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„Wir müssen im Maßstab der Stadt, nicht in Wohnanlagen denken“

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Rudolf Scheuvens Professor für örtliche Raumplanung und Stadtentwicklung an der TU Wien und Mitglied des neuen Wiener Qualitätsbeirats. Im Interview erklärt er, was dessen Aufgaben sind und wie man das Wohnen auf die Quartiers- und Stadtebene bringt.
MAIK NOVOTNY

Der Wiener Qualitätsbeirat hat 2021 seine Arbeit aufgenommen, der erste von ihm mitbetreute Wettbewerb in der Meischlgasse im 23. Bezirk ist gestartet. Was genau ist die Aufgabe des Qualitätsbeirats?

In der Vergangenheit hat sich bei der Quartiersentwicklung der starke Unterschied zwischen dem regulierten geförderten und dem weniger regulierten freifinanzierten Wohnbau bemerkbar gemacht. Es wurde klar: Wenn man das nicht steuert, fällt es am Schluss in Einzelteile auseinander. Auf der Strecke bleibt dann meist der öffentliche Raum. Ein neues Quartier kann man aber nicht nur auf Gebäudeebene entwickeln. Es braucht eine übergreifende Abstimmung: Wo sind kommerzielle, gewerbliche oder kulturelle Nutzungsbausteine oder Gemeinschaftseinrichtungen verortet, wer trägt diese und was passiert mit den Erdgeschoßzonen und dem Freiraum? Daher haben wir Leitlinien für den Qualitätsbeirat formuliert, auf denen der dialogische Prozess mit den Beteiligten basiert.

Zu welchem Zeitpunkt im Prozess kommt der Qualitätsbeirat ins Spiel?

Idealerweise schon auf der Ebene der Stadtplanung, um Qualitätshandbücher zu formulieren. Es sind auch Vertreter der Stadtplanung im Prozess beteiligt, was sehr wichtig ist. Städtebauliche Wettbewerbe sind noch sehr selten in Wien, und wenn, dann münden sie in eine Flächenwidmung. Oftmals gibt es dann einen Bruch, das Wissen und die Zielvorstellungen gehen teilweise verloren. Hier setzt der Qualitätsbeirat an, indem er die Brücke zwischen den stadtplanerischen Zielvorstellungen und der baulichen Umsetzung schlägt. Wichtig für die Arbeit im Beirat ist der dialogische Anspruch – was bedeutet, dass die einzelnen Vorhaben im steten Austausch mit Architekten und Bauträgern auf der Basis vereinbarter quartiersbezogener Ziele und Qualitätsstandards weiterentwickelt werden.

Was genau steht in den Handbüchern?

Es unterscheidet sich von Quartier zu Quartier, aber wir haben geschaut, dass sie alle dieselbe Logik und Struktur haben. Immer enthalten sind die Kriterien stadtplanerische und städtebauliche Grundsätze, ökologische und soziale Prinzipien, Resilienz, Architektur, Freiraum und öffentlicher Raum, Prozesse und Qualitätssicherung…

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