. Immer mehr Unternehmen schließen Cyberversicherungen ab – ein richtiger Schritt, aber nicht ohne Fallstricke. Ein aktuelles Urteil des OLG Schleswig zeigt, wie riskant falsche Angaben sind: Ein Unternehmen gab an, alle Rechner seien mit Virenschutz und Updates ausgestattet. Tatsächlich stimmte das nicht – nach einem erfolgreichen Angriff verweigerte die Versicherung die Leistung wegen arglistiger Täuschung. Das Urteil unterstreicht: Wer Risiken absichern will, muss vorher die Hausaufgaben machen – und zwar sauber.
Parallel dazu wächst die Sorge, dass IT-Infrastruktur – vor allem Künstliche Intelligenz – zu einem gewaltigen Stromfresser werde. Doch auch hier gilt: Technologie an sich ist nicht das Problem. Es geht um Effizienz, um Nachhaltigkeit, um sinnvolle Planung. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln wird. Bereits heute machen sie rund vier Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus. Bis 2037 könnten es zehn Prozent sein.
Aber: Es gibt längst praktikable Antworten. Microsoft baut in den USA Rechenzentren aus Brettsperrholz, um CO₂-Emissionen deutlich zu senken. In Schweden und Frankreich entstehen klimafreundliche IT-Zentren mit Holzkonstruktionen. Noch ein Beispiel: In Finnland nutzt Google die Abwärme seines Rechenzentrums zur Deckung von 80 Prozent des lokalen Fernwärmebedarfs – Microsoft plant Ähnliches in Kooperation mit Fortum. Abwärme als Ressource statt als Verlust – das ist Digitalisierung mit Mehrwert.
Und auch im Kleinen können wir handeln. WLAN-Router laufen still und leise rund um die Uhr – und verbrauchen dabei bis zu 100 Kilowattstunden im Jahr, so viel wie ein kleiner Kühlschrank. Wer Geräte nachts abschaltet, energiesparend einstellt oder effizientere Modelle nutzt, spart Strom – ohne Komfortverlust.
Was wir also brauchen, ist ein digitaler Realismus: Ja, IT verbraucht Energie. Aber mit kluger Planung, technologischem Weitblick und Sicherheitsbewusstsein können wir ihre Potenziale nutzen, ohne in neue Abhängigkeiten oder Gefahren zu tappen. Die Devise lautet nicht Verzicht, sondern Verantwortung. In der Wohnungswirtschaft – wie in der gesamten Gesellschaft.
November 2025, Wohnungswirtschaft digital., Ausgabe Nummer 45 mit neuen Inhalten, auch vertiefende Artikel zum Inhalt meines Editorials.
Klicken Sie mal rein.
Bleiben Sie zuversichtlich und nachhaltig. Und schauen Sie ihre Mails genauer an, bevor sie den Link anklicken.
Ihr Gerd Warda
Suchen Sie auch Antworten zu „Alles rund ums Messen, Steuern & Regel“, die finden Sie in unserem neuen Titel GebäudeTranformation .
Die Cyberversicherung schützt Unternehmen vor den finanziellen Folgen von Hackerangriffen und anderen Cyberrisiken. Damit der Versicherer – nicht zuletzt im Interesse der Versichertengemeinschaft – das Risiko richtig einschätzen kann, müssen Unternehmen im Antragsverfahren Fragen zu ihrer IT-Sicherheit beantworten. Eine aktuelle Entscheidung des OLG Schleswig (Beschluss vom 09.01.2025 – 16 U 63/24) zeigt, wie wichtig hierbei sorgfältige und korrekte Angaben sind.
Der Fall
Ein Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 140 Mio. € beantragte eine Cyberversicherung. Die Risikofragen des Versicherers betrafen u. a.:
ob alle Arbeitsrechner mit aktueller Virenschutzsoftware ausgestattet sind
ob regelmäßig Sicherheitsupdates durchgeführt werden.
Der zuständige IT-Leiter beantwortete beide Fragen positiv, obwohl er keine genauen Kenntnisse über den Zustand der IT-Systeme hatte. Tatsächlich fehlte auf einigen Rechnern ein Virenschutz, auf anderen konnten auf Grund des Alters keine Sicherheitsupdates mehr installiert werden.
Nach einem schweren Hackerangriff erklärte der Versicherer die Anfechtung des Vertrags wegen arglistiger Täuschung und verweigerte die Leistung. Das Unternehmen reichte Klage ein – in beiden Instanzen ohne Erfolg.
Sowohl das Landgericht Kiel als auch das Oberlandesgericht Schleswig stellten klar: Wer Risikofragen beantwortet, ohne sich der Richtigkeit seiner Angaben zu vergewissern, handelt arglistig, wenn er seine Unsicherheit nicht offenlegt und sich die Antworten als objektiv falsch herausstellen. In diesem Fall kann der Versicherer den Vertrag rückwirkend anfechten – der Versicherungsschutz entfällt vollständig.
Kernaussagen des Urteils
Arglist auch ohne besondere Verwerflichkeit
Eine arglistige Täuschung erfordert kein Unwerturteil oder eine Bereicherungsabsicht. Die Vorspiegelung falscher Tatsachen in dem Bewusstsein, auf die Annahmeentscheidung des Versicherers einzuwirken, genügt.
Gutgläubigkeit entlastet nur bei Offenlegung der Unsicherheit
Wer weiß, dass er nicht über gesicherte Informationen verfügt, darf keine Angaben „ins Blaue hinein“ machen. Selbst guter Glaube an die Richtigkeit schließt Arglist nicht aus, wenn der Handelnde das Fehlen einer zuverlässigen Beurteilungsgrundlage verschweigt.
Zuständige Mitarbeiter gelten als Repräsentanten
Die falschen Angaben des IT-Leiters sind dem Unternehmen rechtlich zuzurechnen, da er im Rahmen des Antragsprozesses als Vertreter dessen Wissen und Willen erklärt.
Folgen für die Praxis
Diese erste veröffentlichte obergerichtliche Entscheidung zur Cyberversicherung veranschaulicht, worauf Unternehmen bei Beantragung einer entsprechenden Deckung achten sollten:
Risikofragen sehr gewissenhaft beantworten.
Alle relevanten Wissensträger einbeziehen, z. B. IT-Abteilung, externe Dienstleister und Datenschutzbeauftragte
Fazit
Unzutreffende Angaben bei der Beantragung einer Cyberversicherung können schwerwiegende Folgen haben. Mit unserer Erfahrung und Beratung stellen wir sicher, dass Sie bestens geschützt sind. Wir begleiten Sie im Antragsprozess und unterstützen Sie bei der Beurteilung der Risikofragen des Versicherers. So sichern Sie sich nicht nur optimalen Versicherungsschutz, sondern wirken auch Risiken hinsichtlich der Deckung im Schadenfall entgegen.
Lutz Rellstab
Prokurist der AVW Versicherungsmakler GmbH und Bereichsleiter Recht und Compliance
Taucht beim Scannen ein ungutes Gefühl auf, gilt sofort: stoppen und keine Daten mehr eingeben. Foto Quelle: ERGO Group
QR-Codes sind praktisch, schnell und längst alltäglich, ob im Restaurant, bei digitaler Außenwerbung oder auf einem Flyer. Doch was viele nicht wissen: Hinter dem scheinbar harmlosen Quadratmuster kann sich eine neue Betrugsmasche verbergen.
„Quishing“ nennt sich die Methode, bei der Cyberkriminelle QR-Codes manipulieren, um an persönliche Daten zu gelangen oder Schadsoftware einzuschleusen. Wie das genau funktioniert und welche Schutz-Maßnahmen helfen, weiß Alina Gedde, Digitalexpertin bei ERGO.
Was ist Quishing?
Phishing E-Mails oder gefälschte Nachrichten, die vermeintlich von der Bank stammen, sind den meisten Menschen inzwischen ein Begriff. Aber: „Seit einiger Zeit kursiert eine neue Betrugsmasche, das sogenannte Quishing“, weiß Alina Gedde, Digitalexpertin bei ERGO. Dabei verwenden Cyberkriminelle gefälschte oder manipulierte QR-Codes, um an sensible, persönliche Daten zu gelangen oder Schadsoftware zu verbreiten.
Der Begriff ist ein Kofferwort aus „QR“ (Quick Response Code) und „Phishing“ und beschreibt somit eine Form des Phishing-Angriffs über QR-Codes. „Das perfide am Quishing ist, dass im Gegensatz zu schädlichen Links wie in einer E-Mail, QR-Codes nicht automatisch von Antivirensoftware geprüft werden können“, so die ERGO Expertin.
Wie Quishing funktioniert – und warum es so gefährlich ist
Quishing beginnt immer mit einem scheinbar harmlosen QR-Code. Betrüger platzieren ihn auf Plakaten, in E-Mails, in Briefen oder an öffentlichen Orten. „Wer den Code scannt, gelangt nicht auf eine seriöse Webseite, sondern auf eine täuschend echt gestaltete Fälschung. Dort fordert die Seite zum Eingeben von Passwörtern, Zahlungsinformationen oder persönlichen Angaben auf“, erklärt die Digitalexpertin.
„In manchen Fällen startet nach dem Scan sogar sofort ein schädlicher Download, der das Smartphone infiziert.“ Besonders begehrt sind Zugangsdaten zum Online-Banking oder zu E-Mail-Konten, Kreditkarteninformationen, Bankverbindungen oder persönliche Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum oder Telefonnummer.
„Gefälschte QR-Codes versprechen zum Beispiel den Zugang zu einer Paketverfolgung, das Abhören einer Sprachnachricht oder schnelles Bezahlen, etwa an einem Parkautomaten“, führt die Expertin aus.
Quishing erkennen
Unerwartete QR-Codes auf Aufklebern, Zetteln oder Plakaten, besonders an ungewöhnlichen Orten oder über bereits vorhandene Codes geklebt, sollten sofort misstrauisch machen. „Auch E-Mails oder SMS mit QR-Codes, die einen fragwürdigen Absender haben oder dringendes Handeln verlangen, gehören zu den typischen Warnzeichen“, erklärt Alina Gedde.
Nach dem Scan sind eine fehlende HTTPS-Verschlüsselung oder eine ungewöhnliche Internetadresse mit Tippfehlern oder unbekannten Domains Indizien für einen Betrug. Spätestens dann, wenn eine Webseite direkt nach Passwörtern, Zahlungsinformationen oder persönlichen Daten fragt, besteht akute Gefahr.
Sensible Daten schützen
Am sichersten bleibt der Scan von QR-Codes aus vertrauenswürdigen Quellen wie offiziellen Webseiten oder bekannten Unternehmen. „Viele Scanner bieten eine Vorschau der Zieladresse an. Sieht sie ungewöhnlich aus, sollten Betroffene vorsichtig sein“, so die Digitalexpertin. Vor jeder Eingabe lohnt sich ein genauer Blick auf die Adresse im Browser: Nur eine korrekte Domain mit HTTPS-Verschlüsselung ist vertrauenswürdig.
Persönliche Daten wie Logins oder Zahlungsangaben gehören niemals auf Seiten, bei denen Zweifel bestehen. „Wer zusätzlich aktuelle Sicherheitssoftware auf dem Smartphone nutzt und wichtige Webseiten lieber manuell eingibt, reduziert das Risiko deutlich“, rät Alina Gedde.
Richtig reagieren im Verdachtsfall
Taucht beim Scannen ein ungutes Gefühl auf, gilt sofort: stoppen und keine Daten mehr eingeben. „Wer bereits sensible Informationen preisgegeben hat, sollte unverzüglich Passwörter ändern und die Bank oder den betroffenen Dienst informieren. Auch eine Meldung bei Polizei oder Verbraucherzentrale bietet Schutz vor weiterem Schaden“, sagt die Expertin. Im Anschluss lohnt sich ein gründlicher Check des Smartphones, um Schadsoftware oder unerwünschte Apps zu finden und zu entfernen.
Quelle: ERGO Group AG // Bärbel Naberbäumer Fernandes
Grafik entnommen aus dem whitepaper-Email-Sicherheit pdf. Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
E-Mail-Dienste – insbesondere Webmailer (E-Mail-Dienste, die über einen Webbrowser genutzt werden) – sind ein integraler Bestandteil des Alltagslebens. Sie ermöglichen das Erstellen von E-Mails, ihren Versand an beliebige Kontakte sowie die Verwaltung eines Postfachs. Nicht zuletzt werden E-Mailadressen als Zugang für viele weitere Dienste genutzt. Damit sind sie eine wesentliche Schnittstelle digitaler Kommunikation und Identitätsverwaltung. Der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Sicherheitsrisiken wie zum Beispiel unsicheren Authentisierungsverfahren und Identitätsdiebstahl ist bei Webmail-Anbietern jedoch mitunter lückenhaft umgesetzt.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat nun ein Whitepaper veröffentlicht, das Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und Benutzerfreundlichkeit von Webmailern festlegt, die die Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher systematisch und zukunftsorientiert erhöhen.
Meist ohne Zwei-Faktor-Authentisierung
Das Whitepaper betrachtet dabei nicht nur technische Sicherheitsfunktionen, sondern auch Usability, Transparenz und Vertrauen als wesentliche Bestandteile digitaler Souveränität. Marktsichtungen des BSI haben ergeben, dass zahlreiche E-Mail-Dienste in ihrer Standardkonfiguration allein auf Passwörter setzen, um die Zugänge ihrer Kundinnen und Kunden zu schützen – zumeist ohne Zwei-Faktor-Authentisierung.
Eine solche müssen Nutzende oftmals erst in den Einstellungen aktivieren. Auch sind nachweislich sichere und praktische Alternativen zum Passwort, wie etwa die passwortlose Authentisierung mittels Passkey, immer noch wenig verbreitet oder werden nicht proaktiv angeboten.
Verantwortung bei den Anbietern
Caroline Krohn, Fachbereichsleiterin Digitaler Verbraucherschutz: „Ein elementarer Teil der E-Mail-Sicherheit lastet derzeit noch auf den Schultern der Anwenderinnen und Anwender. Sie sollen sich mit Zwei-Faktor-Authentisierung, Passkey und Verschlüsselung auskennen.
Wir sehen die Verantwortung bei den Anbietern: Diese müssen wirksame Verfahren bezüglich Authentisierung, Verschlüsselung, Spam-Schutz und Accountwiederherstellung bereitstellen, die ohne größeres Zutun der Nutzenden funktionieren und einen elementaren Sicherheitsgewinn darstellen. Nur wenn Schutzmaßnahmen verständlich, interoperabel und alltagstauglich sind, entfalten sie ihre volle Wirkung.“
Einladung zur Zusammenarbeit
Das nun publizierte Whitepaper „Anforderungen an sichere, transparente und benutzerfreundliche Webmail-Dienst““ ist zugleich Ansporn für E-Mail-Dienste und eine Einladung zur Zusammenarbeit: Seit Jahresbeginn hat das BSI den Dialog mit den E-Mail-Anbietern intensiviert – dieser Austausch soll nun ausgebaut werden.
Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Unternehmen, die heute beginnen, KI in sinnvollen, klar abgegrenzten Anwendungsfällen einzusetzen, schaffen das Fundament für eine zukunftsfähige Verwaltung. Quelle: Erste Hausverwaltung
Die Immobilienwirtschaft befindet sich mitten in einer digitalen Transformation, die weit über die Einführung cloudbasierter ERP-Systeme oder digitaler Akten hinausgeht. Während die Branche noch vor wenigen Jahren damit beschäftigt war, bestehende Prozesse zu digitalisieren, beginnt nun eine Phase, in der KI operative Aufgaben übernehmen und eigenständig steuern kann.
Der Wandel ist deutlich: Aus digitaler Verwaltung wird zunehmend autonome Verwaltung und die Weichen dafür werden schon heute gestellt.
KI im Arbeitsalltag
In vielen Unternehmen der Wohnungswirtschaft ist KI längst kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebter Alltag. Die Erste Hausverwaltung setzt die Zukunftstechnologie beispielsweise bei der Verarbeitung von Rechnungen ein. Moderne KI-Rechnungsleser können nicht nur Beträge, Fälligkeiten oder Kreditoren erkennen, sondern verstehen den Inhalt eines Dokuments so tiefgreifend, dass daraus ein vollständiger Buchungsvorschlag generiert werden kann.
Das System lernt mit jeder Rechnung, die es verarbeitet, wird präziser und entlastet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von monotone Routinetätigkeiten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Erfassung wird schneller, konsistenter und fehlerärmer. Gleichzeitig sinkt der manuelle Aufwand erheblich und die Datenqualität steigt spürbar, was sich unmittelbar auf nachgelagerte Prozesse auswirkt.
Auch bei anderen Dokumenten zeigt sich, wie wertvoll KI inzwischen für die Verwaltung geworden ist. Egal ob Verträge, SEPA-Mandate oder verschiedene Arten von Schriftverkehr, eine automatische Kategorisierung sorgt dafür, dass Dokumente sofort im richtigen Kontext landen, Auffindbarkeit gewährleistet ist und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr manuell sortieren oder verschlagworten müssen. Diese Automatisierung spart über das Jahr hinweg enorme Mengen an Zeit und sorgt für eine einheitliche Struktur, die eine deutlich höhere Transparenz schafft.
Kundenkommunikation und KI
In der Kundenkommunikation setzt sich die KI-gestützte Prozessoptimierung fort. Eingehende Anfragen werden nicht nur thematisch eingeordnet, etwa in Buchhaltung, Vermietung oder Schadensmeldungen, sondern auch hinsichtlich ihrer Dringlichkeit bewertet. So entsteht eine intelligente Priorisierung, die den Arbeitsalltag spürbar entlastet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können so schneller auf Notfälle reagieren und unnötige Verzögerungen für ihre Kundinnen und Kunden vermeiden. KI-Telefonie, wie sie etwa Managbl.
AI ermöglicht, ergänzt diese Entwicklung. Sie bietet automatisierte, aber hochwertige Interaktionen und entlastet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere bei hohen Anrufaufkommen. Gleichzeitig stehen spezialisierte Formulierungsassistenten zur Verfügung, die direkt im ERP-System eingebettet sind und bei der Erstellung von Schreiben unterstützen. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie KI repetitive Kommunikationsaufgaben abnimmt, ohne den persönlichen Charakter der Kundeninteraktion zu verlieren.
Diese Entwicklungen markieren jedoch erst den Anfang. In den kommenden Jahren wird sich der Einsatz von KI deutlich von isolierten Anwendungspunkten hin zu kompletten, durchgängigen Workflows verschieben. Erste Erfahrungen der Ersten Hausverwaltung zeigen, wie das aussehen kann.
So können beispielsweise schon heute unsortierte Dokumentenstapel abgelegt werden, aus denen die KI entweder eine vollständige Abrechnung oder zumindest eine strukturierte To-do-Liste erzeugt. Die Vorstellung, dass Abrechnungen künftig weitgehend automatisiert erstellt werden, inklusive Plausibilitätsprüfungen, Datendurchlauf und Vorabbewertungen, ist nicht mehr futuristisch, sondern ein realistisches Ziel, das sich bereits am Horizont abzeichnet.
Auch komplexere Prozessketten wie die Einholung von Handwerkerangeboten, das Vergleichen der eingehenden Angebote oder die Vorbereitung von Beschlüssen werden zunehmend automatisiert werden. KI kann schon heute Auffälligkeiten in Angeboten erkennen, Kostentreiber identifizieren oder auf Basis historischer Daten Empfehlungen aussprechen. In den kommenden Jahren wird sie zusätzlich in der Lage sein, Angebote selbstständig anzufordern oder Entscheidungsvorlagen zu erstellen.
Besonders weitreichend ist der Wandel im Bereich der internen Arbeitssteuerung. Die Erste Hausverwaltung arbeitet daran, die täglichen Aufgaben mittels eines KI-gesteuerten Kanban-Systems (agiles Projektmanagement-System, das Arbeitsabläufe durch Visualisierung optimiert) zu organisieren. Ziel ist ein System, das erkennt, welche Aufgaben in welcher Reihenfolge am sinnvollsten zu erledigen sind.
Die KI bewertet Dringlichkeit, Arbeitsvolumen, Ressourcen und Fristen und schlägt eine optimale Tagesplanung vor. Sie entscheidet beispielsweise, ob eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter zuerst Rechnungen bearbeiten, Bankbuchungen durchführen oder auf eingegangene Anfragen reagieren sollte. Dadurch entsteht eine dynamische Verwaltung, die flexibel auf Belastungsspitzen reagieren kann und gleichzeitig die Effizienz der Teams maximiert.
Vom Assistenzsystem zum strategischen Steuerungsinstrument
Die Zukunft der Immobilienverwaltung ist damit nicht rein technologisch, sondern auch organisatorisch geprägt. Unternehmen, die heute beginnen, KI in sinnvollen, klar abgegrenzten Anwendungsfällen einzusetzen, schaffen das Fundament für eine zukunftsfähige Verwaltung. Die Richtung ist eindeutig: KI wird vom Assistenzsystem zum strategischen Steuerungsinstrument und die Wohnungswirtschaft steht erst am Anfang dieses tiefgreifenden Wandels.
Regelmäßige Updates sparen Energie. Neue Firmware-Versionen der Router-Hersteller optimieren häufig die Prozessorverwaltung und das WLAN-Management. Das kann auch den Stromverbrauch senken, ohne das etwas an der Hardware geändert werden muss. Wer ein älteres Modell besitzt, kann überlegen, auf ein aktuelleres Gerät umzusteigen. Foto: Wohnungswirtschaft heute. / Gerd Warda
Heutzutage nutzen viele Verbraucher:innen rund um die Uhr zahlreiche Geräte, die über ihren WLAN-Router verbunden sind. Und selbst wenn keine Daten übertragen werden, ist der Router aktiv und benötigt Strom. „Ein handelsüblicher WLAN-Router kann im Jahr bis zu 100 Kilowattstunden verbrauchen – das entspricht dem Strombedarf eines kleinen Kühlschranks“, erklärt Energieexpertin Gerhild Loer von der Verbraucherzentrale NRW.
Anders als bei Haushaltsgeräten gibt es für Router kein Energielabel, an dem man sich orientieren könnte. Der Verbrauch hängt daher stark von Modell, Nutzung und Einstellungen ab. Wer Strom sparen will, sollte die eigenen Nutzungsgewohnheiten kennen und das Gerät optimal einstellen. Schon kleine Maßnahmen können helfen, den Verbrauch zu reduzieren. Die Verbraucherzentrale NRW hat dazu fünf Tipps zusammengestellt.
Position clever wählen
Ist der Router optimal platziert, lässt sich einfach Strom sparen. Eine zentrale, erhöhte Position sorgt dafür, dass das WLAN-Signal alle Räume gut erreicht. So muss das Gerät nicht mit maximaler Sendeleistung arbeiten. Eine gute Position spart nicht nur Energie, sondern verbessert auch die WLAN-Qualität.
Unnötige Funktionen ausschalten
Moderne Router bieten häufig Zusatzfunktionen, die dauerhaft Strom verbrauchen – auch wenn man sie gar nicht nutzt. Dazu gehören etwa das Gastnetzwerk, die WPS-Taste oder dauerleuchtende LEDs. Auch ungenutzte Frequenzbänder wie das 5-GHz-WLAN lassen sich abschalten. Wer nur wenige Endgeräte gleichzeitig nutzt, braucht oft nur eine Frequenz aktiv. So wird der Router verbrauchsärmer – ohne dass die Internetgeschwindigkeit darunter leidet.
WLAN-Zeitschaltung nutzen
Besonders praktisch ist die Zeitschaltfunktion. Damit kann man das WLAN nachts oder tagsüber automatisch abschalten, wenn es regelmäßig nicht benötigt wird oder wenn niemand zu Hause ist. Das spart Strom, ohne dass man jeden Abend daran denken muss. Dazu lassen sich einfach Zeitprofile für Werktage und Wochenenden anlegen.
Doch Vorsicht: Manche Endgeräte führen nachts automatische Updates durch. Diese sollte man bei der Zeitplanung berücksichtigen, um keine Synchronisierungsprobleme zu bekommen. Wer Smart-Home-Geräte nutzt, kann die WLAN-Verbindung ebenfalls nicht deaktivieren, da ihre Funktionen ansonsten unterbrochen werden.
Eco- und Leistungsmodi aktivieren
Eco-Modi oder sogenannte adaptive Leistungsprofile sparen Energie. Diese senken die Sendeleistung automatisch, wenn wenig Datenverkehr stattfindet. Man kann auch selbst verschiedene Profile einrichten – zum Beispiel tagsüber einen ausgewogenen Modus und nachts einen Sparmodus. Der Router wechselt dann je nach Bedarf zwischen den Einstellungen. In vielen Fällen merkt man keinen Unterschied bei der Geschwindigkeit, senkt aber den Energiebedarf.
Firmware aktuell halten
Ein oft unterschätzter Tipp: Regelmäßige Updates sparen Energie. Neue Firmware-Versionen der Router-Hersteller optimieren häufig die Prozessorverwaltung und das WLAN-Management. Das kann auch den Stromverbrauch senken, ohne das etwas an der Hardware geändert werden muss. Wer ein älteres Modell besitzt, kann überlegen, auf ein aktuelleres Gerät umzusteigen. Moderne Router sind häufig sparsamer im Betrieb und bieten zusätzliche Energiesparoptionen. So spart man auf lange Sicht Stromkosten.
In der Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren steckt noch viel ungehobenes Potenzial für eine klimaschonende Wärmeversorgung – in ganz Europa: Eine Studie von ReUseHeat, erstellt im Auftrag der Europäischen Union, kam zu dem Ergebnis, dass Rechenzentren zwei bis drei Prozent der jährlich benötigten Wärme in Europa decken könnten. Denn: In den europäischen Serverfarmen entstehen bis zu 50 Terrawattstunden überschüssige Wärme pro Jahr. Animiertes Schaubild: So nutzt GASAG Solution Plus Abwärme aus Rechenzentren, um Wohnungen und Büros zuverlässig mit Wärme zu versorgen. Quelle: https://www.gasag-solution.de/referenzen/pallasseum/
Eine neue Umfrage belegt, dass ein Großteil der Deutschen dem von der Bundesregierung geplanten Ausbau von KI-Anwendungen und Rechenzentren skeptisch gegenübersteht.
Der dadurch bedingt steigende Stromverbrauch müsse durch einen entsprechenden Zubau an Erneuerbaren Energien gedeckt und noch überbaut werden, fordert Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie BEE.
Rechenzentren sind ein wichtiger Standortfaktor
Heinen-Esser: „Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich bis 2030 der Strombedarf von Rechenzentren verdoppeln wird. In Deutschland entfallen bereits heute rund vier Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf Rechenzentren, die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass es bis 2037 sogar zehn Prozent sein werden. Die in der Umfrage von Algorithmwatch geäußerten Bedenken sind daher verständlich.
Rechenzentren sind ein wichtiger Standortfaktor, KI bietet große Potenziale zur Prozessbeschleunigung und zur Produktivitätssteigerung. Dem dürfen jedoch nicht die Klimaziele geopfert werden. Die Erneuerbaren Energien sind in der Lage, auch einen deutlich gestiegenen Strombedarf kostengünstig zu decken. Dafür darf es aber nun keine Einbrüche bei der Ausbaudynamik geben.“
Puffer einplanen
Der Monitoringbericht hatte für das Jahr 2030 einen Strombedarf innerhalb eines Korridors von 600 bis 700 Terawattstunden (TWh) prognostiziert. Der BEE kam in einer eigenen Analyse zu dem Ergebnis, dass der Bedarf, getrieben durch wirtschaftliche Erholung und Ausbau von Rechenzentren, höher liegen dürfte und dass Puffer eingeplant werden müssen.
„Es ist davon auszugehen, dass der Strombedarf in den kommenden fünf Jahren auch über den im Monitoringbericht beschriebenen Korridor hinaus ansteigen wird. KI macht gewaltige Entwicklungssprünge. Ihre Integration in immer weitere Bereiche des alltäglichen Lebens wird auch zu einem steigenden Stromverbrauch durch Rechenzentren führen.
Um trotz dieser Sprünge ein attraktiver Standort für Ansiedlungen darstellen zu können, sind bei der Planung von zukünftigen Ausschreibungen und Ausbaupfaden entsprechende Puffer einzuplanen, sonst droht Deutschland ins Hintertreffen zu geraten. Wir brauchen eine ehrliche Stromverbrauchsanalyse, die diesen Entwicklungen Rechnung trägt“, so Heinen-Esser.
Bei der Eröffnung die HEIKOM 2025 in Erfurt machte Hartmut Michels deutlich: Messdienstleister sitzen bereits heute an der Schnittstelle von Gebäude, Daten und Abrechnung. Wer diesen Zugang nutzt, kann neue Geschäftsfelder erschließen – vom digitalen Heizungskeller über Mieterstrommodelle bis hin zu datenbasierten Services zur Optimierung von Energieflüssen. Foto: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert
Als Hartmut Michels die HEIKOM in Erfurt eröffnet, spricht er einen Satz aus, der in einer Zeit voller Krisen ungewohnt klingt: „Der Branche geht es gut.“ Für Mess- und Energiedienstleister ist das mehr als eine freundliche Begrüßungsfloskel.
Michels, Vorstand des DEUMESS e.V. und Gastgeber der Messe, begründet diesen Befund detailliert und zeichnet damit den Rahmen für zwei dicht gefüllte Tage an der Schnittstelle von Energie, Daten und Gebäudemanagement.
Was heißt „der Branche geht es gut“ also konkret?
Michels verweist zunächst auf das Fundament: Ein klarer politischer und regulatorischer Rahmen sorgt dafür, dass das Kerngeschäft – Erfassung und Abrechnung von Wärme, Wasser und künftig verstärkt auch Strom – planbar bleibt. Die Dienstleistungen der DEUMESS-Mitglieder sind unmittelbar mit den Zielen der Energiewende verknüpft: Verbrauchstransparenz herstellen, Daten erfassen, Energiekosten verursachungsgerecht verteilen. Das schafft stabile Nachfrage und Verträge: Ein Privileg, das aktuell längst nicht alle Branchen haben.
Gleichzeitig weitet sich das Spielfeld. Die HEIKOM versteht sich inzwischen ausdrücklich als Fachmesse für digitales Energie- und Gebäudemanagement, nicht mehr „nur“ für Wärme und Wasser. In Mehrfamilienhäusern ziehen neue Themen ein: Mieterstrom, digitale Heizungskeller, Submetering für Strom, Sektorkopplung. Mehr Technik im Gebäude bedeutet mehr Messpunkte, mehr Daten, mehr Abrechnung, und damit mehr Geschäft für diejenigen, die diese Ströme beherrschen.
Vom Nischenkongress zur Plattform der Branche
Dass die Branche diesen Rückenwind nutzt, zeigt die Messe selbst. Vor zwei Jahren wurde die Veranstaltung noch gemeinsam mit einer Fachvereinigung organisiert, nach deren Auflösung hat DEUMESS sie nahtlos übernommen und ausgebaut. Für Michels war das „kein großes Überlegen“, sondern eine klare Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen und die Plattform weiterzuentwickeln. Ergebnis: Über 60 Aussteller, ein ausgebuchtes Abend-Event mit mehr als 500 Gästen und bereits vor Messebeginn vierstellige Besucherzahlen.
Der Marktplatz in der Mitte der Halle – tagsüber Bühne für Vorträge, abends Treffpunkt für die Branche – steht sinnbildlich für das Konzept: Impulse im Forum, Vertiefung an den Ständen, Austausch in informeller Atmosphäre. Dass mit Startups, etablierten Herstellern, Softwarehäusern, Mess- und Energiedienstleistern sowie Forschungspartnern (u. a. Fraunhofer mit einem virtuellen Mehrfamilienhaus) ein breites Spektrum vertreten ist, passt zum Anspruch der HEIKOM, Brücken zwischen Technik, Regulierung und Geschäftsmodellen zu schlagen.
Digitalisierung, Konsolidierung, Generationenwechsel – die andere Seite der Medaille
Michels beschönigt die Situation allerdings nicht. Der Rückenwind geht mit tiefgreifender Veränderung einher:
Digitalisierung und Automatisierung: Viele Prozesse im Messdienstgeschäft eignen sich laut Michels ideal für den Einsatz von KI und automatisierten Workflows – von der Fernablesung über die Datenaufbereitung bis zur Abrechnung. Wer heute noch stark manuell arbeitet, wird mittelfristig an Effizienzgrenzen stoßen.
Konsolidierung im Markt: Unternehmen übernehmen andere, bauen größere Verbünde auf, Strukturen verändern sich. Dieser Konzentrationsprozess wird, so Michels, weitergehen, auch wenn er phasenweise ins Stocken gerät.
Generationenwechsel: Viele der meist eigentümergeprägten Unternehmen stehen vor der Frage, wie Nachfolge, Modernisierung und Wachstum zusammenpassen.
Seine Botschaft: Der Markt ist attraktiv, aber er verlangt Investitionsbereitschaft in Technik, Organisation und Köpfe.
„Wer sonst sollte es machen?“ – die komfortable Ausgangslage der Messdienste
Besonders deutlich wird Michels, wenn es um die Rolle der Messdienstleister geht. Sie seien „in der prädestinierten Lage“, zusätzliche Leistungen rund um digitale Gebäudeenergie zu übernehmen. Der Grund ist einfach:
Sie haben den Zugang zum Eigentümer.
Sie kennen die technische Struktur im Gebäude.
Sie wissen oft sehr genau, wie die Mieterstruktur aussieht.
Mit anderen Worten: Messdienstleister sitzen bereits heute an der Schnittstelle von Gebäude, Daten und Abrechnung. Wer diesen Zugang nutzt, kann neue Geschäftsfelder erschließen – vom digitalen Heizungskeller über Mieterstrommodelle bis hin zu datenbasierten Services zur Optimierung von Energieflüssen.
Michels formuliert das als klaren Appell an die Anwesenden, die Chancen zu ergreifen und nicht darauf zu warten, dass branchenfremde Akteure diese Rolle übernehmen.
Digitalminister Steffen Schütz (links) und Hartmut Michels (rechts) im virtuelle Mehrfamilienhaus – Messen, steuern und regeln in der nächsten Dimension.
Innovationen zum Anfassen – vom Smart-House bis zum Startup-Space
Wie sich dieser Anspruch in konkrete Lösungen übersetzt, zeigt der Rundgang durch die Messe:
Ein virtuelles Mehrfamilienhaus, in dem verschiedene Messgeräte real verbaut und digital erlebbar sind – als Einstieg in standardisierte Schulungs- und Beratungskonzepte für die Praxis.
Ein eigener Startup-Bereich, in dem junge PropTech-Unternehmen neue Ideen für Submetering, Plattformen, KI-gestützte Prozessoptimierung, Kommunikation mit Mieter:innen und Energiemanagement vorstellen.
Mess- und Energiedienstleister, die ihre klassischen Leistungen sichtbar in Richtung digitaler Services und Plattformmodelle erweitern.
Damit unterstreicht die HEIKOM ihren Charakter als Arbeitsmesse: weniger Show, mehr konkrete Anwendungsfälle und viele Gespräche darüber, wie sich Pilotprojekte in skalierbare Standards überführen lassen.
Ein Auftakt mit klarer Botschaft
Für die Leser:innen aus der Wohnungswirtschaft ist Michels’ Eröffnungsstatement in zweierlei Hinsicht relevant:
Die Branche ist robust aufgestellt. Trotz angespannter Baukonjunktur und hoher Zinsen gibt es in der digitalen Energie- und Gebäudewirtschaft verlässliche Geschäftsmodelle, getragen von Regulierung, Dekarbonisierungszielen und dem anhaltenden Bedarf an Transparenz und Abrechnung.
Die Komfortzone schrumpft. Digitalisierung, neue Funk- und Datenstandards, zunehmende Komplexität in den Anlagen und ein sich wandelnder Markt verlangen aktive Gestaltung von Messdiensten ebenso wie von Bestandshaltern und Verwaltern.
Michels’ „Der Branche geht es gut“ ist damit weniger Entwarnung als Einladung: Wer heute in Infrastruktur, Datenkompetenz und Kooperationen investiert, kann auf diesem Rückenwind aufbauen und die Energiewende im Gebäude nicht nur verwalten, sondern mitgestalten. Die HEIKOM bietet dafür den passenden Startpunkt.
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Autor: Redaktion Wohnungswirtschaft Heute – HEIKOM-Sonderausgabe 2025
Fotos: DEUMESS – Frank Schütze / Fotografie Kranert