Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Deutschland erlebt einen Sommer, der zeigt, wie unmittelbar der Klimawandel die Wohnungswirtschaft erreicht. Temperaturen von mehr als 40 Grad treffen auf einen Gebäudebestand, der vielfach nicht für lange Hitzeperioden ausgelegt ist. Gleichzeitig sinken die Pegel der Flüsse, die Binnenschifffahrt wird eingeschränkt und Lieferketten geraten unter Druck. Ausgerechnet in dieser Situation drohen neue Regeln für die Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern Investitionen zusätzlich zu erschweren.
Das sind keine drei getrennten Probleme. Hitze, Wasser und Energie gehören inzwischen auf einen wohnungswirtschaftlichen Tisch.
Die Wohnung wird zum Gesundheitsrisiko
Besonders deutlich wird das bei der Hitze. In älteren Mehrfamilienhäusern können sich Wohnungen über Tage massiv aufheizen. Fehlender sommerlicher Wärmeschutz, unzureichende Verschattung, aufgeheizte Dächer und Fassaden sowie dicht bebaute Quartiere mit wenig Grün verschärfen das Problem. Besonders gefährdet sind ältere und kranke Menschen sowie kleine Kinder.
Die gesundheitlichen Folgen sind messbar. Nach den aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind bis einschließlich der 30. Kalenderwoche 2026 rund 11.900 Menschen hitzebedingt gestorben. Hitzetote werden dabei statistisch über die Übersterblichkeit ermittelt; häufig verschärft extreme Wärme bestehende Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen.
Damit wird Hitzeschutz zur wohnungspolitischen Aufgabe. Klimaanlagen allein können darauf keine Antwort sein. Zwar wurden 2025 bereits 4,3 Prozent der fertiggestellten Wohngebäude mit einer Anlage zur Kühlung ausgestattet. Doch wenn an heißen Tagen Millionen Geräte gleichzeitig laufen, entsteht genau während der Hitze ein zusätzlicher hoher Strombedarf.
Notwendig ist deshalb ein Gesamtsystem aus sommerlichem Wärmeschutz, Verschattung, Begrünung, Dämmung, intelligenter Gebäudetechnik und erneuerbarer Energie. Gerade Photovoltaik kann einen Teil des Stroms dann liefern, wenn die Sonne scheint und der Kühlbedarf hoch ist.
Wenn dem Rhein das Wasser fehlt
Die zweite Warnung dieses Sommers kommt von den Flüssen. Anfang August wurden am wichtigen Rheinpegel Kaub nur noch 19 Zentimeter gemeldet. Der Pegelstand entspricht zwar nicht der tatsächlichen Fahrrinnentiefe, ist aber entscheidend dafür, wie stark Schiffe beladen werden können.
Die Folgen reichen bis in die Bau- und Wohnungswirtschaft. Baustoffe und ihre Vorprodukte müssen transportiert werden. Werden Schiffe wegen Niedrigwassers nur teilweise beladen, steigen Transportaufwand und Kosten. Fallen Kapazitäten auf dem Wasserweg aus, lässt sich das nicht beliebig durch Lkw und Bahn kompensieren.
Wie ernst die Situation ist, zeigt eine ungewöhnliche Maßnahme: Mehrere Bundesländer haben wegen des Niedrigwassers Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw ermöglicht. Güter, die nicht ausreichend über die Wasserstraße transportiert werden können, sollen so auf die Straße ausweichen.
Deutschland besitzt zwar seit 2023 eine Nationale Wasserstrategie mit 78 Maßnahmen. Die Bundesregierung muss sich aber fragen lassen, ob deren Umsetzung mit der Geschwindigkeit der Veränderungen Schritt hält. Wenn Niedrigwasser Lieferketten bereits heute beeinträchtigt, ist Wasserknappheit kein Szenario für 2050 mehr.
Jetzt ausgerechnet Photovoltaik erschweren?
Umso widersprüchlicher erscheinen die Pläne für die EEG-Novelle 2027. Der GdW warnt davor, dass der Ausstieg aus der verlässlich vergüteten Einspeisung, neue Direktvermarktungspflichten und Einspeisebegrenzungen Photovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern wirtschaftlich schwächen könnten.
Das betrifft eine Schlüsseltechnologie für bezahlbares Wohnen
Mehrfamilienhäuser funktionieren anders als Eigenheime. Nicht jeder Mieter nimmt am Mieterstrom teil, Bewohner wechseln und Stromverbrauch, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Speicher erzeugen unterschiedliche Lastprofile. Nach Angaben des GdW können deshalb 30 bis 50 Prozent des erzeugten Solarstroms als Überschuss ins öffentliche Netz fließen.
Wird dieser Strom nicht mehr angemessen vergütet, gerät die Kalkulation ins Wanken. Der GdW nennt das Beispiel eines Wohnungsunternehmens mit rund 120.000 Wohnungen, das etwa 8.000 PV-Anlagen mit 140 Megawatt Leistung plant. In Verbindung mit Wärmepumpen könnten damit bis zu 40.000 Mieterstromkunden versorgt werden. Fällt die Vergütung des Überschussstroms als wirtschaftliche Säule weg, stehen solche Investitionen infrage.
Das wäre das falsche Signal.
Rund 44 Millionen Menschen leben in Deutschland zur Miete. Wenn die Energiewende gesellschaftlich funktionieren soll, müssen auch sie von günstigem Solarstrom profitieren können. Gleichzeitig brauchen Wohnungsunternehmen wirtschaftlichen Spielraum, um Milliarden in energetische Sanierung und Hitzeschutz zu investieren.
Die Bundesregierung muss deshalb die Punkte verbinden: Hitzeschutz im Bestand fördern, die Wasserstrategie schneller umsetzen und Gebäude-Photovoltaik wirtschaftlich absichern. Wer auf der einen Seite Solarpflicht und Klimaschutz verlangt, darf auf der anderen Seite die Refinanzierung entsprechender Investitionen nicht erschweren.
11.900 geschätzte Hitzetote und 19 Zentimeter am Pegel Kaub sind zwei Zahlen dieses Sommers. Sie zeigen: Klimaanpassung ist keine Aufgabe für morgen. Sie ist eine Aufgabe für jetzt.
August 2026 Wohnungswirtschaft heute., Ausgabe 217, mit Fakten und Einschätzungen zum zielführenden Handeln.
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Bleiben Sie zuversichtlich und nachhaltig.
Ihr Gerd Warda und das Wohnungswirtschaft heute-Team

