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Gerüstet für das Alter

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Was, wenn der Wohngrundriss nicht mehr zum Lebensalter passt? Umzug oder Umbau? Eine Entscheidung, die viele Senioren gerne verdrängen. Doch immer mehr Bauträger und Forscher sind dabei, hier die Tabus aufzubrechen.
MAIK NOVOTNY

Altersgerecht, seniorengerecht, bar- rierefrei – normgerechte Umschreibungen für ein Tabu, dem sich viele Menschen nicht aussetzen wollen, denn wer denkt schon gerne ans Altwerden? Kein angenehmes Thema. Was, wenn das gewohnte Wohnen nicht mehr funktioniert? Türen verbreitern, Treppenlift einbauen, oder Wechsel in eine Wohnung, die den Bedürfnissen entspricht?

Das Forschungsprojekt „Ready – vorbereitet für altengerechtes Wohnen“ an der Universität Stuttgart unter Professor Thomas Jocher hat sich genau diesem Thema angenommen. „Im Alter werden wir zunehmend unbeweglicher – auch was den Wohnungswechsel betrifft. Man hängt an der vertrauten Umgebung, selbst wenn diese nicht altengerecht ist“, erklärt Jocher. Das ready-Konzept suchte daher unkomplizierte und pragmatische Lösungen, die mit wenigen Maßnahmen in praktisch allen Neubau-Wohnungen umsetzbar sind.

Gefordert wird die Einführung eines baulichen Mindeststandards („ready“) in Form eines Drei-Stufen-Konzepts: Mindeststandard, Ready plus Standard und allready Komfortstandard. Die Forscher befragten dazu eine Reihe von Wohnbauträgern, mit positiver Resonanz: 87 Prozent von ihnen halten einen Mindeststandard nach dem ready-Konzept für sinnvoll.

Einbindung der Bewohner

Auch in Österreich sondieren Bauträger den Bedarf und die Möglichkeiten des altersgerechten Adaptierens. Das Projekt „Smartes Wohnen für Generationen: Partizipative Entwicklung von alternsgerechten Modernisierungskonzepten“ wurde 2016 und 2017 von einem Team aus der Caritas Wien, dem Österreichischen Institut für nachhaltige Entwicklung (ÖIN) und dem Bauträger Schwarzatal durchgeführt. Dabei ging es weniger um bauliche Maßnahmen, sondern um die Einbindung der Bewohner, um Unsicherheiten abzubauen und Möglichkeiten der Mitgestaltung zu eröffnen.

Als Fallbeispiele dienten zwei Wiener Wohnanlagen aus den 1960er und 1970er Jahren mit hohem Anteil an älteren Erstmietern: Die Wohnanlage Wudinskygasse (WBV-GÖD, 1964-66) mit 58 Wohneinheiten und 46 Prozent Erstmietern sowie die Wohnanlage Meißauergasse (Schwarza- tal, 1975) mit 426 Wohneinheiten und 47 Prozent Erstmietern. Die Erkenntnisse aus zahlreichen Gesprächen wurden zu einem Leitfaden zusammengefasst, der Hilfestellung bei der Ermittlung des konkreten Bedarfs geben soll. Vielsagende Reaktion einer Bewohnerin: „Warum werden wir erst jetzt befragt, nachdem wir schon 45 Jahre hier leben?“

Wie groß der Bedarf an Umbauten tatsächlich ist, lässt sich schwer abschätzen – fragt man konkret nach, kommt es mitunter zu Überraschungen. Dies war die Erkenntnis der WBV-GPA, als sie vor 10 Jahren ein Pilotprojekt zur seniorengerechten Adaptierung startete. „Wir haben damals allen Mietern in Wien angeboten, beim Umbau behilflich zu sein“, erinnert sich WBV-GPA-Geschäftsführer Michael Gehbauer. „Das beinhaltete auch eine Kooperation mit der Bausparkasse zur Hilfe bei der Finanzierung, da Ältere nur schwer einen Kredit bekommen.“

Geringes Interesse

Ein ambitioniertes Projekt, doch es gab ein Problem: Das Interesse war äußerst gering. „In den damals rund 5000 Wohnungen waren nur 18 Personen interessiert, von denen nur neun tatsächlich Umbaumaßnahmen getätigt haben“, so Gehbauer. „Auch seitdem sind kaum Wünsche an uns herangetragen worden. Offenbar denken wir mehr darüber nach als die Betroffenen. Aber wir haben viel gelernt aus dem Projekt.“ Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass die meisten Bewohner hoffen, den Status Quo so lange wie möglich zu erhalten…

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